Wie schreibe ich einen Fantasy-Roman? Eine Anleitung

Für alle, die schon immer mal einen Fantasy-Roman schreiben wollten, hier die ultimative Anleitung:

BITTE ANKREUZEN!

Zunächst wählen wir aus, ob unser Held MÄNNLICH oder unsere Heldin WEIBLICH ist, denn davon hängt der ganze Rest der Geschichte ab.

Meine Hauptperson ist

  1. männlich
  2. weiblich

Hast du MÄNNLICH angekreuzt, lies bitte im nächsten Beitrag weiter.

Hast du WEIBLICH angekreuzt, lies bitte im übernächsten Beitrag weiter.


Mein Held ist MÄNNLICH.

Er ist

  1. jung, naiv und ungewöhnlich gutaussehend.
  2. jung, naiv und gutaussehend, hat aber ungewöhnlich
    1. gelbe
    2. violette
    3. rote
    Augen.
  3. jung, naiv und rothaarig.
  4. jung, naiv, ungeschickt, vertrauensselig, ungebildet, ahnungslos und ziemlich dämlich.

Er lebt

  1. abgeschieden in einem kleinen Dorf in einem kleinen Tal am Arsch der Welt.
  2. abgeschieden bei seinem Mentor in einer kleinen Hütte auf einem Berg oder in einem Wald am Arsch der Welt.
  3. in einer Küche, verspottet und verhöhnt vom Rest des Gesindes.

Er träumt von

  1. Ruhm, Ehre, Macht und Reichtum.
  2. Sex.

Seine Mutter

  1. starb bei seiner Geburt.

Sein Vater

  1. ist unbekannt.


Meine Heldin ist WEIBLICH.

Sie ist

  1. jung, naiv und von ätherischer, unwirklicher Schönheit, derer sie sich aber nicht bewußt ist, was ihren besonderen Reiz ausmacht.
  2. jung, naiv und von ätherischer, unwirklicher Schönheit, derer sie sich bewußt ist, wodurch sie unausstehlich, zickig und arrogant wirkt.

Sie lebt

  1. in einem Baum.
  2. in einem kleinen Dorf.
  3. bei ihrer Großmutter, einer gütigen und weisen alten Dame mysteriöser Herkunft, die im Dorf als Hexe verschrien ist.

Sie träumt von

  1. der Liebe.

Ihre Mutter

  1. starb bei der Geburt des jüngsten Kindes.

Ihr Vater

  1. kam durch einen tragischen Unfall ums Leben.
  2. ist ein gramgebeugter Witwer mit fünf Kindern, um die er sich nicht kümmert, so daß meine Heldin die Mutterrolle übernehmen mußte, obwohl drei ihrer Brüder älter sind als sie.
  3. heiratete eine schöne, aber böse Frau, die meiner Heldin das Leben zur Hölle macht.

Eines Tages

  1. wird das Dorf von schwarzen Reitern überfallen.

Alle Bewohner

  1. sterben.

Nur

  1. die alte Großmutter
  2. eine alte Frau
  3. der Mentor

überlebt und kann mit letzter Kraft

  1. eine Prophezeiung

flüstern.

Die Prophezeiung besagt, daß

  1. mein Held in Wahrheit der verlorene Erbe des Königreiches ist,
  2. meine Heldin die einzige Erbin einer mystischen Kraft ist,

wodurch

  1. nur er allein
  2. nur sie allein

die Welt retten kann.

Dazu braucht er/sie

  1. ein magisches
  2. zwei magische
  3. drei magische
  4. fünf magische
  5. sieben magische
  6. neun magische
  7. elf/zwölf/dreizehn magische
  1. Ring(e),
  2. Schwert(er),
  3. Edelstein(e),
  4. Spiegel(scherben),
  5. sonstige magische Gegenstände,

die

  1. verborgen
  2. verloren
  3. versteckt
  4. geraubt

wurden, und zwar vom

  1. Dunklen Herrscher

aus dem

  1. Norden.

Weiteres Wissen über den Verbleib der magischen Gegenstände besitzt

  1. ein weiser Magier
  1. in der nächstgrößeren Stadt.
  2. am anderen Ende der Welt.
  1. Mein Held
  2. Meine Heldin

begräbt

  1. die Großmutter
  2. die alte Frau
  3. den Mentor

und macht sich auf den Weg.

Unterwegs trifft MEIN HELD

  1. eine bildschöne junge Frau, die auf der Flucht vor ihrem bösen Onkel ist, der sie an einen ungeliebten Mann verheiraten will, außerdem einen neuen Mentor und einen mächtigen Krieger, der ihm beibringt, ein Schwert anzufassen, ohne sich damit selbst zu durchbohren, und eine witzige Nebenfigur, die sich noch dämlicher anstellt als MEIN HELD, so daß man gut verfolgen kann, wie MEIN HELD an den Schwierigkeiten wächst.

Unterwegs trifft MEINE HELDIN

  1. einen Mann von düsterer, eher rauhbeiniger Schönheit, den ein Flair tragischen Schicksals umweht.

Sie verlieben sich.

Meine Heldin ist weiblich, träumt von Sex und starb bei der Geburt ihres ersten Kindes . . . verdammt, das war eine Sackgasse.
Siehst du, und solche Sackgassen vermeidest du, wenn du nur immer schön übersichtlich alles ankreuzt.

Der Held zieht in die Welt hinaus, um das/die Artefakt/e zu suchen, während die Heldin einen völlig anderen Weg einschlägt. Auf seiner Reise begegnet er einer Reihe von Gefährten. Zu diesen Gefährten gehören

  1. ein tolpatschiges, treues Dickerchen,
  2. ein brummiger Zwerg,
  3. ein strahlender, edelmütiger Held,
  4. ein Angehöriger einer exotischen Rasse,
  5. von allem etwas.

Auf seiner Reise wird aus dem Held

  1. ein tapferer Krieger.
  2. ein mächtiger Magier.
  3. ein strahlender Anführer.
  4. er bleibt der gleiche Trottel, wird aber von seinen Kumpels ständig rausgehauen.

Die Heldin wird währenddessen

  1. zu einer Zauberin.
  2. zur Sklavin eines bösen Schurken.
  3. zu einer Art Mutter Teresa für ein unterdrücktes Volk.

Auf ihrer Reise

  1. geraten mein Held und seine Truppe in halsbrecherische Abenteuer. Sie kämpfen gegen Orks, Untiere und Gezücht aus den Verliesen des Dunklen Herrschers und wachsen zu einer verschworenen Gemeinschaft zusammen.
  2. geraten meine Heldin und ihr neuer Freund in mysteriöse Wälder von verwunschener Schönheit. Ein Einhorn naht. Aus den Bäumen ertönt lieblicher, trauervoller Gesang. Schmetterlinge taumeln umher. Sie begegnen dem uralten Volk der Waldelfen, das meiner Heldin Näheres zu der mystischen Kraft erzählt, deren Erbin sie ist.

Am Ziel angekommen, erfahren sie, daß

  1. der weise alte Magier verschwunden ist.
  2. der weise alte Magier nach einem schrecklichen Kampf in seiner Giftküche tot aufgefunden wurde.

An der Wand der Giftküche fand man

  1. mysteriöse Schriftzeichen, die keiner lesen kann, die aber etwas unsagbar Böses ausstrahlen.

Sie sind

  1. grün.
  2. mit Blut geschrieben.

Um auf die Spur dieses Geheimnisses zu kommen,

  1. erscheint plötzlich ein dämlich kichernder Homunkulus.
  2. spricht eine Gottheit zu dem Helden.
  3. steht der Geist des weisen Magiers plötzlich da.

Die Heldin mittlerweile

  1. wehrt die Annäherungsversuche des notgeilen neuen Freundes ab, da sie sich zu Höherem berufen fühlt;
  2. schwenkt ein auf eine mystisch-religiöse Schiene;
  3. erlernt einen Zauber, mit dem sie dem Held nahe sein kann;
  4. nimmt die Lebensgewohnheiten des edlen Volkes an.

Mehrfachankreuzungen möglich!

Die Stadt wird von Schergen des Dunklen Herrschers angegriffen.

Mein Held

  1. kämpft heldenhaft mit seiner Truppe gegen das Böse. Alle überleben, wenn auch leicht verwundet. Mein Held trägt eine Narbe an der Stirn davon, die ihn älter, reifer und erfahrener aussehen läßt. Alle akzeptieren ihn nun als den Anführer.

Meine Heldin

  1. flieht durch eine unscheinbare Tür in der Stadtmauer, um ihren Auftrag erfüllen zu können.
  2. wird von den Schergen gefangengenommen und mit unsäglichen Qualen bedroht, aber ihr Freund rettet sie.
  3. entdeckt ihre mystische Macht des Heilens und wird zur Mutter Teresa der Stadt.

Nach vielen abenteuerlichen Abenteuern finden die Helden die magischen Artefakte. In letzter Sekunde werden sie zusammengefügt. Das Böse ist vernichtet (Held) oder zur Liebe und Eintracht bekehrt (Heldin).

Mein Held

  1. wird König, seine Gefährten werden seine engsten Berater. Er heiratet die schöne junge Frau, die in Wahrheit die Erbin des benachbarten Königreiches ist.

Meine Heldin

  1. ist nun eine mächtige Zauberin, entsagt aber der Macht und sinkt ihrem notgei--- äh, edlen Liebsten in die Arme, um sich dann in die friedvolle Einsamkeit eines Zauberwaldes zurückzuziehen.

Aber

  1. das Böse ist nicht wirklich vernichtet!

Der Tod des dunklen Herrschers erfolgt

  1. durch eine gewaltige Explosion, wo immer sie auch herrühren mag.
  2. durch den Helden, der ihn mit einem magischen Schwert durchbohrt.
  3. durch den Helden, der ihn mit irgendeinem anderen Artefakt zu Staub verwandelt.
  4. dadurch, daß der Bösewicht explodiert, weil er die Macht der Liebe nicht ertragen kann.
  5. durch die Heldin, die ihn im magischen Zweikampf in eine Ratte oder ein ähnliches Kriechtier verwandelt (was dann von irgend jemand zertreten wird).
  6. durch Götter, die ihn dann doch zu böse finden und ihn kurzerhand entfernen.

Mein HELD

  1. kehrt nach Hause zurück, um das friedliche Leben fortzusetzen und kümmert sich nicht um das noch existierende Böse.
  2. beschließt, das doch-nicht-tote-Böse in den Teilen 2-63 weiter zu bekämpfen.
  3. opfert tapfer sein Leben, um das doch-nicht-tote-Böse endgültig zu vernichten.

Meine HELDIN

  1. heiratet ihren attraktiven, mysteriösen Begleiter und kümmert sich nicht um das doch noch existierende Böse.
  2. wurde jungfräulich vom Bösen geschwängert und erwartet nun Dämonenbrut, mit der sie sich in den Teilen 2-63 auseinandersetzen muß.
  3. zieht sich auf eine Insel zurück, die von einem magischen Schutzbann umgeben ist und nur von Frauen betreten werden darf, die einmal im Monat gemeinsam bluten.

 


Diese wunderbare Anleitung stammt (leider) nicht von mir, sondern wurde im Federfeuer-Forum veröffentlicht.

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People in this conversation

  • Rolf Herter

    Permalink

    Hab mich schlappgelacht,Ich denke mal Herr der Ringe und Eragon passen voll in dieses Schem wahrscheinlich sind sie deshalb so erfolgreich (Die Filme noch mehr !) :DQ

    Dienstag, 9. August 2011 19:52
  • Smeep

    Permalink

    hab ja keine ahnung ob das hier je jemand liest, aber das zeugs is aufjedenfall echt geil! ;D
    schade bloß das (zu)viele Fantasy-Romane nach diesem schema ablaufen...
    (nennt mir eins auf das es nicht zutrifft ;) .....)

    Dienstag, 9. November 2010 22:11
  • Michi

    Permalink

    Ich fand es voll lustig.
    Schade ist nur, dass man damit keinen erfolg erzielen kann. Würden alle Fantasy Romane nach diesem Schema laufen, so würde heutzutage keiner mehr ein Buch lesen. Nach dem dritten oder vierten Buch würde man bemerken, dass jdes Buch auf diesem Schema aufgebaut ist.
    Also probiert man lieber immer wieder andere Scemen aus.

    Sonntag, 18. Januar 2009 21:49
  • Ja, Scarlett O'Hara ist eine klassische Heldin, die die »Heldenreise« bestehen muß. Ihr »mythischer Wald«, durch den jeder Held und jede Heldin hindurchmuß, sind die Wirren des amerikanischen Bürgerkrieges, der sie aus ihrer Ruhe reißt und ihr ganzes Leben auf den Kopf stellt.
    Das ist ein imposanter Hintergrund, den man natürlich nicht immer wählen kann. Vor allem muß man viel über diese Zeit wissen, über den Krieg selbst und seine Geschichte, über die Menschen damals.
    Die Heldenreise kann ein interessantes Thema sein, leider wird sie jedoch gerade in der Fantasy oft von unerfahrenen Schreiberlingen verwendet, die gar nicht wissen, was der Kern der Heldenreise ist, worum es dabei eigentlich geht.
    Scarlett ist am Ende des Buches vielleicht nicht vollständig geläutert (wie es der Held eigentlich sein sollte), aber es besteht zumindest die Aussicht darauf, wenn sie sagt: »Ich denke morgen darüber nach«.
    Ein wirklich geniales Buch, »Vom Winde verweht«. Es deckt alle Bereiche des menschlichen Lebens ab.

    Sonntag, 3. Februar 2008 12:22
  • Das liegt nicht am Motiv der Heldenreise, sondern an der Fantasielosigkeit der Fantasy-Autoren, die <em>Heldenreise</em> nehmen <em>as is</em> – ein Held, der reist. Da kommt natürlich immer wieder dasselbe dabei heraus. Wirklich interessante Heldenreisen sind die, die auf den ersten Blick vielleicht gar nicht als solche erkennbar sind: »Vom Winde verweht« wäre da zu nennen. Als ein Beispiel von vielen.

    Dienstag, 29. Januar 2008 9:41
  • Nicole T.

    Permalink

    Wie süß. Hab mich schlappgelacht.
    Wenn es doch nur so einfach wäre. Aber da dieses Schema so altbekannt ist, kann man damit glaub ich heute niemanden mehr so richitg vom Hocker reißen, obwohl ich zugeben muss, dass ein paar dieser Elemnte auch in meinen Fantasy Geschichten vorkommen.
    Aber das liegt dann wohl an dem altbekannten Konstrukt der Heldenreise.

    Montag, 28. Januar 2008 19:30

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