Dick, krank und mit guten Aussichten, bald zu sterben

Kürzlich stolperte ich auf Netflix über die Dokumentation »Fat, sick and nearly dead« des Australiers Joe Cross. Die Dokumentation ist nicht neu, er hat das schon vor einigen Jahren gedreht, aber fünf Jahre später kam dann die Anschlussdoku »Fat, sick and nearly dead 2« heraus, und somit hat man jetzt sozusagen einen Langzeiteindruck von dem, worum es geht.

Es geht um nichts Neues oder Unbekanntes, es geht ums Saftfasten. Sehr, sehr altbekannt bei uns, wer kennt nicht die Buchinger-Klinik am Bodensee oder andere Fastenkliniken in Deutschland, aber in Australien vermutlich etwas, wovon noch nicht viele Leute gehört haben. Deshalb fuhr Joe Cross auch nicht nach Deutschland, um zu fasten, sondern nach Amerika.

Mir kommt es so vor, als wäre es nicht die beste Idee, ausgerechnet in das Land zu gehen, in dem die meisten Leute dick und ungesund sind, sich von Junk Food (man bedenke, „Junk“ ist das, was normalerweise im Mülleimer landet) ernähren und sich vor Fett kaum mehr bewegen können, aber Joe Cross fand das wohl nicht.

Vielleicht dachte er unbewusst auch, dass gerade diese vielen fetten (nicht übergewichtigen, der Ausdruck ist viel zu harmlos) Leute in Amerika eine gute Inspiration für jemanden sein können, der schlank und gesund werden will. Immerhin hat man so immer vor Augen, was aus einem wird, wenn man sich nicht gesund ernährt.

Er blieb die ersten vier Wochen in New York, unter Aufsicht des bekannten Arztes und Ernährungsexperten Dr. Fuhrman, der alle zehn Tage einen Bluttest machte, um die Auswirkungen des Saftfastens zu messen. Danach fuhr er die nächsten 30 Tage von Ost nach West durchs Land, durch die Weiten Amerikas, durch viele kleine amerikanische Städtchen, in denen fortschrittliche Ideen nicht unbedingt sehr verbreitet oder auch nur gern gesehen sind. Aber Joe war unerschütterlich, er hatte seinen Juicer im Kofferraum seines SUVs, mit einer Extra-Batterie, um ihn dort zu betreiben, und bot jedem, den er unterwegs traf, von seinem Saft an. Dadurch überzeugte er einige von den Vorteilen des „Juicens“, die vorher wohl nie darüber nachgedacht hätten, so etwas zu versuchen. Und die Ergebnisse waren erstaunlich.

Joe war nicht nur ziemlich übergewichtig, sondern er war auch krank. Er hatte so eine Art ständigen Ausschlag, sehr schmerzhaft, juckend und unangenehm. Eine Autoimmunkrankheit, bei der seine eigenen Zellen sich gegenseitig angriffen. Dagegen nahm er eine Menge Tabletten, die aber nicht wirklich halfen, er musste nur immer mehr nehmen. Seine Ärzte prophezeiten ihm einen frühen Tod.

Eigentlich war Joe ein erfolgreicher Geschäftsmann, schon mit Anfang 40 aufgrund seiner Arbeit an der Börse so wohlhabend, dass er in seinem Leben nicht mehr hätte arbeiten müssen, aber all sein Geld, Dutzende von Ärzten, Akupunkteuren oder sogar Medizinmännern nützten ihm nichts, weil sein Lebensstil ihn nicht nur langsam, sondern immer schneller umbrachte.

Seine Kur dagegen war ziemlich radikal, aber sie hat gewirkt. Innerhalb der 60 Tage, die er saftfastete, nahm er 37 Kilo ab (Männer nehmen so schnell ab, dafür könnte ich sie immer umbringen. wink Frauen haben es da viel schwerer) und brauchte keine Tabletten mehr, er war nicht mehr krank.

Der Film beschreibt diese 60 Tage, wobei die ersten Tage die schlimmsten sind, wenn man sich von fester auf flüssige Nahrung umstellt, das ist allen, die schon mal gefastet haben, wohlbekannt. Danach ist es recht einfach, man hat keinen Hunger, man kann an jeder Bäckerei, an jedem Grill, an jeder Eisdiele mit einem Lächeln vorbeigehen, ohne dass man Verlangen nach dem hat, was dort verkauft wird.

Da ich selbst schon einmal vier Wochen am Stück gefastet habe und im Jahr darauf sogar fünf Wochen, weiß ich, wovon ich hier spreche, ich habe nicht nur den Film gesehen, ich habe selbst erlebt, wie gut es tut, gar nichts mehr zu essen. In der Tat ist es sehr viel einfacher als wenig zu essen, insbesondere wenn man eine Diät macht, bei der einem vorgeschrieben wird, was man essen darf und was nicht und wie viel davon.

Ich bin grundsätzlich gegen Diäten, das ist ja bekannt, deshalb sollte niemand das Saftfasten mit einer Diät verwechseln, nur weil man dabei recht schnell recht viele Kilos verliert. Das ist nur ein wenn auch erfreulicher Nebeneffekt. Wenn jemand jedoch deshalb fastet, wird er zum Schluss enttäuscht sein. Beim Fasten geht es nicht ums Abnehmen, es geht um die Gesundheit.

In erster Linie ist Fasten eine Gelegenheit, zu einem gesunden, ausgewogenen Lebensstil zurückzufinden. Danach sind alle Sinne so geschärft, dass man Junk Food wohl nicht einmal mehr in Betracht zieht. Man hat Lust auf frische Sachen, Obst, Gemüse, nicht auf verarbeitete Lebensmittel wie Kuchen, Pizza, Hamburger oder fette Fritten. Würden alle Leute sich so umstellen, wären alle Fast-Food-Ketten schnell pleite, weil niemand mehr dieses Zeug essen will. wink

Ich habe das viel zu lange vernachlässigt, aber Joe Cross hat mir mit seinem Film einen Anstoß gegeben, es endlich einmal wieder zu versuchen. Ich habe heute eine Menge Obst gekauft und mir einfach einen Saft gemacht (der Entsafter stand jetzt eine ganze Weile im Schrank), und das Erstaunliche ist: Ich hatte heute morgen ziemliche Kopfschmerzen, die sich einfach nicht verziehen wollten, und nachdem ich diesen halben Liter frischen Saft getrunken hatte (Banane, rote Grapefruit, Orangen und Ananas), waren die Kopfschmerzen plötzlich verschwunden. Ich habe mich wohl nicht genügend mit Nährstoffen versorgt in letzter Zeit.

Wenn man sich vollständig auf Saft umstellt, ist das ein paar Tage lang wie gesagt ziemlich unangenehm, und da ich viel Arbeit habe im Moment, würde ich das gern vermeiden. Aber was ich auf jeden Fall tun werde, ist: Ich werde einmal oder vielleicht sogar zweimal am Tag als Ersatz für eine Mahlzeit einen frischen Saft aus meinem Entsafter trinken. Da ich Vegetarierin bin, bestehen die andern Mahlzeiten am Tag dann auch aus Gemüse, allerdings gekocht. Ich bin keine Rohköstlerin.

Nach dem Erlebnis heute mit den Kopfschmerzen bin ich jedoch sehr zuversichtlich, dass mir die frischen Säfte mehr Energie geben werden, meine Arbeit durchzuziehen und rechtzeitig zu beenden. Das ist ein gutes Gefühl.

Vielleicht berichte ich weiter darüber, wie es mir damit geht, wenn ich das ein paar Wochen durchgehalten habe.

 

P.S.: Wer sich die Doku oder auch beide Teile der Doku anschauen will, kann das auf YouTube tun:

Overall Rating (0)

0 out of 5 stars
Add comment

People in this conversation

  • Ruth Gogoll

Weitere Artikel

  • 1
  • 2
  • 3

Suche