Mal etwas Positives über Depressionen

Depressionen sind etwas Furchtbares. Wer je darunter gelitten hat oder auch akut darunter leidet, wird das bestätigen können.

Man sagt ja immer, jede Medaille hat zwei Seiten, was bedeuten soll, alles Negative hat auch etwas Positives, aber bei Depressionen ist es doch schwierig das zu glauben.

Trotzdem gibt es immer wieder Wissenschaftler, die Untersuchungen durchführen und die überraschendsten Dinge herausfinden, zum Beispiel daß Depressionen dabei helfen, bessere Entscheidungen zu treffen.

Ja, tatsächlich. Es gab neulich eine Studie, bei der Menschen, die sich akut in einer Depressionsphase befanden, mit Menschen verglichen wurden, die nicht depressiv sind bzw. die sich gerade auf dem Wege der Besserung aus einer Depression befanden.

Die Aufgabe, die den Teilnehmern an der Studie gestellt wurde, war, die richtigen Kandidaten für eine Wohnung oder für einen Job auszusuchen. Das sind keine leichten Entscheidungen, und vor allen Dingen sind es Entscheidungen, bei denen man ganz genau hinschauen muß, um keinen Fehler zu machen. Menschen zu beurteilen ist – wie wir alle wissen – eine äußerst anspruchsvolle Aufgabe. Nicht jeder kann das.

Das erstaunliche an dieser Studie war nun, daß Menschen, die sich gerade in einer akuten Depressionsphase befanden, bei dieser Aufgabe besser abschnitten als gesunde Menschen oder auch Menschen, die sich schon wieder auf dem Wege der Besserung aus der Depression befanden.

Die Leiterin der Studie, Bettina von Helversen von der Universität Basel, vermutet nun, daß Depressionen die analytischen Fähigkeiten eines Menschen schärfen und deshalb für die Menschheit wichtig sind. Auch die Beharrlichkeit, mit der die depressionskranken Menschen bei der Studie an die Aufgabe herangingen, übertraf die der Gesunden bei weitem.

Unter dem Einfluß der Depression setzten sich die Menschen sehr viel intensiver mit den Bewerbern für die Wohnung oder den Job auseinander. Die gesunden Menschen schauten nur wenige Bewerber an und trafen dann eine schnelle Wahl. Die depressiven Studienteilnehmer schauten wesentlich genauer hin und wählten zum Schluß auch die besseren Bewerber aus.

Grundsätzlich wäre es also von Vorteil, wenn alle Vermieter und Personalchefs depressiv wären, dann würden sie die beste Entscheidung treffen.

Aber so einfach kann man es sich natürlich nicht machen. Depressionen wünscht man niemandem. Sie sind einfach zu schrecklich.

Dennoch ist das Ergebnis dieser Studie ein Hinweis darauf, daß Depressionen eine wichtige Rolle in der Entwicklung der Menschheit gespielt haben könnten und vielleicht immer noch spielen. Sie sind nicht einfach nutzlos.

Wobei das natürlich auch kein Trost ist. Vor allem, wenn man sich gerade in einer depressiven Phase befindet. Aber vielleicht könnte man sich dann sagen, daß man gerade eine sehr wichtige Aufgabe für die Menschheit erfüllt mit seiner Depression. Immerhin etwas.

 

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  • Jasmin Kari
  • ... aber das depressiv verstimmte Menschen sich intensiver mit anderen auseinandersetzen halte ich auch für eine Tatsache. Wobei man da vermutlich auch verschiedene Stufen unterscheiden muss.

    Immerhin sind sie wohl in dieser Phase sensibler als manch andere Menschen. Sie reflektieren mehr. Und die Analyse ihres eigenen Umfelds schließt auch die Personen ein, denen sie begegnen.

    Ich denke jedoch auch, dass - wenn die Depression zu weit fortgeschritten ist - das Interesse an anderen Menschen gleich Null ist, oder nur unter einem verschobenen Blickwinkel betrachtet wird.

    Mir fällt gerade etwas ein - sagt man nicht auch, dass unter Künstlern Depressionen weit verbreitet sind?
    Jedenfalls das Manische, aus dem oft der Schaffungsprozess entsteht - der Drang dazu, sich zu äußern, nachdem man sich mit einem bestimmten Thema auseinandergesetzt hat und auch oft auseinandersetzen musste? Insofern kann man wirklich etwas Positives daraus ableiten, so merkwürdig das klingt.

    Wie viele große Künstler hätten wir wohl verpasst, wenn diese nicht depressiv gewesen wären? ;-)

    Freitag, 6. Mai 2011 16:41

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