Das Moral-Ideal

Menschen neigen dazu, gute Taten durch egoistisches Verhalten auszugleichen

Moralisches und unmoralisches Verhalten balancieren sich gegenseitig aus: Wer sich in einem bestimmten Bereich besonders selbstlos verhält, neigt dazu, in einem anderen äußerst egoistisch zu handeln. Umgekehrt verursacht rücksichtsloses Verhalten nicht selten den Drang, etwas Gutes zu tun

. . . hat eine Studie ergeben, über die wissenschaft.de berichtet.

Angesichts der Diskussionen über »Moral« und »Unmoral« in lesbischen Beziehungen bzw. lesbischen Affären finde ich das ein interessantes Thema.

Gleichen denn die Frauen, die anscheinend immer nur eine Frau für eine Nacht suchen oder für den Abbau ihres Hormonstaus, ihr unmoralisches Verhalten durch andererseits sehr moralisches Verhalten aus? Das wäre wirklich mal interessant zu wissen.

Ehrlich gesagt habe ich diese Erfahrung noch nie gemacht. Die meisten Menschen, die egoistisch sind, sind immer egoistisch. Und die Menschen, die immer nur für andere da sind, sind oftmals gar nicht in der Lage, egoistisch an sich selbst zu denken.

Insbesondere Frauen werden von klein auf dazu erzogen, nicht egoistisch zu sein. Sie stellen ihre eigenen Bedürfnisse hinter die der Familie, der Eltern, der Geschwister, des Mannes, der Kinder zurück. Offenbar hat das bei den Frauen, über die hier berichtet wurde, nicht geklappt. Aber bei vielen klappt es.

Vielleicht liegt es auch daran, daß die Jugendlichen heutzutage weniger zu Verantwortung erzogen werden als früher, so daß die jungen Frauen sich eher so verhalten, wie sich früher nur Männer verhalten haben. Es fällt mir immer wieder auf, daß die Mädchen heute zum Teil sehr aggressiv sind. So etwas kenne ich aus meiner eigenen Jugend nicht oder kaum. Damals waren Mädchen weit weniger aggressiv als Jungen.

Die moralische Selbsteinschätzung hat damit wahrscheinlich eher weniger zu tun, aber in dem Experiment, das ich oben erwähnte, stellte sich heraus, daß die Teilnehmer, die sich selbst als eher positiv einschätzten, z.B. als  freundlich, fürsorglich, liebevoll und großzügig, bei der Aufforderung, etwas für ein wohltätiges Projekt zu spenden, nur einen Bruchteil dessen spendeten wie die Teilnehmer, die sich selbst als selbstsüchtig, unehrlich und grausam einschätzten.

Das heißt, die Leute, die wußten, daß sie eigentlich nicht großzügig sind, versuchten das durch eine große Spende auszugleichen, während diejenigen, die meinten, sie wären ohnehin großzügig, das wohl nicht so sehr für nötig hielten.

Sehr interessant. Das entspricht sicherlich oftmals auch der Realität. Allerdings wohl kaum für die Frauen, die in den Internetchats nur andere Frauen aufreißen wollen, für Sex, nicht für eine Beziehung. Die müßten ja dann sehr viel spenden, um das auszugleichen.

Offenbar gibt es also für jeden Menschen einen Sollwert an Tugend, so die Schlussfolgerung der Forscher. Handelt er oberhalb oder unterhalb eines bestimmten Levels an Altruismus, drängt er instinktiv zurück in die entgegengesetzte Richtung, um wieder dieses für ihn ideale Niveau zu erreichen. So säubert eine gute Tat nach einem moralischen Fehlgriff das moralische Selbstbild wieder, während eine überhöhte Selbstachtung etwa nach einer großen Spende zum Beispiel durch ein gewisses Maß an Rücksichtslosigkeit wieder zurechtgestutzt wird.

Warum das so ist, können die Forscher bisher nicht sagen. Möglicherweise haben die Menschen jedoch nicht genügend Anreiz, sich in weiteren moralischen Tätigkeiten zu engagieren, wenn sie sich bereits zu moralisch fühlen, spekulieren sie. Vielleicht stecke das auch hinter dem bereits häufig beobachteten Phänomen, dass manche Menschen gerade dem Laster frönen, das sie öffentlich vehement anprangern.

Ja, das kennen wir ja. Bei Leuten, die öffentlich gegen Homosexualität predigen, insbesondere diese fürchterlichen Fanatiker in Amerika, stellt sich oftmals nach einiger Zeit heraus, daß sie selbst homosexuell sind, aber so verklemmt, daß sie das nicht wahrhaben wollen oder nur im geheimen leben.

Jeder nach seiner Façon, wie der alte Fritz schon sagte, aber ich glaube, diese Leute spenden auch immer sehr viel, um ihre »Unmoral« auszugleichen.

Aber was ist mit den Lesben, die anscheinend wirklich kein Interesse an einer Frau als Frau, als Mensch, haben, sondern nur an ihrem Körper? Gleichen sie es aus, indem sie auf der anderen Seite zu jemand sehr freundlich sind, sehr uneigennützig?

Das bezweifle ich sehr. Ich glaube, Moral oder auch Freundlichkeit spielt für solche Leute überhaupt keine Rolle. Sie sehen nur sich selbst, sie können sich in die Gefühle einer anderen Person nicht hineinversetzen.

Und das finde ich sehr, sehr traurig. Denn ihnen entgeht das, was das Leben zu einem schönen Leben macht: die Zwischenmenschlichkeit. Wenn man Menschen, Frauen, wie Ware behandelt,  die man kaufen und benutzen kann, kann man keine menschliche Beziehung zu irgend etwas aufbauen, zu irgend jemand, und ich denke, noch nicht einmal zu sich selbst.

Denn so, wie man andere Menschen behandelt, behandelt man meist auch sich selbst. Diese Frauen kennen ihre eigenen Bedürfnisse nicht. Sie reduzieren ihre Bedürfnisse auf das rein Körperliche. Und so wichtig, und manchmal schön, das auch ist, aber die Bedürfnisse eines Menschen gehen weit über den eigenen Körper hinaus.

Wenn man das nicht erkennt, bleibt man sein Leben lang eine Art Zombie, der sich zwar bewegen kann, aber nicht fühlen.

Wenn ich mir das vorstelle, läuft es mir kalt den Rücken herunter. Gefühle sind für mich so ein entscheidender Teil des Lebens, daß ich mir nicht vorstellen könnte, darauf zu verzichten. Dann würde ich mich leer und hohl fühlen.

Man kann nur hoffen, daß diese Frauen im Laufe ihres Lebens auch einmal lernen, sich für ihre Gefühle zu öffnen. Denn ansonsten ist das Leben sinnlos.

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  • Michaela
  • dido
  • Ruth Gogoll
  • Nicole
  • Dido

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    Unsere Kinder wachsen in einer Welt von Bildern auf. Machmal ist es eine Bilderflut, mit der sie zurecht kommen müssen. Früher war das einfacher: Die Zeitung hat ein Bild von einer Katastrophe gebracht, in den Nachrichten gab es einen Kurzbericht dazu, im Radio eine Minute. Das reichte. Heute sind die Berichte ausführlicher: wer was wann wo und womit getan hat. Denkt mal an die Nachrichten über die Frauen, die jahrelang gefangen gehalten worden sind. Davon muss heute alles vermarktet werden.
    Wer seine Kinder stundenlang vor dem Fernsehen parkt und nicht mit ihnen darüber spricht, was sie gesehen haben, was wahr und was gefälscht ist, der bildet seine Kinder nicht. Sendungen zu verbieten, die nicht geeignet sind, ist nicht "uncool", sondern für die Kinder lebensnotwendig. Auch beim Internet schadet Kontrolle nicht. Im Gegenteil. Es für Kinder wichtig zu spüren, dass ihre Eltern sich mit ihnen beschäftigen.
    Bei den Medien zählt der Absatz oder die Einschaltquote. Verlieren Skandalsendungen an Zuschauern, dann verschwinden sie. Wir als Verbraucher können dem ein Ende setzen. Aber solange genügend Menschen die Skandalberichte einschalten, Zeitschriften darüber kaufen oder die Videos aus dem Internet herunterladen, so lange wird sich nichts ändern. So hart es klingt: Die meisten Menschen wollen nicht über den Sinn ihres Lebens nachdenken, sondern einfach in Ruhe gelassen werden.
    Hier sehe ich eine Herausforderung. Wir als Eltern und Erwachsene müssen uns bewusst sein, was wir sehen und wie wir Bilder verarbeiten. Sonst stumpfen wir ebenso schnell ab wie unsere Kinder.

    Sonntag, 5. Juli 2009 22:55
  • Nicole

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    Ich denke schon, dass Medien eine gewisse Rolle spielen. Oder die Eltern, oder wer auch immer, aber ich denke, zu viele Kinder/Jugendliche werden darüber zu sehr beeinflusst und sind einfach noch nicht so weit, damit umgehen zu können.

    Nur weiß man da auch nicht, wo man anfangen soll - sind die Medien Schuld? Die Eltern, die die Kinder davorsetzen? Bedingungen, die es für Eltern schwierig machen, sich um die Kinder zu kümmern?

    Wir sollten nicht durch unsere Kinder eine bessere Welt schaffen, sondern für - wir brauchen jetzt auf allen Ebenen Reformen und Veränderungen ...

    Sonntag, 5. Juli 2009 19:38
  • Ruth Gogoll

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    Aber was hat das Fernsehen mit meiner eigenen Moral zu tun? Ich sitze doch nicht vor dem Fernseher und denke: »Oh, toll, wie die da aufeinander einprügeln. Das will ich auch machen.«
    Jedenfalls nicht, wenn ich einen guten Charakter habe. Die eigene Moral, der eigene Charakter bewahrt eine doch davor, gewalttätig zu sein.
    Also kann die Gewaltspirale nicht durch die Medien angeheizt werden. Das kann sie nur, wenn es genügend schlechte Menschen gibt, die dem Weg der Gewalt folgen. Eben weil sie keinen oder einen gewalttätigen Charakter haben.
    Die Verantwortung liegt allein bei uns, ob wir gute Menschen sein wollen oder nicht. Bei niemand anderem.

    Sonntag, 5. Juli 2009 18:24
  • Dido

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    Unser Blick richtet sich aufgrund der Medien häufiger auf die Abweichungen. Die berichten darüber, weil sie sonst keinen Absatzmarkt dafür hätten. Und unter den Tätern grassiert das Gesetz, dass die nächste Aktion, die durch die Presse läuft, spektakulärer sein muss.
    Ich gebe nicht den Medien wie dem Fernsehen oder dem Radio die Schuld. Die Zuschauer bzw Zuhörer, die sich nur auf die "Horrorgeschichten" stürzen, tragen entscheidend dazu bei, die Gewaltspirale anzufachen. Denn durch Extremfälle steigt die Angst in der Bevölkerung, die plötzlich überall Schwerverbrechen sieht.

    Sonntag, 5. Juli 2009 18:17
  • Ruth Gogoll

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    Mutter und Tante waren jedoch Schwestern und wurden wahrscheinlich von den Eltern auf die gleiche Weise erzogen. Dennoch war die eine Schwester integer, die andere nicht. Alles kann man also durch Erziehung offensichtlich nicht beeinflussen.

    Aber ich stimme dem zu. Auch meine Erziehung hat mich sicherlich sehr geprägt. Je älter ich werde, desto mehr merke ich, wie hervorragend meine Erziehung war. Wir hatten ebenfalls ein hervorragendes Vorbild. Das ist wirklich wahr. Ganz automatisch wird man als Kind davon geprägt.

    Nur durch die Kinder können wir diese Welt wieder auf den richtigen Kurs bringen.

    Das stimmt einerseits, aber das »nur« scheint mir das zu sehr einzuschränken. Die Kinder sind die Zukunft, ja, und wenn wir unseren Kindern die richtigen Werte beibringen, werden sie die Zukunft eventuell besser gestalten als es das Heute erahnen läßt, aber das Heute können wir nur dadurch beeinflussen, indem wir uns selbst integer verhalten. Wir dürfen das nicht auf unsere Kinder abschieben.

    Die heutige Zeit wird durch die heutigen Menschen geprägt, und wenn dort Egoismus zum Normalfall wird, werden unsere Kinder es schwerhaben, das wieder zurechzurücken.

    Also müssen wir uns heute integer verhalten. Unser eigenes Verhalten überprüfen und eventuell ändern. Dazu gehört aber auch, zumindest ein wenig, Intelligenz, und die scheint bei vielen entweder nie vorhanden gewesen oder verloren gegangen zu sein.

    Sonntag, 5. Juli 2009 14:37
  • Michaela

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    Moral - Mitgefühl - Liebe
    Moral, Mitgefühl und auch Liebe werden meiner Meinung nach auch zum Teil durch die Erziehung beeinflusst.
    Ich vergleiche da immer ganz gerne die Erziehung die wir Kinder durch unsere Mutter genossen haben und die meiner Tante (die Schwester meiner Mutter) miteinander.
    Wir wurden sehr liebevoll erzogen hatten aber auch unsere Regeln an die wir uns halten mussten. Meine Mama war eine sehr integere Frau . Sie wurde in den 30er Jahren geboren und heiratete mit 24 Jahren meinen Vater. Mit 25 bekam sie meine Schwester, 2 Jahre später meinen älteren Bruder, dann nach weiteren 7 Jahren meinen jüngeren Bruder und 16 Jahre nach meiner Schwester kam ich.
    Meine Mama war wundervoll. Sie machte keine Unterschiede zwischen uns Kindern. Keiner wurde bevorzugt, keiner wurde besser oder schlechter behandelt. Sie schaffte es uns allen zu vermitteln, dass wir für sie etwas ganz besonderes sind. Sie wurden uns allen immer gerecht. Stellte ihre Bedürfnisse in den Hintergrund und unsere nach vorne. Sie war immer unser Fels in der Brandung. Sie war unser Vorbild. Sie lebte ein Leben voller Moral, Mitgefühl und Liebe und wir Kinder sogen das in uns auf. Sie sagte immer „Worte lehren, Beispiele ziehen an“… Nur was man selber erlebt, kann man auch weitergeben. Aus uns 4 Kindern ist was geworden. Wir sind alle keine Egoisten geworden. Wir denken nicht immer, aber meistens erst an andere. Unsere Kinder stehen bei uns allen immer im Vordergrund. Ich denke das meine Mama stolz auf uns wäre könnte sie uns heute, zwanzig Jahre nach ihrem Tod sehen. Sie würde sich freuen, dass die Dinge die sie uns gelehrt hat auch nun an unsere Kinder von uns weitergegeben werden. Das wir Kinder soviel von ihr gelernt haben in den Jahren. Das wir immer noch eine große Familie sind. Das wir nie die Moral, das Mitgefühl und die Liebe aus den Augen verloren haben. Das wir versuchen in dieser heutigen schnelllebigen und oft auch rohen Welt unsere Kinder so zu erziehen, dass sie auch wieder Moral, Mitgefühl und Liebe weitergeben.
    Hingegen die Kinder meiner Tante Egoisten sind. Der Sohn will nur eine Frau fürs Bett…egal wer…sie muss nicht clever sein aber sie muss immer „spitz“ sein. Seine Schwester hat ein Kind…denn Kinder gehören ja zum Leben…aber trotzdem wurde egal wie es das Kind verarbeiten konnte, jede Party mitgenommen. Dafür wurde es mal hierhin und mal dahin „gereicht“. Aber schon meine Tante hat immer mehr an sich als an ihre Kinder gedacht. Hat immer ihre Bedürfnisse vor die ihrer Kinder gestellt und liebte sich selbst scheinbar am meisten…und genauso handhaben es heute ihre Kinder.
    Denn „was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr!“ Nur durch die Kinder können wir diese Welt wieder auf den richtigen Kurs bringen. Wir müssen diese Welt wieder besser machen…lebenswerter…liebenswerter…

    Sonntag, 5. Juli 2009 13:59
  • Nicole

    Permalink

    Erschreckend ist natürlich, sich vorzustellen, daß es tatsächlich Menschen gibt, die nur und ausschließlich solche Bedürfnisse haben. Was für Menschen sind das? Denken diese Menschen nie nach, haben sie kein Gehirn, haben sie nur Unterleibsorgane und Triebe?

    Am Gehirn wird es wohl kaum liegen, bisher gab es keine Region "Seele" und da muss wohl oft etwas fehlen ... (und die Hormone müssen ja gesteuert werden)
    Wobei interessant ist, dass sich ein höherer IQ in der Evolution nicht durchgesetzt hat, das wäre unter Umständen - geht man von der Vernetzung des Gehirns aus - möglich. Also entweder sind die Hochbegabten zu blöd sich selbst zu erhalten oder nach Evolution ist das ganze absolut überflüssig. Ich meine jetzt natürlich auf die letzten Jahrhunderte gerechnet, dass wir doch ein wenig weiter sein dürften als ein Steinzeitmensch ist anzunehmen, auch wenn nicht immer beweisbar.

    Objektiv haben wir uns vermutlich nicht stark weiter entwickelt. Natürlich, wir sind, viele jedenfalls, moderne, aufgeklärte Menschen. Wir wissen, dass es keine minderwertigen Rassen gibt. Deswegen ist es jetzt egal, wenn wir aus Spaß halb tot schlagen und was wir sonst so mit Menschen treiben ...
    Wenn jemand so ist, ist er/sie dann überhaupt ein Mensch? Oder nicht eher ein Tier? Gut, wir Menschen gehören zur Gruppe der Säugetiere, das kann man nicht bestreiten, aber haben wir uns darüberhinaus nicht weiterentwickelt?

    Ich glaube, es gibt solche und solche - aber ich kann es schließlich nur glauben, würde mich zur vermeintlich besseren Kategorie zählen und kann somit nicht mehr unabhängig sein.
    Vernunft soll uns immer kennzeichnen, aber so ganz geht die ganze Sache doch nicht mehr. Viel mehr haben wir uns einen gigantischen Spielplatz in eine Welt gebaut, ohne Rücksicht auf irgendetwas oder irgendjemanden und stellen darin eigene Regeln auf, legen fest, was Zahlen auf Papier bedeuten - das ist vernünftig? - und durch welche Normen man sich gegenseitig terrorisieren (lassen) kann.

    Vielleicht unterscheidet uns vom Tier also, dass wir uns wahnsinnig viel vorgaukeln können. Vielleicht würde uns vom Tier unterscheiden, dass wir im Sinne von Humanität oder Liebe handeln, aber das könnte genauso wieder eine von uns gestaltete Illusion sein ... vielleicht aber auch der Weg uns selbst und unser Leben zu erkennen, nur wendet man sich lieber davon ab und nimmt den einfachen Weg.

    Aber genauso wie Stützpfeiler der Humanität aufgebaut wurden, wurden eben auch dagegen gehalten - allein die moderenen Foltermethoden ... also dürften wir uns im Endeffekt nicht weiterentwickelt haben - nur in die in unsere Zeit passenden Extreme.
    Wenn es der einzige Erfolg der Frauenbewegung und der sexuellen Revolution in den 70ern war, daß Frauen sich jetzt wie Tiere verhalten (dürfen), dann möchte ich lieber wieder in die 60er zurück. smilies/rolleyes.gif

    Jetzt weiß ich endlich, warum das mit der Emanzipation immer wieder arg ins Stocken kommt, die sind jetzt alle mit etwas anderem beschäftigt ...
    Leider ist der wichtigste Trieb der Selbsterhaltungstrieb - bei Männern wie bei Frauen. Erst weit danach kommen Mitgefühl oder Familiensinn.

    Die Frage ist nur, was man unter "Selbsterhaltungstrieb" versteht. Ich weiß, das wird neuerdings oft von Biologen ausgegraben, die "egoistischen Gene", habe ich letztens irgendwo gelesen ... Und immer wird dagegen gehalten, dass dieser mittlerweile eigentlich stark in den Hintergrund hätte treten müssen - so schnell verhungert jedenfalls (in reicheren Ländern) niemand, aber unterbewusst soll er bleiben ...

    Das ist für mich aber fast derselbe Unsinn wie mit der Säbelzahntiger-Geschichte, nach der Menschen, die Panik bekommen eben wie Steinzeitmenschen bei Todesgefahr reagieren - was das Ausschüten des Adrenalins, usw. betrifft - nur laufen wir nicht mehr weg, wir können uns stellen, wir können nachdenken und uns die Panik abgewöhnen, in dem wir eben denken und uns entscheiden.

    Ich halte stark am freien Willen fest - Gene machen vielleicht etwas aus, aber wir können uns entscheiden.

    Und, wenn wir schon wieder bei der Biologie sind: Familiensinn und Mitgefühl kommen nicht weit danach. Wenn es um Fitness geht, geht es auch um die, die wir über andere Ecken weitergeben können - im Sinne von "Brutpflege", usw. Schließlich kommt da auch die Theorie her, warum Homosexualität in der Natur vorgesehen ist.
    Dann ist nur die Frage, ob unsere Gattung zu den monogamen gehören soll oder nicht ...

    Wenn man jetzt eigentlich biologisch vorgeht, stellt sich eigentlich nicht mehr die Frage, ob es Menschen und Tiere gibt, sondern ob man widernatürlich sein kann ohne nachzudenken.
    Sogar Liebe ohne Sex ist befriedigend.

    Eben.

    Sonntag, 5. Juli 2009 0:34
  • Ruth Gogoll

    Permalink

    Sogar Liebe ohne Sex ist befriedigend. ;) Sicherlich weitaus befriedigender als Sex ohne Liebe.

    Aber wenn man die Menschen damit entschuldigt, daß man biologische Argumente anbringt, dann sieht man sie wohl wirklich als Tiere. Denn Menschlichkeit beginnt da, wo ich mich eben nicht mehr wie ein Tier benehme, nicht mehr rein triebgesteuert oder instinktiv.

    Das ist der Knackpunkt. Wenn ein Tier sich rein instinktiv verhält, ist das sein gutes Recht, es kann nicht anders, aber wenn ein Mensch sich rein triebgesteuert verhält, ist das nicht sehr erstrebenswert. Um es mal vorsichtig auszudrücken.

    Eine Frau zu lieben, lieben zu dürfen, ist ein Geschenk. Das sollte man zu schätzen wissen.

    Aber die Frauen, die nur eine Frau für ihre Triebbefriedigung suchen, denken darüber wohl nicht nach.

    Wenn es der einzige Erfolg der Frauenbewegung und der sexuellen Revolution in den 70ern war, daß Frauen sich jetzt wie Tiere verhalten (dürfen), dann möchte ich lieber wieder in die 60er zurück. %)

    Samstag, 4. Juli 2009 22:22
  • dido

    Permalink

    Leider ist der wichtigste Trieb der Selbsterhaltungstrieb - bei Männern wie bei Frauen. Erst weit danach kommen Mitgefühl oder Familiensinn. Wer sich also angegriffen fühlt, der reagiert oft überzogen. Wer sich in der Geschichte umsieht, erkennt, mit welcher Brutalität Frauen gegen andere vorgegangen sind. Also ist das nichts Neues.
    Dass der Sex im Vordergrund steht, ist auch gesellschaftlich bedingt. Seit den 70er Jahren sind Frauen mit ihren Wünschen und Forderungen an die Öffentlichkeit gegangen. Seitdem sind die Geschlechterrollen ebenso hinterfragt wie die Familienrechte.
    Mit der veränderten Gesellschaft sind auch die strengen Regeln gefallen. Heute dürfen Lesben heiraten. Damit rücken die sexuellen Bedürfnisse in den Vordergrund. Nach wie vor ist es normal, wenn frau sich austoben will. Die meisten vergessen, dass nicht die Menge der Bettgefährtinnen wichtig ist, sondern das Gefühl die wichtigste Rolle spielt. Solange frau der anderen sagt, dass sie nur eine Affäre will und die andere das auch will, ist alles in bester Ordnung. Der anderen aber die große Liebe vorzuspielen und dann nach kurzer Zeit zu gehen, ist hinterhältig. Dem kann frau nur vorbeugen, indem sie sich nicht sofort auf Sex einlässt. Wer wartet, hat in dem Fall mehr davon. Denn Sex mit Liebe befriedigt Körper und Geist.

    Samstag, 4. Juli 2009 22:02
  • Ruth Gogoll

    Permalink

    Ja, das ist immer eine sehr interessante Frage: Was ist Moral? Moral ist eine gesellschaftlich getroffene Übereinkunft, nichts »Natürliches«. Was in der einen Gesellschaft als moralisch gilt, kann in der anderen Gesellschaft durchaus als unmoralisch gelten. Und umgekehrt.

    Man sieht es ja beispielsweise am Geld. In Amerika ist Geld nicht unmoralisch, Amerikaner leben nach der Devise »Geld stinkt nicht«. In Deutschland hingegen werden Leute mit viel Geld zwar beneidet, aber auch immer ein wenig abschätzig betrachtet, man redet nicht über Geld, nicht über das, was man verdient, man brüstet sich nicht damit Geld zu verdienen, mehr Geld als andere vielleicht. Wer protzt, wird im günstigsten Fall belächelt.

    Dennoch protzen natürlich viele. Mit Autos, mit Häusern, mit teuren Frauen. 8) Das ist davon unabhängig. Aber es wird als proletenhaft angesehen. Wer immer schon Geld hatte oder wer ein »anständiger« Mensch ist, protzt nicht, gibt sich eher bescheiden und spielt sein Einkommen und seine Erfolge herunter.

    Kurzum: kann es sein, dass manche Menschen schlichtweg verrohen und in eine Art "Urzustand" zurückkehren? Dann kommen vielleicht wirklich nur noch körperliche Bedürfnisse durch.

    Ja, darüber habe ich mir auch Gedanken gemacht. Es gab schon immer Menschen, die gefühllos waren, für die nur ihre eigenen Bedürfnisse zählten, die anderer nicht. Aber heute kommt es einem vor, als ob das zunimmt.
    Früher wurde das in der Gesellschaft als nicht erstrebenswert angesehen, dieses egoistische, proletenhafte Verhalten, heute greift es um sich und wird nicht bestraft. Im Gegenteil, meist wird es ja noch belohnt.

    Denn wenn beispielsweise eine Frau, der gefühlsmäßig nichts an anderen liegt, immer genug Frauen findet, die mit ihr ins Bett gehen und ihre Bedürfnisse befriedigen, warum sollte sie ihr Verhalten dann ändern? Ebensowenig wie die Männer früher ihr Verhalten ändern mußten.

    Erschreckend ist natürlich, sich vorzustellen, daß es tatsächlich Menschen gibt, die nur und ausschließlich solche Bedürfnisse haben. Was für Menschen sind das? Denken diese Menschen nie nach, haben sie kein Gehirn, haben sie nur Unterleibsorgane und Triebe?

    Wenn jemand so ist, ist er/sie dann überhaupt ein Mensch? Oder nicht eher ein Tier? Gut, wir Menschen gehören zur Gruppe der Säugetiere, das kann man nicht bestreiten, aber haben wir uns darüberhinaus nicht weiterentwickelt?

    Vielleicht bilden wir uns das wirklich nur ein.

    Samstag, 4. Juli 2009 20:42
  • Nicole

    Permalink

    Ein sehr interessantes Thema, das auch Fragen über Fragen aufwirft.

    Was ist Moral? Angeboren, erlernbar, erziehbar, verlernbar? Kann es eine allgemeingültige Moral geben? Hängt Tugend mit Willenskraft zusammen? Und was ist der "Wille"?

    Und vor allem: ist eine gute Tat nicht auch schon egoistisch? Gut, ich denke, es hängt von der Tat ab. Manche laufen vielleicht wirklich nach dem Motto "Wie du mir, so ich dir", nur in positiver Richtung, andere dienen vielleicht nur der Gewissensberuhigung - ob jetzt für eine vorangegangene "unmoralische" Tat oder weil man das Gefühl hat, man müsse doch auch mal irgendetwas machen.

    Auf der anderen Seite steht aber, wie weit Selbstlosigkeit noch etwas mit Moral und Tugend zu tun hat, bevor man selbst zu Grunde geht, sollte man doch "egoistisch" werden.


    Wobei ich ein wenig nachvollziehen kann, wie vielleicht diese "Balance" zu Stande kommt - je nach dem und bestimmt nicht allgemein gültig. Macht man etwas "gutes" - und kommt sich danach, warum auch immer, als zu gutmütig/naiv/blöd/was auch immer vor, denkt man sich vielleicht bei der nächsten moralischen Entscheidung, dass man auch mal dagegen vorgehen kann - und eben anders herum.

    Die Frage ist eben, ob man das überhaupt bewusst macht. (Und ob man da wieder für die Allgemeinheit sprechen kann.)


    Ich frage mich, ob in manchen Menschen jedes Mitgefühl, überhaupt die Empathie. abgestorben, abgestumpft ist oder einfach nie vorhanden war. Und ob es schon immer so extrem war, aber nur heute eher auffällt, oder es irgendeinen Auslöser gab - oder ob das in der Menschheit schlichtweg Phasenweise kommt (und hoffentlich geht). Das könnte man dann vielleicht noch mit der Evolution verrechnen ... vielleicht läuft das Modell Mensch aus und Gefühle sind nicht so wichtig, wie wir meinen, sonst müssten sich die Fähigkeiten stärker durchsetzen ... aber gut, Gefühle befinden sich nun auch nicht in den Genen.

    Vielleicht hängt es auch mit der Bildungsart ab. Ich meine jetzt nicht das Niveau oder Wissen an sich, eher den Umgang damit und das ewige Hinterfragen. Bzw. haben viele vielleicht die falschen Vorbilder, wenn sie den ganzen Tag nur vor dem Fernseher sitzen oder wirklich nur Blödsinn am Computer machen ... (Ich frage mich auch, ob dadurch die Sprachfähigkeit abbaut/abgebaut hat - wer liest denn noch?)
    Kurzum: kann es sein, dass manche Menschen schlichtweg verrohen und in eine Art "Urzustand" zurückkehren? Dann kommen vielleicht wirklich nur noch körperliche Bedürfnisse durch.

    Und das Absterben der Empathie erklärt auch, wieso jetzt auch Mädchen immer brutaler werden ... mich wundert es immer stark, dass Jugendliche nicht mehr aufhören können zu prügeln und die "Prügeleien" überhaupt nichts mehr mit Fairness zu tun haben ...


    Ich glaube langsam, dass ich auch mal Studien durchführen möchte ...

    Samstag, 4. Juli 2009 19:07

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