Frisieren und lieben

Vor einiger Zeit lief im Fernsehen ein wunderbarer Film mit dem deutschen Titel »Über kurz oder lang«. Bei dem Titel weiß man nicht so genau, um was es geht, aber wer Gelegenheit hat, diesen Film anzuschauen, sollte es tun. Es ist ein selten gelungenes Schmuckstück.

Der Originaltitel »Blow dry« – also »Trockenföhnen« – ist leider auch nicht viel aussagekräftiger. Außer daß er darauf hinweist, daß es ums Frisieren geht.

Nein, darum geht es nicht wirklich, es geht eigentlich um Liebe und menschliche Beziehungen, aber angesiedelt ist das Ganze in einer Rahmenhandlung, die sich um die britische Meisterschaft im Frisieren dreht. Nur Briten können über so etwas einen Film drehen.

In diesem Film vereinen sich britischer Humor und eine leise Tragik zu einem perfekten Bild. Wie auch bei anderen britischen Filmen, die ähnlich gelungen sind, wie z.B. »Ganz oder gar nicht«, wird der eher ernste Teil des Lebens zwar auch Teil der Geschichte, aber zum Schluß lächelt man, weil das Ende zumindest für den Moment ein gutes ist.

In der Geschichte geht es um zwei rivalisierende Friseure. Vor Jahren waren sie Konkurrenten bei jeder Meisterschaft, aber dann verließ Phils Frau ihn für das Frisurenmodell Sandra, und seit zehn Jahren leben die beiden Frauen über die Straße von Phils Frisiersalon und betreiben dort einen eigenen Salon. Shelley, Phils ehemalige Frau, will ihren Sohn nicht verlassen, der beim Vater geblieben ist, welcher wiederum seit zehn Jahren nicht mehr mit seiner Frau spricht, weil sie eine lesbische Beziehung eingegangen ist und ihn dafür verlassen hat.

Der Konkurrent von Phil, Ray, hat eine Tochter im Alter von Phils Sohn, obwohl er selbst offensichtlich schwul ist und mit seinem Freund auf der Meisterschaft erscheint. Die Tochter von Ray und der Sohn von Phil verlieben sich in einer süßen, zarten Teenagerliebesgeschichte, was die Väter natürlich nicht wollen.

Shelley ist glücklich mit Sandra, aber leider schlägt das Schicksal zu und Shelley bekommt Krebs. Sie versucht alle möglichen Behandlungen, und endlich sagt sie es auch ihrem Ex-Ehemann und ihrem Sohn, was dann dazu führt, daß sie alle zusammen bei diesem Frisierwettbewerb gewinnen, mit Sandra als Modell. Und zum Schluß reden sie wieder alle miteinander, und Shelley, Sandra, Phil und der Sohn Brian sind eine glückliche Familie.

So einfach, wie es jetzt hier klingt, ist es nicht, und schon gar nicht banal, aber es ist ein wunderbarer Film, der ein Lächeln auf das Gesicht zaubert, wenn er zu Ende ist.

Sehr empfehlenswert.

 

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  • Ruth Gogoll
  • Kerstin
  • Ruth Gogoll

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    Ja, das ist immer wieder auffällig an den britischen Produktionen: die hervorragenden Schauspieler. Und Natasha Richardson, das ist wirklich furchtbar, daß sie so einen tödlichen Unfall hatte. Ich finde ja ihre Mutter Vanessa Redgrave auch toll, eine der besten Schauspielerinnen überhaupt, aber Natasha stand ihr in nichts nach. Wer mal den Film »The White Countess« irgendwo zu sehen bekommt, kann das dort auch feststellen. Aber eigentlich in jedem ihrer Filme. Ich weiß nicht, ob es »Die weiße Gräfin« auch auf deutsch gibt, ich habe ihn nur in englisch gesehen. Eine sehr dramatische Geschichte. Natasha Richardson spielt darin eine Aristokratin aus Weißrußland, die von den Kommunisten vertrieben worden ist und sich ihr Geld als Prostituierte verdienen muß. Vor allem, um für den großen Rest ihrer Familie zu sorgen, die sie dafür aber dann, statt dankbar zu sein, verachtet.

    Eine ungeheuer ans Herz gehende Geschichte. Und Natasha Richardson hat etwas so Aristokratisches, daß man ihr die ehemals reiche und nur in den besten Kreisen verkehrende Prinzessin selbst in schäbigen Kleidern ansieht.

    Samstag, 1. Oktober 2011 13:36
  • Kerstin

    Permalink

    Danke, dass Sie mich wieder an diesen tollen Film erinnert haben. Dies ist einer meiner Lieblingsfilme, den ich immer wieder gerne sehe. Der britische und hier sehr schräge Humor ist einfach genial. Dazu die ernsten Aspekte des Lebens, die Krebserkrankung, die gekränkten Gefühle des für eine andere Frau verlassenen Ehemannes. Einfach toll umgesetzt. Es gibt viel zu lachen, aber eben auch zum Nachdenken.
    Dass hier auch noch die - für mich - besten Schauspieler agieren macht den Film noch sehenswerter.
    Alan Rickman as Phil Allen
    Natasha Richardson as Shelley Allen
    Rachel Griffiths as Sandra
    Rachael Leigh Cook as Christina Robertson
    Josh Hartnett as Brian Allen
    Bill Nighy as Ray (Raymond) Robertson
    Warren Clarke as Tony
    Rosemary Harris as Daisy
    Heidi Klum as Jasmine
    Peter Kay as Cyrill The Bar Man
    Alan Rickman und Bill Nighy tauchen öfters gemeinsam in britischen Filmen auf und sind einfach nur super - im Original übrigens noch besser durch den britischen Akzent!
    Und die leider viel zu früh verstorbene Natasha Richardson spielt sehr überzeugend.

    Samstag, 1. Oktober 2011 13:09

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