Naiad und Barbara Grier

Mein nächster Artikel ist in der Huffington Post erschienen:

Ruth Gogoll: Gedenken an Naiad

Da der Artikel auf englisch ist, fasse ich das mal kurz zusammen. Es geht darum, daß ich so einen netten Kommentar auf meinen ersten Artikel in der Huffington Post bekommen habe, in dem sogar vorgeschlagen wurde, ich sollte das Bundesverdienstkreuz bekommen. 

Das ist ein sehr netter Vorschlag, aber wenn man sich mal anschaut, was für ein Mensch unser derzeitiger Bundespräsident ist (steht ja genug in den Medien zur Zeit über seine Glanztaten ), wird das wohl nichts.

Jedoch freut man sich natürlich immer über ein solches Kompliment, und ich wollte dieses Kompliment dann auch einmal an mein Vorbild, den amerikanischen Naiad-Verlag, weitergeben. Diesen Verlag gibt es zwar schon eine Weile nicht mehr, aber kürzlich ist Barbara Grier, die diesen Verlag gemeinsam mit ihrer Frau und zwei anderen Lesben gegründet hatte und auch das Kernstück des Verlages war, im Alter von 78 Jahren an Krebs gestorben, was ein höchst bedauerlicher Verlust für die gesamte Lesbenwelt und auch die Verlagswelt ist.

Eines der Bücher von Naiad aus den 80er Jahren, »Stoner McTavish«, hat mich sehr inspiriert und vielleicht sogar den Anstoß dazu gegeben, daß ich »Taxi nach Paris« geschrieben habe. Denn als ich »Stoner« las, sah ich, daß das genau das war, was ich lesen wollte und wovon es damals auf dem lesbischen Literaturmarkt einfach nichts gab. Kein deutscher lesbischer Verlag brachte so etwas heraus, keine deutsche lesbische Autorin schrieb so etwas. Deshalb habe ich es dann getan. 

Und daraus ist dann eben el!es geworden. Das einzige Defizit in den Naiad-Büchern war, daß der Sex einfach zu kurz kam. Es wird daran gedacht, manchmal haben die Protagonistinnen auch Sex, aber dann ist das im Buch in ein paar Sätzen abgehandelt. In dieser Hinsicht waren damals ich und auch alle meine lesbischen Freundinnen sehr enttäuscht von diesen Büchern. Deshalb wurde es bei el!es dann anders. Da darf Sex auch einmal etwas länger dauern als die üblichen zwei Heterominuten. 

Ansonsten aber ... wer weiß. Vielleicht hätte es el!es ohne Naiad nie gegeben. Deshalb habe ich diesen Artikel geschrieben, um an Naiad und die kürzlich verstorbene Barbara Grier zu erinnern. Und mich dafür zu bedanken, daß ich so ein großartiges Vorbild haben durfte.

Ruhe sanft, Barbara Grier.

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  • Senada Bobar
  • Ruth Gogoll
  • ricky smith
  • Nanni
  • Terry
  • Senada Bobar

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    Diese Nachricht hat mich sehr traurig gemacht. Barbara Grier war auch mein Vorbild. Ich habe vor etlichen Jahren angefangen die Bücher des Verlages zu sammeln. Es wurde jedoch immer schwieriger an ältere Exemplare zu kommen nach der Auflösung des Verlages. Der Verlag hat weltweit Geschichte geschrieben und meiner Meinung nach ist der el!es Verlag auf dem besten Weg dorthin. Macht weiter so!

    Dienstag, 10. Januar 2012 12:09
  • ricky smith

    Permalink

    Na, der Stolz sei Ihnen vergönnt. Das ist schon sowas wie ein Ritterschlag, wenn die eigenen Bücher auch in andere Sprachen übersetzt werden. Hoffentlich bleiben Sie uns trotzdem noch lange erhalten oder spielen Sie schon mit dem Gedanken Fahnenflucht zu begehen, sich ein gemütliches Domizil auf Rhode Island zu kaufen und dort mit Ihrer Flamme Cocktails zu schlürfen? ;D
    Übrigens, wer kennt sie denn nicht, die Geschichten mit der süssen Gwen. Die waren doch einfach hinreißend. ;)

    Samstag, 7. Januar 2012 18:56
  • Ruth Gogoll

    Permalink

    Sarah Dreher ist auch die Autorin des von mir erwähnten Buches Stoner McTavish, sicherlich nicht nur für mich eines der wichtigsten lesbischen Bücher, denn es begründete mit einigen wenigen anderen das Genre des Lesbenkrimis. Sarah Dreher ist nicht einfach nur eine lesbische Autorin, sondern auch studierte Psychologin. Durch ihren Beruf sind ihre Bücher sicherlich die realistischsten, die es gibt. Und sie ist alt genug, um zu wissen, was damals wirklich in Amerika passiert ist. Es ist erschreckend. Aber selbst heute ist Amerika ja noch eines der intolerantesten Länder, was Homosexualität betrifft. Wenn man die täglichen Nachrichten in der Huffington Post liest, könnte man meinen, es hätte sich seit 50 Jahren nicht viel geändert.

    Andererseits gab es aber in Amerika so etwas wie Naiad, bevor hier in Deutschland überhaupt jemand daran dachte, auch mal etwas anderes als feministische Literatur herauszubringen. Während bei uns Alice Schwarzer noch immer auf den „kleinen Unterschied“ pochte, brachte Barbara Grier bereits lesbische Liebesromane heraus. Und inspirierte mich, el!es zu gründen.

    Leider habe ich Barbara Grier nie persönlich kennengelernt, aber ich bin der Meinung, das, was sie in Gang gesetzt hat, wird nicht sterben, es ist nicht mit ihrem Tod beendet. Es geht immer weiter. Naiad gibt es nicht mehr, aber jetzt gibt es www.elles-books.com in Amerika, und wir nehmen die Fackel auf, die Barbara Grier leider gegen ihren Willen fallenlassen mußte.

    Ich freue mich auf die Herausforderung, diese Fackel weiterzutragen und die Idee von Naiad nicht sterben zu lassen. Denn in el!es – egal ob in Europa, in Amerika oder in Australien (ja, unsere englischsprachigen Bücher gibt es jetzt auch in Australien ;)) – lebt Naiad tatsächlich weiter. Worauf ich wirklich sehr stolz bin.

    Samstag, 7. Januar 2012 16:42
  • ricky smith

    Permalink

    Schade, dass es Naiad Press nicht mehr gibt, Barbara Grier war mir persönlich kein Begriff, aber ich habe den Namen direkt gegoogelt. Frau Gogoll und Wikipedia sei Dank konnte ich mein lesbisches Hintergrundwissen wieder etwas erweitern.
    Ich finde es großartig, dass es inzwischen eine lesbische Geschichte gibt, die man nachlesen kann, auch Dank des elles-Verlages, der z.B. auch das Buch "Solitaire und Brahms" verlegt hat, welches ja nicht nur eine Liebesgeschichte beinhaltet. Man bekommt in diesem Buch einen sehr interessanten Einblick in das Leben von Frauen in den 60ern?, ist auf jeden Fall interessant zu lesen, wenn man nicht selbst in dieser Zeit aufgewachsen ist. Wie fiktiv oder realistisch die Geschichte dargestellt ist, weiss ich natürlich nicht, aber ich denke schon, dass Sarah Dreher in dieser Zeit aufgewachsen ist und sich in dem Buch auch einiges an eigenen Erfahrungen von ihr widerspiegelt. Meiner Ansicht nach ist es eines der besten Bücher des Verlages.

    Samstag, 7. Januar 2012 15:26
  • Nanni

    Permalink

    Erst vor gar nicht langer Zeit, hat eine Freundin gemeint: "Immer, wenn etwas aus Deinem Leben verschwindet, ist das nur ein Zeichen dafür, dass etwas Besseres unterwegs ist."
    Daraufhin ich, mit meiner netten Art die ich nun mal an mir habe: "Tja, dass mit den Zeichen ist immer so ein Ding! Alles Auslegungssache würde ich mal behaupten!"
    Darauf meine Freundin wieder: "Es kann nur besser werden sooo kann ich es für mich urteilen!"
    Zum Schluss ich wieder: "Da hast Du recht. Immer positiv denken!"

    Barbara Grier war für Sie ein Vorbild, vielleicht auch noch für viele andere. Somit war ihr Leben nicht umsonst. Barbara Grier´s Leben hinterlässt Spuren, und das ist etwas Wundervolles. Frau Grier´s Leben hat einige Vorreiterinnen zu Tage gebracht. Siehe Sie und Ihren Verlag.

    Samstag, 7. Januar 2012 2:24
  • Terry

    Permalink

    Was täte diese Welt ohne ihre Vorbilder? Sie sind es, die unsere Gedanken beflügeln, unseren Mut entfachen und unsere Wege bereiten. Und wer weiß, vielleicht wird man auf diesen Wegen ja auch selbst zu Vorbildern – oder, Frau Gogoll? Solche Vorbilder können dann auch durchaus Träger des Bundesverdienstkreuzes sein/werden.

    Wobei, es gibt ja Personen, die allein schon Kraft ihres Amtes Träger des Bundesverdienstkreuzes sind, ob sie nun Vorbilder sind oder nicht. ;)

    Freitag, 6. Januar 2012 16:17

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