Drum prüfe, wer sich bindet . . .

Neulich las ich eine Geschichte, die mich ziemlich berührt hat. Keine erfundene Geschichte, sondern eine, die tatsächlich passiert ist. Zwei Lesben, schon seit der ersten Klasse auf dem Gymnasium zusammen, erst beste Freundinnen und später dann ein Paar, heiraten und wollen dann auch Kinder.

Heutzutage nichts Besonderes mehr, sollte man meinen, die meisten Frauen benötigen nur ein bisschen Samen zur richtigen Zeit, um schwanger zu werden. Samenbanken gibt es auch, also kein Problem.

Nun wollten diese beiden aber ein etwas persönlicheres Verhältnis zum Vater ihrer Kinder, warum auch immer. Sie wollten ihn kennen. Einerseits verständlich, andererseits hätten sie darüber vielleicht mal ein wenig länger nachdenken sollen. Denn was dann geschah, lag außerhalb dessen, was sie sich vorgestellt hatten.

Sie hatten über das Internet recherchiert, und offenbar gibt es tatsächlich Männer, die sich als private Samenspender anbieten, nicht über eine Samenbank. Ich könnte mir vorstellen, dass das ein ganz gutes Geschäft ist. Lesbische Paare, die Kinder wollen, alleinstehende Frauen, die ein Kind wollen – die Nachfrage ist groß.

Anscheinend hatten sie gedacht, sie machen mit dem Mann dann ein nettes Kaffeekränzchen – sie hatten extra Kuchen nach einem Rezept der Oma gebacken, als sie ihn das erste Mal besuchten –, und er wäre damit zufrieden.

Die Umstände waren zwar etwas komisch – er war wohl arbeitslos und lebte in einer winzigen Ein-Zimmer-Wohnung –, aber das hielt die beiden Frauen auch nicht ab. Selbst dass der ganze Zeugungsakt in einem Gemeinschaftsraum im Keller vor sich gehen sollte, scheint sie nicht abgeschreckt zu haben.

Vielleicht auch, weil der Mann gar kein Geld wollte, sondern nur ab und zu Kontakt zu seinem Kind, vielleicht mal zum Geburtstag und zu Weihnachten, und dass das Kind dann wüsste, dass er der Vater wäre.

Na ja, das wäre mir persönlich schon zu viel gewesen, aber die beiden Frauen hatten damit keine Probleme. Wahrscheinlich hatten sie noch nie negative Erfahrungen mit Männern gemacht. Sie fragten ihn zwar, warum er sich als privater Samenspender zur Verfügung stellte, aber seine Antwort, er hätte eben das Bedürfnis, sich fortzupflanzen, hätte aber einfach nicht die richtige Frau gefunden, reichte ihnen.

Wie merkwürdig die Umstände auch waren, die Zeugung wurde in einer Sauna im Keller vollzogen – die Co-Mutter applizierte der Mutter den Samen, den der Spender gerade nebenan in einem gekachelten Raum produziert hatte, mit einer stumpfen Spritze, sie hatten die Sauna dafür mit Kissen, Kerzen und Musik gemütlich gemacht und finden diesen Augenblick selbst jetzt im nachhinein noch höchst romantisch –, und die Schwangerschaft nahm ihren Lauf.

Aber da ging es dann schon los. Der Samenspender wollte über die Schwangerschaft auf dem Laufenden gehalten werden, verlangte Ultraschallbilder und dass die werdende Mutter Kontakt mit ihm hielte, fast eine Beziehung mit ihm eingehen sollte.

Das stand natürlich für die beiden Frauen nicht zur Debatte, aber schon bald stellte sich heraus, dass dieser Mann auch andere Frauen „besamt“ hatte und dass er sie ebenfalls terrorisierte, Ultraschallbilder verlangte und nun von dem lesbischen Paar verlangte, dass sie auch diese Ultraschallbilder von den werdenden Müttern, die seinen Samen bekommen hatten, einforderten.

Der Terror wurde immer schlimmer, er rief Freunde, Bekannte und Familie an, beschimpfte dort die beiden Frauen und erzählte die widerlichsten Storys. Auch der Arbeitgeber und Kollegen wurden nicht verschont, bis die werdende Mutter einen Nervenzusammenbruch hatte und sich krankschreiben lassen musste.

Dann ging es so weiter, dass er auch noch das Sorgerecht verlangte. Natürlich wollte die Co-Mutter das Kind adoptieren, aber dazu musste er ja einwilligen, was der Mann nun verweigerte. Dabei hatte er das Gesetz auf seiner Seite, denn so lächerlich das auch ist, aber laut Gesetz galt er als Vater, mit Besuchsrecht, Auskunftsrecht, Sorgerechtanspruch und allem, was dazugehört.

Er terrorisierte alle Mütter, denen er seinen Samen so großzügig kostenlos zur Verfügung gestellt hatte, bis sich dann herausstellte, dass er psychisch krank war und die Aussichten für die Mütter und Co-Mütter nun doch gut sind, dass die Sache gut ausgeht und er nicht mehr verhindern kann, dass die Kinder mit ihren Müttern aufwachsen, ohne dass der Samenspender dazwischenfunkt.

Allerdings sollten sich Frauen mit Kinderwunsch wirklich genau überlegen, wie sie sich diesen Kinderwunsch erfüllen. Denn das Gesetz kennt keine privaten Samenspender, sondern nur Väter. Eine Samenbank ist wohl doch die bessere Option.

 

 

Overall Rating (0)

0 out of 5 stars
Add comment

People in this conversation

  • Ellen
  • Ellen

    Permalink

    Bei Lesben werde ich mit meiner Meinung sicherlich auf Unverständnis stoßen, aber ich muss dazu sagen: Selbst Schuld! Es gibt nicht umsonst Samenbanken. Bei deren Nutzung wäre dem Paar der ganze Ärger mit dem "großzügigen Spender" erspart geblieben. Mein Mitleid hält sich also in Grenzen.
    Nichtsdestotrotz wünsche ich natürlich allen, auch denen, die sich gegen eine Samenbank entscheiden, alles Gute bei der Verwirklichung ihres Kinderwunsches. :)

    Sonntag, 6. Dezember 2015 10:28

Weitere Artikel

  • 1
  • 2
  • 3

Suche