Leckerchen fürs Hirn

Meine Frau fand heute einen schönen Artikel in der »Welt«, von dem ich denke, daß er wie die Faust aufs Auge paßt. Denn es geht um Trivialliteratur, und wir von el!es werden ja oft mit dieser Qualifizierung belegt.

Wie ich schon mehr als einmal gesagt habe, ist »trivial« ein relativer Begriff, der leider immer wieder dazu verwendet wird, Argumente oder auch Literatur herunterzumachen. Diese abwertende Anwendung ist aber nicht die einzige, denn eigentlich bedeutet trivial nur: etwas, das ohne weitere Erklärungen und Begriffe verstanden werden kann.

In diesem Sinne bin ich gern eine Trivialautorin (wie mir ja oft unterstellt wird), denn ich bemühe mich, so zu schreiben, daß das, was ich sagen will, ohne weitere Erklärung verstanden werden kann.

Wenn aber doch immer wieder gegen »das Triviale« gewettert wird, oft auch behauptet wird, Leute, die Trivialliteratur lesen, wären dumm, warum ist Trivialliteratur dann so verbreitet, warum sind die Verlage, die so etwas produzieren, nicht längst eingegangen?

Eher das Gegenteil ist der Fall: Gerade diese Art Literatur, von Rosamunde Pilcher bis zu Danielle Steel oder James Bond, verkauft sich am besten und wird am liebsten gelesen. Kein noch so durch die Feuilletons hinaufgejubelter Bestseller der angeblich »hohen Literatur« erreicht Verkaufszahlen wie »Dr. Norden« und Co.

Warum also wird leicht verständliche Literatur so gern gelesen? Die Amerikaner fassen es in zwei Wörtern zusammen: brain candy, also, wenn man so will, Zucker fürs Gehirn.

Zucker ist immer eine Belohnung oder warum sonst fällt es uns so schwer, Schokolade, Kuchen, Keksen, Eis zu widerstehen? Wenn wir uns nicht wohlfühlen oder traurig sind, hilft ein Stückchen Schokolade besser als jede Medizin.

Und genauso funktioniert leicht verständliche Literatur. Sie verlangt keine Anstrengung von uns, wir können in ihr versinken wie in einer Mousse au chocolat, sie einfach nur genießen, uns wohlfühlen.

Ist daran etwas Falsches? Sicherlich nicht. Wir alle haben das Recht auf ein wenig Entspannung nach einem harten Tag.

Und in diesem Sinne bin ich froh, daß ich durch das, was ich schreibe, und durch das, was ich in meinem Verlag publiziere, zu dieser Entspannung beitragen kann.

Ich wünsche allen Leserinnen weiterhin viel Spaß mit den »trivialen« el!es-Büchern.

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