Über das Schreiben

Alles rund ums Schreiben: Sorgen und Ängste von Schriftstellern, Gedanken anderer Autoren über die Schreiberei, Zitate, Gedichte . . .

Wie viele Dichter(innen) braucht das Land?

Diese Frage stellte kürzlich ein Verleger im Börsenblatt, dem Organ des »Börsenvereins des Deutschen Buchhandels«.

Wie viele Dichter braucht das Land? Darüber scheint noch niemand ernsthaft nachgedacht zu haben. Hingegen sind sich alle darüber einig, dass es zu viele Bücher gibt. (Zitat aus dem Artikel)

Alle sind sich darüber einig? Also mich hat niemand gefragt.

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Ein Wirrwarr wie im 19. Jahrhundert

Wieder einmal geht es um die angebliche »Rechtschreibreform«, von der man tunlichst Abstand halten sollte.

Reform (lat. für re zurück; formatio Gestaltung, Wiederherstellung) bezeichnet [. . .] eine größere, planvolle und gewaltlose Umgestaltung bestehender Verhältnisse und Systeme. (Quelle: Wikipedia)
Wenn man also dieser Begriffserklärung folgt, hätte die »Rechtschreibreform« den Namen Reform wirklich nicht verdient, wenn was daran war oder ist »planvoll«?

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Wie kreativ sind Sie?

. . . fragt die Zeitschrift GEO und bietet auch gleich einen Test dazu an.

Nichts Neues oder Besonderes in der heutigen Medienlandschaft. Tests gibt es zu allem und jedem, Intelligenz, Beziehungsfähigkeit, Karriere, warum nicht auch zu Kreativität?

Halten Sie sich für eine kreative Frau? Tun Sie etwas Kreatives oder würden Sie es gern tun? Was ist eigentlich Kreativität?

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Warum schreiben?

Manchmal habe ich das Gefühl, ausländische Autorinnen und Autoren machen sich viel mehr Gedanken darüber, warum sie schreiben und wofür sie schreiben, als deutsche.

In Frankreich ist das Nachdenken über das eigene Schreiben sehr verbreitet und auf sehr hohem intellektuellem Niveau angesiedelt. Das hat eine lange Tradition. Ebenso in anderen Ländern Europas.

Am meisten teilen – fast möchte man sagen: wie zu erwarten – sich jedoch amerikanische Autor/inn/en zu diesem Thema mit, vielleicht weil Amerika das Land der Pioniere und Handwerker ist, weniger das des Genies oder des Glaubens an das Geniale. Mir kommt es immer so vor, als wäre Amerika die landgewordene Machbarkeitsstudie.

Alles ist möglich, alles ist machbar, man muß es nur wollen und in Angriff nehmen.

Gerade kürzlich wieder las ich die Gedanken einer amerikanischen Autorin dazu, die vielleicht nicht zufällig eine Vorliebe für Frankreich hat, dessen intellektuelle Sichtweise sie mit amerikanischem Pragmatismus vereinigt.

Sie heißt Debra Finerman, und hier ist ihr Artikel »Why write?«:

Wenn mich jemand fragt, warum ich schreibe? Meine Antwort – Schreiben ist wie Liebe machen.

Wenn sie fragen, wie man schreibt? Dieselbe Antwort.

Für jede(n) Schreibende(n) ist der Akt des Schreibens so individuell wie ihre/seine eigene Persönlichkeit.

Ich schreibe, weil ich es muß. Ich muß, weil ich es will. Ich will, weil ich es liebe.

Ich war lange Zeit Journalistin. Als ich begann, meinen ersten Roman zu schreiben – einen historischen Roman, der in Paris zur Zeit des Impressionismus spielt – entdeckte ich, daß ich eine neue Art des Schreibens entwickeln mußte, eine neue »Stimme«. Diese Stimme war lyrischer, sogar poetisch. Ich las Gedichte, um ein Gefühl für Metaphern (bildhafte Ausdrücke) zu entwickeln. Ich las beziehungsweise las erneut klassische Literatur, als klassisch geltende Romane, die vor Jahrzehnten, ja sogar Jahrhunderten geschrieben wurden, um zu verstehen, warum sie überdauert haben, warum sie heute noch zitiert und gelesen werden. Warum sie den heutigen Menschen noch etwas zu sagen haben.

Ist Schreiben ein Handwerk oder eine Kunst? Es ist beides.

Um das Handwerk zu lernen, lesen Sie vielleicht ein paar Schreibratgeber, machen Schreibübungen, lesen Ihre Lieblingsbücher immer wieder und wieder und versuchen herauszufinden, was diese Bücher so gut macht, wie die Autorin es schafft, Spannung aufzubauen – und zu halten, das ist fast noch wichtiger –, üben, üben und üben.

Um die Kunst zu lernen, befragen Sie einfach Ihr Herz.

Ich würde gern einige meiner Erfahrungen mit anderen Schreibenden teilen und hoffe, daß es ein paar Leute interessiert.

Inspiration

Ich glaube, die Inspiration, die Idee für ein Buch kommt aus dem Universum.

So wie ich es erlebt habe, kam mein Roman zu mir, als ich für eine Prüfung über die Impressionisten lernte. Ich las mein Kunstgeschichte-Lehrbuch wie einen Roman. Es war genauso faszinierend.

Gab es irgendwelche Romane über diese Leute damals? fragte ich mich. Im Jahr 2000 kannte ich keinen über die wirklich wichtigen Jahre 1860-1870.

Figuren/Charaktere

Mein Roman begann mit den Figuren. Ich wußte, es war wichtig für meine Hauptfiguren , daß sie sich veränderten, während sie ihr Leben lebten, ihre Erfahrungen machten. Ganz besonders lag es mir am Herzen, daß meine Heldin sich veränderte, daß sie am Ende der Geschichte eine andere Person war als am Anfang, weil das auch im wahren Leben so ist.

Ich schrieb für jede Figur kurze Hintergrundgeschichten auf Karteikarten, so daß ich wußte, wo/wann sie geboren wurden, wer ihre Eltern waren, wie ihre Kindheit verlaufen war – alle Faktoren kannte, die sie zu der Person geformt hatten, die sie im Roman waren/sein sollten.

Ich verwendete diese Hintergrundinformationen später dann nicht in der Erzählung, aber sie waren als Spuren zwischen den Zeilen immer vorhanden.

Zeit und Ort

Je mehr Zeit ich in der Bibliothek verbrachte und die Geschichte, die Kunst, die Politik, die Veränderungen in der Technik und den sozialen Beziehungen erforschte, desto mehr fühlte ich mich am Schauplatz meines Romans zu Hause und wußte, ich konnte auch andere dorthin mitnehmen.

Die Anzahl der Bücher, die ich las, war gewaltig, aber ich bin eine Tüftlerin und liebe diesen Aspekt des Schreibens.

Plot/Handlung

Die Handlung entfaltet sich, wie das Leben selbst es tut – als eine Konsequenz aus den Entscheidungen, Aktionen und Reaktionen der Figuren. In meinem Fall war der Plot auch abhängig von den historischen Tatsachen, weil historische Romane unter allen Umständen bezüglich der historischen Fakten exakt sein müssen.

Der restliche Inhalt des Buches, die fiktionale, also erfundene Handlung, die nicht mit historischen Ereignissen verbunden ist, kann reinstes Vergnügen sein. Schriftsteller/innen sind alle ein bißchen verrückt, glaube ich, und ich bin da keine Ausnahme. Ich erinnere mich daran, wie ich mitten in der Nacht aufwachte und in meinem Kopf den perfekten Dialog zweier meiner Figuren für eine Szene hörte. Natürlich stand ich auf und kritzelte das schnell auf ein Blatt Papier, bevor ich wieder einschlief.

Die Musik aus der Zeit, in der mein Roman spielt, erwies sich an dem einen oder anderen Punkt des erzählerischen Prozesses als hilfreich. Ich erkannte, daß es mir leichter fiel, mich in die Zeit meiner Geschichte zu versetzen, wenn ich die Musik hörte, die einige meiner Charaktere um das Jahr 1867 herum tatsächlich gehört hatten. Die Musik griff auf mich über, und ich verdanke die Wahrhaftigkeit einiger der gefühlvollsten Szenen in meinem Buch meines Erachtens den Walzern von Strauß und Offenbach.

Polieren

Für mich ist der angenehmste und erfreulichste Teil des Schreibens das Überarbeiten, das Umschreiben am Schluß. Es kommt mir vor wie die letzten Pinselstriche auf einem Gemälde, bei dem man hier Akzente setzt und dort noch einen Fehler korrigiert. Ich erinnere mich daran, daß ich drei Stunden lang an einem einzigen Absatz saß, um die Formulierungen zu verbessern.

Aber was für ein Absatz wurde es dann!

Schreibblockade

So etwas existiert für mich nicht. Wenn Sie etwas zu sagen haben, dann schreiben Sie. Wenn Sie nichts zu sagen haben, tun Sie etwas anderes. Kommen Sie zurück an Ihren Schreibtisch, wenn Sie wieder etwas zu sagen haben. Dann können Sie einen herzerweichenden wunderschönen Roman schreiben und die Freude erleben, wenn Sie darunterschreiben können:

Ende

Und warum schreiben Sie? Wenn Sie möchten, können Sie das hier im Kommentar anderen Leserinnen und Schreiberinnen mitteilen.

Rechtschreibung für alle?

Wie Sie alle – da Sie erfahrene Leserinnen der el!es-Bücher sind – wissen, verwenden wir bei el!es immer noch die alte Rechtschreibung und ignorieren die neue.

Das wird auch in Zukunft so bleiben, denn einen größeren Unsinn als die deutsche Rechtschreibreform kann ich mir kaum vorstellen.

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Geld und Ruhm

Bekannt zu sein ist nicht mein Hauptanliegen. Das kann nur mediokren Eitelkeiten Befriedigung verschaffen. Und nicht einmal das ist sicher.
Selbst der größte Ruhm bringt nur die Sehnsucht nach mehr, und höchstens ein Narr stirbt in der Gewißheit seines Rufs . . .
Ich strebe nach etwas Besserem – mir selbst zu gefallen.

Gustave Flaubert

Ich muß schreiben, als sei ich eine wichtige Person. Und tatsächlich bin ich das – für mich selbst.

W. Somerset Maugham

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Die (Wieder-)Entdeckung der Faulheit

oder:

Wie man die Faulheit für sich arbeiten lassen kann.

»Du bist einfach nur faul«, ist wohl einer der häufigsten Vorwürfe, die man als Kind so hört. Die meisten Kinder sind »faul« im Sinne der Erwachsenen, denn sie beschäftigen sich lieber mit Dingen, die Erwachsene nicht so interessieren, und sie beschäftigen sich selten mit den Dingen, von denen Erwachsene meinen, daß sie wichtig für sie sind. Schule zum Beispiel, Hausaufgaben, Lernen.

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Gründe, nicht zu schreiben

Solche Gründe gibt es viele. »Ich habe keine Zeit« ist wohl der meistgenannte.

In der englischsprachigen Welt kursieren deshalb eine Menge Bücher, die versprechen: »Schreiben Sie jedes Buch in nur 28 Tagen« oder sogar in nur 14 Tagen. Wie das gehen soll? Nun ja, kaufen Sie solch einen Kurs.

Grundsätzlich ist es natürlich durchaus möglich, in so kurzer Zeit ein Buch zu schreiben – meist geht es in diesen Ratgebern um Sachbücher, nicht um Belletristik –, aber der Zeitfaktor ist gerade bei einem Roman nicht entscheidend. Wenn ich unbedingt schreiben will, werde ich auch die Möglichkeit und die Zeit dafür finden.

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