Erfolg als Autorin

Ich las gerade eine lustige Frage: „Wann wusstest du, dass du als Autorin Erfolg haben würdest?“

Zuerst musste ich lachen, weil ich die Frage wirklich lustig fand, aber es ist natürlich eine absolut berechtigte Frage, die man an eine Autorin stellen kann. Wann weiß man, dass man Autorin IST? Ich meine, jeder kann sich so nennen, das ist kein geschützter Beruf und ganz sicher kein Beruf, für den es eine von irgendwelchen Industrie- und Handelskammern oder Schulen oder Universitäten zertifizierte Ausbildung gibt. Jeder kann morgens aufwachen und einfach beschließen: „Ich bin Autorin.“ Aber wann ist man es wirklich?

Autorin zu sein ist kein Beruf wie jeder andere. Es ist eine Berufung. Und wie Adrian Monk immer zu sagen pflegt: „Es ist eine Gabe und ein Fluch.“ Denn zu dem Verlangen, schreiben zu wollen, auch zu dem Spaß, den man daran hat, kommt sehr schnell der Zwang, schreiben zu müssen, ohne Schreiben nicht mehr leben zu können.

Wer diesen Zwang nicht verspürt, wird es wahrscheinlich nie zu etwas bringen auf dem Gebiet der Schreiberei, denn sie könnte genauso gut etwas anderes tun, das ihr genauso viel Spaß macht oder genauso wichtig für sie ist.

Wenn man jedoch Autorin mit Leib und Seele ist, gibt es nichts anderes, das einer so viel Spaß macht wie Schreiben, und es gibt auch nichts anderes, das genauso wichtig ist. Schreiben ist nicht wie Bungeejumping oder Fallschirmspringen, wie irgendein aufregendes Hobby, das man am Wochenende oder im Urlaub betreibt. Man erlebt diese Aufregung jeden Tag, und es ist wie eine Sucht.

Eine Sucht mit all den negativen Auswirkungen, die Süchte nun einmal haben wie zum Beispiel Entzugserscheinungen, wenn man seine Droge nicht bekommt. Für Leute, die nicht schreiben, ist das kaum nachvollziehbar, aber wenn man einmal vom Virus des Schreibens angefixt worden ist, kann man kaum mehr aufhören. Man muss schreiben. Am besten immer und überall.

Deshalb hat man immer irgendetwas dabei, um Gedanken festzuhalten, Ideen aufzuschreiben, Szenen oder Geschichtenanfänge zu skizzieren. Früher waren das Notizbücher, Zettel, sogar Quittungen von Einkäufen, auf deren Rückseite ich schnell einmal etwas hinkritzelte, aber mittlerweile ist die Technik so weit vorangeschritten, dass man eigentlich nur sein Handy braucht. Ganze Romane wurden schon auf Handys geschrieben. Oder man spricht seine Gedanken einfach in eine Notiz-App.

Dadurch ist es nicht ganz so schlimm wie früher, wenn man einmal nicht zu Hause ist und direkt in den Computer tippen kann. Zu Zeiten, als ich noch jeden Tag morgens zur Arbeit ging und erst abends wiederkam, war es fast wie eine Qual, meine Wohnung verlassen zu müssen und dadurch von der Möglichkeit des Schreibens getrennt zu sein. Ich saß dann im Büro und fühlte mich wirklich wie auf Entzug. Wenn sehr viel zu tun war, ging es noch, aber wehe, es trat mal Leerlauf ein. Dann trommelte ich mit den Fingern auf den Tisch, wippte mit den Füßen, rutschte unruhig auf meinem Stuhl herum, weil ich diese Zeit des Leerlaufs nicht fürs Schreiben nutzen konnte. Mein Arbeitgeber hätte es wohl sehr merkwürdig gefunden, wenn ich während der Arbeitszeit Romane geschrieben hätte. ;)

Somit wuchs in mir immer mehr das Verlangen, mehr Zeit fürs Schreiben zu haben, nicht nur nach Feierabend und am Wochenende und im Urlaub. Ich fühlte mich damals noch nicht als Autorin, das sicher nicht, aber ich konnte mich nicht dagegen wehren, am liebsten ununterbrochen schreiben zu wollen.

Es gibt ungeheuer viele Leute, die sagen, sie würden gern mal ein Buch schreiben, sie tun es aber nie. Weil sie meinen, dafür müssten sie dann Zeit haben, den ganzen Tag, ohne Job, ohne Familie, ohne sonstige Verpflichtungen. Sie haben offenbar nicht den Drang zu schreiben, denn sonst würden sie es auch inmitten des größten Chaos’ tun. Für sie ist Schreiben nur so eine Art Traum von einem anderen, vielleicht besseren Leben, eine Fluchtmöglichkeit, aber rein in Gedanken, nicht in Taten.

Für eine Autorin ist es anders. Da ist das normale Leben so eine Art notwendiges Übel, das man ertragen muss, weil man es leider nicht ganz abschalten kann, wie ein Hintergrundsummen von einem Generator, aber das wahre Leben spielt sich woanders ab, in den Geschichten, die ich schreibe.

Ob ich je Erfolg haben würde als Autorin wusste ich nicht, bevor es eintrat. Darüber habe ich mir eigentlich auch keine Gedanken gemacht. Aber dass ich schreiben muss, um zu überleben, das wusste ich schon sehr früh. Seit meinem achten Lebensjahr habe ich geschrieben, und es hat mir über viele Situationen hinweggeholfen.

War ich also schon mit acht eine Autorin? Das würde ich nicht sagen. Aber ich denke, wenn sich schon so früh zeigt, dass man schreiben kann und muss, ist es so tief im eigenen Inneren verwurzelt, dass fast kein Weg daran vorbeiführt, eines Tages Autorin zu werden. So war es bei mir, und so ist es bei vielen anderen, die ich kenne.

Erfolg ist ein sehr fragwürdiger Begriff, mehr von der realen Welt geprägt, in der sich alles nach Euro und Cent bemisst. Der Erfolg einer Autorin bemisst sich aber nicht in Geld oder in äußerer Anerkennung. Wenn so etwas eintritt, ist das ein schöner Nebeneffekt, doch es ist nicht das Wichtigste. Das Wichtigste ist, schreiben zu können, in Wörtern zu leben, die ich selbst aufs Papier bringe, in Geschichten einzutauchen, die meiner Phantasie entspringen und deshalb eine Welt entwerfen, in der ich gern leben würde, genau die Welt zu erschaffen, die mir als Ideal vorschwebt.

Gibt es ein Leben außerhalb der Phantasie? Das ist schwer zu glauben, wenn man gerade in einer Geschichte lebt, die man selbst erfindet. Es ist ein bisschen wie in manchen Kinderbüchern, wo dann die Phantasiewelt plötzlich zur realen Welt wird, wo ein Kind in diese Welt eintritt – wie beispielsweise in Alice im Wunderland – und unglaubliche Dinge erlebt.

Als Autorin erlebe ich so etwas jeden Tag, und ich möchte es nicht mehr missen.

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