Geschichten strukturieren mit Scrivener

Nachdem ich nun schon etwas über Story Weaver geschrieben habe, ist vielleicht auch noch ein Wort über Scrivener angebracht. Scrivener ist schon ein recht altes und deshalb auch sehr bewährtes Programm, das ursprünglich für den MAC entwickelt wurde, mittlerweile aber auch für Windows zur Verfügung steht. Es wurde im Laufe der Jahre immer weiterentwickelt und bietet eine Oberfläche, die einem Arbeitszimmer mit allen Schikanen gleicht.

Das wichtigste Tool in Scrivener sind die Karteikarten, die an einem virtuellen Korkbrett – wie früher in den 70ern, da hatten wir alle so was wink – festgepinnt werden. Sie können beliebig verschoben und erweitert werden und werden mit Textdateien, Bildern, Recherchematerial, Ideen, Notizen, Blogeinträgen oder was auch immer direkt in Scrivener verbunden, so dass man nur kurz auf einen anderen Link in Scrivener klicken muss und alles beieinander hat.

Gerade für Leute, die gern mit Karteikarten arbeiten, ist Scrivener perfekt. Man hat sehr schnell einen Überblick über alles, was man schon gesammelt und geschrieben hat, Ideen, Notizen, kann sehr schnell von Ort zu Ort springen, beliebig viele Dinge miteinander verbinden und in Beziehung zueinander setzen.

Man kann Ideen miteinander kombinieren, Kapitel oder Szenen mit einer kleinen Handbewegung verschieben, ausprobieren, wo sie am besten passen, Überarbeitungen vornehmen und auch wieder rückgängig machen, alle möglichen Szenarios austesten und sich dann letztendlich für eins entscheiden. Und auch das leicht wieder überarbeiten, wenn man es ändern möchte.

Man sieht, wie viel man schon geschrieben hat und wie viel man noch schreiben muss, wo eventuell ein Loch in der Logik entstanden ist, weil die Überschriften der Karteikarten nicht konsequent die Geschichte erzählen, so wie man sie gern hätte.

Scrivener ist ein sehr mächtiges Tool, wenn man gern strukturiert arbeitet und beispielsweise zuerst die groben Überschriften zu jedem Kapitel festlegt, den ganz groben Verlauf der Geschichte, dann zu jeder Karteikarte einen kleinen Text von ca. 300 Wörtern schreibt, der das kurz zusammenfasst, was in jedem Kapitel passieren soll, und dann jedes dieser kleinen 300-Wörter-Stückchen erweitert und ausbaut, bis es eine richtige Szene oder ein richtiges Kapitel von zweitausend, dreitausend oder fünftausend Wörtern ergibt.

Innerhalb von Scrivener kann man sowohl den gesamten Text auf einmal anschauen als auch jedes Kapitel oder jede Szene einzeln. Man kann dort weiterarbeiten, wo man es gerade möchte, egal ob das die erste, die letzte oder irgendeine Szene, ein Kapitel in der Mitte ist.

Zu jeder Figur kann man Fotos abspeichern (beispielsweise die von Schauspielerinnen, die man sich in der Rolle der Figur, die man erfunden hat, vorstellen könnte) oder auch Orte. Fotos von Straßen, Häusern, Städten, in denen man seine Geschichte spielen lässt. Sogar Fotos von Innenausstattungen von Räumen und Häusern.

Wenn man dann eine Szene schreibt, schaut man sich die Fotos eine Weile an, was eventuell die Inspiration fördert. Man stellt sich die Frau auf dem Foto in dem Haus auf dem Foto vor oder in dem Garten oder in der Stadt. Dadurch kann man sich noch mehr in die eigene Geschichte hineinversetzen.

So kann man sehr große Projekte in Scrivener verwalten, und nichts geht verloren, alles ist sofort durch einen Klick erreichbar. Man weiß genau, was zusammengehört.

Die Karteikarten auf dem Computerbildschirm herumzuschieben und zu sehen, was dabei herauskommt, macht wirklich viel Spaß. cool

Auch von Scrivener gibt es eine Testversion, die man sich kostenlos herunterladen kann. Wenn man das Programm kauft, kostet es 40 US-Dollar, ist also auch erschwinglich. Aber vorher kann man in der Demoversion alles ausprobieren und schauen, ob sich der Kauf lohnt.

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