Schreib die Geschichte fertig!

Aufgrund der Diskussionen im Schreibforum, wo wir neue Romane entwickeln oder Rohfassungen überarbeiten, bis sie ein fertiger, druckreifer Roman sind, ergeben sich immer wieder Themen, die auch eine größere Allgemeinheit interessieren, und so übernehme ich das Thema (nicht nur) von heute mal auf die Webseite.

Das Thema ist: „Ich habe so viele Anfänge, aber ich komme irgendwie nicht weiter.“

Wenn irgendjemand, der schreibt, behauptet, er kenne dieses Phänomen nicht, lügt er oder sie wahrscheinlich. wink Gerade für Anfängerinnen ist das ein großes Problem. Denn die meisten setzen sich einfach hin und schreiben, sobald sie eine Idee haben, ohne jedoch über den weiteren Verlauf der Geschichte nachzudenken. So, wie ich „Taxi nach Paris“ geschrieben habe.

Es gab eine Idee, und die wollte heraus. Ich begann also wie wild zu schreiben. Nach so etwa den ersten 20.000 Wörtern jedoch brach das wilde Schreiben ab. Da war die Luft raus. Die Idee allein trug das Buch nicht mehr, ich musste mir eine Geschichte überlegen. Damals bei „Taxi“ war das nicht schwer, denn ich dachte mir einfach die nächste Szene aus … und die nächste … und die nächste … bis das Buch fertig war. Und dann hatte es auch eine Geschichte.

Das ist im Grunde genommen die einfachste Methode. Deshalb hatte ich „Taxi“ auch innerhalb von noch nicht einmal sechs Wochen fertiggeschrieben. Ich habe damals intuitiv die „Was wäre, wenn …“-Methode angewendet, mich also am Ende jeder Szene gefragt: „Was wäre, wenn es jetzt so und so weiterginge?“ Zudem war ich vom schriftstellerischen Handwerk noch völlig unbeleckt und habe mir kaum Gedanken über Regeln gemacht. Die meisten kannte ich gar nicht.

Das war durchaus ein Vorteil, denn je mehr man anfängt, sich mit Regeln zu beschäftigen, desto mehr wird man oft gebremst, weil man sich immer fragt: „Ist das jetzt richtig, was ich hier mache? Was sagt XY dazu? Sollte ich vielleicht noch einen Schreibratgeber kaufen?“

Die Antwort ist: Schreibratgeber sind immer nur so gut wie das, was ich daraus mache. Natürlich hilft es, wenn man einmal sieht, wie andere, insbesondere erfolgreiche Schriftsteller, es machen. Irgendeinen Grund muss ihr Erfolg ja haben, denkt man sich. Irgendetwas mache ich falsch, wenn ich diesen Erfolg nicht habe.

Das ist nicht unbedingt richtig, denn Erfolg – nicht nur, aber auch im Literaturbetrieb – hängt leider nicht nur von den eigenen Fähigkeiten ab, es ist auch eine Menge Glück dabei. Wenn man sich anschaut, welche Bücher ein Erfolg werden und welche nicht, welche AutorInnen von Verlagen veröffentlicht werden und welche nicht, dann fragt man sich manchmal schon, ob das Können als Schriftsteller dabei überhaupt eine Rolle spielt. Es gibt wundervolle Bücher von wundervollen AutorInnen, die kein Verlag will, und auf der anderen Seite werden – sogar von großen Verlagen – Sachen veröffentlicht, die ein Erstklässler geschrieben haben könnte. Und manche davon werden sogar zum Erfolg.

Es gibt also gewisse Dinge, die man nicht beeinflussen kann. Die eigenen Fähigkeiten kann man selbstverständlich schon schulen, besser werden in dem, was man tut, und das lohnt sich immer, zumindest für mich selbst. Was davon eine Außenwirkung hat, das ist ein anderes Thema.

Was jedoch für jede Veröffentlichung zutrifft, egal wie gut oder schlecht sie ist, ist: Da hat irgendjemand etwas fertiggeschrieben. Kein Verlag veröffentlicht eine Geschichte, die nur aus einem Anfang besteht.

Deshalb ist das Fertigschreiben der erste Schritt. Sich hinsetzen, jeden Tag, und seine tausend oder zweitausend Wörter runterhauen. Um das zu unterstützen, gibt es den NaNoWriMo, und wer Schwierigkeiten hat, etwas fertigzuschreiben, der sollte dort unbedingt einmal teilnehmen. Man hat exakt dreißig Tage, danach muss die Geschichte fertig sein. Komme da, was wolle.

Man kann sich auch ohne den NaNoWriMo solche Ziele setzen. Beispielsweise jetzt, wo ja ein neues Jahr vor der Tür steht, könnte man sich vornehmen, am 1. Januar 2016 mit einer neuen Geschichte anzufangen. Oder sagen wir am 2. Januar – damit der Sektkopf wieder funktioniert. wink

Also am 2. Januar geht es los, und am 31. Januar ist die Geschichte fertig. Die erste Rohfassung der Geschichte, die man dann überarbeitet, um sie bis zum 31. März beim LLP einreichen zu können. Das wäre dann die nächste Deadline, die man einhalten muss.

Egal wie, egal, was kommt, die einzige Möglichkeit sich selbst und der Welt zu beweisen, dass man ein Buch schreiben kann, ist: es zu schreiben. Und zwar zu Ende. Fertig. Mit einem dicken Schlussstrich darunter.

Nun bin ich mal gespannt, wie viele sich am 1. oder 2. Januar hinsetzen und am 31. Januar fertig sind. laughing

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People in this conversation

  • Ruth Gogoll
  • Ruth Gogoll

    Permalink

    Und last, but not least, kann man den NaNoWriMo auch nutzen, um die Rohfassung seines Romans für den nächsten LLP zu erstellen. Also man tippt jetzt im November einfach drauflos, ohne groß nachzudenken, denn dafür hat man keine Zeit, und am 30. November hat man die Rohfassung seines Romans fertig. Dann hat man noch vier Monate Zeit, Dezember, Januar, Februar und März, um diese Rohfassung zu überarbeiten und dann zum 31. März für den LLP einzureichen. Eigentlich ist das perfekt. :)

    Montag, 31. Oktober 2016 12:31

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