Das Modell – Eine Geschichte wie das Leben

Manchmal schreibt man Anfänge, die nie zu einem Ende zu kommen scheinen. Einige davon sind hier auf der Webseite unter der Kategorie Geschichten im Archiv. Als Autorin hat man einfach mehr Ideen, als man je in seinem Leben verwenden kann. Ich habe mal gerade in meinem Ordner »Ideen« auf meinem PC nachgeschaut, da werden 804 Dateien angezeigt und dazu noch sechs Ordner, in denen noch weitere Ideen gesammelt sind.

Einige dieser Geschichtenanfänge lese ich immer wieder und denke oft: »Mensch, das ist doch eine schöne Geschichte. Die müsstest du mal weiterschreiben.« Meistens kommt es aber nicht dazu, weil schon wieder neue Ideen sich vordrängen.

Eine der Geschichten, die schon seit über 15 Jahren auf der el!es-Webseite ist, nur ein kurzer Anfang, faszinierte mich immer wieder. Ich habe sie sogar schon an andere Webseiten weitergegeben, die danach fragten, weil sie sie so gut fanden, und sie dann auch veröffentlicht haben, obwohl sie nur so kurz ist und eigentlich kein Ende hat. Es ist die Geschichte »Eine Malerin und ihr Modell«.

Ich weiß gar nicht, wie oft ich diese kurze Geschichte gelesen und mir jedes Mal fest vorgenommen habe, sie weiterzuschreiben. Daran, dass sie seit so langer Zeit schon unverändert auf der Webseite ist, kann man aber sehen, dass ich das nie getan habe. Dafür habe ich Dutzende andere Geschichten und Romane geschrieben.

Zum zwanzigjährigen Bestehen des Verlages nun habe ich mal wieder meine alten Dateien durchforstet, auch um zu sehen, was ich in den zwanzig Jahren alles geschrieben habe. Und es kam, wie es kommen musste: Ich blieb an »Eine Malerin und ihr Modell« hängen, ließ sie einige Zeit auf meinem Bildschirm stehen und überlegte, wie ich das wohl weiterschreiben könnte.

Und plötzlich kam mir eine Idee. Es ist eine Geschichte, die mir zum Teil selbst passiert ist (nein, ich bin weder die Malerin noch das Modell wink) und die auf einmal gut zu dieser Geschichte passte. Also dachte ich: »Wie kann ich diese beiden Geschichten verbinden, damit eine etwas längere Geschichte daraus wird?« Auch die Geschichte, die mir wirklich passiert ist, ist schon sehr lange her, von daher kam das zeitlich gut hin mit dieser auch schon sehr alten Geschichte.

Ich begann zu schreiben, mich wieder an das damals Passierte zu erinnern, es abzuwandeln, damit es zu dieser Geschichte passte. Zum Schluss wurde daraus nun die Geschichte »Das Modell«, die im Juni erscheinen wird. Der Anfang ist gleichgeblieben, den kann man also hier auf der Webseite nachlesen, aber es ist doch noch einiges dazugekommen. Vor allen Dingen glaube ich, dass es doch einige überraschende Wendungen gibt, die man in diesem Anfang nicht vermutet. Wendungen oder auch Konflikte sind das Salz in jeder Geschichte, und selbst wenn es nur ein Kurzroman ist, muss es davon genug geben.

Man sollte also nie aufgeben, auch wenn eine Geschichte schon sehr lange auf der Festplatte oder im eigenen Gedächtnis schlummert. Es kann immer mal ein Zeitpunkt kommen, wo man diese Geschichte zu Ende schreiben kann. Deshalb sollte man angefangene Geschichten, Ideen, selbst nur kleinste Ideenschnipsel, niemals wegwerfen.

Ich hätte zwar nicht gedacht, dass ich einmal weit über 1000 Geschichtenideen und Geschichtenanfänge auf meiner Festplatte haben würde, aber das sammelt sich automatisch an, wenn man sofort aufschreibt, was einem einfällt. Das kann manchmal nur ein Satz sein, sogar nur ein Wort oder ein Titel, manchmal ist es ein kleiner Dialog, zwei, drei Sätze lediglich, die gar nichts zu bedeuten scheinen.

Es ist wie eine Sammlung kleiner Kostbarkeiten, wie man sie als Kind manchmal in einer Schachtel unter dem Bett hatte. Zerbrochene Muscheln, glitzernde Steine, ein Pfennig, den man als Kind auf der Straße fand und nun als Glückspfennig betrachtet, alte Kastanien, die schon vor Jahren von einem Baum fielen und die nun zu den eigenen Juwelen gehören. Nichts geht verloren, wenn man es nicht wegwirft.

Man kann nicht alles behalten, oftmals muss man einfach entrümpeln, aber bei Geschichten sollte man das tunlichst vermeiden. Durch die moderne Technik braucht man kein Papier mehr, das Platz wegnimmt. Meine über 1000 Ideen nehmen auf meiner Festplatte nur extrem wenig Speicherplatz ein. Texte generell brauchen sehr wenig Speicherplatz. Man kann Zehntausende, ja Hunderttausende von Büchern auf einer Festplatte speichern. So viele Bücher, wie man in keiner Papierbibliothek unterbringen könnte.

Wie wertvoll ein solcher Schatz ist, sieht man erst, wenn man ihn wieder einmal betrachtet. Ich kaufe oft alte Bücher heute erneut als ebooks, lese sie wieder, hole sie immer einmal erneut hervor. Ich hatte vorher schon alle Bücher von Agatha Christie, in Papierform, aber sie waren schon sehr zerlesen. Nun als ebooks werden sie mir ewig erhalten bleiben, ohne an Papierqualität einzubüßen.

Wenn man selbst Bücher schreibt, ist das noch wichtiger. Ich weiß, dass ich als Teenager viel geschrieben habe, aber vieles davon ist verlorengegangen, weil ich es auf irgendwelche Blätter geschrieben hatte. Ich kann es nie wiederbekommen. Damals gab es eben noch keine Computer, keine Smartphones, keine Speichermedien, keine Clouds. Das finde ich heute immer wieder schade.

Seit ich jedoch mit dem Computer Bücher schreibe, seit Ende der 80er Jahre, geht nichts mehr verloren. Noch nicht einmal so eine uralte Geschichte wie »Eine Malerin und ihr Modell«, die ich, wenn ich sie auf ein paar Zettel geschrieben hätte, vielleicht schon längst nicht mehr finden könnte. Bei jedem Umzug habe ich Sachen verloren, und ich bin viel umgezogen.

Deshalb freue ich mich, dass ich dieses Jahr nicht nur mit neuen Geschichten feiern kann, sondern auch mit einer Geschichte, die fast so alt ist wie der Verlag. laughing Daran sieht man: Geschichten werden nie alt. Es kann eine Zeit geben, wo sie genau zu dem passen, was man in diesem Augenblick fühlt oder denkt.

Wir alle sind Veränderungen unterworfen, aber manchmal schließt sich der Kreis auch wieder, und man kehrt zu seinen Anfängen zurück, kann sich an uralten Ideen erfreuen, die man vielleicht schon fast aufgegeben hatte.

Was bedeutet: Wir sollten niemals aufgeben, immer an unsere Träume glauben und daran, dass sie sich irgendwann einmal verwirklichen können. Eine kleine Geschichte, ein paar Wörter können zu einem Roman werden, so wie auch wir zu etwas Großem werden können, wenn wir den Glauben an uns nicht verlieren.

Overall Rating (0)

0 out of 5 stars
Add comment

People in this conversation

  • Ruth Gogoll
  • Babs
  • Alexa
  • Sabine
  • Alexa

    Permalink

    Nachdem der Anfang auf der Homepage stand und mich nicht mehr losgelassen hat, habe ich gestern abend ein neues el!es-Buch verschlungen und genossen, "Das Modell". :D Sehr schöne, spannende Geschichte mit zwei interessanten Figuren. Allerdings war es viel zu schnell ausgelesen (obwohl mich das bei einem Kurzroman nicht überraschen sollte ;) ). Und ich habe noch ein paar Fragen, die mir im Kopf umherschwirren, die im Buch nicht beantwortet wurden. Schade eigentlich.
    Ich frage mich, wie Maya reagieren würde, wenn sie das Bild von ihr sieht, dass Anna gemalt hat (Ein wenig habe ich darauf gewartet, als Maya bei Anna in der Wohnung war). Was ist mit Patrick und Amelie? Finden beide ihre Liebe oder bewahrheitet sich Mayas Vorhersage zu Amelies Schicksal, das sie aus ihrem Malen ableitet? Vollendet Anna das Aquarell und wird es noch ausgestellt? Wie geht es mit der Bilderserie von Maya weiter, bleibt Anna ihr Modell? Ein paar Dinge kann ich mir denken, da ein el!es-Buch ja immer zu glücklichen Enden führen. :D Dennoch bin ich neugierig und würde dazu gerne die Meinung der Autorin wissen.

    Samstag, 11. Juni 2016 8:34
  • @Alexa :) Irgendwie schreit die Story doch regelrecht nach einer Fortsetzung, oder? ;)

    Samstag, 11. Juni 2016 8:52
  • Alexa

    Babs Permalink

    Mit dem Gedanken habe ich auch schon gespielt, Babs. :D

    Samstag, 11. Juni 2016 8:56
  • Ruth Gogoll

    Alexa Permalink

    Oh Mann, Ihr macht mich fertig. ;) Ja, ein Kurzroman (oder auch eine Kurzgeschichte) lässt irgendwie immer Fragen offen (zumal, da ich ja keine Kurzschreiberin bin, sondern sich meine Geschichten immer erst im Laufe der Zeit, in der Länge eines richtigen Romans, entwickeln). In der Kürze kann man sich eben nur auf eine Sache konzentrieren.

    Ich habe „Das Modell“ in sehr kurzer Zeit fertiggeschrieben. Nachdem es für so viele Jahre auf der Webseite „verhungert“ war, hat es dann nur ein paar Tage gedauert, die Geschichte zu schreiben. Die Ideen, die mir dabei kamen, habe ich nicht alle ausgeführt und die Fragen, die Du jetzt hier stellst, Alexa, zu beantworten, wollte ich der Phantasie der Leserin überlassen. Aber ich kann ja mal darüber nachdenken. :)

    Samstag, 11. Juni 2016 8:58
  • @Ruth. Über was nachdenken? ;) Über die Antworten oder eine Fortsetzung? Ah ja: Natürlich über beides. ;) Eine Fortsetzung ... das wäre echt der Hit. Die Geschichte ist dafür doch wirklich wie gemacht! ;)

    Samstag, 11. Juni 2016 9:15
  • Ruth Gogoll

    Babs Permalink

    Ich habe das Gefühl, ich schreibe momentan nur Fortsetzungen. »Eine Frau wie Zuckerwatte« ist die Fortsetzung von »Das Weihnachtstagebuch«. Dann kommt jetzt »Verbotene Leidenschaft, Teil 3«, was logischerweise die Fortsetzung von Teil 1 und Teil 2 ist (eigentlich sollte es überhaupt nur einen Teil geben. Schon den zweiten Teil gab es nur deshalb, weil ich im ersten Teil nicht mit der Geschichte fertiggeworden bin ;)). »L wie Liebe, Staffel 6« war auch eine Fortsetzung der ersten fünf (oder mit »Céline« fünfeinhalb) Teile.

    Und dabei habe ich im Schreibforum in der »250-Wörter-Challenge« so schöne neue Geschichten angefangen. :D

    Samstag, 11. Juni 2016 9:26
  • Ja, wunderbar, wenn beides so gut funktioniert! :D Einfach schön im Takt weiterschreiben ... dann gibt's bald eine Fortsetzung mehr und ganz neue Romane. Dann sind die Leserinnen bestimmt auch wunschlos glücklich ;):D Ich würde mich jedenfalls sehr freuen.

    Samstag, 11. Juni 2016 9:35
  • Sabine

    Permalink

    Das ist so süß. :) Mir sind fast die Tränen gekommen, als ich das gelesen habe. Ich freue mich, dass es el!es schon seit 20 Jahren gibt, und ich hoffe, dass es noch mindestens 20 existieren wird, das ist eigentlich viel zu kurz. Danke für viele schöne Bücher! Für die alten und auch für die neuen, die jetzt noch kommen.

    Dienstag, 23. Februar 2016 18:09

Weitere Artikel

  • 1
  • 2
  • 3

Suche