Der lesbische Literatur-März

Es ist März. Der Monat, in dem die Einsendungen zum Lesbischen LiteraturPreis eintreffen (Meistens. Manche schicken Ihre Romane auch früher, aber oftmals kommen sie im März, Ende März vor allem, kurz bevor der Einsendeschluss abläuft).

Jedes Mal bin ich ungeheuer gespannt darauf, was kommen wird. Welche Geschichten uns mit fliegenden Fahnen überrennen werden. Welche Themen die Autorinnen gewählt haben.

Ich habe den Eindruck, das el!es-Programm wird immer bunter (nicht nur die Cover ;)). Es gibt heute Themen, die vor 10 Jahren noch keine waren. Dafür sind Themen, die früher fast in jedem lesbischen Buch zu finden waren, nicht mehr so präsent.

Die lesbische Literatur entwickelt sich weiter, sie bleibt nicht stehen und schwelgt nicht in der Vergangenheit, sondern wir stellen uns der Zukunft. Und wir leben in der Gegenwart.

Unsere Gegenwart heute lässt sich nicht vergleichen mit dem Leben von Lesben vor 20, 30, 50 Jahren. Und wir können sehr froh darüber sein.

Wie wäre unser Leben vor etlichen Jahrzehnten verlaufen? Was hatte eine junge Lesbe damals zu erwarten?

Interessanterweise entschieden sich die meisten Lesben, selbst wenn ihnen bewusst war, dass sie Frauen wollten, für ein Leben mit einem Mann, für das Standardmodell einer Familie mit Mutter, Vater, Kindern.

Viele Jahre lebten sie in diesen Beziehungen, oftmals bis die Kinder erwachsen waren. Erst dann trauten sich einige, zu ihren eigenen Wünschen zu stehen. Viele jedoch noch nicht einmal dann. Oder sie entschieden sich gleich von Anfang an für den anderen Weg: eine alte Jungfer zu werden. Sie verzichteten auf die Liebe einer Frau und auf Kinder, weil sie sich das Leben mit einem Mann nicht vorstellen konnten.

Ich beispielsweise konnte mir das Leben mit einem Mann nie vorstellen. Jedes Mal, wenn ich es versuchte, versagte meine Phantasie, von der ich sonst ja nun wahrlich genug hatte. Allerdings hatte ich das Glück, dass ich auch keine alte Jungfer werden musste. ;) Glücklicherweise ging es in den 70er Jahren mit Frauendisco und Frauencafés, Frauenbuchläden und Veranstaltungen nur für Frauen los. So etwas war zuvor nicht denkbar. Außer es handelte sich um einen Hausfrauenverein oder einen Strickzirkel, auf den Männer gern freiwillig verzichteten.

So waren die Themen in den Büchern damals oft von diesen Erfahrungen geprägt. Coming-out-Bücher oder die sogenannte „Verständigungsliteratur“ beherrschten die Regale der Frauenbuchläden. So etwas findet man heute nur noch selten.

Dafür haben wir heute frische, junge Autorinnen, für die es selbstverständlich ist, lesbisch zu sein, für die es selbstverständlich ist, ihre Freundin in aller Öffentlichkeit zu küssen, und für die es selbstverständlich ist, eine Frau zu heiraten.

Ich bin sehr, sehr froh darüber. Und ich freue mich auf viele frische, neue Geschichten für den LLP, die diese Selbstverständlichkeit widerspiegeln. :)

Nicht vergessen: Einsendeschluss 31. März!

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