Das große Aufatmen

Immer, wenn der LLP zu Ende ist, geht ein großes Aufatmen durch den Verlag, denn nun wissen wir, was wir nächstes Jahr veröffentlichen werden. laughing Der Lesbische LiteraturPreis ist das größte Ereignis des Jahres, und Autorinnen, die daran teilnehmen, haben unseren allergrößten Respekt. Dass viele sich nicht trauen, ist schade, denn gerade hier bekommen Autorinnen das Feedback, das sie sonst im täglichen Leben so oft vermissen.

Ein neutrales Feedback meine ich jetzt, denn das Feedback von Mama, Papa, Tante Erna und den Freundinnen, die alles wohlwollend aufnehmen, was man schreibt, ist leider nicht viel wert. Außer dass es die Motivation erhält. Was durchaus ein wichtiger Faktor ist.

Es gibt eine Menge Schreibforen, in denen es ähnlich zugeht wie in der Familie zu Hause. Es wird nicht wirklich kritisiert, sondern weil man die Autorin so sympathisch findet oder ihr nicht wehtun will, wird gelobt, was das Zeug hält. Das ist gut, ich sage gar nichts dagegen, aber was nützt es mir, wenn jemand mir sagt, meine Geschichte gefällt? Das ist schön, höre ich auch gern, jede Autorin tut das, aber was ich mir wirklich wünsche, das sind detailliertere Hinweise dazu, was genau es ist, das gefällt, und was genau es ist, das vielleicht auch nicht gefällt, eventuell noch ausbaufähig ist.

Diese Art Feedback gibt es hier beim LLP. Hier wird auf freundliche Art Textkritik geübt, die der Autorin hilft, sich zu verbessern. Die Lektorinnen lesen hier auch mit und nehmen die Anregungen der Leserinnen, die hier kommentieren, später dann im Lektorat auf. So haben die Kommentare hier auch eine Langzeitwirkung. Nur, weil sie nicht mehr auf der Seite zu lesen sind, heißt nicht, dass sie weg sind. Sie sind bereits notiert und wirken sich eventuell auf das fertige Buch aus.

Ein Buch, das hier eingereicht wird, oder auch eine Geschichte, die hier eingereicht wird, betrachten wir nicht als fertig. Es muss eine vollständige Geschichte sein, von Anfang bis Ende, aber fertig ist sie erst, wenn sie unser Lektorat durchlaufen hat, wenn die Lektorin gemeinsam mit der Autorin an dem Buch gefeilt hat, gestrichen, umgeschrieben, hinzugefügt, bis es das Buch ist, das dann veröffentlicht wird. Ein druckreifes Buch unterscheidet sich oft sehr von der ersten Einreichung beim Verlag.

Die Geschichten gewinnen in der Zusammenarbeit der Lektorinnen und Autorinnen. Das macht oft beiden viel Spaß, denn es ist ein kreativer Prozess, bei dem die Autorin nicht alleingelassen wird. Für den ersten Entwurf hat sie ihr Gehirnschmalz einsetzen müssen, ohne große Hilfe, allein am Schreibtisch zu Hause, aber sobald das Manuskript beim Verlag ist und angenommen wurde, bekommt sie so viel Unterstützung, wie sie braucht. Mit einer Lektorin an einem Text zu arbeiten ist eine großartige Sache. Oftmals öffnen sich da richtiggehend Horizonte. Teile der Geschichte werden ausgebaut, die man zuvor vielleicht vernachlässigt hatte, manchmal muss man sich auch von einer liebgewordenen Szene verabschieden oder Dinge werden an eine andere Stelle verschoben. Das ist eben Verlagsarbeit.

Dass diese Verlagsarbeit bei vielen, die ihre Bücher selbst veröffentlichen, nicht stattfindet, merkt man leider immer sehr schmerzlich. Nicht nur, dass es oft schon an Rechtschreibung und Grammatik hapert, auch die Geschichten sind eher Rohfassungen, wenn sie nicht durch die Hände eines Verlages gegangen sind. Die konstruktiven Kritiken, die man hier beim LLP bekommt, sind dann in viel weniger freundlicher Form in den Rezensionen bei den Online-Buchhändlern zu lesen. »Lektorat hätte diesem Buch gutgetan« ist da noch eine sehr harmlose Bemerkung. Sie sagt aber schon alles: Man sollte immer Profis fragen, bevor man etwas veröffentlicht, denn selbst ist man »betriebsblind«.

Für unsere Autorinnen ist das Lektorat kostenlos, aber wenn man sein Buch selbst veröffentlicht, muss man das Lektorat teuer bezahlen. Das scheuen viele, wollen kein Geld dafür ausgeben. Oder können es nicht. Deshalb ist der Weg über einen Verlag, der dann das Lektorat bezahlt und aus dem Buch das beste Buch seiner Art macht, immer noch derjenige, der am meisten Qualität verspricht.

Mittlerweile werden Bücher mit zu vielen Fehlern von den Onlinebuchhändlern gesperrt, weil sie das den Leserinnen, die Geld für das Buch bezahlt haben, nicht zumuten wollen. Völlig zu Recht, denn wer ärgert sich nicht, wenn sich schon auf der ersten Seite die Rechtschreibfehler tummeln, keine Absätze vorhanden sind, die Zeichensetzung anscheinend der chinesischen Sprache entnommen scheint statt der deutschen? Oder der englischen. Viele wissen anscheinend gar nicht mehr, wie man die Kommata in einem deutschen Dialog setzt, da werden einfach die englischen Zeichensetzungsregeln genommen. Das ist sehr irritierend, wenn man das dann liest.

Wer also ein qualitativ gut gemachtes Buch veröffentlichen will, muss entweder selbst sehr viel davon verstehen (die deutsche Sprache perfekt beherrschen, zudem auch noch den Satz eines Buches und die Covergestaltung, dazu auch wissen, wie man das für sämtliche Anbieter richtig setzt und formatiert usw.) oder es denen überlassen, die etwas davon verstehen, nämlich einem Verlag.

Viele meinen anscheinend, das Word-Dokument (das zudem noch sehr viele Fehler enthält) einfach in ein ebook zu konvertieren reicht. Nein, das reicht nicht. Ein Buch richtig zu gestalten ist ein Beruf, den man lernen muss. Und es ist etwas völlig anderes als ein Buch zu schreiben. Es gibt kaum jemanden, der beides kann.

Wer also Bücher schreibt, und das gut kann, sollte sich darauf konzentrieren. Wer Bücher gestalten kann, sollte nicht unbedingt welche schreiben, sondern seine grafischen Talente nutzen, um das von der Autorin geschriebene Buch in ein visuelles Ereignis zu verwandeln.

Ich persönlich bin ein absoluter »Wortmensch«. Ich könnte niemals Cover gestalten, die Geduld aufbringen, ewig lang nach der richtigen Grafik, dem richtigen Bild, der richtigen Schrift zu suchen und das dann zu einem Kunstwerk auf dem Umschlag des Buches zusammenzusetzen. Das ist ein großer Aufwand, und man muss einen Blick für Farben haben, für die richtige Komposition des Bildes. Wie eine Malerin, die den »goldenen Schnitt« finden muss. Ich kann dann zwar sagen, ob es mir gefällt oder nicht, aber diese Art der Kreativität überlasse ich gern anderen, die das besser können als ich. Dafür konzentriere ich mich auf die Geschichten. laughing

Geschichten zu schreiben ist ein ganz anderes Talent. Es gibt selten Leute, die beides können, das sind dann Universalgenies, aber oft bildet man sich das auch nur ein. Man sollte sich immer auf das konzentrieren, was man am besten kann, dann kommt auch etwas Gutes dabei heraus.

Ich hoffe, es gibt auch in Zukunft viele kreative Menschen, die sich – auch in einem Verlag – zusammentun, um das beste Gesamtkunstwerk aus Text und Bild zu erschaffen. So haben wir alle etwas davon, ein ansprechendes Cover und eine schöne Geschichte.

Da wir sehr gute Einsendungen hatten, aus denen sehr lesenswerte Geschichten veröffentlicht werden, können sich alle auf diese Gesamtkunstwerke im nächsten Jahr freuen.

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