Braucht die Welt Twitter-Philosophen?

Gestern stolperte ich zufällig über eine Meldung, dass ein gewisser Jaden Smith seinen Twitter-Account gelöscht hätte. Weder der Name sagte mir etwas noch finde ich irgendetwas Besonderes dabei, seinen Twitter-Account zu löschen, eigentlich keine Meldung wert. Da das aber Aufregung verursacht zu haben schien, forschte ich ein bisschen nach und musste dann doch ziemlich lachen.

Jaden Smith ist der 16jährige Sohn des Schauspielers Will Smith, ein verwöhnter Teenager, der sich für den Nabel der Welt hält und seine „Weisheiten“ anscheinend in den letzten Monaten über Twitter verbreitet hat. Nun ist ihm das langweilig geworden – was wie üblich bei Teenagern ja oft schnell geht – und er hat den Account wieder gelöscht, um sich irgendeinem anderen Spielzeug zuzuwenden.

Nichts Besonderes wie gesagt und tatsächlich keine Meldung wert, so banal und alltäglich ist das. Aber es gab anscheinend eine Menge Leute, die an den Lippen dieses 16jährigen gehangen haben, um seine Allerweltssprüche mitzubekommen. Obwohl er das gerade mal ein paar Monate gemacht hat, tun diese Leute nun so, als wäre ihre ganze Welt zusammengebrochen und als würde ihnen wirklich etwas fehlen, bezeichnen Jaden Smith sogar als „existentialistischen Philosophen“ oder „metaphysischen Denker“. In einer Meldung stand sogar „Der Welt größter Philosoph hat sich von Twitter verabschiedet“.

Was für eine Welt ist das, die solche Meldungen produziert? Ein 16jähriger reicher, verwöhnter Teenager der Welt größter Philosoph? Und dass er nun seine Kindersprüche nicht mehr ablässt, eine Katastrophe?

Ich denke, es steckt wohl ein großer Mangel an Bildung dahinter, wenn man solche Sprüche als etwas Besonderes empfindet, aber es ist auch ein Zeichen der Zeit, der Gemeinschaften, die sich im Internet bilden und ihre eigenen Regeln und Vorstellungen haben. Früher musste ein Philosoph jahrzehntelang Bücher schreiben oder Anhänger unterrichten, bevor er als solcher anerkannt wurde. Heute lässt ein 16jähriger gerade mal ein paar Monate lang irgendwelche belanglosen Sprüche über die Internetplattformen verbreiten, und schon stecken ihm die anderen ein Etikett an, das viel zu groß für ihn ist und dass er auch gar nicht verdient hat.

Es ist irgendwie traurig. Man muss sich nicht mehr anstrengen, um jemand zu sein. Man muss nichts leisten, nichts Besonderes sein, intelligent sein oder auf irgendeinem Gebiet begabt, es reicht, wenn man das Kind reicher Eltern ist, egal ob Paris Hilton oder Jaden Smith oder wie diese Leute, die die Welt nicht braucht, alle heißen mögen.

Dasselbe findet auch im Buchmarkt statt. Da werden unterweltlerisch schlechte Bücher wie Twilight oder Shades of Grey zu Bestsellern, während wirklich gute Bücher gar nicht wahrgenommen werden. Sicherlich wird auch einiges nun wahrgenommen aufgrund des Internets, das vorher keine Chance gehabt hätte, aber die Ansprüche sinken immer mehr. Besonders Jugendliche scheinen praktisch überhaupt keine Ansprüche mehr zu haben.

Aber was für ein Wunder, wenn dieser Spruch von Jaden Smith ernstgenommen wird:

„Wenn jeder einfach die Schule schmeißen würde, hätten wir eine viel intelligentere Gesellschaft.“

Ich würde mal sagen, der gute Jaden war/ist wohl nicht sehr gut in der Schule. cool Anscheinend hilft ihm da auch das Geld seines Vaters nicht.

Früher gab es natürlich auch viele Kinder, die unzufrieden waren, mit ihren Eltern, mit der Schule. Es liegt in der Dynamik des Erwachsenwerdens, dass man Dinge in Frage stellt, die Erwachsene für selbstverständlich halten, nur dadurch wird die Welt vorangebracht. Wenn man die Dinge immer akzeptiert, wie sie sind, wird sich nichts bewegen, es würden keine Erfindungen gemacht und wir würden vielleicht immer noch in Höhlen leben.

Normalerweise strebten jedoch die nach Veränderung, denen es nicht so gut ging, nicht die Reichen, Verwöhnten. Die waren meist ganz zufrieden mit ihren Privilegien. Jaden Smith ist das auch. Er weiß gar nicht, was es bedeutet, um Anerkennung kämpfen zu müssen oder um den täglichen Lebensunterhalt, vielleicht froh zu sein, wenn man eine einzige Mahlzeit am Tag bekommt, sonst aber nichts zu essen hat, kein Dach über dem Kopf, niemanden, der sich um einen kümmert, und auch niemanden, der einen zur Schule schickt, wenn man noch nicht einmal lesen und schreiben kann.

Jaden Smith ist schwarz. Vielleicht sollte er mal nach Afrika gehen und dort eine Weile so leben, ohne Schule, ohne Eltern, ohne Sicherheit, ohne Geld, ohne Essen, jeden Tag in Gefahr zu verhungern oder zu verdursten, von wilden Tieren oder bösen Menschen getötet zu werden. Ich glaube, dann würde er andere Gedanken spinnen.

Aber es wird sicher bald ein neues Kind reicher Eltern kommen, dem es ja sooo schlecht geht, und seine Weisheiten verbreiten. Früher blieb so etwas wenigstens im kleinen Kreis, aber nun erfährt es die ganze Welt, wie unwichtig und vorübergehend es auch ist. Das Internet kann sich ja nicht wehren. smile

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