Nur ein Traum

eine »Xena«-Fanfiction von Claudia Westphal

Legal Disclaimer: Xena und Gabrielle sind geistiges Eigentum von Universal/MCA und Renaissance Pictures. Captain Kathryn Janeway und Seven of Nine sind geistiges Eigentum von Paramount Pictures. In beiden Fällen ist keine Urheberrechtsverletzung beabsichtigt.
Traum-Disclaimer: Diese »Geschichte« stellt nicht die Frage danach, wie Gabrielle und Xena auf die Voyager kamen, sie sind einfach da. Sagen wir, es ist einer meiner »Träume«. Xena und Gabrielle, Seven und der Captain in einer »perfekten« Welt. Und wenn man dabei noch Billie Holiday hört, kommt das dabei raus:

 

Es war spät. Auf der Voyager herrschte träge Betriebsamkeit. Das Surren des Warp-Kerns, das keines der Crewmitglieder noch bewusst wahrnahm, verbreitete unbewusst ein Gefühl der Gleichmut und Zufriedenheit unter denen, die zu solch nachtschlafender Zeit noch auf waren.

Der Captain stand vor dem großen Fenster ihres Bereitschaftsraumes und verlor sich für Sekunden im Anblick des weiten Nichts, das in den letzten Jahren ihr Alles geworden war. Sie lächelte, während sie an ihrem Kaffee nippte. Ein zufriedener Seufzer.

Sie hatte lange gearbeitet, doch jetzt war nichts mehr zu tun. Insgeheim hoffte sie, dass jemand in ihren Bereitschaftsraum kommen würde, mit einem Problem, das sie lösen konnte, nur nicht gerade jetzt gleich, vielleicht in ein paar Sekunden, einer Minute, in der sie einfach einen ruhigen Moment genoss, wie sie ihn auf ihrem Schiff schon lange nicht mehr erlebt hatte.

Geschäftiger ging es im Frachtraum 2 zu, wo Seven noch ein paar Daten über den Slipstream überarbeitete, eine Aufgabe, die sie einige Zeit gekostet hatte, die Geduld und Fachwissen erfordert hatte. Von beidem hatte sie mehr als genug, und sie wusste, dass ihre Arbeit den Ingenieuren helfen würde, in einiger Zeit dem Geheimnis dieses Antriebs auf die Spur zu kommen.

Jetzt, in der letzten Phase dieser Studie, ging sie langsamer vor. Sie war noch nicht bereit, diese Arbeit zu beenden, denn danach würde sie sich regenerieren müssen, ein Bedürfnis, dem sie immer noch äußerst widerwillig nachgab. Sie genoss also die letzten Minuten ihrer Arbeit, baute noch ein wenig an der Satzstruktur ihrer Analyse, die ohnehin schon perfekt war und hörte auf die leisen Geräusche des Schiffes.

 

Gabrielle saß unter dem weiten Sternenzelt. Sie hatte gerade eine Geschichte beendet und war völlig zufrieden mit sich und der Welt. Es war ein wahres Stück großer Poesie und lyrischer Ausdruckskraft geworden, und sie war stolz auf sich. Sie wusste, dass auch Xena stolz auf sie sein würde, wenn sie es ihr vorlesen würde. Momentan war sie jedoch allein auf diesem wunderbaren Fleck Erde, oder besser, diesem wunderbaren Stück Technik, denn sie befand sich auf dem Holodeck und genoss doch das anheimelnde Gefühl von Heimat und Frische einer griechischen Nacht unter freiem Himmel.

Sie streckte sich und stand auf. Eine angenehme Müdigkeit überkam sie. Sie war erschöpft, geistig wie körperlich, aber sie hatte in den Händen, was diese Müdigkeit verursacht hatte, und das war ein gutes Gefühl. Jetzt wollte sie sich nur noch ausruhen, etwas, was man auf diesem großen Raumschiff in jeder nur erdenklichen Weise tun konnte. Sie konnte ein paar Tage an einem Wasserfall verbringen oder in einem Palast mit allem erdenklichen Komfort, und dafür musste sie nur dem Computer sagen, was sie wollte und musste sich keinen Zentimeter rühren. Oder sie konnte einfach weiterhin hier sitzen, unter den Sternen und ihre Gedanken wandern lassen.

 

Xena schwang ihr Schwert. Ein Angreifer von vorn. Ein hässlicher Typ mit Knubbeln auf der Stirn, wie Xena sie schon bei B’Elanna, der Chefingenieurin, gesehen hatte. Seine kleinen Zähne blitzten. Er wurde es nicht müde sie anzugreifen, und Xena wurde es nicht müde ihn abzuwehren. Dies war das beste Training, das sie sich vorstellen konnte. Die Angreifer gingen nicht aus, wurden nicht müde und starben nicht wirklich. Sie wehrte die breite, halbrunde Waffe mit ihrem Schwert ab, machte ein Ausweichmanöver und rammte dem Klingonen ihre Waffe in die Magengrube. Es berauschte sie. Weitere Angreifer folgten, doch sie wurde mit ihnen fertig, nicht immer ohne Mühe, und sie musste sich keine Gedanken darüber machen, dass sie irgendwen tatsächlich verletzte, das waren alles Hologramme.

 

Seven machte sich auf den Weg zum Holodeck 2. Das große Holodeck war von den Besuchern des Schiffs belegt, die eine heimischere Umgebung den Quartieren vorzogen. Seven fand diese beiden Frauen äußerst interessant. Primitiv, aber interessant. Und sie hatte keinerlei Probleme, ihre sozialen Umgangsformen zu verfeinern. Die kleine Blondine war sehr gesprächig und beantwortete all ihre Fragen, die große Dunkle, Xena, hatte einen trockenen Humor, redete nicht viel, konnte aber ausgesprochen gut mit Waffen umgehen, auch wenn diese, nach Sevens Meinung, recht primitiv waren, wusste die große Frau sie doch effektiv zu nutzen.

Seven betrat das Holodeck und startete ein Programm, das sie selbst zu ihrem Vergnügen kreiert hatte. Sie hatte herausgefunden, dass ihr die gemütliche Atmosphäre einer Bar im Stil der 30er Jahre des 20sten Jahrhunderts der Erde ausgesprochen gut gefiel. Sie ließ das Programm laufen und stellte sich an das Piano, an dem ein großer, dunkler Typ heißen Jazz spielte. Sie hörte eine Weile zu, dann begann sie mitzusingen. Sie bewegte sich rhythmisch und genoss die bewundernden Blicke der einzigen anderen Person im Raum.

Zumindest war der Klavierspieler die einzige Person, die sie bemerkt hatte. In der Tür zum Holodeck stand, etwas überrascht, aber durchaus angenehm überrascht, Kathryn Janeway. Auch sie beobachtete und bewunderte und setzte sich schließlich stillschweigend an einen der Plätze an der Bar, der Seven den Rücken zudrehte.

 

Gabrielle hatte es auf der Suche nach Xena ebenfalls zu Holodeck 2 geführt, wo sie Minuten später die Borgdrohne bei I can’t give you anything but love unterbrach.

Die große, blonde Frau schaute die kleinere überrascht an.

»Oh, Entschuldigung. Ich war auf der Suche nach Xena und . . .«

»Du hast mich gefunden«, kam es aus einer dunklen Ecke des Raumes, und jetzt bemerkte Seven auch Kathryn, die an der Bar saß.

Xena stand auf. Ihr Gesicht war schmutzig, ihre Kleidung derangiert, und sie hatte mehrere Schnittwunden, eine davon auf ihrer linken Wange.

»Du blutest ja.« Gabrielle war sofort bei ihr und berührte das Gesicht ihrer Freundin.

»Nicht so schlimm.«

»Seven, wieso singen Sie nicht weiter?«, kam es vom Captain, die dieses Schauspiel mit der gleichen Zufriedenheit beobachtete wie zuvor die Sterne aus ihrem Fenster. Es war ihr vertraut, es sagte ihr, dass auf ihrem Schiff alles seinen normalen Gang ging.

Sevens Augenimplantat fuhr hoch und sie nickte.

Kathryn kam es fast so vor, als lächelte die schöne junge Frau.

Seven gab dem Mann am Piano einen Wink, und er begann Pennies from Heaven zu spielen.

Xena nahm Gabrielles Hand und führte sie auf die kleine Tanzfläche. Langsam bewegten sie sich zur Musik.

Every time it rains, it rains pennies from heaven . . .

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