Wespennest (1)

„Hier, das wird dir gefallen.“ Rennis Kollege Hartmut kam mit einem breiten Grinsen zur Tür herein und wedelte mit ein paar Photos. „Sie hat den Kerl geradezu abgeschlachtet. Und so, wie es aussieht, hatte er sich auf was anderes gefreut.“ Er warf die Bilder auf den Tisch und setzte sich selbst auf die Ecke. „Du magst doch Frauen, die morden.“

Renni hob die Augenbrauen. „Woher willst du wissen, dass es eine Frau war?“

„Das ist klar wie Kloßbrühe.“ Er zuckte gleichgültig die Achseln. „Wir wissen sogar schon, wer. Sie ist kurz vorher aus der Psychiatrie ausgebrochen. JVA. Saß da wegen Mord an ihrer …“ Er runzelte die Stirn. „Wie heißt das bei euch? Geliebten? Gespielin?“

„Frau“, entgegnete Renni mit einem strafenden Blick. „Sag einfach Frau.“

„Also verheiratet waren sie glaube ich nicht. Lebten nur schon eine Weile zusammen. Gemeinsame Wohnung und so.“ Er grinste wieder. „Ist ihr wohl zu eng geworden, da hat sie das Mädel abgemurkst. Oder vielleicht hatte sie einen Kerl kennengelernt, und die Dame ist ausgerastet.“

Renni rollte die Augen zur Decke. „Du kennst dich echt mit Lesben aus, was?“

„Na komm …“ Er schüttelte den Kopf. „So viel anders ist das auch nicht. Eifersucht ist immer ein gutes Motiv.“

„Da hast du Recht.“ Renni schaute auf die Bilder. „Wir haben doch hier in der Nähe gar keine Psychiatrie für Straftäter.“

„Sie war in Wiesloch. Die haben das immer noch nicht im Griff mit der Sicherheit.“ Er verzog schief einen Mundwinkel. „Erinnerst du dich noch an den Taximörder? Der ist auch von da stiften gegangen.“

„Ich dachte, seither hätten sie aufgerüstet“, bemerkte Renni nachdenklich, immer noch den Blick auf die Bilder geheftet. Rot war die beherrschende Farbe. Blutrot. „Und haben sie den Typ damals nicht schon nach einem Tag wieder gefasst?“

„Weil er blöd war.“ Er nickte. „Ist sie aber nicht. Top-Computerspezialistin. Hat für Sicherheitsfirmen gearbeitet, bevor – Die hat sich wahrscheinlich schlappgelacht über das, was die in Wiesloch Hochsicherheitstrakt nennen.“

„Wiesloch ist aber von hier nicht gerade um die Ecke“, wandte Renni ein. „Wieso sollte sie hergekommen sein, um hier einen Mord zu begehen?“

„Sie hat geschworen, sich für den Mord an ihrer … Frau zu rächen. Hat immer behauptet, dass sie unschuldig ist, obwohl alle Indizien auf sie wiesen. Und der Kerl hier war ein ehemaliger Kollege der Ermordeten. Wollte wohl auch was von der Kleinen. Vielleicht ist sie so verrückt, dass sie denkt, er hat sie umgebracht, obwohl sie es selbst war.“ Er stand auf. „Jedenfalls ist das dein Fall. Die Leiche ist in der Pathologie.“

„Mein Fall? Wieso das denn?“ Renni blickte ihn erstaunt an. „Ich war doch gar nicht am Tatort.“

„Der Chef meint wohl, du bist in dem Fall kompetenter als alle anderen.“ Er grinste wieder.

„Na, dem werd ich was erzählen!“ Wutentbrannt stand Renni auf. „Ich habe die Leiche nicht gesehen, wie sie gefunden wurde, keine Spuren …“

„Die SpuSi hat bestimmt alles gesichert. Der Fundort ist auch abgesperrt, kannst ihn dir ansehen.“ Er wollte sich umdrehen.

„Nicht ohne dich, mein Freund!“ Renni hielt ihn mit ihrer Stimme auf. „Du warst dort und hast alles gesehen, oder?“

„Hmhm.“ Er nickte widerstrebend.

„Dann werden wir uns das noch mal zusammen ansehen“, entschied Renni. „Jetzt sofort! Auch wenn die Leiche nicht mehr da ist.“

Er zuckte die Achseln. „Wenn du das dem Chef verkaufst …“

„Darauf kannst du Gift nehmen!“ Renni nahm ihre Waffe aus dem Schreibtisch und schnallte sie um. Dann zog sie ihre Jacke an. „Los, bevor noch mehr Zeit verloren geht.“

***

„Kannst du schon etwas sagen?“ Renni trat durch die Tür des Sektionssaals und ging schnell auf den hinteren Teil zu.

Monika hob höchst irritiert die Augenbrauen, während sie sich über der Leiche auf dem Untersuchungstisch aufrichtete. „Hast du einen neuen Fall?“

Renni wies mit dem Kinn auf den Tisch. „Den da, denke ich. Sieht jedenfalls so aus.“

„Das ist doch Lohses Fall.“

„War es. Ich war gerade mit ihm am Leichenfundort.“ Renni verzog das Gesicht. „Leider war die Leiche nicht mehr da. Die war schon bei dir.“

Monikas Mundwinkel zuckten. „Hättest du mir Bescheid gesagt, hätte ich selbstverständlich auf dich gewartet.“

Renni trat näher auf sie zu. „Ich habe es erst erfahren, als es schon zu spät war. Hartmut kam mit den Photos zu mir, als du den hier“, sie ließ ihren Blick über den nackten Körper schweifen, „wahrscheinlich schon aufgeschnitten hast.“ Sie seufzte. „Der Chef ist der Meinung, ich bin besser geeignet, den Fall zu untersuchen.“

„Ach?“ Monika beugte sich über den geöffneten Brustkorb und schaute interessiert hinein, bevor sie mit Hilfe eines Skalpells eine Gewebeprobe nahm und sie sorgfältig in einer Schale versorgte.

„Schatz?“ Mit schiefgelegtem Kopf schaute Renni sie an. „Hast du irgendwas?“

Monikas Augäpfel drehten sich, ohne dass ihr Kopf folgte. Sie schaute Renni von unten herauf seitlich aus den Augenwinkeln an. „Du weißt, wie ich es hasse, nach Ergebnissen gefragt zu werden, bevor ich mit meinen Untersuchungen fertig bin.“

„Ich weiß.“ Renni lächelte und hauchte einen Kuss auf ihre Wange. „Also?“

„Plage du.“ Monika verzog die Lippen. „Geh und lass mich arbeiten, dann kriegst du den Bericht.“

„Monika … Liebling …“ Renni umfasste von hinten ihre Hüften und zog sie leicht an sich. „Ich habe schon Zeit verloren durch die Umstände. Und konnte den Tatort nicht ordentlich besichtigen, weil ich nicht als erste gerufen wurde. Könntest du nicht einmal von deinen eisernen Regeln abgehen? Für mich?“

Monika seufzte. „Wie oft ich das schon getan habe …“ Ihre Stimme klang jedoch wesentlich weicher als zuvor.

Renni schmiegte sich leicht an ihren Rücken. „Todesursache?“, hauchte sie in ihr Ohr. „Todeszeitpunkt?“

„Er ist erstochen worden“, erwiderte Monika. „Das konntest du aber selbst auf den Photos sehen. Dreizehn Stiche in Brust, Rücken und Unterleib.“

„Dreizehn?“ Renni runzelte die Stirn. „Könnte das etwas zu bedeuten haben? Irgendein Ritual? Eine Sekte oder so etwas?“

„Satanisten?“ Mit skeptisch verzogenem Gesicht schüttelte Monika den Kopf. „Kann man natürlich nie genau sagen, aber ich würde es bezweifeln.“ Sie zuckte die Schultern wie um Renni abzuschütteln. „Wenn du mich arbeiten lassen würdest, könnte ich dir sicher mehr sagen.“

„Schon verstanden.“ Renni lachte leicht und ließ sie los. „Zeitpunkt?“

„Ziemlich genau zwölf Uhr mittags. Die Leiche war noch warm, als ich kam.“ Monika drehte sich leicht in den Hüften, um Renni anzusehen. „Kommst du heute Abend nach Hause? Oder wirst du dich in irgendwelchen Kneipen rumtreiben, um Zeugen zu befragen? Dann spare ich mir das Kochen nämlich.“

Renni schüttelte sich. „Wie du an Kochen denken kannst, während du hier Leichenteile sezierst.“

„Das hat nichts miteinander zu tun. Ich koche sie ja nicht.“ Monikas Lippen wollten sich zu einem Schmunzeln verziehen, das sie sofort unterdrückte.

Renni hatte es trotzdem gesehen. „Manchmal habe ich das Gefühl, es würde dir nichts ausmachen, das zu tun.“ Sie legte einen Arm um Monikas Taille und betrachtete kurz die Einstichwunden, die sie erkennen konnte. „Ziemlich langes Messer.“

„Habe ich noch nicht gemessen“, sagte Monika, „aber wie du weißt wurde so eine Art Jagdmesser neben ihm gefunden. Ob das die Mordwaffe war, wird sich noch herausstellen.“

„Ich komme heute Abend zum Essen nach Hause“, nickte Renni, hauchte erneut einen Kuss auf Monikas Wange und entfernte sich ein paar Schritte. „Versprochen.“

„Ha!“ Monika stieß einen abschätzigen Laut aus. „Das glaube ich erst, wenn ich es sehe. Ich weiß wirklich nicht, warum wir zusammen wohnen. Wenn wir uns mal sehen, dann doch meistens hier.“

„Ich bin froh, dass du deine Arbeit nicht mit nach Hause bringst.“ Renni lachte und ging schnell aus der Leichenhalle hinaus.

***

„Wie ist der Stand der Dinge?“

Renni blieb abrupt stehen, als sie die Stimme hinter sich hörte, und drehte sich um. „Dreizehn Stiche, aber Dr. Kowalski meint, es hat nichts zu bedeuten. Die Zahl, meine ich.“

Ihr Chef hob die Augenbrauen. „Schon was Neues von der ausgebrochenen Psychopathin?“

„Ich bin erst dabei, mein Team zusammenzustellen.“ Renni zuckte die Schultern. „Sie ist zur Fahndung ausgeschrieben. Vielleicht haben wir Glück, und sie geht uns ins Netz.“

„Du glaubst das aber nicht.“ Ihr Chef schmunzelte. „Sehe ich dir doch an.“

Mit den Händen in den Hosentaschen schlenderte Renni neben ihrem Chef den Gang entlang. „Sie ist hochintelligent. Ich frage mich, warum sie sich nicht verteidigt hat, als sie angeklagt wurde. Wie sie überhaupt festgenommen werden konnte. Man sollte meinen, so jemand legt sich einen guten Plan zurecht, wenn sie einen Mord begehen will. Ein wasserdichtes Alibi. Aber sie wurde direkt neben der Leiche gefunden mit der Mordwaffe in der Hand. Wie in einem schlechten Krimi.“

„Der Fall ist abgeschlossen“, sagte ihr Chef. „Sie wurde verurteilt.“ Er schaute sie von der Seite an. „Morgen bei der Dienstbesprechung mit deinem Team solltest du dich besser auf den aktuellen Fall beziehen. Für alte, gelöste Mordfälle haben wir kein Budget.“ Er spitzte die Lippen. „Ach, übrigens. Die Staatsanwältin, die sie angeklagt hat, ist auch in deinem Team. Ich dachte, da sie die Frau bereits kennt ...“

„Charlotte Ahrens?“ Renni wirkte nicht sehr begeistert. „Ich weiß nicht, ob das so eine gute Idee ist.“

Ihr Chef legte fragend den Kopf zur Seite.

„Sie hat mehr eine Hexenjagd auf diese Bernadette Ernst veranstaltet. Sie wollte sie unbedingt verurteilt sehen, um sich zu profilieren. Hat ihrer Karriere ja auch einen ganz schönen Schub versetzt.“ Renni holte tief Luft. „Die macht mir das ganze Team kaputt, wenn das wieder so läuft.“

„Du leitest das Team, nicht sie“, wandte ihr Chef ein. „Du bist verantwortlich für das, was geschieht, und für die Ergebnisse.“ Er lächelte zuversichtlich. „Ich weiß, dass du nicht der Typ für Hexenjagden bist.“

Renni hob schief einen Mundwinkel. „Die Frage ist: Weiß sie das auch?“

„Ist doch nicht die erste Mordkommission, die du leitest. Du schaffst das schon.“ Mit einem aufmunternden Schlag auf die Schulter verabschiedete er sich von ihr und ging in sein Büro.

„Du hast gut reden.“ Renni blieb unzufrieden zurück. Ihr Chef hatte eine äußerst nonchalante Art, Entscheidungen für seine Mitarbeiter zu treffen, die sie nachher ausbaden mussten. Eigentlich war er ein ganz netter Kerl, und meistens kam sie gut mit ihm zurecht, aber in solchen Momenten hätte sie ihm gern die Meinung gesagt.

Nützte aber sowieso nichts. An ihm prallte alles ab. Mit einem Lächeln. Was es schwierig machte, ihm böse zu sein.

Sie ging in ihr Büro zurück und machte sich Gedanken über ihr Team. Charlotte Ahrens stand zu Rennis Leidwesen zwar schon fest, und selbstverständlich gehörte Monika dazu, die die Leiche untersuchen musste, aber wer sonst noch?

Hartmut, weil er zuerst am Tatort gewesen war. Und zudem war er – trotz all seiner Sprüche – ein guter Polizist. Aber er war genauso voreingenommen wie Charlotte Ahrens. Renni gefiel es nicht, jemanden schon im Voraus zu verurteilen. Sie hatte lieber Beweise.

Charlotte Ahrens hatte wirklich eine Hexenjagd veranstaltet. Und Bernadette Ernst hatte ihr in die Hände gespielt, weil sie sich nicht gewehrt hatte.

Warum hatte sie sich nicht gewehrt? Diese Frage drehte sich erneut in Rennis Kopf. Sie hatte sich die Akte kommen lassen, weil sie damals an dem Fall nicht beteiligt gewesen war. Sie war mit Monika auf … Hochzeitsreise gewesen.

Auch wenn sie nicht verheiratet waren, nannten sie es so. Renni hatte Monika einen Antrag gemacht, aber Monika wollte nicht heiraten. Sie hatte Rennis Antrag zwar mit Tränen in den Augen gelauscht, aber ihre Freiheit ging ihr über alles. Sie hatte sich in früheren Zeiten zu sehr abhängig gemacht, und das hing ihr immer noch nach. Sie wollte selbständig sein.

Renni hatte das bedauernd zur Kenntnis genommen, aber da sie danach zusammengezogen waren, gab es eigentlich keinen Unterschied, ob sie verheiratet waren oder nicht. Sie hatten beide das Gefühl, zueinander zu gehören.

Sie zog die alte Akte erneut zu sich heran und begann darin zu blättern. Zum wiederholten Mal las sie den Tathergang. Das hieß: die Rekonstruktion des Tatherganges, denn die Beschuldigte hatte sich ja nicht dazu geäußert. Sie hatte weder etwas zugegeben noch bestritten. Lange Zeit hatte sie überhaupt nichts gesagt. Was ihr als Schuldbekenntnis ausgelegt wurde.

Dann hatte sie ihr Anwalt anscheinend dazu überredet, ihre Unschuld zu beteuern. Aber das hatte auch nichts mehr genützt. Zu lange waren alle Ermittlungen nur auf sie gerichtet gewesen. Andere Verdächtige gab es nicht.

Ihre Freundin und sie hatten sich gestritten. Heftig gestritten. Dann hatte sie türenknallend das Haus verlassen. Nachbarn hatten einen erneuten Streit ein paar Stunden später gehört, dabei war etwas zu Bruch gegangen. Die Nachbarn hatten die Polizei gerufen. Und als die ankam, saß Bernadette Ernst blutbeschmiert auf dem Boden neben der Leiche, das Messer in der Hand.

Alles schien eindeutig. Die Nachbarn bestätigten, dass dies nicht der erste Streit gewesen war. Die beiden schienen keine besonders harmonische Beziehung zu haben. Offenbar hatte Bernadette Ernst sich auch nicht viele Freunde gemacht. Alle waren auf Seiten der Toten, die als zart und zurückhaltend geschildert wurde. Immer nett und freundlich zu den Nachbarn. Bernadette Ernst hatte oft noch nicht einmal gegrüßt. Die Nachbarn mochten sie nicht.

Im beruflichen Umfeld hatte Bernadette Ernst auch keine Freunde. Sie arbeitete lieber allein. Saß den ganzen Tag vor ihrem Computer oder ihren sonstigen technischen Geräten und war am glücklichsten, wenn sie mit niemandem sprechen musste. Da sie immer wieder in anderen Firmen arbeitete, hatte sie keine Kollegen, die sie näher kannten. Sie war stets nur für kurze Zeit in einer Firma.

In dieser kurzen Zeit brachte sie es jedoch fertig, von allen gehasst zu werden. Oder wenn nicht gehasst, dann zumindest gemieden. Denn sie konnte sehr giftig reagieren, wenn man sie störte oder auch nur zum Kaffee einlud.

Die Firmen schätzten ihre fachliche Kompetenz und bezahlten sie gut, aber alle waren froh, wenn sie wieder ging. Sie war nicht gerade eine Sympathieträgerin.

Vermutlich hatte das ihr zum Schluss dann auch den Hals gebrochen. Sie war störrisch, widerspenstig, nicht kooperativ. Und Charlotte Ahrens hatte das ausgenutzt, um selbst im besten Licht zu erscheinen. Es hatte ihrer Karriere nicht geschadet.

Es klopfte an der Tür, und Renni blickte hoch. Sie hatte die Tür nicht geschlossen. Es war selten, dass jemand sich aufgefordert fühlte zu klopfen.

Wenn man vom Teufel spricht, dachte sie. „Frau Ahrens? Was kann ich für Sie tun?“

Charlotte Ahrens kam leicht lächelnd herein, wie immer auf hochhackigen Schuhen. Auch ihre sonstige Erscheinung wirkte geradezu verführerisch. Der Rock ihres eigentlich konservativen Kostüms bewegte sich nah an der Grenze zu nicht jugendfrei. Auch das Dekolleté der Bluse gewährte tiefe Einblicke. Dennoch brachte sie es fertig, wie eine ernstzunehmende Staatsanwältin zu erscheinen.

„Wie ich hörte, arbeiten wir zusammen.“ Ihr Lächeln hatte genau die richtige Mischung aus Ich bin dir gewogen und Das alles ist rein beruflich.

„Haben Sie sich für mein Team beworben?“, fragte Renni. Aus irgendeinem Grund löste Charlotte Ahrens’ Aufmachung nicht das Geringste in ihr aus. Nicht einmal das, was jede attraktive Frau in ihr auslöste, einen wohlwollenden Blick. Ahrens hätte genauso gut ein Mann sein können.

„Nicht direkt beworben“, erwiderte Charlotte Ahrens fast zu freundlich. „Ich habe es Ihrem Chef gegenüber wohl einmal erwähnt.“ Sie trat noch einen Schritt näher. „Ich dachte, wir sollten vielleicht ein paar Informationen austauschen. Sie waren damals ja nicht da, als der Fall verhandelt wurde.“

„Im Gegensatz zu Ihnen“, sagte Renni. „Sie waren sehr präsent.“

Charlotte Ahrens Mundwinkel zuckten. „Ich habe die Anklage vertreten.“

„Und das überzeugend“, sagte Renni. „Hatten Sie nie Zweifel? Wieso sind keine anderen Verdächtigen gesucht worden?“

„Weil es ein eindeutiger Fall war“, entgegnete Charlotte Ahrens. Sie wies auf die Akte. „Das geht aus den Dokumenten hervor. Ihr Kollege, der die Sache damals bearbeitet hat, war da ganz meiner Meinung.“

Vielleicht hat er aber auch nur auf deinen Rock gestiert, dachte Renni. Sie wusste, dass die meisten Männer in Charlotte Ahrens’ Gegenwart unruhig wurden.

Sie selbst empfand Ahrens wie einen kalten Fisch. Sie strahlte nichts Warmherziges aus. Es schien, als ob die Temperatur im Zimmer gefallen wäre.

Renni stand auf. Die hochhackigen Schuhe machten Charlotte Ahrens größer, aber in Wirklichkeit war sie eine eher kleine Frau. Ganz sicher war sie nicht gekommen, um Informationen auszutauschen, sondern um welche zu bekommen. Sie hätte Renni garantiert nicht mehr gesagt als das, was in den Akten stand. Rennis neue Erkenntnisse wollte sie jedoch wohl brühwarm übermittelt bekommen.

Warum auch immer. Vielleicht hatte sie doch ein wenig Angst, dass sie damals etwas übersehen haben könnte, das nun herauskam. Obwohl es unwahrscheinlich erschien, dass sie so etwas wie Angst überhaupt kannte.

„Was den aktuellen Fall betrifft, da erfahren die Mitglieder des Teams alles morgen bei der Dienstbesprechung“, sagte Renni. „Im Moment werden noch die Spuren ausgewertet, und die Untersuchung der Leiche ist auch noch nicht abgeschlossen.“

„Und wie ist Ihr erster Eindruck?“ So leicht gab Charlotte Ahrens nicht auf.

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  • Sima
  • Babs
  • Brand Angie
  • Nanni
  • Barbara
  • Ruth Gogoll
  • Juli
  • Ruth Gogoll

    Permalink

    So, nach dem Erfolg des Weihnachtskrimis arbeite ich jetzt auch an den eingesperrten Wespen weiter. ;) Wenn Interesse an einem weiteren Krimi mit Renni und Monika besteht, kann ich das ja nicht so einfach ignorieren. Will ich auch gar nicht. Die Geschichte ist mittlerweile schon recht weit fortgeschritten, und es sind mir heute noch ein paar Ideen gekommen. Das Puzzle hat sich noch nicht ganz zusammengesetzt, aber es wird.

    Dienstag, 29. Dezember 2015 13:35
  • Sehr schön... Ich freue mich schon darauf.

    Schade, dass Mord im Frauenhaus nicht mehr hier im Shop erhältlich ist. Aber dann findet sich ein anderer Weg, die Renni-Krimi-Serie komplett zu machen :).

    Dienstag, 29. Dezember 2015 19:36
  • Ruth Gogoll

    Sima Permalink

    Es ist als ebook und als BoD erhältlich. Bei uns im Shop direkt kann man es nicht kaufen, aber einfach auf den Knopf klicken, der dort ist, dann wird man dorthin geführt, wo man es kaufen kann. Wie immer bei BoDs wird das Buch dann extra für Dich gedruckt - ganz exklusiv. :D

    ALLE alten Bücher, die schon ausverkauft waren, gibt es jetzt als BoD. Man muss also auf kein Buch mehr verzichten.

    Dienstag, 29. Dezember 2015 20:11
  • Na wenn das nix ist :)...
    Ich lese ja auch hin und wieder ein ebook, aber ein richtiges Buch in den Händen ist eben doch etwas anderes. So empfinde ich das zumindest... Vielleicht ein wenig altmodisch ;).

    Dienstag, 29. Dezember 2015 21:39
  • Wunderbar ... freue mich schon :) Frohes Schaffen! Und da man Künstler nie drängeln sollte, verkneife ich mir jetzt die Frage, wann Frau damit rechnen darf ... ;);)

    Dienstag, 29. Dezember 2015 18:32
  • Ruth Gogoll

    Babs Permalink

    Ich muss ja immer mehrere Projekte gleichzeitig haben, also wird es auf jeden Fall nebenher wachsen. „Zuckerwatte“ ist jetzt bald fertig, dann ist noch ein anderer Roman relativ weit fortgeschritten, den ich für das 2. Halbjahr eingeplant hatte, und „Wespennest“ wäre dann vielleicht eine gute Ergänzung dazu, um die beiden parallel zu schreiben. Ich habe allerdings gerade auch noch einige andere Geschichten in Arbeit, und bei mir kommt es immer darauf an, wohin die Muse mich trägt. Das kann ich nicht immer so genau sagen. Also möglicherweise kommen zwei andere Romane von mir im zweiten Halbjahr. :) Das sehe ich erst, wenn die Romane fertig sind.

    Dienstag, 29. Dezember 2015 20:18
  • Brand Angie

    Permalink
    Rated 5 out of 5 stars

    Habmich sehr darüber gefreut wieder etwas von renni zu lesen :):D wespennest fängt schon interessant an und bin Glücklich wieder von renni etwas zu höhren....:)bitte bald
    liebe grusse
    Angie

    Sonntag, 8. Februar 2015 23:34
  • Ruth Gogoll

    Brand Angie Permalink

    Da ich in den letzten Tagen so eine Menge neue Geschichten hier auf der Webseite angefangen habe (sehr inspiriert durch die netten Leute in dem neu eingerichteten Chat :)), arbeite ich jetzt alle nacheinander ab. Ich schreibe ja oft mehrere Sachen parallel, und das macht mir im Moment auch wieder großen Spaß. Fällt mir zu Renni gerade nichts ein, schreibe ich »L wie Liebe« weiter oder »Nach Lesbos« oder »Tante Klara« oder, oder, oder. Es ist interessant, wie sich die einzelnen Geschichten voneinander unterscheiden, und so wird es nie langweilig.

    Montag, 9. Februar 2015 8:58
  • Ruth Gogoll

    Permalink

    Übrigens: Auch Fanfiction über Renni und Monika ist hier willkommen. Wer also eine Idee für einen Krimi mit Renni und Monika hat, nur immer los! :)

    Montag, 2. Februar 2015 12:24
  • Gedanken:
    Wieso ist die Staatsanwältin Charlotte Ahrens für den neuen Mord zuständig? Kann es sein, dass sie den Fall unbedingt haben will… ihn regelrecht an sich reisst?
    Wenn ja: Wieso? Muss sie vielleicht jemanden decken? Wird sie womöglich erpresst? Ist sie in etwas verstrickt? Will sie dafür sorgen, dass Bernadette wieder als Sündenbock hinhalten muss? Wie (vielleicht) schon beim Mord an ihrer Frau?
    Wenn ja: Wieso wird Charlotte Ahrens erpresst? In was ist sie verwickelt?

    Oder gehen deine Ideen in eine ganz andere Richtung?
    Das ist alles nicht so einfach. Ach, wär das schön, wenn ich Gedanken lesen könnt:)

    Montag, 2. Februar 2015 13:03
  • Ruth Gogoll

    Barbara Permalink

    Ja, Charlotte Ahrens gehört zu den Antagonisten, das war schon so gedacht. ;) Sie leitet die Ermittlungen aber nicht, Renni leitet sie. Aber die Staatsanwältin ist in ihrem Team. So ein Team kann sehr groß sein, ich muss mal schauen, wie viele es hier sind. Es werden Leute aus verschiedenen Bereichen der Polizei zusammengezogen, die alle gemeinsam an dem Fall arbeiten. Renni als Leiterin der Mordkommission hat die Verantwortung und kann den anderen Anweisungen erteilen. Was ganz sicher zu Reibereien mit der Staatsanwältin führt, da ja sehr oft die Staaatsanwaltschaft der Polizei übergeordnet ist. In diesem Fall aber nicht, weil Ahrens nicht die zuständige Staatsanwältin ist, nur im Team mitarbeiten soll, wie alle anderen. Allein aus dem Grund, weil sie damals die Untersuchungen geführt hat, die zu Bernadettes Verurteilung geführt haben.

    Ich bin noch nicht ganz sicher, ob Ahrens einfach nur bösartig und karrieregeil und deshalb unfair sein soll, oder ob sie tatsächlich etwas mit der Sache zu tun hat.

    Montag, 2. Februar 2015 14:12
  • Ich lach mich hier grad kaputt... Wieso? Kann ich nicht sagen:):):):);)
    Aber: Die Staatsanwältin ist im Team... weiss also immer, was geht und wie der Stand der Dinge ist. Sie könnte, Betonung liegt auf 'könnte' z. B. jemandem falsche Beweise unterjubeln, Hintermänner oder -frauen warnen oder versuchen Renni auf einen Irrweg zu führen... Das war ja nur so eine Idee. So quasi eine Maulwurf-Funktion. Aber mach du mal. Mein Kopf raucht eh. Heute kommt da nichts mehr Produktives.
    Verdammt. Ich sollte jetzt endlich mal meinen Job erledigen... Oje... gibt bald ne Abmahnung:(:(;)
    Das muss aufhören... aufhören... darf hier nicht so weitergehen. (Sorry: Das waren wieder mal meine fünf Minuten. Was ist bloss los?)
    Werde versuchen, mich zu bessern:)
    Ich wünsch euch allen noch einen schönen Nachmittag! Klicke mich jetzt aus;)

    Montag, 2. Februar 2015 14:21
  • Ruth Gogoll

    Permalink

    Ich habe die Geschichte jetzt mal in »Wespennest« umbenannt, denn ich habe so das Gefühl, dass ›meine‹ Lisa (die jetzt Bernadette heißt, damit die Verwirrung ein Ende hat) in ein selbiges gestochen hat. Und da ich ebenfalls das Gefühl habe, dass ich nach langer Krimi-Abstinenz mal wieder Lust habe, einen oder auch mehrere zu schreiben, gibt es jetzt eine Kategorie Renni, in der alle Entwürfe, Ideen usw. gesammelt werden.

    Sonntag, 1. Februar 2015 17:02
  • Ich fände es auch schön, wenn es einen neuen Fall von Renni gäbe. Daumen hoch! :)

    Sonntag, 1. Februar 2015 18:59
  • Das ist eine sehr gute Idee gewesen. *daumen hoch*
    Und ich freue mich auf viele viele Fortsetzungen :D

    Sonntag, 1. Februar 2015 17:04
  • Ruth Gogoll

    Permalink

    Um die Verwirrung perfekt zu machen, geht es hier mit Renni und Monika weiter. ;)

    Sonntag, 1. Februar 2015 8:53
  • Juli

    Permalink

    Ich könnt gerade auf und abhüpfen vor Freude. :D
    Oder im Kreis tanzen. Wobei beides etwas lächerlich aussehen würde :D
    Aber ich freue mich einfach gerade so riiiiiesig über Renni und Lisa und einfach alles.
    Eigentlich wollte ich mich ja an Lisa setzen, aber wo soll ich jetzt anfangen? :D
    So viele tolle Ansätze von Ihnen Frau Gogoll, aber auch von Barbara.
    Das ist wie im Süßigkeitenladen mit freier Verkostung. Wo soll frau da nur beginnen?:D:D

    Samstag, 31. Januar 2015 13:33
  • Vielen Dank. Es wäre schön, wenn es mit Renni und Monika weitergehen würde. Und wegen Lisa und und und: Ich mache jetzt dann eine Zeichnung an die Wand, damit ich noch weiss, wer mit wem, wann, wieso und überhaupt;) Schönen Sonntag!

    Sonntag, 1. Februar 2015 10:19

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