Die verfluchte erste Zeile! – Teil 1

Ich weiß ja schon, worüber ich schreiben will. Ich weiß es ganz genau. Aber die erste Zeile, die fällt mir einfach nicht ein.

Na, da wissen wir doch Abhilfe.

Nehmen Sie einfach eine beliebige erste Zeile aus unserem Angebot.

Hier kommt die erste:

Niemand wies ihr Angebot zurück.

Das ist die erste Zeile Ihrer Kurzgeschichte oder Ihres Romans.

Wenn Sie möchten, können Sie den ersten Absatz oder die erste Seite Ihres Schreibresultates hier als Kommentar einstellen.

Und nun – fangen Sie an!

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  • Ruth Gogoll
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  • uschi
  • Barbara

    Permalink

    Dieser Satz ließ mir einfach keine Ruhe… (ab der nächsten Übung werde ich mich auf zwei Figuren beschränken. Versprochen;)
    ___________________________

    Niemand wies ihr Angebot zurück. Alle vier Mitarbeiterinnen waren bereit, Franziskas Angebot anzunehmen. Mir einem so eindeutigen Resultat hatte sie nicht gerechnet…, aber vielleicht war ihr Angebot auch einfach zu verlockend.

    Während zwei Wochen jeden Abend zusätzlich zur normalen Arbeitszeit eine Extraschicht von 19.00 Uhr bis 23.00 Uhr leisten. Dafür offerierte Franziska zwei Wochen zusätzlichen Urlaub. So lautete ihr Angebot. Franziska benötigte unbedingt den vollen Einsatz einer Mitarbeiterin, damit sie den Abgabetermin für die Präsentation einhalten konnte… sie wollte diesen Auftrag um jeden Preis.

    Franziska beschloss, den Würfel entscheiden zu lassen, denn sie wollte keine der vier Frauen bevorzugen oder gar mit ihrem Angebot für schlechte Stimmung sorgen. Insgeheim wünschte sie sich aber, dass Sandra die höchste Punktzahl erreichen würde… schon lange hatte sie ein Auge auf sie geworfen. Franziska fand diese Frau unglaublich charmant und attraktiv… und mit ihrer Arbeit war sie mehr als nur zufrieden. Sandra arbeitete nun seit vier Wochen in Franziskas Team, und noch nie zuvor löste eine Frau ein solches Kribbeln in ihr aus… so sehr, dass sie nun schon nachts von ihr träumte und tagsüber mit Schmetterlingen im Bauch am Schreibtisch saß, wenn Sandra sich im Raum bewegte oder in ihrer Nähe war.

    Bettina würfelte eine Fünf. Oje, das ist verdammt gut, dachte Franziska. Ursula würfelte eine Zwei und Iris eine Drei. Zum Schluss war Sandra an der Reihe. Franziska musste sich zusammen reißen, damit keine Mitarbeiterin bemerkte, wie angespannt sie war, und wie sehr sie mitfieberte. Sie schaute Sandra kurz an, und ihre Blicke trafen sich. Dann schaute Franziska auf den Würfel. Schon fast hypnotisierend starrte sie auf das viereckige Ding. Schließlich wendete sie sich zum Fenster ab und schloss die Augen. Niemand konnte sehen, dass sie ihre Hände so verschränkte, als wollte sie beten. Das Warten kam ihr wie eine Ewigkeit vor… da hörte sie plötzlich Sandra jubeln.

    „Eine Sechs… ich habe eine Sechs. Wahnsinn, ich freue mich jetzt schon auf die zwei Wochen Extraurlaub. Franziska stand einen Moment wie angewurzelt da und öffnete langsam die Augen. Sie lächelte vor sich hin, und ihre innere Anspannung löste sich. Ja, Sandra. Freu dich auf deinen Urlaub…ich… ich freue mich auf dich…

    Franziska trat gut gelaunt vor ihre Mitarbeiterinnen. „Schön, der Würfel hat also entschieden. "Sandra, du wirst mich ab morgen jeden Abend unterstützen. Ich freue mich auf eine gute Zusammenarbeit."

    Sandra lächelte und nickte. „Ich freue mich auch.“

    Franziska bedankte sich bei allen Mitarbeiterinnen. “Ich bin stolz auf euch. Ich könnte mir kein besseres Team wünschen, und das freut mich so sehr, dass ich euch alle morgen Mittag in die Pizzeria einlade.“

    Dienstag, 17. Juni 2014 17:25
  • Ruth Gogoll

    Barbara Permalink

    Ehrlich gesagt waren die vorherigen Versuche zum Teil besser. Das hier klingt jetzt mehr wie ein Zeitungsartikel. Es hat nichts Persönliches. Wie immer wird mehr Wert auf äußerliche Ereignisse als auf innere Vorgänge gelegt. Es werden Dinge beschrieben, die geschehen, aber nichts, was innerlich eine große Bedeutung hätte. Alles, was beschrieben wird, ist ziemlich banal. Von dieser Banalität wegkommen bitte. Mehr das Besondere in den Vordergrund stellen, nicht das Triviale.

    Dienstag, 17. Juni 2014 17:53
  • Vielen Dank für Ihre wertvolle Kritik. Ein neuer Versuch... und vielleicht der Übergang in die Übung zwei...
    ______________________
    Niemand wies ihr Angebot zurück… doch aus sicherer Quelle wusste Nina längst, was es mit diesem Angebot auf sich hatte.

    In den letzten Wochen spielte sich in Ninas Bar immer die gleiche Szene ab. Gegen Mitternacht kam Lara mit irgendeiner Frau zu ihr an die Theke, bestellte teuren Champagner und knutschte mit der ihr fremden Frau rum.

    Nina schaute sich dieses Spiel nun zum vierten Mal an. Sie wollte sich nichts anmerken lassen, doch innerlich kochte sie… in ihr tobte ein Tornado… so sehr, dass sie nach einem Bierglas griff und dieses ins Spülbecken knallte. Sie liebte Lara immer noch. Sie platzte vor Eifersucht, obwohl sie wusste, was es mit diesem bescheuerten Angebot auf sich hatte. Sie wollte Lara zurück und zwar auf der Stelle. Sie trat von der Theke hervor, marschierte zielstrebig zu Lara hin, riss sie energisch von der anderen los und schaute sie mit funkelnden Augen an.

    „Wenn du mich nicht sofort küsst, schlage ich dich“, sagte sie. Die andere Frau starrte sie entgeistert an.

    Dienstag, 17. Juni 2014 20:48
  • Ruth Gogoll

    Barbara Permalink

    Ja, das führt in die zweite Übung. Von da aus dann weitermachen. ;)

    Innere Vorgänge werden hier jetzt aber (wieder einmal) nur beschrieben, nicht gezeigt. Das erzeugt eine distanzierte Atmosphäre, eine reine Außensicht. Ich habe das Gefühl, es wird nie einen emotionalen, einen inneren Konflikt geben, weil alles nur von außen betrachtet wird, selbst Gefühle.

    Das Glas beispielsweise wäre doch eine gute Gelegenheit für „Show don’t tell“, aber es ist reines „Tell“. Und was soll das mit der „sicheren Quelle“ heißen? Welche Quelle? Und warum „sicher“?

    „In den letzten Wochen spielte sich immer dieselbe Szene ab.“ Aber wo ist die Szene? Hier gibt es nur eine Beschreibung der Szene. Warum nicht die Szene selbst, die viel intensiver wäre? Warum wieder so ein Zeitungsbericht?

    Eine Beschreibung wie „In ihr tobte ein Tornado“ ist wertlos. Man muss den Tornado fühlen, man muss mitgerissen werden. Hier sehe ich nur eine kühle Beobachterin, die sich möglichst auf nichts einlassen will, aber keine in ihrem Text mitatmende Autorin, die das selbst fühlt und erlebt.

    „Sie platzte vor Eifersucht“, das durfte hier nicht stehen, nicht ausgesprochen oder hingeschrieben werden, sondern wir müssten es sehen, es fühlen, mitzittern. So eine Reaktion kann nie durch Beschreibungen erzeugt werden. Weg von der Beschreibung hin zum Erleben, zum Fühlen, das wäre die Devise.

    Dienstag, 17. Juni 2014 21:43
  • Liebe Frau Gogoll
    Vielen Dank für Ihre Rückmeldung. Ganz ehrlich: Momentan bin ich ziemlich verwirrt...
    Wären Sie eventuell so nett und würden mir diesen letzten Text umschreiben, damit ich weiss, wie Sie sich das vorstellen?
    Herzlichen Dank und liebe Grüsse
    Barbara

    Dienstag, 17. Juni 2014 22:28
  • Ruth Gogoll

    Barbara Permalink

    Wie kann man „In ihr tobte ein Tornado“ darstellen, ohne diese Worte zu verwenden? Wie kann man „Sie platzte vor Eifersucht“ darstellen, ohne diese Worte zu verwenden? Wie lief die Szene ab? Als Szene mit Dialog, nicht als Bericht.

    In einem Roman geht es nicht darum, zu berichten, was geschieht, eins nach dem anderen, die äußeren Ereignisse aufzuzählen. Es geht darum, eine Atmosphäre zu erzeugen, Gefühle und Empfindungen zu vermitteln, ohne sie beim Namen zu nennen.

    Gerade eben sah ich eine Szene in einem Film, in dem eine Frau mit ihrem Wagen auf ihren Liebhaber zurast, knapp vor ihm abdreht, so dass er sich nur mit einem Sprung retten kann, und dann mit quietschenden Reifen davonfährt. Kurz vorher hatten sie Streit, und diese Szene zeigt, die Frau ist wahnsinnig sauer. Niemand muss das sagen, man sieht es. Wenn man also diese Szene schreibt, erübrigt sich der Satz: „Sie ist sauer.“

    Das ist die Idee von „Show don’t tell“. Wenn ich zeigen will, dass jemand fast vor Eifersucht platzt, wie tue ich das? Was passiert in jemand, der eifersüchtig ist? Was zeigt sich im Gesicht, im Körper, in Gestik und Mimik, in der Sprache? Das müsste hier stehen statt „Sie platzte vor Eifersucht“.

    Mittwoch, 18. Juni 2014 21:20
  • Nina stockte der Atem. Panik ergriff sie wie ein Tornado und wirbelte all ihre aufgestauten Gefühle durcheinander, als sie in das hübsche, selbstgefällige, arrogante Gesicht von Lara blickte. Würde sie jetzt verlieren? Was, wenn das Unmögliche eintreffen würde? Ihre Augen blitzten entschlossen auf. Ihr blieb keine Zeit mehr zum Grübeln.

    Du wirst nicht verlieren, hörte sie ihr Inneres schreien. Sie hatte genug von ihrer endlos erscheinenden Wartezeit. Ihre Nerven waren sowieso schon zum Zerreißen gespannt. Nun sollte sie auch noch ihr skrupelloses Spiel ertragen? Ihr war natürlich klar, dass Lara sie aus der Fassung bringen wollte, mit dem, was sie gerade tat. Aber sie ging damit eindeutig zu weit.

    Sie biss sich auf die Zähne und zwang sich dazu, endlich zu handeln, als nur ständig in der zweiten Reihe zum zu sehen verdonnert zu werden. Ihr Puls raste. Die drohende Niederlage machte sie wütend. Und die widerstrebenden Gefühle tobten weiter in ihrem Innern und schaukelten sich hoch.

    Sie trat von der Theke hervor, marschierte zielstrebig auf Lara zu und riss sie von der anderen los. Sie sah ihr tief in die Augen und mit bebender Stimme meinte sie: „Wenn du mich nicht sofort küsst, dann schlag ich dich.“

    Das würde mir dazu einfallen. Aber kein Garant dafür, dass Barbara das auch so gemeint und die Figur so fühlt.

    Donnerstag, 19. Juni 2014 9:21
  • Barbara

    Nanni Permalink

    Vielen Dank für diesen Text. Ich muss zugeben, dass es mir schwer gefallen ist, mich in diese erste Zeile und meinen anschliessenden Text hinein zu fühlen…
    Dank diesem erneuten Anschauungsmaterial wüsste ich jetzt eigentlich, auf was es ankommt. Ich weiss aber auch, dass es noch ein langer, steiniger Weg sein wird, bis mir dieses Umsetzen hoffentlich gut gelingen wird. Na ja: Ich werde die kleinen Schritte einfach weitergehen…
    Herzlichen Dank für diesen Beitrag!

    Donnerstag, 19. Juni 2014 10:40
  • Ruth Gogoll

    Nanni Permalink

    Ja, meistens hat die Autorin sich das anders gedacht. Aber ich habe auch noch eine Variante.
    ---
    Das Glas zerbrach in Ninas Hand. Entgeistert schaute sie auf das Blut, das aus mehreren Schnitten floss, bevor sie überhaupt einen Schmerz spürte.
    „Verdammt!“ Endlich brachte sie ein Wort hervor.
    „Was passiert?“ Lara linste über die Theke auf die blutüberströmte Spüle.
    „Nein, nichts.“ Nina biss die Zähne zusammen und griff nach einem Geschirrhandtuch, um es sich um die Hand zu wickeln. „Hab mich nur geschnitten.“
    „Na dann ...“ Lara schien uninteressiert. „Kriegen wir jetzt unseren Champagner oder nicht?“ Sie grinste die Frau neben sich an und legte eine Hand auf ihren Po. „Wir haben nicht ewig Zeit.“
    Nina spürte immer noch keinen Schmerz, jedenfalls nicht da, wo sie sich geschnitten hatte. Dafür ballte sich in ihrem Magen eine Gewitterwolke zusammen. „Klar“, quetschte sie zwischen zusammengepressten Lippen hervor. „Geduld ist nicht deine stärkste Seite.“
    Nun grinste Lara Nina unverschämt an. „Woher du das wohl weißt?“
    Nina nahm ein neues Glas und stellte es neben das zweite auf die Theke. Warum konnte sie sich nicht beherrschen, wenn Lara auftauchte? War ja schließlich nicht das erste Mal, dass sie mit irgend so einer Tusse für eine Nacht hier reinscharwenzelte und mit ihr vor Ninas Augen rumknutschte. Aber heute hatte die Anspannung ihre Muskeln derartig verkrampft, dass das Glas es zu spüren bekommen hatte. Das, was eigentlich Lara verdient gehabt hätte.
    Wahrscheinlich ärgerte sie sich nur, dass sie selbst auch auf Lara reingefallen war. Eine von vielen. Hätte nicht sein müssen. Dann hätte sie sich auch dieses bohrende Gefühl in ihren Eingeweiden erspart.

    Donnerstag, 19. Juni 2014 10:29
  • Vielen Dank für die tolle Unterstützung!

    Ich komme mir gerade so vor, als würde ich auf dem 10m-Sprungbrett stehen und gleich runter springen, um zu schwimmen, obwohl ich vorher noch nie im Wasser war;)

    Witz beiseite: Herzlichen Dank für ALLES! Dieser Anfang will jetzt einfach geschrieben werden... Das wird eine spannende Reise und Erfahrung für mich selbst werden... mit unbekanntem Ausgang...;)

    Donnerstag, 19. Juni 2014 10:49
  • Vielen Dank für Ihre Ausführungen! Ich werde mir Mühe geben, all Ihre Tipps usw. in meinem Anfang von 'Chiara und Regina' umzusetzen. Das wird jetzt allerdings eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen... ;)
    Ich melde mich wieder...

    Donnerstag, 19. Juni 2014 6:42
  • Barbara

    Permalink

    Niemand wies ihr Angebot zurück.
    Sandra stand vor dem offenen Kühlschrank und starrte Franziska, ihre Chefin, mit großen und fragenden Augen an, während sie sich mit einem Tuch den Schweiß von der Stirn wischte. Am liebsten hätte sie sich vor dem offenen Kühlschrank auf die kühlen Bodenplatten gelegt.

    „Franziska, das ist eine tolle Idee. Ich hoffe, dass du keinen Witz machst…?“ Sandra zweifelte, ob Franziskas Angebot ernst gemeint war, denn sie war eine sehr strenge Chefin. Sie führte ihre Abteilung mit eiserner Hand. Es musste schon ein Ausnahmezustand herrschen, dass sie ein solches Angebot unterbreitete.

    „Nein, das ist kein Witz…die Teamsitzung und anschließende Projektplanung findet in meinem Wochenendhaus am See statt. Dort ist es schön kühl und wer will, kann sich sogar im See abkühlen. In zehn Minuten fahren wir los.“

    Nina hielt ihre Füße immer noch in dem mit Eiswürfeln gekühlten Wasserbecken und Laura spritzte sich mit der Pumpflasche den nächsten kühlenden Wasserstrahl ins Gesicht.

    Im Büro herrschten Temperaturen wie in einer Sauna, und die Kleider klebten nur so an den nass geschwitzten Körpern. Die Klimaanlage streikte, und das Thermometer schnellte innert kürzester Zeit auf 40 Grad hoch. Franziska beantragte schon vor zwei Monaten ein neues Klimagerät. Da jedoch an allen Enden gespart werden musste, wurde ihr Antrag abgelehnt. Als Protest und um ihren Mitarbeiterinnen zu zeigen, dass sie auch nett und menschlich sein konnte, entschied sie sich zu diesem außergewöhnlichen Schritt. Ihr Angebot war jedoch nicht ganz uneigennützig. Klar, sie profitierte natürlich auch von den angenehmeren Bedingungen am See, aber eine Mitarbeiterin wollte sie unbedingt näher kennen lernen, und sie hatte auch schon einen Plan…

    Sonntag, 15. Juni 2014 11:53
  • Ruth Gogoll

    Barbara Permalink

    Die Geschichte bzw. diese Szene hier hat nicht wirklich etwas mit der vorgegebenen ersten Zeile zu tun. Die erste Zeile steht da ziemlich einsam und verlassen, man könnte sie auch streichen, da sie mit dem Rest des Textes keinen Zusammenhang zu haben scheint. Erst am Schluss kommt eine Idee auf, wie diese erste Zeile zu verstehen ist. Besser wäre, schon von Anfang an mit dieser Zeile zu arbeiten.

    Die Szene beginnt mit Sandra, dann kommen noch zwei andere Namen, und erst zum Schluss kommt die Person, aus deren Perspektive anscheinend erzählt werden soll. Warum? Warum ist Franziska nicht die erste, die die Perspektive hat, warum wird zuerst aus Sandras Perspektive erzählt und dann werden auch noch zwei andere Personen erwähnt, von denen wir gar nicht wissen, was das jetzt soll, bevor die Hauptperson überhaupt eingeführt wird? Zwar bekommen sie nicht auch noch die Perspektive, aber Nina zumindest fast. Wer ist also die Hauptperson, aus deren Perspektive erzählt werden soll? Sandra, Franziska, Nina?

    Wenn es Sandra ist, kann die Perspektive nicht zu Franziska wechseln am Schluss. Wenn es Franziska ist, können wir nicht Sandras Gedanken hören am Anfang.

    Außerdem – das hatten wir schon – gehören Ereignisse, die vor dem jetzigen Zeitpunkt stattgefunden haben, in die Vorvergangenheit. Also Franziska „hatte schon vor zwei Monaten eine neue Klimaanlage beantragt“. Da die Erzählzeit die normale Vergangenheitsform ist, kann etwas, das davor liegt, nicht auch in der normalen Vergangenheitsform stehen. Bitte immer auf die Zeitenfolge achten.

    Hier einmal die beiden Perspektiven. Zuerst aus Sandras Perspektive:

    Niemand wies ihr Angebot zurück. Alle starrten sie nur an.
    „Nanu, habt ihr die Sprache verloren?“, lachte Franziska Gysi, Abteilungsleiterin bei Meyer&Co.
    „Tja, irgendwie ...“ Sandra, die am Kühlschrank im Aufenthaltsraum stand, weil es so heiß war, dass man kaum atmen konnte, wirkte genauso verwirrt wie die anderen beiden Frauen im Raum, Franziskas weitere Mitarbeiterinnen. „Das kam jetzt ein bisschen überraschend.“
    „Ich weiß, ich bin oft sehr streng.“ Franziska verzog das herb attraktive Gesicht. „Ich muss als Abteilungsleiterin eben alles im Auge behalten. Aber bei dieser Hitze“, sie warf einen Blick auf die offene Kühlschranktür, „und nachdem wir die Klimaanlage, die ich vor zwei Monaten beantragt habe, immer noch nicht bekommen haben, haben wir uns wohl mal eine Auszeit verdient. Warum sollen wir unsere Teamsitzung nicht am See abhalten, zwischendurch hineinspringen und uns abkühlen bei der Arbeit?“
    Du auch? dachte Sandra, aber sie sagte es nicht. Schon lange wünschte sie sich, ihrer Chefin näher zu kommen. War dies die Gelegenheit dazu?

    Dasselbe aus Franziskas Perspektive sähe so aus:
    Niemand wies ihr Angebot zurück. Alle starrten sie nur an.
    Besonders Sandras Gesicht wirkte sehr verwundert. Sandra, dachte Franziska. Ja, vielleicht tue ich es nur deshalb. Wir werden alle zusammen in den See springen, um uns abzukühlen. Vielleicht kommen wir uns so einmal etwas näher.
    Schon seit einiger Zeit dachte sie immer wieder darüber nach, wie das möglich wäre. Konnte sie als Abteilungsleiterin eine ihrer Mitarbeiterinnen einfach zum Essen einladen? Und wenn es mehr als ein Essen war?
    „Nun, also, was sagt ihr?“ Sie setzte ein für ihre Verhältnisse fröhliches Gesicht auf. Sie war ein eher strenger Typ. „Ist es nicht wirklich angenehmer, wenn wir die Teamsitzung am See abhalten als hier in der heißen Bude?“

    Nachdem ich das jetzt geschrieben habe, kommt es mir so vor, als würde Sandras Perspektive mehr hergeben als Franziskas.

    Sonntag, 15. Juni 2014 12:10
  • Liebe Frau Gogoll
    Vielen Dank für die rasche Rückmeldung. Es ist ganz toll, dass Sie mir hier die verschiedenen Perspektiven aufgezeigt haben:). So wird das für mich viel klarer, vor allem, wenn z. B. eben noch eine andere Person involviert ist. Nun habe ich Anschauungsmaterial und das ist enorm viel wert. Ich werde die nächste Übung besser hinbekommen. Jedenfalls werde ich mir Mühe geben;)
    Liebe Grüsse
    Barbara

    Sonntag, 15. Juni 2014 12:44
  • Ruth Gogoll

    Barbara Permalink

    Wie man sieht, kommen die beiden anderen Mitarbeiterinnen hier nicht mit Namen oder überhaupt nicht besonders hervorgehoben vor. Wenn man in einem so kurzen Text bereits vier Personen namentlich auftreten lässt, führt das nur zu Verwirrung. Für die Geschichte zwischen Sandra und Franziska haben die beiden anderen keine Bedeutung, also müssen sie erst einmal auch nicht beschrieben werden.

    Wie schon so oft gesagt: Bitte auf zwei Personen beschränken. Nicht mehr als zwei. Alle weiteren Personen sind erst einmal überflüssig.

    Sonntag, 15. Juni 2014 12:48
  • Liebe Frau Gogoll
    Ich möchte versuchen, meinen Anfangstext der Geschichte von Chiara und Regina nun einfach mal zu schreiben (Kennenlernphase mit zuerst äusserem Konflikt, sich näher kommen... bis zum Wendepunkt, an welchem klar wird, dass Regina einen grösseren inneren Konflikt mit sich selbst hat und sich vorerst von Chiara abwendet) und dann hier einstellen. Ich werde all Ihre Tipps beherzigen und bei diesen zwei Hauptfiguren bleiben. Können Sie mir mitteilen, wo Sie diesen Text hier in der Schreibwerkstatt gerne hätten (es ist ja nicht ein Text zu einer bestimmten Übung).
    Vielen Dank für Ihre wertvolle Unterstützung, welche ich bis jetzt geniessen durfte:)
    Liebe Grüsse
    Barbara

    Montag, 16. Juni 2014 9:03
  • Ruth Gogoll

    Barbara Permalink

    Wozu ein äußerer Konflikt? Warum nicht gleich mit dem inneren, dem emotionalen Konflikt anfangen? Ich fürchte, beim Konzentrieren auf den äußeren Konflikt verzettelt sich die Geschichte dann wieder in der Beschreibung von unwichtigen Äußerlichkeiten und äußerlichen Ereignissen, zusätzlichen Personen usw. Also lieber gleich mit dem emotionalen Konflikt beginnen. Sich extra noch einen äußerlichen Konflikt auszudenken, ist am Anfang eher kontraproduktiv.

    Da es eine Überarbeitung der Regina-Chiara-Geschichte ist, würde ich es dort einstellen.

    Montag, 16. Juni 2014 10:43
  • Danke für den Tipp! Ihre Befürchtung ist bestimmt berechtigt;)... war ja bis jetzt immer das Problem, nebst vielen anderen...
    Ich werde mit dem inneren Konflikt beginnen:)

    Montag, 16. Juni 2014 10:54
  • Ich werde es mir wirklich zu Herzen nehmen... mit den zwei Personen. Trotzdem habe ich es nochmals - etwas anders und auch mit anderem Inhalt - mit dem Team versucht. Aber ehrlich gesagt, beisse ich mir ab diesem Anfangssatz fast die Zähne aus.;) Der liegt mir irgendwie so überhaupt nicht... und trotzdem versuche ich irgendwie, das Beste aus dieser Übung zu machen...
    ______________________
    Niemand wies ihr Angebot zurück. Franziska stand vor ihrem Team und verkündete, dass sie alle in ihr Haus am See einladen möchte. Es sollte eine Belohnung für das gute Geschäftsergebnis sein. So jedenfalls kommunizierte sie es gegenüber ihren drei Mitarbeiterinnen. Während sie sprach, blickte sie immer wieder zu Sandra… sie war der wahre Grund für die Einladung. Seit Wochen hatte Franziska ein Auge auf Sandra geworfen und nachts von ihr geträumt. Jedes Mal, wenn sie Sarah sah, bekam sie weiche Knie und ihr Puls stieg. Ich, die Chefin und Sandra, meine Mitarbeiterin…darf das sein? Doch sie wünschte sich nichts sehnlicher, als Sandra näher zu kommen…, und irgendwann musste sie einfach über ihren Schatten springen, jedoch getraute sie sich nicht, Sandra direkt anzusprechen oder alleine einzuladen… noch nicht. Sie war sich nicht sicher, ob Sandra gleich empfinden würde… und das wollte sie jetzt herausfinden… im Haus am See.

    „Das ist eine wunderbare Idee“, erwiderte Sandra voller Begeisterung und Vorfreude. Die anderen zwei aus dem Team nickten wortlos.
    „Das freut mich sehr, Sandra“, erwiderte Franziska mit sanfter Stimme.

    Sonntag, 15. Juni 2014 14:09
  • Ruth Gogoll

    Barbara Permalink

    Es gibt ja noch mehrere andere Übungen mit anderen ersten Zeilen. Vielleicht passt eine der anderen Zeilen ja besser. Allerdings hat das nichts damit zu tun, dass hier wieder eine falsche Zeitform verwendet wird. Darauf bitte gut achten. „Möchte“ ist Präsens. Indirekte Rede ist eine schwierige Art, etwas zu „kommunizieren“ (furchtbares Wort, und das auch noch am Anfang eines Liebesromans ;)), sie klingt immer steif und ist grammatikalisch eher kompliziert. Also lieber bei direkter Rede bleiben. Oder die auktoriale Form wählen. Die klingt zwar distanziert, könnte hier aber durchaus passen.

    Montag, 16. Juni 2014 10:54
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