5 Wörter – Teil 2

So, hier sind sie, die nächsten fünf Wörter, aus denen Sie die Story Ihres Lebens machen können.

Teenager, Stuhl, Wohnzimmer, Messer, Sporthalle

3, 2, 1 – Was fällt Ihnen dazu ein?

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  • Renate Gläser

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    Mama, wütend schaute ich über den Frühstückstisch. " Mama ich bin doch kein Teenager mehr."
    Lachend legte meine Mutter das Messer für die Butter zur Seite und feixte , " na dann schau mal bei Wikipedia vorbei. da steht,"Teenager bis 19 Jahre ".
    Mist , ich verdrehte die Augen grinste und schaute meinen Bruder hilfesuchend an.
    " Ne, ne, Bärbel , Schwesterherz , " Mam hat recht, und streckte mir die Zunge raus.
    " Ey und so was nennt sich nun Bruder" , brummelte ich und streckte Ihm ebenfalls die Zunge raus.
    " Siehste ,sagte Mam dein Bruder gibt mir Recht und zwinkerte meinem Bruder zu.
    " Paps" , sag du doch auch mal was , bettelte ich.
    Paps brummte " macht das unter euch aus" , stand auf nahm die Zeitung, schob den Stuhl zur Seite und ging ins Wohnzimmer.
    Ich seufzte laut.
    " Mam die Disco ist doch nur 1mal im Monat in der Sporthalle und alle meine Freundinnen gehen dahin und dürfen bis 1 Uhr bleiben."
    " Bitte" , ein flehender Unterton war in meiner Stimme nicht zu überhören.
    " Ich wußte schon immer meine Mam hat das schönste Lächeln der Welt."
    "Hm, Mam lächelte , und wer begleitet dich diesmal zur Disco " ?
    " Och, ähm Mam , die kennst du noch nicht , so ne süße Rothaarige von der Parallelklasse ."
    " Aha , hörte ich meine Mam sagen, und zog die Augenbraue hoch. " ich hoffe doch das du Sie mir bald mal vorstellst."
    " Klar Mam , du bist die Beste ,ich umarmte Sie stürmisch ,und lief in mein Zimmer zwecks Klamottensuche.

    Montag, 25. Mai 2015 17:59
  • Ruth Gogoll

    Permalink

    Ich habe hier spaßeshalber mal versucht, alle fünf Wörter gleich in den ersten Sätzen unterzubringen.
    ---
    »Teenager!« Tante Klara, ihres Zeichens immerhin schon fünfzig Jahre alt, stöhnte auf.
    Doris Körner lächelte und erhob sich von ihrem Stuhl. »Wir waren alle mal so jung, selbst du.«
    »Niemals!«, rief eine jugendliche Stimme aus dem Wohnzimmer.
    Tante Klara fiel das Messer aus der Hand, das sie gerade in den Buttertopf hatte stecken wollen.
    »Er geht gleich in die Sporthalle, dann ist er glücklich. Da kann er sich immer gut abreagieren.« Doris hob die Augenbrauen.
    »Ich finde, das ist nur eine Frage der Erziehung«, meckerte Tante Klara.
    »Das«, Doris konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen, »hat deine ältere Schwester, meine Mutter, auch immer über dich gesagt.«
    »Willst du damit etwa behaupten, dass ich –?« Tante Klara lief puterrot an und sprang auf.
    »Aber Tante Klara …« Doris’ besänftigende Stimme nützte nichts mehr. Klara raste zur Tür und riss sie auf.
    Im nächsten Moment kreischten draußen Reifen, ein dumpfer Knall beendete das Konzert.
    Tim Körner kam zur Küchentür herein. »Na, das Problem hast du wohl endgültig gelöst.«
    »Tim!« Doris starrte ihn entsetzt an. Für einen Moment war sie erstarrt, dann lief sie schnell zur Tür und riss sie ebenso auf wie Klara zuvor.
    »Also wirklich, diese Autofahrer …« Klara kam hereinspaziert, als wäre nichts passiert. „Gut, dass ich keinen Führerschein habe. «
    »Kl-Kl-Klara …«, stammelte Doris.
    »Problem doch nicht gelöst«, bemerkte Tim trocken.
    Doris schluckte und versuchte sich zu fassen. »Du gehst jetzt besser«, wies sie ihren Sohn an. »Zwei von euch sind mir definitiv zu viel.«
    Tim rollte die Augen, schnappte sich seine Sporttasche und verschwand.
    »Was … was ist passiert?«, fragte Doris stockend, während sie sich auf den Stuhl zurücksinken ließ.
    »Dieser Trottel von Autofahrer ist in den Kiosk geknallt«, erklärte Klara schulterzuckend. »Ich konnte seinetwegen ja schließlich nicht warten, bis die Straße frei ist, bevor ich rübergehe.«
    »Oh Klara …!«, stöhnte Doris und fasste sich an den Kopf.

    Mittwoch, 4. Februar 2015 16:01
  • Wurde der Trainer mit dem Regenschirm ermordet? :o

    Freitag, 6. Februar 2015 17:01
  • Ruth Gogoll

    Nanni Permalink

    Nein, den Regenschirm hat doch schon längst der Pfarrer zurück. ;)

    Freitag, 6. Februar 2015 17:02
  • Ruth Gogoll

    Ruth Gogoll Permalink

    Der Mordfall ist sicherlich schwieriger zu lösen als der Fall mit dem Regenschirm. ;)

    Freitag, 6. Februar 2015 9:15
  • Richtig! Entschuldigung. Die Metzgerfrau hatte ihn ja, weil der Pfarrer in dort vergessen hatte. Dann bin ich mal gespannt, wer den Trainer erstochen hat. :)

    Freitag, 6. Februar 2015 17:13
  • :) Genial;)
    Herzlichen Dank. Es ist bald 09.00 Uhr... ich such jetzt mal die Taste, mit der ich mich ausklicken kann;)
    Oje... wo ist die denn... wo wo wo?

    Freitag, 6. Februar 2015 8:54
  • Ruth Gogoll

    Ruth Gogoll Permalink

    Kurzkrimi speziell für die Leserinnen dieser Seite. :)
    ---
    „Du bist nicht besser als Tim. Und er ist siebzehn!“
    „Also das kannst du so wirklich nicht sagen.“ Tante Klara setzte sich wieder an den Küchentisch. „Ich habe ja wohl etwas mehr Lebenserfahrung.“
    „Tatsächlich?“ Doris hob skeptisch die Augenbrauen.
    „Immerhin habe ich das Geheimnis des verschwundenen Regenschirms gelöst!“ Klara warf sich in die Brust.
    „Bitte, was?“ Um Doris’ Mundwinkel herum zuckte es amüsiert. „Welches Geheimnis denn? Und welcher Regenschirm?“
    „Der vom Pfarrer“, erklärte Klara eifrig. „Er war verschwunden. Und du weißt, dass er nie ohne Regenschirm auf die Straße geht.“
    „So gut kenne ich ihn nicht.“ Doris ging zum Kühlschrank und nahm eine große Packung Schwarzwälder-Kirsch-Eis aus dem Gefrierfach. Das brauchte sie jetzt.
    „Na ja, jedenfalls es ist so.“ Klara gefiel es offensichtlich, darüber berichten zu können. Aber das war immer so. Sie war eine gutsituierte Witwe und hatte sonst nichts zu tun. „Er hat diesen Regenschirm immer dabei, und plötzlich war er verschwunden. Ich meine, er lässt ihn schon manchmal irgendwo stehen – ist ja auch nicht mehr der Jüngste, unser Herr Pfarrer –, aber es fällt ihm immer wieder ein. Dann geht er zurück und holt ihn. Das hat er auch vor einer Woche getan, aber der Regenschirm war weg.“
    Doris konnte nichts besonders Dramatisches an dieser Situation finden. „Dann hat er sich einen neuen gekauft.“
    „Mitnichten!“ Tante Klara liebte merkwürdige Wörter, und mitnichten war eines davon. „Er hängt an diesem Regenschirm. Er hat ihn schon ewig. Eigentlich benutzt er ihn kaum.“ Sie runzelte die Stirn. „Ich glaube, gar nicht, aber er ist wie ein guter Freund für ihn, ohne den er nicht sein kann. Ein neuer Schirm könnte seinen alten niemals ersetzen.“
    „Aha.“ Doris nahm einen Löffel von dem wunderbaren Schwarzwälder-Kirsch-Eis und schloss genießerisch die Augen.
    „Also er kam zu mir …“
    „Warum zu dir?“
    „Weil er weiß, dass ich so was kann“, erwiderte Klara indigniert. „Ich habe schon mehrere solche Fälle gelöst. Erinnerst du dich etwa nicht?“
    Doris erinnerte sich, dass ihre Tante Klara alles – wirklich alles – über ihre Nachbarn wusste, weil ihr absolut nichts entging, was in ihrem Dorf geschah. Sie hatte sogar ein Fernglas, damit sie nichts verpasste, das nicht direkt vor ihrer Nase passierte. Durch diese intime Kenntnis der dörflichen Gemeinschaft ergaben sich für Klara Verbindungen zwischen Ereignissen, die für andere völlig zusammenhanglos erschienen. „Fälle?“ Sie schmunzelte.
    „Ja, Fälle“, beharrte Klara. „Manche Dinge werden nicht ernstgenommen, weil sie so banal erscheinen, aber für die Betroffenen ist das schon wichtig.“ Sie funkelte ihre Nichte an.
    Doris hob beschwichtigend eine Hand. „Ist ja schon gut. Also der Regenschirm ist wichtig. Was hast du getan?“
    „Nun …“ Jetzt lehnte Klara sich genüsslich zurück. „Ich wusste natürlich, dass die Frau des Metzgers etwas mit dem jungen Anwalt hat, der neu zugezogen ist.“
    Doris’ Schmunzeln vertiefte sich. „Natürlich wusstest du das.“
    „Sie waren nicht sehr diskret“, bemerkte Klara. „Sie haben sich immer in dem kleinen Schuppen getroffen, der direkt hinter meinem Garten liegt.“
    „Direkt?“ Doris runzelte die Stirn. „Der ist doch ziemlich weit entfernt. Schon fast im Wald.“
    „Ich habe ein Fernglas“, erinnerte Tante Klara sie. „Jedenfalls … die beiden kamen immer mittwochs. Wenn der Metzger auf dem Schlachtmarkt war. Und diesen Mittwoch kamen sie nicht.“
    „Dann ist der Metzger wohl nicht zum Markt gefahren“, vermutete Doris.
    „Oh doch!“ Klara beugte sich vor. „Aber die Metzgersfrau hatte zuvor Besuch vom Pfarrer gehabt, er hat seinen Schirm vergessen, und sie wollte ihn ihm bringen. Das Pfarrhaus liegt ja auf dem Weg zu mir … ich meine, zu dem Schuppen im Wald.“ Man sah ihr richtig an, wie ihre Lebensgeister pulsierten beim Erzählen dieser Geschichte.
    „Und warum ist sie dann nicht dort angekommen?“ Das Schwarzwälder-Kirsch-Eis vor Doris wurde immer weniger. Es war ihre Lieblingssorte, und wenn sie einmal anfing …
    „Da sie den Schirm zurückbringen wollte, ist sie nicht den üblichen Weg gegangen, sondern hat die Abkürzung über das Feld bei der Kirche genommen.“ Klara genoss ihre eigene Erzählung immer mehr. „Und da hat sie den Sohn des Gärtners getroffen, der gerade mit dem Sitzrasenmäher zum Pfarrhaus fuhr, um den großen Rasen zu mähen.“ Sie machte eine kunstvolle Pause.
    „Und?“, fragte Doris, die es hasste, wenn eine Geschichte nicht zu Ende erzählt wurde, egal, ob es sie interessierte oder nicht.
    Klara spitzte die Lippen. „Der junge Anwalt muss sich wohl eine neue Freundin suchen.“
    „Ist der Sohn des Gärtners nicht in Tims Sportclub?“ Doris überlegte. „Er ist doch auch erst siebzehn.“
    „Achtzehn“, sagte Tante Klara. „Alt genug.“
    „Offenbar.“ Doris seufzte, wenn sie daran dachte, dass Tim dann wohl auch alt genug war. Auch wenn sie sich immer noch an das süße kleine Baby erinnerte, das sie gewickelt hatte. Das war doch erst gestern gewesen …
    „Der Regenschirm blieb dann leider …“, Tante Klara hüstelte, „am Ort des Geschehens zurück. Und als der Pfarrer ihn suchte und zu mir kam“, ihre Lippen verzogen sich zu einem breiten, zufriedenen Lächeln, „konnte ich ihm natürlich genau sagen, wo er ihn finden würde.“
    „Das ist kein Fall, Klara, das ist einfach nur unmögliche Neugier.“ Doris stand auf und verabschiedete sich mit einem bedauernden Blick von der Eispackung, als sie sie wieder im Gefrierfach versorgte.
    „Das denkst du.“ Klaras Zuversicht ließ sich nicht erschüttern. „Aber der Pfarrer war sehr dankbar und hat mir zu meinen Fähigkeiten gratuliert.“
    „Welche Fähigkeiten?“, fragte Doris. In diesem Moment wurde die Tür aufgerissen und Tim stürzte herein.
    „Der Trainer …“ Atemlos hielt er inne, um Luft zu holen. „Der Trainer ist tot! Erstochen!“
    Klaras Lippen spitzten sich. „Und ich weiß, wer der Mörder ist“, sagte sie.

    Freitag, 6. Februar 2015 8:45
  • Ellen ESS.

    Permalink

    Vielen Dank, dass Ihr Euch wieder die Zeit genommen habt, um meinen Text zu „zerpflücken” und mir zu der Geschichte weitere wertvolle Tipps zu geben.
    Ehrlich gesagt, dachte ich immer, dass es bestimmt nicht schwer ist, Geschichten, Romane oder was auch immer, zu schreiben, aber damit lag ich, wie ich inzwischen weiß, total daneben. Vielleicht ist ja ein Kochbuch weniger schwierig und ich versuch's mal damit *grins*

    Ich wünsch' Euch einen schönen Sonntag :)

    Sonntag, 21. September 2014 11:03
  • Hallo Ellen!

    Ich verfolge deine Entwicklung mit großem Interesse und ja, die Sache nimmt Stück für Stück eine klare Form an. Wenn man den ersten Textauszug von Marla und Sylver mit dem Vergleicht, was du nun jetzt draus gemacht hast, ist doch viel Unterscheid erkennbar. In deinen Vorstellungen sind die Veränderungen sicherlich noch größer und die Ideen wurden schon x-mal umgeworfen und neuerfunden.
    Zu den Einzelheiten wurde schon so viel Feedback gegeben, so würde ich mich hier nur noch wiederholen.
    Ich kann mich nur bei einer einzigen Sache persönlich nicht ganz anschließen. Warum müssen Engel 100% brav und nett sein? Wenn Sylver z.B. ein gefallener Engel wäre, so würde sich dieser Nettigkeitscodex wieder auflösen und die Situation vollkommen verändern.

    In einem Beitrag habe ich gelesen, dass Konflikte die Spannung aufrechthalten.
    Momentan fehlt mir die Spannung, denn Marla ist geplagt von ihrer Vergangenheit (die ich, als Leser zu Beginn der Story schon grob kenne und somit weiß, welches Schicksal sie ereilt hat) und Sylver ist liebevoll und würde glatt für sie „sterben“.

    Es liegt aber sicher am jeweiligen Geschmack, denn ich liebe es zu Beginn viele offene Fragen in einer Geschichte zu finden, die nach und nach ihre Auflösung bekommen.

    Ellen bleib auf jeden Fall an der Story dran, ich will wissen wie es mit den beiden ausgeht^^

    Sonntag, 21. September 2014 21:30
  • Ruth Gogoll

    Ellen ESS. Permalink

    Das ist bei vielen Dingen so. Man weiß erst, wie schwierig es ist, wenn man es selbst versucht. Wenn man so eine Geschichte liest, erscheint sie einem so einfach geschrieben, dass man sich nicht vorstellen kann, dass gerade das einfache, unterhaltsame Schreiben eine große Kunst ist. Denn Lesen und Schreiben sind zwei völlig verschiedene Dinge.

    Wir erhalten auch immer wieder Manuskripte, bei denen man sieht, dass die Autorin den Unterschied noch nicht erkannt hat. Das ist allerdings ein großes Kompliment an all unsere veröffentlichten Autorinnen: Sie haben es geschafft, das, was sie schreiben, so einfach erscheinen zu lassen, dass viele dem Irrtum verfallen, sie brauchten nur hinzuschreiben, was sie denken. Weil es so aussieht, als hätten unsere Autorinnen das auch getan.

    Haben sie aber nicht. :)

    Sonntag, 21. September 2014 11:14
  • Ellen ESS.

    Permalink

    Hallo, die Damen, diesmal hat es 'ne Weile gedauert. Und Schuld daran hat eine dreiwöchige akute Unlust ;)

    Es war schon spät. Eigentlich Zeit, schlafen zu gehen. Doch seit Marla diese Auseinandersetzung mit Sylver hatte, kam sie kaum zur Ruhe, geschweige denn zum Schlafen. Immer wieder musste sie über ihre Zeit im Heim nachdenken, und was der Grund dafür war, dass sie nicht wie andere Kinder auch ein normales Zuhause hatte. Marla konnte nicht anders, so sehr sie sich auch bemühte und nach Ablenkung suchte.
    Und wieder schwappte eine Welle der Erinnerung heran und riss sie mit sich.
    Eigentlich war ich doch zu Hause über … na ja, ... auf die Kleinen aufpassen, dazu konnten sie mich gebrauchen, aber sonst … „Du machst mir bloß Arbeit”, hörte Marla die Frau, die sie geboren hatte, in Gedanken zum wiederholten Mal sagen.
    Mit 11 Jahren war Marla die Älteste gewesen und ihre Geschwister mit acht, sechs, fünf, drei und einem Jahr hatten wie die Orgelpfeifen gewirkt.
    Also nicht, weil sie ein ziemliches Früchtchen war und immer wieder über die Stränge schlug, musste sie ins Heim. Nein, eine kriminelle Ader hatte sie definitiv nicht. Nur bei ihren unerlaubten Ausflügen, also wenn sie von dort ausgerissen war, begann sie sich – gezwungenermaßen – etwas zum Überleben zu organisieren. So nannte sie das Stehlen. Sie fand, dass es sich wesentlich besser anhörte. Und weil sie über Jahre hinweg immer wieder ausbüxte und ihr damit nichts anderes übrigblieb, als zu klauen, kam sie als Teenager schließlich in ein Heim für schwer erziehbare Jugendliche.
    Da ging es dann richtig zur Sache. Blutige Nasen und Monokelhämatome waren unter den Halbstarken durchaus keine Seltenheit.
    Die Erinnerung ließ Marla unbewusst nach ihrer Nase tasten. Alles in Ordnung. Auch die Erzieher hatten mitunter fragwürdige Methoden, um die Jugendlichen unter Kontrolle zu behalten. Sie langten das eine oder andere Mal kräftig zu oder sperrten die Pubertierenden in eine fensterlose Kammer.
    Gedankenverloren streiften Marlas Augen in die Ferne. Traurigkeit und Verbitterung schimmerten in ihnen auf. Langsam stieg sie die Steinstufen hinab, und das helle Mondlicht wies ihr den Weg. Der See lag vor ihr, mit den kleinen Wellen, die wie Pailletten glitzerten, und er schien sie zu rufen. Sie begann ihr T-Shirt hochzuziehen, konnte es kaum erwarten in die seidigen Fluten einzutauchen. In der Ferne grollte Donner, und am Himmel türmten sich finstere, bedrohlich wirkende Wolken. Noch ein Engel, wie beim letzten Gewitter?, überlegte sie, während vereinzelt dicke Regentropfen auf die Wasseroberfläche platschten und kleine Kreise zogen.
    „Da bist du ja”, ertönte eine Stimme. Marla fuhr herum und sah, wie sich eine Gestalt aus dem Schatten der Bäume löste. Sie erkannte sie sofort an der hochgewachsenen Silhouette. Sylver trat hinaus ins Mondlicht, wo Marla sie nun eindeutig erkennen konnte.
    „Was machst du hier”, fragte Sylver und näherte sich Marla ganz bedächtig. Hatte sie eine Vermutung, mit welchem Gedanken Marla sich tragen könnte?
    „Das könnte ich dich genauso fragen.” Marla vernahm ein zustimmendes Brummeln und spürte im selben Augenblick eine Berührung, die so sanft war, dass sie nicht wusste, ob es nur Einbildung gebildet hatte. Leicht wie eine Feder strichen Sylvers Fingerspitzen über ihren Arm. Marla sah auf ihn hinunter und merkte, dass sich die Härchen aufgestellt hatten.
    Für einen Moment schwiegen beide; das einzige Geräusch war das Trommeln der schweren Regentropfen auf dem stellenweise schon verwitterten Holzsteg.
    „Ist alles in Ordnung mit dir?”, fragte Sylver besorgt.
    „Ja, geht schon.”
    Marla wischte sich mit dem Handrücken über die Augen, und ein feuchtwarmer Fleck blieb auf ihrer Wange zurück. „Ich sehe doch, dass etwas nicht stimmt. Du hast was.”
    Kleine Fältchen zeigten sich auf Sylvers Stirn.
    „Ja. 'ne fette Allergie gegen solche Mutter-Teresa-Typen wie dich. Mit deinem Gesäusel gehst du mir so dermaßen auf den Kranz ...”
    „Tut mir leid, aber es ist nun mal meine Aufgabe …–”, versuchte Sylver zu erklären.
    „Sachma …”, fuhr Marla sie an, schüttelte deren Hand ab und verdrehte genervt die Augen. „Das ist mir wurscht.” Dann auf einmal bemerkte sie diese für Sylver seltsame Reaktion. Zum ersten Mal sah sie Sylver mit sich kämpfen … wie sie tief einatmete und versuchte ihre Emotionen zu bändigen. Sylver, die sonst nichts, aber auch rein gar nichts, aus ihrer stoischen Ruhe zu bringen schien. Und das haben Engel wahrscheinlich so an sich, dachte Marla. Einen Sekundenbruchteil später zweifelte sie schon wieder. Wenn es denn wirklich einer ist. Mit der permanenten Fürsorglichkeit, die Sylver an den Tag legte, dem Einfühlungsvermögen, brachte sie Marla zur Weißglut.
    Trotzdem klang ihre Stimme jetzt wie das Grollen eines Vulkans, bedrohlich, brodelnd vor mühsam unterdrückter Rage, als sie „Komm' wieder rein” sagte und Marla einladend die Hand hinhielt. Zögernd, total überrumpelt von dem, wie Sylver sich ihr, Marla, präsentierte – man könnte es als einen kleinen Gefühlsausbruch bezeichnen, wenn Engel denn Gefühle hätten – ergriff Marla die ihr dargebotene Hand und folgte Sylver, zurück ins Haus.
    Auf dem Weg dorthin dachte Marla nach. Kamen bei Sylver etwa menschliche Züge zum Vorschein. Konnte ja möglich sein, wenn sie als ein gefallener Engel auf der Erde unterwegs war. Wo sind eigentlich ihre Flügel?, fragte sie sich nun, erstaunt über die Tatsache, dass sie überhaupt darüber nachdachte. Eigentlich konnte ihr das doch ganz egal sein. War es aber seltsamerweise nicht.
    Plötzlich überkam Marla das eigenartige, ihr völlig unbekannte Bedürfnis, sich all die kleinen und großen Ärgernisse ihres Alltags von der Seele zu reden, die sie plagten wie die Flöhe eine arme Hündin – nicht unbedingt gefährlich, aber verdammt nervig. Und in Sylver, die sich wieder gefangen zu haben schien, hatte sie eine aufmerksame Zuhörerin.
    „Alles, was war, gehört zu deinem Leben dazu, auch wenn die Erinnerung daran schmerzlich ist.” Mit weicher Stimme, genauso beruhigend wie schon so oft, redete Sylver auf Marla ein.
    Plötzlich wurde Marla so mulmig, als wäre sie zehn Stockwerke mit dem Aufzug in die Tiefe gesaust. War das die Wirkung der Worte? Ein Gefühl verzweifelter Ohnmacht übermannte sie.
    „Ach, lass mich!” Genervt wandte sie sich ab, entfernte sich ein paar Schritte von Sylver und ließ ihren Gedanken freien Lauf. Leise murmelte sie vor sich hin. „Was ist eigentlich Leben?”
    Und sie beantwortete sich die Frage gleich selbst, meinte sie zumindest. Aber wahrscheinlich gab es darauf gar keine Antwort, die sie zufriedenstellte. Leben ist etwas, das intensiv spürbar ist, dann wieder gar nicht, scheinbar immer gleich, dann wieder ganz anders. Zuweilen ist es äußerst abwechslungsreich, dann wieder reine Gewohnheit. Marla dachte an ihren Job als Industriekletterer.
    Das Leben bringt Lüste und Glück, aber auch Schmerzen und Unglück. Niemand weiß genau, wie die Aufteilung funktioniert. Es lässt uns nach Beziehungen, nach Berührungen suchen, vor denen wir dann weglaufen, es verlangt uns Besinnung ab, um wiederum besinnungslos dahinzutreiben. Es pulsiert zwischen gegensätzlichen Polen wie Freude und Ärger, Angst und Hoffnung, Sehnsucht und Enttäuschung.
    Ein heftiger Gewitterschlag holte Marla aus ihren Gedanken und ließ ihr bewusst werden, dass ihre Hand wieder von Sylvers gehalten wurde. Schnell entzog sie sie ihr, unangenehm berührt von ihrer vermeintlichen Schwäche.
    Mit ein paar größeren Schritten ließ sie Sylver hinter sich zurück, die sich erneut zu rechtfertigen versuchte und deshalb so laut sprach, dass Marla es trotzdem hörte und daraufhin stehen blieb.
    „Die da oben”, Sylver deutete mit dem Zeigefinger gen Himmel, „haben mich, nachdem man dich ins Heim gebracht hatte, meines Amtes enthoben, um es mal so auszudrücken.” Es schien, als wäre ihr der Gedanke eben in Form eines grellen Blitzes in den Kopf gefahren. Ohne jeden Bezug, aus dem Nichts ...
    „So, so und das soll ich dir jetzt glauben?”, fragte Marla.
    „Tja, tu 's oder lass es … Ich hatte versagt und zur Strafe – ” Sylver brach ab und verzog das Gesicht, als hätte sie in eine saure Zitrone gebissen. Wieder eine Gefühlsregung. Marla stutzte, schüttelte ungläubig den Kopf und ergänzte schließlich Sylvers Satz: „ … haben sie dich entengelt? … Abgesägt? … – Hm, ich seh vielleicht bescheuert aus, aber das täuscht. Ich bin 's nicht.”
    „Weder das eine noch das andere habe ich gesagt.”
    „Aber gedacht”, behauptete Marla felsenfest.
    „Nein, warum sollte ich? ... Du unterstellst allen immer nur schlechte Gedanken. Warum?”
    „Weil es so ist.” Marla versuchte überzeugt zu klingen von dem, was sie sagte. Aber sie konnte die mitschwingenden Zweifel in ihrer Stimme selbst ausmachen, also würde es bestimmt auch Engelchen merken. Und das ging ihr gewaltig gegen den Strich.

    Obwohl es schon nach Mitternacht war, hatte Marla beschlossen, sich eine Pizza zu machen. Als Frustesserin achtete sie stets auf einen Vorrat an Fertigprodukten, denn nur die konnten sie zufriedenstellen.
    „Willst du auch was?”, fragte Marla Sylver, die sich wortlos zu ihr gesellt hatte, und genauso wie diese gebannt in den Backofen schaute.
    „Mhmm.” Sylver nickte. „Riecht lecker.”
    Marla holte die Pizza aus dem Ofen und verfrachtete sie auf den Teller, den Sylver ganz selbstverständlich bereithielt.
    Ohne ein Wort zu wechseln, setzten sie sich gemeinsam an den kleinen Bistrotisch in der Küche.
    „Hälfte?” Marla schaute Sylver fragend an. Ohne jedoch eine Antwort abzuwarten, zerteilte sie die Pizza in der Mitte und schob einen Teil auf Sylvers Teller.
    „Guten!” Marla stopfte sich einen Bissen Pizza in den Mund, vergaß aber das Kauen. Alles, was mit Sylver zu tun hatte, kam ihr so unwirklich vor. Aber Sylver war definitiv da. Marla sah sie, sprach mit ihr - mehr oder weniger - und teilte sich mit ihr gerade eine der vollkommensten aller irdischen Speisen – Pizza.

    Dienstag, 16. September 2014 10:52
  • - „Es war schon spät. Eigentlich Zeit, schlafen zu gehen.“ - So. Das hast uns jetzt erzählt. Aber wie wäre es, wenn du es uns zeigst? Versuche einfach mal den ersten Satz so zu schreiben, dass du ihn nicht erzählst, sondern ihn uns zeigst. Ich könnte dir ein Beispiel geben, aber ich würde gerne sehen, ob du uns den ersten Satz zeigen kannst. Es gibt tausende Variationen. Wirklich! Hast du es erst einmal raus, dann wird’s flutschen. Glaub mir!

    Marlas Gedanken haben auf mich etwas … mmh, vllt. steif gewirkt. Womöglich, weil du es einfach so ohne Emotionen erzählt hast. Und du schreibst, dass sie die älteste Schwester ist. Es kommen die Orgelpfeifen und dann … - „Also nicht, weil sie ein ziemlichen Früchtchen war ...“ - Was hat das mit der kriminellen Ader zu tun, die sie definitiv nicht hatte???
    Ich weiß nicht ob du es merkst, aber da herrscht noch einiges an Chaos, was den Lesefluss, mmh ich sag mal … etwas hemmt. ;) Aber ich bin mir auch nicht sicher ob ich richtig liege. Also ich gebe hier nur meine Meinung kund, nicht aber Wissen, welches ich selbst noch am Aufbauen bin. Hier redet mein Bauch, nicht mein Kopf.

    Aha. Wenn du uns das alles zeigen würdest, wäre es angenehmer zu lesen. Schöner zu lesen. Vllt. in einem Gespräch mit Sylver. Und lass Emotionen aus Marla sprechen …

    (- Zum Beispiel: Wütend schmetterte sie Sylver entgegen, „Hast du überhaupt eine Ahnung, wie die Pfleger mit uns umgesprungen sind?“ Feuerbälle schossen aus Marlas Augen und suchten gezielt Sylvers. „HAST DU?“ Sie ballte die Hände zu Fäuste über so viel Ungerechtigkeit.
    So in der Art vllt. Aber wie gesagt alles kein Garant. Das fällt mir jetzt spontan dazu ein. Es soll eine Hilfestellung sein aber keine Anleitung. ;) -)

    … Eventuell dort, wo Sylver meint, dass sie wegen Marlas Heimaufenthalt ihren Dienstgrad, oder so, verloren hat. Was mir gut gefällt. Auch Engel müssen für unkorrektes Verhalten herhalten. Es gibt schließlich genug gefallene Engel auf der Erde.

    Wieder ein Beispiel: - Gedankenverloren stieg sie die Steinstufen empor und ging langsam den Weg zum See entlang. Traurigkeit und Verbitterung lagen in ihren Augen, als sie ihren Blick über den geisterhaften See gleiten ließ. Er schien sie zu rufen. Wie Sirenen lockte er sie magisch an. Gab ihr das leises Versprechen, dass danach alles Gut werden würde.

    Was du dann geschrieben hast, ich meine den Inhalt: ...Der See lag vor ihr … bis … kleine Kreise zogen., finde ich nicht schlecht. :) Dann kommt Sylver. Das passt perfekt. Zum richtigen Zeitpunkt eben. ;) Auch was dann folgt finde ich gut. Ob jetzt alles so in dieser Reihenfolge vermag ich nicht zu sagen, dazu kenne ich deine Geschichte nicht gut genug.

    Auch gefällt mir, dass Marlas Charakter besser wird. Sprich, er wird ihrer Vergangenheit angepasst. Glaubt nicht auf Anhieb an Engel und so weiter. Toll!
    Lass Marla nicht immer alles denken. Lass sie doch mit Sylver reden. Ist auch für die Leserin interessanter. Das haucht Leben ein.
    - „Sag mal, du bekommst ja menschliche Züge. Sicher dass du ein Engel bist? Und wo sind überhaupt deine Flügel? Solltet ihr Engel keine haben? Sonst muss der Besuch auf Erden ja extrem schmerzhaft angefangen haben. Ich meine, wenn man ohne Flügel aus dem Himmel fällt, kann das schon mal Kopfschmerzen verursachen beim Aufprall auf die Erde.“ Das saß. Zufrieden drehte Marla sich von Sylver weg. -
    Oder so. Alles nur schnelle Beispiele für dich. Aber bitte denk an Gefühle, Emotionen. Zeig was sich in den Personen verbirgt. Wie sie sich fühlen. Was bewirkt all das in ihnen.

    Das Marla sich die Welt in ihren Gedanken erklärt, finde ich nicht wirklich gut gewählt. Mir würde es besser gefallen, wenn Sylver Marla das Leben erklärt. Was dann folgt ist okay. Sylver erzählt ein wenig, wirkt emotionaler. Ich werde gespannt bleiben. LG

    Mittwoch, 17. September 2014 9:51
  • Ruth Gogoll

    Nanni Permalink

    Ja, die Emotionen – bzw. die fehlenden Emotionen – sind definitiv das Problem. Emotionen können auch allein in einer Person entstehen, sogar in ihren Gedanken, aber lebendiger und für die Leserin spannender ist es, wenn die Emotionen von zwei Personen geteilt oder miteinander entwickelt werden. Dialoge sollten emotionsgeladen sein. Sie sind nicht dazu da, einfach nur Informationen rüberzubringen, sondern sie sind die treibende Kraft des ganzen Textes.

    Anfängerinnen scheuen sich oft davor, Dialogen diese Macht zu geben. Deshalb fehlen Dialoge oft ganz oder sind sehr steif. Weil sie als etwas Zusätzliches angesehen werden, das die Erzählerin nicht braucht. Aber Dialoge sind nichts Zusätzliches, sie sind das Zentrum, in ihnen entsteht die Geschichte und in ihnen entwickeln sich die Charaktere.

    Dialoge sollten das tragende Element sein. Alles andere, was darum herum erzählt wird, ist zusätzlich. Erzähl alles, was Du jetzt in Marlas Gedanken hast verschwinden lassen, im Dialog. Und lass den Dialog lebendig sein, nicht nach Alltag klingen und auch nicht steif. Lass Deine Gefühle einfließen.

    Diese letzte Szene mit der Pizza zum Beispiel, was soll die aussagen? Okay, wir bekommen die Information, dass Marla Frustesserin ist und immer Fertigpizza im Haus hat. Möglicherweise ist Marla also übergewichtig und hat das nicht im Griff. Es deutet darauf hin, dass sie mit ihren Gefühlen nicht klarkommt. Aber Du schreibst das einfach so hin. Auch das könnte man in einer Szene zeigen.

    Dass dann beide gebannt in den Ofen starren – wegen einer Fertigpizza? – war mir dann doch etwas zu viel. Und dass diese Pizza – immer noch Fertigpizza – als „vollkommenste aller irdischen Speisen“ bezeichnet wird, kann ja wohl nur ironisch gemeint sein. Dieses pappige Zeug?

    Gut, es könnte darauf hinauslaufen, dass Du damit zeigen willst, dass Marla nicht nur ess-süchtig ist und übergewichtig, sondern auch keinen Geschmack hat, keinen Stil beim Essen. Da sie Fertigpizza für etwas Gutes hält, das schmeckt. Man könnte ihr auch Hundefutter vorsetzen, und sie würde es essen, da sie offenbar keinerlei Geschmacksnerven besitzt. Dass sie gar nicht weiß, was gutes Essen ist, weil sie ohne jede Erziehung aufgewachsen ist.

    Aber ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass Du das beabsichtigt hast. Und wofür ist diese Szene dann gut?

    Dabei könntest Du sogar einiges machen mit dieser Szene. Wenn Marla eine Fertigpizza in den Ofen schiebt und Sylver das Gesicht verzieht und sagt: „Hast du nichts Besseres im Haus als diesen Papp?“
    Daraufhin könnte Marla beleidigt sein, weil sie ja denkt, dass das schmeckt, und irgendwas murmeln wie „Du kannst ja woanders essen, wenn dir nicht schmeckt, was ich koche.“
    „Kochen? Das nennst du kochen?“ Sylver krümmte sich vor Lachen.
    „Ich brauche das eben“, erwiderte Marla patzig.
    „Ja, stimmt.“ Sylver nickte. „Du drückst dir immer diesen Mist rein, besonders wenn du Frust hast. Aber entschuldige, wenn ich dankend verzichte. Wie das schon riecht ... eklig.“
    „Dann esse ich eben allein.“ Marla schob sich die Pizza auf den Teller und begann mit vollen Backen zu kauen.
    „So wirst du dein Übergewicht aber nicht in den Griff bekommen“, bemerkte Sylver.
    „Ach ja? Was geht das dich an? Das ist ja wohl meine Sache.“ Und die nächste Pizzaportion verschwand zwischen pummlig runden Wangen.

    Das ist eine ziemlich emotionale Szene, weil es einen Konflikt zwischen Marla und Sylver gibt. Marla isst Müll, und Sylver ist dagegen. Sie streiten sich. Konflikt ist immer gut, wie wir wissen. Außerdem bekommen wir hier die Informationen, die Du oben nur einfach so hingeschrieben hast, was ziemlich langweilig klang. Jetzt ist das Ganze emotional aufgeladen. Man sieht, dass Marla wenig zugänglich ist, dass sie ihre Probleme im wahrsten Sinne des Wortes lieber in sich hineinfrisst. Es wird aber nicht gesagt, sondern gezeigt.

    Und nach diesem konfliktgeladenen Intermezzo könnte Sylver wieder in den „Engelmodus“ umschalten.

    „Ja, es ist deine Sache.“ Sylver setzte sich Marla gegenüber. „Aber es ist eben auch dein Problem. Du frisst alles in dich hinein, statt nach Lösungen zu suchen.“
    „Lösungen?“ Marlas halb geöffneter Mund zeigte, dass sie noch nicht heruntergeschluckt hatte. Deshalb klangen ihre Worte auch leicht unverständlich. „Was für Lösungen denn? Spinnst du? Es gibt keine Lösungen. Das ist doch alles nur Quark, den einem solche Seelenklempner erzählen.“
    Sylver lächelte mitleidig. „Es sind nicht alle so wie der Typ im Heim.“
    „Danke.“ Marla schluckte herunter. „Aber NEIN danke. Einmal hat mir gereicht. NIE wieder!“

    Nun wissen wir beispielsweise, dass Marla im Heim bei einem Therapeuten war. Und der war offensichtlich nicht das Gelbe vom Ei, auch wenn wir noch nicht wissen, weshalb.

    Das ist der Sinn von Dialogen: Sie erzählen und erklären auf lebendige Weise.

    Mittwoch, 17. September 2014 10:48
  • Barbara

    Permalink

    Guten Morgen. Zu meiner gestrigen Anfrage möchte ich noch anfügen, dass ich es spannender finde, ein Detail, das einen Menschen z. B. durch ein Muttermal oder Markenzeichen charakterisiert, zu erwähnen. Ich selbst weiß schon, wie meine Figuren aussehen, aber in mir sträubt sich etwas dagegen, diese Infos aufs Papier zu bringen. Wahrscheinlich, weil es mich persönlich beim Lesen irgendwie meiner Vorstellungskraft beraubt. (Ehrlich gesagt, lösche ich in meinem Gedächtnis oft solche Infos von Autoren… und bleibe bei meiner Vorstellung). Aber vielleicht sieht das die Mehrheit der Leserinnen ja anders, und da es Sinn macht, auf die Leserin einzugehen, und nicht meine Befindlichkeiten in den Vordergrund zu stellen, beschäftigt mich eben diese Frage.
    Zudem habe ich noch eine rechtliche Frage: Ist ein Buchtitel eigentlich geschützt? und ein Pseudonym? Da es verschiedene Bücher mit gleichem Titel gibt, wird das wohl eher nicht der Fall sein. Ich weiß aber nicht, wie es sich damit genau verhält.
    Und ansonsten habe ich keine Macht mehr über meine Figuren…;) Ich komme mir vor, als würde ich ihre Gefühle, ihr Verhalten und die Szenen einfach durch Zeigen und Dialog übersetzen. Solange sie nach dem Kern der Geschichte handeln, habe ich da auch nichts einzuwenden… und zum Glück spielen sie mir bis jetzt keinen Streich…;) Vielen Dank!

    Freitag, 29. August 2014 5:48
  • Hm … bei mir ist das ähnlich, als Leserin. Ich habe meine eigenen Figuren im Kopf. Und sie sind auch meist immer in jedem Buch. Selbst wenn da steht, die Person … also jetzt rede ich nur von Liebesromanen … ist blond, groß und hat blaue Augen, dann mag das so im Buch stehen, aber das heißt noch lange nicht, dass ich das auch so sehe. Ich lösche das vorgegebene Bild und nehme meine Figur, so wie sie mir vorschwebt, wie ich möchte, dass sie ausschaut. Mich stören diese Beschreibungen nicht wirklich, da, ich sie ausblenden kann.

    Als Schreiberin denke ich einfach dass man alles kann, aber nicht muss.
    Merkmale finde ich klasse! Die kann man überall dazu setzten, sprich: Ich kann meiner Figur im Kopf, klar, ein Muttermal, Narbe oder Zahnspange anpassen.
    Ich schätze die Meinungen gehen da auseinander, was die Details betrifft. Die einen mögen viele Details … andere wiederum nicht. Kommt vielleicht auch auf die Fantasie an, die jeder mitbringt beim Lesen. Oder eben auch nicht.

    *lach* Wer hat schon die Macht über seine Figuren ... ;)

    Freitag, 29. August 2014 14:29
  • Barbara

    Nanni Permalink

    Liebe Nanni. Danke für deine Ausführungen.:) Wahrscheinlich empfindet eh jede Leserin anders. Ich für mich kann solche Details auch wunderbar ausblenden, aber es gibt vielleicht auch Leserinnen, die einem die eine oder andere Vorgehensweise übel nehmen. Wahrscheinlich kann man es eh nicht allen recht machen – wie im wirklichen Leben.;) Das eine oder andere kann ich ja auch so in die Geschichte einfließen lassen, ohne direkt zu schreiben. Ich werde das, was ich hier gelernt habe umsetzen… und der Rest ist und bleibt Bauchgefühl... vieeel Bauchgefühl. Schönes Wochenende!

    Freitag, 29. August 2014 15:49
  • Barbara

    Permalink

    Guten Tag. Mich beschäftigt beim Schreiben gerade folgende Frage: Lese ich Bücher, so werden die Hauptfiguren (auch Nebenfiguren) zum Teil sehr detailliert beschrieben (Haarfarbe, Größe, Alter usw.… das nimmt manchmal kein Ende), und in einigen Büchern werden sie so gut wie gar nicht beschrieben. Ich selbst tendiere ja (inzwischen) eher dazu, der Leserin solche Dinge nicht unbedingt aufs Auge zu drücken. Wieso? Weil ich finde, dass Äußerlichkeiten im Kopf der Leserin entstehen dürfen – gerade dann, wenn sie z. B. für die Handlung selbst nicht von Wichtigkeit sind. Bekommt man beim Lesen nicht automatisch eine eigene Vorstellung der Figuren? Ich finde es schade, wenn ich ein Buch lese und mir diese Vorstellung dann plötzlich mit irgendwelchen, zu vielen Details genommen wird. (Z. B. habe ich im Kopf schon längst braun… und dann lese ich, dass die Frau rote Haare hat). Aber wenn ich teils frühere Kommentaren lese, so gibt es auch immer wieder Leserinnen, die eine möglichst genaue Beschreibung wünschen… Aber wahrscheinlich muss ich da auf mein Bauchgefühl hören und das sagt mir, dass Äußerlichkeiten zu einem großen Teil dem Kopfkino der Leserin entspringen dürfen… (Eine Antwort eilt nicht;) und ich wünsche all denen, die momentan vielleicht noch im Urlaub sind, schöne und erholsame Tage!):)

    Donnerstag, 28. August 2014 13:13
  • Ellen ESS.

    Permalink

    Okay ... und da haben wir ihn, den nächsten Versuch :D

    „Du hast Sachen für mich geregelt?” Marlas Mundwinkel zuckten zuerst nur amüsiert, dann begann sie erneut zu lachen. „Was denn zum Beispiel?”
    „Ooooh, so Einiges. Du wirst mir wahrscheinlich nicht glauben … Aber so sind sie, die Menschen … Meistens jedenfalls … Sie verschließen sich vor der Tatsache, dass …”
    Das hört sich nach einer längeren Rede an, dachte Marla und unterbrach Sylver. Ganz ungeduldig und gespannt darauf, was da denn nun für eine Erklärung kommen würde, forderte sie: „Nun rück' schon raus damit!”
    Sylver schien zu zögern. Marla war es mittlerweile aufgefallen, dass, ganz unabhängig davon, wie sie sich benahm, Sylver keinen Deut von ihrer Linie des pflichtbewussten, hilfsbereiten und über alle Maßen freundlichen Engels abwich. Als Engel hatte man es wahrscheinlich häufiger mit Menschen und deren Eigenheiten zu tun. Irgendwann gewöhnte man sich daran und fand einen Weg, damit umzugehen.
    „Na los doch, ich warte.” Um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, stemmte sie ihre Hände in die Hüften.
    „Ich bin dein Schutzengel.”
    „Bitte was …?”, prustete Marla los. Wollte diese eigentümlich gekleidete Person sie verklapsen?
    „Du hast schon richtig verstanden.”
    „Schutzengel … na klar … Und ich bin die Kaiserin von China. – Schutzengel … Dass ich nicht lache. Da kann ja jede kommen …”
    „Ich bin aber nicht jede.”
    Marlas Augen wurden immer größer.
    „Glaub mir. Du hast mich zwar nicht gesehen, aber ich war immer in deiner Nähe und hatte ein Auge auf dich. Wenn es nötig geworden wäre, hätte ich also helfen können.”
    „Pfff – wäre, hätte, könnte … Warum hast du denn nicht?”, fragte Marla verbittert.
    „Alle Schwierigkeiten von dir fernzuhalten, das wäre nicht gut gewesen. Du musstest auch lernen, dich zu behaupten … dich zu wehren. Stark sein.”
    „Hmm … Eine Frage hätte ich da mal. Warum hast du mich nicht davor bewahrt, in ein Heim gegeben zu werden?” Nach einer kurzen Pause ergänzte sie: „ In eines für schwer Erziehbare, wo man Tag und Nacht eingeschlossen war.” Marla spürte die Wut in sich aufsteigen. Immer mehr steigerte sie sich hinein, wurde lauter, bis sie fast schrie. „Weggesperrt … wie ein Verbrecher. Hast du überhaupt eine Vorstellung davon, wie das ist?”
    „Nein … Aber glaub mir, das war die beste Lösung. Ich wusste, du würdest dort besser aufgehoben sein, als bei deiner Mutter. Du warst ein schwieriges Kind und sie noch sehr jung und total überfordert.”
    „Jetzt entschuldigst du auch noch meine Mutter? Dann war es wohl richtig, dass sie mich weggegeben hat?” Marla ballte so fest die Fäuste, dass ihre Fingerknöchel weiß hervortraten. Am liebsten wäre sie dieser Person, die von sich behauptete, ein Engel zu sein, an die Gurgel gesprungen. „Ich fass es nicht.” Marla war erstaunt, wie schnell ihr Herz die Frequenz verdoppeln konnte, auf ihrer Oberlippe hatten sich winzige Schweißperlen gebildet.
    Plötzlich sackte sie in sich zusammen; ihre Beine versagten ihr einfach den Dienst. Sie zitterte am ganzen Leib, als hätte sie ihre Finger in einer Steckdose. Ihr Herz klopfte ihr bis zum Hals; sie glaubte, es sogar zu hören.
    Als Sylver ihr aufhalf und sie beruhigend in den Arm nehmen wollte, hob Marla abwehrend die Hände und taumelte, nachdem sie sich mühevoll aufgerappelt hatte, einen Schritt zurück. „Lass mich bloß in Ruhe!”, giftete sie Sylver an.
    „Es war doch wirklich nur zu deinem besten”, versuchte das Sylver die Wogen zu glätten. „Sieh dich an. Du bist eine junge selbstbewusste Frau. Intelligent, erfolgreich – was willst du mehr?” Sylver sprach aus Überzeugung, das war kaum zu überhören, und allmählich wichen die Zweifel in Marla. Sie klammerte sich an diese Worte, wollte ihnen Glauben schenken, denn sie waren im Moment das Einzige, woran sie sich noch festhalten konnte. Wie eine zarte Pflanze, die nur auf gutem Boden gedeihen konnte und nicht auf Brachland, keimte in ihr ein Gefühl auf, das sie nicht zu deuten wusste. War das Vertrauen? Konnte sie Sylver vertrauen?
    „Wie wär's mit einer funktionierenden Familie?” Eine rein rhetorische Frage, auf die Marla keine Antwort erwartete.
    Nur selten kamen ihr Situationen aus ihrer mehr als bescheidenen Kindheit in den Sinn. Begebenheiten, die für gewöhnlich in den unergründlichen Tiefen ihrer Erinnerungen verborgen waren. Dann vernahm sie die Stimmen der Erzieher, die sich durch das Entsetzen, das sie einflößten, unverwechselbar in ihr Gedächtnis eingeprägt hatten, so wie ein glühendes Eisen die Haut brandmarkte.
    Marla wollte einfach nicht mehr daran denken. Warum konnte sie es nicht einfach vergessen? Immerhin war es fast zwanzig Jahre her. Und doch lähmten sie die Erinnerungen daran. Ganz plötzlich waren sie da und zappelten wie ein gefräßiger Fisch am Haken. Normalerweise wurden alte Ängste nur wieder wach wie entfesselte Dämonen, wenn sie ihre Gedanken nicht ihrem Willen unterwerfen konnte. Nachts.
    Sie wollte davon erzählen, um sich endlich zu befreien, doch es kam kein Ton über ihre Lippen. Stattdessen brach eine Flut an Gefühlen über sie herein, der sie nicht gewachsen war; Zittern, Schwindel, ein Schluchzen, das sie nur mit Mühe und dann gar nicht mehr unterdrücken konnte. Ungehemmt ließ Marla den Tränen ihren Lauf. Es bedurfte keiner Erklärung und es gab auch keine Worte, die sie hätten trösten können.
    Sylver begleitete Marla schweigend bis zu deren Wohnung und verschwand, aber nicht ohne sich vorher für den nächsten Tag anzukündigen. „Ich werde dann morgen vorbeikommen. Gute Nacht.” Und schon war sie verschwunden.

    ***

    Marla drehte ihren Kopf hin und her, als hätte sie einen Albtraum. Immer wieder fasste sie sich an die Stirn und fuhr mit der Zunge über ihre Lippen, bis sie schließlich schweißgebadet erwachte. Ihr Kopfkissen war nass, Haarsträhnen klebten an ihrer Stirn.
    Sie schluckte. Ihr Hals war wie ausgetrocknet. Sie richtete sich auf, griff nach dem Wasserglas auf dem Nachtschränkchen und leerte es, ohne abzusetzen.
    Warmer Sonnenschein überflutete das Zimmer und Marla kämpfte mit zusammengekniffenen Augen gegen die schmerzende Helligkeit an, bis sie sich daran gewöhnt hatte. Benommen stellte sie fest, dass sie in ihrer Kleidung geschlafen hatte. Die Jeans hatte überall Falten und auch ihr Shirt war vollkommen zerknittert. Ohne aufzustehen zog sie sich mit einer beinahe akrobatischen Glanzleistung die Hosen aus und ließ sie neben sich auf den Boden fallen.
    Sie streckte sich, um die restliche Müdigkeit aus ihren Gliedern zu vertreiben. Plötzlich blitzte ein Gedanke in ihrem Hirn auf, der sie leicht lächeln ließ.
    Sie stand auf, schlurfte barfuß, nur noch mit Slip und Army-T-Shirt bekleidet, in die Küche und bereitete die Kaffeemaschine vor. Den Timer stellte sie auf 6.50 Uhr ein. Das liebte sie an diesem Gerät. Wenn sie sich morgens mit halb offenen Augen aus dem Bett quälte, duschte und in die Küche kam, war der Kaffee schon fertig. Und genauso würde es heute sein.

    Im Bad riskierte Marla einen flüchtigen Blick in den Spiegel. Aus ihm schaute sie eine übermüdete Frau mit dunklen Ringen unter den Augen an, was ihr ein missmutiges Brummen entlockte.
    Die Nacht über hatte sie nicht besonders gut geschlafen. Sie hatte sich eine Ewigkeit in ihrem Bett herumgewälzt, bis die Müdigkeit übermächtig geworden war. Doch der Schlaf war alles andere als erholsam gewesen. Eine verwirrende Flut von Bildern hatte ihre Träume durchzogen.

    Marla sah sich im Kinderheim. Die Pflegerinnen, mit denen sie sich mehr schlecht als recht verstand … die anderen Kinder, mit denen Raufereien an der Tagesordnung waren, unter denen sie nie wirkliche Freunde gefunden hatte … Jahrelang war sie eine Einzelgängerin geblieben.
    Sie war – mal wieder – weggelaufen. Das kam mindestens ein Mal im Monat vor, doch etwas war diesmal anders. Sie hatte einen Begleiter. Einen neunjährigen Jungen, den alle nur Zwirnchen nannten. Er war etwas jünger als sie selbst und ziemlich zart besaitet. Ein richtiges Weichei. Tagsüber versteckten sie sich vor den Suchenden. Um nicht erwischt zu werden, legten sich Marla und Zwirnchen in die Furchen von Kartoffeläckern, in Maisfelder oder was sich als Versteck noch so anbot. Sie aßen, was sie organisieren – so nannte Marla das Stehlen – konnten, Maiskolben, Zuckerrüben, rohe Kartoffeln … Manchmal gab es sogar frische Eier, die die beiden Ausreißer dann genüsslich schlürften. Aber das war eher selten. Wenn sie in Dörfern auf Leute trafen, was hin und wieder vorkam, baten sie um etwas frische Milch, die sie dann geräuschvoll durch ihre ausgedörrten Kehlen hinunterstürzten und sich danach die Lippen leckten.

    Marla runzelte die Stirn und rieb sich die Augen, als könne sie so die Erinnerung wegwischen. Dann zog sie die restliche Kleidung aus, drehte in der Dusche das Wasser an, stellte sie sich unter die angenehm warmen Strahlen, und ließ sie auf sich niederprasseln. Schon nach kurzer Zeit setzte die körperliche Entspannung ein. Das Rauschen in ihren Ohren erinnerte sie an einen Wasserfall, beruhigend und mitreißend zugleich.
    Als Marla sich locker und einigermaßen wach fühlte, drehte sie den Hahn zu, schnappte sie sich ein Badetuch und wickelte sich darin ein. Wohlig seufzend, wie ein frisch gebadetes Baby, huschte sie ins Schlafzimmer um sich anzuziehen. Ausgewaschene Jeans, T-Shirt, Shorts und Socken lagen noch genauso da, wie sie sie sich am Abend zuvor zurechtgelegt hatte. Auch die Hushpuppies standen, wo sie hingehörten.
    Marla zog sich an, schlüpfte in ihre Latschen und kehrte ins Bad zurück. Dort wischte sie den beschlagenen Spiegel blank und betrachtete ihr Gegenüber.
    Nach dem Duschen war sie ganz zufrieden mit dem, was sie sah. „Hmm, siehst doch passabel aus”, bestätigte sie sich laut und gab ihrer fransigen Frisur den letzten Schliff. Mehr war so früh am Morgen – die Uhr zeigte immerhin erst sieben – und nach so einer Nacht definitiv nicht drin.

    Kaum war sie in der Küche und hatte die Schranktür geöffnet, kreischte die Klingel an der Wohnungstür und ließ Marla herumfahren. Wer, zum Teufel, …
    Sie erinnerte sich an den Vorabend und an Sylvers angekündigten Besuch. Aber musste das so früh am Morgen sein?
    Missmutig ließ sie Sylver herein, die sogleich ein gut gelauntes „Guten Morgen!” wünschte.
    „Morgen!” Marla ging voraus in die Küche und brabbelte leise, damit Sylver es nicht hörte, vor sich hin: „Ob der gut wird, das werden wir dann sehen.”
    Lauter sagte sie dann: „Ich brauch erstmal 'nen Kaffee, damit ich richtig wach werd.”
    Marla hielt die Kanne hoch und hob fragend eine Augenbraue. Sylver, die sich inzwischen gesetzt hatte, nickte. Marla schenkte ihnen beiden einen Kaffee ein und reichte Sylver einen Becher.
    „Du kochst nicht gerade den besten Kaffee …–”, stellte Sylver nüchtern fest, nachdem sie kurz daran genippt hatte. Das Dann-mach-dir-doch-selbst-welchen lag Marla schon auf der Zunge, doch sie kam gar nicht dazu, Sylvers kleiner Stichelei etwas entgegenzusetzen.
    „Aber niemand macht beim Eingießen eine bessere Figur als du”, nahm Sylver ihr den Wind aus den Segeln.
    „Gerade nochmal die Kurve gekriegt”, erwiderte Marla kurz angebunden und deutete ein leichtes Lächeln an.
    Für sie war der Kaffee absolut in Ordnung. Dunkel und aromatisch, ohne jeden bitteren Beigeschmack. Mhm, schmeckte das gut. Sie fühlte, wie das Koffein an ihren Nervensträngen die Lichter anknipste. Sylver hingegen rührte so lange in ihrem Kaffee herum, dass Marla meinte, er solle gänzlich verdampfen.

    Sonntag, 3. August 2014 15:50
  • Liebe Ellen. Noch ein kurzer Nachtrag: Eigentlich bewundernswert, wie locker du so Charaktere wie Marla darstellen kannst, und das meine ich jetzt als Kompliment. Mir fallen Szenen wirklich schwer, in welchen die Fetzen fliegen. Aber eben: Auf eine gelungene Abstimmung und Spannung kommt es wohl drauf an. Und wäre deine Sylver ein Mensch, so dürfte sie meiner Meinung nach auch den Spruch mit dem 'Kaffee' bringen, aber als Engel halt nicht… jedenfalls nicht so sehr zu Beginn der Geschichte und nicht so früh am Morgen;)... ist aber meine Ansicht und selbstverständlich darf man da verschiedener Meinung sein. Tschüssli

    Montag, 4. August 2014 14:56
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