5 Wörter – Teil 3

Es ist wieder einmal Samstag, und das bedeutet neue Schreibübungen für diejenigen, die an ihrem Stil feilen wollen.

Hier die Wörter von heute:

Fahrer/in, Stift, Auffahrt, Diele, Regenschirm

Und nun: Ran an die grauen Zellen!

Overall Rating (0)

0 out of 5 stars
Add comment

People in this conversation

  • Barbara
  • Xapine
  • Juli
  • Asuka
  • Terry
  • Nicole
  • Ruth Gogoll
  • Ellen ESS.
  • Carrie
  • Nanni
  • Juli

    Permalink

    Da war sie auf einmal da. Die Lust zu schreiben ;)
    Ich habe versucht Nora in diesem Abschnitt ein wenig 'aufzubauen' und eine Veränderung einzuleiten in ihrem Wesen.
    Zugleich der Versuch zu zeigen, warum Frauen auf Ronja hereinfallen, allerdings habe ich hier die Befürchtung, dass es viel zu viel Dialog/Monolog ist. Aber ich muss dazu sagen, dass ich in dieser Situation "Show, dont tell" wahrlich nicht anzuwenden weiß :(
    Ich hoffe es gefällt dennoch.

    ~~~~
    Am nächsten Morgen erwachte Nora mit dem Morgengrauen und griff sich an die Schläfen. Das hatte sie nun davon, dass sie beim gemeinsamen Abendessen ein Glas Wein getrunken hatte. Ein Blick neben sich zeigte ihr, dass Ronja noch tief und fest schlief. Leise verließ sie das gemeinsame Bett und begab sich ins Badezimmer. Sie hatte vom Wein einen unangenehmen Geschmack im Mund und wollte sich zuerst die Zähne putzen. Sie hasste Wein, aber Ronja hatte darauf bestanden, dass sie wenigstens ein Glas mit ihr trank.
    Mit der Zahnbürste im Mund betrachtete sie sich selbst im Spiegel. Die Schatten unter ihren Augen machten deutlich, wie wenig Erholung sie in der Nacht gefunden hatte. War doch der Vorabend eine Katastrophe gewesen.
    Nicht nur, dass sie die ganze Zeit an Melanie gedacht hatte. Auch später, als Ronja nach Hause gekommen war, spürte sie noch immer das Prickeln, welches der Kuss hinterlassen hatte.
    Während des Abendessens hatte sie Ronjas Blick all zu deutlich auf sich gespürt. Dass sie schweigsamer als normalerweise war, musste auch ihrer Lebensgefährtin aufgefallen sein. Gesagt hatte diese nichts, lediglich von ihrem Tag erzählt.
    Danach hatte Nora den Tisch abgeräumt und war zeitig zu Bett gegangen. Nichts, was für Ronja ein Grund gewesen wäre, sie später nicht zu wecken. um ihren abendlichen Sex einzufordern.
    Wie immer hatte Nora ihr gegeben, was sie wollte, sich danach von ihr weggedreht und versucht zu schlafen.
    Dass das nicht von Erfolg gekrönt war, zeigte ihr der Spiegel jetzt unbarmherzig. Mit einem undefinierbaren Laut spuckte sie aus und ging unter die Dusche.
    Nur im Bademantel begab sie sich in die Küche und bereitete das Frühstück für Ronja vor.
    „Guten Morgen mein Schatz,“ erklang kurz darauf die Stimme Ronjas von der Tür und ließ Nora zusammenzucken.
    „Guten Morgen Ronja. Warum bist du denn schon wach?“
    Bereits an Ronjas Blick merkte die Jüngere, dass sie die falsche Frage gestellt hatte.
    „Vielleicht hat mir meine Frau im Bett gefehlt? Warum bist du überhaupt immer so zeitig auf? Ist ja nicht so, dass es jetzt schon viel zu tun für dich gäbe.“ Ätzende Worte, die sich in Noras kaum vorhandenes Selbstbewusstsein fraßen. Die sie wieder noch ein Stück kleiner werden ließen.
    Bevor sie aber zu einer Rechtfertigung ansetzen konnte, schob sich ein Gesicht vor ihr inneres Auge und ihr Rücken richtete sich ein wenig auf.
    „Gehst du noch duschen? Dann mache ich dir Rührei.“ Und anstatt vor ihr zu Kreuze zu kriechen, drehte sie sich um und begann mit den Vorbereitungen.
    Erst als sie die sich entfernenden Schritte vernahm, atmete sie aus. Ein Lächeln stahl sich in ihre Mundwinkel. Wie konnte es sein, dass Melanie ihr den Rücken stärkte, ohne bei ihr zu sein?
    Nach dem Frühstück erfüllte sie dennoch ein weiteres Mal Ronjas Forderung nach Sex, bevor diese zur Arbeit ging.
    Erleichtert strich sich Nora durchs Haar und räumte die Küche auf. Danach fiel ihr Blick auf ihr eigenes Handy. Ohne viel darüber nachzudenken, wählte sie eine Nummer und lauschte dem Tuten.

    Ein paar Straßen entfernt, saßen sich Melanie und Sybille gegenüber am Tisch. Sie hatten beide nur eine Tasse Kaffee vor sich stehen und abwartend sah Melanie ihre älteste Freundin an. Diese stieß nur ein tiefes Seufzen aus und schüttelte leicht den Kopf.
    „Ach Melanie. Was soll ich dir erzählen? Ich war achtzehn, sie zehn Jahre älter. Am Anfang ist sie sehr … ,“ sie schien nach den richtigen Worten zu suchen, „charmant. Sie ist gebildet. Sie sieht gut aus und hatte damals schon ihre Firma, weswegen sie auch nie knapp bei Kasse war. Anders als wir zwei.“
    Melanie beobachtete, wie Sybille die Finger ineinander faltete und tief durchatmete.
    „Es ist, als junger Mensch, sehr leicht sich in ihre einnehmende Persönlichkeit zu verlieben. Ronja ist sehr aufmerksam. Sie gibt dir das Gefühl einzigartig zu sein, etwas ganz besonderes.“ Eine Pause entstand, Sybille trank von ihrem Kaffee und rieb sich den Nacken.
    „Nach ein paar Monaten begann sie sich zu verändern. Zuerst habe ich es gar nicht gemerkt. Sie entfremdete mich von meinen Freunden, begann eifersüchtig zu werden. Am Anfang fühlst du dich dadurch … bestätigt.“ Der Gesichtsausdruck Sybilles verfinsterte sich. Melanie selber hörte nur zu, beobachtete die wechselnden Gesichtsausdrücke ihrer langjährigen Freundin. Auch von ihr hatte sich Sybille damals entfernt und sie dachte nur ungern an diese Zeit zurück.
    „Den Rest der Geschichte kennst du Melanie. Nachdem sie mich das erste Mal schlug, habe ich sie verlassen und bei dir Unterschlupf gefunden.“
    Die Freundinnen lächelten sich an und es war Melanie, die die aufgekommene Stille unterbrach. „Puh, das ist harter Tobak. Anscheinend hat sie bei Nora mehr Erfolg gehabt als bei dir.“
    Sie erhob sich und brachte die leeren Kaffeetassen hinter den Tresen. Ihre Gedanken kreisten um das eben Gehörte und darum, wie sie Nora vielleicht doch helfen konnte. Ein jedes Mal, wenn sie an sie dachte, begann ihr Herz schneller zu schlagen. Sie würde sich doch nicht … ausgerechnet in Nora?
    Aber Gefühle ließen sich nur schwer abstellen und sie musste sich eingestehen, dass sie sich verliebt hatte.
    ~Warum kann es nicht einmal einfach sein?~ Bevor sie in Gedanken weiter schimpfen konnte, begann ihr Handy zu summen. Die Nummer auf dem Display sagte ihr nichts und für einen Moment dachte sie daran sie wegzudrücken.
    „Hallo?“ Immerhin bestand ja die Chance, dass es Nora sein würde, die da anrief. Ein breites Lächeln begann ihre Lippen zu teilen, als sich diese Hoffnung bewahrheitete.
    „Ja, natürlich steht die Einladung noch. Wann kannst du? Okay, ich bin schon auf dem Weg.“
    Sybilles Blick entging ihr nicht und ein Lachen stieg in ihr auf.
    „Bist du so gut und deckst einen Tisch? Ich habe gleich einen Frühstücksgast.“ Vergessen war das beklemmende Gefühl, welches Sybilles Erzählung in ihr hinterlassen hatte.

    Mittwoch, 28. Januar 2015 19:26
  • So ist das mal wieder. Da reicht man den kleinen Finger und Chefin möchte die ganze Hand. Da dachte ich die Benennung eines tollen, taffen Charakters nach der Chefin beschwichtigt das gierige Gemüt und es wird noch mehr gefordert.;)
    Ich habe wohl gerade das, was Barbara gern ihre 5 Minuten nennt:D
    Hier kommt dann mal ein weiterer Schritt in die richtige Richtung und ein wenig Innenleben.
    Aber es ist echt schwierig sich von einer mutmaßlichen Psychopathin in eine kleine schüchterne Maus wie Nora zu verwandeln;)

    ~~~

    Ein wenig aufgeregt war Nora schon gewesen, nachdem sie das Telefonat beendet hatte. Sie fühlte sich seltsam aufgekratzt ob ihres kleinen Sieges über Ronja und dem, was sie jetzt vorhatte.
    Kannst du das wirklich tun? Was wenn Ronja es herausfindet? Schnell schob sie diese Gedanken beiseite. Sie wollte jetzt nicht an Ronja denken. Es wurde Zeit, dass sie jetzt auch einmal an sich dachte.
    Wobei dieser Gedanke bei ihr sehr zwiespältige Gefühle in ihr auslöste. Bevor sie aber an einen Rückzieher denken konnte, klingelte es bereits an der Haustür.
    Sofort begann ihr Herz schneller zu schlagen und sie wischte sich ihre Hände an der Jeans ab. Ihr Lächeln wirkte ein wenig nervös, als sie die Tür öffnete und sich diesen faszinierenden grauen Augen gegenübersah.
    „Hallo, wie schön dich zu sehen.“ Sie schnappte sich noch eine dünne Jacke und war zum Aufbruch bereit.
    Die folgende Autofahrt war für Nora ein ständiges Auf und Ab ihrer Gefühle. Die Nähe zu Melanie, der Geruch ihres Parfüms. Das alles ließ ihre Sinne reagieren. Ein Gespräch kam während der Autofahrt nicht zustande.
    Ein wenig schüchtern folgte sie Melanie schließlich ins Café und sah sich kurz um.
    „Wir haben noch nicht geöffnet. Aber Sybille hat uns ein Frühstück zubereitet.“ Kam dann auch schon die Erklärung, warum das Café noch leer war.
    Für einen Moment schien Nora in der Tür zu erstarren. Sybille. Wie hatte sie Melanies Freundin nur vergessen können?
    „Kommst du?“ Eine harmlose Frage, die sie aber aus der Starre herausholte.
    „Ja, natürlich.“ Und setzte sich Melanie dann gegenüber.
    „Oh, das sieht alles ganz toll aus. Du musst wirklich froh sein Sybille zu haben. Wie lange seid ihr denn schon zusammen?“
    Anstatt einer Antwort vernahm Nora nur ein verdutztes Geräusch, welches in ein leises Lachen überging. Sie sah zu Melanie und spürte, wie ihr die Röte in die Wangen kroch. Bevor sie sich allerdings schlecht fühlen konnte, spürte sie eine warme Hand auf ihrer Eigenen.
    „Sybille und ich sind beste Freundinnen seit der Schulzeit. Wir sind nicht zusammen.“ Diese einfache, aufrichtige Erklärung von Melanie, löste in Nora gleich mehrere Gefühle aus. Scham, weil sie so schlecht über Melanie gedacht hatte. Erleichterung, dass Melanie nicht wie Ronja zu sein schien und eine Freude, die sie sich nicht erklären konnte.
    Als Melanie ihre Hand zurückzog, blieb ein Kribbeln bestehen. Was machte Melanie nur mit ihr? Sie war wirklich vollkommen durcheinander. Zugleich fühlte sie sich wohl und kein negativer Gedanke erreichte sie.
    Es war, als wäre Ronja gar nicht existent. Als gäbe es nur sie und Melanie in diesem Café und der Rest der Welt blieb draußen.
    Ihre Gedanken wurden unterbrochen, als ihr ein Brötchen vor die Nase gehalten wurde.
    Ein Lachen entwich Noras Lippen, sie wusste selbst nicht warum oder woher es kam. Sie lachte immer weiter, bis ihr Freudentränen über die Wangen liefen.
    „Oh Göttin. Tut mir leid. Ich weiß gerade gar nicht, was in mich gefahren ist.“ Nora schnappte nach Luft und wischte sich über die Wangen. Nahm dann die Serviette von Melanie entgegen.
    „Das macht doch nichts. Ich finde du hast ein wunderschönes Lachen.“
    Nora lächelte jetzt eher verlegen und räusperte sich. Griff sich einfach das Brötchen, welches Melanie ihr zuvor gereicht hatte. Sie erinnerte sich nicht daran, wann sie das letzte Mal so befreit hatte lachen können.
    Ein Brummen durchbrach die Zweisamkeit und Nora zog ihr Handy hervor. Sie zögerte nur einen Bruchteil von Sekunden, dann drückte sie das Gespräch weg und schaltete ihr Handy aus.
    Ronja würde nicht begeistert davon sein, Nora nicht zu erreichen, aber sie wollte sich ihre gute Laune nicht von Ronja kaputtmachen lassen.
    „Entschuldige. Lästige Dinger diese Handys. Erzähl mir von eurem Leseabend. Wie ist es gewesen?“, wandte sie sich neugierig an Melanie und lenkte damit auch von dem Grund des Anrufes ab.

    Sonntag, 1. Februar 2015 18:13
  • Barbara

    Juli Permalink

    Toll. Finde es super, dass Nora jetzt durchblickt, wer Sibylle ist... Dann auf in die nächste Runde;) viel Spass:)

    Sonntag, 1. Februar 2015 19:41
  • Das ging jetzt aber schnell. :) Da hat wohl jemand den Zauberstab geschwungen. :)
    Ich schließe mich da Barbara an. Auf in die nächste Runde. :)

    Montag, 2. Februar 2015 13:28
  • Ruth Gogoll

    Juli Permalink

    Ja, Nora ist jetzt ein wenig ins Hintertreffen geraten. Ein Thriller scheint uns alle mehr zu interessieren als eine Liebesgeschichte. ;) Auch wenn Ronja so ein bisschen Thrillerelemente hineinbringt.
    Ich finde es gut, wie Du die Personen jetzt in Beziehung gesetzt hast. Melanie kennt Ronja, das heißt, das hebt auch ihr Verhältnis zu Nora auf eine andere Ebene. Eine, die nicht nur die Beziehung zwischen Melanie und Nora enthält, sondern eben auch die zwischen Melanie und Ronja. Beziehungsweise dem, was Melanie über sie weiß.
    Mit dem Show, don’t tell, das ist oft nicht so einfach. Gerade, wenn man Informationen rüberbringen will. Also würde ich mir darüber nicht allzuviele Gedanken machen. Erst mal weiterschreiben, die Technik kann man später immer noch verbessern.
    Ein kleiner technischer Hinweis jedoch noch am Rande: Die Personen heißen Nora und Ronja, nicht „die Lebensgefährtin“, „die größere Frau“, „die Jüngere“, „die Dunkelhaarige“ usw. Es ist oft bei Anfängern zu lesen, dass sie das hinschreiben, weil sie abwechseln wollen, aber das ist nicht nötig. Im Gegenteil, es stört den Lesefluss. Die Namen können ruhig immer wieder fallen, und ansonsten reicht „sie“.
    Auch spricht man sich im Deutschen eigentlich selten mit dem Namen an. Das ist mehr so eine amerikanische Eigenart. Im Deutschen ist „Guten Morgen“ genug. „Guten Morgen, Ronja“, klingt irgendwie steif. Wir wissen ja, dass es Ronja ist. Der Name müsste nur dann fallen, wenn wir nicht sicher sein könnten, wer da auftaucht.
    Die Szene zwischen Nora und Ronja zeigt eine ganze Menge, ist also durchaus Show, don’t tell. Und es wird vor allem eine Entwicklung bei Nora gezeigt. Sie springt Ronja zwar nicht gleich ins Gesicht – das wäre ja auch unwahrscheinlich –, aber sie zeigt ein wenig mehr Rückgrat als bisher.
    Ronja könnte natürlich wütend werden und sie zur Strafe gleich dort in der Küche vergewaltigen, aber es ist auch gut, wenn sie einfach geht. Überrascht eventuell, dass ihre kleine, unterwürfige Nora sie zum Duschen schickt. Was sie vermutlich noch nie vorher gemacht hat.
    Sybilles Erzählung ist sehr aufschlussreich. So lernen wir jetzt eigentlich Noras und Ronjas Beziehung kennen, ohne dass Nora es erzählen muss.
    Am Schluss ruft Nora an, und wir sehen, dass sie sich weiter von Ronja wegentwickelt. Sie lässt sich von Melanie aus dem Sumpf ziehen, aber sie trägt auch selbst dazu bei.
    Gut, kann ich nur sagen. :) Nun muss sich die Beziehung zwischen Nora und Melanie weiterentwickeln.

    Sonntag, 1. Februar 2015 12:51
  • Nanni

    Juli Permalink

    Hier hat sich ja einiges getan. Ich weiß gar nicht was alles … Ich komme da leider nicht mehr mit, weil ich nicht weiß, wer, wo, was, geschrieben hat. War lange nicht mehr hier und wenn man nicht am Ball bleibt, verliert man vieles aus den Augen. Mit drei Kommentaren auf der Startseite, die einem zeigen, wer, was, wo geschrieben hat, kommt Frau halt auch nicht gerade weit. ;)

    Ich habe einiges überflogen und bin hier jetzt einfach mal hängen geblieben. Alles andere ist mir zu anstrengend. Leider! Obwohl ich an der ein, und anderen Stelle, das ein und andere auch gut fand. Aber wie gesagt … Da herrscht für mich nur absolutes Chaos. *trauriges Kopfschütteln*

    Ideen zusammen würfeln finde ich toll. ... ( Und Thriller sind alles andere als langweilig, dass sagen nur Leute, die sie nicht lesen. :p )
    Viele Ideen waren klar alle schon mal da, was aber nicht heißen soll, dass man aus einer "nicht" neuen Idee etwas "neues" Tolles machen kann, wie Ruth schon schrieb.
    Ich würde sagen, leg einfach los Barbara. Wer es nicht wagt, kann es nicht wissen.

    Ich finde es immer super, wenn man zusammen etwas voran treibt. Das ist spannend, konstruktiv und mache mehr als gute Laune. Viele Köpfe sind unterschiedlich kreativ und fangen Ideen auf, bilden dadurch neue Wege, die in die eine, wie auch in die andere Richtung führen. Das gefällt mir. :)

    Und schön finde ich es, wie hier den neuen Schreiberlingen, oder auch vllt. alten Hasen, unter die Arme gegriffen wird. Topp!!!

    Also Juli, ich finde Du schreibst wirklich ganz toll. Ich kann mir alles sehr schön vorstellen, und finde Deine Idee wie gesagt echt klasse. Vor allem finde ich es echt super, dass Du dran bleibst. Dieses Durchhaltevermögen haben nicht viele. Ich schließe mich da nicht aus.

    Auch wenn es etwas dauern sollte, oder auch eben nicht - Du schreibst ja wirklich viel, würde ich mich persönlich sehr über weitere Fortsetzungen Deiner hier eingestellten Geschichte, über „Nora und Melanie“, freuen, und drücke Dir die Daumen, dass die Geschichte bald einen Weg in ein Buch findet. Du hast als Schreiberin alles was nötig ist. Spitze! Also leg los …

    Mittwoch, 28. Januar 2015 22:50
  • Hallo Nanni

    Vielen lieben Dank für die lieben Worte. :)
    Ich freue mich immer sehr darüber.
    Aber ich verrate dir ein kleines Geheimnis:D
    Ich schreib ja immer nur, damit Frau Gogoll schreibt wie es besser sein könnte :D:D

    Freitag, 30. Januar 2015 17:34
  • Nanni

    Juli Permalink

    Hallo Juli,

    lieben Dank zurück. Es freut mich sehr, dass Du Dich freust. Ich bin mir da manchmal nicht so sicher, wie mein Geschriebenes ankommt. Umso schöner ist Deine Rückmeldung. :)
    Es ist immer gut, wenn man jemanden hat, der einen hilft besser zu werden. ;) Sonst bleibt man auf der Strecke.
    Somit … schreib und lass die Frau Oberkämmerer entscheiden und walten. ;)

    Samstag, 31. Januar 2015 12:34
  • Ruth Gogoll

    Permalink

    Ich biete mal eine alternative Fortführung der Geschichte an, nachdem Nora aus Melanies Café weggelaufen ist.
    ---
    Nachdem Ronja am Montag das Haus verlassen hatte und in ihre Firma gefahren war, ging Nora einkaufen wie immer, mit dem Bus. Sie hatten nur ein Auto, Ronjas Mercedes. Ronja fand, dass Nora kein eigenes Auto brauchte.
    Sie war erschöpft von diesem Wochenende, an dem sie Ronjas Eifersucht zu spüren bekommen hatte. Ronja hatte sogar darauf verzichtet, am Samstagabend auszugehen, was sie sonst nie tat. Anscheinend wollte sie nicht, dass Nora auch nur für eine Minute allein blieb.
    Ihr tat alles weh von Ronjas permanenter Aufmerksamkeit. Zum ersten Mal dachte sie, dass es auch positive Seiten hatte, wenn Ronja sich mit anderen Frauen traf. Sie hätte sich gewünscht, dass sie wenigstens am Samstagabend hätte ausruhen können.
    Kaum saß sie im Bus, klingelte ihr Handy. Ronja. Sie nahm ab und meldete sich.
    „Wo bist du gerade?“, fragte Ronja.
    „Im Bus“, erwiderte Nora. „Auf dem Weg zum Einkaufen.“ Sie schloss kurz die Augen. Es konnte doch nicht sein, dass Ronja sie jetzt schon wieder zum Sex in ihr Büro bestellte. Schließlich hatten sie nicht nur das ganze Wochenende, sondern auch heute Morgen –
    „Mach dein Video an.“ Ronjas befehlende Stimme klang gepresst. „Ich will sehen, wo du bist.“ Sie legte auf und startete einen Videoanruf.
    Nora nahm den Anruf an und drehte das Handy ein wenig in der Hand, so dass Ronja das Innere des Busses sehen konnte. „In ein paar Minuten bin ich in der Stadt“, sagte sie.
    „Gut.“ Ronja schien beruhigt.
    „Soll ich etwas Spezielles einkaufen?“, fragte Nora. „Was willst du heute Abend essen?“
    „Egal. Irgendwas. Steak.“ Ronja war wie immer wenig interessiert an der Essensplanung. „Wie lange bist du mit dem Einkaufen beschäftigt?“
    Nora runzelte die Stirn. „Das kann ich jetzt noch nicht sagen. Kommt drauf an.“
    „Auf was?“
    Diese Frage verwirrte Nora. Wie konnte sie Ronja, die nie einkaufen ging, erklären, wie das ablief? „Ich weiß selbst noch nicht“, erwiderte sie unbestimmt. „Ich meine, es kommt drauf an, was ich sehe.“
    „Was du siehst?“ Die Verständnislosigkeit war Ronjas Stimme deutlich anzuhören.
    „Ich muss aussteigen“, sagte Nora. „Soll ich das Video anlassen? Dann kannst du sehen, wie ich einkaufe.“ Das war wesentlich einfacher, als es Ronja zu erklären.
    „Nein, schon gut.“ Ronja schaltete ab, ohne sich zu verabschieden.
    Es dauerte jedoch nicht lange, da klingelte das Handy wieder. Diesmal war es direkt ein Videoanruf. Nora nahm ab und drehte die Kamera sofort zur Fleischtheke. „Ich kaufe gerade dein Steak“, sagte sie, bevor Ronja noch etwas fragen konnte.
    „Ich muss jetzt zu einem Kunden“, erklärte Ronja. „Das wird ein paar Stunden dauern. Bist du dann zu Hause?“
    „Ja“, sagte Nora, und schon hatte Ronja erneut aufgelegt.
    Obwohl sie bei diesem Kunden war, rief Ronja in den nächsten Stunden noch mehrmals an. Das hatte sie noch nie getan. Langsam wurde Nora klar, dass Ronja jeden ihrer Schritte kontrollieren wollte. Sie hatte Angst, dass sie sich mit Melanie traf.
    Einerseits fühlte Nora sich geschmeichelt, dass Ronja offensichtlich etwas an ihr lag, aber andererseits fragte sie sich, wie Ronja auf den Gedanken kam, Nora könnte sich für eine andere Frau interessieren. Sie seufzte. Wohl deshalb, weil sie selbst sich für so viele andere Frauen interessierte.
    Nachdem sie aus der Stadt zurückgekehrt war, setzte sie sich mit einer Tasse Kaffee auf die Couch – sie hatte die Spuren dessen, was gestern hier geschehen war, beseitigt – und blickte durch die große Glastür in den Garten hinaus.
    Der Garten war das, was sie an diesem Haus am meisten liebte. Ihre Eltern hatten nie einen Garten gehabt, nur eine Wohnung im muffigen Souterrain eines alten Hauses.
    Zu Anfang hatte sie deshalb mit dem Garten nicht viel mehr anzufangen gewusst als darin zu sitzen. Auf der Terrasse am Haus oder in dem kleinen Gartenpavillon in einer lauschigen Ecke. Dieser Pavillon wurde bald zu ihrem Lieblingsplatz. Sie brachte kleine Lämpchen dort an, und selbst im Winter, wenn es früh dunkel wurde und Ronja noch nicht zu Hause war, saß sie manchmal eingemummelt in dicke Decken auf der Bank im Inneren und las.
    Sie las viel, denn Bücher waren in ihrem Elternhaus Mangelware gewesen. Da sie auch nicht länger als die gesetzlich vorgeschriebene Zeit hatte zur Schule gehen können, hatte sie immer das Gefühl, sie müsste viel nachholen. Ihr Leseausweis für die Stadtbücherei war die erste kleine Flucht gewesen, die sie sich erlaubt hatte. Sie hatte ihn vor ihren Eltern versteckt, weil ihr Vater ihn wahrscheinlich zerrissen hätte, hätte er ihn gefunden. Er fand, Bücher und überhaupt alles, was mit Bildung zu tun hatte, wäre Kinderkram. Nora sollte lieber arbeiten gehen und Geld verdienen. Oder ihren Eltern bei ihren kriminellen Aktivitäten zur Hand gehen.
    Das hatte sie tatsächlich getan. Sie hatte – angeleitet von ihrer Mutter – gestohlen. Ladendiebstähle waren die Art ihrer Mutter, einkaufen zu gehen. Sie wurde immer wieder dabei erwischt, Nora jedoch nur einmal. Danach hatte sie sich geweigert, es noch einmal zu tun. Und bald darauf hatten ihre Eltern sie vor die Tür gesetzt. Sie fanden, dass dieses Kind nicht zu ihnen passte.
    Eines der Dinge, die Nora von Anfang an an Ronja geschätzt hatte, war, dass Ronja ihr Geld gab zum Einkaufen. Dass sie an der Kasse bezahlen konnte, statt sich mit klopfendem Herzen vorbeizuschleichen, immer in der Angst, entdeckt zu werden.
    Ronja hatte eine Gartenfirma beauftragt, die einmal im Monat kam und den Garten in Ordnung brachte. Ihr selbst lag nicht viel am Garten.
    Nora hatte jedoch mit der Zeit entdeckt, dass Gartenarbeit ihr Spaß machte. Sie verstand nichts davon, aber sie begann damit, den Gärtner auszuquetschen, der einmal im Monat kam. Leider verstand er auch nicht sehr viel davon, außer den Rasen zu mähen und die Sträucher ein wenig zu stutzen, Unkraut zu zupfen. Deshalb holte Nora sich Bücher aus der Bibliothek.
    Mittlerweile hatte sie eine ganze Menge gelernt, pflanzte im Herbst Schneeglöckchen und Narzissen, damit sie im Frühjahr blühten, Tulpen, Krokusse und Hyazinthen, die sich farbenprächtig entfalteten, sobald die Sonne herauskam. Unkraut gab es im Garten keines mehr, und das einzige, was sie tatsächlich noch dem Gärtner überließ, war das Rasenmähen und dicke Äste zu schneiden.
    Ronja hatte kaum je etwas zu ihrem neuen, blühenden Garten gesagt, und wenn, hatte sie sich über die Bienen beklagt, die beim Kuchenessen auf der Terrasse um sie herumsummten, wenn sie sonntags dort saßen.
    Nora störte es nicht. Sie war von ihren Eltern gewöhnt, nie Anerkennung zu bekommen. Sie freute sich einfach an den vielen bunten Blumen und an den Vögeln und Insekten, die sangen, zwitscherten und um sie herumschwirrten wie das Leben selbst. Sie freute sich darüber, die Erde umzugraben und etwas hineinzusetzen und dann das Wunder zu erleben, wie aus unscheinbaren Knollen berauschende Gewächse wurden, alles blühte und gedieh.
    Sie stand auf und öffnete die Glastür. Es war Frühling. Frische, hellgrüne Triebe an Bäumen und Sträuchern, und ein paar Blumen waren auch schon da. Sie sog die duftgeschwängerte Luft tief ein. Es war noch nicht die Fülle des Sommers, aber ein Versprechen darauf.
    Sie ging zum Vogelbad und füllte es auf, zupfte etwas Unkraut drumherum, betrachtete den Rasen, der vom letzten Regen sehr gewachsen war. Es war gut, dass der Gärtner diese Woche kam.
    Lächelnd schweifte ihr Blick über die Blüten, die sich bereits herausgewagt hatten. Obwohl es nur Pflanzen waren, betrachtete sie sie fast als gute Freunde. Sie hätte gern eine Katze gehabt, aber Ronja hatte nichts für Tiere übrig. Schon gar nicht im Haus.
    Es klingelte, und sie ging zur Tür, um aufzumachen. Sie hatte Bücher bestellt, und sie wartete schon sehnsüchtig darauf, dass sie geliefert wurden.
    Sie lächelte, als sie öffnete.
    „Ich weiß zwar nicht, was ich getan habe, aber ich entschuldige mich dafür“, sagte Melanie und streckte ihr einen Blumenstrauß entgegen.
    Nora nahm die Blumen verdattert.
    Melanie lächelte und ließ die Blüten damit noch mehr erstrahlen. „Sagst du mir, was es war? Ich bin mir wirklich keiner Schuld bewusst. Wir hatten ein ganz harmloses Gespräch. Warum bist du plötzlich weggelaufen?“
    „Ich –“ Nora schluckte. Schon allein Melanies Stimme, dieses leicht Amüsierte darin, verwirrte ihre Sinne. Sie wusste nie genau, ob Melanie etwas ernst meinte. Und dann … Sie hatte einige Male an Melanie gedacht an diesem Wochenende, obwohl Ronja sich mehr als bemüht hatte, das zu verhindern.
    „Tut mir leid.“ Melanie schüttelte den Kopf, offenbar über sich selbst. „Ich überfalle dich einfach so. Ich hätte mir denken können, dass das alles nur noch schlimmer macht. Was auch immer es ist.“ Sie legte ihre Stirn in hilflose Dackelfalten.
    Nora fühlte erneut dieses Kribbeln, dass all ihre Begegnungen mit Melanie begleitet hatte. Sie war verunsichert und wusste nicht, was sie sagen sollte.
    „Na dann …“, fuhr Melanie mit einem Schulterzucken fort. „Ich würde mich freuen, wenn du mal im Café vorbeikommst. Du hast dein Frühstück nicht beendet.“ Sie wollte sich umdrehen.
    Ein heißer Blitz durchfuhr Nora. Sie wollte nicht, dass Melanie ging, das spürte sie deutlich. „Nein … Ja …“ Sie stammelte herum. „Danke“, sagte sie endlich. „Das ist nett von dir. Willst du vielleicht reinkommen? Die Blumen müssen ins Wasser.“
    Melanie nickte erfreut. „Sehr gern. Danke.“ Sie folgte Nora in die Küche, von wo man einen kleinen Ausschnitt des Gartens sehen konnte. „Also wenn ich das gewusst hätte …“, sie lachte, „hätte ich dir etwas anderes als Blumen mitgebracht. Du hast ja den ganzen Garten voll.“
    „Ja.“ Nora ließ Wasser in eine Vase laufen und wickelte den Strauß aus. „Ich liebe Blumen.“
    „Wer nicht?“, sagte Melanie.
    Ronja zum Beispiel, dachte Nora. Ronja konnte durch ein ganzes Blumenbeet trampeln, ohne es zu bemerken. Ihr lag überhaupt nichts an Natur, keine Tiere, keine Pflanzen, am liebsten noch nicht einmal frische Luft. Sie war ein extremer Stadtmensch. Im Büro zu sitzen machte ihr nichts aus, stickige Luft in einer Disco ebenso wenig, aber schon einen kleinen Spaziergang lehnte sie ab.
    „Ja, wer nicht?“, stimmte sie dennoch zu. Sie wollte das Thema Ronja mit Melanie vermeiden. Das gehörte nicht hierher.
    „Darf ich?“ Melanie bot an, die Vase zu nehmen, und Nora ließ sie. „Wohin?“, fragte Melanie.
    „Ins Wohnzimmer.“ Nora ging voran, und Melanie folgte ihr.
    Sie setzte die Vase auf dem Wohnzimmertisch ab, als Nora es ihr bedeutete. Dann ging sie durch die offene Tür hinaus auf die Terrasse. „Wirklich schön“, stellte sie bewundernd fest. „Das wäre mein Traum, so ein Garten. Leider habe ich keinen.“
    Nora trat neben sie. „Mein Traum ist es auch“, lächelte sie. „Ich bin gern im Garten. Ich freue mich immer, wenn der Frühling kommt.“
    In diesem Moment klingelte ihr Handy.

    Donnerstag, 1. Januar 2015 10:21
  • So weitermachen ist die Devise und nicht aufgeben.
    Allerdings bin ich aus der alten Storyline ein wenig raus, weswegen ich jetzt einfach mal ganz bewusst, zur Übung, einen Perspektivwechsel vornehme und versuchen werde, in Melanies Gedankenwelt einzutauchen. Auf die Idee gebracht, hat mich die wunderbare Fortsetzungsgeschichte von Frau Schöning.
    Immerhin sollte man ja auch alle Charaktere irgendwie näher kennen lernen, um sie schreiben zu können :D
    Anschließen würde ich daher auch an die Alternativgeschichte von Frau Gogoll.

    ~~~
    Melanie konnte sehen, wie das Leuchten in Noras Augen erstarb, als diese auf den Display sah. „Entschuldige mich einen Moment,“ bat Nora sie und Melanie nickte leicht. Die Sorge in ihrem Blick trat dabei deutlich hervor.
    Sie hatte nicht wirklich gewusst, was sie erwarten würde, wenn sie Nora ein weiteres mal aufsuchte. Und diesmal hatte sie ja auch keine Handtasche vorschieben können. Stattdessen war sie förmlich mit der Tür ins Haus gefallen, da ihr das Frühstück nicht mehr aus dem Kopf gegangen war.
    Jetzt aber nutzte sie Noras Abwesenheit, um sich ein wenig umzusehen.
    Sie fragte sich, wessen Geschmack die Inneneinrichtung des Wohnzimmers widerspiegelte, konnte sich aber nicht vorstellen, dass die geraden Linien und eher kühlen Farben dem von Nora entsprachen. Sie wirkte nicht wie eine Frau, die Designermöbel mochte. Also war es sicher eher Ronjas Geschmack.
    Wenn Melanie allerdings genauer hinsah, entdeckte sie kleine, beinahe untergehende Elemente die auf Nora hinwiesen. Das Blumenarrangement auf dem Tisch, hier und da ein Farbtupfer, der das vorherrschende Chrom ergänzte. Melanie würde wetten, dass in der Keksdose, die sie im Regal entdeckte, garantiert selbst gebackene Kekse waren.
    Aber alles in Allem, war das Chrom dominierend, und sie fragte sich, ob diese Inneneinrichtung nicht auch die Beziehung von Ronja und Nora zeigte.
    Oder war es einfach Wunschdenken, dass Nora unglücklich mit ihrer Lebensgefährtin war? Damit sie, Melanie, Nora aus dieser retten und ihr Herz für sich gewinnen konnte? Sie schüttelte über sich selber den Kopf. Nein, sie hatte sich sicher nicht eingebildet, wie Noras Augen stumpf geworden waren.
    Außerdem wirkte sie ziemlich erschöpft. Leise seufzte die große Frau auf und ging zu einer Fotowand. Betrachtete die Aufnahmen und hob eine Augenbraue. Entgegen ihrer Erwartungen kannte sie Ronja.
    Wer kannte sie auch nicht, in der Szene? Wusste Nora wohl von Ronjas Nachtleben? Wobei diese ja nicht als sonderlich diskret galt. Vollkommen unverständlich für Melanie, wenn doch eine Frau wie Nora zu Hause wartete. Und warum ließ es sich Nora gefallen?
    Ihre Gedanken wurden unterbrochen, als Nora ins Zimmer zurückkehrte und ein etwas zittriges Lächeln zur Schau stellte.
    „Entschuldige bitte. Ich bin eine schlechte Gastgeberin. Darf ich dir vielleicht einen Kaffee anbieten?“
    Dieses Angebot überraschte Melanie ein wenig, hatte sie doch eher mit einem Rauswurf gerechnet.
    „Ja. Sehr gern. Erzählst du mir dann noch, was am Samstag war? Damit ich es nicht wieder machen kann?“
    Und sah dabei so treuherzig drein, dass sie das Funkeln in Noras Augen zurückkehren sah. Und auch eine leichte Röte schlich sich auf deren Wangen, was Melanie außerordentlich bezaubernd fand.
    „Ähm, ja …“
    Melanie bemerkte, dass Nora unsicher wurde und richtete ihren Blick in Richtung Garten.
    „Wollen wir im Garten den Kaffee trinken? Es duftet bereits so herrlich und das Wetter spielt auch mit.“
    Nora nickte zugleich und bereitete dann den Kaffee zu. Melanie half ihr schließlich das Zubehör in den Pavillon zu tragen.

    Die nächsten Stunden vergingen wie im Flug und sie plauderten wie alte Freundinnen, auch wenn Melanie spürte, dass Nora immer noch sehr zurückhaltend war.
    Aber langsam schien sie etwas aufzutauen und das freute Melanie umso mehr. „Ich würde gern noch länger bleiben, Nora. Allerdings beginnt meine Schicht im Café bald. Heute ist Leseabend. Möchtest du morgen vielleicht zum Frühstück vorbei kommen? Ich schulde dir immerhin noch eins.“
    „Ich weiß nicht Melanie. Ich muss schauen, ob Ronja morgen früh etwas machen will.“
    „Oh, ja klar ich verstehe. Was hälst du davon, wenn ich dir meine Nummer da lasse? Dann kannst du mich einfach anrufen und ich hole dich ab?“
    Kaum ausgesprochen, zückte sie auch schon ihren Geldbeutel und zog eine Visitenkarte heraus. „Hier, die ist vom Café. Auf der Rückseite steht meine Handynummer.“ Sie zwinkerte ihr kurz zu und erhob sich dann langsam. Sie wollte nicht gehen. Sie wollte noch bei Nora bleiben, aber die Pflicht rief.
    „Ja. Ich ruf dich nachher auf jeden Fall an, damit du meine Nummer hast.“
    Und wieder errötete Nora so süß, dass es in Melanies Bauch unruhig wurde. Sie sollte besser nicht vergessen, dass Nora vergeben war.
    Leider schwächte dies ihr Verlangen danach Nora zu küssen in keinster Weise ab.
    „Okay, dann freue ich mich auf deinen Anruf. Wir sehen uns.“
    Und diesmal war sie es, die Nora sitzen ließ. Noch eine Sekunde länger und sie hätte sonst ihre guten Vorsätze vergessen.

    Donnerstag, 1. Januar 2015 21:31
  • Ruth Gogoll

    Juli Permalink

    Ja, genau, das ist der richtige Geist. Zur Übung schreiben. Zur Übung die Perspektive wechseln. Sich einfühlen in die Figuren, indem man ganz in sie eintaucht.

    An einer Stelle fehlt jedoch etwas: „Die Stunden vergingen wie im Flug und sie plauderten wie alte Freundinnen.“ Dieses Plaudern muss ausformuliert werden, denn mit diesem Plaudern kommen sie sich näher. Genau deshalb habe ich Melanie in Ronjas Haus geschickt, damit hier ein längeres Gespräch zustandekommt, in dem es zwischen Nora und Melanie prickelt. Wo beide spüren, dass sie mehr voneinander wollen.

    Perspektivwechsel, das haben wir hier ja schon oft diskutiert, können durchaus stattfinden, aber möglichst nicht so nah hintereinander oder so oft in kurzem Wechsel, dass die Leserin verwirrt wird, nicht mehr weiß, in wessen Kopf sie sich jetzt gerade befindet.

    Am besten wechselt man die Perspektive nach einem Kapitel. Also ein Kapitel aus der einen Perspektive, das nächste aus der anderen.

    Man kann zur Übung auch ein Kapitel mehrmals schreiben, einmal aus der Perspektive der einen Figur, dann aus der Perspektive der anderen Figur. Eine der beiden Versionen muss man dann hinterher streichen.

    Man kann zwischendurch auch Kapitel schreiben, die mehr Hintergrundinformationen sind. Auch diese Kapitel streicht man zum Schluss wieder, aber man hat dann mehr Einblick in die ganze Geschichte, weil man es ja schon einmal hingeschrieben hat.

    Das erste Hinschreiben ist nur ein Rohentwurf. Danach beginnt die richtige Arbeit, die Überarbeitung. Somit kann man im ersten Rohentwurf alles Mögliche hinschreiben, die Perspektive wechseln usw., einfach um die Geschichte erst einmal im Groben zu haben.

    Bei der Überarbeitung dann entscheidet man, was man behält, was man streicht, was man umschreibt, was man neu schreibt, was noch fehlt.

    Julia Schöning braucht das nicht zu tun, weil sie nämlich plottet. :) Sie schreibt die ganze Geschichte erst einmal in kurzen Zusammenfassungen für jedes Kapitel auf. So ähnlich wie die Outline hier, nur viel ausführlicher. So weiß sie schon im Voraus, was in jedem Kapitel passiert.

    Das ist dann beim Schreiben ein großer Vorteil, aber es ist mehr Arbeit im Vorfeld. So sieht man dann schon beim Plotten, was funktioniert und was nicht, welche Perspektive in einem Kapitel richtig ist, kann den Spannungsbogen gestalten usw.

    Ich bin ja auch eher eine Bauchschreiberin, deshalb mache ich das normalerweise nicht, aber ich bewundere Julia Schöning immer dafür, dass sie das kann.

    Freitag, 2. Januar 2015 6:19
  • Ich tendiere ja ganz stark zu einer Editierfunktion ;)

    Ich habe die Szene ein wenig ausformuliert/abgeändert. Irgendwie war mir da gerade danach um ein wenig Verwirrung im Leben der Beiden zu stiften.

    Wie ist das eigentlich, wenn man generell mit Perspektivwechseln schreibt? Sollte dieser Wechsel, dann jedes Kapitel stattfinden oder kann man auch mal 2 Kapitel A und 3 Kapitel B schreiben? Ich habe bestimmt schon oft solche Bücher gelesen, aber (ich gestehe :D) nie darauf geachtet. (Was sind die Geschichten auch immer so fesselnd? hihi)
    Wie wird denn allgemein mit Musiktexten umgegangen? Wenn ich die stellenweise würde zitieren wollen?

    Ansonsten kann ich nur sagen...Hut ab vorm Plotten :O
    ~~~
    Melanie konnte sehen, wie das Leuchten in Noras Augen erstarb, als diese auf den Display sah. „Entschuldige mich einen Moment,“ bat Nora sie und Melanie nickte leicht. Die Sorge in ihrem Blick trat dabei deutlich hervor.
    Sie hatte nicht wirklich gewusst, was sie erwarten würde, wenn sie Nora ein weiteres mal aufsuchte. Und diesmal hatte sie ja auch keine Handtasche vorschieben können. Stattdessen war sie förmlich mit der Tür ins Haus gefallen, da ihr das Frühstück nicht mehr aus dem Kopf gegangen war.
    Jetzt aber nutzte sie Noras Abwesenheit, um sich ein wenig umzusehen. Sie fragte sich, wessen Geschmack die Inneneinrichtung des Wohnzimmers widerspiegelte, konnte sich aber zugleich nicht vorstellen, dass die geraden Linien und eher kühlen Farben dem von Nora entsprachen. Sie wirkte nicht wie eine Frau, die Designermöbel mochte. Also war es sicher eher Ronjas Geschmack.
    Wenn Melanie allerdings genauer hinsah, entdeckte sie kleine, beinahe untergehende Elemente die auf Nora hinwiesen. Das Blumenarrangement auf dem Tisch, hier und da ein Farbtupfer, der das vorherrschende Chrom ergänzte. Melanie würde wetten, dass in der Keksdose, die sie im Regal entdeckte, garantiert selbstgebackene Kekse waren.
    Aber alles in Allem, war das Chrom dominierend, und sie fragte sich, ob diese Inneneinrichtung nicht auch die Beziehung von Ronja und Nora zeigte.
    Oder war es einfach Wunschdenken, dass Nora unglücklich mit ihrer Lebensgefährtin war? Damit sie, Melanie, Nora aus dieser retten und ihr Herz für sich gewinnen konnte? Sie schüttelte über sich selber den Kopf. Nein, sie hatte sich sicher nicht eingebildet, wie Noras Augen stumpf geworden waren.
    Außerdem wirkte sie ziemlich erschöpft. Leise seufzte die große Frau auf und ging zu einer Fotowand. Betrachtete die Aufnahmen und hob eine Augenbraue. Entgegen ihrer Erwartungen kannte sie Ronja.
    Wer kannte sie auch nicht, in der Szene? Wusste Nora wohl von Ronjas Nachtleben? Wobei diese ja nicht als sonderlich diskret galt. Vollkommen unverständlich für Melanie, wenn doch eine Frau wie Nora zu Hause wartete.
    Ihre Gedanken wurden unterbrochen, als Nora ins Zimmer zurückkehrte und ein etwas zittriges Lächeln zur Schau stellte.
    „Entschuldige bitte. Ich bin eine schlechte Gastgeberin. Darf ich dir vielleicht einen Kaffee anbieten?“
    Dieses Angebot überraschte Melanie ein wenig, hatte sie doch eher mit einem Rauswurf gerechnet.
    „Ja. Sehr gern. Erzählst du mir dann noch was am Samstag war? Damit ich es nicht wieder machen kann?“
    Und sah dabei so treuherzig drein, dass sie das Funkeln in Noras Augen zurückkehren sah. Und auch eine leichte Röte schlich sich auf deren Wangen, was Melanie außerordentlich bezaubernd fand.
    „Ähm, ja …“
    Melanie bemerkte, dass Nora unsicher wurde und richtete ihren Blick in Richtung Garten.
    „Wollen wir im Garten den Kaffee trinken? Es duftet bereits so herrlich und das Wetter spielt auch mit.“
    Nora nickte zugleich und bereitete dann den Kaffee zu. Melanie half ihr schließlich das Zubehör in den Pavillon zu tragen.
    Nachdem sie Platz genommen hatten, musterte Melanie Nora eine Weile. Hier in dieser Umgebung, schien die lockerer und entspannter zu sein. Zumindest gewann sie selber diesen Eindruck.
    „Milch und Zucker?“
    „Nur Milch bitte,“ erwiderte sie auf die Frage und lächelte Nora einen Moment zu. Nahm dann die Tasse entgegen, die Nora ihr reichte und nippte zugleich daran. Dieses Kribbeln in ihrem Magen, sorgte für eine seltsame Befangenheit, die ihr fremd war.
    Aber auch Nora schien nicht zu wissen, wie sie das Gespräch beginnen sollte. Zugleich empfand sie das Schweigen aber auch nicht als unangenehm.
    „Pflanzt du eigentlich nur Blumen an oder auch Gemüse und Kräuter?“, durchbrach Melanie das Schweigen doch noch und sah sich wieder im Garten um. Der Garten war immerhin ein recht unverfängliches Thema und erleichtert stellte sie fest, dass sie das richtige Thema gewählt hatte.
    „Bisher sind es nur Blumen. Ich liebe es einfach zuzusehen wie sie erblühen, wie sie riechen. Aber ich habe mir Bücher bestellt, um mich auch Gemüse widmen zu können. Es muss toll sein, essen zu können, was ich selber gepflanzt habe. Zudem koche ich ja auch immer. Das wird nochmal ganz anders werden, wenn ich mein eigenes Gemüse brutzeln kann.“
    Es war richtig niedlich zu beobachten, wie Noras Augen glänzten und ihre ganze Körperhaltung offen und aufgeregt wirkte. Das sie diesen Garten liebte war nicht zu übersehen.
    ~Tja, da kannst du nicht mithalten.~ Sie brachte das Teufelchen auf ihrer Schulter direkt zum Verstummen, um weiterhin Noras Ausführungen zu lauschen. Gestikulierte sie doch recht lebhaft, wenn sie in die Richtungen zeigte in denen sie verschiedene Anpflanzungen plante. Schließlich aber versiegte Noras Redefluß und ihre Wangen waren vor Aufregung gerötet.
    „Wow, na da hast du dir ja wirklich noch einiges vorgenommen. Ich finde das super. Aber so wie du das alles planst, klingt es ja so, als willst du den Supermarkt beliefern.“
    Anscheinend, hätte sie das nicht sagen sollen, denn Noras Gesichtsausdruck verschloss sich wieder und ihr Blick ging schüchtern auf ihre Hände hinab.
    „Ich habe eben sehr viel Zeit.“ Es klang nicht nach einer Rechtfertigung. So traurig, wie die Worte Noras Lippen verließen, wollte Melanie am Liebsten sofort in den Arm schließen. Es war nicht zu übersehen, wie einsam Nora eigentlich war. Diese verdammte Ronja …
    „Entschuldige Nora, ich wollte dich mit der Aussage nicht kränken. Deine Pläne sind wirklich toll. Du steckst wirklich eine Menge Arbeit in das was du liebst, hm?“ Und damit meinte Melanie nicht nur den Garten. Alles was sie bisher vom Haus gesehen hatte wirkte sauber und gepflegt und sie bezweifelte stark, dass Ronja auch nur einen Finger krümmte. Also blieb es an Nora hängen.
    Ohne darüber nachzudenken, hob sie die Hand und streichelte der Kleineren über die Wange. Wie samtweich ihre Haut war. Für einen Moment wirkte es, als ob sich Nora an ihre Finger schmiegen würde.
    „Ja, das tue ich,“ antwortete Nora schließlich leise und drehte den Kopf zu Melanie. Ihre Augen verfingen sich ineinander. Keine wollte den Blick lösen und gerade, als Melanie sich leicht nach vorn neigte durchbrach ein Handyklingeln den Moment.
    „Das ist meins,“ entschuldigte sich Melanie leise und löste sich von Nora um den Anruf entgegen zu nehmen.
    „Ja ist gut, ich kümmere mich drum. Ja, ich denke dran. Bis nachher.“ Sie grinste schief und sah wieder zu Nora.
    „Sybille. Sie hat mich daran erinnert, dass ich noch einkaufen gehen muss. Wir haben heute Leseabend und da bieten wir immer besondere Häppchen an. Geheimrezept sozusagen und nur für besondere Anlässe.“
    Sie verzog das Gesicht zur Grimasse und wurde dafür mit Noras Lachen belohnt.
    „Dein Klingelton, dass war doch Ina Müller oder?“
    Melanie nickte zugleich.
    „Ja, meine absolute Lieblingssängerin. Leider nicht lesbisch, aber immerhin zur Ehrenlesbe gekürt. Ich habe sie mal bei einem Konzert live gesehen. Sie hat wirklich eine wahnsinnige Bühnenpräsenz. Aber mein Traum wäre es, sie mal live in Hamburg, quasi ihrem Wohnzimmer, zu sehen.“
    Dieser eine, besondere Moment war verflogen, geblieben war nur ein sehnsüchtiges Kribbeln auf ihren Lippen, während sie sich über die verschiedenen Musikstile unterhielten. Wie Melanie erfuhr, war Nora keiner besonderen Richtung zugeneigt. Sie hörte einfach gern, was gefiel.
    „Vor allem bei der Gartenarbeit, höre ich gerne Musik. Dann ist es beinahe, wie in einer anderen Welt.“ Ein Seufzen entwich Noras Lippen und Melanie lachte leise.
    „Ich höre Musik am Liebsten bei der Hausarbeit, dann geht alles viel schneller von der Hand. Und natürlich beim Sport. Joggen ohne Musik, geht bei mir gar nicht.“
    Noras Blick über ihren Körper, entging Melanie nicht und sie schluckte hart. Wenn Nora sie so ansah, würde sie bald für nichts mehr garantieren können. Oder bildete sie sich die Bewunderung nur ein? Nora brachte sie vollkommen durcheinander und das konnte einfach nicht gut gehen.
    Da Nora keine Anstalten machte den Blick von ihr zu lösen, räusperte sich Melanie leise und konnte sehen, wie ihre Gegenüber ertappt zusammenzuckte.
    Bevor diese allerdings etwas sagen konnte, durchbrach erneut ein Handyklingeln die Stille.
    Nora entschuldigte sich diesmal und ging aus dem Pavillon hinaus um den Videoanruf entgegen zu nehmen. Es war unmöglich nicht hinzuhören und sie ballte die Hände zu Fäusten, als sie Ronja so respektlos mit Nora reden hörte. Warum wehrte sich Nora denn nicht? Warum ließ sie sich das alles nur gefallen? Fragte sogar noch nach, ob Ronja es zum Abendessen schaffen würde.
    Sie schüttelte leicht den Kopf, das ging sie immerhin alles nichts an. Aber sie verstand dieses Verhalten einfach nicht. Eine Frau wie Nora musste doch verwöhnt werden, die Welt, nein das Universum müsste sie ihr zu Füßen legen, anstatt immer noch verbal nachzutreten und sich so zu verhalten. Immer weiter, steigerte sie sich in diese Gedanken hinein, bis sie Noras leises: „Ich liebe dich“, hörte und kurz darauf das Geräusch, das anzeigte, dass Ronja einfach aufgelegt hatte.
    Was würde sie dafür geben, diese Worte aus Noras Mund zu hören. Nicht so leise und verzweifelt auf Antwort hoffend, wie Nora sie zu Ronja gesagt hatte. Viel mehr voller Leidenschaft, mit glitzernden Augen und roten Wangen, erhitzten Körpern und einem schnell schlagenden Herzen. Sie schüttelte den Kopf um diesen Gedanken Einhalt zu gebieten und erhob sich, als Nora wieder zu ihr kam.
    „Komm her.“ Sie breitete die Arme aus und Nora fiel förmlich in sie hinein. Melanie legte ihre Arme um den zierlichen Körper und sagte nichts. Spendete Nora einfach nur den Trost, den diese gerade dringend benötigte.
    ~Womit hat diese Frau nur deine Liebe verdient?~ Gedanken, die nicht laut ausgesprochen wurden. Stattdessen nahm sie den lieblichen Geruch von Nora war. Sie neigte den Kopf und roch an ihren Haaren. Lächelte dann seicht. Der Geruch erinnerte sie an diesen Garten. Blumig, lebendig und frisch wie der Frühling.
    Viel zu schnell, spürte sie wie Nora sich ein wenig von ihr löste.
    „Entschuldige bitte,“ flüsterte diese leise und hob den Blick in Melanies Gesicht. Da diese den Kopf noch immer geneigt hatte, waren sich ihre Gesichter so nah wie nie zuvor. Das Kribbeln in ihrem Inneren kehrte mit aller Macht zurück. Bevor sie aber eine Entscheidung, bezüglich ihres weiteren Tuns, treffen konnte, spürte sie weiche Lippen auf den Ihrigen.
    Nora ließ ihr auch jetzt keine Chance eine Entscheidung zu treffen, denn kaum das sie den Kuss realisiert hatte, war Nora auch schon von ihr gewichen.
    „Oh Gott, es tut mir so leid!“
    Melanie blinzelte verdutzt und suchte nach Worten. Wollte die aufgelöste Nora beruhigen. Ihre Lippen öffneten sich auch, ein Laut entwich ihnen aber nicht. Überhaupt, war ihr Kopf wie leergefegt und nur langsam, ganz langsam, formte sich ein Wort in dieser Leere. Mehr, sie wollte mehr davon. Würde Sybille sie so sehen, sie würde Tränen lachen. Die immer souveräne, umsichtige, nie um eine Antwort verlegene Melanie war sprachlos.
    Erst Noras hastiges Zusammenräumen der Kaffeetassen und Zubehör, ließ sie wieder zur Besinnung kommen.
    „Beruhige dich Nora. Es ist nichts passiert. Ein Kuss unter Freundinnen, du brauchst dir keine Gedanken deswegen machen.“ Glaubte sie eigentlich selber, was sie da sagte? Hatte dieser kurze, geradezu verzweifelte Kuss, nicht viel eher das Verlangen geweckt Nora zu lieben, bis der letzte Rest Verzweiflung aus ihr verschwunden war?
    „Bitte geh Melanie. Ich … es … ich.“
    Bevor Nora sich weiter verhaspelte, lächelte Melanie schwach.
    „Alles gut Nora. Ich lasse dir meine Handynummer da ja? Falls du reden möchtest, oder einfach nur einen Café trinken magst. Du kannst mich jederzeit anrufen.“ Und sah ihr bei diesen Worten tief in die Augen, damit Nora realisierte, dass es ihr ernst damit war. Sie zogen ihren Geldbeutel hervor und entnahm diesem eine Visitenkarte.
    „Hier, die ist vom Café. Auf der Rückseite steht meine Handynummer. Und vergiss nicht, ich schulde dir noch ein Frühstück. Du bist jederzeit willkommen,“ versuchte sie die Situation ein wenig aufzulockern. Nora nahm nur die Karte entgegen und nickte schwach.
    „Danke“, hauchte sie und Melanie streichelte ihr kurz über den Kopf.
    „Dann freue ich mich auf deinen Anruf. Bis bald.“
    Sie wollte nicht wirklich gehen, aber wenn sie jetzt blieb, würde sie eine Dummheit begehen. Das wusste sie ganz sicher. Sie hoffte nur, dass Nora bald anrufen würde. Ansonsten würde sie aber gewiss einen Vorwand finden, Nora erneut aufzusuchen.
    Ein letztes Mal suchte sie ihren Blick, lächelte aufmunternd und ging dann schweren Herzens.

    Samstag, 3. Januar 2015 16:14
  • Ruth Gogoll

    Juli Permalink

    Es gibt keine Regel für Perspektivwechsel. Grundsätzlich ist es am besten, die Perspektive gar nicht zu wechseln als Anfängerin. Weil die meisten Anfänger es nicht richtig hinkriegen, sondern dann die Perspektive wechseln, wenn ihr handwerkliches Geschick nicht ausreicht, um in derselben Perspektive weiterzuschreiben. Es ist einfacher, die Perspektive zu wechseln als zu versuchen, die Szene ohne Perspektivwechsel zu gestalten. Wenn man das Handwerk beherrscht, ist es wieder etwas anderes. Dann ist es ein Stilmittel, die Perspektive zu wechseln, weil man bewusst entscheiden kann, die Szene auch ohne Perspektivwechsel gut zu schreiben.

    Musiktitel sind durch das Copyright ebenso geschützt wie Bücher. Das heißt, man darf nur aus ihnen zitieren, wenn man den Rechteinhaber gefragt hat und eine schriftliche Erlaubnis dafür hat. Wenn es bekannte Musiktitel sind, kann das sehr teuer werden, denn dann wollen die Rechteinhaber eine Menge Geld für eine solche Erlaubnis.

    Die Szene hat sich jetzt sehr gut entwickelt. Aber ein bisschen auf den Spannungsbogen achten. Nicht zu viele Banalitäten in den Dialog packen, sondern mehr Reaktionen, bedeutungsvolle Bemerkungen usw. Nicht nur, das wird dann auch zu viel für die Leserin, aber immer abwechselnd mit den Banalitäten über Blumen und Gemüse.

    Und jetzt sind wir glaube ich alle gespannt, wie die Geschichte weitergeht. ;)

    Samstag, 3. Januar 2015 18:33
  • So, jetzt war es ein wenig ruhig um mich geworden. Immer dieser böse Streß. Aber dafür fliege ich jetzt spontan in den Urlaub :D
    Es wird also mindestens eine Woche nichts neues von mir geben und mit dem Kopf bin ich schon sonst wo (wohin es geht weiß ich noch nicht :D )

    Ich selber bin wohl am Meisten gespannt, wie diese Geschichte weitergeht.
    Um Melanie aber vielleicht noch ein wenig Tiefe zu geben und einen Spannungsbogen/einen Konflikt zu kreieren hier noch eine kurze Abschlußszene.

    ~~~
    Nachdem Melanie die Einkäufe erledigt hatte, war sie ins Café zurückgekehrt. Dass ihre Gedanken aber ganz woanders waren, war schwer zu übersehen.
    „Erde an Melanie. Ein Königreich für deine Gedanken.“ Verblüfft sah die Angesprochene zu Sybille, die mit einem breiten Grinsen vor ihr stand.
    „Hm? Was? Oh, nichts. Wirklich.“ Sie ahnte schon, dass Sybille sie nicht so leicht vom Haken lassen würde. Und wie gut sie ihre beste Freundin kannte, zeigte sich Sekunden später.
    „Ja. Es ist nichts und deswegen sitzt du hier herum, anstatt mit bei den Vorbereitungen zu helfen und hast einen Gesichtsausdruck, schwankend zwischen Verzweiflung, Wut und Träumen sein. Hat das etwa was mit der Kleinen zu tun, die zum Frühstück hier war?“
    Neugierige Augen suchten Melanies und diese seufzte ergeben auf. Sie würde es ja doch nicht geheim halten können.
    „Ja, du hast recht. Es geht um Nora, so heißt sie. Und sie ist die Lebensgefährtin von Ronja.“
    „RONJA? Etwa DER Ronja?“
    „Ja ganz genau, DIE Ronja, die alles vögelt, was nicht bei drei auf den Bäumen ist.“ Melanies Miene zeigte deutlich, was sie von dieser Frau hielt und auch Sybille sah bestürzt drein.
    „Oh Himmel, ich brauche einen Kaffee,“ brachte Sybille nur hervor und ging zugleich an der Maschine hantieren.
    Melanie musterte ihre Freundin und unterdrückte nur ein weiteres Seufzen. Wusste sie doch, dass Melanie lange Zeit in Ronja verliebt gewesen war. Zum Glück ist diese Zeit lange vorbei, denn Sybille hatte damals schnell gemerkt, was für ein Flittchen diese Frau war.
    Warum nur konnte Nora das nicht auch merken? Gern wäre sie bereit sie zu trösten und ihr über den Kummer hinweg zu helfen.
    „Hier, du siehst aus, als könntest du auch einen vertragen.“ Und bevor sie protestieren konnte, stand auch schon die Tasse vor ihr.
    „Was willst du jetzt machen Melanie?“
    Anstatt einer Antwort starrte diese nur in die braune Flüssigkeit und zuckte mit den Schultern.
    „Du weißt, dass ich mich nicht in bestehende Beziehungen einmische. Auch wenn ich einfach nicht glauben kann, dass sie wirklich glücklich ist.“
    „Ja, aber du weißt, was passiert, wenn du dich einmischst. Willst du das wirklich noch einmal durchmachen?“
    „Nein. Das eine Mal hat mir gereicht. Aber genug jetzt, ich werde die Häppchen zubereiten. Es nutzt ja doch nichts Trübsal zu blasen und die Damen erwarten ja immerhin auch etwas.“
    Damit war das Thema für Melanie erst einmal beendet und beide machten sich an die Vorbereitungen für den Leseabend.

    Freitag, 9. Januar 2015 3:06
  • Ruth Gogoll

    Juli Permalink

    Mehr, mehr! :) Jetzt wird es richtig interessant! Die Figuren werden miteinander verwoben, die beste Freundin von Melanie als ehemalige Geliebte von Ronja ... Spannend!

    Freitag, 9. Januar 2015 7:38
  • ... Melanie war mal in Ronja verliebt..., lese ich aus dem Text. Kann sein, dass mir über die Feiertage etwas entgangen ist... wenn ja, Sorry;)
    Ronja ist (noch) mit Nora zusammen.
    Sibylle ist eine Freundin von Melanie.
    War Sibylle mal mit Ronja zusammen? (Das wäre mir dann also eventuell entgangen);)
    Aber rein die Konstellation, dass selbst Ronja mal in diese etwas spezielle Nora (um es nett auszudrücken) verliebt gewesen wäre, macht es spannend.
    Wie auch immer: Vielversprechend:) So oder so;)

    Freitag, 9. Januar 2015 12:11
  • Barbara

    Barbara Permalink

    Oje! Bin ich d....
    Natürlich ist Ronja die etwas Spezielle. Sorry fürs Chaos;)
    Ist wohl der Sturm draussen, der auch in meinem Kopf tobt.
    Ein schönes Wochenende:)

    Freitag, 9. Januar 2015 17:50
  • Korrektur:

    \"Wusste sie doch, dass Melanie lange Zeit in Ronja verliebt gewesen war. Zum Glück ist diese Zeit lange vorbei, denn Sybille hatte damals schnell gemerkt, was für ein Flittchen diese Frau war.\"

    Hier hat sich ein Fehler eingeschlichen.
    Sybille war vor langer Zeit in Ronja verliebt^^

    Und ja.
    Ronja ist noch mit Nora zusammen
    Melanie und Sybille sind beste Freundinnen
    Es wird im letzten Abschnitt angedeutet, dass Sybille mal was mit Ronja hatte oder haben wollte.^^

    Und ums vorweg zu nehmen. Ronja war nie wirklich verliebt, im Gegensatz zu Nora :D (oder wurden jetzt nur die Namen verwechselt?^^)

    Das solls aber auch von mir erstmal gewesen sein.
    Ab morgen startet mein Urlaub. Bin dann quasi bis 17.1. erstmal ohne Internet.

    Freitag, 9. Januar 2015 17:50
  • Ruth Gogoll

    Juli Permalink

    Hatte ich es doch richtig verstanden, dass es Sybille war, nicht Melanie. Irgendwie wäre es jetzt auch unlogisch gewesen, wenn Melanie in Ronja verliebt gewesen wäre. Aber als Autorin kann man das ja machen, wie man will. Auch mit Melanie könnte man daraus eine Geschichte machen.

    Allerdings ist es ein Widerspruch, wenn Sybille im ersten Teil des Satzes „lange Zeit in Ronja verliebt“ gewesen sein soll, dann im zweiten Teil des Satzes aber „schnell gemerkt“ hat, was Ronja treibt. Entweder sie war lange Zeit verliebt oder sie hat es schnell gemerkt. Beides zusammen geht nicht. Aber das ist nur ein Detail.

    Da Sybille Ronja näher kennt (weshalb es gar nicht so schlecht wäre, wenn sie längere Zeit mit Ronja zusammen gewesen wäre), kann sie sich mit Melanie darüber unterhalten, wie man Nora helfen könnte. Weil Sybille ja schon mal in Noras Situation war und etwas über Ronjas Charme aussagen kann, der sie dazu gebracht hat, sich in Ronja zu verlieben. Der ist ja für Außenstehende – und ganz sicher für Melanie – nicht so leicht zu erkennen. Man fragt sich, warum Nora mit Ronja zusammen ist, und auch, warum Sybille sich überhaupt in Ronja verlieben konnte. Also müsste jetzt eine Szene kommen, in der Sybille Melanie erklärt, wie es kommen kann, dass sich so viele Frauen in Ronja verlieben. Was ist das Spezielle an Ronja, dem all diese Frauen zum Opfer fallen?

    Freitag, 9. Januar 2015 19:23
  • Verwirrung tritt doch ein :D

    Also ja, es war Sybille die in Ronja verliebt war.
    Und sie kann doch lange in sie verliebt gewesen sein, aber als sie dann was mit ihr hatte schnell festgestellt haben, dass die rosarote Brille schmutzig ist. Oder?

    Und ich werde am Strand drüber nachdenken ;-)

    Freitag, 9. Januar 2015 20:15
Load More

Übungen

  • 5 Wörter – Teil 1 +

    Wie fange ich eigentlich an zu schreiben? Was muß ich beachten? Das sind so die zentralen Fragen, die man sich Weiterlesen
  • 5 Wörter – Teil 2 +

    So, hier sind sie, die nächsten fünf Wörter, aus denen Sie die Story Ihres Lebens machen können. Weiterlesen
  • 5 Wörter – Teil 3 +

    Es ist wieder einmal Samstag, und das bedeutet neue Schreibübungen für diejenigen, die an ihrem Stil feilen wollen.Hier die Wörter Weiterlesen
  • 5 Wörter – Teil 4 +

    Neue Wörter für die Schreibinteressierten:Baum, Mauer, Blumenvase, Kaffeemaschine, Rolltreppe Ich bin schon gespannt auf die Geschichten. Weiterlesen
  • 5 Wörter – Teil 5 +

    Da die ausgewählten Wörter anscheinend so anregend sind und so schöne Schreibübungen hervorgebracht haben, freue ich mich, die nächsten fünf Weiterlesen
  • Die 250-Wörter-Challenge +

    Jeden Tag 250 Wörter, dann hat man Ende des Jahres einen Roman. Diese Idee von Catherine Fox greife ich hier Weiterlesen
  • Die 48-Minuten-Herausforderung +

    Es gibt immer wieder neue Methoden, die beim Schreiben helfen sollen. Eine davon ist der Vorschlag, in Abschnitten von exakt Weiterlesen
  • Die verfluchte erste Zeile! – Teil 1 +

    Ich weiß ja schon, worüber ich schreiben will. Ich weiß es ganz genau. Aber die erste Zeile, die fällt mir Weiterlesen
  • Die verfluchte erste Zeile! – Teil 2 +

    Und schon geht es weiter. Eine neue erste Zeile für den nächsten Roman oder die nächste Kurzgeschichte aus Ihrer Feder. Weiterlesen
  • Die verfluchte erste Zeile! – Teil 3 +

    Hier ist die dritte erste Zeile:Ich werde einen langen Brief an Mutter schreiben und ihr erzählen, was geschehen ist.Da wird Weiterlesen
  • Die verfluchte erste Zeile! – Teil 4 +

    Die vierte erste Zeile: In der Hitze dieser Nacht hätte alles geschehen können.   Weiterlesen
  • Die verfluchte erste Zeile! – Teil 5 +

    Die fünfte erste Zeile: Als ich sie sah, wusste ich, dass dieser Sommer entweder wundervoll oder furchtbar werden würde. Weiterlesen
  • Drabble – Eine Geschichte in 100 Wörtern +

    Kann man eine Geschichte in 100 Wörtern erzählen? 100 Wörter sind extrem wenig, und die Geschichte sollte Anfang, Mitte und Weiterlesen
  • Lass die Geschichte von der App schreiben +

    Ganz so einfach, wie der Titel sagt, ist es nicht, aber Richard Norden hat auf seinem Blog eine App vorgestellt, Weiterlesen
  • Schriftstellertraining, 1. Übung +

    Eines der schwierigsten Dinge beim Schreiben ist das Anfangen. Wie fange ich an? Womit? Wann schreibt es sich am besten? Weiterlesen
  • Schriftstellertraining, 2. Übung +

    Schreiben ist in erster Linie Handwerk. Damit verkünde ich nichts Neues, das habe ich selbst schon Dutzende Male gesagt, und Weiterlesen
  • Schriftstellertraining, 3. Übung +

    Gefühle. Gefühle zu beschreiben ist eine ganz spezielle Kunst. Die beiden ersten Übungen bezogen sich mehr auf Äußerlichkeiten, jedesmal wurde Weiterlesen
  • Schriftstellertraining, 4. Übung +

    Heute einmal keine einzelnen Wörter und kein erster Satz, sondern die Vorgabe für eine kleine Geschichte. Zwei Frauen treffen sich Weiterlesen
  • Virtuelle Romanwerkstatt +

    Gerade stolperte ich über eine ganz interessante Idee, die aber leider schon wieder eingestellt wurde: eine virtuelle Romanwerkstatt, bei der Weiterlesen
  • Wer findet hierzu eine Geschichte (1)? +

    Da wir gerade so gut im Schwange sind, gibt es für diejenigen, die immer noch nicht genug haben ;), eine neue Weiterlesen
  • 1
  • 2

Weitere Artikel

  • 1
  • 2
  • 3

Suche