Schriftstellertraining, 1. Übung

Eines der schwierigsten Dinge beim Schreiben ist das Anfangen. Wie fange ich an? Womit? Wann schreibt es sich am besten? Und über welches Thema? Mit all diesen Fragen und noch mehr machen wir uns meistens schon vor Beginn des Schreibens verrückt.

Vielleicht ist das Thema aber auch gar nicht so wichtig. Am wichtigsten sind eigentlich Personen. Also suchen wir uns doch einfach eine Person aus, zu der uns etwas einfällt. Diese Person konfrontieren wir mit einem Konflikt – und schon ist etwas da, worüber wir schreiben können.

Außerdem sollten wir uns auf die nötigsten Zutaten beschränken, keine großen Verwicklungen, keine Ortswechsel. Stellen wir uns eine Art Theaterstück vor. Alles muss sich auf einer kleinen Bühne abspielen, die SchauspielerInnen können diese Bühne nicht verlassen, sie müssen das Problem an diesem Ort klären. Auch kann sich die Geschichte nicht über Tage oder Wochen hinziehen, ein Theaterstück dauert eine Stunde oder meinetwegen zwei, aber dann wollen die Leute nach Hause.

So, nach dieser Vorrede geht es ans Eingemachte. Die Person kann beliebig sein, aber wem nichts einfällt, dem schlage ich folgendes vor:

Sarah ist in Urlaub gefahren, und zwar nach Afrika. Auf einer Safari verliert sie ihre Gruppe und steht mitten im Busch plötzlich einem beeindruckend großen Löwen gegenüber. Der Löwe reißt das Maul auf, brüllt und kommt immer näher ...

Wie kommt Sarah aus dieser Situation wieder heraus? Und das auf höchstens zwei DIN-A4-Seiten?

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  • Barbara

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    Liebe Frau Gogoll
    Darf ich Sie etwas fragen, damit sich für mich endlich einmal eine Verständnisfrage klärt?
    Ich gehe davon aus, dass in dieser Übung die missliche Situation von Sarah mit dem brüllenden Löwen der sogenannte
    'Konflikt' war. Ist das richtig oder irre ich schon wieder?;)
    Wenn eine Figur einen ersten 'Konflikt' hat: Der muss ja nicht zwingend zwischenmenschlicher Natur sein, oder? Es könnte z. B. ein verpasster Flug sein? oder die Figur hat sich in der Pampa verirrt und bekommt Hilfe oder eine Autopanne? Die Figur muss irgendwie ein Problem lösen. Ist das der 'Konflikt'?
    Dann kommen die zwei Figuren in Kontakt... nett oder weniger nett... irgendetwas passiert zwischen ihnen und früher oder später, eher früher - wenn sie sich wieder treffen - kommen gravierende, tiefenpsychologische Konflikte und Probleme dazu, welche sie lösen.
    Und bevor Sie mir wieder schreiben, dass ich alles nachlesen kann;) Das habe ich gemacht und ich lese es immer und immer wieder durch... und auch morgen und übermorgen werde ich das tun. Normalerweise bin ich nicht so schwer von Begriff, aber diesbezüglich muss bei mir jetzt einfach mal der Groschen fallen und zwar richtig;)...
    Und noch eine Frage: Wenn zu Beginn zwei Frauen aufeinander treffen, anlässlich des 'Konflikts': Müssen das unbedingt die zwei Frauen sein, die dann ein Liebespaar werden? Können die nicht auch auf 'kurzen' Umwegen zueinander finden?
    Anhand Ihrer bisherigen Rückmeldungen gehe ich nämlich davon aus, dass Sie in meinen Anfängen nie ein wirkliches Entwicklungspotenzial sehen konnten... Aber was, wenn gar nicht die zwei Frauen zusammen kommen sollten oder schlussendlich zusammen kommen?
    Es wäre für mich sehr hilfreich, wenn Sie darauf noch kurz eingehen könnten, bevor ich wieder den grössten Mist abliefere... Ich bin wirklich bestrebt, mich weiter zu entwickeln, aber wenn sich mir solche, für mich grundsätzliche Fragen in den Weg stellen, wird es für mich nicht einfacher.
    Also: Es wäre unglaublich nett, wenn Sie, wann immer es Ihnen passt... und bitte nicht stressen wegen mir... darauf zum wahrscheinlich hunderttausendsten Mal extra eingehen könnten.
    Mit liebem Dank;)
    Barbara

    Mittwoch, 11. Juni 2014 18:01
  • Ruth Gogoll

    Barbara Permalink

    Das ist ein durchaus gängiges Missverständnis, weil wir im täglichen Leben das Wort „Konflikt“ sehr generalisiert verwenden. Hier geht es aber um den Konflikt, der die Spannungsgrundlage für eine Geschichte bildet.

    Die Situation mit dem Löwen ist generalisiert betrachtet ein Konflikt, aber aus literarischer Sicht ist es keiner, sondern allerhöchstens ein Aufhänger für die Geschichte. Könnte man aus diesem „Konflikt“ mit dem Löwen beispielsweise eine ganze Geschichte spinnen? Eher nicht. Die Situation entsteht und ist dann innerhalb kürzester Zeit auf die eine oder andere Art gelöst. Entweder der Löwe hat Sarah gefressen oder nicht. Dieser Konflikt ist also nicht gerade tragfähig.

    Dasselbe gilt für Dinge wie Flugzeug verpassen oder eine Autopanne. Das sind unangenehme Situationen, aber keine Konflikte.

    In einer Kurzgeschichte gibt es einen einzigen Konflikt, also auf keinen Fall einen ersten Konflikt und dann einen zweiten oder dritten. Es gibt genau einen. Und der muss die Geschichte tragen. Es gibt nur Entwicklungspotential, wenn es einen tragfähigen Konflikt gibt. Alle Situationen, die sich relativ schnell auflösen lassen (z.B. indem man das nächste Flugzeug nimmt), sind keine tragfähigen Konflikte.

    In einem Roman gibt es einen Kernkonflikt, zu dem vielleicht noch ein zweiter Konflikt hinzukommen kann, aber sehr viel mehr auch nicht. Der Kernkonflikt zieht sich von Anfang bis Ende durch die Geschichte und muss auf jeden Fall gelöst werden. Dieser Konflikt kann in einem Liebesroman nur ein emotionaler Konflikt sein, also auf keinen Fall ein äußerlicher Konflikt wie sich irgendwo in der Pampa zu verirren.

    „Emotionale Spannung ist die Triebkraft jedes Liebesromans“, sagt Leslie Wainger in ihrem großartigen Ratgeber Writing a Romance Novel for Dummies, für mich immer noch das beste Buch seiner Art. „Sie müssen emotionale Spannung zwischen den beiden Liebesleuten erschaffen, die aus ihnen selbst heraus kommt, aus dem, was sie sind, und sie das ganze Buch über voneinander fernhalten kann.“

    Ein klassischer Konflikt dieser Art ist beispielsweise: Eine von beiden ist reich, die andere arm. Die Reiche denkt also, die Arme will nur ihr Geld. Sie glaubt nicht, dass sie sie liebt. Der ganze Roman dreht sich demzufolge darum, dass die Arme – die die reiche Frau natürlich tatsächlich liebt und der ihr Geld egal ist – die Reiche davon überzeugen muss, dass Geld ihr nichts bedeutet, dass es allein um Liebe geht.

    Wenn man anfängt zu schreiben, sollte man sich auf den Kern der Geschichte konzentrieren, das heißt, auf das Liebespaar, und nicht noch tausend Nebenfiguren. Solche komplexen Geschichten kann man sich dann vornehmen, wenn man das Handwerk des Schreibens beherrscht, aber am Anfang sollte man die Geschichte so einfach wie möglich halten. Zwei Leute, ein Konflikt, ein Ort, eine Zeit.

    Ich glaube, ich sollte die Schreibwerkstatt doch mal als Buch herausbringen, denn alles, was ich jetzt gesagt habe, steht da schon drin. Aber offenbar ist es nicht so leicht zu finden.

    Mittwoch, 11. Juni 2014 19:55
  • Herzlichen Dank für Ihre Ausführungen!

    Langsam, aber sicher fängt der Groschen an zu fallen, so hoffe ich;)

    Kurze Schilderung eines möglichen Anfangs:
    A kann sich nach mehren Anläufen von B trennen und nimmt sich eine Auszeit von mehreren Wochen.
    A hat mitten in der Nacht eine Autopanne und macht sich auf die Suche nach Hilfe. Da trifft sie auf eine Frau (C), mit der sie sich nicht einmal richtig verständigen kann, aber sie fühlt sich von ihr angezogen, rein körperlich. C sieht das genau so, und sie verbringen gemeinsam eine Nacht, danach trennen sich ihre Wege, und es stimmt für beide so. Kurze Zeit später trifft A auf C in einem Restaurant. C hat ihre Arbeitskollegin D dabei. Sie grüssen sich flüchtig, dabei wirft A ein Auge auf D. Das wäre alles nicht so tragisch, wenn C nicht D genau schildern würde, was sie mit A in der besagten Nacht erlebt hat. A ist bei D nun voll unten durch und jeder Annäherungsversuch wird von D zu Beginn im Keim erstickt (D hat nachvollziehbare Gründe, die B natürlich noch nicht kennt). B zieht aber alle Register und irgendwann schafft sie es, das Herz von D ganz langsam zu erobern, bis sie es schliesslich ganz für sich gewinnen kann.

    Das ist jetzt nicht die Idee für eine Kurzgeschichte, sondern für eine längere Geschichte. Ich möchte nur wissen, ob in diesem Fall a) die Autopanne und b) die im Nachhinein gesehen etwas verhängnissvolle Nacht als Aufhänger (oder kleinen Konflikt) möglich wären.

    Bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Das ist mir sehr wichtig! Ich bin blutige Anfängerin! Ich habe viele Ideen im Kopf, weiss aber, dass das alleine natürlich nicht reicht, und ich werde auch mit den Übungen hier beginnen, wenn der Groschen ganz gefallen ist.:)

    Und ja: Ein Buch über die Schreibwerkstatt ist eine tolle Idee.

    Vielen Dank für ALLES:)

    Mittwoch, 11. Juni 2014 20:42
  • Ruth Gogoll

    Barbara Permalink

    Nein. A und B. Mehr nicht. Es gibt kein C und D. Nur zwei Frauen, die sich begegnen und sich ineinander verlieben, dann durch den Konflikt getrennt werden und zum Schluss wieder zusammenfinden, indem der Konflikt gelöst wird. Wie ich es oben geschrieben habe: Zwei Frauen, ein Konflikt, ein Ort, eine Zeit.

    Wo ist der Konflikt zwischen A und D (die ja anscheinend das Liebespaar sind)? Es gibt keinen.

    A und D treffen sich bei der Autopanne. Was soll das mit C? Das ist völlig überflüssig. Und B ist auch überflüssig.

    Mittwoch, 11. Juni 2014 20:54
  • Nochmals vielen Dank! Ich werde mich jetzt eingehend mit der Schreibwerkstatt befassen und dann die Übungen machen. Ich muss Ihre Erklärungen auf mich wirken lassen und verinnerlichen. Dann beginne ich neu, denn ich muss zuerst falsche Vorstellungen über Bord werfen und umdenken;)

    Mittwoch, 11. Juni 2014 21:37
  • Ruth Gogoll

    Barbara Permalink

    Noch mal ganz klar: Dass A mit C geschlafen hat und daraus nun ein Problem mit D entsteht, ist ein äußerlicher Konflikt, kein emotionaler Konflikt. Ein emotionaler Konflikt kann nur zwischen A und D bestehen, und er kommt aus dem Inneren, aus dem Charakter der beiden, nicht aus irgendwelchen äußerlichen Vorkommnissen.

    Was allerdings denkbar wäre, wäre, D zur Hauptfigur zu machen, die ja anscheinend Gründe hat, keine Beziehung mehr eingehen zu wollen. Sie lernt also A kennen, die sich in D verliebt und (nach einer gemeinsam verbrachten Nacht) eine Beziehung will. D will aber keine. Trotzdem hat sie sich in A verliebt, was sie nicht zeigt. Sie stößt A permanent zurück, bis die geradezu verzweifelt. Währenddessen tobt ein innerer Kampf in D, die eigentlich nichts lieber hätte als eine Beziehung mit A, das aber nicht zugeben kann und will.

    Das ist dann ein richtiger emotionaler Konflikt, der die beiden die ganze Zeit bis zum Ende des Buches voneinander fernhält. Allerdings müssen Ds Gründe, warum sie keine Beziehung will, schon sehr schwerwiegend sein, nicht einfach nur, weil ihre letzte Freundin sie verlassen hat oder so etwas Banales.

    Mittwoch, 11. Juni 2014 21:55
  • Sie haben mich auf eine Idee gebracht, und ich habe jetzt einen emotionalen Konflikt. Ich glaube auch, dass ich mit beiden Hauptfiguren werde 'verschmelzen' können. Sicher aber mit der Hauptfigur.
    Vielen Dank für Ihre Geduld und Ihre enormen Ausführungen! Der Groschen ist jetzt – was den Konflikt angeht – gefallen.
    Da ich ja meine Arbeit nicht vernachlässigen darf, obwohl ich mich im Moment lieber diesem Thema hier widmen möchte:), wird es wahrscheinlich ein paar Tage dauern, bis ich mich wieder melde.

    Donnerstag, 12. Juni 2014 7:21
  • Barbara

    Permalink

    Liebe Frau Gogoll
    Ist dieser Anfang etwas besser? Es ist jetzt ein ganz anderer Text...
    Vielen Dank für Ihre Rückmeldung!
    ________________________
    Tanja hechtete in ihren Jeep und raste mit Vollgas los. Dann riss sie einen Stopp. Es knallte noch einmal in die Luft, dann richtete der Mann das Gewehr auf die Frau und schrie wie verrückt.
    “Los, einsteigen und den Kopf nach unten. Nicht bewegen“, fuhr Tanja die Frau an. Dabei sprang sie aus ihrem weißen Jeep, und mit einer aufhaltenden Handbewegung rannte sie vor den Mann und schrie: „Nicht schießen… bitte nicht schießen.“ Der Mann fuchtelte mit dem Gewehr wie wild um sich, nahm es schließlich runter und fluchte vor sich hin. Tanja gelang es, den Mann etwas zu beruhigen. Sie sprach kurz mit ihm, kehrte zum Auto zurück, stieg ein, atmete tief durch und startete den Motor. In schnellem Tempo und mit quietschenden Reifen fuhr sie fünf Minuten lang wortlos auf der kurvenreichen Strasse bergabwärts, dann trat sie abrupt auf die Bremse.
    „Sind Sie von allen guten Geistern verlassen, lebensmüde oder haben Sie Selbstmordgedanken?“ schrie Tanja die Frau erbost an. „Wissen Sie eigentlich, was Sie da getan haben? Verdammt, was machen Sie hier auf dieser Insel?“
    „Ich… ich… wollte nur helfen?“, ängstlich blickte Erika kurz zu Tanja.
    „Helfen? Wem haben Sie mit Ihrer Aktion denn geholfen? Sie wären nicht die erste Touristin, welche angeschossen im Spital landet. Der Mann hätte Sie am liebsten abgeknallt, so wütend war er. Wie kann man nur so bescheuert sein… und dann noch denken, dass man etwas Gutes getan hat…“
    „Ich…, aber das habe ich doch auch… Ich musste doch etwas tun.“ Erika versuchte, sich zu erklären, was Tanja nur noch wütender machte.
    „Aber doch nicht so. Noch nie etwas von Nachdenken gehört? Noch nie etwas von anderes Land, andere Kultur und andere Sitten gehört? Wenn man schon helfen will wäre es vielleicht besser, man würde im Vorfeld eine Fachperson kontaktieren. Sie aber…mit ihrem Alleingang haben nun ein absolutes Chaos angerichtet. Niemandem haben Sie geholfen… im Gegenteil. Vielleicht haben Sie schon bald ernsthafte Probleme an der Backe.“
    „Das wollte ich nicht… es tut mir leid, aber das war doch kein Zustand… ich konnte das einfach nicht ertragen...“
    Tanja beruhigte sich allmählich, stieß einen lauten Seufzer aus, presste ihre Lippen zusammen, öffnete die Tür ihres Jeeps und stieg aus.
    „Auf diesen Schreck muss ich jetzt eine rauchen. Ich muss mich beruhigen.“ Sie nahm eine Zigaretteschachtel aus ihrer Jeans, zündete eine Zigarette an und zog kräftig daran.
    Erika getraute sich nicht, irgendetwas zu sagen und blieb regungslos im Auto sitzen. Sie wagte nicht, Tanja anzuschauen und blickte in die andere Richtung.
    „Los, steigen Sie aus“, befahl Tanja. Erika gehorchte und verunsichert ging sie Tanja entgegen.
    „Ich bin Tanja? Und du?
    „Erika.“
    „Auch eine Zigarette? Tanja streckte Erika die Zigarettenschachtel entgegen.
    „Nein, danke“, erwiderte Erika. „Ich rauche nicht.“
    „Dann halt nicht.“ Tanja trat neben Erika und mit dem Zeigefinger deutete sie auf mehrere Stellen hin. „Siehst du… dort oben… dort drüben… da unten am Weg… an vielen Orten sieht man das hier. Leider. Wenn man damit nicht umgehen kann, dann darf man nicht hierher kommen. Frauen wie du würden besser zu Hause bleiben.“
    „Ich kam auf die Insel, weil ich schöne Fotos machen wollte… der Frühling ist hier so wunderschön… aber das dort unten und dort drüben ist doch einfach nur schrecklich…“
    „Ja, das ist es. Das ist die andere Seite dieser wunderschönen Sonneninsel. Schöne Fotos kann man hier bestimmt machen. Für mich aber hat diese Insel ihren Glanz längst verloren. Die Schattenseiten überwiegen inzwischen um einiges…“

    Montag, 9. Juni 2014 15:02
  • Ruth Gogoll

    Barbara Permalink

    Was heißt "Dann riss sie einen Stopp"? Sie trat auf die Bremse?
    Das ist eine Menge Action, durchaus in Ordnung, aber um was geht es hier? Wer ist der Mann? Welche Insel? Wer ist Erika? Wer ist Tanja? Und was ist so schrecklich an dieser Insel? Und dann gleich so deprimierende Aussagen am Anfang. Welche Schattenseiten? Was sieht man an vielen Orten? Was an Gutem wollte Erika tun und für wen?

    Es ist mir nicht klar, worauf dieser Text hinauslaufen soll, wo er spielt, um was es geht. Es muss nicht alles klar sein, aber je weiter ich in dem Text gelesen habe, desto mehr hat er mich verwirrt.

    Es ist gut, mit Action in eine Szene hineinzuspringen. Aber ein bisschen etwas muss schon sein, woran die Leserin sich halten kann.

    Montag, 9. Juni 2014 15:54
  • Ein neuer Versuch ;)
    _________________________

    Tanja hechtete in ihren Jeep und raste mit Vollgas den Berg hoch. Auf einem Vorplatz bremste sie. Es knallte noch einmal in die Luft, dann richtete der Mann das Gewehr auf die Frau und schrie wie verrückt.
    “Los, einsteigen und den Kopf nach unten. Nicht bewegen“, fuhr Tanja die Frau an. Dabei sprang sie aus ihrem weißen Jeep, und mit einer aufhaltenden Handbewegung rannte sie vor den Mann und schrie: „Nicht schießen… bitte nicht schießen.“ Der Mann fuchtelte mit dem Gewehr wie wild um sich, nahm es schließlich runter und fluchte vor sich hin. Tanja gelang es, den Mann etwas zu besänftigen. Sie sprach kurz mit ihm, kehrte zum Auto zurück, stieg ein, atmete tief durch und startete den Motor. In schnellem Tempo und mit quietschenden Reifen fuhr sie fünf Minuten lang wortlos auf der kurvenreichen Strasse bergabwärts, dann bremste sie abrupt.
    „Sind Sie von allen guten Geistern verlassen?“ schrie Tanja die Frau an. „Wissen Sie eigentlich, was Sie da getan haben? Das ist auf Kreta Diebstahl? Der Besitzer dieses Hundes kann Sie anzeigen…?“
    „Ich… ich… wollte nur helfen?“, ängstlich blickte Erika kurz zu Tanja.
    „Helfen? Wem haben Sie mit Ihrer Aktion denn geholfen? Sie wären nicht die erste Touristin, welche angeschossen im Spital landet. Der Besitzer dieses Hundes hätte Sie am liebsten abgeknallt, so wütend war er. Wie kann man nur so bescheuert sein… und dann noch denken, dass man etwas Gutes getan hat.“
    „Ich…, ich musste doch etwas tun… dieser Hund hing völlig abgemagert an einer nur zwei Meter langen Kette... ich wollte ihm die Freiheit schenken.“ Erika versuchte, sich zu erklären, was Tanja nur noch wütender machte.
    „Aber doch nicht so. Noch nie etwas von Nachdenken gehört? Noch nie etwas von anderes Land, andere Kultur und andere Sitten gehört? Wenn man schon helfen will, dann wäre es vielleicht besser, man würde im Vorfeld eine Fachperson kontaktieren. Sie aber… mit ihrem Alleingang haben nun ein absolutes Chaos angerichtet. Niemandem haben Sie geholfen… im Gegenteil. Vielleicht haben Sie schon bald ernsthafte Probleme an der Backe… und denken Sie einmal an den verängstigten Hund… haben Sie gesehen, wie der mit eingeklemmter Rute davon gerannt ist? Was, wenn er direkt vor ein Auto springt?“
    „Das wollte ich nicht… es tut mir leid, aber das war doch kein Zustand… ich konnte das einfach nicht ertragen. Er tat mir so leid.“ Erika blickte reumütig zu Tanja.
    Tanja beruhigte sich allmählich, stieß einen lauten Seufzer aus, presste ihre Lippen zusammen, öffnete die Tür ihres Jeeps und stieg aus.
    „Auf diesen Schreck muss ich jetzt erst eine rauchen. Ich muss mich beruhigen.“ Sie nahm eine Zigaretteschachtel aus ihrer Jeans, zündete eine Zigarette an und zog kräftig daran.
    Erika getraute sich nicht mehr, irgendetwas zu sagen und blieb regungslos im Auto sitzen. Sie wagte nicht, Tanja anzuschauen und blickte in die andere Richtung.
    „Los, steigen Sie aus“, befahl Tanja. Erika gehorchte, und verunsichert ging sie Tanja entgegen.
    „Ich bin Tanja? Und du?
    „Erika.“
    „Auch eine Zigarette? Tanja streckte Erika die Zigarettenschachtel entgegen.
    „Nein, danke“, erwiderte Erika. „Ich rauche nicht.“
    „Dann halt nicht.“ Tanja trat neben Erika, und mit dem Zeigefinger deutete sie auf zwei Stellen hin. „Siehst du… dort oben und da unten am Weg… an vielen Orten hier auf Kreta sieht man das… besonders in den Bergen. Leider. Hier auf Kreta werden die Tiere oft nicht so gut gehalten und behandelt. Wenn man damit nicht umgehen kann, dann darf man nicht hierher kommen.“ Tanja stand nun achselzuckend vor Erika. „Ja, so einfach ist… man kommt einfach nicht hier her und dann sieht man auch kein solches Elend. Ich… ich habe inzwischen eine kleine Auffangstation für herrenlose Hunde und Katzen, kümmere mich um ihre Verletzungen, lasse sie kastrieren und vieles mehr.“
    „Ich kam auf die Insel, weil ich schöne Fotos machen wollte… der Frühling ist hier so wunderschön… ich… ich wusste nicht, dass ich hier halb verhungerte Hunde an kurzen Ketten, ohne Behausung, ohne Wasser und Futter sehen werde.“
    „Das wissen viele Touristen nicht. Viele sind entsetzt, wenn sie die Touristenhochburgen verlassen und in die Berge oder ein abgelegenes Dorf fahren. Das ist leider die andere Seite dieser wunderschönen Sonneninsel. Schöne Fotos kann man hier bestimmt machen. Für mich aber hat diese Insel ihren Glanz längst verloren.“ Tanja blickte niedergeschlagen und traurig zu Erika. Ihre Stimme wurde weicher.
    „Hilfst du mir, den Hund zu finden? Ich muss mich um ihn kümmern.“ Erika plagte ein schlechtes Gewissen. Sie wollte doch helfen, und jetzt trieb sich dieser Hund womöglich irgendwo alleine und verängstigt herum und war vielleicht in Gefahr.“
    „Vergiss es, der ist auf und davon. Dieser Hund hat sich bestimmt irgendwo verkrochen… So schnell wirst du ihn nicht finden… wenn überhaupt.“
    „Wenn der Besitzer nicht mit dem Gewehr geschossen hätte, so hätte ich ihn auf die Arme nehmen können… dann wäre er nicht davon gerannt.“ Erika war nun sehr besorgt und ging nervös vor Tanja auf und ab, griff sich an die Stirn und zog die Augenbrauen hoch. Was habe ich da bloß getan? Ich muss diesen Hund finden?
    „Tja“, erwiderte Tanja. „Tatsache ist aber, dass der Hund abgehauen und jetzt weg ist und eben nicht in deinen schützenden Armen gut aufgehoben ist.“ Mit gerunzelter Stirn beobachtete sie Erika.
    „Ja leider. Kann man denn da gar nichts machen?“
    „Heute macht das keinen Sinn mehr. Es wird gleich dunkel. Ich mache dir auch keine großen Hoffnungen, dass du ihn finden wirst… aber ich werde natürlich auch Ausschau nach ihm halten. Gib mir deine Telefonnummer. Ich rufe dich an, falls ich ihn irgendwo sehe.“ Erika schrieb ihre Nummer auf einen Zettel, welchen sie Tanja in die Hand drückte. Dabei blickte sie Tanja direkt in die Augen, welche sie liebevoll anlächelte.
    „Bitte ruf mich an, wenn du ihn siehst. Ich hoffe sehr, dass ich... dass wir ihn Hund finden werden.“ Was für ein liebevolles Lächeln Tanja doch hat…, wenn sie nicht gerade wegen mir auf 180 ist. Ihre Kratzbürstigkeit habe ich ja jetzt kennen gelernt. Ihr Lächeln zeigt mir aber, dass sie auch eine sanfte Seite an sich hat, dachte Erika. Ob sie mir ihre sanfte Seite je einmal zeigen wird?

    Montag, 9. Juni 2014 21:09
  • Ruth Gogoll

    Barbara Permalink

    Die Geschichte mit dem Hund verbreitet schlechte Stimmung. Das ist nicht wirklich gut als Einstieg in einen Liebesroman. Da sollte die Stimmung positiv sein. Und warum lächelt Tanja die Frau, die ihr so viel Ärger gemacht hat, liebevoll an? Warum denkt sich Erika am Schluss Dinge, die sich die Leserin selbst denken kann? Man schreibt Szenen, um zu zeigen, wie ein Mensch charakterlich ist, damit man es nicht sagen muss. Das nennt sich Show don't tell. Eine der wichtigsten Techniken im schriftstellerischen Handwerk, über die schon ungeheuer viel in der Schreibwerkstatt steht. Am besten mal durchlesen und dann Übungen zu Show don't tell machen. Gar nichts der Leserin direkt sagen oder hinschreiben, alles zeigen.

    Und immer noch kein Hinweis auf einen Konflikt zwischen Tanja und Erika, sondern nur Beschreibungen von Dingen, die überhaupt nichts mit der (eventuellen) Liebesgeschichte von Tanja und Erika zu tun haben. Jetzt sieht das so aus, als würde sich das Buch nicht um Tanja und Erika drehen, sondern um herrenlose Hunde und Katzen auf Kreta, also mehr eine missionarische Schrift als ein Liebesroman.

    Es geht wieder nur um Äußerlichkeiten, hier jetzt in Form der Hunde und Katzen, nicht aber um das Innenleben von Tanja und Erika und deren Gefühle.

    Weg von den Äußerlichkeiten, hin zum Innenleben, das wäre die Aufgabe.

    Dienstag, 10. Juni 2014 17:31
  • Vielen Dank für Ihre konstruktive Kritik.
    Ich werde die Aufgabe gerne annehmen, habe dazu aber noch eine Frage:
    War das zu Beginn kein Konflikt zwischen Tanja und Erika?
    Wäre es einer gewesen, wenn es sich nicht so schnell zum fasten Guten zwischen den zwei entwickelt hätte?
    Ich möchte mir wirklich Mühe geben, aber irgendwie stehe ich gerade total auf dem Schlauch.
    Ich muss es einfach neu versuchen. Meine grösste Sorge ist, dass Ihnen der Geduldsfaden reissen könnte...
    Bin am Vorbereiten eines Textes (fünf Wörter, 1. Teil). Steht dort das Innenleben auch im Vordergrund oder ist es grundsätzlich okay, wenn Frau einfach einen Text schreibt, in welchem die fünf vorgegebenen Wörter vorkommen?
    Vielen Dank für Ihre Zeit und Geduld:)

    Dienstag, 10. Juni 2014 18:53
  • Ruth Gogoll

    Barbara Permalink

    Einfach lesen, was hier alles schon steht:
    1. Konflikt - Das zentrale Element
    2. Wie baue ich einen Roman auf?
    Eine kleine Meinungsverschiedenheit ist kein Konflikt. In einem Liebesroman muss ein Konflikt immer emotionaler Natur sein, er muss mit den beiden Hauptfiguren zu tun haben und sie davon abhalten, zueinander zu kommen. Tanja und Erika haben keinen Konflikt, der sie davon abhält, zueinander zu kommen. Im Gegenteil, sie stellen fest, dass sie sich beide um vernachlässigte Tiere kümmern. Damit ist die Geschichte zu Ende, denn es gibt keinen Konflikt, sondern nur Friede, Freude, Eierkuchen. So, wie die Geschichte anfängt, hat sie keine Substanz für mehr als das, was hier bereits steht. Darüber hinaus gibt sie nichts her.

    Nur mal so als Beispiel:

    Während der Mann mit dem Gewehr auf Erika anlegte, hörte sie hinter sich Bremsen quietschen. Eine Frau kam aus ihrem Rücken in ihr Sichtfeld und ging auf den Mann zu. Dabei sprach sie Griechisch, was Erika nicht verstand. Der Mann antwortete nur mit einigen hervorgestoßenen Silben, ebenfalls auf Griechisch.
    Kurz darauf drehte die Frau sich um, ergriff schmerzhaft Erikas Arm und zerrte sie zu dem offenen Jeep, der hinter ihr stand, stieß sie hinein.
    Sie fuhren los und rasten den Berg hinunter. „Sie haben wohl nicht alle Tassen im Schrank!“, schrie die Frau sie an. „Was hatten Sie da zu suchen?“
    „Ich ... wollte nur ... den Hund ...“
    „Ja, das habe ich gehört.“ Die Fahrerin schüttelte den Kopf. „Wieder so eine sentimentale Touristin, die meint, sie könnte hier die Welt verändern. Als ob wir davon nicht schon genug hätten.“
    „Aber ... liegt Ihnen denn gar nichts an Tieren?“, stammelte Erika fassungslos.
    „An diesen verlausten Tölen? Wem sollte an denen schon was liegen? Am besten alle in einen Sack und ab damit ins Meer, dann brauchten wir uns nicht mehr damit herumzuschlagen!“

    Das ist zumindest ein angedeuteter Konflikt. Eine der Frauen hat übermäßig viel Gefühl, die andere gar keins. So scheint es zumindest. Aber der Schein trügt natürlich. Was sich aber erst nach 200 Seiten herausstellt. Bis dahin kämpft Erika gegen Tanjas Gefühllosigkeit und versucht, ihre Liebe zu gewinnen, von der Tanja nichts wissen will.

    Dienstag, 10. Juni 2014 20:15
  • Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, mir das mal ganz klar aufzuzeigen. Das finde ich wirklich super. Den Rest werde ich nachlesen. Tut mir echt leid, dass ich da so eine lange Leitung hatte. Ich schreibe den Text komplett neu und stelle ihn dann wieder hier ein. Das kann ein paar Tage dauern. Ich werde mir - als harmoniesüchtiger Mensch - an dem Text wahrscheinlich die Zähne ausbeissen;)
    Liebe Grüsse
    Barbara

    Dienstag, 10. Juni 2014 22:50
  • Barbara

    Permalink

    Hallo zusammen :)
    Ich bin neu auf dieser Seite. Da ich Anfängerin im Romanschreiben und noch sehr unsicher bin, würde ich mich über eine Rückmeldung und eine konstruktive Kritik sehr freuen. Vielen Dank!

    Den nachfolgenden Text verstehe ich für mich wie ein erstes Kapitel einer längeren Geschichte. Gerne würde ich einen Roman mit diesem oder einem ähnlichen Anfang schreiben…

    _____________________

    Die Lichtverhältnisse waren optimal zum Fotografieren. Sarah bemühte sich um die korrekte Einstellung von Blende, Belichtungszeit und ISO-Zahl, damit atemberaubende Fotos entstehen konnten. Sie war eine leidenschaftliche Hobby-Fotografin und erfüllte sich mit dieser Reise einen lang ersehnten Wunsch. Sie wollte und musste auch Abstand gewinnen… weg von den Problemen, die zu Hause auf sie warteten. Sie fotografierte aus verschiedenen Blickwinkeln einen, im Sonnenlicht leuchtenden, Pfauenstrauch.

    Wie aus dem Nichts hörte sie plötzlich hinter sich ein Stampfen, begleitet von einem für sie noch nicht definierbaren Geräusch, welches sich aber wie ein Schnauben anhörte. Blitzartig drehte sie sich um. Ihr Herz fiel ihr in die Hose und Sarah erstarrte. O nein. Was ist das denn? schoss es ihr durch den Kopf. Wie angewurzelt stand sie still und getraute sich kaum zu atmen. Ihre Augen und ihr Mund waren weit aufgerissen, und schließlich musste sie leer schlucken. Vor ihr stand ein riesiger Löwe, welcher nun das Maul aufriss, anfing zu brüllen und mit den Zähnen fletschte. Langsam, aber zielstrebig bewegte er sich auf Sarah zu. „Das war’s dann wohl. Das hast du wieder toll hingekriegt“, murmelte Sarah vor sich hin. Zuerst wirst du von Ramona verlassen, dann bekommst du Probleme mit deiner Chefin und als abschließende Krönung wirst du wahrscheinlich von einem Löwen gefressen… für ihn bist du bestimmt eine willkommene Zwischenmahlzeit… herzliche Gratulation, Frau Sarah Meier, dachte sie. Am liebsten wäre sie einfach abgehauen. Aber sie wusste, dass sie keine Chance hatte. Sie konnte nicht fliegen, und sie war auch keine Marathonläuferin. Leider konnte sie sich auch nicht in Luft auflösen, und deshalb blieb sie ruhig stehen. In ihrer Verzweiflung schaute sie zum Himmel hoch und flehte: „Lieber Gott, bitte hilf mir. Ich werde auch nie mehr nachts um drei Uhr heimlich Schokolade naschen. Versprochen.“ Ihre Knie fingen an zu zittern. Sie befürchtete, im nächsten Moment ohnmächtig zu werden.

    Da hörte sie aus weiter Entfernung ein Motorengeräusch, welches immer lauter wurde. Ein Jeep hielt zirka 200 Meter vor ihr an. Der Löwe wendete sich von Sarah ab und stampfte in die Richtung dieses sandfarbigen Vehikels. Sarah beobachtete, wie eine Frau irgendetwas aus dem Jeep warf, und der Löwe sich darauf stürzte. Dann setzte sich der Jeep wieder in Bewegung, fuhr ihr entgegen und stoppte direkt vor ihr. „Steigen Sie schnell ein. Verhalten Sie sich aber bitte ganz ruhig. Wir werden jetzt wieder in die Nähe der Löwen fahren. Sie müssen keine Angst haben."

    Sarah stieg schnell ein, aber sie war wie gelähmt. Sie stand unter Schock und brachte kein Wort über ihre Lippen. Die Frau in der der blauen Jeans und dem hellbraunen Hemd fuhr zurück, dann stoppte sie. „Bitte bleiben Sie ganz ruhig sitzen. Ich werde kurz nach der Löwenfamilie schauen. In ein paar Minuten bin ich wieder bei Ihnen. Hier haben sie ein Fernglas. Wenn Sie möchten, können sie die Löwenfamilie von hier aus beobachten. Sie dürfen aber auf gar keinen Fall das Fahrzeug verlassen“, mit einem ernsten, aber liebevollen Blick schaute sie zu Sarah. Der Unbekannten war klar, dass Sarah noch ein paar Minuten brauchte, um sich von dem Schreck zu erholen.

    Danke, lieber Gott. Schön, hattest du gerade Zeit, meinen Wunsch zu erfüllen… du hast mir einen Schutzengel geschickt… einen hübschen, blonden Engel. Als sich Sarah etwas erholt hatte, beobachtete sie mit dem Fernglas die Löwenfamilie. Da war er wieder, dieser imposante Löwe mit seiner prachtvollen Mähne, welcher ihr fast einen Herzstillstand verpasste. Neben ihm stand eine Löwin, und hinter dem Busch kamen vier Junge hervor gekrabbelt. Die zierliche Frau war nun ganz nah bei der Löwenfamilie und warf dieser etwas zum Fressen hin. Sarah griff vorsichtig nach ihrer Kamera, vergewisserte sich, dass kein hörbares Signal aktiviert war und schoss mehrere Fotos. Während sie fotografierte, wurde ihr warm ums Herz. Was für eine tolle Frau. Was für ein Glück, dass sie mich gerettet hat. Ihr habe ich mein Leben zu verdanken. Wer ist sie? Was macht sie hier in Afrika? Ist sie alleine? Hat sie Familie?

    Ein paar Minuten später kam ihre Retterin zurück, stieg in den Jeep, setzte sich und drehte sich zu Sarah um. „Iris ist mein Name. Ich leite hier eine Auffangstation für verletzte Wildtiere“, wiederum lächelte sie Sarah sanft an, welche verlegen erwiderte: „Ich heiße Sarah. Vielen, vielen Dank, dass Sie… äh, dass du mich gerettet hast.“ Zaghaft lächelte sie zurück.

    Zögerlich fragte Iris: „Bist du ganz alleine unterwegs oder wartet dein Mann mit den Kindern im Hotel auf dich?“
    „Es gibt keinen Mann und auch keine Kinder. Ich bin alleine unterwegs..., heute war ich zwar mit einer Reisegruppe hier, aber die scheint wohl ohne mich weiter gezogen zu sein.“ Neugierig hackte Iris nach. „Du bist also ganz alleine hier in Afrika?“

    „Ja, ganz alleine. Ich brauchte einen Neustart. Ich muss mein Leben neu ordnen.“ Dabei presste Sarah ihre Lippen zusammen, zog die Augenbrauen hoch und starrte vor sich hin.

    „Neustart? Das kommt mir irgendwie bekannt vor…“, erwiderte Iris. Es wurde still. Iris überlegte. „Neustart... ich erinnere mich noch gut, den hatte ich vor einem Jahr hier in Afrika auch, und nun bin ich immer noch da.“ Sie schmunzelte, und mit ihren Fingern klopfte sie ungeduldig auf dem Steuerrad herum. Iris suchte nach einem Grund, damit sie Sarah wieder sehen konnte. „Zeigst du mir deine Fotos?“, sprudelte es plötzlich aus ihr heraus. Sarah stellte ihre Kamera auf Ansichtsmodus um und, und drückte sie Iris in die Hände. „Tolle Bilder. Du bist ein richtiger Profi“. Iris war hin und weg. „Du bist sehr talentiert. Weißt du das?" So schöne Fotos habe ich von dieser Umgebung noch nie gesehen“, doppelte sie nach.

    Die charmanten Komplimente gefielen Sarah, und sie liefen ihr wie Honig runter. Während Iris weiter Fotos anschaute, wurde sie von Sarah unauffällig beobachtet. Ich möchte Iris gerne wieder sehen, aber wie stelle ich das bloß an?

    Es schmeichelte Iris, dass Sarah viele Fotos von ihr und der Löwenfamilie knipste. Darunter befanden sich auch zehn Fotos, auf welchen nur Iris zu sehen war. Gibt es einen Grund, dass mich Sarah so oft fotografiert hat? Ich muss mir etwas einfallen lassen. Ich will diese Frau unbedingt wieder treffen… Iris wurde innerlich unruhig… und dann, wie aus heiterem Himmel sagte sie: „Sarah, wie wäre es, wenn ich dich morgen abhole und dir meine Auffangstation und den Nationalpark zeige? Ich fahre dich an die schönsten Plätze. Dann kannst du in Ruhe und so lange wie du möchtest fotografieren. Ganz nebenbei suche ich dringend jemanden, der für die Website meiner Auffangstation tolle Fotos erstellt… Ich denke da nun spontan an dich“, hoffnungsvoll und mit einem fragenden Blick lächelte sie Sarah entgegen.

    „Das würdest du tun? Mit mir zu den schönsten Orten fahren? Das wäre ganz toll… und als Dankeschön verspreche ich dir stimmungsvolle Bilder für deine Website.“

    „Schön, das freut mich. Ich werde dir dann auch gleich noch erklären, wie man sich in der wilden Natur Afrikas richtig verhält… so, und jetzt fahre ich dich zu deinem Hotel, damit ich weiß, wo ich dich morgen abholen darf.“

    Der Weg zum Hotel führte über einen sandigen und holprigen Feldweg. Der Staub wurde wild umher gewirbelt. Die Haare von Sarah und Iris flatterten im Wind, welcher für eine angenehme Abkühlung sorgte. Weiter vorne verzauberte der Sonnenuntergang die Landschaft in eine traumhafte Kulisse. Iris hielt kurz an, damit Sarah diesen Augenblick mit ihrer Kamera festhalten konnte. Liebevoll beobachtete Iris Sarah beim Fotografieren. Beim Hotel angekommen, stieg Iris aus ihrem Jeep, sprang auf Sarahs Seite und öffnete ihr charmant die Tür, dabei streckte sie ihr ihre rechte Hand entgegen und half ihr beim Aussteigen. Nun standen sie sich gegenüber. Iris griff nach Sarahs zweiter Hand. Zärtlich hielt sie beide Hände fest, schaute mit ihren stahlblauen Augen zu Sarah hoch und sprach leise zu ihr: „Morgen, um 09.00 Uhr, werde ich dich hier abholen…

    Freitag, 6. Juni 2014 12:48
  • Ruth Gogoll

    Barbara Permalink

    Und noch eine Sarah. Aber nicht dieselbe wie in der vorherigen Geschichte. ;)

    Vielleicht ganz zu Anfang etwas, was nichts mit dem Schreiben an sich zu tun hat, sondern mehr mit den Tatsachen, die beschrieben werden: Ein Löwe ist eine Katze. Katzen stampfen niemals und schnauben auch nicht. Stampfen klingt nach einem Elefanten und schnauben nach einem Pferd. Wenn ein Löwe sich anschleicht, hört man überhaupt nichts. Aber um die Geschichte in Gang zu bringen, lassen wir das jetzt einfach mal so stehen.

    Es ist eigentlich alles soweit ganz nachvollziehbar, bis dann der Satz kommt: „Der Unbekannten war klar ...“

    Das ist ein Perspektivwechsel, der weder sein muss noch nachvollziehbar ist. Die Geschichte wird aus Sarahs Perspektive erzählt. Wie kann Sarah wissen, was der Unbekannten klar ist oder auch nicht? Sie kann nicht Gedankenlesen.

    Wichtig ist auch, die Zeiten einzuhalten. Sarah sieht den Löwen, der ihr fast einen Herzinfarkt verpasst hatte. Wenn die Erzählzeit Präteritum ist, muss alles, was vor dem jetzigen Augenblick – der Gegenwart – geschehen ist, im Plusquamperfekt stehen.

    Sarah stellt sich beim Fotografieren dann zu viele Fragen. Alle auf einmal. Das ist ein typischer Anfängerfehler. Dass sie die Frau, die sie gerettet hat, attraktiv findet, ist fast obligatorisch, denn zwischen den beiden soll sich ja etwas entwickeln. Aber „Wer ist sie? Was macht sie? Ist sie allein? Hat sie Familie?“ Das ist einfach zu viel. Dass Sarah dieser Frau vielleicht ihr Leben zu verdanken hat, weiß die Leserin zudem ohnehin aus der vergangenen Situation, das muss nicht noch einmal erwähnt werden.

    Derselbe Fehler beherrscht dann auch den folgenden Dialog zwischen den beiden. Es wird alles auf dem Silbertablett serviert. Zwei wildfremde Frauen erzählen sich gleich von Anfang an alles, ohne Zögern, ohne Zurückhaltung, und das auch noch mitten in der Wildnis, wo sie sich gerade erst zum ersten Mal gesehen haben. Das Ganze ist völlig spannungslos und banal. Auf diese Art haben sie sich bald alles erzählt, sagen sich in den nächsten fünf Minuten, dass sie sich lieben, und sind am nächsten Tag verheiratet. :) Eine extrem undramatische und kurze Geschichte ohne Konflikte oder einen Spannungsbogen, ohne persönliche Schwierigkeiten und Probleme.

    Dann wechselt die Perspektive wieder von Sarah zu Iris. Warum? In einer so kurzen Geschichte kann die Perspektive nicht wechseln, sie muss bei Sarah bleiben.

    Es ist ganz klar ein Anfängertext, an dem noch viel zu tun ist. Die Situationen werden viel zu oberflächlich abgehandelt, geradezu abgehakt, ohne dass es irgendwo auch nur ein wenig in die Tiefe geht. Man entwickelt kein Interesse für die Figuren, weil man sie nicht kennenlernt. Man weiß nichts über sie, man kann sie sich nicht wirklich gut vorstellen, es gibt nichts Besonderes an ihnen.

    Viele Anfängerinnen machen den Fehler, nur zu beschreiben, was an der Oberfläche geschieht, aber nicht, was das innerlich zu bedeuten hat. Und den Konflikt zu vergessen. Ohne Konflikt gibt es keine Geschichte.

    Also deshalb für mich die größte Frage: Was ist der Konflikt zwischen Sarah und Iris?

    Samstag, 7. Juni 2014 9:19
  • Liebe Frau Gogoll
    Vielen Dank für Ihre Kritik, Ihre Ausführungen und die nützlichen Tipps, welche ich mir zu Herzen nehmen werde, da ich ja besser werden will. :)
    Wenn ich meinen Text als die ersten Seiten eines Romans verstehe (nicht einer kurzen Geschichte), dann stelle ich mir als Leserin doch die eine oder andere Frage, z. B.:
    Wieso wurde Sarah verlassen? = Vielleicht bietet die Ex-Freundin ja Potential für eine fiese Intrige oder einen Konflikt, der vielleicht schon auf Seite 3 beginnt? Wer weiß…
    Wieso hat Sarah Probleme mit ihrer Chefin? = Im Moment kann man darüber nur spekulieren.
    Wieso brauchte Iris vor einem Jahr einen Neustart? = Momentan sind da bestimmt verschiedene Antworten möglich.
    Meine Frage dazu: Sind solche Fragen zu Beginn eines Romans für eine Leserin uninteressant oder zu wenig spektakulär?

    Bei einem Roman (mit vielleicht 60'000 Wörtern) finde ich nicht, dass man schon jetzt sagen kann, dass da die Spannung, die Konflikte und die Dramatik fehlen. Dieser Text ist nicht der Text einer kurzen Geschichte, aber mit Sicherheit habe ich den einen oder anderen Fehler gemacht und es werden bestimmt noch Fehler folgen.:( Leider. Deshalb bin ich ja auch dankbar, wenn Sie mir kritisch zurück schreiben ;)

    In einer längeren Geschichte darf es oder muss es doch einen Perspektivenwechsel geben, oder verstehe ich da völlig etwas falsch?
    Ich versichere Ihnen, dass die Geschichte auf den nächsten 20 Seiten einiges an Dramatik, Konfliktsituationen und Spannung beinhalten würde… wahrscheinlich würde es bereits auf Seite 3 oder 4 dramatisch zu und her gehen. Aber was spricht gegen eine erste herzliche und nette Kennenlernphase? Ich finde auch nicht, dass Sarah und Iris sich gleich alles erzählen, und meine Geschichte dazu würde nicht so schnell mit Heiraten enden, wie man vielleicht vermuten könnte.:) Sarah und Iris müssten zuvor noch den einen andren Konflikt bewältigen und die eine oder andere Intrige in Kauf nehmen. Muss das schon auf den ersten zwei Seiten angedeutet werden? Es gibt doch auch Begegnungen, welche gerade zu Beginn so sehr passen, und man sich sehr sympathisch ist und welche nicht gleich mit einem Konflikt beginnen. Das bedeutet ja aber nicht, dass am nächsten Tag nicht schon der erste Konflikt im Anmarsch ist oder diese Vertrautheit durch irgendetwas erschüttert wird.

    Eine generelle Frage zu einem Roman habe ich noch: Sie haben geschrieben, dass die Erzählerform in diesem Text aus der Sicht von Sarah sein muss. Wieso ist da so klar? Kann ich in einem Roman nicht quasi einen unbeteiligten Erzähler/Betrachter haben?
    Ich wünsche mir, dass Sie Verständnis dafür haben, dass ich die eine oder andere Frage stelle!? … und für mich auch das eine oder andere hinterfrage… :)… nur so habe ich schlussendlich die Möglichkeit, zu lernen und besser zu werden.

    Letzte Frage: Gehe ich recht in der Annahme, dass Sie einen Roman, welcher auf den ersten zwei Seiten meinen Text behinhalten würde, nicht ansprechen würde?
    Ich danke Ihnen sehr für Ihre Antworten, Ihre Zeit und Geduld!
    Liebe Grüsse
    Barbara

    Sonntag, 8. Juni 2014 22:08
  • Ruth Gogoll

    Barbara Permalink

    Wir haben gerade kürzlich die Perspektivendiskussion sehr intensiv hier gehabt mit den Texten von Ellen. Bitte dort noch einmal nachlesen oder auch die Artikel in der Schreibwerkstatt. Ich glaube, es bringt nichts, wenn alles, was schon tausendmal gesagt wurde, bei jedem neuen Text wieder wiederholt wird. Die Tatsachen und das schriftstellerische Handwerk ändern sich von Text zu Text nicht. :)

    Ebenso ändert sich nicht, dass ein Text, der einen nicht gleich von Anfang an mitreißt, das nicht dadurch herausreißen kann, dass er auf Seite 5, 10 oder 20 spannender wird. Der Text muss mit den ersten Sätzen die Aufmerksamkeit der Leserin fesseln, nicht erst ab Seite 3. Aber auch das wurde hier schon tausendmal gesagt und ist nichts Neues.

    Die gestellten Fragen („Warum wurde Sarah verlassen?“, „Wieso hat Sarah Probleme mit ihrer Chefin?“ und „Wieso brauchte Iris einen Neustart?“) sind im Rahmen dieser Geschichte hier in der Tat völlig uninteressant. Alle diese Fragen beziehen sich auf die Vergangenheit. Spielt diese Geschichte in der Vergangenheit oder in der Gegenwart? Also was ist mit der Gegenwart? Was sind die Fragen, die sich in der Gegenwart stellen und damit die Zukunft bestimmen?

    Ich sehe hier auch keine herzliche und nette Kennenlernphase, weil - wie ich schon sagte - alles viel zu oberflächlich abläuft. Es macht nicht neugierig auf mehr. Jeder Lektor und jede Lektorin würde die ersten Sätze dieses Romans lesen und ihn dann ablehnen. Ich sage das ganz offen, weil ich denke, es hat keinen Sinn, hier unnötige Hoffnung zu wecken. Diese Geschichte ist etwas, um daran zu üben, aber zum Schluss ist sie wahrscheinlich eher eine Geschichte für den Papierkorb, weil praktisch alles, was eine Geschichte spannend und interessant macht, fehlt.

    Was genau ist die Aussage dieser Geschichte? Worum soll es hier gehen? Um Sarahs Ex, um Sarahs Chefin, um Iris' Vergangenheit? Oder sollte es nicht besser um Sarah und Iris in der Gegenwart gehen, wie sie sich kennenlernen und verlieben? Die Sache mit dem Löwen könnte zu einer wirklich dramatischen Situation führen, aber das tut es hier nicht. Es läuft ab wie in einem Zoo. Man hat nicht das Gefühl, dass hier etwas Lebensbedrohliches passiert.

    Das wäre höchstens hier der Fall:


    „Ruhig. Ganz ruhig. Bleiben Sie stehen und rühren Sie sich nicht.“
    Sarah hörte die Stimme, und im selben Moment flog eine Kugel ganz nah an ihrem Gesicht vorbei. Ein ohrenbetäubendes Brüllen folgte. In ihrem Rücken. Hinter ihr. Sie erstarrte zur Salzsäule. Sie hatte nicht einmal geahnt, dass da etwas war.
    Ein Jeep preschte auf sie zu, hielt in einer Staubwolke, und eine kräftige Hand riss sie hinein. Fast im selben Moment raste der Jeep rückwärts wieder davon. Sarah hielt sich verzweifelt fest, um nicht hinausgeschleudert zu werden.
    „Was zum Teufel hatten Sie da draußen zu suchen? Allein im Busch?“, schrie die Frau sie an, als sie eine Weile später die Geschwindigkeit reduzierte. „Sind Sie lebensmüde?“
    Sarah konnte nicht antworten. Immer noch war sie wie erstarrt.
    „Der Löwe war gerade mal ein paar Meter hinter Ihnen.“ Die Frau schüttelte den Kopf. „Touristen. Und hinterher sind wir wieder schuld, wenn was passiert. Aber es ist einfacher, einen Sack Flöhe zu hüten oder einen ganzen Park voller wilder Tiere.“
    „Ich ... wollte ... Fotos –“, stammelte Sarah.
    „Kaufen Sie Postkarten!“, fuhr die Frau sie an. Dann schien sie sich zusammenzureißen. „Entschuldigung“, sagte sie. „Aber ich schieße nicht gern auf meine Tiere. Ich habe ihm zwar nur einen Warnschuss vor den Bug gesetzt, aber das wäre nicht nötig gewesen, wenn Sie sich an die Regeln gehalten hätten. Wer hat Ihnen erlaubt, allein da rumzustreunen?“
    Sarah kam sich vor wie eine räudige Straßenkatze. Bei dieser Frau hatte sie wohl ihre Chance verspielt, einen guten Eindruck zu machen. Vorsichtig warf sie einen Blick hinüber. Die Frau trug eine Khakiuniform, hatte blonde Haare und tief braungebrannte Haut. Und die blauesten Augen, die Sarah je gesehen hatte. Du meine Güte, was für eine Frau, dachte sie.

    Nicht dass das jetzt der Weisheit letzter Schluss wäre, aber hier passiert etwas, es ist ganz klar, dass das eine lebensbedrohliche Situation war. Und nun hat Sarah ausreichend Stoff, um sich bei Iris zu entschuldigen, weil sie, Sarah, sich so dumm verhalten hat. Wunderbare Ausgangsituation für eine Liebesgeschichte. ;)

    Sonntag, 8. Juni 2014 23:08
  • Nochmals vielen Dank für Ihre Ausführungen. Klare und deutliche Worte, die mir helfen, es in Zukunft besser zu machen;). Ich werde an mir und meinen Sätzen arbeiten. Danke, dass Sie sich für mich die Zeit genommen haben und einen wirklich tollen Text verfasst haben. Damit haben Sie mir eindrücklich aufgezeigt, auf was es ankommt. So betrachtet, muss ich die ersten Sätze klar anders formulieren. Ihre Kritik könnte mich im ersten Moment davon abhalten, überhaupt irgendetwas zu schreiben. Aber schlussendlich kann ich von Ihren Ausführungen und der Schreibwerkstatt, welche ich bestimmt noch eingehend studieren werde, nur profitieren. Alles zusammen spornt mich an, es in Zukunft besser zu machen :)

    Montag, 9. Juni 2014 0:15
  • Ruth Gogoll

    Barbara Permalink

    Nur durch Schreiben lernt man. Durch Schreiben und durch Kritik. Schreiben, verbessern, wegwerfen. Schreiben, das Handwerk anwenden, wegwerfen. Die Schreibübungen hier machen und hier einstellen. Lernen. Wieder neu schreiben. Eine neue Geschichte erfinden. Und plötzlich muss man sie nicht mehr wegwerfen. ;)

    Das Handwerk des Schreibens beruht darauf, dass man erkennt, wie ein Text funktioniert. Was muss ein Text haben, damit er interessant ist, die Aufmerksamkeit fesselt, neugierig auf mehr macht?

    So etwas wie dass Iris vor einem Jahr einen Neustart in Afrika gemacht hat, darf nicht auf Seite 1 stehen, das kommt vielleicht auf Seite 100 oder 150. Wenn es schon auf Seite 1 präsentiert wird, wo bleibt da die Spannung? Ein Neustart in Afrika ist so eine lebensumwälzende Erfahrung, dafür muss es einen sehr lebensumwälzenden Grund geben. Was Iris' Leben umgewälzt hat, ist nicht Thema dieser Geschichte, aber die Auswirkungen könnten es sein. Die Auswirkung beispielsweise, dass Iris sich aufgrunddessen nicht in eine neue Liebesbeziehung einlassen will, alle Annäherungsversuche Sarahs brummig abwehrt. Sarah hat sich aber verliebt und lässt nicht locker. Daraufhin wirft Iris sie mit vorgehaltener Pistole aus ihrer Hütte - oder so etwas in der Art.

    Es muss immer ein Hin und Her sein, es muss eine Spannung zwischen den Protagonistinnen herrschen. Es könnte natürlich auch umgekehrt sein: Sarah ist diejenige, die sich nicht mehr auf eine Liebesbeziehung einlassen will, weil sie beispielsweise eine Affäre mit ihrer Chefin hatte, die sie ihren Job gekostet hat.

    Wichtig ist, dass nicht von Anfang an Friede, Freude, Eierkuchen herrscht. Dramatik entsteht nicht dadurch, dass sie sich von Anfang an gegenseitig mögen, sich das gegenseitig zeigen und sich alles erzählen. Jede kleine Information muss ganz langsam und mühsam herausgezogen werden.

    Gerade wenn dieser Anfang der Anfang eines Romans sein soll, darf nicht gleich alles gesagt werden, da muss vieles im Dunklen bleiben, ein Geheimnis, noch ein Geheimnis - und zuerst einmal keine Erklärung, keine Auflösung. Bis die Spannung dann auf Seite 200 so unerträglich ist, dass etwas herauskommt, dass Dinge geklärt und erklärt werden. Damit es ein Happy End geben kann.

    Montag, 9. Juni 2014 9:55
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