Ruth Gogoll: Wie Honig so süß

Ein Fortsetzungsroman in 250-Wörter-Abschnitten (Warum?)

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Emma beobachtete sie besorgt, dann stand sie ebenfalls auf. »Aber Francie . . .«, sagte sie. »Wir können es doch nicht ändern. Es gibt eben Dinge, die einfach . . .«, sie wollte es nicht sagen, aber sie musste, »so sind, wie sie sind.«

»Du hast leicht reden!« Francies Augen schleuderten grüne Blitze auf sie. »Du musst ja nicht heiraten!«

Obwohl Emma im ersten Moment aufbrausen wollte, wie es ihr ihr irisches Temperament vorgab, tat sie es dann doch nicht. Es war nur Verzweiflung, die aus Francie sprach. Vorsichtig trat sie auf sie zu. »Selbst wenn eine von uns ein Mann wäre, wäre es nicht einfach«, bemerkte sie vernünftig. »Glaubst du wirklich, deine Familie würde dich jemanden wie mich heiraten lassen?«

Francies Kiefer mahlten. »Wenn ich ein Mann wäre, würde ich einfach mit dir durchbrennen, und es wäre mir egal.«

Emma lachte überrascht auf. »Und wovon sollten wir leben? Von meinen Näharbeiten? Du bist ein Leben gewöhnt, das jeden Tag«, sie lachte erneut, »jede Stunde mehr kostet als ich in einem ganzen Jahr verdienen kann.«

Francie schaute sie verständnislos an.

»Weißt du, was so ein Kleid kostet, wie du es gerade trägst?«, fragte Emma. »Weißt du das überhaupt?«

Leicht runzelte Francie die Stirn. »Ich kaufe sie nur«, erwiderte sie irritiert. »Ich bezahle sie nicht.«

»Eben«, sagte Emma. »Du weißt nicht einmal, wie teuer das Leben ist, das du führst. Dieses Haus, die Dienstboten, jeden Tag Fleisch und Kuchen auf dem Tisch. Meine Schwester ist Dienstmädchen in einem großen Haus. Sie hat mir erzählt, wie viel die Köchin jede Woche für die Herrschaften und die Dienerschaft einkauft. Davon könnte ich wahrscheinlich zehn Jahre leben.«

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  • Ruth Gogoll
  • Ruth Gogoll

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    »Wenn ich ein Mann wäre, würde ich einfach mit dir durchbrennen, und es wäre mir egal.«

    Ein kleiner Hinweis: Das ist Folge 140, das bedeutet, 140x250 Wörter pro Tag. Und das bedeutet: 35.000 Wörter.

    Ist es nicht unglaublich, dass sich so ein paar kleine 250-Wörter-Abschnitte, die man in einer Viertelstunde geschrieben hat, zu so einer großen Anzahl von Wörtern zusammensetzen können? Fast ohne dass man es merkt, hat man einen langen Roman geschrieben.

    Mittwoch, 25. Januar 2017 7:05

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