Ruth Gogoll: Wie Honig so süß

Ein Fortsetzungsroman in 250-Wörter-Abschnitten (Warum?)

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Emma gab ein hohles Geräusch von sich. »Ich kann so gut rechnen wie Mrs. Mitchell – und auch genauso gut rote Zahlen schreiben.«

»Nun hör mal auf, daran zu denken«, sagte Siobhan. Sie schob Emma ein wenig von sich und schaute ihr mit bedingungsloser Freundschaft ins Gesicht. »Du bist so etwas Besonderes wie sonst niemand, den ich kenne. Nur regieren leider nicht die besonderen Menschen die Welt, sondern Geld. Es geht immer nur darum. Und wir haben keins.«

Enttäuscht blickte Emma zu Boden. »Ich habe so lange gebraucht, das zusammenzusparen. Ich dachte, es wäre viel. Aber es war viel zu wenig.«

Siobhan spitzte die Lippen. »Wenn man sparen muss, um Geld zu haben, hat man schon verloren. Geld hat man, oder man hat es nicht. Damit wird man geboren. Es wird einem in die Wiege gelegt. Und bei dir haben sie das leider vergessen.« Sie seufzte. »Bei mir auch. Geld haben nur Leute, die sich keine Gedanken darüber machen. Sobald du darüber nachdenken musst, hast du auf jeden Fall zu wenig.«

»So etwas Ähnliches«, Emma lächelte fast etwas schüchtern, »habe ich mal gedacht, als Francie meinte, es wäre seltsam, wenn man von ihr in einem Geschäft verlangen würde, die Dinge, die sie gekauft hat, bar zu bezahlen. Sie tut das nie. Sie hat noch nicht einmal Geld dabei.«

»Sie braucht ja auch keins«, erwiderte Siobhan schulterzuckend. »Niemand würde einer Lady irgendetwas verweigern.«

Emmas blaue Augen bekamen einen merkwürdigen Glanz. »Nein, das würden sie nicht, nicht wahr?«, fragte sie in einem nachdenklichen Tonfall zurück.

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People in this conversation

  • Ruth Gogoll
  • Sima
  • Ellen
  • Ellen

    Permalink

    Merkwürdig glänzende Augen und ein nachdenklicher Tonfall ... soll heißen ... *grübel* Emma wird sich als feine Dame ausgeben? :D

    Dienstag, 28. Februar 2017 16:35
  • Na, Ellen, ich würde eher sagen, dass Emma diesen merkwürdigen Glanz in ihren Augen hat, weil sie sich ja auch der feinen Lady nicht verweigert hat ;). Nur anders halt... und gewollt.

    Mittwoch, 1. März 2017 8:22
  • Ellen

    Sima Permalink

    Könnte auch sein, ja. :)
    Allerdings würde ich ihre Augen, ihren Tonfall dann eher ...
    Hmm, nicht beschämt, aber eventuell als leicht verlegen beschreiben.
    Das 'merkwürdig' verbinde ich damit, dass Emma sich mit dem Gedanken trägt, die Tatsache für sich zu nutzen, dass einer Lady niemand etwas verweigern würde.

    Mittwoch, 1. März 2017 12:03
  • Hm, wer weiß :)... Auf jeden Fall aber war mir das sofort durch den Kopf gegangen, als ich das heute Morgen gelesen habe. Da wusste ich noch nichts von Deinen Gedankengängen, Ellen :).

    Eine weitere Möglichkeit wäre, dass Emma ja sehr genau weiß, dass Francie auch nur eine Gefangene in ihrem goldenen Käfig ist, ohne eigene Entscheidungen treffen zu dürfen. Auch sie ist letztendlich nur irgendwelchen Zwängen unterworfen und bekommt nicht alles, was sie will.

    Aber das würde jetzt vielleicht nicht so zu dem Glanz in Emmas Augen passen... War nur so eine Idee ;).
    Ruth wird es freuen, dass wir so schön darüber philosophieren :)

    Mittwoch, 1. März 2017 13:25
  • Ruth Gogoll

    Sima Permalink

    Ja, das ist nett von Euch. :) Da ich ja nie so genau weiß, wie es weitergeht, bevor ich es geschrieben habe, kann ich mir so über alle möglichen Alternativen Gedanken machen. Könnte Emma sich tatsächlich als Lady ausgeben? Das ist hier die Frage.

    Eine Lady wird durch viele Dinge festgelegt. Durch ihre Familie, ihren Namen, ihre Sprechweise, ihre Kleidung, ihre Art, mit anderen Menschen umzugehen. Eine Nicht-Lady könnte sich ein schönes Kleid anziehen, aber das reicht nicht. Emma würde dann z.B. immer noch mit extrem irischem Akzent sprechen, und jeder würde wissen, dass sie keine Lady ist, denn so etwas kann man sich nicht einfach in einer Stunde abgewöhnen.

    Mittwoch, 1. März 2017 18:25

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