Ruth Gogoll: Wie Honig so süß

Ein Fortsetzungsroman in 250-Wörter-Abschnitten (Warum?)

Alle bisher veröffentlichten Folgen auf einen Blick

»Nein, sie – Nein, es geht nicht um Geld«, antwortete Emma verwirrt.

»Na, denn . . .«, sagte er und wollte seines Weges ziehen.

»He, warte!« Emma riss das Tor auf und lief ihm schnell nach. »Wie hast du das gemeint: Sie sind weg?«

»Na, des war’n doch Südstaatler«, verkündete er, als würde das alles erklären. »Ham sich dünne jemacht, die Feiglinge.«

»Südstaatler?«

»Ham Se nich’ jewusst?« Er grinste noch mehr, als würde ihm Emmas Unwissenheit und seine daraus resultierende Überlegenheit ungeheure Freude bereiten.

»Nein.« Emma sagte es nur leise. »Nein, das habe ich nicht gewusst.« Sie und Francie hatten nie über solche Dinge gesprochen. Francie war ihr immer wie die absolute New Yorkerin erschienen. Sie hatte das Auftreten, den Akzent. Nichts deutete darauf hin, dass sie aus dem Süden stammte.

»Na, denn wissen Se’s jetz’«, grinste er weiter. »Ham sich bei Nacht und Nebel davonjemacht. Die Kutschen anjespannt und los. Hatten wohl Angs’, dass sich die Patrioten hier rächen für die jemeinen Angriffe der Rebellen auf unsere Jungs in blau.« Er spuckte angewidert auf die Straße. »Rebellenpack. Werden’s ihn’ schon zeigen, unsere Jungs. Das war den’ ihr letzter Sieg.« Er stellte sich sehr aufrecht hin. »Denken Se, dass die mich nehm’ bei de Armee? Ich seh’ doch älter aus, nich’?«

Emma schüttelte den Kopf. »Wie ein dummer Junge siehst du aus, weiter nichts. Warum seid ihr nur alle so wild darauf, euch totschießen zu lassen?«

»Die schießen mich nich’ tot!«, trompete er fröhlich. »Ich schieß’ die tot!« Und damit zog er pfeifend und die Yankeehymne singend endgültig die Straße hinunter ab.

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  • Alexa
  • Claudia
  • Ruth Gogoll
  • Sima
  • Claudia

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    Damit hatte ich jetzt auch nicht gerechnet. Ich hatte zwar eine Idee, aber die ging in eine ganz andere Richtung.
    Arid jeden Fall bin ich sehr gespannt, wie du die beiden wieder vereinen wirst.

    Samstag, 25. März 2017 16:54
  • Sima

    Permalink

    Oh je... Jetzt nimmt das ja richtig Fahrt auf. Das war eine gute Idee von Dir, Ruth. Ich hatte einiges erwartet, aber nicht das. Nun frage ich mich, wie werden sich Emma und Francie wiederfinden und was ist dann?

    Samstag, 25. März 2017 7:44
  • Ruth Gogoll

    Sima Permalink

    Da bin ich ja froh, dass ich Dich ausnahmsweise einmal überraschen konnte. ;) Witzig ist, dass ich schon so ungefähr weiß, wie sie sich wiedersehen, aber noch nicht, was ich dazwischen mache. Es ist ja Krieg. Das heißt, Emma kann jetzt nicht einfach in den Süden und Francie suchen. Außerdem ist der Süden groß, sie wüsste gar nicht, wo sie anfangen sollte. Mit ihrem Geschäft, das wie jedes Geschäft, das man gerade aufbaut, all ihre Zeit frisst, hat sie auch gar keine Ressourcen frei, aber selbst wenn sie die hätte, gäbe es keinen Anhaltspunkt, wo Francie sein oder wie sie Kontakt herstellen könnte. War ja damals nicht so wie heute, mit all den Informationsquellen, Handys, Internet ...

    Darüber muss ich jetzt wirklich ernsthaft nachdenken. Im Moment habe ich da noch keine Idee.

    Samstag, 25. März 2017 9:07
  • Aber es gab schon Briefe. Und Francie kann sicher schreiben, die reichen Leute gingen ja zur Schule oder hatten Privatlehrer. Sie könnte also Emma schreiben und den Brief jemandem geben, der ihn über die Kriegsgrenze schmuggelt. Das es sicher ein paar Wochen dauert, bis Emma von ihr hört, liegt auf der Hand. Aber so könnte Francie ihr ein Lebenszeichen schicken.
    Ich wahr ebenfalls total verblüfft, als Francie mit Familie plötzlich weg war, dachte aber eher daran, dass ihr Verlobter sie vielleicht zu sich geholt haben könnte. In Kriegszeiten ist man ja auch in diesen Kreisen schon mal zusammengerückt, wenn das Personal knapp war oder es zu unsicher wurde. Aber das haut mich erstmal um.

    Samstag, 25. März 2017 19:10
  • Ich könnte mir eher vorstellen, dass die Familie von Francies Verlobten keine Südstaatler sind. Und unter den Umständen des Krieges wird es keine Heirat geben. Dann hätte sich dieses Problem für Francie zumindest schon mal erledigt ;).

    Sonntag, 26. März 2017 8:20
  • Ruth Gogoll

    Alexa Permalink

    Also zusammenrücken mussten die reichen Leute im Norden sicher nicht. Das ganze Kriegsgeschehen spielte sich ja im Süden ab. ;) Im Norden wurde nicht gekämpft.

    Ja, Francie könnte einen Brief schicken oder hätte einen schicken können. Wäre eine Möglichkeit.

    Samstag, 25. März 2017 22:00

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