Ruth Gogoll: Wie Honig so süß

Ein Fortsetzungsroman in 250-Wörter-Abschnitten (Warum?)

Alle bisher veröffentlichten Folgen auf einen Blick

»Und jetzt bin ich deine einzige Quelle?« Emma ging an ihr vorbei zur Tür hinaus. »Die sprudelt nicht ununterbrochen, lass dir das gesagt sein. Ich habe dich in mein Haus aufgenommen, weil du meine Schwester bist, das letzte nahe Mitglied meiner Familie. Und weil ich keinem aus der Familie etwas abschlagen würde. Wenn du nicht arbeiten willst . . . bitte. Du hast bei mir zu essen und ein Dach über dem Kopf. Aber mit Geld ist Schluss. Das wächst nicht auf Bäumen.«

Als sie schon ein paar Schritte weitergegangen war, sprang Katie ihr plötzlich gelenkig nach und riss sie an den Haaren. »Eine große Dame bist du jetzt, hä? Willst keinen mehr kennen, hä? Nicht mal deine eigene Schwester.«

Von dem quälenden Stechen in ihren Haarwurzeln erfüllt hatte Emma für einen Moment innegehalten, doch dann tauchte sie unter Katies Griff hinweg und kniff sie mit aller Kraft in die Arme, so dass sie kreischend losließ.

»Ich bin keine Dame!«, fuhr sie sie ärgerlich an. »Ich kann dich immer noch zehnmal besiegen. Seit ich genauso groß bin wie du, hast du mich noch nie geschlagen, hast du das vergessen?«

Katie zog einen Schmollmund und rieb sich die sicherlich schmerzenden Stellen. »Das gibt blaue Flecken.«

»Selbst schuld«, sagte Emma. »Und jetzt lass mich in Ruhe. Wenn du auch nicht mehr weißt, was das ist, aber ich muss arbeiten.«

Damit ging sie endgültig und ließ Katie in ihrem Büro zurück.

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  • Ruth Gogoll
  • Ruth Gogoll

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    »Ich bin keine Dame!« :)

    Emma ist ein bodenständiger Mensch, die sich nicht wünscht, etwas Besseres zu sein, sondern nur, darin gut zu sein und anerkannt zu werden, was sie leistet. Was nützt es, als Dame oder Lady bezeichnet zu werden, wenn man den ganzen Tag nur zu Hause herumsitzt und nicht einmal selbst seinen Lebensunterhalt verdienen kann?

    Sie ist zu Recht stolz auf das, was sie geleistet hat, obwohl ihr kein goldener Löffel in die Wiege gelegt wurde. Oder vielleicht gerade, weil ihr kein goldener Löffel in die Wiege gelegt wurde. Oft ist es ja so, dass Menschen, die schon mit viel Geld geboren werden, gar keinen Antrieb haben, etwas aus ihrem Leben zu machen, weil sie nichts mehr erreichen können. Schon mit ihrer Geburt ist ihnen alles in den Schoß gefallen.

    Emma musste und muss für alles kämpfen, was sie hat, und deshalb kann sie es auch schätzen. Sie weiß, dass sie sich das alles selbst verdient hat.

    Montag, 17. April 2017 9:34

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