Ruth Gogoll: Wie Honig so süß

Ein Fortsetzungsroman in 250-Wörter-Abschnitten (Warum?)

Alle bisher veröffentlichten Folgen auf einen Blick

Am Hafen war der Teufel los. Soldaten wurden eingeschifft. Es sah so aus, als wäre wieder eine große Offensive geplant. Die Reihen der blauen Uniformen schienen endlos.

Am liebsten wäre Emma hingegangen und hätte die Nähte und Knopflöcher überprüft, aber kopfschüttelnd über sich selbst bei diesem Gedanken schlug sie die Richtung zum Hafenmeister ein. Er musste wissen, ob außer denen der Marine heute auch noch andere Schiffe hier anlegen würden.

Auch wenn die meisten Männer einer Frau automatisch auswichen, wenn sie sie nicht anstarrten – hier im Hafen waren Frauen ein eher seltener Anblick – rempelten sie doch einige an, weil angesichts der Menschenmassen einfach nicht genug Platz war, schon gar nicht für einen Reifrock.

Emma seufzte. Sie wünschte sich die Zeiten zurück, als sie in schlichteren Kleidern hatte herumlaufen können. Wie hatte sie damals beim ersten Mal die Illusion, in einem Pariser Modell eine Lady zu sein, genossen. Sie hatte sich fast nichts Schöneres vorstellen können.

Aber diese Kleider waren definitiv nichts für die arbeitende Bevölkerung. Sie waren für Ladys gedacht, die den ganzen Tag nichts anderes zu tun hatten als ein schönes Bild abzugeben. Und das würde sie nie sein. Sie war nicht für nutzloses Herumsitzen gemacht.

»He, schönes Kind . . .« Ein Matrose kam auf sie zugewankt. Er hatte wohl ein wenig zu viel geladen.

Emma wandte nur den Kopf und schaute ihn an.

»Oh, sorry . . . ’Tschuldigung, Ma’am«, stammelte er, tippte sich an die Mütze und wankte weiter.

Emma hatte keine Angst vor betrunkenen Männern, ganz egal, wo und wann sie sie traf.

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  • Ruth Gogoll
  • Ruth Gogoll

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    Sie wünschte sich die Zeiten zurück, als sie in schlichteren Kleidern hatte herumlaufen können.

    Zur damaligen Zeit war der Spruch »Kleider machen Leute« noch sehr wahr. Emma sieht nun völlig anders aus als zu dem Zeitpunkt, als sie Francie kennenlernte. Sie muss sich den Konventionen anpassen, sonst wird sie als Geschäftsfrau nicht ernstgenommen.

    Dienstag, 18. April 2017 9:42

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