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Konflikt(e) – das zentrale Element
Im Grunde genommen gilt alles, was in dieser Reihe über Kurzgeschichten gesagt wird, auch für Romane, nur beschränkt sich eine Kurzgeschichte eben auf eine viel kürzere Zeitspanne und weniger Personen, weniger Ereignisse (in der Tat normalerweise nur auf ein Ereignis).
Wenn ich einen Roman schreibe, ist es oft schwierig, die Spannung über den langen Zeitraum zu halten, dieses Problem entfällt bei einer Kurzgeschichte. Sobald das Ereignis abgearbeitet ist, ist die Geschichte zu Ende.
Ebenso gibt es in einem Roman immer wieder neue Konflikte, jede Figur hat einen oder mehrere, in einer Kurzgeschichte gibt es einen einzigen Konflikt, und das war’s.
Deshalb sollte dieser eine Konflikt richtig gut sein und für Spannung sorgen. Es ist sicherlich kein spannender Konflikt, wenn man sich fragt, ob man die schwarze oder die blaue Hose kaufen soll, das rote oder das weiße Kleid. Es muß schon etwas sein, daß eine selbst und auch die Leserinnen im Innersten berührt.
Konflikt ist das fundamentale Element von Fiktion, denn in der Literatur sind nur Schwierigkeiten interessant. Alles, was glatt läuft, ist höchst uninteressant. Deshalb ist auch der Alltag meist uninteressant, denn der läuft – trotz kleinerer Probleme – viel zu glatt ab. Es baut sich selten eine unerträgliche Spannung auf.
Am interessantesten sind meist die Dinge, die schon von Natur aus Spannung in sich tragen wie beispielsweise Sex und alles, was dazugehört, wie die Frage »Kriege ich sie? Kriege ich sie nicht?« oder Kampf. Der Kampf ums Dasein ebenso wie der Kampf um eine Frau oder der Kampf um Anerkennung.
Der Konflikt erzeugt die Spannung, die man braucht, damit die Geschichte überhaupt losgehen kann. Um diese Spannung zu erzeugen, benötigt man entweder einen Konflikt, der in der Persönlichkeit der Hauptfigur liegt oder zwei Charaktere, die einen Gegensatz zueinander bilden, Gegenspieler sind.
Es können innere oder auch äußere Schwierigkeiten sein, die zu Konflikten führen, aber Schwierigkeiten sind unabdingbar. Und es darf nicht von Anfang an klar oder vorhersehbar sein, wie die Schwierigkeiten gelöst werden. Als Leserin möchte man vom Geschriebenen gefesselt werden, so daß man sich kaum von den Seiten losreißen kann. Die Leserin muß sich bis zum Schluß fragen, wie die Geschichte wohl enden wird.
Mögliche Konflikte sind:
- Die Protagonistin im Kampf gegen eine andere Person
- Die Protagonistin im Kampf gegen die Natur (Wirbelstürme) oder Technik
- Die Protagonistin im Kampf gegen die Gesellschaft
- Die Protagonistin im Kampf gegen sich selbst
Und so weiter.
Hier eine kleine Checkliste, wie die Konflikte erzeugt und vorgestellt werden:
- Geheimnis. Erklären Sie nur so viel, daß die Leserinnen gereizt werden weiterzulesen. Geben Sie niemals alles preis, worum es in der Geschichte geht. Zu viele Details sind ungesund. Je weniger desto besser. Aber es muß genug sein, um die Spannung zu halten.
- Bevollmächtigung. Beide Seiten des Konflikts müssen genug Möglichkeiten erhalten, ihre Wünsche durchsetzen zu können. Es hat keinen Sinn, wenn eine Seite alle Möglichkeiten hat und die andere keine.
- Steigerung. Erhöhen Sie laufend die Anzahl und verstärken Sie die Art der Widerstände und Hindernisse, mit denen die Protagonistin zu kämpfen hat.
- Folgenschwere Taten. Fiktionale Charaktere werden für ihre Taten eher zur Verantwortung gezogen als wirkliche Menschen.
Figuren, die Fehler machen oder böse sind, müssen oft dafür bezahlen, auch wenn das in der Realität viel zu selten der Fall ist. Und anständige Menschen werden, zumindest in fiktionalen Geschichten, meistens belohnt.
- Überraschung. Erzeugen Sie ausreichend Komplexität, so daß die Leserinnen die Ereignisse nicht zu schnell vorhersagen können.
- Identifikation. Unterstützen Sie die Identifikation der Leserin mit Figuren oder Szenarien, die auf angenehme (oder unangenehme) Weise die eigenen Wunschträume (oder Alpträume) der Leserin widerspiegeln.
- Einsicht. Enthüllen Sie etwas über die menschliche Natur.
- Allgemeingültigkeit. Präsentieren Sie eine Auseinandersetzung, die die meisten Leserinnen für wichtig und über den Augenblick hinaus bedeutungsvoll halten, auch wenn die Einzelheiten dieser Auseinandersetzung an einem bestimmten Ort und zu einer bestimmten Zeit stattfinden, eben dem Ort und der Zeit in der Geschichte.
- Hoher Einsatz. Überzeugen Sie die Leserinnen davon, daß der Ausgang der Geschichte deshalb wichtig ist, weil viel auf dem Spiel steht.
Die Hauptfigur der Geschichte, bei der Sie geschickt dafür gesorgt haben, daß sie den Leserinnen etwas bedeutet, könnte etwas sehr Wertvolles verlieren.
Triviale Konflikte erzeugen meistens auch triviale Geschichten, also lassen Sie Ihren Konflikt nicht trivial sein.
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…wenn ich mir das so durchlese, möchte ich am liebsten gleich ein gutes Buch lesen in dem das alles vorkommt. *-)
Das alles in einer Geschichte zu verpacken ist weiß Gott nicht einfach, aber ich finde es immer wieder sehr faszinierend wenn es gelinkt. Und diejenigen die ihr Handwerk beherrschen sind mit etwas Gutem gesegnet, Glückwunsch.
Ich weiß es ist verdammt schwer ein gutes Buch zuschreiben. Ich bin ehrlich gesagt schon –sehr neidisch- auf die Leute die das können. Nicht das es mir an Ideen mangeln würde für ein Buch, dass wohl nicht, ich bin auch fleißig dabei -Zeilen die ich niederschreibe zu einem lesbaren Etwas zusammenzuführen-.
Aber hey, gelernt ist halt gelernt, und ich habe es nicht gelernt.
(Abgesehen davon, lese ich sehr gerne was hier niedergeschrieben wird auf den Seiten. Manches ist sogar total witzig verpackt, so dass mir Hin und Wieder ein Lächeln oder ein Lachen über die Lippen kommt. Was ich sehr schön finde.)