»Da fällt mir dann schon was ein«, versichert Meike mir zuversichtlich und herausfordernd zugleich. Sie bleibt gefährlich nah neben mir stehen. Ich halte den Atem an und spüre die Hitze, die in mein Gesicht aufsteigt. Meike grinst.
»Bist du sicher?«, frage ich mit kehliger Stimme nach.
»Oh ja, Tina. Das kannst du mir glauben. Ich kann sehr überzeugend sein«, raunt sie.
»Du machst mich nervös«, gestehe ich leise.
»Warum?«
»Ich weiß es nicht«, lüge ich.
»Sag es, Tina. Warum mache ich dich nervös?«, fragt Meike noch einmal. Ihre Stimme klingt fast ein bisschen bedrohlich. Sie sieht mich ernst an. Ihre Augen funkeln.
»Du spielst mit mir«, flüstere ich heiser.
»Tue ich das?«
»Ja . . .«
»Du magst das«, stellt Meike fest und verringert den Abstand zwischen uns auf wenige Zentimeter.
Mir wird noch heißer. Meine Knie werden weich. »Ja . . .«, presse ich gerade so heraus.
Ich bin gefesselt von der Situation. Meike hat mich in der Hand. Und sie weiß es. Das sehe ich in ihrem Blick.
»Sag mir, was das für ein Auftrag ist«, fordert Meike noch einmal.
»Nein . . .«, flüstere ich kaum hörbar und spüre, dass ich die Situation nicht mehr lange in der Hand habe. Es ist der Tanz mit dem Feuer. Ich könnte mich verbrennen. Das ist der Reiz.
Es erregt mich, Meike herauszufordern. Ihre dunkle Seite, die sie ganz offensichtlich hat, hervorzukitzeln. Und mich ihr dann hinzugeben.
»Jetzt spielst du mit mir«, raunt Meike wissend und tritt einen Schritt zurück, um mich mit ihrem Blick zu taxieren.
Ich werde unruhig. Lehne mit meinem Hintern an der Arbeitsplatte. Meine Füße tippeln kaum merklich auf der Stelle, und mein ganzer Körper steht unter Anspannung.
»Glaubst du, du hast die Sache hier unter Kontrolle?«, fragt Meike ernst, und ihr Blick verdunkelt sich. In ihrer Stimme schwingt Erregung mit. Das höre ich deutlich. Ich sehe, wie sich ihr Brustkorb schneller hebt und senkt als noch vor ein paar Minuten.
»Vielleicht«, antworte ich herausfordernd.
»So, so. Das finde ich spannend.«
Dann geht sie wieder auf mich zu, hält ihren Kopf neben meinen und flüstert in mein Ohr: »Wie weit bist du bereit zu gehen?«
Ich atme tief ein und halte die Luft an. Meine Gedanken fahren Achterbahn. Diese Situation bringt mich um den Verstand. Ich bin erregt, und mein Slip ist bereits jetzt klatschnass, obwohl eigentlich gar nichts passiert ist. Mein Spieltrieb, den ich nun seit drei Monaten im Zaum halten musste, ist geweckt, und ich spüre die überwältigende Bereitschaft, Grenzen zu überschreiten.
»Weit«, antworte ich deutlich und sehe Meike dabei selbstsicher in die Augen.
»Du überraschst mich, Tina«, schmunzelt Meike. In ihrer Stimme schwingt Zufriedenheit mit.
»Der ganze Abend überrascht mich«, stelle ich grinsend fest. Auf wundersame Weise habe ich eine passende Antwort parat, die nicht völlig deplatziert klingt.
Es ist, als wäre ein großes Geheimnis gelüftet, das uns beiden die ganze Zeit auf der Seele lag.
»Ich brauche einen Drink«, sagt Meike kopfschüttelnd und geht seufzend zum Tisch, um sich den letzten Schluck Rotwein ins Glas zu gießen.
»Und was ist mit mir?«, frage ich und blicke in mein leeres Weinglas.
»Ja, was mache ich jetzt mit dir?«, fragt Meike und zwinkert mir zu.
Meine Wangen glühen und in meinem Schritt pulsiert die Lust. Es fällt mir schwer zu atmen und mich zu sammeln. Denn die letzten Stunden waren die aufregendsten seit Monaten.
Dennoch bleibe ich vernünftig. Heute jedenfalls. »Ich würde ja sagen: Was du willst. Aber wenn ich ehrlich bin, dann schaffe ich heute nur noch ein Glas Wein«, schmunzle ich. »Mein Höhepunkt war heute die Erkenntnis.«
»Welche Erkenntnis?« Meike sieht mich neugierig an. Ihre leicht kehlige Stimme erregt mich so sehr, dass es mir schwerfällt, standhaft zu bleiben.
Sie weiß es. Das sehe ich an ihrem Blick, der mich durchdringt.
»Dass wir offenbar beide gern Spiele spielen«, sage ich schnell und proste Meike mit irgendeinem Weinglas zu, das noch halbvoll auf dem Tisch stand.
12
Meike
Ich kann nicht schlafen. Ich starre an die Decke, und meine Gedanken kreisen ungefähr genauso schnell, wie sich das Hausboot zu drehen scheint. Letztes liegt allerdings vermutlich am Wein. Erstes hingegen an Tina.
Wie gern hätte ich sie zum Bleiben überredet. Es wäre wahrscheinlich nicht besonders schwer gewesen. Ihre roten Wangen und ihr nervöses Getrippel, das sie zu verbergen versucht hat, haben bei unserem Abschied eine eindeutige Sprache gesprochen.
Eine Umarmung. Mehr nicht. Das war unser Abschied. Zu wenig, meiner Meinung nach. Was hätte ich mit ihr gemacht, wenn sie geblieben wäre? Was wäre wohl passiert? Wie weit wären wir gegangen?
Ich habe hundert Fragen im Kopf und keine Antworten.
Meine Bettdecke hat sich um mich geschlungen wie ein Kokon. Ich hasse das. Ich brauche Freiheit, und dieser Haufen Stoff und Daunen hüllt mich ein wie eine Zwangsjacke. Strampelnd und zerrend befreie ich mich und schnaufe frustriert.
Ja, ich bin frustriert. In meinen Fingern hat es die ganze Zeit gekribbelt. Wie gern hätte ich Tina gepackt und auf den Esstisch aus robustem Eichenholz gedrückt. Ich hätte ihr ihre Jeans herunter- und den Slip beiseitegeschoben, um mich an ihrem knackigen Hintern zu erfreuen. Vielleicht hätte ich einige Male sanft darübergestreichelt. Vielleicht wären meine Fingernägel über ihre Haut geglitten, bis sich eine feine Gänsehaut gebildet hätte.
Ich stelle mir vor, wie unruhig Tina nach einer Weile geworden wäre. Nicht ahnend, was als Nächstes passieren würde.
Durstig stehe ich auf und hole mir noch ein Glas Wasser aus der Küche.
Ein Blick aus dem großen Panoramafenster hinter dem Esstisch verrät mir, dass die Nacht schon fast vorbei sein muss. Die Uhr über der Kommode bestätigt diese Erkenntnis. Es ist gleich fünf Uhr. Ich beobachte den dünnen Sekundenzeiger. Rhythmisch bewegt er sich im Kreis. Tick tack tick tack.
Meine Müdigkeit kehrt zurück, und ich gehe wieder ins Bett. Wie gut, dass Sonntag ist und ich heute keine Kurse geben muss.
Seufzend lasse ich mich auf den Bauch fallen, atme den angenehmen Duft der frischgewaschenen Bettwäsche ein und sinke endlich in den Schlaf.
13
Tina
»Tina, meine Liebe. Wie schön, dass es so spontan geklappt hat«, freut sich Henriette und nimmt mich überschwänglich in den Arm.
»Kein Problem«, erwidere ich lächelnd und schaue mich nach Gerti um.
Als könnte Henriette meine Gedanken lesen, sagt sie: »Gerti ist heute verhindert. Am Wochenende hat unsere neue Kellnerin ein bisschen Mist gebaut, und den muss Gerti aus der Welt schaffen.«
»Oh, das klingt nicht so gut«, bemerke ich und spüre, dass ich meine Neugier kaum im Zaum halten kann. Aber es geht mich nichts an, was im Club vorgefallen ist, also spare ich mir meine Nachfrage.
Henriette schmunzelt wissend. Es ist wirklich unheimlich, wie sie mich durchschauen kann, obwohl wir uns kaum kennen. »Marlene hat sich an der Kasse bedient und leider bei einer Gruppe Stammgäste den Bogen überspannt, indem sie ihnen eine falsche Abrechnung vorgelegt hat«, beantwortet sie meine unausgesprochene Frage. »Zu ihrem Pech gehört jedoch unsere Steuerberaterin ebenfalls zu dieser Gruppe, und die hat die Finanzen bestens im Blick. Sonst wäre es uns wohl erst viel später aufgefallen.«
»Wow, wie dreist«, finde ich und stelle wieder einmal fest, dass ich zu so einem Verhalten niemals fähig wäre.
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