Roman Nr. 13

Anonymer Auszug aus Roman Nr. 13 für die Abstimmung zum 11. Lesbischen LiteraturPreis

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Inhalt

Jana Lemke trifft ein gewaltiger Blitzschlag, als sie Susann Freyberger das erste Mal begegnet.

Ihr Herz ist sofort Feuer und Flamme, für die schöne Unbekannte.

Eigentlich plagen Jana, Liebeskummer und Wohnungsnot. Aber, in Susanns Nähe scheint alles ein wenig leichter. Auch wenn Susann, augenscheinlich, eine etwas mürrischere Zeitgenossin ist.

Sie kann ja nicht ahnen, dass auch sie, Susanns Herz im Sturm erobert hatte.

Irgendwo zwischen erfolgloser Wohnungssuche, Kopfzerbrechen wegen der ruppigen Kollegin, Susann, die sich gerne als Chefin aufspielt, sind da plötzliche die Gefühle. Die Gefühle für Susann, die sich immer stärker in Janas Herz ausbreiten.

Ausgerechnet die taffe Susann Freyberger ist es, die Janas Wohnungssuche beenden kann. Sie vermittelt ihr eine Wohnung, und ein Platz in ihrem Herzen.

Ein klärendes Gespräch lockert die Beziehung der Beiden und  eine heimliche Affäre flammt auf.

Mit dem Umzug in die neue Wohnung, vertieft sich auch die Beziehung von den Beiden. Ein Umzug ins Glück.

Während Jana auf ihrer rosa Zuckerwatte Wolke schwebt, kommt sie des Öfteren ins Straucheln.

Nach glücklichen Tagen ist Susann einfach weg und meldet sich nicht.

Sie taucht wieder auf und alles scheint wieder völlig normal.

Janas junges Liebesglück wird auf eine harte Probe gestellt. Da sich Susann auch nie richtig zu ihrer Beziehung äußert. Ob sie nun ein Paar sind oder nicht.

Sie kommt immer öfters an den Punkt, an dem sie sich fragt, was Susann ihr verschweigt, und ob sie immer ehrlich ist.

Jana gibt Susann die Zeit, die Zeit die sie braucht. Sie überstürzt nichts, sie hofft einfach darauf, darauf, dass sie ihr Liebesglück bald allen zeigen kann.

Und sie hofft darauf, dass es doch ein Umzug ins Glück ist und ihre Liebe sich vertieft.

 

Auszug

-1-

 

Jana schaute sich neugierig die Wohnungsanzeige an, es hörte sich gut, dann sah sie den Mietpreis. Frustriert schaltete sie das Internet aus. Sie lehnte sich zurück, atmete tief durch und schaute auf die Wanduhr, der Tag war gleich geschafft.

Sie blickte auf ihren Schreibtisch und dachte nach. Dieser Tag, er war fast vorüber. Dankbar lächelte sie.

Es war einer dieser Tage, an denen man besser im Bett geblieben wäre. Sie seufzte und fuhr sich durch ihr kastanienbraunes kurzes Haar.

Eine süßliche Duftwolke umspielte ihre Nase. Sie blinzelte leicht. Eine Hand legte sich auf ihre eigene „Jana? Hast du mir zugehört?“, der Händedruck verstärkte sich.

Caroline Weller hob den Kopf. Mit Argusaugen beobachtete sie die Reaktion ihrer besten Freundin. Wenn sie nur helfen könnte.

Jana hob ihren Kopf und blickte in zwei eisblaue Augen. Sie lächelte schwach, zu mehr fühlte sie sich nicht in der Lage.

„Soll ich dich nachher begleiten? Herr Richter hat bestimmt nichts dagegen.“, Caro zupfte nervös an ihrem sandfarbenen Kostüm. Jana beobachtet Caro unauffällig.

Caro sieht umwerfend aus, musste sich Jana eingestehen. Mit ihrer ein Meter siebzig, sportlichen Figur. Ihr Gesicht war schlicht aber wunderschön. Lange blonde Haare umrahmten dieses Gesicht. Zwei eisblaue Augen ließen alles dahinschmelzen.

„Ich werde den Termin mit Herr Richter verschieben. Mir schwirrt der Kopf viel zu sehr. Wir sollten ausgehen. Lass uns mal wieder ins Baltimor gehen. Vielleicht treffen wir endlich die Liebe fürs Leben“, Jana schaltete ihren Computer aus.

„Wir?“, lachend warf Caro ihre lange blonde Mähne über ihre Schulter. Jana schürzte die Lippen.

Caro registrierte es sofort „Du musst doch selber über deinen Vorschlag schmunzeln. Ernsthaft? Heute, wo bei dir alles schief läuft?“

Jana verschränkte ihre Arme „Heute ist Happy Hour. Wir könnten uns ein paar alkoholfreie Cocktails schmecken lassen und den Abend genießen. Und…“, mit einem vielsagenden Blick schaute Jana zu Caro „Die Inhaberin des Baltimors scheint dich sehr interessant zu finden.   

Caro lachte leise und schaute in den kleinen Handspiegel „Natürlich findet sie mich interessant, so wie sie dich interessant findet. Wir sind Stammgäste dort.“

Mit ruhiger Hand versuchte Caro eine Wimper zu entfernen. Sie hatte schon die ganze Zeit das Gefühl, das sie etwas im Auge hat.

Sie blickte über den kleinen Spiegel hinweg „Wir können Lotto spielen. Vielleicht stehen unsere Chancen dort besser.“, ein leises Lachen entrann ihr.

Jana seufzte, wenn Caro nur nicht so Recht hätte.

Caro drückte Janas Hand „Wenn du den Kopf frei bekommen möchtest, fällt mir etwas anderes ein. Aber den Rest, den Rest sollten wir einfach vergessen.“

Caro zog ein Haargummi hervor und band sich ihre Haare zusammen.

Jana beobachte ihre beste Freundin. Mit ruhiger Hand legte Caro noch ein wenig Lippenstift auf. Es unterstrich ihre sanft geschwungenen Lippen.

„Ich denke, wenn wir am wenigsten damit rechnen, wird uns die Liebe über den Weg laufen.“, mit einem musternden Blick widmete Caro sich ihrem kleinen Spiegel.

„Ich bin kurz in meinem Büro. Meine Handtasche liegt noch auf meinem Schreibtisch. Danach gehen wir zu mir und kochen etwas Leckeres.“, Caro schenkte Jana ein aufmunterndes Lächeln.

Jana nickte „Wir probieren ein neues Rezept aus. Ich rufe Herr Richter an, dass ich das Treffen verschiebe.“ 

Caro blickte Jana in die Augen „Lass die Zeit ruhen, dann gehen wir aus. Aber zurzeit? Wir ziehen doch nur die Nieten.“, sie seufzte bitter „Lydia hat dich genügend verletzt. Ich möchte nicht, dass du noch einmal in diese Situation kommst. Ich bin gleich wieder da.“

Jana schaute Caro nach “Gut. Ich warte am Auto auf dich.“

Caro blickte über ihre Schulter hinweg, ein Lächeln zuckte über ihre Lippen „Bist du sicher? Du kannst gerne warten, ich bin gleich wieder da. Ich meine, in meiner Gegenwart ist dir heute nichts passiert. Nicht das irgendetwas passiert, auf diesem kurzen Weg.“

„Sehr lieb von dir, aber ich denke, diesen kurzen Weg werde ich schon überstehen.“

Mit einem Schmunzeln schüttelte sie den Kopf. Sie lehnte sich zurück und ließ ihre Gedanken schweifen. Caro hatte Recht, die große Liebe blieb aus.

Lydia. Janas Gedanken wurden schwer. Mit Lydia war sie glücklich. Sie ist erst vierunddreißig und kann die Liebe fürs Leben noch finden, aber es gab diese Zeit, diese Zeit, als sie dachte, sie hätte sie in Lydia gefunden. Die Liebe fürs Leben.

Nachdenklich zog sie die Kontoauszüge hervor. Sie konnte es immer noch nicht glauben.

Fünftausend Euro. Wie konnte Lydia ihr das nur antun? Sie hatte ihr vertraut. Würde sie ihr Geld wiedersehen? Wahrscheinlich nicht. So wie sie Lydia nie wieder sehen würde. Eine Träne löste sich. Mit dem Handrücken wischte sie sich über die Augen. Plötzlich wusste sie nicht einmal mehr, welcher Verlust schlimmer war. Lydia oder das Geld?

Sie öffnete die Schublade und zog das Foto hervor, das Foto aus glücklichen Tagen. Viel zu lange sind sie her. Viel zu viele Fragen sind unbeantwortet.

Sie schüttelte den Kopf und legte das Foto beiseite.

Mit einem Seufzen stand sie auf. Sie schob ihren Bürostuhl akkurat an den Tisch und begab sich zum Aufzug.

Kurz darauf öffnete sich die Aufzugtüre und Jana trat in das kühle Parkhaus. Zielstrebig lief sie zu ihrem Auto, als sie plötzlich innehielt. Aus dem Augenwinkel hatte sie einen Schatten wahrgenommen.

Sie blinzelte. Nein, es war keine Einbildung. Mit wachen Augen musterte sie jeden Schritt der unbekannten Person.

Sie konnte nicht viel erkennen, die Person hatte ihr den Rücken zugewandt. Jana wurde nervös.

Sie dachte nach. Die meisten Kollegen hatten schon Feierabend. Sie schaute an der Person vorbei. Ihr Blick streifte einen dunkelblauen großen Geländewagen. Nein, dieses Auto hatte sie hier noch nie gesehen.

Eine Unentschlossenheit ergriff Jana. Sollte sie zu ihrem Auto? Sollte sie sich vergewissern, wer diese Person ist?

Sie zuckte leicht zusammen, als sich eine grollende lautstarke Stimme erhob. Wie ein Gewitter kam es kurz und heftig. Dann ebnete es jäh ab. Die Unbekannte hatte ihr Telefonat beendet. Jana schlenderte in ihre Richtung.

„Gibt es irgendwelche Probleme? Könnten Sie etwas leiser Telefonieren?“, Jana festigte ihre Stimme. Mit entschlossenem Blick und festen Schultern schaute sie auf die Frau, die ihr den Rücken zuwandte.

Die Frau zuckte leicht zusammen. Abrupt drehte sie sich um. Zwei braune Augen fingen Janas Blick ein.

Jana erstarrte, ihr Herz setzte aus und ihre Hände wurden feucht. Sie spürte, wie sie ins Straucheln kam. Ihr Gefühlschaos, welches heute schon genügend angerichtet hatte,  geriet endgültig aus der Bahn.

Jana zog es heftig zurück, alles drehte sich. Plötzlich fühlte sie sich an Svenja erinnert. Ein kurzes aber heftiges Gefühlchaos vor sechszehn Jahre.

Damals traf Svenja sie mit voller Wucht, nur die Bande der Eishalle konnte sie damals aufhalten. Während Svenja sich um sie kümmerte, und sicherstellte das nichts Schlimmeres passiert war, hatte sie nur noch Augen für Svenja.

Zwei schöne Wochen verbrachte sie in Svenjas Nähe, ohne ihr jemals zu nahe gewesen zu sein. Erst dann wurde ihr bewusst, dass Svenja wirklich unabsichtlich in sie gefahren war. Svenja, die Eishockeykapitänin der damaligen Eishockeymannschaft, wollte ihr wirklich nur demonstrieren, wie man erfolgreich Abwehrt. Tage später sah sie Svenja und Jens zusammen, damit endete ihre Verliebtheit abrupt.

Jana blinzelte verwirrt. Sie spürte die heftige Wucht, was der bloße Anblick der schönen Unbekannte geschuldet war. Dieses Mal gab es keine Bande, nein, dieses Mal hielt sie nichts auf. Jana wollte etwas sagen, aber nichts geschah. Sie hatte nur noch Augen für diese Frau.

In einem dunkelblauen Anzug stand sie vor ihr, die weiße Bluse leicht anzüglich geöffnet. Ihr Gesicht war kantig und fast eine Spur zu ernst. Aber es passte zu dem dunkelbraunen halblangem Haar, welches akkurat am Kiefer entlanglief.  

Diese Frau machte einen viel zu ernsten Eindruck, als würde sie keinen Spaß verstehen. Dennoch hatte sie eine Anziehungskraft, die Jana sämtliche Sinne raubte.

Jana wollte etwas sagen, als ein süffisantes Lächeln die Gesichtsmuskeln der Frau lockerte.

Theatralisch fasste sie sich an den Kopf „Entschuldigen Sie, dass ich ihre Ruhe störe. Ich dachte, ich wäre in einem Parkhaus. Nicht etwa in einer Kirche.“

Gemächlich ging sie ein paar Schritte auf Jana zu.

Jana fühlte eine brennende Hitze die ihren Körper durchflutete. Genüsslich schnupperte sie das Parfüm. Dieser Duft, Jana fing zu träumen an. Das Parfüm war markant, hatte eine sportliche Note und roch einfach unwiderstehlich.

Die elegante Erscheinung verschränkte ihre Arme. Sie kam Jana bedrohlich nahe

„Ich habe andere Probleme. Meine Lautstärke kann schon nicht so schlimm sein.“, presste sie hervor „ Mein Tag… Schon den ganzen Tag läuft nichts, wie es laufen sollte. Ich sollte schon längst bei einem Termin sein, aber…“, sie räusperte sich „Ist auch nicht so wichtig. Mit wem habe ich überhaupt das Vergnügen?“

Die Unbekannte ließ ihre Blicke wandern, aber sie konnte kein Namensschild entdecken „Sie sind?“

Jana wurde von zwei Augen taxiert. Ein unaufhörliches Kribbeln schoss Jana vom Kopf durch den ganzen Körper.

Die Frau setzte ein spöttisches Lächeln auf, auch wenn sie gleich groß waren, hatte Jana das Gefühl, sie hätte sich größer gemacht.

Die Unbekannte verlagerte ihr Gewicht, verschränkte elegant ihre Arme und musterte sie abwertend. So kam es Jana vor.

Jana schüttelte kaum merklich den Kopf, sie ließ sich doch von dieser Frau nicht bloßstellen. Es war Zeit für den Gegenangriff. Mit wem sie das Vergnügen hat? Wollte sie wissen, dass sollte sie ruhig erfahren.

„Jana Lemke. Sicherheitschefin bei Freybergers. Und mit wem hab ich das Vergnügen?“ Jana verschränkte ihre Arme, sie fühlte sich stärker als gedacht.

Ein Lächeln zuckte über das schöne Gesicht „Aha…“, kam es lakonisch.

Jana traf erneut ein heftiger Schlag. Nur fühlte es sich nicht so schön an. Ihr Kopf dröhnte, diese Frau, sie machte sich lustig. Ihr Magen rumorte, es war mehr als offensichtlich, dass sie nicht ernst genommen wurde.

„Wie sind Sie überhaupt hier reingekommen? Wir sind kein öffentliches Parkhaus. Haben Sie auch einen Name?“, Jana festigte ihre Stimme.

Die Frau lächelte sanft und blickt auf ihr Handy, welches leise Vibrierte. Sie ließ es wieder in ihre Tasche gleiten.

„Sie glauben, dass Sie, dass irgendetwas angeht? Was ich hier mache?“, zwei Augen zogen sich gefährlich zusammen.

Jana schnurrte innerlich. Was war nur los mit ihr? Warum genoss sie es sogar, dass sie sich diesen Machtkampf lieferten?

Jana wurde unruhig. Vielleicht sollte sie nach vorne preschen und diese weichen Lippen mit einem Kuss versiegeln. Oder, war diese Idee doch nicht so gut? Jana schmunzelte. Sie haderte, ihr Impuls gefiel ihr, aber würde sie dafür eine Backpfeife einfangen?

„Ich warte. Ich bin gleich wieder weg.“, drang die Stimme in Janas Gedanken.

Jana hob ihren Kopf, zwei aufmerksame Augen musterten sie „Ich bin im Stress. Da kann ich manchmal… Also ich… Egal, es war nicht so gemeint.“, kam es leise.

Jana stand stumm da. Wollte sie sich rechtfertigen? Sie hatte auch keinen schönen Tag, aber verhielt sie sich deswegen so schroff?

Jana seufzte innerlich. Diese Frau, selbst diese leichte Gefühlsschwankungen, taten ihrer Attraktivität keinen Abbruch.  

Die kantigen Gesichtszüge lockerten sich. Ein leichtes Lächeln umspielten die Lippen der schönen Unbekannte „Susann Freyberger“, sie reichte Jana die Hand.

Ein heftiger Blitz durchfuhr Janas Körper. Hatte sie richtig gehört? Susann Freyberger? Das konnte nicht sein.

Jana blickte auf die Hand. Sie fühlte sich unfähig danach zu greifen. Alles fing an sich zu drehen. Sie räusperte sich, als sie zwei vertraute Stimmen vernahm.

„Susann. Du bist schon hier? Bei mir hat es noch gedauert“, erklang das tiefe brummen von Manfred Freyberger, Janas Chef. Caro und Manfred kamen gemeinsam aus dem Aufzug.

„Hallo Susann“, kam es leicht verlegen von Caro, als sie sich neben Jana stellte.

Janas Stirn legte sich in Falten. Eine leichte Irritation durchzog ihr Gesicht. Sie kippte ihren Kopf. Caro kannte Susann?

Susanns Blick streifte Manfred. Sie hatten es eilig und das drückte sie damit aus.

Manfred Freybergers Lachen dröhnte durch das Parkhaus. Er fuhr seinen Arm aus und gab mit seinen plumpen Händen, Jana einen freundlichen Klaps auf die Schulter. Jana war es gewohnt, dennoch kam es so überraschend, dass sie fürchtete, direkt in die Arme von Susann zu fliegen.

Herr Freybergers Lachen erlosch „Mach dir keine Sorgen, wir sind gleich weg. Du hast Jana Lemke, meine beste Mitarbeiterin, also kennengelernt?“

Susanns Hand legte sich auf Janas Schulter. Sie blickte Jana tief in die Augen „Mehr oder weniger. Wollen wir?“

Susann nahm ihre Hand weg und lief eiligen Schrittes zu ihrem Wagen.

Jana stand regungslos da. Der schöne Moment verflog viel zu schnell, empfand sie, als das Auto zum Leben erwachte, und diese elegante Frau davon fuhr. Jana seufzte.

 

-2-

 

Jana zog ihren Körper nach oben. Noch ein paar Sit-Ups und dann ist genug.

Jana hielt kurz inne, beobachtete Caro in der Küche und widmete sich wieder ihren Übungen.

Jana blickte an die Decke, nicht nur ihre Muskeln schmerzten, auch ihr Kopf schmerzte vor lauter Gedanken.

Jana schloss die Augen, sofort war es wieder da, dieses wunderschöne Gesicht. Jana schmunzelte. Sie fühlte immer noch diesen festen, aber dennoch sanften Händedruck auf ihrer Schulter.

Wer war sie? Und warum ließ sie, sie nicht kalt. Jana hatte keine Antworten darauf.

Jana  machte sich lang und genoss die Ruhe. Nur das Schnippeln aus der Küche hing im Raum.

Es trieb Jana tief in ihre Gedanken, irgendetwas war da, da war sie sich sicher. Vorsichtig öffnete sie die Augen, kleine Punkte tanzten an der weißen Decke.

Susann, plötzlich war da diese Erinnerung, natürlich, Jana kam es vor, als sei es erst gestern gewesen, sie haben sich schon einmal gesehen. Sie richtete sich leicht auf. Schon im Parkhaus hatte sie das Gefühl, dass sie Susann schon einmal begegnet war.

Janas Herz pochte leise. Es ist schon über ein Jahr her, aber sie war sich sicher, endlich wusste sie, wo sie Susann  schon einmal gesehen hatte.

Es gab da diesen Auftrag, vor mehr als einem Jahr. Sie sollte in Manfred Freybergers Anwesen die Kameras überprüfen. Ja, da haben sie sich das erste Mal gesehen, Jana hatte es wieder vor Augen.

Damals hatte sie noch Lydia in ihrem Herzen und war an Frauen nicht interessiert, aber einen Blick wagte sie trotzdem, als sie Susann vorbeihuschen sah.

Es hatte sich nichts geändert, Jana schmunzelte, es war wie damals. Sie hatte keinen Blick mehr für ihre Arbeit, sie interessierte sich viel mehr für die wunderschöne Erscheinung, und Susann? Es scheint sich nichts verändert zu haben. Wie damals, würdigte sie Jana keines Blickes. Jana seufzte tief und fing an nachzudenken. Darüber, was Manfred Freyberger und Susann verband.

Ihre Gedanken wurden schwer. Wenn das, Jana schluckte, seine Frau war, sie seufzte. Eine große bunte Seifenblase zerbrach leise.

„Meditierst du? Das Essen ist gleich fertig.“, kam es glücklich von Caro.

Jana vertrieb ihre Gedanken  und setzte sich hin „Nein. Sehr gut, ich habe richtig Hunger“

Jana sprang auf und eilte Caro zur Hilfe. Gemeinsam deckten sie den Tisch.

Jana setzte sich und griff durstig nach dem Wasser.

Sie blickte nachdenklich auf ihr Glas, unauffällig musterte sie Caro. Die Beiden unterschieden sich wie Tag und Nacht.

Caro wirkte wie der sanfte Engel, und Susann, sie wirkte so Besonders.

Es war eine besondere Art, die ihr an dieser Frau so gefiel.

Dieses kantige Gesicht, Jana träumte.

Nachdenklich ließ Jana das Glas auf dem Tisch kreisen. Verlegen nippte sie ein wenig Wasser, wie sollte sie anfangen?

Ungeschickt räusperte sie sich „Diese Frau, ich meine Susann, du kennst sie?“

Nervös wischte sich Jana die Hände an ihrer Sporthose ab.

Caro schöpfte Salat auf ihren Teller „Hab sie in der Firma schon gesehen“

Jana blickte auf ihren Teller, nein, so eine Antwort wollte sie nicht hören. Warum brachte es Caro so belanglos rüber? Wie lange kannten sie sich wirklich schon?

Caro nahm sich Janas Teller an und schöpfte auch ihr Salat darauf. Caro bemerkte Janas Blick, sie hielt inne „Wir haben uns ein paar Mal unterhalten.“

„Ein paar Mal?“, Jana stellte ihr Glas ab.

„Ein paar Mal. Keine Ahnung.“, Caro setzte sich.

„Du kennst sie schon länger?“, Jana kippte den Kopf. Was war nur mit Caro los?

„Soll das ein Verhör werden?“, Caro griff nach ihrem Glas

Jana schüttelte resignierend den Kopf „Nein. Schon in Ordnung. Lass uns Essen.“

Jana pikste ein wenig Salat auf. Es schmeckte gut, aber ihr lagen noch ein paar Fragen auf der Zunge.

 „Susann Freyberger. Ist sie…“, Jana fiel es merklich schwer, das auszusprechen, was so unwirklich schien. Sie räusperte sich „Glaubst du, das ist seine Frau?“

Caro gluckste leise „Seit wann interessiert dich, das Liebesleben unseres Chefs? Wir wissen doch gar nichts über Manfred. Er gibt doch nie etwas Preis, über sein Leben. Aber nein, nein, sie ist nicht seine Frau. Halbgeschwister, soviel ich weiß.“

Jana stocherte nachdenklich in ihrem Salat „Was weist du über sie?“, sie stellte selber fest, es war eine Feststellung, keine Frage.

Volltreffer! Jana war es natürlich nicht entgangen, dass Caro anscheinend mehr wusste wie sie.

Caro zuckte die Schultern „Was soll ich schon mehr wissen?“

Jana hielt Caros Blick stand. Caro wurde zusehends unruhiger. Caro atmete scharf aus „Gut, du hast Gewonnen. Wir werden Susann Freyberger jetzt öfters sehen.“.

Jana fuhr sich durch ihr Haar, was würde sie noch alles Erfahren? Caro stocherte nervös in ihrem Salat „Ich wollte es dir heute sagen, aber es war viel los.“

Caro nahm die Wasserflasche „Manfred hat es mir gestern mittgeteilt. Sie fängt demnächst in der Firma an. Sie wird hier und da, ein paar Tätigkeiten übernehmen. Sie wird Manfred vertreten, wenn er jetzt öfters außer Haus ist.“

Caro hielt inne und schaute Jana nachdenklich an „Es wird sich aber nichts groß ändern. Manfred bleibt unser Chef. Nach ihm, habe ich das Sagen. So wie immer. Wir brauchen nichts zu befürchten:“

Jana verkniff sich ein zynisches Lachen. Nichts zu befürchten? Wollte oder glaubte Caro wirklich daran? Wusste sie, was sie da sagte? Es kann sich alles dadurch ändern.

„Was macht deine Wohnungssuche?“, Caro schob sich etwas Salat in den Mund. Jana schüttelte den Kopf, wie konnte Caro das Unheil so übergehen?

„Nichts. Ich habe nächste Woche einen Besichtigungstermin. Der Wohnungsmarkt ist zurzeit sehr leer“, Jana nippte nachdenklich an ihrem Glas.

Jana fiel es merklich schwer, das Thema einfach so zu belassen.

Wie konnte Caro nur so ruhig bleiben? Die Frage hämmerte unaufhörlich in Janas Kopf.

Unauffällig blickte sie zu Caro. Caro könnte alles haben. Manfred schätzte ihre Arbeit.

Schon vor einem Jahr, hatte Caro das Angebot erhalten, fünfzig Prozent der Firmenanteile zu übernehmen.

Wie viele würden dafür über Leichen gehen? In ein florierendes Unternehmen einzusteigen, mit vollen fünfzig Prozent.

Caro scherte sich nie darum. Sie begnügte sich damit, die rechte Hand des Chefs zu sein. Wobei das nicht ganz der Wahrheit entsprach. Manfred sah es nie so. Sie führten gemeinsam die Firma

Sie hatte immer höchsten Respekt vor Caros Entscheidung, aber das sie jetzt so ruhig blieb? Sie kannte diese Susann Freyberger nicht. Was wenn sie langsam aber sicher, sich alles selber unter den Nagel reißen würde?

„Du solltest es nicht so leichtfertig hinnehmen.“, Jana beschloss nicht länger zu Schweigen.

„Warum? Alles bleibt beim Alten.“, Caro legte ihre Gabel beiseite und musterte Jana.

Jana holte Luft „Ich weiß, es interessiert dich nicht. Aber diese Susann Freyberger, sie kann dir dein Platz streitig machen.“

Caro schob ihren Teller beiseite „Müssen wir jetzt darüber reden? Es wird sich nichts ändern“.

Jana spürte deutlich den scharfen Ton in Caros Stimmlage. Jana seufzte. Caro fühlte sich vielleicht der Lage gewachsen, aber war sie es wirklich?

„Caro, ich meine es doch nur gut. Dir könnte die halbe Firma gehören. Wir wissen nicht, wie viel Einfluss Susann hat. Ich möchte nur nicht, dass du es auf die leichte Schulter nimmst. Nachher hast du nicht einmal mehr deinen jetzigen Posten.“

„Was ist dein Problem? Das ich nie danach gegriffen habe, fünfzig Prozent zu übernehmen? Caros Augen verengten sich, so wie sie Antwortete klang sie fast wie ein bockiges Kind.

Jana wollte etwas erwidern, aber sie schluckte es tapfer. Sie wollte Caro doch nicht vor den Kopf stoßen, aber das tat sie unwissentlich mit ihrem Schweigen.

„Wusste ich es doch. Du warst noch nie mit meiner Leistung zufrieden. Würde es nach dir gehen, hätte ich die fünfzig Prozent annehmen sollen, und eine erfolgreiche Geschäftsfrau werden sollen.“ Caro griff hitzig nach ihrem Glas „Ich bin nun mal nicht dieser Karrieretyp. Ich bin zufrieden mit meinem Leben“

„Caro. So war es nicht gemeint. Du bist eine erfolgreiche Geschäftsfrau. Ich wollte doch nur…“, Jana stockte, was sollte sie sagen?

Caro lachte bitter „Doch Jana, so war es gemeint. Steh einmal dazu. Du hast dir schon immer gewünscht, dass ich die Firma mitaufbaue. Dass ich die erfolgreiche Geschäftsfrau werde, die du dir wünscht.“

„Du weißt genau, mir kommt es bei einer Frau nicht darauf an, wer oder was sie ist. Schon gar nicht bei dir“, Jana schnaufte enttäuscht. Hatte Caro wirklich so ein falsches Bild von ihr?

„Ja, ja das dachte ich einmal. Das du die Frauen nicht danach beurteilst. Aber wer sagt mir, dass es sich nicht geändert hat?“, Caro spürte wie ihre Stimme zitterte.

„Das meinst du nicht ernst?“, Jana spürte einen tiefen Stich in ihrem Herzen. Warum stritt sie eigentlich mit Caro? Sollte sie einlenken? Den Abend retten? Aber Caro setzte schon nach „Hat dich Lydia deswegen verlassen? Hast du sie auch so in die Ecke gedrängt?“. sie biss sich auf die Lippen.

Lydia.Das meinte Caro nicht ernst. Sie verlassen? Sie wussten nicht einmal, was mit Lydia passiert ist. Wie konnte Caro nur so etwas sagen?

Jana schob ihren Stuhl so heftig zurück, dass er mit einem lauten Knall auf dem Boden aufkam „Ich geh besser in die Pension.“

Jana schossen Tränen in die Augen. Ihre Stimme und ihr Körper zitterten.

Caro wurde es elendig zumute, was hatte sie getan? Wie konnte sie Jana so verletzen?

„Jana, bitte bleib!“, Caro eilte zur Türe, die krachend ins Schloss fiel. Entsetzt schaute sie auf die Türe. Wie konnte sie das nur tun?

 

-3-

 

Jana rieb sich ihren Nacken. Sie ließ den Kopf hängen. Nicht einmal im Schlaf fand sie Ruhe.

Jana gähnte herzhaft und machte sich auf ihrem Bürostuhl lang. Sie blickte auf die Uhr, Freitagmorgen, alles war ruhig.

Sie schaute sich in der großen Empfangshalle um. Sie liebte es hier zu Arbeiten. Die Empfangshalle war puristisch, modern eingerichtet.

Einfache Bilder säumten die Wände. Alles war in dezenten Grautönen gehalten. So schlicht und einfach, wie von außen.

Janas Blick ruhte auf den vielen Monitoren vor ihr. Sie hatte ihren Arbeitsplatzt direkt im Eingangsbereich, von hier konnte sie alles überblicken.

Die vielen Monitore, die jeden Winkel in dem Bürokomplex erfassten, waren aus ihrer Sicht, mehr Zierde als Notwendig.

Es reichte völlig aus, den Haupteingang im Auge zu haben. Alles andere war

hermetisch abgeriegelt.

Jana zog einen Stapel Akten heran, ihre eigentliche Arbeit. Sie runzelte die Stirn.

Sicherheitschefin dieser Firma zu sein, heißt nicht nur, die Sicherheit des Gebäudes im Auge zu behalten. Sie kümmerte sich noch um die Computersicherheit.

Und dann, dann war da ihre eigentliche Aufgabe. Die Seriosität der Firmen zu überprüfen. Firmeneigenes Bonitätsverfahren könnte man es nennen.

Sie blätterte durch die Akte. Ihr Job bestand darin, alles über die potenziellen „Neukunden“ herauszufinden. Wirklich alles. Jedes noch so kleines Staubkörnchen.

Für sie war nur der Name des Unternehmers wichtig. Die Liste war lang, auf die sie achten musste. War wirklich nichts zu finden, gab sie grünes Licht und eine Kooperation konnte stattfinden. Nur in seltenen Fällen musste sie davon abraten, zu ungenaue Angaben.

Jana lehnte sich zurück und schaute sich um. Alles hatte mal klein angefangen.
Manfred Freyberger verdiente früher sein Geld mit Antiquitäten und Kunsthandel.

Dem Zufall war es geschuldet, dass er sich Neu orientierte.

Manfred Freyberger verdient mittlerweile Millionen damit, dass er Unternehmen unterstützt und berät. Man könnte die Firma Freybergers als privates Kreditinstitut einstufen.

Jana legte die Akte beiseite. Sie blickte sich um, von Caro war weit und breit nichts zu sehen. Ein bitteres Lächeln konnte sie nicht unterdrücken.

Sie drehte sich in ihrem Bürostuhl, was war bloß gestern los? Diese Seite von Caro kannte sie gar nicht. Jana griff nach ihrer Wasserflasche.

Nicht einmal Entschuldigen wollte Caro sich. Caro zog es lieber vor, heute Morgen, sofort in ihrem Büro zu verschwinden.

Jana blickte wieder auf die Akte, vielleicht sollte sie sich lieber auf ihre Arbeit konzentrieren.  Sie seufzte, wenn es so einfach wäre. So vieles beschäftigte sie.

Jana wurde unruhig, sie durchbohrte ihren Computer.

Susann Freyberger, was es wohl interessantes über diese Frau zum erfahren gibt? 

Jana griff nach der Maus, öffnete das Internet und schloss sofort wieder die Seite.

Nein, nein. Jana das geht nicht. Was erhoffst du dir davon? Janas Hand zitterte, hätte sie das wirklich getan?

Was ging sie Susann Freyberger an? Jana wurde es schwer ums Herz.

Wenn sie ehrlich war, würde sie, Susann sofort wieder sehen wollen. Sie würde am liebsten alles über diese Frau erfahren.

Genüsslich schloss sie die Augen, ein wenig Träumen war erlaubt.

Jana wollte einfach träumen, aber ihre Aufmerksamkeit galt mit einem mal den Monitoren. Sie schaute aufmerksam auf den Monitor, der den Außenbereich zeigte.

Sie beobachtete amüsiert die schlanke Gestalt, die sich soeben von ihrem Fahrrad schwang. Stefanie Klinge.

Steffi war eine herzallerliebste Person, Jana mochte sie. Sie war von kleiner zierlicher Statur und hatte ein natürlich schönes Gesicht.

Jana beobachtete Steffi dabei, wie sie ihren Fahrradhelm absetzte, und versuchte ihre kurzen Haare, die immer perfekt gestylt waren, zu bändigen.

Steffi fuhr sich mehrmals nervös durch die Haare, beließ es irgendwann dabei und schnappte sich ihre Tasche.

Jana setzte ihren Kaffeeautomat in Betrieb und wartete darauf, dass Stefanie so elegant wie immer, durch die Eingangstüre schweben würde.

Wann würde es ihr mal wieder so gehen? Jana dachte nach.

Caro konnte wirklich alles haben. Den Posten als erfolgreiche Geschäftsteilhaberin, und eine Frau die sich Hals über Kopf in sie verliebt hatte.

Ja, Steffi und Caro würden ein schönes Paar abgeben. Jana war sich sicher, sie würden gut zusammen passen.

Stefanie schwebte, wie erwartet, durch die Türe. Jana konnte nicht anders und musterte Steffi unverhohlen.

Steffi blieb leicht verdutzt stehen „Einen wunderschönen guten Morgen. Hier die Post.“.

Jana nickte ihr zu, und reichte ihr einen frischen heißen Kaffee. Sie nahm sich ihrer Tasse an und nippte vorsichtig daran.

Steffi blinzelte „Hier, habe ich gestern am Schwarzen Brett gefunden.“, ein Lächeln flog über ihr Gesicht.

Jana nahm das kleine Stück Papier entgegen und überflog es. Ihre Stirn legte sich in leichte Sorgenfalten  „An der Uni, am Schwarzen Brett?“, sie schaute noch einmal auf den Zettel. Ja, es schien so. Der Verfasser der Annonce hatte sämtliche akademische Grade angegeben.

Steffi nickte glücklich „Ja. Ich dachte, ich könnte dich damit aufheitern.“

„Das ist lieb. Ich ruf nachher gleich an, und hoffe, dass ich einen Besichtigungstermin ausmachen kann.“

Jana legte die Wohnungsanzeige auf ihr Telefon. Ein Anruf konnte nicht schaden, auch wenn sie keine erfolgreichen Aussichten spürte.

Sie sucht verzweifelt eine Wohnung, aber diese Anzeige, außer der Wohnfläche und den üblichen Angaben, war nichts Interessantes zu vernehmen.

Jana schaute auf und beobachtete Steffi, wie sie sich mehrmals umschaute. Ein Schmunzeln stahl sich auf Janas Gesicht, als Steffi sich ihr zuwandte und sich eine verlegene Röte auf ihre Wangen legte.

Steffi fuhr sich nervös durch die Haare „Ich glaube, heute kommt noch ein Sturm auf.“, aufmerksam schaute sie nach draußen.

Jana nippte an ihrem Kaffee und ließ Steffi nicht aus den Augen. Wie niedlich, dachte sie mit einem Seufzen.  Jana lehnte sich zurück, dachte Steffi wirklich, dass sie es noch nicht realisiert hat? Wen Steffi so aufmerksam suchte?

„Warum siehst du mich so an?“, Steffi tippelte nervös auf der Stelle.

Jana lachte „Warum? Darf ich dich nicht anschauen?“

Steffi nickte zaghaft „Ich dachte, ich wäre schwarz im Gesicht. Meine Kette hatte sich vorhin gelöst.“, sie nahm einen großen Schluck „Aber, irgendetwas ist. Oder etwa nicht? Sag nicht, dass Lydia wieder von sich hören ließ.“

Jana verzog das Gesicht, musste sie von Lydia anfangen. Steffi entging Janas Reaktion nicht „Entschuldige. Ich wollte nicht von Lydia anfangen. Hat es was mit Caro zu tun?“

Jana nickte betroffen und dann sprudelte es aus ihr heraus. Steffi war mittlerweile zu einer guten Freundin geworden.

Steffi hörte ihr erschrocken zu „Das hätte ich Caro gar nicht zugetraut.“, sie schüttelte den Kopf „Wie kann sie sowas sagen? Sie ist deine beste Freundin.“

Steffi umklammerte hitzig die Tasse. Nur bei Caros Namen wurde sie etwas sanfter, unauffällig blickte sie sich erneut um.

„Ich glaube, sie hatte einen schlechten Tag. Caro ist in ihrem Büro“, Jana setzte ihre Tasse ab.

Steffis Augen wurden groß. Jana fand es niedlich, wie ihr die Röte ins Gesicht schoss.

„Was? Lade sie doch mal zum Essen ein. Ist schon längst überfällig“, Jana genoss den Triumph. Sie wollte wahrlich nicht Amor spielen,  aber ein kleiner Anstoß war doch in Ordnung.

Steffi schaute sie entsetzt an „Du… du weißt, das… Ich dachte du“

Jana überging Steffis gestammelt „Du dachtest, ich hätte ein Auge auf dich geworfen?“

Steffi nickte stumm „Ja. Ja, dachte ich wirklich. So wie du mich manchmal anschaust.“, erleichtert atmete sie aus.

„Eine wahrlich schreckliche Vorstellung“, Jana nahm ein Schluck Kaffee.

„Ja. Nein. Ich meine…“, Steffi räusperte sich „Du siehst super aus, aber du bist nicht mein Typ. Hat Caro… Weiß sie es auch?“

Jana konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen „Danke. Das muss dir nicht unangenehm sein. Nein, Caro hat es noch nicht bemerkt. Zumindest gehe ich davon aus.“

Steffi wippte nervös von einem Fuß auf den anderen. Sie wirkte hilflos und verwirrt.

„Ich…“, Steffi fing sich ein wenig „Ich muss jetzt auch los. Sonst schaffe ich meine Tour nicht. Danke für den Kaffee. Man sieht sich“

Steffi klopfte auf die Theke, und ehe Jana reagieren konnte, sah sie Steffie nach, die überstürzt das Gebäude verließ.

Jana schüttelte den Kopf, was war das? Skeptisch zog sie ihre Augenbrauen hoch. Sie wollte Steffi wahrlich nicht bloßstellen. Hatte sie das getan? Sie hoffte inständig, dass es nicht so war.

Sie wollte den Beiden doch nur einen kleinen Anstoß geben. Vielleicht sollte sie das lassen.

Jana zog die Akte wieder heran. Schnell wurde ihr bewusst, dass sie heute keinen Kopf dafür hatte.

Wieder und wieder ging ihr Susann Freyberger durch den Kopf. So etwas hatte sie schon lange nicht mehr.

Sie stürzte sich in die Arbeit und dieses Mal klappte es. Die Stunden flogen nur so vorbei. Von Caro war immer noch nichts zu sehen. Nicht einmal die Post holte sie heute ab.

Jana lehnte sich zurück und blickte zufrieden auf ihren Computer. Ja, jetzt war sie so langsam mit ihrer Arbeit zufrieden.

Ihr Blick ruhte auf dem Bildschirm, als eine Duftwolke ihre Nase umspielte. Jana wollte diesen Duft tief einatmen, darin versinken und alles vergessen.

Nervös hob sie den Kopf. Sie war darauf gefasst, Susann Freyberger in die Augen zu schauen, aber sie war nicht darauf gefasst, wie ihr Körper darauf reagierte.

Jana wurde es brennend heiß. Ein  wohliger Schauer, wie ein warmer Sommerregen, durchströmte ihren Körper.

Ihre Augen trafen sich. Warum hatte sie immer das Gefühl, dass Susann sie musterte. Jana seufzte innerlich, wahrscheinlich war es eine Wunschvorstellung.

Jana registrierte das gräuliche Hemd, welches Susann heute trug. Unweigerlich fragte sie sich, welche passende Hose sie wohl dazu wählte. Leider war es von ihrem Arbeitsplatz aus nicht ersichtlich.

Janas Herz tanzte in einem ungewohnten Rhythmus. Dieses Gesicht, es ist wunderschön.

Jana wartete, wartete darauf, dass Susann etwas sagte, aber es kam kein Ton.

Jana beschloss die Stille zu unterbrechen „Guten Tag. Kann ich Ihnen weiter helfen?“

Verschmitzt lächelte Jana in ihre Kaffeetasse. Sie hätte sich am liebsten selber beglückwünscht. Ihre Stimme, sie war normal. Kein bisschen nervös oder zittrig. Nein, sie war kräftig und taff.

„Können Sie. Herr Freyberger schickt mich zu Ihnen. Ich benötige eine Parkkarte. Ich werde in nächster Zeit öfters im Parkhaus parken.“ ein leichtes Lächeln lockerten die kantigen Gesichtszüge.

Jana nickte leicht und nahm einen Schluck Kaffee. Susann blinzelte irritiert, ein wohliger Schauer durchflutete Jana.

„Könne Sie mir eine Karte aushändigen, oder ist es gerade schlecht?“ Susanns Blicke streiften Janas Kaffeetasse.

Amüsiert blickte Jana auf ihre Tasse. Sie stellte die Tasse beiseite, drehte sich leicht mit ihrem Bürostuhl, und holte aus einer Schublade das entsprechende Formular.

In einer fließenden Bewegung stand sie auf, griff sich einen Stift und legt das Formular auf die Theke.

Es war leicht provokant, ja, aber Jana konnte nicht anders. Sie lehnte sich zu Susann und atmete ihren Duft ein „Ich benötige nur das Kennzeichen, und den Rest wird die Personalabteilung regeln. Ich denke, Montag werden Sie die Karte erhalten.“

Jana konzentrierte sich auf jedes Wort. Die Stimme von Susann hatte sie immer noch im Kopf.

Gestern klang sie so schroff, so gehetzt, irgendwie angeschlagen. Heute klang sie warm, ein wenig tief, aber sehr weiblich.

Susanns Augen huschten über das Blatt. Schüchtern hob sie ihren Kopf.

Jana schluckte, es war ein Fehler, Susann so nahe zu kommen. Dieser Blick, Jana lehnte sich stärker auf die Theke. Sie hatte Angst, dass ihre Knie nachgeben würden.

„Sie können alles in Ruhe ausfüllen. Ich müsste nur das Kennzeichen wissen.“, Jana versuchte die Kontrolle zurückzugewinnen.

Sie stutzte, warum sagte Susann nichts? So schwierig konnte es doch nicht sein.

„So wichtig wird das schon nicht sein, ich meine das Kennzeichen.“, Susann distanzierte sich von Jana.

Jana ließ sich ihre Irritation nicht ansehen „Das steht mir nicht zu, das zu Beurteilen. Herr Freyberger hat strikte Vorschriften, ich gehe ihnen nur nach.“, ein Lächeln flog über ihre Lippen „Aber… Vielleicht ist es in ihrem Fall etwas anders. Sie können Herr Freyberger fragen.“

Susanns Augen weiteten sich perplex. Jana kippte den Kopf, so war es nun auch nicht gemeint.

Unbewusst senkte Jana ihren Blick und verharrte auf Susanns Lippen. Ihre Nackenhärchen stellten sich genüsslich auf.

„Ich erledige das für Sie. Ich werde schnell in seinem Büro anrufen.“, irgendwie musste sie ihre Gefühle doch verbergen.

Jana griff nach dem Telefon, Susanns Augen weiteten sich. Susann lehnte sich über die Theke und griff nach Janas Hand.

Sie stoben auseinander, als hätte sie ein unsichtbarer Blitz durchfahren. Jana rieb sich verstohlen die Hand. Susann ließ sich auch nichts anmerken.

„Nicht notwendig. Ich meinte nur, ich werde nicht immer mit demselben Auto kommen.“, nervös richtete sich Susann auf.

Jana stutze, wegen Reichtum zu viele Autos? Nein, das ging sie wahrlich nichts an. Verstohlen musterte sie Susann, konnte es sein… Jana spürte eine wohlige Nervosität. War diese Frau, womöglich Frauen gar nicht abgeneigt? Dieses Kribbeln, dass bildete sie sich doch nicht ein.

Jana zog das Formular heran, -Variables Kennzeichen- notierte sie und schob Susann das Formular wieder entgegen.

„Das müsste der Personalabteilung reichen.“, sie lächelte sanft.

Susann nickte kaum merklich und äugte über die Theke „Sind das, die Ferster Unterlagen? Wann sind Sie damit fertig?“

Jana stutzte, Susann hatte noch nicht einmal hier angefangen, zumindest nicht offiziell, und schon interessierte sie die Geschäftsunterlagen?

Herr Freyberger muss sie schon eingearbeitet haben. Ob Caro davon wusste?

„Ich weiß nicht. Ich bin an der Sichtung dran.“, Jana festigte ihre Stimme.

Susann nickte „Lassen Sie sich Zeit. Die Fusion tut uns ganz gut. Also nichts überstürzen und gründlich Arbeiten.“

„Ich weiß, wie ich meine Arbeit zu erledigen habe.“ Jana konnte nicht verhindern, dass etwas bedrohliches in ihrer Stimme mitschwank. So eine Bemerkung musste sie sich auch nicht bieten lassen.

Susanns Kiefermuskel pulsierte, Jana straffte ihre Schultern. Sie wird Susann die Stirn bieten. Da war sie sich sicher.

Susann lächelte sanft und wendete ihren Blicken von Jana ab. Sie widmete sich einem Fussel, der auf ihrem Hemdärmel war. Sie strich den Ärmel glatt und musterte Jana „Ja. Sie können die Unterlagen in mein Büro legen, wenn Sie fertig sind.“

Susann wollte sich auf den Weg zum Aufzug begeben, als sich Janas Stimme auftat „Die Fersters Unterlagen soll ich Frau Weller zukommen lassen, wenn ich damit fertig bin.“

Susann schüttelte leicht den Kopf. Ein eisiger Blick traf Jana „Habe ich mich gerade undeutlich ausgedrückt? Sie werden die Unterlagen mir zukommen lassen. Ich werde jetzt öfters Frau Weller entlasten, also fange ich sofort damit an. Oder gibt es Probleme?“

Jana knirschte unauffällig mit den Zähnen. Sie ballte ihre Hände zu Fäusten. Sie schluckte und erwiderte den Blick „Nein. Es gibt keine Probleme.“

Susann nickte kurz und verschwand ohne ein weiteres Wort zum Aufzug. Die Post nahm sie mit, als wäre es völlig normal.

Jana war sprachlos, und zum ersten Mal in ihrem Leben richtig. Baff schaute sie auf den Aufzug.

Es wird sich nichts ändern! Höhnisch dröhnten ihr Caros Worte im Ohr. Nichts?

Sollte das eben freundlich sein? Was bildete sich diese Susann Freyberger ein?

In ihr Büro? Jana hörte zum ersten Mal davon, dass sie schon ein eigenes Büro besaß. Sie führte sich auf, als sei sie ihre Chefin.

Jana ballte ihre Hände zu Fäusten. Wenn sie nicht Susann Freyberger wäre, dann… Jana atmete tief durch. Es brachte nichts.

Nachdenklich blickte sie auf die Unterlagen. Sie seufzte und konzentrierte sich wieder auf die Arbeit.

Zwei Stunden später musste sich Jana geschlagen geben und sich eingestehen, dass sie heute nicht mehr damit fertig werden würde.

Sie schaute erleichtert auf die Uhr, siebzehn Uhr. Feierabend. Jana lächelte.

Sie schaltete den Computer aus, verriegelte die Eingangstüre und machte sich auf ihren Kontrollgang. So wie sie es jeden Abend tat.

Eine kleine Runde in der sie noch einmal alle Türen überprüfte, ob sie auch alle verschlossen waren. Ein paar Kameras überprüfte sie noch, dann konnte sie auch Nachhause. Nachhause! Jana wurde es schwer bei dem Gedanken, hatte sie gerade nicht einmal ein richtiges Zuhause.

Jana betrat den Aufzug. Ihre Runde startete sie immer in der dritten Etage, dort befanden sich die Büros.

Der Aufzug fuhr nach oben. Jana wartete ungeduldig darauf, dass sich die Türe öffnete.

Die Türe öffnete sich und Jana lief schnellen Schrittes hinaus, ein wenig zu Schnell. Sie konnte auch nicht ahnen, dass jemanden hinter der Türe stand. Fast stieß sie mit der Person zusammen. Susann.

„Huch. Stehst du immer so dicht an der Türe?“, Susann machte einen Satz zur Seite.

Jana atmete tief durch, musste das noch sein?

Sie wollte etwas erwidern, als ihr dieses kleine Detail bewusst wurde, Susann hatte sie geduzt. Sollte sie es korrigieren? Nein, sie beließ es dabei. Es verlieh Susanns Stimme etwas weiches, fast schon zärtliches.

„Das gleiche könnte ich dich Fragen.“, Jana machte den Weg frei.

Susann nickte, fragend schaute sie Jana in die Augen.

„ Ich mache noch meine Kontrollrunde“, Jana unterstrich ihre Worte mit einem Lächeln. Sie wollte sich auf den Weg machen, da viel ihr etwas auf. Aus dem Augenwinkel sah sie, wie Susann ein paar Unterlagen dabei hatte.

Susann nickte. Sie wirkte nervös, ihre Augen flackerten. Sie betrat den Aufzug.

Jana wollte gehen, überlegte es sich anders und beschloss, einen Schritt auf Susann zuzugehen „Die Unterlagen werde ich dir nächste Wochen zukommen lassen.“

Susann schaute sie seltsam an „Welche Unterlagen?“, ihre Stimme wirkte flattrig.

Jana stutze, Susann räusperte sich „Die Fersters Unterlagen? Ja, wie gesagt, lass dir Zeit.“ sie zog ihre Hand zurück und die Aufzugstüre glitt zu.

Jana schüttelte den Kopf. Da ging sie, ohne eine Abschiedsfloskel. So wie vorhin, da hatte sie nicht einmal eine Begrüßung auf den Lippen.

Jana blickte nachdenklich auf den Aufzug. Würde sie Susann irgendwann verstehen? Sie seufzte und lief los.

 

-4-

 

Erschöpft ließ sich Jana auf den Stuhl nieder. Dankbar nahm sie die Apfelschorle entgegen, die ihr gereicht wurde. Hastig stürzte Jana sie hinunter.

Jana fuhr sich durch ihr nasses Haar, sie atmete entspannt aus.

Eine Runde Joggen, eine wohltuende Dusche danach, gab es etwas Erholsameres?

Ihren Gedanken tat es zumindest sehr gut, sie hatte das Gefühl, dass sie ein wenig klarer denken konnte.

Jana nahm die Wasserflasche und füllte ihr Glas, vorhin fühlte sie sich gar nicht so durstig.

Sie zog ihr Handy hervor, immer noch nichts von Caro. Sie seufzte, vielleicht ist es besser so.

Eine kalte Schnauze drückte sich gegen ihre Hand. Dankbar streichelte sie Churchill durchs Fell. Wahrscheinlich wollte er sie ablenken, bevor sie sich zu viele Gedanken machte.

Sie blickte auf den großen grauen Bobtail  zu ihren Füßen, der sie aus großen braunen Augen musterte. Sie bückte sich zu ihm und gab ihm einen dicken Schmatzer.

Jana lehnte sich zurück und ließ ihre Blicke schweifen, ihr Zuhause. Sie verkniff sich ein zynisches Lachen.

Sie fühlte sich hier wohl, hier in der Pension, aber es war nun mal kein Zuhause.

Jana drehte nachdenklich ihr Wasserglas in der Hand.

Sie hätte gerne wieder eine eigene Wohnung, aber der Wohnungsmarkt, es war zum Verzweifeln. Zum Glück gab es Caros Tante.

Eigentlich war sie nicht Caros Tante, aber für Caro war sie ihre Tante. Seitdem sie sich um Caro kümmerte, als sie noch ein kleines Kind war.

Caros Tante, Britta, betreibt außerhalb der Stadt, wunderschön im Grünen gelegen, eine kleine Ferienpension mit Restaurant.

Jana musste zurück denken, daran, als sie die gemeinsame Wohnung, die sie mit Lydia bewohnt hatte, verließ und hier her flüchtete. Jana stellte ihr Glas ab und schwelgte in Erinnerungen.

„Früher schaute man glücklicher, als man endlich Wochenende hatte. Gehst du heute nicht aus?“, Britta gesellte sich zu Jana.

Jana zog es aus ihren Gedanken. Ein himmlischer Duft stieg ihr in die Nase.

Mit großen Augen schaute sie auf den Teller Spagetti, der vor ihr abgestellt wurde.

„Im Fernseher kommen heute interessante Magazine. Und ich lese gerade ein spannendes Buch. Das duftet herrlich“, Jana spürte, wie sich der Hunger breit machte.

Britta seufzte „Ach Kind, du solltest ausgehen und dich amüsieren. Was bringt es einer Lydia nachzutrauern.“

Jana spürte, wie ihr die Röte ins Gesicht schoss. Wenn Britta so anfing, fühlte sie sich tatsächlich wie ein Kind. Britta mit ihren fünfundsechzig Jahren, war für sie, wie eine Oma. Sie mochte Britta

„Du gibst Churchill zu viel zum Essen.“, Jana verspürte keine Interesse, das Gespräch weiterzuführen. Mit einem Lächeln schaute sie auf Churchills Napf, der fast überquoll.

Britta schüttelte energisch den Kopf „Ist dir bewusst, wie viel mein kleiner Churchill laufen muss? Seitdem du ihn zum Joggen mitnimmst. Er sieht bald aus wie ein Windhund.“

Britta tätschelte ihn liebevoll „Du warst alleine Joggen?“

So wie es Britta formulierte, war es keine Frage, sondern eine Feststellung. Jana blickte auf ihren Teller. Natürlich wusste sie, worauf Britta rauswollte.  Aber nicht mal sie wusste, wo Caro sich befand. Dabei wollten sie heute ins Kino.

Britta sah aus, als wolle sie etwas erwidern, aber sie beließ es dabei „Dann stärk dich mal. Ich muss noch in die Küche. Nachher kommen einige Gäste.“

Jana schaute ihr nach.

Der Duft von leckerem Essen stieg Jana in die Nase. Ihr Magen meldete sich mit einem lauten Knurren.

Jana zog den Teller heran und wickelte ein paar Spagetti auf, als sie aus dem Augenwinkel eine Person vernahm.

Caro ließ sich ihr gegenüber nieder. Sie wirkte zerknirscht und nachdenklich.

Britta tauchte erneut auf und stellte auch Caro einen Teller hin.

„Sind dir noch ein paar Vorwürfe eingefallen?“, Jana nahm ein Schluck Wasser. „Vergiss es. Ich meinte es nicht so.“, Jana blickte über ihr Wasserglas hinweg, ein aufrichtiges Lächeln auf den Lippen.

Caro stocherte in ihren Nudeln und seufzte „Wenn ich wüsste was schlimmer ist. Das ich dir Vorwürfe gemacht habe, oder das ich nicht mit dir geredet habe. Was der Grund für mein sinnloses Gespräch war.“

Caro drückte Janas Hand „Was nicht heißt, dass es mir nicht Leid tut. Es tut mir wirklich sehr leid. Bist du mir sauer?“

Jana blickte in zwei aufrichtige Augen „Und warum warst du so? Warum hast du dich den ganzen Tag versteckt?“

„Ich wollte in Ruhe reden.“, betrübt schaute sie zu Jana „Es…“, sie rang mit den Tränen „Es war wegen meiner Mutter.“

Janas Herz wurde bleiern schwer „Ich habe nicht daran gedacht. Hat sich immer noch nichts geändert?“, sie drückte Caros Hand und nuschelte eine leise Entschuldigung.

Caro schnaubte verächtlich „Mein Bruder wird bald zweifach Papa, und seine Karriere im renommiertesten Architektenbüro geht steil nach oben.“, sie stupste vorsichtig gegen ihr Glas „Da ist die älteste Tochter mal wieder das schwarze Schaf. Sie treibt sich lieber mit Frauen rum, und eine Geschäftsführerin will sie auch nicht werden.“

„Deine Mutter hegt wirklich veraltete Ansichten“, Jana stützte sich auf ihre Ellbogen.

Caro nickte zustimmend „Besser hätte ich es nicht sagen können. Ich wollte nicht unfair werden, dir gegenüber.“

Caro machte sich auf ihren Stuhl lang und schaute gen Himmel „Wir wollten ins Kino.“, wechselte sie das Thema.

„Das läuft uns nicht weg. Wie wäre es mit Morgen?“

„Können wir machen. Warst du bei Herr Richter? Gibt es Neuigkeiten von Lydia?“

Caro äugte zu Jana. Sie biss sich auf die Lippen, als sie sah, wie Jana schmerzverzehrt das Gesicht verzog.

Caro ließ die Schultern hängen. Sie griff nach ihrem Glas, und hing ihren Gedanken nach. Vorsichtig hob sie den Kopf, und musterte ihre beste Freundin.

„Ich wollte nicht von Lydia anfangen.“, vorsichtig strich sie Jana über den Handrücken.

„Es gibt noch andere Themen. Lydia ist Vergangenheit.“, sie schaute Caro mit festem Blick an.

Ja, Lydia ist Vergangenheit. Janas Blicke schweiften in die Ferne. Sie hatte es wieder vor Augen, Susanns Gesicht. Dieses mystische, wunderschöne Gesicht. Sie wollte mehr von Susann erfahren. Sie wollte diese Frau kennenlernen, auch wenn es Diskrepanzen gibt. Es machte die Situation noch aufregender.

„An was denkst du?“, Caro lehnte sich neugierig auf den Tisch.

„Ist nicht wichtig.“, Jana zog es aus ihren Gedanken.

„Alles was du Erzählst ist wichtig.“, Caro lächelte sanft.

„Aber nicht in diesem Fall. Ich dachte gerade an die Arbeit. Darüber reden wir nicht nach Feierabend.“

„Stimmt schon. Wir können eine Ausnahme machen. Also, was brennt dir auf der Seele?“

Jana wurde unruhig „Es ist wegen Susann. Ich soll ihr die Fersters Unterlagen zukommen lassen.“

Jana beobachtete Caro, etwas zuckte über ihre Lippen „Das ist richtig. Wir werden uns jetzt öfters die Arbeit teilen.“

Nachdenklich nippte Jana an ihrem Wasser. Sie kannte Caro, sie verheimlicht ihr etwas. Da war sich Jana sicher.

Caro rollte mit den Augen „Kannst du dieses Thema lassen? Ich bin deine Chefin. Und Susanns. Ich entscheide, wer, wann, welche Unterlagen bearbeitet. Thema erledigt.“

Jana öffnete den Mund, sie wollte etwas erwidern, aber dann verstummte sie.

Caro fühlte sich vor den Kopf gestoßen, warum vertraute Jana ihr nicht? Oder war ihre beste Freundin wirklich nur überempfindlich, wegen ihr?

„Susann fängt nächste Woche offiziell an. Manfred möchte einen kleinen Sektempfang geben. Sie wird den Kollegen als Mitarbeiterin vorgestellt, nicht mehr und nicht weniger.“

Jana schaute auf ihren Teller, es gab so viele Fragen, die ihr auf der Zunge lagen. Wo sollte sie anfangen? Welche Informationen waren wichtig?

Jana musste an den Moment denken, an den, als Susann mit Unterlagen die Firma verließ.  

„In welcher Firma hat sie davor gearbeitet? Warum arbeitet sie nicht mehr dort? Warum arbeitet sie jetzt….“

„Stopp.“, Caro hob abwehrend ihre Hände. Sie gluckste leise „Soll ich dir ein Treffen mit Susann vermitteln? Dann kannst du sie alles in Ruhe fragen.“

Janas Wangen röteten sich. Was hatte sie sich erhofft?

„Sie hat Unterlagen mit nach Hause genommen.“, platzte es aus Jana heraus.

Sie stutzte, irgendetwas schien Caro zu beschäftigen. Es war dieses leichte Flackern in Caros Augen.

Die Gabel in Caros Hand klopfte nervös gegen den Tisch „Ja, das ist schon richtig so. Susann erledigt ihre Arbeit nicht nur im Büro. Sie wird einen Teil der Arbeit auch zu Hause erledigen.“

Jana blickte auf ihr Wasserglas, hatte sie also doch Recht? Wird Caro übergangen? Es scheint nicht so, als wäre Caro davon in Kenntnis gesetzt worden. Es scheint eher, als hätte Caro eine schnelle passende Antwort parat gehabt.

„Die Firma hat Aufträge über Aufträge, das muss ich dir ja nicht sagen. Manfred und ich, wir brauchen diese Unterstützung.“

Caros Worte drangen verschwommen in Janas Gedanken. Sie hob den Kopf. Es brannte ihr auf der Zunge, aber als sie Caro so sah, beließ sie es dabei.

Jana seufzte tief, daran hatte sie noch gar nie gedacht, dass Manfred und Caro wirklich sehr viel Arbeit haben. Ein kleines Schuldgefühl überkam sie.

„Wenn es um dich geht, verlier ich manchmal den Überblick. Du hast Recht, Manfred und du, ihr braucht wirklich diese Entlastung.“, versöhnlich nahm Jana Caros Hand und drückte sie sanft.

„So warst du schon immer. Ich verstehe dich auch ein Stück weit, aber ich mache mir keine Gedanken, dass Susann mir meinen Platzt streitig macht. Ich sehe sie wirklich als Hilfe.“, ein Lächeln zuckte über Caros Lippen „Wenn es dir leichter fällt, werde ich Susann darum bitten, dir keine Anweisungen zu geben.“

Jana hob die Hand „Nein, lass alles beim Alten. Ich kann jederzeit mit dir Rücksprache halten, ohne dass Susann davon in Kenntnis gesetzt wird. Und…“, Jana stockte, es viel ihr merklich schwer, dass auszusprechen „Du wirst Recht haben, es wird sich nichts verändern. Ich sollte damit anfangen, Susann zu akzeptieren. Wir sind alle ein Team.“, Jana blickte Caro tief in die Augen.

Vertrauen ist ein zerbrechliches Gut, Jana seufzte, hoffentlich wird alles gut gehen.

 

-5-

 

Jana passierte das große schmiedeeiserne Tor und parkte unter dem Carport, wo sie sonst immer geparkt hatte.

Mit gemischten Gefühlen schaute sie aus dem Autofenster. Das riesige Anwesen vor ihr, sah immer noch sehr imposant aus.

Jana wischte ihre schweißnassen Hände an ihrer Jeans ab, ein unruhiges Gefühl machte sich in ihrem Magen bemerkbar.

Sie stieg aus ihrem Auto aus, atmete tief durch und lehnte sich unentschlossen dagegen.

Ihre Augen huschten hinüber zur alten Wohnung, sie verweilte einen Augenblick, dann schaute sie daran vorbei. Ein Lächeln flog über ihre Lippen, als sie die vielen alten Bäume sah.

Ein leichter Wind ging durch ihre Haare, sie ließ sich von dem Wind mitnehmen.

Sie hatte es immer geliebt, hier zu Wohnen. Sie musste an die vielen Sommer denken, die sie mit Lydia hier verbrachte.

Wie schön der Garten doch war, mit seinen vielen alten knorrigen Bäumen.

Es gab nichts schöneres, als im Frühling den Bäumen beim Blühen zu zuschauen. Eine Träne löste sich und suchte sich ihren Weg, Jana atmete tief durch.

Entschlossen richtete sie sich auf und machte sich auf den Weg.

Jana blieb vor der riesigen Eingangstüre stehen und drückte die Klingel.

Es dauerte nicht lange und Herr Richter öffnete ihr die Türe.

„Jana. Komm rein“, er trat einen Schritt zur Seite und hielt Jana die Türe auf.

Jana blieb verunsichert im Eingangsbereich stehen, es hatte sich nichts verändert.

Thomas Richter lächelte sie aufmunternd an, und wies ihr den Weg in die Küche.

Jana nickte kurz, den Weg kannte sie noch gut.

Verstohlen musterte sie Lydias Vater, als sie ihm in die Küche folgte. Er machte den Anschein, als wäre er in den letzten Monaten gealtert. Seine braune akkurate Kurzhaarfrisur schimmerte schon leicht Grau.

„Setzt dich doch.“, mit einer einladenden Handbewegung zeigte er auf einen Stuhl.

Jana setzte sich und dachte nach, früher hatte sie sich immer sehr wohl hier gefühlt.

Lydias Vater setzte sich ihr gegenüber, wieder viel Jana auf, dass er ein wenig gealtert aussah.

Sein Gesicht war nicht so fröhlich, wie sie es kannte. Kleine Fältchen durchzogen mittlerweile sein Gesicht, und sein maßgeschneiderter Anzug wirkte etwas locker.

Jana kippte den Kopf „Macht Lydia Probleme? Sie sehen etwas mitgenommen aus.“

Jana rutschte nervös auf ihrem Stuhl nach unten, plötzlich fragte sie sich, warum sie eigentlich hier war? Herr Richter wollte sie sprechen, ja, aber sie wusste nicht warum.

Eine betretene Stille breitete sich aus, während Lydias Vater Kaffee ausgoss.

„Lydia ist nur ein kleines Problem, da habe ich gerade ganz andere Sorgen“, Lydias Vater machte eine wegwerfende Geste und lächelte Jana aufmunternd an „Nicht der Rede wert. Was macht deine Wohnungssuche?“

Jana nahm ihren Kaffee entgegen, natürlich, jetzt wusste sie, warum sie hier war.

Eine leichte Röte legte sich auf Janas Wangen „Es tut mir Leid. Wegen der Wohnung, das ist kein Problem. Ich kann am Wochenende meine restlichen Sachen abholen und schon ist die Wohnung frei.“

Jana nippte vorsichtig an ihrem Kaffee und dachte nach. Die Wohnung steht nun vier Monate leer, bisher hatte Lydias Vater nichts dagegen, würde das bedeuten, Jana blickte verbissen auf den dunklen Holztisch, das Lydia zurückkam?

„Du kannst in der Wohnung bleiben. Ich wollte mich nur Erkundigen. Du weißt, ich habe genügend Immobilien. Wenn ich dir helfen kann, gib mir Bescheid. Ich kenne einen guten Architekten, wir könnten eine neue Wohnung nach deinen Wünschen gestalten.“

„Danke. Ich schätzte es wirklich sehr, aber ich werde eine Wohnung finden.“, Jana räusperte sich ungeschickt.

Lydias Vater blickte über seine Tasse hinweg, ein Lächeln zuckte über seine Lippen „Wir hätten es uns beide anders vorgestellt, habe ich Recht? Die Situation, wie soll ich sagen, ist….“, er stockte.

Jana nickte, auch sie wusste nicht was sagen. Die Situation war unangenehm. Oder war das nicht passend?

Ein Lachen erfüllte die Stille, Lydias Vater schüttelte gut gelaunt den Kopf „Dabei warst du meine Lieblingsschwiegertochter. Und nun? Nun sitzen wir wegen Lydia verbissen am Tisch, sie hat sich aber auch so einiges geleistet…“, Lydias Vater sog scharf die Luft ein „Deswegen bist du auch hier. Meine Tochter hat mir mittgeteilt, dass sie einen finanziellen Engpass hatte. Ich muss dir nicht erklären, wie sie das Problem gelöst hatte.“

Jana nickte benommen, wenn Lydias Vater davon wusste, dann konnte es nur eines bedeuten.

„Lydia hat sich gemeldet? Wann? Warum?“, Janas Kopf drehte sich. Vier Monate ist es nun her, dass niemand etwas von Lydia gehört hatte. So plötzlich wie sie damals verschwand, verschwanden auch sämtliche Lebenszeichen von ihr.

Janas Finger strichen nachdenklich über den hölzernen Tisch. Zu viele Gedanken schossen ihr in diesem Moment durch den Kopf.

Die plötzlichen finanziellen Probleme von Lydia, die Lydia auf ihre Kosten beglich. Die immense Rechnung, die auch sie beglich. Jetzt gab sie ein Lebenszeichen von sich? Sie waren getrennt, irgendwie, und jetzt das alles?

„Vor sechs Tagen erhielt ich Post von ihr…“, Lydias Vater hob den Kopf „Sie erwähnte darin nur, dass sie ein paar finanzielle Angelegenheiten auf deine Kosten gedeckt hat. Sie hatte noch ein paar Fotos beigelegt und ein wenig über ihr Leben geplaudert.“

Jana brannte eine Frage auf der Seele. Es konnte ihr egal sein, aber sie musste es wissen.

Lydias Vater hob ruckartig die Hand „Tu es dir nicht an. Egal, was du jetzt Fragen möchtest, du ahnst, nein, du kennst die Antwort darauf.“

Lydias Vater nickte schwach. Jana stutzte und beobachtete ihn dabei, wie er nach der Kaffeekanne griff.

Jana wollte etwas erwidern, aber ihre Zunge wurde so schwer wie ihr Herz. Sie wollte wissen, ob Lydia auch ein paar Sätze an sie gerichtete hatte, aber die Wahrheit, dass sie mit keinem Wort erwähnt wurde, es fühlte sich schmerzlich an.

„All die Jahre sind für Lydia Vergangenheit, ich muss es auch endlich so sehen. Wegen den finanziellen Schwierigkeiten, sie wird ihre Schulden begleichen, da bin ich mir sicher. Ich gab Lydia vor einem Jahr die Vollmacht für mein Konto, weil ich ihr Vertraute und ich mir sicher war, sie würde es nur nutzten, wenn sie es wirklich benötigt.“, geknickt schaute sie in die Ferne „Und ich… Ich vertraue ihr immer noch. Egal, was war.“ Jana hörte auf ihr Herz, sie fühlte dieses tiefe Gefühl, dass es die Wahrheit war. Sie hatte keine Erklärung dafür, aber sie empfand es als Richtig.

Lydias Vater lächelte besonnen „Du bist zu gut für Lydia“

Jana nippte verlegen an ihrem Kaffee und beobachtete Lydias Vater dabei, wie er sich leicht nach vorne beugte und eine Aktentasche unter dem Tisch hervorzauberte.

„Ich kenne dich einfach zu gut. Ich war mir schon sicher, dass du so reagieren würdest, also habe ich vorgesorgt.“, Lydias Vater zog ein paar Papiere hervor und schob sie Jana entgegen „Du musst nur Unterschreiben und Lydia hat keine Möglichkeit mehr, auf dein Konto zuzugreifen.“

Jana nahm den eleganten Füller entgegen, der ihr gereicht wurde. Mit verschwommenem Blick schaute sie auf das Papier, damit endet es also.

Sie atmete tief durch und setzte ihre Unterschrift.

„Jetzt fehlt nur noch die Wohnung, und dann, dann sind ich und Lydia endgültig geschieden.“, sie setzte ein schiefes Lächeln auf. Der saloppe Scherz misslang, wurde  ihr bewusst. Sie wich den Blicken aus, die sie aufmerksam musterten.

Lydias Vater schaute nachdenklich auf seine Armbanduhr „Ich möchte dich ungern vor die Türe setzen, aber….“

Jana stand rasch auf „Sie müssen nichts sagen, wir haben alles geklärt. Die Wohnung werde ich in nächster Zeit räumen. Danke für den Kaffee.“

Jana versuchte tapfer zu bleiben. Sie hatte keine Ahnung, wo sie in nächster Zeit wohnen sollte, aber sie würde eine Wohnung finden.

Lydias Vater legte besänftigend eine Hand auf Janas Schulter „Es tut mir immer noch Leid, dass Lydia dir das angetan hat. Ich helfe dir, wo immer ich kann.“

Jana lächelte dankbar und verabschiedete sich.

 

-6-

 

Neue Woche, neues Glück. Jana lehnte sich zurück und lächelte entspannt. Ihr Blick schweifte durch die Tiefgarage der Firma, sie war wieder eine der Ersten.

Sie zog den Schlüssel aus dem Zündschloss und war dabei auszusteigen, als sie innehielt. Ihr Blick fiel auf einen silbernen Sportwagen.

Das Auto interessierte sie nicht sehr, viel mehr interessierte sie die Person die darin saß, Susann Freyberger.

Darum wollte sie keine Angaben zum Kennzeichen geben. Wie viele Autos sie wohl hat?, Jana machte es sich bequem und hing ihren Gedanken nach. Dieses Auto, sie wollte nicht wissen, wie viel es Kostet.

Susann saß entspannt in ihrem Sportwagen und Telefonierte mit einem Lächeln auf den Lippen. Jana beobachtete Susann mit einem unruhigen ziehen in der Magengegend.

Gestern zerbrach sie sich noch den Kopf über Lydia, und nun, nun spürte sie wieder diese seltsame Anziehungskraft. Auch wenn sie beide schützend in ihren Autos saßen, so hatte sie das Gefühl, als wäre etwas in der Luft.

Susann ließ ihre Finger durch ihr Haar wandern. Jana kippte den Kopf und fühlte eine brennende Sehnsucht. Verlegen kaute sie auf ihrer Lippe, konnte es so etwas geben? Sie kannte diese Frau nicht, und doch, war da dieses Verlangen, dieses Verlangen, diese Frau näher kennenzulernen wollen.

Susann beendete ihr Telefonat und hob den Kopf, Jana kam sich augenblicklich ertappt vor. Ihre Blicke trafen sich. Susanns Gesicht wurde ernst, dennoch hatte Jana das Gefühl, dass Susann sie musterte.

Jana ließ sich nichts anmerken und gab sich betont lässig, als wäre es ein Zufall. Sie schnappte sich ihre Tasche und stieg zeitgleich mit Susann aus.

Ihre Wege kreuzten sich, dennoch ging Susann erhobenen Hauptes an ihr vorbei, ohne eine Begrüßung.

Jana ließ sich leicht zurückfallen, sie spürte nicht einmal einen Groll, nein, es war eher das Gegenteil, sie spürte eine leichte Freude.

Ihre Gedanken überschlugen sich, vielleicht waren es Wunschgedanken, aber, wer weiß, vielleicht hatte es einen guten Grund, warum Susann Freyberger sie missachtete.

Jana blieb stehen und blickte gedankenverloren auf Susanns Auto. Konnte es sein… Jana schüttelte den Kopf. Nein, es lag bestimmt nicht daran, dass Susann sich unsicher fühlte, wegen ihrer Gefühle. Sie ist bestimmt eine Frau, die sich über Gefühle keine Gedanken macht.

Jana spürte ein Kribbeln im Nacken, als würde sie ahnen, dass sie Beobachtet wurde.

Susann runzelte die Stirn. Jana hatte nicht einmal wahrgenommen, dass ihr die Türe aufgehalten wurde. Susann musterte mit einem Lächeln Jana. Sie gab sich einen Ruck. So schwer konnte es nun wirklich nicht sein. Sie wird es schaffen und einen normalen Umgang mit Jana finden. Wenn Janas Blicke sie nur nicht  so aus der Bahn werfen würden. Sie seufzte genüsslich und ließ die Türe wieder ins Schloss fallen.

„Ist mein Auto den Vorschriften gemäß korrekt geparkt? Oder, bekomme ich einen Rüffel von der Sicherheitsabteilung?“

Jana zuckte leicht zusammen. Sie dachte, Susann sei schon an ihrem Arbeitsplatzt.

Jana spannte ihre Muskeln an, diese gehässige Stimme, was dachte sich Susann nur, wer sie ist.

Susann knickte kaum merklich ein, als sich Jana ihr zuwandte. Sie schluckte leise und spannte ihre Gesichtsmuskeln an. Sie wollte nicht loslachen und Jana das Gefühl vermitteln, dass sie, sie nicht ernst nehmen würde. Dennoch wurde Susann schlagartig bewusst, dass ihre flapsige Bemerkung, die, die Stimmung lockern sollte, vollkommen missinterpretiert wurde.

Janas Augen blitzten scharf auf, sie gab ein gekünsteltes Lachen von sich „Ein Freund von Sarkasmus. Aber keine Sorge, meinen Knöllchenblock habe ich auf meinem Schreibtisch liegen lassen. Eine mündliche Abmahnung muss genügen.“

Jana verschränkte ihre Arme und nahm das Blickduell an.

Sie wollte nicht nachgeben, aber sie seufzte leicht „Ich habe nur das Auto bewundert, es gibt keinen Grund gleich Panik zu bekommen.“

„Ja, ein wahrlich schönes Auto.“, Susanns Blicke streiften Janas Auto. Jana erwartete, dass Susann irgendetwas sagen würde, aber sie gab sich keiner Antwort hin. Jana schnaubte leise, alles klar, ihr Auto war es nicht wert, irgendeine Lorbeere einzuheimsen.

Susann wurde unruhig, warum konnte sie es nicht über die Lippen bringen, dass sie Janas soliden alten Kombi schön fand. Warum schaffte sie in Janas nähe keinen ungezwungenen Smalltalk. Susann sah nur noch eine Möglichkeit.

Mit großen Augen sah Jana, wie Susann eine wegwerfende Geste von sich gab, und mit einem süffisanten Lächeln auf den Lippen sich aus dem Staub machte.

Jana ballte ihre Hände schmerzhaft zusammen „Unruhiges Wochenende gehabt? Oder doch nur Morgenmuffel?“

Jana wurde unruhig, hatte sie das wirklich gesagt? Was hatte sie sich nur dabei gedacht?

Susann blieb plötzlich stehen. Sie konnte es nicht sehen, aber sie hatte das Gefühl, dass Susann ihre ganze Muskulatur anspannte.

Jana wich einen Schritt zurück, Susann wird doch nicht den nächsten Machtkampf austragen, hier, in dieser Tiefgarage.

Jana machte sich bereit und beobachtete Susann, die wie erstarrt dastand. Jana wurde unruhig, und dann, ohne ein weiteres Wort, verschwand sie einfach.

Jana blickte ihr nach, sie schüttelte den Kopf, würde sie diese Frau irgendwann verstehen?

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  • Alexa
  • Catherine Fox
  • Madlen
  • Ruth Gogoll
  • Pia
  • Franzi-Roman 13
  • Claudia
  • Sima
  • Franzi-Roman13
  • Julia
  • Alexa

    Permalink

    Es geht mir ähnlich wie einigen anderen. Es kommt kein richtiger Lesefluß auf, da hin und wieder die Perspektive springt und man nicht weiß, wer gerade redet bzw. aus wessen Perspektive erzählt wird. Auch die Zeichensetzung, die ab und an die Sätze falsch aufspaltet, mindert leider das Lesevergnügen.
    Über Susann weiß man noch kaum etwas, das macht sie irgendwie interessant und ich würde gerne mehr über sie erfahren wollen.
    Nur diese noch etwas undurchsichtigen Nebenhandlungen (Caro, Lydia und Steffi) müssen entweder gestrichen oder anders verbaut werden. Sie nehmen an Anfang zu viel Raum ein und so kommt die Liebesgeschichte nicht richtig in Gang. Weniger wäre hier mehr gewesen, je nachdem, welche Bedeutung sie im weiteren Verlauf haben. Wenn Lydia später nochmal auftauchtaucht und das gerade gefundene Glück zwischen Jana und Susann zerstören würde, macht das ihr plötzliches Verschwinden und Janas Schwierigkeiten wieder relevant. Wenn Caro und Steffi im Nebenplot zusammen kommen sollen, dann wäre es schön gewesen zu sehen, wie Caro auf Steffi reagiert, anstatt dass sich Jana und Steffi nur über sie unterhalten.
    Positiv finde ich ebenfalls, dass gute Ansätze im Handwerk zu erkennen sind. Daher: bitte weitermachen und dranbleiben. Hieraus kann sicher noch eine schöne Geschichte werden! Vielen Dank fürs Einsenden! :)

    Mittwoch, 16. August 2017 17:52
  • Franzi-Roman 13

    Alexa Permalink

    Hallo Alexa,
    auch dir einen lieben Dank für deinen Kommentar.
    Das finde ich super, dass du Susann interessant findest. Susann bleibt auch ein wenig rätselhaft, womit Jana im Verlauf der Geschichte zu kämpfen hat. Zu den anderen Personen (Caro, Lydia, Steffi): Sie sind ein Teil der ganzen Geschichte. Was am Anfang unübersichtlich wirkt, wird mit der Geschichte deutlicher. Jedes Verhalten löst ein anderes Verhalten aus, was die Geschichte wiederum beeinflusst, wenn man es so formulieren möchte :)
    Lydia z.B. taucht in der Geschichte nur deswegen auf, weil sie für die Trennung verantwortlich ist, und damit auch für Janas Wohnungsnot. Es gibt aber auch den Teil, wo Jana nach einem Telefonat mit Lydia ziemlich aufgewühlt ist. Dieses Telefonat bekommt Susann mit, was zur Auswirkung hat, dass Susann ihre Gedanke/Gefühle zu Jana überdenkt. Nur ein kleiner Einblick ;)

    Da ich eh noch an meinem Roman arbeiten werde, werde ich mir auch überlegen, wie ich es anders einbauen kann. Beziehungsweiße, wie ich den Anfang schreiben kann, dass es sich mehr um Jana und Susann handelt.
    Werde auf jeden Fall fleißig dranbleiben. Und hoffe auf weitere hilfreiche Tipps und Kommentare.

    Danke für deinen positiven Kommentar :D

    Donnerstag, 17. August 2017 19:16
  • Catherine Fox

    Permalink

    Eine Geschichte oder Roman sollte auf den ersten Seiten schon fesselnd sein und einen in das Geschehen hineinziehen. Das tut dieser Roman nicht, es zieht sich alles, zudem viele banale Dialoge. Von der Rechtschreibung und Grammatik möchte ich mal nicht reden... Aber dazu sind hier schon entsprechend Kommentare abgegeben worden und auch bezüglich des Inhalts kann ich mich meinen Vorgängerinnen nur anschließen. Aber jeder hat mal klein angefangen...

    Dienstag, 15. August 2017 15:01
  • Franzi-Roman 13

    Catherine Fox Permalink

    Hallo Catherine,
    danke für deinen Kommentar. Das mit der Rechtschreibung und Grammatik nehme ich natürlich auch zur Kenntnis. Ein weiterer Punkt an dem ich arbeiten möchte. Hat sich etwas hart angehört, wie du es geschrieben hast, aber werde mich fleißig darum kümmern. Ich weiß, nur sich auf Microsoft-Word zu verlassen hilft nicht. Beim Durchlesen hört es sich immer toll an, aber es schleichen sich immer irgendwelche Fehler ein.

    PS: Deine persönliche Rangliste… Ich nehme es nicht persönlich ;)

    Dienstag, 15. August 2017 17:43
  • Catherine Fox

    Franzi-Roman 13 Permalink

    Hallo Franzi,

    sorry, wenn meine Kritik etwas hart klang. Ich bin so der Typ, der das Herz auf der Zunge trägt und da kommt das bei mir manchmal rüber wie der Elefant im Porzellanladen. Ich selber mag auch nicht um den heißen - Brei - herum - Gerede, ich möchte gern wissen, woran ich bin und nur bei ehrlicher Kritik kommt man vorwärts. Ist ja nicht böse gemeint.
    Stell dir vor, wenn du selbst ein Buch liest und das ist auf den ersten Seiten nicht packend. Liest du weiter oder legst du es weg? Schreib so, wie du es für spannend hältst, wenn du selbst lesen würdest. ;)

    Mittwoch, 16. August 2017 18:09
  • Franzi-Roman 13

    Catherine Fox Permalink

    Hallo Catherine,

    das finde ich auch gut, dass es noch mehr solcher Menschen gibt. In meinem Umfeld bin ich auch für meine charmante „feinfühlige“ Ader gefürchtet :D Mein „es war hart geschrieben“, war einer spontanen Sentimentalität geschuldet und sollte nicht so rüberkommen.
    Das war nun mal mein erster Gedanke, und hat sich auch nur auf die Rechtschreibung bezogen. Ich kenne ja meine Schwächen, und da kam dein Satz einfach so freundlich :D
    Aber keine Sorge, mit Kritik gehe ich immer gut um, da es auch hilfreich sein kann. Da bin ich über jede Kritik zufrieden. Also, lieber ehrlich bleiben als „Ach, hast du das aber toll gemacht“, oder so ähnlich. Dass hilft keinem weiter.

    Und ja, Bücher müssen spannend sein. Aber ich muss auch zugeben, ich habe auch schon Bücher gelesen, wo ich dachte „Aha… sehr spannend“. Nur so nebenbei ;)

    Ich fand es super lieb, dass du dich nochmal gemeldet hast. Von meiner Seite war es wirklich nicht böse gemeint. Ein dickes Danke nochmal :)

    Donnerstag, 17. August 2017 19:27
  • Madlen

    Permalink

    Hallo Franzi,

    erst einmal schön, dass du hier mitmachst.
    Ich verstehe den Stolz, wenn man eine für sich vollständige Geschichte geschrieben hat und sie präsentieren möchte.

    Zur Inhaltsangabe kann ich leider auch nur sagen, dass man sich im Detail nicht wirklich den Werdegang/Ablauf vorstellen kann. Aber ja, es wird eine Liebesgeschichte versprochen und ich gehe fest davon aus, dass es eine ist.

    Die Leseprobe war allerdings etwas schwierig. Mal von der Grammatik abgesehen, musste ich mich wahnsinnig konzentrieren, um den Inhalt zu erfassen (Fällt mir sonst nicht schwer ;) ). Irgendwie las es sich nicht locker von der Hand. Keine Ahnung, ob das nur an den kurzen Sätzen lag.
    Die letzte Szene fand ich ganz nett. Also, dass sie sich missverstehen und unsicher sind. Aber auch hier musste ich mich ziemlich stark auf das Gelesene konzentrieren und es kam kein richtiger Fluss auf.
    Ich würde dir jetzt keine Tipps geben, aber ich denke, die anderen verstehen davon mehr.

    Trotzdem danke für dein Werk!

    MfG
    Madlen

    Samstag, 12. August 2017 22:05
  • Franzi-Roman 13

    Madlen Permalink

    Hallo Madlen,
    auch dir danke ich für deinen Kommentar.
    :) mein Auszug wurde ja jetzt schon des Öfteren bewertet. Werde mich auf jeden Fall nach dem LLP an mein Werk machen und es überarbeiten. Vielleicht (hoffentlich/auf jeden Fall! ;) ) kann ich dann mein Roman/Kurzgeschichte in neuem Glanz präsentieren.

    Danke, dass du dir trotzdem die Zeit genommen hast. Und, dass dir die letzte Szene gefallen hat.

    Montag, 14. August 2017 18:55
  • Franzi-Roman 13

    Permalink

    Hallo Pia,
    auch dir einen lieben Dank für deinen Kommentar.

    Da wurde mein Kommentar, zur Länge des Romans, ein wenig anders verstanden :)
    Ich nehme mir natürlich jede Kritik zu Herzen, die hier so hilfreich hinterlassen wird.
    Deswegen habe ich die Kommentare von Sima und Julia auch so verstanden, wie man sie verstehen soll. Es geht nicht darum die erforderte Anzahl an Wörter zu erreichen, sondern, es geht um einen anderen Grundgedanken. Den Grundgedanken formulier ich mal so:

    Kann, aufgrund der Inhaltsangabe, daraus ein Roman werden?

    Daraufhin habe ich geantwortet, dass mein Roman fix und fertig ist. Was einfach nur aussagen sollte, ich habe mir Gedanken zu meinem Roman gemacht. Mein Roman hat eine komplette Handlung mit Happy End. Dass wollte ich damit sagen.

    Ja, mir ist mittlerweile durchaus bewusst, dass ich mir mehr Zeit für die Inhaltsangabe hätte nehmen sollen. Ich habe hier nun schon genügend Inhaltsangaben gelesen und würde es anders angehen. Mit einer ausführlicheren Inhaltsangebe wäre die Grundidee, wahrscheinlich, anders rübergekommen. Weil, als Leserin will man natürlich ein spannendes Buch in den Händen halten. Ein spannendes Buch von Anfang bis Ende.
    Da hab ich mich mit meiner Inhaltsangabe ganz schön vertan.

    Natürlich will ich nicht nur auf den zwei Punkten rumreiten. Zum Anfang der Geschichte habe ich mich ja auch schon geäußert. Und an den Dialogen werde ich mich auch ranmachen und mehr Leben einhauchen. Sowie an die dahinplätschernde Geschichte.
    Wie jeder Autorin hier, liegt mir das Schreiben am Herzen. Und ich nehme mir gerne die Kritik zu Herzen und will sie umsetzen.

    So, nur ein paar Gedanken meinerseits :)

    Donnerstag, 10. August 2017 19:26
  • Da möchte ich mich auch noch mal Sima anschließen, weil es wirklich wichtig ist. Überleg Dir: Warum hast Du für den Anfang so eine langweilige Szene gewählt? Was willst Du damit zeigen?

    Du wiederholst in den ersten beiden Absätzen zweimal, dass dieser Tag fast vorüber ist. Das willst Du also betonen. Doch was ist so spannend daran, dass dieser Tag gleich vorüber ist? Was soll die Leserin daran interessieren?

    Dann tritt die nächste Figur auf, Caro, und sofort wechselt die Perspektive zu ihr. Warum? Was für eine Bedeutung hat das? Caro bedauert, dass sie Jana nicht helfen kann. Das klingt so, als ob Jana im Sterben läge (was offensichtlich nicht der Fall ist), allerdings wissen wir nicht, wobei Caro Jana helfen will, denn das sagt Caro nicht.

    Und so weiter. Die erste Szene muss spannend sein, muss die Leserin in die Geschichte hineinziehen. Aber was ist an dieser Situation, die Du hier beschreibst, spannend? Was an dieser Situation sagt etwas aus über den Konflikt, der in dieser Geschichte stattfinden wird?

    In der Inhaltsangabe schreibst Du: „Jana Lemke trifft ein gewaltiger Blitzschlag, als sie Susann Freyberger das erste Mal begegnet.“ Das ist wunderbar. So muss es sein. :) Aber warum fängst Du dann nicht mit genau dieser Szene an, mit diesem Blitzschlag?

    Die Inhaltsangabe ist in diesem Fall viel besser als der Auszug, denn in der Inhaltsangabe fängst Du genau mit dem an, womit jeder Liebesroman anfangen sollte: Mit der ersten Begegnung, die die Protagonistin vom Hocker reißt. Und dann fängst Du die Geschichte damit an, dass es um Wohnungen und Mietpreise geht? Warum?

    Schreib die erste Szene als Blitzschlag, so wie Du es in der Inhaltsangabe versprichst. Mach einen Knalleffekt aus der ersten Szene.

    Und dann konzentrier Dich auf die beiden Hauptfiguren. Lass Jana nicht immer an die Vergangenheit denken, an Lydia, Svenja ... wen auch immer. In dem Moment, als sie Susann sieht, und von da an jede Minute, denkt sie nur noch an eins: Susann. Alles andere ist unwichtig.

    Diese unwichtigen Sachen musst Du streichen. Alle. Dann bleibt aber kein Roman mehr übrig, sondern nur noch eine Kurzgeschichte. Das ist absolut in Ordnung. Wenn die Kurzgeschichte sich nur auf Jana und Susann konzentriert und auf sonst nichts.

    Jede Szene, jeder Gedanke, den Jana hat, muss sich auf Susann beziehen. Das ist das Entscheidende. Dann plätschert es nicht mehr so dahin, sondern wird eine richtige Liebesgeschichte. :)

    Freitag, 11. August 2017 10:10
  • Franzi-Roman 13

    Ruth Gogoll Permalink

    Hallo Ruth,

    jetzt muss ich selber ein wenig Schmunzeln :D Das war einem wirklich nicht so bewusst, wie der Anfang auf andere Leser wirkt. Wenn man sich deine Kommentare zu Herzen nimmt, wird es einem wirklich etwas bewusster.
    Da muss ich wirklich den Rotstift ansetzten und ausmisten. Die Gedanken rattern schon unaufhörlich. Ich könnte mich sofort an mein Roman setzten und mit neuen Ideen anfangen. Aber, erst einmal gibt es hier noch viele schöne Geschichten/Romane die man gerne Lesen und Bewerten möchte.

    Vielen lieben Dank für deinen interessanten Kommentar bzw. Augen öffnen, wie es anders gehen kann.

    Generell will ich einfach noch mal ein dickes Lob aussprechen, für alle die hier so fleißig kommentieren. Offen, ehrlich, schonungslos ;) aber, und das ist das wichtigste, vor allem hilfreich.

    Samstag, 12. August 2017 10:46
  • Franzi, die Inhaltsangabe ist nicht das eigentliche Problem. Es geht vielmehr um den Auszug, der einfach mal das Dramatische und Fesselnde vermissen lässt. Es passiert nichts weiter, und dadurch wirkt das alles etwas langatmig und langweilig. Was Pia damit sagen wollte, ist, wie will ein vollständiger Roman spannend sein und die Leserin in den Bann ziehen, wenn es der Auszug nicht vermochte? Gerade der Anfang ist entscheidend, ob die Leserin das Buch gleich zur Seite legt, oder ob sie unbedingt wissen will, wie es mit der Geschichte weitergeht. Das ist das A und O. Ich habe auch erst lernen müssen, dass es nichts nützt, selbst seinen Roman ganz toll und super interessant zu finden. Die Leserinnen müssen es tun. Die gilt es zu überzeugen. ;)

    Ist doch schön, wenn Dir das Schreiben am Herzen liegt. So muss es sein, denn das ist eine Grundvoraussetzung, um überhaupt ein gutes Buch schreiben zu können. :)

    Donnerstag, 10. August 2017 21:54
  • Pia

    Permalink

    So, das ist nun der letzte Roman auf meiner Liste. Ich hoffe, ich habe bei meiner Hin- und Herspringerei keinen vergessen. ;) Bei meiner Beurteilung kann ich mich eigentlich auch nur meinen Vorrednerinnen anschließen. Die Inhaltsangabe endet ohne richtiges Ende, denn sie hofft nur, dass es ein glückliches Ende geben wird. Anscheinend weiß die Autorin nicht, ob es wirklich ein glückliches Ende gibt.

    Mir scheint genauso wie Julia und Sima, dass die Substanz dieser Geschichte nicht für einen langen Roman reicht. Du sagst, Franzi, dass es ja schon ein langer Roman ist, aber das ist damit nicht gemeint. Nur weil Du die für einen Roman geforderte Anzahl an Wörtern geschrieben hast, hast Du noch keinen Roman geschrieben. Ein Roman erfordert eine spannende Dramaturgie von Anfang bis Ende, und da schon der Anfang nicht spannend ist, ist kaum zu erwarten, dass es dann plötzlich nach Ende dieser Leseprobe spannend wird. Das ist sogar eher unwahrscheinlich. Denn dann hättest Du vermutlich auch einen spannenden Anfang geschrieben.

    Du hast viele Wörter geschrieben, hast die Geschichte zumindest so, wie Du sie haben wolltest, zu Ende geschrieben, und dafür ein großes Lob. Aber es fehlt noch einiges an Handwerk, damit den Wörtern auch Leben eingehaucht wird (wenn ich das mal so dramatisch formulieren darf ;)). In den Dialogen müsste wirklich etwas passieren, in der Geschichte müsste wirklich etwas passieren, und auch in den Figuren, in Jana und Susan, müsste wirklich etwas passieren. Im Moment plätschert es zu sehr vor sich hin, es geschehen keine weltbewegenden Dinge.

    Die Idee ist gut, für eine Kurzgeschichte. Und das würde ich versuchen, daraus zu machen. Daran kannst Du dann Dialoge, Spannung usw. üben. Und eventuell kannst Du es sogar zu einem Kurzroman ausbauen. Und wenn Dir währenddessen noch Ideen kommen, kann es sogar ein langer Roman werden. Alles ist möglich, und indem Du Deinen Text hier eingereicht hast, hast Du den besten Schritt dazu gemacht, das, was möglich ist, zu erreichen. :)

    Klingt irgendwie wie das Wort zum Sonntag ;), und das ist es vielleicht auch, weil ich damit meine Kommentare zu den Romanen abschließe. Es hat sehr viel Spaß gemacht, all die Einsendungen in der Romanabteilung zu lesen und zu sehen, wie viele unterschiedliche Autorinnen und unterschiedliche Arten zu schreiben es gibt.

    Noch mal ein großes Lob an alle Roman-Autorinnen, die hier etwas eingereicht haben. Ich kann mich nur für die vielen schönen Romananfänge bedanken und hoffe, ganz viele davon dann als vollständige Romane lesen zu dürfen. :)

    Mittwoch, 9. August 2017 19:46
  • Franzi-Roman 13

    Permalink

    Hallo Claudia,
    auch dir einen lieben Dank für die Bewertung. Hab mich in meinen vorherigen Antworten den Punkten gestellt und etwas meinen Standpunkt vertreten :) Deswegen belass ich es einfach bei einem ganz lieben Dankeschön ( Besonders für die Anmerkung, dass die Geschichte Potenzial hat)
    Deswegen bin ich hier, damit man das Potenzial fördern kann :)

    Sonntag, 6. August 2017 19:47
  • Franzi-Roman 13

    Permalink

    Hallo Sima,
    auch dir einen lieben Dank für die Mühe und Zeit, die du dir für eine Bewertung genommen hast.

    So, dann fang ich mal an.

    Zur Länge des Romans (Was sich auch Julia gefragt hat. Ob es für einen ganzen Roman reicht?) : Aus der Geschichte ist ein ganzer Roman geworden. Fix und fertig :D

    Zu den Dialogen/Text: Es wurde schon erwähnt, dass die Geschichte ein wenig langweilig rüber kommt. Das war so natürlich nicht beabsichtigt :(
    Ich wollte mit meiner Romanidee natürlich auch Leserinnen gewinnen. Eine schöne Liebesgeschichte erzählen. Ich kenne ja die ganze Geschichte :D
    Die ersten Seiten habe ich selber ein paar Mal umgeschrieben, da ich manchmal selber nicht so richtig zufrieden war. Die gute Frage ist auch immer, mit was Punkten? Den richtigen Nerv zu treffen ist immer etwas schwierig.

    Fazit: Deswegen habe ich mein Roman eingesendet. Um Feedback zu bekommen. Es fällt einem selber nicht so sehr auf. Als Autorin ist man stolz auf sein Werk, es steckt schließlich Herzblut drin, und nur durch ehrliche Kommentare kann man etwas ändern. (Wie mehr Drama reinbringen ;) )

    Zu Jana: Sie ist ein Sensibelchen :) die innere Konflikte und viele Gedanken sind der noch relativ frische Trennung geschuldet. Und, was erst im Laufe der Geschichte kommt, das Sensibelchen soll der liebende Ausgleich zu Susann sein. Susann die den etwas ruppigen Part bekommen hat.

    Oh je, jetzt ist meine Antwort wieder etwas länger geworden. Autoren halt… Schreiben einfach fürs Leben gerne :D

    Danke für die drei Sterne :D einfach super.


    Ps: Deine Erwähnung am Rande. Hat alles seinen Sinn, dass Jana nichts davon wusste. Kommt auch erst im Laufe der Geschichte, warum Susann dort einsteigt und wo sie davor gearbeitet hat, ein Grund warum Jana nicht informiert wurde. Ein weiterer Grund, es ist Susann Freyberger. Da wird so etwas in der Familie geklärt, über den Kopf der Sicherheitschefin hinweg ;)

    Sonntag, 6. August 2017 19:25
  • Claudia

    Permalink

    Auch hier kann ich mich Sima und Julia anschließen.
    Eine nette Idee mit Schwächen in der Ausführung. Irgendwie bin ich nicht so in die Geschichte gekommen. Ob es am Stil liegt, oder an den ständig neu auftauchen Namen, die ich neu einordnen muss, ich kann es nicht sagen. Das ist ja auch nur mein Gefühl dabei.
    Die Geschichte hat durchaus Potenzial und kann mit einiger Überarbeitung auch Spaß machen.
    Vielen Dank und lieben Gruß
    Claudia

    Sonntag, 6. August 2017 18:58
  • Sima

    Permalink
    Rated 3 out of 5 stars

    Eine hübsche Idee und in der Umsetzung mit ein paar durchaus guten Ansätzen. Aber insgesamt plätschert die Geschichte doch zu sehr dahin. Ich vermisse ein wenig die fesselnden Aspekte. Der Text ist mit seinen nicht sehr ausdrucksstarken Dialogen recht einfach strukturiert, lässt sich aber dennoch ganz gut lesen.
    Positiv finde ich hier auch, dass die Autorin bemüht ist, Show don't tell einfließen zu lassen und ihr die Darstellung von Gedanken und Gefühlen zuweilen gut gelungen ist.

    Leider fehlt mir hier ein bisschen die spannende Handlung, weil auch die Dialoge zu wenig hergeben. Dadurch empfand ich das alles ein wenig langweilig.
    Aus den durchaus interessanten Figuren wie Jana, Susann und Caro lässt sich deutlich mehr rausholen.

    Ein bisschen schmunzeln musste ich, dass Jana als Sicherheitschefin nicht darüber informiert war, dass Susann in die Firma einsteigt, während Caro schon davon wusste. Das passt nicht so richtig. In der Position weiß man üblicherweise als einer der ersten, wenn es einen “Neuzugang“ gibt. Das will ich aber nur mal am Rande erwähnt haben. ;)

    Dann ist mir noch was aufgefallen... Die Geschichte wird ja aus Janas Perspektive erzählt. Dann sollte darauf geachtet werden, dass sie nicht wissen kann, was die anderen, z.b. Caro oder auch Susann, denken oder fühlen, wenn sie es nicht sagen. Das ist mir hin und wieder aufgefallen, und es müsste entsprechend umformuliert werden.

    Ja, hinsichtlich Rechtschreibung und Grammatik sind auch einige Fehler aufgetaucht, die aber bei entsprechender Überarbeitung schnell behoben werden können.

    Ich bin mir jetzt nicht ganz sicher, ob das für einen langen Roman reichen könnte. Jana ist sehr mit ihren Gedanken und inneren Konflikten beschäftigt, aber es passiert zu wenig. Mir fehlt ein bisschen das Drama. ;)
    Aber ich bin mir sicher, dass sich aus der Geschichte was machen lässt. Vielen Dank an die Autorin.

    Samstag, 5. August 2017 10:57
  • Franzi-Roman13

    Permalink

    Hallo Julia,
    danke für die Bewertung. Als Autorin freut man sich über jede Mühe und Zeit, die sich genommen wird, für eine Bewertung. Ein ehrliches Feedback ist das, was man als Autorin benötigt.

    Zur Inhaltsangabe:

    Ein Thema was öfters kommentiert wird, so wie ich es bisher wahrgenommen habe.
    Ich persönlich finde es schwierig eine Meinung zu bilden.
    Laut Wettbewerbsbedingung sollte die Inhaltsangabe kurzgefasst sein. Nun, wo findet man die feine Balance? Die feine Balance zwischen zu viel Information und zu wenig.
    Natürlich würde man gerne mehr Information raushauen, um die Leserinnen zu fesseln. Mehr Information würde aber auch bedeuten, dass man die Kurzfassung überschreitet.
    Und das, dass ist wahrscheinlich der Punkt, wo man als Neuling ein wenig ins Straucheln kommt.
    Wenn man sich die Frage stellt, wie man ein komplexer Roman, überzeugend auf eine halbe Seite bringen soll? (Mir ist erst später aufgefallen, es hätte auch eine Seite sein dürfen :()

    Ich möchte jetzt nicht weiter ausschweifen, es gibt genügend zum Lesen :D

    Ja, meine Inhaltsangabe ist etwas grob. Es sollte ein grober Überblick sein. Doch etwas zu grob? Und natürlich gibt es ein Schluss. Ein Happy End :D

    Die positive Meinung hat mich sehr gefreut.

    Danke nochmal

    Donnerstag, 3. August 2017 20:46
  • Julia

    Permalink

    Inhalt: Die Inhaltsangabe bleibt ziemlich vage und oberflächlich. So richtig kann ich mir die Geschichte danach nicht vorstellen, aber zumindest ist es eine Liebesgeschichte, auch wenn das Ende zumindest in der Inhaltsangabe noch offen bleibt.

    Auszug: Sag ich es mal so – es ist okay. Sehr positiv ist, dass die Autorin versucht, mit „Show, don’t tell“ zu arbeiten, gerade als es um die Beschreibung der Charaktere geht und dass sie versucht, die Emotionen rüber zu bringen und alle Sinne anzusprechen. Sprachlich ist der Text allerdings etwas langweilig, weil die Sätze vom Satzbau oft sehr ähnlich sind, kurz und sich doch einige Formulierungen rasch wiederholen, sodass bei mir kein rechter Lesefluss aufkommen wollte. Rechtschreibung und Grammatik könnten auch noch etwas verbessert werden.

    Fazit: Anhand der Inhaltsangabe kann ich nicht richtig beurteilen, ob er Stoff wirklich für einen ganzen spannenden Roman reicht. Ansonsten sind einige gute Ansätze da, es ist aber auch noch einiges an Überarbeitung nötig.

    Mittwoch, 2. August 2017 22:03

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