Geschichte Nr. 10

Anonymer Auszug aus Geschichte Nr. 10 für die Abstimmung zum 11. Lesbischen LiteraturPreis

Der folgende Text ist urheberrechtlich geschützt und geistiges Eigentum der Autorin. Kopieren und Weiterverbreiten des Inhalts, vollständig oder auszugsweise, sind nicht gestattet. Bitte respektieren Sie die Arbeit der Autorin.

 

Inhalt

Antonia und Julia sind beste Freundinnen – bis zu dem Zeitpunkt als Antonia ihren neuen Job in New York antritt und sich über ein Jahr nicht bei Julia meldet.

Dies allein wäre schon schlimm genug. Was die Trennung für beide noch unerträglicher macht ist, dass die beiden sich am Tag vor Antonias Abflug unerwartet küssen.

Julia bleibt zurück und muss mit ihren Gefühlen und Zweifeln alleine fertigwerden. Unterstützt wird sie dabei von ihrer Mitbewohnerin Franka, doch Antonia kann auch sie nicht ersetzen.

Nach ihrer Rückkehr will Toni ihren Fehler wieder gut machen, was ihr eher schlecht als Recht gelingt. Rosalie, ihre Nachbarin, steht ihr mit Rat und Tat zur Seite, aber eine Lösung kann auch sie nicht für Antonia finden.

Jedes Mal wenn Antonia und Julia sich wieder langsam einander annähern und den Verstand abschalten um ihren Gefühlen zu folgen, scheint eine Katastrophe der nächsten zu folgen und macht ihnen einen Strich durch die Rechnung.

Erst das Zulassen ihrer wahren Gefühle, die schonungslose Wahrheit und eine Reise an die Nordsee machen es möglich, dass Antonia und Julia endlich zueinanderfinden.
 
Dabei hätten die beiden das schon viel früher haben können: Seit über einem Jahr.

 

Auszug

Kapitel 1

Um sich nicht wie auf dem Präsentierteller vorzukommen, setzte Antonia sich schnell an einen freien Tisch im hinteren Bereich des Restaurants. Von dort aus hatte sie den gesamten Gastraum im Blick, ohne gleich auf Anhieb entdeckt zu werden.
Auch wenn seit ihrem letzten Kuss auf dem Labortisch von Julias Chef schon einige Monate vergangen waren, konnte sich Antonia noch immer an den Blick, welcher in Julias Augen lag, erinnern. Würde sie diesen Blick heute – nach all der Zeit – auch wieder entdecken? Gedankenversunken spielte Toni mit ihrer Schlüsselkette.
Erst die Kellnerin holte sie mit ihrer Frage in die Realität zurück. „Möchten Sie schon bestellen?“
„Danke, nein. Ich warte noch auf meine Freundin. Oder warten Sie, vielleicht doch. Einen Espresso. Am besten gleich einen doppelten. Bitte.“, stammelte sie.
Antonia war ihr unsicheres Auftreten mehr als unangenehm. Wenn sie es nicht mal schaffte, gelassen ein Getränk zu bestellen, wie sollte sie es dann schaffen, Julia in die Augen zu sehen?
In diesem Augenblick sah sie, wie ein Auto vor dem Restaurant anhielt und Julia auf der Beifahrerseite ausstieg.
Kneifen ging jetzt nicht mehr – es sei denn, sie würde sie hier hinten nicht entdecken.

 

Das Auto war so schnell verschwunden wie es gekommen war. Und während Julia zum Eingang des Restaurants lief und abwechselnd auf ihr Smartphone und durch die großen Fenster am Eingang schaute, bemerkte Antonia wie ihr Herz schneller zu schlagen begann. Eine Mischung aus Freude, Aufregung und Unsicherheit machte sich in ihr breit. War es doch keine gute Idee sich so schnell bei Julia zu melden? Hätte sie sich etwas mehr Zeit geben sollen? Wenn sie jetzt aufstehen und durch den Hintereingang verschwinden würde, könnte sie so tun, als sei ihr etwas dazwischen gekommen und Julia würde niemals erfahren, dass sie gekniffen hatte. Doch bevor Toni ihren Gedanken zu Ende bringen konnte, stand schon die Kellnerin vor ihr und brachte ihr den doppelten Espresso und ein Glas Wasser. Chance vertan. Würde sie jetzt gehen, wäre sie nicht nur feige, sondern würde auch noch die Zeche prellen.

 

„Danke.“, sagte Antonia stattdessen und griff fast augenblicklich nach dem Glas Wasser. Julia hatte sie noch nicht entdeckt. Toni konnte sie dabei beobachten, wie sie selbstbewusst den Gastraum betrat und ihr langes kastanienbraunes Haar in den Nacken warf. Sie hatte sich in all den Monaten kein bisschen verändert. Obwohl. Die Haare schienen etwas kürzer zu sein. Sie strahlte noch immer mit jedem Schritt diese Präsenz und Zielstrebigkeit aus, die Antonia schon immer an ihr bewundert hat. Und da war es. In dem Augenblick als sich ihre Blicke trafen, huschte dieses zauberhafte Lächeln über ihr Gesicht. Es war nur ein Hauch. Fremde würden diesen Moment vermutlich gar nicht wahrnehmen, doch Antonia war dieses Gesicht so unglaublich vertraut. Ihr wurde heiß und kalt und sie versuchte krampfhaft lässig zu wirken. Sollte sie aufstehen und ihr entgegengehen oder ganz locker sitzen bleiben und Julia auf sich zukommen lassen? Erst Mal sitzen bleiben. Besser aufstehen. Aufstehen ist genau dazwischen. Höflich, aber doch gelassen. So hätte es wirken können als Toni etwas zu schnell aufsprang und mit ihrem Knie so sehr an den Tisch stieß, dass ihr der Schmerz nicht nur durchs Bein jagte, sondern sie zu allem Überfluss auch noch das Glas Wasser umwarf.
„Verdammt. So ein Mist.“ Ungelenk versuchte Toni das Wasser aufzuhalten.
„Na wenn das Mal keine nette Begrüßung ist! Ich freu mich auch dich zu sehen Antonia.“, lachte Julia, stellte ihre Tasche auf einen der freien Stühle und kam direkt auf Toni zu um sie fest in die Arme zu schließen.

Das ging doch Mal gehörig daneben. Seit über einem Jahr hatten sie sich nicht gesehen und dann so etwas.

„Hat es dir jetzt auch noch die Sprache verschlagen oder hast du verlernt deutsch zu sprechen?“ Das war Julia. Kein peinliches Schweigen, keine bissigen Kommentare, einfach nur wohlfühlen.
„Entschuldige. Ich ähm bin da wohl mit dem Fuß hängen geblieben.“ Die Kellnerin hatte das Missgeschick bemerkt und war bereits dabei den Tisch zu wischen. „Danke. Das tut mir sehr leid. Möchtest du vielleicht gleich bestellen?“
„Gerne. Ich nehme einen Espresso.“, antwortete Julia. Die Bedienung nickte freundlich und ließ die beiden am Tisch zurück. Julia hatte zwischenzeitlich auf dem Stuhl gegenüber von Antonia Platz genommen.
„Du trinkst Kaffee? Seit wann? Das letzte Mal als ich dich Koffein zu dir nehmen hab sehen war dir schon ein Milchkaffee zu stark und jetzt gleich Espresso? Ich bin überrascht.“ Das war Toni wirklich. Wie oft musste sie sich in der Vergangenheit anhören, dass sie nicht so viel Kaffee trinken soll und nun zog Julia nach?
„Hallo Julia. Ich freu mich auch dich zu sehen….“  Amüsiert zog Julia ihre Augenbraue nach oben und lächelte Antonia verschmitzt zu.
„Hi. Ja. Also das tu ich wirklich. Schön dass du gekommen bist.“ Toni merkte wie ihr die Röte ins Gesicht stieg.
„Kein Grund gleich rot zu werden.“ Ihre schonungslose Ehrlichkeit hatte Antonia fast vergessen.
„Wie geht es dir? Du siehst toll aus. Viel zu tun im Labor oder kannst du dir mittlerweile etwas mehr Freizeit gönnen?“ Antonia schüttelte den Kopf. Was redete sie denn da? Und warum musste sie gleich in den ersten Sätzen vom Labor sprechen? Sie hatte sich doch fest vorgenommen diesen Augenblick am Labortisch völlig außen vor zu lassen und mit keiner Silbe zu erwähnen.
„Danke. Ich kann nicht klagen. Es ist gut angelaufen und „Il Dragon“ lässt mir langsam die lange Leine.“, antwortete Julia knapp.  
„Il Dragon“ – nennt ihr euren Chef noch immer so? Hat er sich denn kein bisschen geändert?“, lachte Toni und nahm einen großen Schluck Espresso. Julia tat es ihr gleich als sie ihre Tasse bekommen hatte.
„ Tja, was  soll ich sagen. Manche Dinge ändern sich eben nie. Er ist und bleibt ein Kontrollfreak. Aber er scheint mir zu vertrauen. Immerhin hat er mir nun auch offiziell die Laborleitung übertragen.“ Antonia konnte sehen, dass Julia ziemlich stolz auf ihren Erfolg war. Immerhin hatte sie die letzten Jahre mit aller Energie auf dieses Ziel hingearbeitet.
„Glückwunsch! Wenn das Mal keine Neuigkeiten sind! Ich hab es dir ja immer gesagt. Irgendwann übernimmst du den Laden. Worauf habt ihr euch denn mittlerweile spezialisiert?“, plapperte Antonia drauf los. Läuft langsam doch ganz gut.
„Ich will dich nicht mit dem Laborzeug langweilen. Ist alles nicht der Rede wert. Erzähl du lieber von dir.“ Julia hatte wohl ebenfalls den Plan die Gesprächsführung an sich zu reißen.

„Wo soll ich da anfangen…?“ , schnaufte Antonia und lehnte sich in ihrem Stuhl zurück.

„Am besten vor über einem Jahr als du von einem Tag auf den anderen in die USA bist und dich bis vorgestern nicht bei mir gemeldet hast?“ Das hatte gesessen. Julia wirkte ernst, aber nicht wütend.
„Julia. Ich bin nicht von einem Tag auf den anderen in die USA. Ich… Ich musste früher nach New York. Die Firma hat mich auf einen früheren Flug gebucht. Es war alles so hektisch und alles musste so schnell gehen, da hab ich mein Handy liegen lassen…“ Antonia merkte, dass sie sich mit ihren Entschuldigungen in die Rechtfertigungsrolle begab, aber sie wollte um alles in der Welt verhindern, dass Julia ihr weitere Vorwürfe machte.
„Und in Amerika gibt es keine Handys?“, hakte sie nach. Ihr Gesicht wirkte ernst und Antonia konnte nicht zuordnen in welche Richtung sich das Gespräch entwickelte.
„Doch. Natürlich. Aber ich hatte deine Nummer nicht im Kopf. Du weißt doch, dass ich mir Zahlen nicht besonders gut merken kann…“ Diese Ausrede war lahm, entsprach jedoch der Wahrheit.
„E-Mail? Oder haben die in den USA noch kein „World Wide Web“?“ Julia ließ nicht locker.
„Schon. Na klar. Ich hatte in den ersten Wochen einfach unglaublich viel zu tun. Und als ich langsam etwas mehr Zeit hatte, da kam es mir irgendwie falsch vor….“ Antonia riskierte sich um Kopf und Kragen zu reden. Aber es war die Wahrheit. Zumindest fast. Erst hatte sie keinen Mut Julia zu schreiben und nach einigen Wochen wusste sie nicht wie sie sich melden sollte.
„Ich hätte mich auch über eine Postkarte gefreut…. Oder hast du vor lauter Stress auch noch meine Adresse vergessen?“ Jetzt wirkte Julia fast traurig.
„Julia. Ich weiß, dass es falsch war mich nicht zu melden. Aber ich kann es jetzt nicht mehr rückgängig machen. Komm schon. Sei bitte nicht wütend oder traurig. Ich hab dir auch was aus New York mitgebracht.“ Mit einem unsicheren Lächeln zwinkerte Antonia ihr zu. Sie hatte das Gefühl einen dicken Kloß im Hals zu haben. Es gab nichts was ihr Verhalten entschuldigen konnte. Doch sie wollte nicht, dass Julia erfuhr, dass sie einfach zu feige war sich zu melden. Noch sollte sie es nicht erfahren. Irgendwann vielleicht, aber nicht hier und jetzt.
„Antonia. Ich hab mir einfach Sorgen gemacht! Nachdem ich von deiner Mutter erfahren hab, dass du schon in New York bist, hab ich nicht einmal erfahren, ob es dir gut geht. Dir hätte sonst etwas passieren können! Wir sind doch Freundinnen. Wir waren sogar die besten Freundinnen.“  Das saß.  
„Das sind wir noch immer. Oder können es wieder werden. Es ist so viel passiert. Ich hab dir so viel zu erzählen Julia.“ Toni war bemüht ruhig zu bleiben. Dabei war sie unglaublich beunruhigt und hatte Angst davor, dass Julia aufstehen und sie einfach sitzen lassen könnte.

Julia lehnte sich in ihrem Stuhl zurück, verschränkte die Arme vor ihrer Brust und musterte Antonia mit zusammengekniffenen Augen. Sie schwieg. Neigte den Kopf leicht zur Seite, nahm einen letzten Schluck Espresso und nickte zufrieden.
„Julia! Sag was!“ Toni konnte dieses Schweigen zwischen ihnen nicht ertragen. „Bitte.“
„Ich muss los Antonia. Das Meeting heute Nachmittag hab ich schon vor Wochen einberufen und es kommt wohl nicht besonders gut an wenn die Chefin zu spät kommt.“ Julia stand tatsächlich auf. War es das nun endgültig mit ihrer Freundschaft?
„Julia. Es… es tut mir leid. Es tut mir echt leid, dass ich mich nicht gemeldet hab.“ Toni stand ebenfalls auf.
Wieder dieses eisige Schweigen.
„Dann melde dich heute Abend. Der geht auf dich – das ist das mindeste. Ich muss los. Mach’s gut.“ Julia deute auf die leere Espressotasse, schnappte sich ihre Handtasche und legte eine Karte auf den Tisch. „Damit du meine Nummer nicht wieder vergisst…“ Ein letztes Zwinkern und weg war sie.

 

 

Kapitel 2

Das Herz schlug Julia bis zum Hals. Souverän abweisend zu wirken, hatte sie mehr Kraft gekostet, als sie dachte. Sie verließ das Restaurant ohne sich nochmals umzudrehen und vermied auch einen letzten Blick auf die zurückgelassene Antonia, als sie an der großen Fensterfront vorbeilief.
In der Querstraße neben dem Lokal stand einige Meter entfernt das Auto, welches Julia vorhin zum Treffpunkt gefahren hatte. Franka saß am Steuer und wartete, so wie es ausgemacht war. Julia öffnete die Beifahrertür und schnallte sich an, noch bevor ihre Fahrerin realisiert hatte, dass sie zurück war.

„Das ging aber schnell.“, bemerkte Franka nach einem kurzen Blick auf ihre Uhr.
„Fahr los!“, sagte Julia panisch.
„Ist ja gut. War es denn so schlimm?“, fragte Franka und drehte den Zündschlüssel um.
„Schlimmer!“, antwortete Julia und sank resigniert in den Autositz.
Franka versuchte sich in den fließenden Verkehr einzuordnen, was ihr einige Konzentration abverlangte. Am liebsten wäre sie stehen geblieben um in Ruhe mit Julia reden zu können. So hatte sie das Gefühl immer nur mit halbem Ohr bei ihr zu sein.
„Es war schrecklich. Ich hab mich benommen wie ein arroganter Eisklotz.“, jammerte Julia und verbarg ihr Gesicht kopfschüttelnd in ihren Händen.
„Sehr gut! Das ist doch genau das was du wolltest!“ Franka versuchte sie zu bestärken.
„Falsch! Das ist was du wolltest! Sie denkt bestimmt ich sei völlig bescheuert.“ Julia merkte wie all die Anspannung der letzten Tage von ihr abfiel.
„Jetzt hör aber auf! Wir haben die letzten beiden Tage seit Antonia sich bei dir gemeldet hat über nichts anderes gesprochen. Du wolltest, dass ich dir dabei helfe einen Schlachtplan zu entwickeln. Und nichts anderes hab ich getan.“ Franka war enttäuscht, dass Julia kein bisschen mehr von der Genialität ihres Plans überzeugt zu sein schien. Dabei hatten sie wirklich Stunden damit verbracht sich zu überlegen, wie sie sich am besten gegenüber Toni verhalten sollte.
„Entschuldige. Ich komm mir nur so blöd vor.“, sagte Julia und legte ihren Kopf in den Nacken.
„Kein Ding. Wir sind gleich zuhause. Dann kannst du mir alles in Ruhe erzählen.“ Aufmunternd sah Franka zu ihrer Mitbewohnerin hinüber und hoffte, dass sie Julia so etwas aufheitern oder zumindest beruhigen konnte.

Zur gleichen Zeit zahlte Antonia die Rechnung und entschuldigte sich nochmals für das Missgeschick mit dem Wasserglas.
Resigniert und nachdenklich machte sie sich auf den Heimweg. Es war zwar ein Fußmarsch von rund drei Kilometern, aber den brauchte sie nach diesem seltsamen Wiedersehen einfach. Wie schön hatte sie sich das Treffen mit Julia ausgemalt. Nie im Leben hatte sie damit gerechnet, dass sie schon nach so kurzer Zeit gehen würde. Warum hatte sie mit keiner Silbe erwähnt, dass sie ein Meeting hatte? Sie hätten das Treffen doch auch auf einen anderen Tag verschieben können. Auf einen Tag mehr oder weniger kam es doch nun auch nicht mehr an. Julia nahm es ihr wirklich sehr krumm, dass sie sich nicht bei ihr gemeldet hatte. Aber wenn Toni ehrlich zu sich selbst war, konnte sie ihr das gar nicht verübeln. Was hatte sie denn erwartet? Dass Julia nach über einem Jahr freudestrahlend vor ihr stand, sie in die Arme schloss und sie dort anknüpfen konnten, wo sie vergangenes Jahr im Mai aufgehört hatten? Und damit meinte Antonia nicht einmal unbedingt diesen einzigen Kuss auf der Eröffnungsfeier des Labors, sondern vor allem ihre innige Freundschaft. Zugegeben, das Gefühl Julia zu küssen hatte sie in all den Monaten nicht vergessen können, allerdings vermisste sie vor allem ihre beste Freundin.

Antonia wollte nicht ihren Erinnerungen nachhängen. Zu lange hatte sie das in New York getan. Um auf andere Gedanken zu kommen, griff sie nach ihrem Smartphone und wählte die Nummer von Rosalie. Zum Glück musste Toni nicht lange warten bis sie abnahm.
„Hi Toni. Wo bist du? Ist euer Treffen schon vorbei? Wie war’s?“, plapperte Rosalie gleich drauf los. Genau das brauchte Antonia jetzt.
„Hi Rosalie. Ja, ist es. Julia hatte noch einen Termin. Keine Ahnung… Bist du daheim?“ Toni hoffte inständig, dass sie das war.
„Vor zehn Minuten zur Tür rein. Magst du vorbeikommen oder soll ich rauf zu dir?“, fragte Rosalie ohne nachzuhaken. Das mochte Toni so an ihr. Kein Verhör, aber immer ein offenes Ohr. Seit Antonia vor drei Jahren hierhergezogen war, hatte sie schnell ihre quirlige Nachbarin eine Etage tiefer kennengelernt. Rosalie war einige Jahre jünger als Antonia und studierte Medizin. Daher waren in der ersten Zeit einige nächtliche Partys Anlass dafür sich zu beschweren. Bis Antonia spontan zu einer eingeladen wurde und Rosalie und ihre Kommilitonen besser kennenlernen konnte.
„Ich bin gerade auf dem Weg. Kann aber noch dauern. Ich bin zu Fuß unterwegs. Gib mir eine Stunde, dann mach ich mich frisch und komm runter zu dir. Ich wollte ja sowieso noch den Schlüssel von dir abholen.“ Das war nur die halbe Wahrheit. Denn obwohl Antonia schon seit drei Tagen zurück war, hatte sie es bisher nicht geschafft einkaufen zu gehen. Stattdessen ernährte sie sich im Augenblick einzig und allein von Lieferdiensten.
„Klar. Ich wollte mir gerade eine Kleinigkeit kochen. Dann kannst du gleich mitessen. Bis später.“ Und schon hatte Rosalie aufgelegt.
Perfekt. Dann brauchte sie auch heute nicht einkaufen zu gehen dachte Antonia und lief unbewusst einen Schritt schneller.


Als Franka die Tür der WG aufsperrte und hinter Julia in die Wohnung ging, hielt sie das Schweigen nicht länger aus und fasste einen Entschluss.
„Wein?“, fragte sie und war schon auf dem  Weg in die Küche.
„Um diese Zeit? Es ist noch nicht einmal 18 Uhr.“, sagte Julia verwundert und stellte ihre Tasche im Flur ab.
„In Italien ist es nie zu früh für einen guten Rotwein. Hol schon mal die Gläser im Wohnzimmer. Ich komm gleich zu dir auf den Balkon.“ Franka war mit ganzem Herzen Italienerin und liebte guten Wein. Außerdem hoffte sie, dass Julia sich so etwas entspannen und ihr dann den Grund für das schnelle Ende des Treffens erzählen würde.
Julia ging ins Wohnzimmer und griff zu ihrer eigenen Verwunderung wirklich nach zwei Rotweingläsern. Sie öffnete die Balkontür, stellte die Gläser auf dem runden Tisch ab und ließ sich in einen der beiden Stühle fallen. Obwohl das Treffen mit Antonia nur sehr kurz war, hatte es sie sehr aufgewühlt. Julia spürte noch immer diese Anspannung der letzten Tage in sich. Diese Mischung aus Freude und Unsicherheit. Aber auch Wut und Enttäuschung.

Als Antonia damals nach New York ging und sich nicht bei ihr meldete, tröstete sie sich die ersten Tage damit, dass sie wohl viel um die Ohren hatte. Die neue Stelle als Ausbilderin bei dieser großen Versicherung, die neuen Kollegen, die Zeitverschiebung, der Jetlag. Julia ließ sich alle möglichen Entschuldigungen für Antonia einfallen. Als die erste Woche vorbei war und sie auch nach einem Monat noch nichts von ihr gehört hatte, kamen so langsam die ersten Zweifel auf. Hatte Toni dieser Kuss denn gar nichts bedeutet?

„Woran denkst du gerade?“, riss Franka Julia aus ihren Gedanken.
„Ach nichts. Ich  glaub ich hab den Espresso nicht gut vertragen. Ich mach heute Nacht bestimmt kein Auge zu.“ Julia versuchte sich herauszureden und schüttelte den Kopf.
„Klar. Das liegt bestimmt nur am Espresso… Warum hast du denn überhaupt einen getrunken wenn du schon weißt, dass du Koffein nicht gut verträgst.“ Franka setzte sich und griff nach den Gläsern um den Wein einzuschenken. Sie musste fast schmunzeln Julia so zu sehen.
„Hast du nicht gesagt ich solle ihr zeigen, dass auch ich mich verändern kann?“ Kaum hatte Franka die Gläser auf den Tisch gestellt, griff Julia nach ihrem und nahm einen großen Schluck.
„Damit hab ich sicher nicht gemeint, dass du Espresso trinken sollst. Antonia ist die Unmengen an Koffein gewöhnt. Du kriegst ja schon von einem Milchkaffee Herzrasen.“,  lachte Franka und prostete Julia zu.
„Ja ja. Die arme kleine Julia die ein Espresso aus den Latschen haut und ein einziger Kuss um den Verstand bringt. Ist ja gut.“, entgegnete Julia gereizt.

„Magst du reden?“ Fragte Franka ruhig und schluckte ihren ersten bissigen Kommentar hinunter. Normalerweise war sie sehr temperamentvoll und würde ganz anders darauf reagieren, dass sich Julia ihrem Selbstmitleid ergab. Doch Franka hatte miterlebt, wie sehr sie darunter gelitten hatte, dass Antonia sich nicht meldete.
„Sie war so süß. Hat ihr Wasserglas umgeworfen.“, antwortete Julia postwendet und nahm einen weiteren großen Schluck aus ihrem Glas.
„Das findest du süß?“ Franka konnte die Begeisterung nicht nachvollziehen.
„Ja. Weil das bedeutet, dass sie auch aufgeregt war.“, antwortete Julia.
„Oder einfach nur schusselig?“, konterte Franka.
„Es war so schön sie zu sehen. Sie hat sich kein bisschen verändert.“, schwärmte Julia.
„Oder du hast dich kein bisschen verändert.“, gab Franka zu bedenken.
„Wie meinst du das denn?“ Julia sah ihre Mitbewohnerin erwartungsvoll an.
„Julia. Bitte versteh mich nicht falsch, aber hast du vergessen wie sehr du im letzten Jahr gelitten hast?“ Franka lehnte sich zurück und ließ den Satz unkommentiert stehen. Vorerst.
Aber auch sie konnte nicht aus ihrer Haut.
„Hat Antonia dir denn erklärt weshalb sie sich nicht bei dir gemeldet hat? Hat sie dir erklärt weshalb sie dich geküsst hat und dann einfach so verschwunden ist? Hat sie sich bei dir entschuldigt?“ Franka konnte all den aufgestauten Ärger in sich fühlen. Sie konnte einfach nicht glauben, dass Julia Antonia scheinbar einfach vergeben hatte.
„Antonia hat ihr Handy liegen lassen. Sie musste einen früheren Flug nehmen und war deshalb so schnell verschwunden. Meine Nummer konnte sie ja nie auswendig.“ Julia merkte selbst, dass sie bereits wieder dabei war Antonia in Schutz zu nehmen.
„Und an ihr E-Mail-Passwort konnte sie sich in Amerika auch nicht mehr erinnern? Notfalls hätte sie dir ja auch einen Brief schreiben können? Oder eine Ansichtskarte vom Big Apple?“
Franka versuchte Julia ein wenig aus der Reserve zu locken. Mit Erfolg.
„Das hab ich ihr auch gesagt. Ich weiß ja, dass du Recht hast. Aber ich bin eben einfach nicht so abgebrüht wie du. Auch wenn ich mir wirklich alle Mühe gegeben hab. Und ja, sie hat sich entschuldigt.“, antwortete Julia.
„Na immerhin hat sie sich entschuldigt. Weshalb bist du dann der Meinung, dass es nicht gut gelaufen ist?“ Franka war stolz auf ihre Mitbewohnerin.
„Weil ich einfach nicht ich selbst war. Ich bin gegangen, weil ich ihr nicht länger in die Augen hätte sehen können, ohne sie auf unseren Kuss anzusprechen. Ich hab ein Meeting erfunden um schnell abhauen zu können. Und ich hab ihr meine Visitenkarte gegeben, damit sie meine Nummer nicht wieder vergisst. Antonia muss mich für völlig irre halten.“ Julia trank den Rest ihres Glases in einem Schluck leer.
„Süße. Das ist perfekt! Du kannst stolz auf dich sein!“ Und schon schenkte Franka ihr nach.
„Perfekt. Dass ich nicht lache. Das ist absolut lächerlich. Ein Meeting. An einem Freitagnachmittag.“  Julia musste über sich selbst lachen und schüttelte zur eigenen Bestätigung den Kopf.
„Aber das wissen nur wir beide. Antonia hat keine Ahnung, dass es dieses Meeting nie gegeben hat. Oder wäre es dir lieber, wenn du in Tränen ausgebrochen und einfach davongelaufen wärst?“ Und wie stolz sie auf Julia war. Ihr Plan war doch perfekt aufgegangen.

Je länger Julia darüber nachdachte, desto mehr erkannte sie, dass Franka absolut Recht hatte. Sie war standhaft geblieben, hatte Antonia unmissverständlich gezeigt, dass sie sehr enttäuscht davon war, dass sie einfach gegangen war und sich nicht bei ihr gemeldet hatte. Und das ohne auch nur einmal den Kuss zu erwähnen.
„Du hast Recht. Das ist genial. Ich war ein arroganter Eisklotz und hab ihr gezeigt, dass mein Leben auch ohne sie weitergeht. Das müssen wir feiern!“ Julia war wie ausgewechselt und hielt Franka lächelnd ihr Glas zum Anstoßen hin.


 




 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kapitel 3

„Hi. Du bist schon da? So schnell hatte ich gar nicht mit dir gerechnet.“, begrüßte Rosalie Antonia an der Wohnungstür.
„Hi. Ja. Ich war schneller daheim als erwartet.“, lachte Toni verlegen. Mit der Aussicht auf ein leckeres Abendessen, hatte sie gleich einen Zahn zugelegt. Sie hatte vor lauter Aufregung den ganzen Tag noch nichts gegessen und so langsam bekam sie Hunger.
„Das ist für dich. Als kleines Dankeschön, dass du dich um meine Wohnung gekümmert hast.“ Toni streckte Rosalie eine kleine Geschenktüte entgegen.
„Danke. Aber das wäre echt nicht nötig gewesen. Hab ich gern gemacht.“, bedankte sich Rosalie und packte sofort ihr Geschenk aus. „Cool. Ein „Big Apple“ T-Shirt. Fehlt nur noch ein „S“!“, lachte sie und hielt sich das knapp geschnittene Shirt vor.
„Ein „S“?“ Antonia konnte ihrer Nachbarin gerade nicht folgen.
„Naja – „Big Apples“ – kapiert?“, lachte Rosalie verschmitzt und blickte auf ihre Brüste.
„Ach jetzt komm ich mit. Du bist echt unmöglich!“ Jetzt musste auch Toni lachen, obwohl es ihr ziemlich peinlich war, dass sie nicht selbst drauf gekommen war.
„Der Schlüssel liegt auf der Kommode im Flur. Kannst ihn gleich einstecken. Das Essen ist auch bald fertig. Du kannst schon mal ins Wohnzimmer gehen.“, antwortete Rosalie und war schon in der Küche verschwunden.

Als Toni ins Wohnzimmer ging wurde ihr bewusst, dass sie zum ersten Mal allein mit Rosalie in deren Wohnung war. Sonst hatte sie meist Besuch, der auch gerne über Nacht zu bleiben schien. Vermutlich wäre es bei ihr selbst kein bisschen anders gewesen wenn sie studiert hätte. Bei dem Gedanken daran musste Antonia schmunzeln. Viel zu spät ist sie aus ihrer kleinen Heimatstadt weggezogen.
„Was gibt’s zu lachen?“, erkundigte sich Rosalie, als sie mit einer großen Schüssel Nudelsalat ins Wohnzimmer kam.
„Mir ist gerade nur aufgefallen, dass ich zum ersten Mal hier bin und du keinen Gast hast.“, antwortete Antonia und setzte sich an den großen Esstisch in der Ecke des Wohnzimmers.
„Tja. Daran wirst du dich gewöhnen müssen. Ich muss mich auf die letzten Klausuren vorbereiten und ziehe es seit einigen Wochen vor zum Feiern das Haus zu verlassen.“, erklärte Rosalie und lächelte Toni vielsagend zu. „Greif zu.“
Antonia war froh, dass sie Rosalie angerufen hatte. Genau diese Ablenkung hatte sie nach dem verwirrenden Treffen mit Julia gebraucht.

Overall Rating (3)

5 out of 5 stars
Add comment

People in this conversation

  • Carola
  • Alex
  • Mel
  • Gabi
  • Nikola
  • Autorin Geschichte 10
  • Sima
  • Julia
  • Catherine Fox
  • Ina
  • Carola

    Permalink

    Kurzweilige Unterhaltung die Lust auf mehr macht. Ich finde die Geschichte schön geschrieben und freue mich sehr wenn ich sie zu Ende lesen darf. :)

    Montag, 14. August 2017 18:39
  • Alex

    Permalink

    Ich fühle mich beim lesen der Geschichte wohl. Keine der Personen scheint mir unsympathisch oder unpassend.
    Im Gegenteil. Jede hat ihre Stärken und Schwächen. Zumindest wirkt das so beim lesen und das ist doch menschlich?
    Ich will die Geschichte auf jeden Fall weiterlesen.

    Samstag, 12. August 2017 11:31
  • Autorin Geschichte 10

    Alex Permalink

    Liebe Alex,
    vielen Dank für Deine Rückmeldung. Es freut mich, dass Dir meine Hauptpersonen gefallen und Du ihnen und damit indirekt auch mir als Autorin dieser Geschichte Schwächen zugestehst. ;)
    Denn es ist wirklich wie Du geschrieben hast. Jede hat ihre Stärken und Schwächen.

    Samstag, 12. August 2017 18:27
  • Mel

    Permalink

    Und noch einmal sage ich daß ich fachlich keine große Hilfe bin aber für mein Leben gerne lese.
    Bei dieser Geschichte hab ich beim lesen auch ab und an schmunzeln müssen weil ich mich in einige Situationen voll reindenken konnte. Ich sage nur das Wasserglas ;)
    Mir hat die Geschichte sehr gefallen und ich freue mich wenn ich sie lesen darf.

    Freitag, 11. August 2017 16:51
  • Autorin Geschichte 10

    Mel Permalink

    Liebe Mel,
    ich finde es toll, dass Du Dich als begeisterte Leserin gemeldet hast. Daher vielen Dank für Deinen Kommentar.
    Die Kommentare der Profis hier und auch bei den anderen Geschichten sind großartig um das Handwerk des Schreibens zu lernen oder zu optimieren. Dafür bin ich sehr dankbar, da ich eine wirkliche Anfängerin bin was das professionelle Schreiben angeht. ;)
    Was mir an all den Kommentaren von Leserinnen gefällt ist, dass ich so erfahren kann, ob meine Geschichte jemanden interessiert. Was nutzt ein perfekt geschriebenes Werk, wenn es dann niemand wirklich lesen will? :)
    Daher vielen Dank nochmal an Dich.

    Samstag, 12. August 2017 18:24
  • Gabi

    Permalink

    Ich mag den Schreibstil und die vorkommenden Personen. Da ist von allem was dabei und ich hab gelesen dass es noch ein paar Überraschungen im Verlauf gibt? Da freue ich mich sehr drauf.

    Mittwoch, 9. August 2017 13:52
  • Autorin Geschichte 10

    Gabi Permalink

    Liebe Gabi,
    auch Dir vielen Dank für Deine Worte.
    Schön zu lesen, dass Dir mein Schreibstil gefällt. Ich kann Dir versprechen, dass es noch ein paar Überraschungen gibt. Für eine Kurzgeschichte hab ich wohl ziemlich viel Text geschrieben. Für einen Roman allerdings zu wenig. Also konnte ich nicht allle guten Möglichkeiten die Spannung der Geschichte "oben zu halten" bis zum Schluss aufbewahren. :)

    Samstag, 12. August 2017 18:19
  • Nikola

    Permalink

    Hier wird viel diskutiert wie ich lese.
    Aber ich kann nur sagen dass ich die Charakter alle interessant finde und ich das Thema nur zu gut kenne...
    Deshalb will ich diese Geschichte auf jeden Fall zu Ende lesen.

    Dienstag, 8. August 2017 22:01
  • Autorin Geschichte 10

    Nikola Permalink

    Liebe Nikola,
    vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich habe wirklich versucht die Charaktere so verschieden wie möglich zu gestalten, damit für jede Leserin jemand dabei ist.
    Es freut mich, dass Du meine Geschichte zu Ende lesen willst. Danke.:( :)

    Samstag, 12. August 2017 18:15
  • Autorin Geschichte 10

    Permalink

    Hallo an alle Leserinnen,
    erst einmal muss ich mich entschuldigen, dass ich erst nach einer Woche dazu komme zu schreiben.
    Ich hatte nicht erwartet, dass es so schnell, so viele Rückmeldungen und Reaktionen gibt. Somit ist mein "Plan" mich nur einmal die Woche einzuloggen wohl gerade eben über den Haufen geworfen worden... ;)
    Ich gelobe Besserung und bemühe mich häufiger präsent zu sein und lege gleich los auf alle Kommentare zu antworten :)

    Dienstag, 8. August 2017 19:48
  • Sima

    Permalink

    Erst einmal möchte ich sagen, dass es mich freut, dass es der Autorin tatsächlich gelungen ist, Ihre Geschichte so kurzfristig zu Ende zu schreiben. Ich habe die Anfänge ja auf der Homepage mitverfolgt und mich auch schon dazu geäußert. Und mir ist aufgefallen, dass auch schon ein paar Dinge bearbeitet worden sind, insbesondere wurde jetzt etwas besser verdeutlicht, wer gerade die Sprecherin ist.
    Es stimmt, die Perspektive wechselt sehr häufig, das wirkt zuweilen irritierend. Es hat nun aber auch nicht völlig meinen Lesefluss gestört. Im Gegensatz zu manch Vorrednerin finde ich Julia nun widerum durchaus sympathisch. Es wird ja sehr schnell erklärt, warum sie sich Antonia gegenüber so verhalten hat und dass sie selbst darüber gar nicht so glücklich ist. Ich kann mir das schon vorstellen. Da leidet das Mädel ein ganzes Jahr lang und weint sich an der Schulter ihrer Freundin Franka aus. Die scheint ja ein bisschen forscher zu sein und wahrscheinlich ist sie ziemlich sauer auf Antonia. Also versucht sie Julia zu überzeugen, dass Antonia es nicht verdient hat, mit offenen Armen empfangen zu werden. Also ich finde die Anfangsszene durchaus gelungen. Es freut mich auch zu sehen, dass es der Autorin durchaus gelungen ist, die Gefühle und Gedanken der Protagonistinnen aufzuzeigen und einzubringen. Da waren wirklich gute Ansätze dabei.

    Zum Ende des Auszuges hin verflacht die Geschichte ein wenig - vielleicht, weil die Autorin dann ganz schnell drauf los geschrieben hat, um den Einsendeschluss beim LLP noch zu schaffen. ;) Die Dialoge sind ausbaufähig und sollten nicht zu oft immer direkt mit der wörtlichen Rede beginnen. So wirkt das wie ein "Hintereinanderweggeplappere" und das berührt dann natürlich nicht so sehr, weil es mit der Zeit anstrengend wird.

    Aber insgesamt bin ich der Meinung, dass man mit einer guten Überarbeitung aus dieser Geschichte was machen kann. Die Idee ist hübsch und es gibt immer wieder Passagen, die ich wirklich gut geschrieben finde.

    Montag, 7. August 2017 20:45
  • Autorin Geschichte 10

    Sima Permalink

    Liebe Sima,
    ich hatte Dir eigentlich schon am Dienstag geantwortet, aber ich glaube mein Post ist bei der Menge an Antworten irgendwie untergegangen ;)
    Es freut mich, dass Dir aufgefallen ist, dass ich bereits versucht habe den Anfang der Geschichte ein wenig zu überarbeiten...
    Vielen Dank auch für die Zusprache bzgl. der kurzen Zeit. Ich will gar nicht viel dazu sagen, da ich nur ungern Ausflüchte für den einen oder anderen Fehler suche. Mich hatte die Geschichte einfach gepackt und ich bin dran geblieben.
    Die Perspektive wechselt - richtig ;) Aber ich kann mir - wie ich ja schon geschrieben habe - durchaus vorstellen da eine gewisse Regelmäßigkeit reinzubringen die dann hoffentlich nicht mehr so störend wirkt.
    Mit den Dialogen und den Beginnen in der wörtlichen Rede stimme ich Dir zu. Aber ich bin lernfähig und mit etwas mehr Zeit kann ich diesen Punkt sicher noch optimieren.
    Was mich besonders freut ist, dass Du Julia so gut "durchschaut" hast. Deinen Ausführungen/Erläuterungen ist nichts hinzuzufügen. Danke, dass Du sie so treffend beschrieben hast :) und Dir die Idee meiner Geschichte gefällt.

    Samstag, 12. August 2017 18:13
  • Julia

    Permalink

    Tja, wie das so ist, wenn schon einige kommentiert haben, fällt es fast schwer, etwas Neues zu sagen. Ich finde auf jeden Fall, dass die Autorin gut schreiben kann. Bis auf die bereits angesprochenen kleinen Fehler lässt sich der Text flüssig lesen und es entsteht ein Bild vor meinen Augen. Allerdings kann ich Catherine, was Julia angeht nur zustimmen, irgendwie wirkt sie unsympathisch, was aber vielleicht auch nur daran liegt, dass die Dialoge ungünstig rüberkommen und vielleicht anders als sie gemeint sind. Die Geschichte ist noch nicht perfekt, aber es kann was daraus werden und dann würde ich sie auch lesen. Den aktuellen 2. Platz kann ich für mich persönlich bei der sehr starken Konkurrenz nicht ganz nachvollziehen, aber Geschmäcker sind nun mal verschieden.

    Montag, 7. August 2017 18:54
  • Autorin Geschichte 10

    Julia Permalink

    Liebe Julia,
    vielen Dank für Deine Rückmeldung und Deine offenen Worte.
    Worüber ich mich besonders freue ist, dass Du findest, dass ich gut schreiben kann. Schreiben macht mir einfach unglaublich viel Spass und ich finde es schön, wenn ich das meinen Leserinnen "rüberbringen kann". :)
    Wie ich Catherine Fox schon geschrieben habe ist Julia im Grunde eine ganz Liebe. Durch ihr übertrieben negativ wirkendes Auftreten will sie im Grunde nur über ihre Verletzheit/Unsicherheit hinweg täuschen.
    Perfekt ist meine Geschichte sicherlich noch nicht aber ich kann Dank all der Rückmeldungen daran arbeiten und dann vielleicht auch Deinen Geschmack treffen. Darüber würde ich mich wirklich freuen, auch wenn ich persönlich froh bin, dass nicht jede exakt der gleichen Meinung ist - sonst würde es solche Wettbewerbe wie hier wohl bald nicht mehr geben und es würde eine ganze Menge Vielfalt auf der Strecke bleiben ;)

    Dienstag, 8. August 2017 20:35
  • Catherine Fox

    Permalink

    Die Geschichte packt mich nicht wirklich. Julia ist mir zu sehr auf Krawall gebürstet, obwohl sie das nicht zu sein scheint. Sich zu rächen, weil Antonia sich nicht gemeldet hat. Klar ist Julia wütend darüber, eine natürliche Reaktion bei manchen Menschen, was sie mir aber nicht sympathisch macht. Von daher würde ich mich diese Geschichte nicht zum Lesen begeistern. Sorry.

    Montag, 7. August 2017 17:35
  • Autorin Geschichte 10

    Catherine Fox Permalink

    Liebe Catherine Fox,
    vielen Dank für Dein Feedback und Deine offenen Worte. Nur so kann ich dazulernen.
    Es ist schade, dass Julia einen falschen ersten Eindruck bei Dir erweckt hat. Im Grunde ist sie nämlich eher harmlos, was Sima schon richtig erkannt hat. ;)
    Rache ist nicht wirklich das richtige Wort für ihr Verhalten, Enttäuschung wohl eher.
    Vielleicht haben Julia und meine Geschichte ja noch eine Chance bei Dir, wenn beide an manchen Stellen ein "Fein-Tuning" erhalten. :)

    Dienstag, 8. August 2017 20:27
  • Ina

    Permalink

    Liebe Autorin,
    ein Thema welches jede doch schon einmal so oder in ähnlicher Form erlebt hat. Daher sehr realistisch und ich mag ja wie zwischenzeitlich bekannt sein sollte sich langam entwickelnde Geschichten ;)
    Den Perspektivwechsel finde ich hingegen nicht störend. Im Gegenteil. Ich freue mich, dass ich so erfahre wie es den Hauptpersonen "geht" und habe so die Chance auch andere Personen die scheinbar eine Rolle spielen zu entdecken. Danke für die Erinnerungen und ich freue mich sehr auf den Rest der Geschichte.

    Montag, 7. August 2017 10:34
  • Autorin Geschichte 10

    Ina Permalink

    Liebe Ina,
    vieen Dank für Deinen Kommentar.
    Es freut mich, dass auch Du scheinbar mit dem Thema konfrontiert wurdest. Vielleicht ja auch wie Antonia und Julia mit einem glücklichen Ende oder zumindest vielen schönen Erinnerungen daran ;)
    Der Perspektivwechsel bereitet mir aktuell doch etwas Kopfzerbrechen. Ganz davon verabschieden kann ich mich derzeit noch nicht wirklich (liegt aber evtl. auch an meiner aktuellen Lektüre - da wechselt die Perspektive laufend). Andererseits reizt es mich den Vorschlägen von Alex und Claudia zu folgen.

    Dienstag, 8. August 2017 20:21
  • Claudia

    Permalink

    Wie Alexa schon sagte, der Wechsel der Perspektive ist unnötig. Und für mich auch störend hier.
    Die Geschichte ist gut geschrieben, ein paar Fehler zwar aber jetzt nicht wirklich störend für mich. Auf jeden Fall könnte ich mir die Geschichte gut vorstellen.
    Danke fürs Einstellen und lieben Gruß
    Claudia

    Sonntag, 6. August 2017 20:43
  • Autorin Geschichte 10

    Claudia Permalink

    Liebe Claudia,
    auch an Dich herzlichen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast meine Geschichte zu lesen und zu kommentieren. :)
    Was ich Alexa schon bzgl. des Wechsels der Perspektiive geschrieben habe kannst Du ja nachlesen. Was ich jedoch noch ergänzen wollte ist, dass eine Regelmäßigkeit des Wechsels (z.B. immer zu Beginn eines neuen Kapitels) denkbar wäre. Dann muss ich Julia nicht ganz so kleinlaut wirken lassen ;)
    Ich freue mich jedenfalls sehr, dass Du Dir meine Geschichte vorstellen kannst.

    Dienstag, 8. August 2017 20:17
Load More

Weitere Artikel

  • 1
  • 2
  • 3

Suche