Das Leseforum

Immer wieder werden wir gefragt, ob wir nicht ein Forum einrichten könnten, in dem man über Bücher, die man gerade liest oder gelesen hat, über die eigene Lieblingsschriftstellerin oder auch über sonstige Themen von Lesbe zu Lesbe diskutieren kann.

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Für eine bessere Welt: Klischees

Sind Klischees gut oder schlecht? Für viele, die sich mit Literatur beschäftigen, ist das überhaupt keine Frage. Klischees sind schlecht, abgeschmackt, ausgelutscht, überflüssig und ein Zeichen von schlechtem Stil oder des Unvermögens der Autorin, das, was sie in einer Geschichte, in einem Buch darstellen will, ohne Klischees darstellen zu können.

Meistens stammen diese Einschätzungen von Menschen, die selbst nicht schreiben (können), ausnahmsweise auch einmal von Schriftstellerinnen oder Schriftstellern, die meinen, sie wären so großartig und ständen so weit über allen anderen, die schreiben, dass sie von oben herab auf sie herunterschauen könnten aus ihrem göttlichen Olymp und sie wegen ihrer Klischees niedermachen dürften.

Zuerst einmal ist jemand, der jemand anderen niedermachen muss, um sich selbst zu erhöhen, in überhaupt keiner Weise gut, so sehr er das auch von sich behauptet. Wenn er das nämlich wäre, musste er andere nicht niedermachen, sondern würde einfach durch seine eigene Leistung glänzen und damit zufrieden sein.

Das beantwortet dann eigentlich auch schon die Eingangsfrage, ob Klischees gut oder schlecht sind, denn wenn ein solcher Mensch sagt, Klischees sind schlecht, können sie nur gut sein. 😎

Das ist aber im Grunde gar nicht die Frage. Klischees sind ein Stilmittel, wie es auch viele andere Stilmittel gibt. Sie sind nicht per se gut oder schlecht, sie werden höchstens gut oder schlecht eingesetzt. Das sagt dann vielleicht schon etwas über die Qualität des Geschriebenen aus, allerdings noch nicht unbedingt etwas über die Qualität des oder der Schreibenden, denn möglicherweise überfrachtet der- oder diejenige seinen oder ihren Text aus einem ganz bestimmten Grund mit Klischees, nämlich um etwas ganz Bestimmtes zu zeigen.

Wenn ich beispielsweise einen Liebesroman schreibe, sind Klischees so gut wie unverzichtbar, denn Liebesromane beruhen darauf. Ich will mit meinen Liebesromanen das Genre nicht neu definieren, das wäre auch schwierig und ein ziemlich großes Unterfangen, sondern ich will mit meinen Liebesromanen etwas ganz Bestimmtes erreichen, nämlich dass meine Leserinnen sich wohlfühlen.

Also komme ich den Erwartungen meiner Leserinnen entgegen, erfülle sie teilweise, überrasche sie aber auch manchmal mit etwas anderem als dem, was sie erwartet haben. Denn auch dazu sind Klischees gut: um dagegen zu verstoßen und damit Überraschungen und unerwartete Wendungen zu erzeugen.

In erster Linie sind Klischees aber dazu da, mit etwas Bekanntem zu arbeiten, das ich bei jeder Leserin voraussetzen kann und das sogleich eine Atmosphäre erzeugt. Eben weil jede und jeder diese Klischees kennt. Es spart auch ganz viele Wörter. 😉 Das ist nicht unbedingt die Absicht, die man mit einem Roman verfolgt, aber schon bekannte Dinge noch einmal zu beschreiben ist meistens langweilig und genauso oft überflüssig.

Also verwende ich ein Klischee, zum Beispiel das von der schönen und/oder attraktiven Frau, die dadurch zuerst einmal eine große Anziehungskraft auf die Protagonistin der Geschichte ausübt. Jede Leserin hat sofort ein Bild von einer solchen Frau im Kopf. Das Bild wird bei jeder Leserin ein anderes sein, bei der einen ist es vielleicht eine eher geschäftsmäßige Kostümträgerin, die sie attraktiv findet, bei der anderen ist es die gepiercte junge Frau mit den vielen Tattoos, bei einer dritten eventuell die Aussteigerin, die sich auf eine einsame Insel zurückgezogen hat.

Da gibt es noch tausendundeine andere Möglichkeiten, denn jede Leserin ist anders. Deshalb ist es auch niemals gut, eine Figur zu genau zu beschreiben, damit die Leserin sich die Figur so vorstellen kann, wie es für sie attraktiv ist. Dazu sind Klischees ein hervorragendes Mittel.

Ich habe ja erst kürzlich einen Artikel über die wahrscheinlich erfolgreichste deutsche Liebesromanautorin aller Zeiten Hedwig Courths-Mahler geschrieben. Selbstverständlich hat sie in allererster Linie mit Klischees gearbeitet, das bestreitet wohl niemand. Wenn das aber so furchtbar ist, warum waren ihre Geschichten dann ein solcher Erfolg, dass sie sich vom Dienstmädchen zur Millionärin hocharbeiten konnte? Weil niemand Klischees lesen will? Weil niemand etwas damit verbinden kann?

Nein. Das absolute Gegenteil ist der Fall. Klischees sind Geborgenheit. Wir fühlen uns in ihnen zu Hause, weil wir sie kennen, weil wir sie nicht erst mühsam entschlüsseln müssen, weil wir kein Studium der Literaturwissenschaft absolviert haben müssen, um sie zu verstehen. Das ist eine gute Sache, keine schlechte.

 

 

Die meisten von uns lesen wahrscheinlich nicht nur Liebesromane, sondern auch andere Literatur, Sachbücher, Zeitungsberichte, Wikipedia-Artikel und was es sonst noch alles gibt. Einiges davon lesen wir, um uns zu informieren, einiges davon, um ein Geheimnis zu lösen oder uns ein bisschen zu gruseln wie zum Beispiel Krimis oder Thriller oder Horrorromane, aber Liebesromane lesen wir, um uns zu freuen. Ein glückliches Ende, wie unwahrscheinlich es auch immer sein mag, zaubert uns ein Lächeln aufs Gesicht. Wir fühlen uns wohl damit. Es gibt nichts, was wir daran kritisieren oder in Frage stellen möchten, nichts, was wir da hineininterpretieren oder analysieren wollen. Wir wollen es einfach nur genießen wie ein gemütliches warmes Bad nach einem anstrengenden Tag.

Niemand wird und sollte mehr von einem Liebesroman erwarten. Ein Liebesroman löst die Probleme der Welt nicht, er löst einzig und allein das eine Problem zwischen den Liebenden, das sie davon abhält zusammenzukommen. Das ist kein großes Ereignis für die Welt, aber es ist ein großes Ereignis für die beiden Liebenden, für ihre Welt. Die Welt eines Liebesromans ist überschaubar, und deshalb sind die Probleme lösbar.

Das ist so ungefähr das Gegenteil davon, was wir täglich in unserer komplizierten Außenwelt erleben. Dort sind die Probleme mittlerweile unüberschaubar geworden, und wir haben auch keinerlei Einfluss auf ihre Lösung. Das heißt nicht, dass wir nicht darüber nachdenken sollten, dass wir nicht versuchen sollten, Einfluss darauf zu nehmen, indem wir uns politisch oder umweltschützerisch, zum Schutz von Kindern oder Tieren usw. engagieren. Wir alle sollten versuchen, die Welt ein bisschen besser zu machen, als sie ist.

Aber das ist ein langwieriges Unterfangen, oftmals auch mit sehr viel Enttäuschung und Frustration verbunden, mit sehr vielen schrecklichen Dingen, die uns auf dem Weg begegnen können, böse Menschen, böse Dinge, böse Ereignisse, normalerweise von diesen bösen Menschen verursacht.

Gegen diese bösen Klischees hat merkwürdigerweise niemand etwas, man nimmt sie einfach so hin. Gegen Klischees, die die Welt von ihrer guten Seite zeigen, wird aber immer gewettert.

Aber deshalb ist es umso wichtiger, dass wir uns diese guten Klischees, diese gute Welt erhalten, zumindest in unserer Phantasie, wenn wir es schon nicht in der Realität können. Denn diese guten Klischees, diese Vorstellung von einer guten, heilsamen und geheilten Welt, wie sie vielleicht sein könnte, wenn alle Menschen gut wären, baut uns immer wieder auf, gibt uns Hoffnung.

Und diese Hoffnung brauchen wir, um weiterleben zu können. Es heißt, die Hoffnung stirbt zuletzt, aber tut sie das wirklich? Was wäre, wenn es keine Liebesromane oder andere Romane und Geschichten gäbe, die uns einen Sinn für diese Hoffnung zeigen, ein Ziel dieser Hoffnung? Würde dann die Hoffnung nicht viel früher sterben?

Deshalb sind Klischees gut. Klischees, die uns die Hoffnung auf eine bessere Welt erhalten. Damit wir weiterleben und an dieser besseren Welt arbeiten können. 👍✍

Der unselige Perfektionismus

Perfektionismus wird meistenteils – zumindest in Deutschland – als etwas durchaus Positives betrachtet. Zuverlässigkeit und Genauigkeit bei der Arbeit sind einige der am meisten geschätzten deutschen Tugenden. Sogar bei unseren Hobbys kommt das oft zum Tragen, ich denke da nur an so etwas wie Briefmarkensammeln.

Auch beim Schreiben, beim guten Schreiben, ist ein gewisser Perfektionismus nicht ganz unnütz. Doch das Wort „perfekt“ trägt es schon in sich: Es kann nie genug sein. Perfekt bedeutet absolut fehlerlos, und das ist ehrlich gesagt unmenschlich. Einen perfekten Menschen gibt es nicht, und es ist auch gut, dass es so ist, denn jemand, der sich für absolut perfekt hält und vielleicht sogar daran arbeitet, das tatsächlich zu sein, ist sicherlich so ungefähr einer der unangenehmsten Menschentypen, die man sich vorstellen kann.

Auch ein perfektes Buch gibt es nicht. Es gibt sehr gute Bücher und weniger gute Bücher, aber selbst in den besten, in den hervorragendsten Büchern sind meistens noch Fehler enthalten, der eine oder andere Tippfehler, der beim Lektorat übersehen wurde, oder auch Fehler im Aufbau der Geschichte, im Spannungsbogen, im Anfang, in der Mitte oder am Ende. Jede Autorin hat ihre Schwächen, die sich dann in den Büchern mehr oder weniger ausgeprägt zeigen, genauso wie ihre Stärken.

Normalerweise lesen wir über solche Dinge hinweg, wenn die Geschichte spannend ist, wenn sie uns dazu bringt, schnell eine Seite nach der anderen umblättern zu wollen, um zu wissen, wie es weitergeht, wie die Geschichte ausgeht.

Wenn man jedoch perfektionistisch veranlagt ist oder es unbedingt sein will, kann man das kaum. Man bleibt an jedem auch nur leicht falsch geschriebenen Wort hängen, an jeder grammatikalischen Konstruktion, die nicht den eigenen Ansprüchen entspricht, und kann dann die Geschichte, so gut sie auch sein mag, vielleicht gar nicht richtig genießen.

Als Leserin oder Leser ist das schon schlimm genug, aber was ist, wenn man auch beim Schreiben auf jeden kleinsten Fehler achtet, so dass man kaum weiterschreiben kann, ohne dass der Fehler behoben ist? Das kann ein Tippfehler sein oder aber auch ein Fehler in der Geschichte, eine Szene, mit der man unzufrieden ist.

Ich habe ja kürzlich in einem Kommentar zum NaNoWriMo schon meine Methode des Schreibens erklärt. Ich schreibe aus dem Bauch heraus, durchaus mit einem Ziel vor Augen, wo die Szene enden soll, aber nie mit einer ganz genauen Vorstellung, wie sie abläuft. Manchmal endet sie dadurch auch nicht da, wie ich es mir im Voraus gedacht habe. Mittlerweile kann ich aber recht gut auf ein Ziel in einer Szene hinarbeiten.

Die Szene entwickelt sich aus dem Augenblick heraus, läuft quasi wie ein Film vor mir ab, ich sehe meine Figuren gewisse Bewegungen machen, ich höre sie auf gewisse Art sprechen, ich fühle zum größten Teil, was sie fühlen. Logischerweise hängt das auch von meiner eigenen Tagesform ab, so dass ich an einem Tag eine Szene schreibe, die ich so an einem anderen Tag vielleicht nicht schreiben würde. Manchmal warte ich auch tagelang darauf, in der richtigen Stimmung für eine bestimmte Szene zu sein.

Wenn ich die Szene dann geschrieben habe, lese ich sie meistens noch einmal durch, korrigiere vielleicht noch Kleinigkeiten, schreibe dann aber weiter, wenn sich die Geschichte in meinem Kopf weiterentwickelt. Am nächsten Tag, nachdem ich morgens aufgestanden bin, lese ich das, was ich am Vortag geschrieben habe, noch einmal durch, korrigiere weitere Fehler, oder vielleicht fühle ich mich an diesem Tag etwas anders, sehe die Szene etwas anders, ändere noch etwas. Meistens sind das aber nur Kleinigkeiten.

Wenn ich mich nun perfektionistisch an so eine Überarbeitung begeben würde, könnte es sein, dass ich damit nie fertig werde, denn man findet immer noch etwas, wenn man sucht, auch beim zehnten Durchlesen noch. Das würde also extrem aufhalten, deshalb mache ich normalerweise weiter, wenn ich die Szene einmal durchgelesen und ein paar kleine Änderungen vorgenommen habe. Die Szene bleibt ja in meinem Kopf, da sie noch frisch ist. Wenn mir im Nachhinein noch etwas einfällt, kann ich das immer noch ändern. Das muss nicht alles beim ersten Durchlesen am Morgen sein.

Ich ärgere mich zwar oft, wenn ich eine Szene vielleicht sogar mehr als einmal durchgelesen und immer noch Fehler übersehen habe, aber das ist nun einmal menschlich, damit muss man sich abfinden. Dass ich mich überhaupt darüber ärgere, zeigt, dass ich durchaus perfektionistische Züge habe. Ich versuche dem aber entgegenzuwirken.

Kürzlich habe ich einmal wieder gemerkt, was passiert, wenn man das nicht tut. Dabei ging es um etwas anderes, nämlich um Musik, um das Üben eines Stückes, aber das ist sehr vergleichbar. Auch Musik, wenn man sie selber macht, fällt einem nicht einfach so in den Schoß. Um ein Instrument zu erlernen, muss man jahrelang üben. Je nach Instrument kann das sehr, sehr viele Stunden erfordern. Und auch hier gilt wieder: Übung macht zwar die Meisterin, aber zu viel Übung ist manchmal auch nicht gut.

Wenn man nämlich keinen so guten Tag hat, sich nicht so gut fühlt, dann viele Fehler macht und mit aller Gewalt diese Fehler ausmerzen will, tut man genau das Falsche. Man übt nämlich eigentlich diese Fehler ein, da man ja immer wieder falsch spielt.

Bei einem Instrument gibt es da das sogenannte Muskelgedächtnis, das zum Beispiel die Fingerbewegungen koordiniert, wenn man Klavier, Geige oder Saxophon spielt. Mit der Zeit darf man nicht mehr darüber nachdenken, wie man die Finger setzen muss, um den richtigen Ton zu treffen oder den richtigen Akkord zu erzeugen, das geht alles ganz automatisch, unsere Muskeln haben sich den Ablauf und die richtige Position gemerkt.

Logischerweise beurteilen unsere Muskeln aber nicht, ob das, was wir da üben, tatsächlich der richtige Ablauf und die richtige Position ist. Üben wir also falsche Abläufe und falsche Positionen, werden auch die gehorsam abgespeichert, so dass wir sie jederzeit schnell wieder abrufen können. Üben wir die falschen Abläufe mehr als die richtigen, kommen uns die falschen Abläufe zuerst in den Sinn, und wir müssen sie uns mühsam wieder abtrainieren, wenn uns das bewusst wird. Wir brauchen  also zum Schluss mehr Zeit, um uns diese Dinge abzutrainieren, als wenn wir sie uns gar nicht erst antrainiert hätten. Sprich: wenn wir weniger geübt hätten zu dem Zeitpunkt, als es uns nicht so gut ging und wir dadurch viele Fehler gemacht haben. Immer und immer wieder, weil wir es unbedingt richtigmachen wollten.

Das hält also sehr auf, kostet zusätzliche Zeit, die wir uns hätten sparen können und die wir für das richtige Spielen, das uns dann ja auch Freude macht, hätten verwenden können.

Analog kann man das auch beim Schreiben sehen. Vielleicht üben wir durch zu viel Perfektionismus nicht unbedingt das Falsche ein, aber wir verlieren Zeit, die wir für das Weiterschreiben der Geschichte verwenden könnten. Wir treten auf der Stelle, nur um vielleicht noch einen Fehler zu finden, den die Leserinnen beim Lesen der Geschichte eventuell völlig übersehen, weil die Geschichte so spannend ist.

Deshalb würde ich immer den guten Rat geben – der auch gar nicht teuer ist 😉 –, sich nicht zu perfektionistisch zu verhalten, zwar durchaus auf Qualität zu achten, auch auf korrekte Rechtschreibung und Grammatik, aber zu allererst auf die Geschichte, darauf, dass die Geschichte spannend und fesselnd ist und somit für die Leserinnen zum Vergnügen wird. 😎

Was wir von Hedwig Courths-Mahler lernen können

Liebesromane sind eine uralte Gattung, denn Liebe ist so universell wichtig, dass kaum eine Kultur auf ihre Beschreibung verzichten kann. Doch obwohl dieses Gefühl doch eigentlich jedem bekannt sein müsste, wird sich über seine Beschreibung immer wieder lustiggemacht. Ist es den Menschen, die sich darüber lustigmachen, vielleicht peinlich, weil sie auch schon einmal so etwas empfunden haben, wie es in Liebesromanen beschrieben wird? Wollen sie es lieber nicht wahrhaben, dass sie ebenfalls liebesfähig sind und sich vielleicht schon einmal genauso „kitschig“ gefühlt haben, wie sie es an den Romanen bemängeln? Bilden sie sich so viel auf ihre Vernunft ein, dass sie sich sogar einbilden, sie stände über allem, selbst über dem Gefühl, das so tief aus unserem Inneren kommt?

Ehrlich gesagt weiß ich es nicht, denn schließlich bin ich selbst Liebesromanautorin und glaube an die Liebe als das Wichtigste, was es gibt auf der Welt. Auch wenn man leider oft sehr wenig davon sieht. Aber umso wichtiger ist es, dass sie immer und immer wieder in Romanen, in Geschichten aller Art wie zum Beispiel auch in Filmen, die ja nichts weiter als Bildergeschichten sind, beschrieben und dargestellt wird, wie sie sein sollte. Denn woher sollten wir sonst unsere Vorbilder für ein wirklich liebevolles Verhalten nehmen?

Nun gibt es aber sehr verschiedene Vorstellungen davon. Einige davon finde ich eher irritierend. Genauso irritierend finden einige andere Menschen jedoch die Romane einer Hedwig Courths-Mahler. Und sie machen sich gern darüber lustig, weil sie sich über dieses Dienstmädchen, die zur Autorin wurde, und das auch noch sehr erfolgreich, und über ihre Sichtweise der Welt erhaben fühlen.

Dann jedoch sehe ich die ganzen „Romane“, die beispielsweise im Self-Publishing veröffentlicht werden, und frage mich: Hätten die nicht mal ein bisschen Courths-Mahler lesen und von ihr lernen können?

Hedwig Courths-Mahler – ich betone es noch einmal – war ein Dienstmädchen. Vermutlich kann sich heutzutage niemand mehr vorstellen, was das vor 140 Jahren, als Hedwig Courths-Mahler anfing zu arbeiten, bedeutet hat. Es bedeutete, man konnte nicht zur Schule gehen, wie wir das heute gewöhnt sind. Man konnte froh sein, wenn man ein wenig schreiben und lesen und rechnen konnte. Eventuell gingen Kinder aus so armen Familien überhaupt nicht zur Schule. Geschweige denn, dass sie Romane schrieben. Dass sie der deutschen Sprache überhaupt mächtig genug waren, um das auch nur in Erwägung zu ziehen.

Schon der erste Punkt für Courths-Mahler. Wie hat sie es überhaupt fertiggebracht, die deutsche Sprache so gut beherrschen zu können, um mehr als eine Einkaufsliste und ihren Namen zusammenzukriegen? Um noch einmal das Beispiel mit dem Self-Publishing zu bemühen: Vermutlich sind alle diese Autorinnen und Autoren wesentlich länger zur Schule gegangen als Hedwig Courths-Mahler, trotzdem beherrschen viele von ihnen die deutsche Rechtschreibung und Grammatik kaum.

Der zweite Punkt ist: Woher nimmt man die Zeit zum Schreiben? Ach du liebe Güte, wir sind ja alle so beschäftigt! Da ist es oft schon zu viel, wenn ich vorschlage, doch vielleicht einmal eine halbe Stunde am Tag fürs Schreiben zu reservieren oder 250 Wörter am Tag anzupeilen, die man locker in einer Viertelstunde schreiben kann. Keine Zeit, keine Zeit.

Dienstmädchen, und ich erinnere erneut daran: Hedwig Courths-Mahler war ein solches, hatten einen Arbeitstag, wie wir uns das heute nun wirklich nicht mehr vorstellen können. Sie mussten morgens in aller Frühe aufstehen, das hieß vor Sonnenaufgang oder im Sommer vielleicht bei Sonnenaufgang, um das Haus für „die Herrschaft“ gemütlich herzurichten. Die Öfen und Kamine mussten angeheizt werden – denn so etwas wie Zentralheizung, Elektrizität o. ä. gab es nicht –, sodass die „Herrschaften“ im Warmen aufstehen und frühstücken konnten. Auch das Frühstück musste zu dem Zeitpunkt für alle Hausbewohner, die in der Belle Etage wohnten, fertig sein, wenn sie es zu sich nehmen wollten. Ebenso wie natürlich alle anderen Mahlzeiten.

Dienstpersonal wohnte nicht so „belle“, sprich schön, sondern in kleinen Kammern direkt unter dem Dach (schön heiß im Sommer und schön kalt im Winter, weil keine Heizung, von Klimaanlage mal ganz zu schweigen) oder eventuell im Keller, wo auch die Küche und die Räume waren, in denen die Dienste verrichtet wurden, die die „Herrschaften“ nicht sehen wollten und durften, Schuheputzen, Waschen, Bügeln, Nähen usw. (Die Dame des Hauses konnte ja schließlich nicht selbst einen Knopf annähen oder der Herr des Hauses sich selbst die Schuhe putzen. Das wäre unzumutbar gewesen.) Die „Herrschaften“ mussten immer den Eindruck haben, alles im Haus liefe wie von selbst. Kein Dienstmädchen dürfte sich auf den Fluren zeigen, wenn der Herr oder die Dame des Hauses dort unterwegs war.

Jedoch obwohl ein Dienstmädchen so früh aufstehen und den ganzen Tag über sehr schwer körperlich arbeiten musste, hatte sie keinen 8-Stunden-Tag, wie das heute so üblich ist. Weniger als acht Stunden sogar. Von Wochenende ganz zu schweigen. Gearbeitet wurde sieben Tage die Woche. Wenn man Glück hatte, hatte man vielleicht einmal einen Nachmittag in der Woche frei oder ein paar Stunden. Natürlich erst, nachdem man all seine Arbeit verrichtet hatte. Und der Tag dauerte so lange, wie die „Herrschaften“ es für nötig hielten. Das heißt, wenn abends vielleicht noch Gäste eingeladen waren, die bis spät in der Nacht blieben, musste das Personal natürlich auch so lange zur Verfügung stehen und konnte nicht ins Bett gehen. Alles musste noch saubergemacht werden, nachdem die Gäste gegangen waren. Und am nächsten Tag ging es vor Sonnenaufgang wieder raus.

Warum beschreibe ich das so genau? Das liegt glaube ich auf der Hand. Wann hat Hedwig Courths-Mahler bei einem solchen Tag, der vielleicht sechzehn oder achtzehn Stunden schwerster körperlicher Arbeit beinhaltete, noch geschrieben? Sie hat es wohl nachts getan. Hat sie dafür eventuell auf ihren Schlaf verzichtet? Aber bei der schweren Arbeit, die sie verrichten musste, wäre sie dann wohl schon sehr bald umgefallen.

Das heißt, Hedwig Courths-Mahler muss eine geniale Organisatorin gewesen sein. Obwohl sie kaum Freizeit hatte, keine eigentlich, hat sie sich wahrscheinlich tatsächlich von ihrer Nachtruhe so viel Zeit abgeknapst, dass sie sogar Romane schreiben konnte. Und da kommen heutzutage Leute und sagen, sie hätten keine Zeit zum Schreiben? Ihr Tag wäre so voll? Soll ich das wirklich glauben?

Es gäbe sicherlich noch sehr viel mehr darüber zu sagen, aber ich würde jetzt gern zum dritten Punkt kommen, und das ist der Aufbau der Geschichten, die Charakterisierung der Figuren, das schriftstellerische Handwerk, würden wir es heute wohl nennen. Hedwig Courths-Mahler muss wirklich hochintelligent gewesen sein, um das so gut hinzubekommen. Und das ohne große Schulbildung, ohne jegliche Anleitung, ohne auch nur den Anflug einer Schreibwerkstatt oder von Schreibratgebern, die man heute massenweise kaufen kann. So etwas gab es damals nicht. Und selbst, wenn es sie gegeben hätte, hätte sich Hedwig Courths-Mahler das von ihren paar Pfennigen, die sie für ihre schwere Arbeit verdient hat, nicht leisten können. Sie hat sich also alles selbst beigebracht.

Und was hat sie sich beigebracht? Die Geschichten von Hedwig Courths-Mahler sind immer logisch. Unter der Prämisse natürlich, unter der sie schreibt. Also edle Jungfrauen und edle Grafen, die gar nichts anderes tun können, als sich ehrenhaft zu verhalten.

Das ist aber schon sehr, sehr viel. Denn wie oft habe ich Manuskripte gesehen, ob jetzt hier im Verlag oder im Self-Publishing oder sogar bei veröffentlichten Büchern(!) großer Verlage, in denen die Figuren alles andere als konsistent sind, am Anfang herumschreien und später dann sanfte Lämmer sein sollen, was natürlich nicht heißt, dass sie nicht plötzlich ihren Charakter wieder um hundertachtzig Grad ändern können. Diese Figuren sind so weit von Konsistenz entfernt, wie es nur geht. So etwas wird man bei Hedwig Courths-Mahler niemals finden. Wenn ein edler Graf ein edler Graf ist, dann bleibt er das auch durch das ganze Buch hindurch und wird nicht plötzlich zum Straßenräuber oder umgekehrt. Man kann sich also immer auf die Figuren verlassen.

Zugegeben, das macht die Geschichten auch ziemlich vorhersehbar, aber das soll jetzt hier nicht unser Thema sein. Denn nur dadurch, dass eine Figur alle paar Seiten ihren Charakter ändert, wird eine Geschichte nicht weniger vorhersehbar und schon gar nicht besser.

Aus diesen konsistenten Figuren ergeben sich dann auch logische Geschichten – wie gesagt, immer unter der gegebenen Prämisse –, denn wenn eine Figur sich nur auf eine bestimmte Art verhalten kann, muss ihr Verhalten innerhalb ihres eigenen Universums auch logisch sein. Also entwickelt sich auch die Geschichte logisch, denn sie kann gar nicht anders.

Ich würde mir manchmal wünschen, heutige Autoren und Autorinnen würden ihre Geschichten aus genauso konsistenten Figuren und genauso logisch entwickeln. Das heißt nicht, dass man nicht irgendwelche Verwicklungen einbauen kann oder Überraschungen, das geht immer. Aber auch sie müssen zum Schluss zu den Figuren passen und sie müssen innerhalb des roten Fadens der Geschichte logisch sein.

Ohne Wendungen und überraschende Entwicklungen bleibt der Spannungsbogen in einer Geschichte recht flach. Das ist er bei vielen Liebesromanen auch. In einem guten Liebesroman allerdings nicht. Denn wenn eine Autorin ihr Handwerk beherrscht, gibt es fast keine Grenzen für eine Geschichte.

Und von Hedwig Courths-Mahler können wir lernen, dass sie sich von allen Beschränkungen, die ihr durch ihr Leben auferlegt waren, nicht daran hat hindern lassen, solche Geschichten aufzuschreiben. Mit der Hand, beim Licht einer Kerze oder allenfalls einer dunklen Petroleumlampe, müde und zerschlagen von der harten Arbeit des Tages, auf einem noch härteren Holzstuhl und an einem wackligen kleinen Nachttischchen, ohne Computer, ohne Handy, ohne Internet, ohne Diktierprogramme, wie ich im Moment gerade eins benutze.

Sie hat sich durch nichts in ihrer Leidenschaft aufhalten lassen, auch wenn sie dadurch vielleicht nur zwei Stunden Schlaf bekam und am nächsten Tag wieder achtzehn Stunden lang Kohlen schleppen musste.

Wenn das nicht bewundernswert ist und etwas, das wir von ihr lernen können, dann weiß ich auch nicht.

Wieso bekomme ich nie etwas fertig?

... fragen sich eine ganze Menge Leute immer wieder. Für die meisten ist Schreiben ja nicht ihre Hauptbeschäftigung, sondern allenfalls ein Hobby neben Schule, Studium oder Beruf. Das heißt, die Zeit fürs Schreiben ist nicht einfach so da, die muss man sich nehmen, man muss sie von anderen Aktivitäten abzweigen. Und das ist nicht immer so einfach, je nachdem, wie viel man zu tun hat.

Da ist die Pomodoro-Technik, die ich vor ein paar Tagen schon einmal in einem Kommentar zum NaNoWriMo erwähnt hatte, eventuell eine Hilfe. Obwohl behauptet wird, dass die ein Italiener in den 80er Jahren „erfunden“ hätte, kann man das so eigentlich nicht sagen. Er hat der ganzen Sache nur einen marketingträchtigen Namen gegeben – in der Tat hat er sie nach seiner eigenen Eieruhr in Tomatenform benannt – und war anscheinend schon damals so gut vernetzt, dass sich diese seine Methode schnell herumgesprochen hat.

Die Tomateneieruhr zum Schreiben

Wenn ich das richtig verstanden habe, war der junge Mann damals wohl Student und auch einer dieser Leute, die schwer unter „Prokrastinationsanfällen“ leiden, sprich immer alles auf die lange Bank schieben und dann in Stress geraten, weil sie es auf die letzte Minute noch fertigbekommen wollen, eine Hausarbeit für die Schule oder für die Uni zum Beispiel oder eventuell auch Aufgaben, die man im Beruf zu erledigen hat.

Unter Studenten ist Prokrastination so extrem verbreitet, dass es eine ganze Menge YouTube-Videos speziell für diese Bevölkerungsgruppe gibt, die dem Abhilfe schaffen sollen. Irgendwie gibt es gar kein deutsches Wort, das die Bedeutung von Prokrastination so richtig widerspiegelt. Man könnte es vielleicht mit „Verzögerungstaktik“ übersetzen, aber eine Taktik ist es ja eigentlich nicht. Es ist mehr eine Organisationsschwäche, könnte man sagen. Eine Schwäche, sich seine Zeit richtig einzuteilen und die richtigen Prioritäten zu setzen.

Wenn man einen Chef hat, der einem sagt: „Du machst das jetzt sofort, und in einer Stunde will ich das auf dem Tisch haben“, hat man das Problem normalerweise nicht. Außer vielleicht, dass der Chef sich da verschätzt hat und es länger dauert. Aber wenn man eher selbständig arbeitet, sich seine Arbeit also selbst einteilen muss, kommt es sehr schnell zu diesem Problem ⏳, wenn man das selbständige Arbeiten noch nicht gelernt hat.

Und davon sind Studenten und Studentinnen natürlich wirklich fast am meisten betroffen, denn wenn sie gerade erst von der Schule kommen, sind sie noch halbe Kinder und müssen dann im Studium zum ersten Mal selbst entscheiden, was sie wann erledigen wollen und müssen, zum ersten Mal beurteilen, wie lange man für eine Arbeit braucht und wann man spätestens damit anfangen muss, damit man rechtzeitig fertig wird. Wenn man noch sehr jung ist, neigt man dann eher dazu, die Sachen liegenzulassen und lieber etwas anderes zu tun.

Dann kommt aber der Abgabetag für die Hausarbeit oder was immer es ist bedrohlich näher, und schon kommt man ins Schwitzen, fängt in der Nacht vor dem Abgabetermin erst an, arbeitet die Nacht durch (wobei man sich eventuell noch eine Koffeinvergiftung holt, weil man sich ständig mit Kaffee wachhält 😴☕😒), wird vielleicht tatsächlich auf die letzte Minute fertig, aber zu welchem Preis? Die Arbeit durfte unter solchen Bedingungen nicht besonders gut ausfallen, weil man ja gar nicht genügend Zeit hatte, sie ordentlich anzufertigen, das Recherchematerial zu sichten oder sonst etwas. Man muss also früher anfangen.

Manche bekommen ihre Arbeiten auch gar nicht erst fertig, das ist dann natürlich noch viel schlimmer. Es sei denn, man hat das Geld, sich einen Ghostwriter zu leisten. Diese Branche boomt in den letzten beiden Jahrzehnten gewaltig. Dort kann man sich ganz bequem seine Hausarbeiten, Examensarbeiten wie Bachelor oder Master und sogar seine Doktorarbeit von einem Fremden schreiben lassen, dessen Name nirgendwo auftaucht. Man reicht die Arbeit unter seinem eigenen Namen ein und bekommt eine Note dafür, hat sich die ganze Recherche-📚 und Schreibarbeit 📝 gespart und konnte die Zeit angenehmer beim Feiern 🎆🎉 mit seinen Freunden 💃 verbringen.

Manche Leute möchten ihre Sachen aber doch lieber selbst schreiben, und anders als bei Arbeiten für die Uni hat es wohl wenig Sinn, wenn man einen Roman schreiben möchte und sich den dann von jemand anderem schreiben lässt. Es sei denn, man ist irgendeine Celebrity, deren völlig uninteressantes Leben zu einem Bestseller verwurstet wird.

Wir gehen jetzt aber einfach mal davon aus, wir sind (noch) nicht berühmt, möchten einen Roman schreiben – und zwar selbst – und müssen irgendwie die Zeit dafür finden und so effizient wie möglich nutzen. Da kommt die Pomodoro-Methode ins Spiel.

Wir haben also unsere Eieruhr in Tomatenform und stellen sie auf 25 Minuten ein – Start – Schreiben, bis der Arzt (oder die Ärztin) kommt oder eher: Schreiben, bis die Eieruhr klingelt. Dann machen wir 5 Minuten Pause, stellen die Tomatenuhr wieder auf 25 Minuten, und das Ganze geht von vorne los. Auf diese Art strengt man sich während der 25 Minuten weit mehr an, als man es ohne diese Beschränkung tun würde. Selbstverständlich gibt es dafür auch Apps. Einfach mal danach gucken, gibt es für Windows, Android und Mac. Die machen dann alles automatisch, klingeln nach 25 Minuten, machen 5 Minuten nichts, klingeln dann wieder für die nächsten 25 Minuten usw.

Die App hat alles im Griff ;)

Ich habe das selbst ausprobiert, und es ist erstaunlich, wie gut das funktioniert. Für den NaNoWriMo tippt man dann so schnell man kann ohne Punkt und Komma, auch Tippfehler werden nicht korrigiert, das macht man später. Man versucht einfach, so viele Wörter wie möglich in diesen 25 Minuten aufs Papier oder in den Computer oder auch ins Handy zu bekommen. Manche Leute tippen ja wirklich sehr schnell auf dem Handy, und so kann man auch die Zeit, die man im Bus sitzt oder beim Arzt oder sonst irgendwo für eine „Pomodoro“-Einheit, eine Tomatenscheibe, nutzen.

Wobei mir gerade auffällt, dass der NaNoWriMo diese „Scheibchentechnik“ ja ganz gut widerspiegelt, wenn man diese Grafik hier so anschaut 😉:

Scheibchenweise zum Ziel

 

Ursprünglich war es so gedacht, dass man 4 solche Einheiten hintereinander absolviert, immer mit einer Pause von 5 Minuten dazwischen, also 4x30 Minuten, somit zwei Stunden insgesamt. Danach macht man dann eine längere Pause, vielleicht 15 Minuten, vielleicht 30 Minuten oder vielleicht auch eine Mittagspause von einer ganzen Stunde und fängt danach mit der nächsten „Pomodoro-Session“ an. Das ist natürlich auf Studenten abgestimmt bzw. auf Leute, die sonst nichts anderes zu tun haben. Wenn man noch einen Beruf hat, wird man das so höchstens ganz früh am Morgen, bevor man zur Arbeit geht, oder abends, wenn man von der Arbeit zurückkommt, machen können.

Manche TeilnehmerInnen des NaNoWriMo empfehlen, man sollte während des NaNoWriMo jeden Tag schon um fünf Uhr aufstehen, damit man dann bis sieben Uhr so eine Pomodoro-Session absolvieren kann, bevor man zur Arbeit geht. Wer das schafft, schön. Aber für mich ist so frühes Aufstehen nichts. 😊 Die andere Alternative – nach der Arbeit – ist wahrscheinlich auch nicht so einfach, weil man dann unter Umständen schon vom Tag erschöpft ist. Aber eventuell ist das leichter zu bewerkstelligen als das frühe Aufstehen.

Es gibt ja die „Lerchen“, die morgens schon wach sind, und die „Nachteulen“, die eher abends wachwerden, also das muss man dann selbst wissen, zu welcher Gruppe man gehört und wie man das am besten macht.

Die Technik an sich ist aber empfehlenswert, wenn man möglichst schnell möglichst viele Wörter geschrieben haben möchte. Die im NaNoWriMo geforderten 1.667 Wörter kann man in so einer 2-Stunden-„Tomate“ jedenfalls bequem schaffen. Und so muss man dann auch nie wieder fragen: „Warum bekomme ich nie etwas fertig?“ 😎

NaNoWriMo 2018

Auf der deutschen NaNoWriMo-Seite: Schreib einen Roman in einem Monat! gibt es Ankündigungen, dass in einigen Städten heute oder in den nächsten beiden Tagen „Vorbereitungstreffen“ für den NaNoWriMo stattfinden.

Auch kann man sich für einen internen Wettstreit „Jeder gegen jeden“ anmelden. Das soll ein sogenannter „Booster“ sein. Es werden also verschiedene Tricks angeboten, damit man endlich seinen Roman zu Ende schreibt. Wer noch Motivation dafür braucht, den Roman für den nächsten LLP zu Ende zu schreiben, sollte sich unbedingt beim NaNoWriMo anmelden. 😎

Am 1. November geht es los, und dann wird den ganzen November über geschrieben. Am Ende des Monats sollte ein Roman in der Länge von 50.000 Wörtern fertig sein.

In den vergangenen beiden Jahren hatte ich ja sehr ausführlich über meine Teilnahme am NaNoWriMo berichtet. Wer das gelesen hat, wird wissen, was auf eine zukommt, wenn man diese Herausforderung annimmt. Es ist recht hart, jeden Tag den Durchschnitt von 1.667 Wörtern zu erreichen, 30 Tage lang. Aber es kann natürlich auch in einem wunderbaren Triumph enden, wenn man den NaNoWriMo dann gewonnen hat. Das ist schon ein tolles Gefühl. 😄

Geschichten im Advent ... und auch sonst

Und schon geht es weiter mit den Adventsgeschichten . . . Ich weiß, ich weiß, so viel auf einmal oder auch nacheinander kann man ja gar nicht schreiben, wenn man auch noch einen Beruf und eventuell auch noch Frau und Kinder hat. 🙂 Muss ja aber auch niemand. Es ist halt mittlerweile Tradition, dass es bei el!es einen Adventskalender gibt, und deshalb kann es gar nicht genug Advents- beziehungsweise Weihnachtsgeschichten geben, damit wir den auch abwechslungsreich gestalten können, denn je mehr Geschichten, je mehr verschiedene Autorinnen, desto interessanter und schöner wird die Vorweihnachtszeit. Hinter jedem Türchen eine neue Überraschung, das ist doch so, wie es sein soll, nicht wahr?

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Letzter Tag für die Märchen 😌

Nun ist sie also schon fast vergangen, die schöne Zeit der lesbischen Märchen, die es zuvor noch nie gab und wahrscheinlich auch je nur bei el!es geben wird. 😎 Heute können alle, die es bisher verpasst haben, noch alle Märchen und alle Kommentare lesen. 

Um Mitternacht ist es dann vorbei, und die Bewertung wird im Lauf der nächsten Tage veröffentlicht. Es war eine interessante Erfahrung, vor allem, da wir nicht damit gerechnet hatten, dass so viele Einsendungen kommen würden und so viele verschiedene Märchen in den Köpfen der Autorinnen herumgespukt haben, die herauswollten. 😉

Märchen sind heutzutage in vielerlei Hinsicht durchaus präsent, schon allein im Fantasy-Genre, aber lesbische Märchen gab es vor diesem Wettbewerb hier bei el!es wohl nicht, also ist el!es wohl wieder einmal die Vorreiterin für eine Neuentdeckung in der lesbischen Literatur.

Schon seit es el!es gibt, veröffentlichen wir Märchen, denn lange Zeit war es so etwas wie ein Märchen, die eigene Traumprinzessin zu finden, und das ist das Thema in jedem unserer Bücher. Deshalb hätte ich persönlich auch nicht gedacht, dass es ein großes Bedürfnis nach Märchen der klassischen Art im Bereich der Lesbenliteratur gibt. Aber offenbar ist das der Fall. Wieder was dazugelernt. 😏

Eigentlich hatte ich nicht geplant, dieses Jahr noch einen weiteren Wettbewerb zu veranstalten, denn das ist immer ein großer Aufwand, aber die Begeisterung bei den Autorinnen im Forum war so groß, dass ich ihnen dieses Vergnügen einfach nicht nehmen wollte. Offenbar hatten viele Leserinnen ja auch Spaß daran, auch wenn sich nicht eine einzige Leserin hier zu den Märchen geäußert hat, und die meisten Autorinnen auch erst nach Aufforderung.

Wir haben uns gefragt, warum das so ist. Auf Amazon werden durchaus Rezensionen geschrieben, aber hier auf der Webseite nicht? Was hält die Leserinnen davon ab? Kommen sie nur vorbei, um etwas zu lesen, was auch noch kostenlos ist, in einer Art Konsumhaltung? Den Autorinnen, die sich Mühe gegeben haben, eine Geschichte oder in diesem Fall ein Märchen zu schreiben, klopfen sie aber noch nicht einmal auf die Schulter mit einem „Gut gemacht“. Ist es da überhaupt noch sinnvoll, solche Wettbewerbe wie diesen hier zu veranstalten?

Ich frage mich das auch mit Bezug auf den nächsten LLP, denn auch dort bekommen die Autorinnen kaum noch Feedback, und wenn, dann von ihren Kolleginnen aus dem Forum. Warum machen wir es dann nicht gleich so, dass wir die Einsendungen für den LLP nur noch den Autorinnen im Forum vorstellen, die dort ihre Kommentare abgeben und auch über die eingesendeten Beiträge abstimmen? Also gar nichts mehr auf der Webseite, wir verkünden da nur noch, wer gewonnen hat.

Das wäre erheblich weniger Aufwand für uns alle, und da die Leserinnen ohnehin keine Kommentare auf der Webseite hinterlassen, wäre es auch kein großer Unterschied, außer natürlich, dass die Beiträge nicht von allen, die vorbeikommen, auf der Webseite gelesen werden können. Die sind dann ausschließlich im Forum.

Vielleicht hat sich diese Form des Wettbewerbs auch einfach überlebt. Am Anfang war das so gedacht, dass Autorinnen, die sonst keinerlei Gelegenheit haben, Feedback zu bekommen, hier beim Lesbischen LiteraturPreis Feedback erhalten können, sich verbessern können, sich mit Leserinnen und auch Kolleginnen austauschen können. Aber vielleicht brauchen das die jungen Autorinnen gar nicht mehr, weil es heutzutage so viele Möglichkeiten gibt, so viele Foren, so viele Online-Chats oder soziale Medien, dass sie so etwas wie den Austausch hier beim LLP nicht mehr nutzen, weil sie das anderweitig tun, in ihrem eigenen Twitter, Facebook oder Instagram.

Das war vor über zwanzig Jahren, als el!es gegründet wurde, noch ganz anders. Damals gab es noch keine sozialen Medien, kaum eine Plattform, auf der Lesben sich treffen oder austauschen konnten, schon gar nicht übers Schreiben und noch viel weniger über lesbisches Schreiben. Da hat der LLP eine Lücke gefüllt, um überhaupt etwas über lesbische Autorinnen, lesbische Bücher, lesbische Themen zu erfahren.

Die Welt entwickelt sich jedoch weiter, und viele junge Frauen heutzutage können sich wohl überhaupt nicht mehr vorstellen, wie es war, bevor es das Internet gab, bevor es Handys gab. Bevor es Computer gab. Dass es eine Zeit gab, in der man nicht einfach in eine Buchhandlung gehen und dort im Regal Bücher über frauenliebende Frauen finden oder in einer Online-Buchhandlung nach lesbischen Büchern stöbern konnte. Zum Teil, weil es überhaupt keine lesbischen Bücher gab, zum Teil aber auch, weil niemand diese Bücher verkauft hätte.

Auch wäre es sehr schwierig gewesen, als Lesbe überhaupt von diesen Büchern zu erfahren, hätte es sie denn überhaupt gegeben, denn offiziell wurde über Homosexualität im Grunde genommen nicht gesprochen. Sie wurde totgeschwiegen, als krank betrachtet oder es wurde allenfalls darüber gelacht. Das war hauptsächlich bei Männern der Fall, die sich eher wie eine Frau als wie ein Mann benahmen. Aber auch Frauen, die sich dem üblichen Frauenklischee nicht beugten, konnten sehr schlimme Erfahrungen machen.

Ich weiß noch, wie ich damals vor vielen, vielen Jahren das erste Mal in einer der neu entstandenen Frauenbuchhandlungen stand, die es höchstens mal in einer Großstadt gab und auch dort sehr selten, und mit großen, staunenden Augen auf die Bücher in den Regalen gestarrt habe, in denen nur von Frauen die Rede war und als ganz große Besonderheit sogar von Frauenliebe. Damals allerdings nur in Form von soziologischen oder wissenschaftlichen Studien oder von Selbsterfahrungsbüchern. Nach Liebesgeschichten oder gar Liebesromanen suchte man vergebens.

Aber allein die Erkenntnis, dass es noch andere Lesben da draußen gab, dass man nicht allein war in der großen weiten Welt, war damals schon eine große Erleichterung, einfach ein schönes Gefühl. Es war etwas ganz Neues, das sogar zu lesen und hin und wieder vielleicht sogar eine andere Lesbe zu treffen, aus der Stadt, in der man wohnte. Denn darüber hinaus war das so gut wie unmöglich. Man hätte gar nicht gewusst, wohin man in einer fremden Stadt hätte gehen sollen, denn auch Frauentreffpunkte, Frauencafés, Frauendisco gab es nicht unbedingt.

Deshalb schätzte man jede kleinste Gelegenheit, andere Lesben zu treffen, sich mit ihnen austauschen zu können, tanzen gehen zu können, ohne dass irgendwelche Heteros sich darüber aufgeregt hätten, dass zwei Frauen auf der Tanzfläche knutschten oder man deshalb vielleicht sogar aus dem Lokal geworfen wurde.

Diese Zeiten sind aber glücklicherweise vorbei, und so stürzen sich junge Lesben nicht mehr begeistert auf jede Gelegenheit, wie wir das früher getan haben. Sie halten es wahrscheinlich sogar für normal, nicht nur in speziell dafür vorgesehenen Räumen, sondern sogar in der Öffentlichkeit zu knutschen und sich eben in allem so zu benehmen, wie es die Heteros schon immer tun. Das ist gut so und sehr zu begrüßen, aber ich denke, das fehlende Interesse am LLP ist sozusagen die Kehrseite der Medaille, weil junge Frauen das nicht mehr als etwas Besonderes empfinden und es damit für sie vielleicht auch gar nicht mehr so wichtig ist.

Deshalb ist ein öffentlicher LLP vielleicht auch nicht mehr so wichtig. Für mich kommt es vor allen Dingen darauf an, dass die Autorinnen Rückmeldungen zu ihren Texten erhalten, und wenn das nicht mehr der Fall ist, ist der LLP eigentlich überflüssig. Dann wäre es vielleicht gut, die Diskussionen nur im Forum stattfinden zu lassen, wo die Autorinnen sich gegenseitig Rückmeldung geben, jeden Tag.

Auf jeden Fall hat auch dieser Wettbewerb hier wieder gezeigt, dass das öffentliche Interesse eher gering ist. Wenn alle nur vorbeikommen, um einmal auf einen Knopf zu klicken und für eine Geschichte abzustimmen und dann so schnell wie möglich wieder verschwinden, hat ein Wettbewerb wie dieser keinen Sinn. Und der LLP noch weniger. Dann können wir das in Zukunft so handhaben, wie es auch alle anderen Verlage machen: Man kann sein Manuskript an den Verlag schicken, und dann wird es eben veröffentlicht oder auch nicht.

Kommentare bestimmen die Rangfolge

Da der Märchenwettbewerb ja nun schon zwei Wochen läuft und nur noch eine Woche übrig ist, möchte ich einmal ein paar grundsätzliche Worte darüber verlieren, wie ein Wettbewerb bei el!es abläuft, da das doch ein bisschen anders ist als bei anderen Wettbewerben.

Die meisten Wettbewerbe, vermutlich alle, verlassen sich nur auf die abgegebenen Stimmen, Kommentare zu den einzelnen Einsendungen haben keine Bedeutung. Bei uns ist es genau umgekehrt. Die Kommentare haben eine ganz entscheidende Bedeutung, eine viel größere als die abgegebenen Stimmen. Das war schon immer so, und alle, die schon einmal an einem unserer Wettbewerbe teilgenommen haben oder ihn als Leserin verfolgt haben, werden das wissen.

Viele, die an diesem Märchenwettbewerb teilnehmen, sind Neulinge auf der el!es-Seite, deshalb sind sie wahrscheinlich davon ausgegangen, dass sie nur das Ranking verfolgen müssen, um zu wissen, wer gewinnt. So ist es aber nicht. Die abgegebenen Stimmen zeigen uns durchaus einen gewissen Trend, aber wenn dauerhaft eine Geschichte in Führung liegt, die unserer Meinung nach nicht die beste Geschichte ist, schauen wir, ob alle Leserinnen, die für diese Geschichte gestimmt haben, auch einen positiven Kommentar für diese Geschichte abgegeben haben. Wenn das nicht der Fall ist, werden die Stimmen, die allein für diese Geschichte abgegeben worden sind und für keine andere Geschichte abgestimmt haben, bei der Bewertung abgezogen. Dann bleiben nur noch diejenigen übrig, die entweder für mehrere Geschichten abgestimmt haben oder einen Kommentar für genau diese Geschichte geschrieben haben. Das sind erheblich weniger als die, die momentan in der Liste stehen.

Eine zweite Sache, die ich auch gern erwähnen würde, ist, dass sich die Autorinnen, die etwas eingereicht haben, für diesen Wettbewerb, zumindest aber für ihre eigene Geschichte, interessieren und die Kommentare dazu auch beantworten, sich aber wenigstens dafür bedanken sollten. Denn die Kommentatorinnen, die zum Teil sehr ausführliche und tiefgehende Kommentare abgegeben haben, tun das in ihrer Freizeit, die sie auch anders verwenden könnten, als einer Autorin Hinweise zu geben, wie sie sich verbessern kann, und das auch noch kostenlos.

Da sie zumeist auch Autorinnen sind, könnten sie beispielsweise in derselben Zeit auch eine eigene Geschichte schreiben, die dann bei el!es veröffentlicht würde. Darauf verzichten sie zugunsten einer Autorin, die sie noch nicht einmal kennen, um ihr zu helfen. Und dann kommt von dieser Autorin noch nicht einmal ein Danke geschweige denn eine ausführliche Antwort auf dieses großzügige Geschenk der Kommentatorinnen.

Deshalb werden Autorinnen, die sich nicht bedankt haben und nicht auf die einzelnen Kommentare eingegangen sind, bei der Endbewertung nicht berücksichtigt, egal wie viele Stimmen ihre Geschichte hat.

Eine Autorin, die hier etwas eingereicht hat, sollte auch die anderen Märchen kommentieren, die hier eingereicht worden sind, um ihren Respekt vor ihren Kolleginnen zu zeigen. Es geht hier nicht darum, zu gewinnen, sondern sich gegenseitig zu helfen, zu zeigen, dass man eine wirkliche Autorin ist. Eine wirkliche Autorin interessiert sich nicht nur für sich selbst und ihre eigene Geschichte, sondern auch für die der anderen.

Somit werden auch Autorinnen, die die Geschichten ihrer Kolleginnen nicht kommentiert haben, mit einem Punktabzug rechnen müssen.

Wir hier bei el!es betrachten uns als eine große Familie. Und innerhalb einer Familie hilft man sich gegenseitig, es ist ein Geben und Nehmen. Wenn man nur nimmt und nichts gibt, passt man nicht zu el!es. Und das möchten wir mit dem endgültigen Ranking zu diesem Wettbewerb auch klarmachen. Wenn eine Autorin, die sich noch nicht einmal bedankt hat, hier gewinnen würde, wäre das ein Schlag in das Gesicht aller anderen Autorinnen.

Wir möchten, dass die beste Geschichte gewinnt, aber die beste Geschichte von der Autorin, die auch diesen Wettbewerb und ihre Kolleginnen respektiert.

Märchen für die Lesbenwelt

Gibt es eigentlich bereits lesbische Märchen? Damit kenne ich mich überhaupt nicht aus, weil ich keine Kinder habe, doch die Autorinnen im el!es-Schreibforum haben gerade ihre Kindheit wiederentdeckt 😉, und so haben wir – nachdem Charlie (Hugo – »Lieben heißt vertrauen«), den Vorschlag gemacht hatte – gemeinsam beschlossen, neue (lesbische) Märchen zu schreiben und ein ganzes Buch daraus zu machen.

Wie mir bereits früher auffiel, sind Märchen eigentlich die Vorläufer von Fantasy. Nur sind sie sehr kurz, während Fantasyromane eher so niemals aufhören. Die fangen oft bei zweihunderttausend Wörtern erst an. Und das ist nur der erste Band. 😉

Märchen hingegen kommen mit sehr wenigen Wörtern aus, bestehen manchmal nur aus einer einzigen Druckseite. Denn dort geht es in erster Linie um die Moral. Märchen sollen erzieherisch wirken, eine bestimmte Lebenssituation abbilden und deren Lösung aufzeigen. Gut und Böse sind eindeutig definiert. Die Guten gewinnen. Die Bösen verlieren und werden meist noch sehr schmerzhaft für ihre Boshaftigkeit bestraft.

So wurden Kinder früher erzogen: durch Strafe, und Märchen spiegeln das wider. Sie sollen die Kinder davon abhalten, Böses zu tun, indem sie ihnen die Konsequenzen in sehr harter Manier aufzeigen. Deshalb sind Märchen heutzutage aus vielen Kinderzimmern verschwunden, weil man sie als zu brutal betrachtet. Man will nicht mehr mit Drohungen erziehen, sondern mit Verständnis und Liebe. Auch wenn man selbst mit gutem Beispiel vorangeht, können die Kinder davon etwas lernen. Oftmals hat regelwidriges Handeln der Kinder gar keine Konsequenzen mehr oder nur sehr harmlose – wenn es denn überhaupt Regeln für sie gibt. Da ist das Pendel manchmal etwas zu weit in die falsche Richtung ausgeschlagen.

Aber das ist ein anderes Thema. Um Kindererziehung geht es hier in diesem Artikel nicht. Es geht um eine andere Art von Märchen. Lesbische Märchen, in denen die alten Muster, die wir alle kennen, auf lesbische Art neu interpretiert werden.

Nun kam im el!es-Schreibforum die Idee auf, daraus einen Märchengeschichtenband zu machen, in der Art, wie es schon die Adventsgeschichtenbände gibt, die all die Geschichten zusammenfassen, die im Adventskalender des Vorjahres erschienen sind. Um genügend Geschichten dafür zusammenzubekommen, wäre ein Wettbewerb geeignet, wie wir ihn auch schon mehrmals für die Adventsgeschichten veranstaltet haben.

Nach den Krimis nun also Märchen. 😉 Auch wenn das im ersten Moment fast wie das Gegenteil erscheint, sieht es, wenn man genau hinschaut, gar nicht so anders aus. Geht es in Märchen nicht oft auch um Verbrechen? Um böse Taten, die bestraft werden müssen? Nur dass man normalerweise nicht darüber nachdenken muss, wer es getan hat. Das weiß man schon. Die böse Hexe, der böse Zauberer, der böse König, die böse Königin, die neidische Schwester, der eifersüchtige Bruder. Sie alle müssen für ihre schlechten Charaktereigenschaften büßen – zumindest, wenn sie ihr Verhalten danach ausrichten.

Krimis sind meist sehr moralisch. Die meisten KrimiautorInnen sind MoralistInnen. Wir wollen die Welt verändern, sie zu einem besseren Ort machen, daran erinnern, was passiert, wenn man dieses Ziel vergisst. Mord und Totschlag sind die Folge. Das ist oft auch in Märchen so.

Weil in Krimis die Schuldigen meistens bestraft werden, sind sie wirklich fast so etwas wie moderne Märchen, denn in der Realität ist das leider immer weniger der Fall. So können also sowohl Krimis als auch Märchen Wege aufzeigen, wie man in einer besseren Welt friedlich miteinander leben kann.

Unsere Märchen hier bei el!es sollen aber natürlich auch noch einen anderen Sinn haben: Sie sollen die lesbische Komponente einbringen, die in Märchen überhaupt keine und in Krimis (außer in meinen 😉) nur selten eine Rolle spielt.

Deshalb bin ich nun sehr gespannt darauf, wie die lesbischen Märchen für unseren Märchengeschichtenwettbewerb dann aussehen werden. Welche Märchen werden überhaupt neu geschrieben werden »in lesbisch«?

Im el!es-Schreibforum haben wir schon einmal mit Dornröschen angefangen und dem Froschkönig, auch Rapunzel und Schneewittchen wurden als Vorlagen genannt. Aber es gibt natürlich noch viel mehr.

Das sehr lobenswerte »Projekt Gutenberg« hat alle Märchen der Gebrüder Grimm hier kostenlos zur Verfügung gestellt, für diejenigen, die sich aus ihrer Kindheit nicht mehr so genau an die einzelnen Märchen erinnern.

Auch Kunstmärchen wie die von Hans Christian Andersen gibt es dort zu lesen. Wer kennt nicht „Des Kaisers neue Kleider“ oder „Die kleine Meerjungfrau“, „Das hässliche Entlein“ oder „Die Schneekönigin“? Und das sind nur einige seiner vielen, vielen Märchen. 

Und Die Nachtigall und die Rose“ von Oscar Wilde, ein Kunstmärchen genauso wie diejenigen von Wilhelm Hauff.

Als Kind habe ich Kalif Storch wahnsinnig geliebt. Ich hatte da eine Schallplatte – nun kann sich jeder ausrechnen, wie alt ich schon bin 😅 –, die ich immer und immer wieder gehört habe. Auch „Das kalte Herz“ von Wilhelm Hauff wäre eine wunderbare Vorlage für eine neue Geschichte, denn die Moral ist heute noch viel aktueller als damals: Was nützt einem alles Geld der Welt, wenn man nicht mehr lachen kann, keine Freude mehr empfinden kann?

Es gibt also eine große Auswahl von Vorlagen, aus denen man lesbische Märchen machen könnte.

Ich hoffe, alle haben viel Spaß dabei. 😃

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