Der lesbische Liebesbrief

Durch das überragende Engagement einer lesbischen Studentin, die Lesbischer Liebesbrief als Hauptfach gewählt hat, sind wir in der Lage, Ihnen diesen interessanten Vortrag von Frau Professor Dr. Senta Bluschinski-Eigenheim, einer Ikone der deutschen lesbischen Liebesbriefforschung, der kürzlich an einer deutschen Universität gehalten wurde, als Mitschrift zu präsentieren und ihn dadurch einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Weiterlesen: Der lesbische Liebesbrief

Der Niedergang des ersten Satzes

Also wirklich. Da schreibt man sich hier im Blog die Finger wund, »Eine Geschichte ist ein Versprechen«, versucht jungen Menschen, die sich mit dem Schreiben beschäftigen, klarzumachen, wie wichtig der erste Satz ist, daß er alles entscheidet, daß man sehr genau darüber nachdenken sollte, und wer gewinnt dann den Wettbewerb »Der schönste erste Satz«?

Weiterlesen: Der Niedergang des ersten Satzes

Die schöne deutsche Sprache

Unter dem Titel »Realistisch realisierbar« habe ich kürzlich bedauert, wie schlampig viele heutzutage mit ihrer eigenen Muttersprache, der deutschen Sprache, umgehen.

Dieses Bedauern ist nicht meines allein. Ich weise in diesem Zusammenhang immer wieder gern auf Professor Theodor Ickler hin, der seit Jahren tapfer gegen die »Rechtschreibreform« und andere Verstümmelungen der deutschen Sprache kämpft. Er führt ein »Rechtschreibtagebuch«, in dem er laufend festhält, wie wenig viele Menschen in unserer Zeit gelernt haben, mit der deutschen Sprache umzugehen. Selbst Journalisten, deren Beruf es ja eigentlich ist, können das kaum.

Ist das einfach nur Schlamperei, Faulheit oder tatsächlich fehlende Bildung? Das fragt man sich. Liegt es daran, daß unser Schulsystem so schlecht ist? Liegt es daran, daß der Einfluß des amerikanischen Englisch so massiv ist, daß die Kinder nicht mehr wissen, was Deutsch und was Englisch ist? Liegt es daran, daß die Eltern sich nicht um die Ausbildung der Kinder kümmern? Oder selbst die Lehrer die deutsche Sprache nicht mehr beherrschen?

Sicherlich spielt das alles zusammen. Kinder lernen Sprache durch ihre Eltern und ihre sonstigen Bezugspersonen. Wie diese Bezugspersonen sprechen, hat einen Einfluß darauf, wie gut die Kinder später die Sprache beherrschen werden. Ein Kind, das schon bevor es in die Schule kommt, Bücher von Goethe aus der Bibiothek der Eltern gelesen hat, wird anders sprechen und schreiben als ein Kind, dessen Eltern keine Bücher besitzen, generell vielleicht nicht lesen oder nur die Zeitung mit den vier Buchstaben.

Dieser Bildungsunterschied und die fehlenden Chancen für Kinder, die aus sogenannten »bildungsfernen« Familien (also kein Goethe im Schrank) kommen, wird von ausländischen Beobachtern, die unsere Schulen besuchen, immer wieder beklagt. Denn deutsche Schulen fangen diesen Bildungsunterschied nicht auf. Die meisten Kinder, deren Eltern zu Hause keinen Goethe im Schrank haben, werden nie in ihrem Leben Goethe lesen und die deutsche Sprache nie als etwas Schönes, Wertvolles, Bewundernswertes betrachten, nie ihren Klang und ihre Einmaligkeit genießen, sondern sie immer nur als Mittel zur Kommunikation benutzen (die dann natürlich auch wieder auf »ungoethischem« Niveau stattfindet).

Das ist ungeheuer schade, denn wenn man keines der wunderschönen deutschen Gedichte kennt, die überall auf der Welt berühmt sind, keinen Rilke, keinen Hesse, keine Ricarda Huch, keine Ingeborg Bachmann, und dann meint, die deutsche Sprache wäre nicht so schön wie die englische, weil aus dem Englischen übersetzte(!) Liedertexte auf Deutsch nicht so gut klingen, wie eine Kommentatorin schrieb, wird man nie die Chance haben zu erkennen, wie schön die deutsche Sprache ist.

Rilke zum Beispiel. Gibt es einen Rilke auf Englisch? Natürlich nicht. Rilke war Österreicher und demzufolge war seine Muttersprache Deutsch. Rilkes Sprache ist einmalig, es ist wunderschönes Deutsch und sicherlich jedem englischen Liedtext weit überlegen. Aber die deutschen Kinder kennen diese Sprache nicht mehr und finden Englisch deshalb schöner.

Oder »Erklär mir Liebe« von Ingeborg Bachmann. Gibt es so etwas auf Englisch? Nein, niemals.

Aber wie soll man die Schönheit und Einmaligkeit der deutschen Sprache heutigen Kindern nahebringen, wenn sie nur noch englische Liedtexte hören und kein gutes deutsches Buch mehr lesen?

Hier hat sich der Journalist Nikolaus Nützel jetzt sehr verdient gemacht. Er hat ein Jugendbuch geschrieben, ein Sachbuch für Jugendliche mit dem Titel »Sprache oder Was den Mensch zum Menschen macht«. Das Buch hat fast zwangsläufig viele Preise als bestes Jugendsachbuch bekommen, denn es bietet einen auch für Kinder und Jugendliche verständlichen Einstieg in die Sprache, den ihnen vielerorts heutzutage weder die Eltern noch die Schule bieten.

Interessant finde ich den Titel, den Nützel für sein Buch gewählt hat. Sprache ist das, »was den Mensch zum Menschen macht«. Ja, das ist richtig. Nur durch die Sprache unterscheiden wir uns von den Tieren. Deshalb ist es wichtig, seine Muttersprache zu beherrschen, denn wenn wir sie nicht beherrschen, was würde das im Umkehrschluß bedeuten? Daß wir eher Tiere als Menschen sind?


Wie wichtig lesen ist, wie wichtig Sprache ist, um die Welt zu verstehen, das hat Rilke in seinem Gedicht »Der Lesende« wunderbar beschrieben.

Der Lesende

Ich las schon lang. Seit dieser Nachmittag,

mit Regen rauschend, an den Fenstern lag.

Vom Winde draußen hörte ich nichts mehr:

mein Buch war schwer.

Ich sah ihm in die Blätter wie in Mienen,

die dunkel werden von Nachdenklichkeit,

und um mein Lesen staute sich die Zeit. –

Auf einmal sind die Seiten überschienen,

und statt der bangen Wortverworrenheit

steht: Abend, Abend . . . überall auf ihnen.

Ich schau noch nicht hinaus, und doch zerreißen

die langen Zeilen, und die Worte rollen

von ihren Fäden fort, wohin sie wollen . . .

Da weiß ich es: über den übervollen

glänzenden Gärten sind die Himmel weit;

die Sonne hat noch einmal kommen sollen. –

Und jetzt wird Sommernacht, soweit man sieht:

zu wenig Gruppen stellt sich das Verstreute,

dunkel, auf langen Wegen, gehn die Leute,

und seltsam weit, als ob es mehr bedeute,

hört man das Wenige, das noch geschieht.

Und wenn ich jetzt vom Buch die Augen hebe,

wird nichts befremdlich sein und alles groß.

Dort draußen ist, was ich hier drinnen lebe,

und hier und dort ist alles grenzenlos;

nur daß ich mich noch mehr damit verwebe,

wenn meine Blicke an die Dinge passen

und an die ernste Einfachheit der Massen, –

da wächst die Erde über sich hinaus.

Den ganzen Himmel scheint sie zu umfassen:

der erste Stern ist wie das letzte Haus.

(Aus: Rainer Maria Rilke, Das Buch der Bilder)

Wenn ich lese, wenn ich mich mit Sprache beschäftige, »da wächst die Erde über sich hinaus«, denn es erschließen sich mir Dinge, die ich ohne Lesen, ohne Sprache nicht erfassen könnte, die mir fremd blieben.

Rilke, wie alle Menschen, die Bücher und Sprache lieben, wußte das.
Kann ein englischer Liedtext ein solches Erlebnis ersetzen?

Realistisch realisierbar?

Sprache ist mein Metier, und deshalb müssen sich alle, die hier das Blog lesen, damit langweilen.

Das Blog nenne ich diese neuartige Tagebuchform und nicht – wie wohl die meisten – der Blog.

Blog ist eine Abkürzung von Weblog, und Weblog ist eine Abkürzung von Weblogbuch. Es heißt das Logbuch, also muß es auch das Blog heißen.

Weiterlesen: Realistisch realisierbar?

Schreibt irgend jemand heute noch Liebesbriefe?

Man »chattet« oder man »mailt«, man »simst« oder »textet« – wahrscheinlich gibt es noch einige andere Arten der aktuell gängigen Kommunikation, die ich nicht kenne –, und das alles hört sich furchtbar langweilig und steril an.

Gut, man kann auch einen Liebesbrief auf dem Computer schreiben, das will ich nicht in Abrede stellen, aber überhaupt einen Liebesbrief zu schreiben ist wohl schon so etwas wie nostalgisch.

Weiterlesen: Schreibt irgend jemand heute noch Liebesbriefe?

Sollen wir einen Harry-Potter-Wettbewerb starten?

Ich muß ehrlich sagen, ich hätte große Lust, einen lesbischen Harry-Potter-Wettbewerb zu starten.

Haben Sie nicht vielleicht auch noch eine Harry-Potter-Geschichte im Schrank, die Sie gern loswerden wollen?

»Harry Potter« ist ein unglaubliches Phänomen, dessen Auswirkungen sich erst langsam zeigen. Wir machen uns alle nicht immer bewußt, wie völkerverbindend Harry Potter ist.

Weiterlesen: Sollen wir einen Harry-Potter-Wettbewerb starten?

Die Geschichten der Alice Munro

Die kanadische Schriftstellerin Alice Munro ist das Vorbild junger Autorinnen.

Das ist ein Zitat aus »Das Glück? Harte Arbeit«, einem Interview, das DIE ZEIT mit Alice Munro gemacht hat.

Im gestrigen Blog-Beitrag hatte ich Alice Munro erwähnt, die – obwohl sie großartige Kurzgeschichten schreibt – als Autorin nicht so anerkannt ist wie viele Romanautorinnen, was ihr eigentlich zustände.

Weiterlesen: Die Geschichten der Alice Munro

Was ist besser: Roman oder Kurzgeschichte?

Kurzgeschichtenautoren sind wie Menschen, die Golf spielen lernen, sich aber nie auf den Platz wagen, sondern immer auf der Übungsanlage bleiben.

. . . meint der ehemalige Herausgeber der New York Times Book Review, Charles McGrath. Von der New York Times Book Review eine Besprechung zu erhalten ist fast so etwas wie ein Ritterschlag. Das höchste, was man als amerikanischer Autor vor dem Pulitzerpreis oder dem Nobelpreis erreichen kann.

Weiterlesen: Was ist besser: Roman oder Kurzgeschichte?

Wer schreibt: Ich oder »Es«?

Schreibe ich oder schreibt »es«? Das ist manchmal eine ganz interessante Frage. Der Schweizer Schriftsteller Urs Widmer gab darauf einmal eine Antwort, wie sie wahrscheinlich viele Schriftsteller/innen geben würden und die den Zustand zwischen »Ich« und »Es« sehr gut beschreibt:

Weiterlesen: Wer schreibt: Ich oder »Es«?

Weitere Artikel

  • 1
  • 2
  • 3

Suche