Ein Dreirad für Erwachsene

Nachdem ich mir mit diversen Nebenjobs während meines Studiums das Geld für den Motorradführerschein zusammengespart hatte, wollte ich mir immer ein großes Motorrad kaufen und damit herumflitzen. Dazu ist es leider nie gekommen. Unter anderem auch deshalb, weil ich ziemlich klein und nicht gerade ein Muskelprotz bin. Um eine große Maschine zu beherrschen, ist das eher hinderlich.

Es ist absolut möglich. Ich habe kleine, zierliche Frauen gesehen, die riesige Maschinen fahren, aber man muss doch wenigstens mit den Füßen auf den Boden kommen, wenn man an der Ampel anhält, und das war für mich bei den meisten Maschinen nicht machbar. Viele kleine Frauen, die große Maschinen fahren, lassen sich die Sitzbank niedriger setzen oder so etwas. Es gibt auch ein paar Hersteller, die Maschinen anbieten, die schon ab Werk eine niedrige Sitzbank haben. Allerdings ist das ziemlich selten.

So kam es dann, dass ich nach dem Motorradführerschein nur selten Motorrad gefahren bin. Bis ich mir vor ein paar Jahren dann doch noch ein Motorrad kaufte, wenn auch ein kleines, eine 250er Yamaha. Ein sehr einfaches Motorrad war das, ein sogenannter Café Racer. Den Namen hat es daher, dass solche Maschinen vor allem dazu geeignet sind, von einem Café zum nächsten zu fahren. Sie haben keine besonderen technischen Details, sehen so aus, wie kleine Motorräder schon vor 40, 50 Jahren aussahen und werden auch oft noch fast genauso gebaut.

Es hat Spaß gemacht, die kleine Maschine zu fahren, aber dann stolperte ich zufällig über einen Motorroller. Im Grunde genommen hatte ich Roller bis dahin nicht ernst genommen. Ich sah oft ältere Damen in Rock und geblümter Bluse damit fahren, was den Eindruck erweckte, als hätte das nichts mit Motorradfahren zu tun. Nicht wirklich. Mehr so ein Fahrrad mit Motor oder eine fahrende Einkaufstasche.

So etwas gibt es auch, aber ein echter Motorroller ist doch etwas anderes. Ich gelangte mehr zufällig an einen kleinen Suzuki-Roller, ein Jahr alt, weil der Besitzer wegzog und ihn preiswert verkaufte. „Da kannst du nichts falsch machen“, dachte ich mir. Bei so einer geringen Investition kann nichts schief gehen.

Ist es auch nicht. Ich muss sagen, schon als ich mich das erste Mal auf den kleinen Roller setzte, überraschte mich das Motorradgefühl, gemischt mit absoluter Bequemlichkeit und einem sicheren Fahrgefühl. Der Roller hat eine Automatik, man muss also nicht schalten, es geht alles wie von selbst. Kinderleicht. Und es ist tatsächlich eine rollende Einkaufstasche. Viel Stauraum unter dem Sitz, und dann kaufte ich mir noch ein Topcase, das hinter dem Sitz aufragt. So brauche ich fast kein Auto mehr zum Einkaufen, außer ich muss etwas Großes, Sperriges kaufen.

Der Vorteil eines Rollers gegenüber einem Motorrad ist neben dem Stauraum auch die größere Stabilität. Man fährt eigentlich wie in einem Sessel. Und man bekommt nicht viel vom Straßendreck ab, selbst wenn es regnet. Die Rollerverkleidung schützt einen. Der Roller verbraucht nicht viel Benzin, und im Stau stehen gehört der Vergangenheit an. Mit dem kleinen Gefährt schlängelt man sich locker an jeder Autoschlange vorbei. Man kann auch mal auf dem Bürgersteig direkt vor einem Geschäft parken, braucht nicht ins Parkhaus und spart sich Gebühren und Weg.

Jedenfalls war ich schnell sehr begeistert von dem Roller und benutzte ihn viel. Nun ist er schon ein paar Jahre alt, und er fährt immer noch zuverlässig. Es gab kaum Reparaturen, der Schalter für den Blinker musste nach einigen Jahren ersetzt werden, auch die Batterie, aber das war alles. Der kleine Motor schnurrt wie eine zufriedene Katze, ich flitze damit schnell mal in die Stadt und zurück, selbst im dicksten Berufsverkehr.

Allerdings überlege ich nun, dieses zuverlässige Teil meinem Patenkind zum 16. Geburtstag zu schenken, der naht, und somit sah ich mich nach einem Ersatz um, denn ich will auf die Bequemlichkeit eines Rollers nicht mehr verzichten.

Die technischen Entwicklungen der letzten Jahre sind wirklich erstaunlich, stellte ich da fest. Mein Roller ist da doch ein eher einfaches Modell. Mittlerweile gibt es schon ungeheuer viele verschiedene Rollertypen und –größen für jeden Geldbeutel und für jeden Bedarf. Richtige Reisemobile sind darunter, so groß, dass sie fast wie ein Auto wirken.

Für die Stadt ist das natürlich nichts, aber auch da bin ich auf eine ganz neue Entwicklung gestoßen, das Dreirad. Die Entwicklung selbst ist nicht mehr so neu, Vespa hat den ersten Roller dieser Art 2006 auf den Markt gebracht, also schon einige Zeit her. Ich hatte diese Roller auch gesehen, fand sie aber eher bizarr. Ein Roller auf drei Rädern, vorn zwei, hinten eins? Was soll das denn? Zudem fand ich diese Roller extrem teuer. Nur um in die Stadt und zurück zu fahren muss ich nicht so viel Geld ausgeben.

Jetzt aber hat Yamaha, die mir auch schon meinen Café Racer bescherten, etwas ganz Neues auf den Markt gebracht, einen kleinen, wendigen Roller mit drei Rädern, der auch nur die Hälfte von dem kostet, was Vespa für so ein Teil verlangt. Das klang dann schon interessant. Zudem fährt meine Frau ungern mit dem Roller, den wir jetzt haben, weil sie etwas Probleme mit dem Gleichgewicht hat. Macht sich normalerweise nicht bemerkbar, aber wenn man sich mit dem Roller ein bisschen in die Kurve legt, kann das einem schon Sorge bereiten.

Also damit auch sie mehr davon hat, wird es jetzt ein Dreirad. Das kleine Maschinchen heißt Yamaha Tricity. Mit drei Rädern durch die Stadt sozusagen. Und ich muss sagen, ich bin schon jetzt verliebt, obwohl ich das Gerät noch gar nicht habe.

Das war die gemütliche europäische Variante, aber es gibt auch noch andere, z.B. in Asien:

oder in Afrika:

Als ich das gesehen habe, ist mir ganz anders geworden. ;) Also wir können nur froh sein, dass wir es nicht mit solchen Straßenverkehrsverhältnissen zu tun haben.

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Wer hat hier bereits Kommentare abgegeben?

  • Ellen
  • Ruth Gogoll
  • Babs
  • Ellen

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    Cooles Gefährt, sieht 'n bisschen futuristisch aus. :) Ich war zum Moped fahren - damals gabs ja im Ostblock noch die "flotte" Schwalbe - zu ... Pfff ... Irgendwie hat jedenfalls meine Koordination nicht so hingehau'n. ;) Ich bin gleich beim ersten Versuch in unseren Hundezwinger gebrummt und seitdem nie wieder gefahren.

    Mittwoch, 8. April 2015 15:26
  • Ruth Gogoll

    Ellen Permalink

    Kleiner Tipp: Bevor man mit einem Motorrad anfängt, sollte man Fahrad fahren können. Witzigerweise geschieht es immer wieder, dass Leute die Balance auf einem Zweirad nicht halten können. Und wenn man dann fragt, stellt sich meistens heraus, dass sie nicht Fahrrad fahren können. Mein Fahrlehrer, bei dem ich damals den Motorradführerschein gemacht habe, hat solche Storys haufenweise erzählt. Er setzt die Leute aus Motorrad, die fahren ein paar Meter und kippen einfach um. Noch nie Fahrrad gefahren. Die hat er dann immer nach Hause geschickt, Fahrrad fahren lernen. Und dann wiederkommen fürs Motorrad. :)

    Mittwoch, 8. April 2015 15:40
  • Ruth Gogoll

    Permalink

    So, seit Dienstag habe ich das schöne Teil nun, und das Bild wird der wirklichen Farbe nicht gerecht. Es ist ein Burgundermetallic-Rot, das richtig edel schimmert. Von vorn wirkt der Roller fast wie ein Motorrad, so verkleidet, bis auf die zwei Räder natürlich. :) Und das Fahren ist ein Traum! Anders als mein alter Roller, der mit seinem 2-Zylinder-Motor so richtig rollermäßig klang, hat dieser Roller hier - obwohl es auch ein 125er Motor ist - einen 4-Zylinder und damit einen satten Motorradsound. :D Man sitzt wirklich wie die Königin auf ihrem Thron, und ich möchte am liebsten nur noch Kurven fahren ...

    Erstens kann man so langsam um die Kurve fahren, dass man fast steht, was besonders in Situationen nützlich ist, wenn der Verkehr es nicht erlaubt, schneller zu fahren und vor einem jemand so langsam fährt. Und zweitens kann man sich wie mit einem echten Motorrad richtig in die Kurve legen, wenn man normal schnell fährt, man braucht gar nicht abzubremsen. Die beiden Vorderräder gleichen jede Unebenheit aus, und die Vorderräder haben Motorradgröße, nicht die kleine Rollergröße, die ein in die Kurve legen praktisch nicht erlaubt, weil man dann schon mit der Seitenverkleidung auf dem Boden kratzt.

    Sowohl meine Frau als auch ich möchten am liebsten die ganze Zeit mit dem Roller fahren, so viel Spaß macht es und so einfach ist es. :p Die Automatik funktioniert tadellos. Ein kleines Drehen am Gasgriff, und der Roller fährt los. Allerdings ist es keine Rennmaschine, das heißt, er fährt eher gemütlich an. Mein alter Roller war da mehr ein Sprinter, das gab einen richtigen Ruck. Dieser hier rollt los wie ein Rolls Royce, gleitet dahin. Man kann auch nicht beliebig beschleunigen. Höchstgeschwindigkeit sind so ca. 90 km. Er ist nur für die Stadt und für kurze Strecken gedacht. Ich bin gestern und heute meistens so zwischen 45 und 60 gefahren, wie der Verkehr in der Stadt eben so fließt.

    Aber einmal bin ich etwas weiter raus gefahren, wo ich etwas beschleunigen konnte. Es ging auch noch bergab, und da zeigte die Tachonadel dann mal 85. Jetzt am Anfang zieht der Motor noch nicht so, ich muss ihn erst einfahren. Wenn ich auf meinem alten Roller mal Tacho 80 gefahren bin, dann hat der schon ziemlich gewackelt mit den kleinen Rädern, und ich musste den Lenker ganz schön festhalten. Auch bei leichten Windböen von der Seite, z.B. beim Fahren über Brücken, musste man ganz schön gegensteuern, um nicht aus der Bahn geworfen zu werden. Mit dem neuen Roller merkt man von all dem nichts mehr. Die 85 auf dem Tacho habe ich praktisch nicht gespürt. Der Roller fuhr weiter wie auf Schienen. Kein Wackeln, kein Ausweichen, einfach nur Dahingleiten ohne Grenzen. ;)

    Mittwoch, 1. April 2015 16:55
  • Wow :) Wenn man das so liest, so möchte man selbst gleich so ein Ding :)
    Viel Spass beim herumkurven! Man könnte schon leicht neidisch werden ;)

    Mittwoch, 1. April 2015 18:28
  • Babs

    Permalink

    :) Das Dreirad könnte Spass machen ;) Sieht im ersten Moment ein bisschen gewöhnungsbedürftig aus, aber ich glaube, dass es echt toll ist. Ich kenne jemanden, dem das auch gefallen könnte. Werde den Link mal weiterleiten. Danke. Euch schon jetzt viel Spass, falls Ihr das Dreirad anschafft:)

    Samstag, 21. März 2015 14:23
  • Ruth Gogoll

    Babs Permalink

    Es ist vor allem für Leute geeignet, die eigentlich nicht Motorrad fahren können, sich eventuell auch unsicher fühlen auf zwei Rädern. Hier kann man sich einfach draufsetzen und losfahren. Man kann eine Zusatzprüfung zum Autoführerschein machen, muss also nicht den großen Motorradführerschein machen, weil es ja nur ein 125er ist, also ein Leichtkraftrad. Dadurch können es auch 16jährige fahren, mit dem Führerschein für Mopeds.

    Ist wirklich eine tolle Sache. Ich war bisher sehr zufrieden mit meinem kleinen Roller, aber seit ich das Tricity gesehen habe, will ich es haben. :D Ist fast schon ein vollwertiger Autoersatz für einen Bruchteil dessen, was ein Auto kostet.

    Samstag, 21. März 2015 14:48

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