Gesundheit und Schreiben

Ich möchte heute einmal etwas über Gesundheit und Schreiben schreiben. Die meisten Leserinnen denken wahrscheinlich, Schreiben wäre genauso einfach wie Lesen. So ist es aber leider nicht. Schreiben kann man eigentlich nur, wenn man sich fit und gesund fühlt.

Bei Liebesromanen kommt noch hinzu, dass man gerade für gefühlvolle Szenen sehr viel Kraft und Einfühlungsvermögen braucht, womit es manchmal hapert, wenn man sich krank fühlt oder zu viel Stress hat. Dann kann man so etwas einfach nicht schreiben. Es erfordert eine gewisse Energie, die man dann schlichtweg nicht hat.

Somit ist es auch als Schriftstellerin wichtig, dem altgriechischen Motto Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper zu folgen und seinen Körper möglichst gesund und fit zu halten, damit der Geist funktionieren kann.

Aber auch das ist nicht immer so einfach. Denn unsere Gesundheit ist zerbrechlicher, als wir oft denken. Wenn wir jung sind, denken wir jedoch leider oft gar nicht darüber nach und kümmern uns meist auch zu wenig um unsere Gesundheit, speziell auch um unsere Ernährung. Und natürlich Sport. Wenn man dann älter wird, wird man oft mit den Auswirkungen konfrontiert. Das kann Übergewicht sein, das kann ein zu hoher Blutdruck sein, zu hohe Zuckerwerte, es können aber auch Dinge sein, die man äußerlich nicht direkt sieht oder nicht direkt messen kann wie der Stresslevel, der steigt.

Wenn man in einem solchen Zustand schreiben will, gelingt das oft nicht. Das ist dann sehr frustrierend, denn wir Schriftstellerinnen sind abhängig davon, schreiben zu können, sonst fühlen wir uns nicht wohl. Das verschlimmert den ganzen Zustand dann noch mehr, sodass man sich wie in einer Art Teufelskreis bewegt: Man kann nichts schreiben, weil man sich schlecht fühlt, und man fühlt sich schlecht und immer schlechter, weil man nichts schreiben kann.

In so einem Zustand war ich letztes Jahr, denn ich hatte mir einen üblen Virus eingefangen, der mich einfach nicht verlassen wollte. Ein Virus klingt erst einmal nicht so schlimm, schließlich hat jeder ja einmal die Grippe, und das geht auch wieder vorbei. Zwei oder drei Wochen lang fühlt man sich schrecklich, hat vielleicht Fieber, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, fühlt sich schwach und kann nicht viel tun, weder körperlich noch geistig, aber dann hat man das auch wieder vergessen. Dieser Virus, mit dem ich mich letztes Jahr herumschlagen musste, war aber leider nicht nach 2-3 Wochen wieder vorbei, sondern er hat mich fast das ganze Jahr über begleitet und mich zeitweise daran zweifeln lassen, ob ich je wieder gesund werden würde.

Etwas zusätzlich Schlimmes daran war, dass meine Ärztinnen und Ärzte nicht herausfinden konnten, worum es sich bei diesem Virus eigentlich handelte. Ich fühlte mich jeden zweiten Tag, als müsste ich sterben, am nächsten Tag ging es mir wieder vergleichsweise gut. An dem Tag, an dem ich mich so schlecht fühlte, konnte ich kaum einen Finger heben, das habe ich dann am nächsten Tag versucht aufzuholen und doppelt so viel gearbeitet, woraufhin ich permanent erschöpft war. Ich sah so bleich und abgezehrt aus wie der wandelnde Tod. Trotzdem musste ich meine Arbeit machen und konnte nicht einfach Urlaub nehmen. In so einer Situation Bücher zu schreiben ist schier unmöglich.

Trotzdem habe ich es getan, mich dazu gezwungen, und ich weiß heute zum Teil wirklich nicht mehr, wie das überhaupt gegangen ist. Währenddessen wurde mir aber immer klarer, wie wichtig es ist, gesund zu sein, um schreiben zu können. Gegen Ende des Jahres bekam ich dann endlich ein Medikament, das den Virus zurückdrängte, und ich fühlte mich langsam gesünder. Da ich mich fast das ganze Jahr über jedoch überanstrengt hatte, indem ich gegen den Virus ankämpfte und gleichzeitig noch sehr viel arbeitete, fühlte ich mich auch sehr erschöpft.

Da kam ich auf die Idee mit dem Fasten. Viele Leute verwechseln Fasten mit Hungern, weil man ja keine feste Nahrung zu sich nimmt. Die meisten Leute haben zwar noch nie in ihrem Leben gehungert aufgrund des Wohlstands, in dem wir leben, dennoch habe ich festgestellt, dass viele Angst davor haben, eventuell hungern zu müssen. Ist wahrscheinlich so eine Art Urangst in uns aus den Zeiten, in denen wir noch ums Überleben kämpfen mussten und nicht jeden Tag etwas zu essen hatten. Heutzutage ist ja eher das Gegenteil der Fall, wir haben zu viel zu essen, und Übergewicht und seine Folgen sind das größte Problem des 21. Jahrhunderts.

Ich hatte vor Jahren schon ein paarmal gefastet, auch über längere Zeit, und ich wusste, dass die Angst, die anscheinend viele haben, völlig unbegründet ist, denn beim Fasten verschwindet das Hungergefühl nach sehr kurzer Zeit, bereits nach zwei oder drei Tagen, und dann fühlt man sich wie befreit, weil man nicht essen muss, sich nicht um den täglichen Einkauf kümmern muss, ums Kochen, um all das, was an Arbeit und Anstrengung mit Essen zusammenhängt.

Der andere Teil, dass man Essen auch sehr genießen kann, fehlt zwar auch, wird aber durch ein allgemeines Hochgefühl ersetzt, man ist beinah wie im Rausch, wenn man fastet, hat sehr viel Energie, kann oft sehr viel mehr erledigen als sonst. Und das, obwohl man nur Wasser und Tee trinkt, mal eine Gemüsebrühe oder einen verdünnten frisch gepressten Saft. Diese überschüssige Energie liegt zum Teil auch daran, dass man keine Energie für die Verdauung aufwenden muss, die normalerweise 30 Prozent unserer Energie raubt. Was man ja oft daran merkt, dass man nach dem Essen, insbesondere nach einem schweren Essen, sehr müde wird. Dann wird sehr viel Energie aus unserem restlichen Körper abgezogen, um die Nahrung verarbeiten zu können.

Beim Fasten kommt noch hinzu, dass der Körper sich selbst repariert, wenn er nichts zu essen bekommt. Er bekämpft die Krankheiten, die wir uns zugelegt haben, er heilt und ersetzt Zellen, weshalb man dann nach einiger Zeit auch erheblich jünger aussieht (was besonders dann auffällt, wenn man schon ein bisschen älter ist) und einige Beschwerden, die man vorher hatte, wie weggefegt erscheinen. Das ist wirklich so. Der Körper macht Hausputz, wenn wir nichts essen. Und das bezieht sich nicht nur auf Kleinigkeiten wie vielleicht einen Schnupfen. Selbst ernsthafte Krankheiten können dadurch geheilt oder zumindest gebessert werden.

So habe ich also im Januar 21 Tage gefastet, weil ich meine Gesundheit und meine Energie zurückhaben wollte, die mir der Virus geraubt hatte. Und es hat absolut funktioniert. Ich bin jetzt so energiegeladen wie schon lange nicht mehr, viele Wehwehchen, die sich während der anstrengenden Krankenzeit letztes Jahr noch zusätzlich angesammelt hatten, sind verschwunden, dazu gehören auch Schmerzen in den Händen, in den Knien, im Rücken, und ich fühle mich zwanzig Jahre jünger.

Das Schreiben, das mir im Laufe des letzten Jahres schon fast verleidet worden war, weil ich mir jedes Wort so abquälen musste, geht mir jetzt wieder leicht und locker von der Hand. Ich fühle mich wie neugeboren, als ob eine große Last von mir abgefallen wäre, die mich auch daran gehindert hat, meine Gedanken zu ordnen und daraus eine Geschichte zu machen.

Kreative Tätigkeiten wie Schreiben, Malen, Bildhauern sind keine Jobs. Das Bedürfnis, sich kreativ zu betätigen, kommt aus unserem tiefsten Innern, aus unserer Seele, könnte man sagen. Und diese Seele, das Zentrum unseres Seins und Fühlens, muss auch gepflegt werden wie unser Körper. Beides hängt zusammen. Wenn sich unser Körper nicht wohlfühlt, weil er krank ist, fühlt sich auch unsere Seele nicht wohl, und woher sollen dann die Geschichten kommen, die unseren Leserinnen ein Lächeln aufs Gesicht zaubern?

Deshalb ist es sehr, sehr wichtig, sich gerade als Schriftstellerin um seine Gesundheit zu kümmern, damit diese Geschichten in uns wachsen können, uns selbst und andere erfreuen können. Ich habe jetzt beschlossen, das Fasten zu einem regelmäßigen Teil meines Lebens zu machen, um mir diese Gesundheit und Energie zu erhalten. Denn Gesundheit und Schreiben gehören nun für mich zusammen. Das Schreiben war schon immer mein Leben, und mir meine Gesundheit zu erhalten ist die Voraussetzung dafür.

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