Keine Angst vor Spritzen mehr

Viele Leute haben Angst vor Spritzen. Manchmal kommt es einem wirklich lächerlich vor, wenn ein baumstarker Mann zu weinen anfängt wie ein kleines Kind, wenn er nur eine Spritze von weitem sieht. Aber was soll man machen? Phobie ist Phobie, man kann zwar versuchen daran zu arbeiten, aber ganz besiegen kann man solche Ängste oftmals nicht.

»Wenn man nur den Stich nicht spüren würde . . .«, sagt vielleicht der eine oder andere, und da versuchen nun indische und japanische Forscher Abhilfe zu schaffen. (Fragen Sie mich nicht, warum ausgerechnet Inder und Japaner. Sind die vielleicht besonders schmerzempfindlich? Keine Ahnung.)

Wer schon einmal von einer Mücke gestochen wurde (und für wen trifft das nicht zu?) weiß, daß man die Mücke erst dann bemerkt, wenn sie anfängt zu saugen, wenn es anfängt zu jucken. Dann ist der Stich aber schon längst erfolgt, sprich: diesen Stich spüren wir nicht.

Da dachten sich die Forscher: Bauen wir doch eine Spritze, deren Einstich man auch nicht spürt, weil sie der biologischen Ausstattung der Mücke nachgebaut ist. Geht heutzutage alles, kein Problem. Die Spitze dieser Mikrospritze ist dem Rüssel einer Mücke nachempfunden, sticht schmerzfrei in die Haut und erlaubt es, kleine Blutproben zu entnehmen, wie es beispielsweise Diabetiker laufend tun müssen.

Zudem haben die Forscher noch etwas weiteres bei den Mücken abgeschaut: Die Spritze sticht nicht nur, sie saugt auch.

Moskitos saugen Blut durch Muskelbewegungen in ihrem Rüssel. Dieses Prinzip kopieren Suman Chakraborty vom Indian Institute of Technology in Kharagpur and Kazuyoshi Tsuchiya von der Tokai University in Kanagawa, indem sie am Ende der starren Nadeln eine elektrisch betriebene Pumpe aus Piezokeramiken platzierten. Die Piezokeramiken ändern ihre Ausdehnung mit der anliegenden elektrischen Spannung und dienen als Pumpenantrieb.

Die Forscher produzierten dann Kanülen mit einem Innendurchmesser von 25 Mikrometern und einem Gesamtdurchmesser von 60 Mikrometern. Im Vergleich dazu haben konventionelle Spritzennadeln Durchmesser von 900 Mikrometern. (Quelle: wissenschaft.de)

Somit steht also nun dem Spritzenvergnügen nichts mehr entgegen. Das heißt, sobald sie auf dem Markt sind. Momentan sind das ja alles nur Testversuche.

Da diese Spritzen nicht nur zum Entnehmen von Flüssigkeiten aus dem Körper, sondern auch zum genauen Dosieren von Medikamenten geeignet sein sollen, können sich sicherlich vor allem chronisch Kranke freuen, die oftmals mit Spritzen für den einen oder anderen der beiden Zwecke zu tun haben. Zumindest der Einstichschmerz gehört damit der Vergangenheit an.

Und was die Ängste betrifft: Wenn man die Augen zumacht und gar nichts mehr spürt, müßte das eigentlich auch einigen Menschen helfen. Bei den ganz schweren Fällen, die schon beim Gedanken an eine Spritze Schweißausbrüche bekommen, wird es wohl nichts nützen. Denn da ist die Angst nicht mit dem physischen Schmerz verbunden, sondern mit psychischen Schwierigkeiten, die nicht so leicht zu überwinden sind. In so einem Fall würde aber vielleicht eine EMDR-Therapie helfen.

 

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Wer hat hier bereits Kommentare abgegeben?

  • Claudia
  • angie.brand
  • Ruth Gogoll
  • Julia
  • Claudia

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    Wieso gibt es Leute, bei denen man wirklich nichts spürt? Was machen die anders als diejenigen, bei denen man etwas spürt?

    Die Frage kann ich beantworten. Es liegt daran, wie man de Spritze ansetzt. Sie läuft ja spitz zu und auf einer Seite ist sie ganz flach. Wenn mann die flache Seite genau zum Arm ansetzt merkt man den Einstich nicht, aber leider bekommt man das nur selten so ganz genau hin, deswegen spürt man bei den meisten den Einstich. da braucht es nur eine ganz winzige Kleinigkeit, die sich die flache Seite verschiebt.

    LG
    Claudia

    Dienstag, 22. Juli 2008 13:44
  • angie.brand

    Permalink

    hallo,
    bin seit 10 jahren insulinpflichtige diabetikerin und sag euch, ich kann ein lied davon singen :'( eigentlich hatte ich nicht so sehr angst vor der spritze bevor ich sie selbst an mir setzen mußte.als diabetikerin die insulin braucht lernst du als erstes wie man sich am finger selbst blut zapft um den zuckergehalt im blut zu messen und danach gibt man sich eine insulininjektion in den bauchbereich.als ich soweit war und mir die nadeln ansetzen wollte konnte ich es nicht, habe es nicht über michgepracht ,die nadeln in meinen bauch zu jagen.eine ganz liebe schwester trat hinter mich und führte meinen arm ;) und mit einem schnellen ruck war,s passiert.die spritze und die schwester hatten mich von daan im griff ;D.tipp, die haut kurz kühlen mit einem accu oder eis so 10-20 sekunden betäubt auch die einstichstelle (für die jenigen die viel spritzen und messen müssen). ansonsten bleibt nur augen zu an was wunderbares denken, oder mp3musik auf die ohren hilft auch. ;D
    grüsse

    Dienstag, 22. Juli 2008 12:39
  • Ruth Gogoll

    Permalink

    Das ist ja ein interessanter Tip. Ich wußte nicht, daß es solche Betäubungspflaster gibt. Ich persönlich hatte noch nie Probleme mit Spritzen, ich schaue sogar zu, wenn die Spritze in meinen Arm sticht und das Blut abgesaugt wird, und wenn der- oder diejenige, die die Spritze setzt, nicht allzu ungeschickt ist, spürt man ja auch kaum etwas oder gar nichts. Aber selbst wenn, ist es nicht schlimm. (Was ich mich immer frage, ist: Wieso gibt es Leute, bei denen man wirklich nichts spürt? Was machen die anders als diejenigen, bei denen man etwas spürt?) Wenn man jedoch wirklich Angst vor dem Einstich hat, ist so ein Pflaster sicherlich sehr hilfreich.

    Dienstag, 22. Juli 2008 11:40
  • Julia

    Permalink

    Hallo,

    ich will Ihnen ja nicht Hoffnung nehmen, aber ich könnte mir vorstellen, dass diese Nadeln zumindest zum Blutbannehmen in der täglichen Routine völlig ungeeinget wären, da sie viel zu dünn sind und man so bei jedem Patienten wahrscheinlich - etwas übertrieben - eine Viertelstunde bräuchte, um Blut zu gewinnen, was dann wiederum die Probe schädigt...
    Aber zumindest für Diabetiker und die Insulinspritze oder andere Medikamente oder sehr kleine Blutproben (Blutzuckermessung) sieht das dann vielleicht schon wieder anders aus. Aber am besten wir warten mal ab, vielleicht wird es ja doch etwas und ich täusche mich :)

    Aber noch ein Tipp für alle, die wirklich Angst vor dem Einstich haben (oder für Kinder): Wenn man weiß, dass man Blut abgenommen bekommt, kann man sich in der Apotheke EMLA-Pflaster kaufen und auf die Vene kleben (wenn man denn weiß, welche Vene ganz gut Blut spendet ;) ), nach einer gewissen Zeit ist die Haut dann betäubt und man spürt nichts mehr. Ist zwar nicht ganz billig, aber ich denke, trotzdem eine gute Alternative für wahre Spitzen-Phobiker!

    Liebe Grüße
    Julia

    Dienstag, 22. Juli 2008 10:28

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