Essen ist Belohnung

Das wissen wir, oder? Essen ist nicht einfach nur Essen, nicht nur Nahrungsaufnahme, um unseren Körper am Laufen zu halten, Essen vermittelt ein gutes Gefühl. Nach dem Essen fühlt man sich einfach wohl.

Dieses Wohlgefühl entsteht im Belohnungszentrum des Gehirns, indem der Botenstoff Dopamin ausgestoßen wird. Viel Dopamin bedeutet, es geht mir gut. Wenig Dopamin bedeutet, ich fühle mich unwohl, ganz wenig Dopamin bedeutet Depressionen.

Das Belohnungszentrum in unserem Gehirn reagiert auf viele Reize, es steuert viele unserer Reaktionen in die gewünschte Richtung, es ist in gewissser Weise dazu da, uns zu sagen, was richtig und was falsch ist. Machen wir etwas richtig, erzeugt es ein Wohlgefühl, machen wir etwas falsch, bekommen wir dieses Wohlgefühl nicht oder sogar ein Unwohlgefühl.

Grundsätzlich ist auch Essen eine Belohnung, denn ursprünglich, in der Steinzeit oder in unseren frühen Jahren als Menschen, bekamen wir Essen nur, wenn wir etwas dafür getan hatten, gejagt oder den ganzen Tag Beeren gesammelt, die dann die Belohnung für die erschöpfende Arbeit waren und unser Energiereservoir wieder auffüllten.

Damals vor Zehntausenden von Jahren, waren wir nicht in Gefahr, durch dieses Belohnungssystem übergewichtig zu werden, denn wir konnten uns nicht jederzeit Essen zuführen, wenn wir das wollten – auch wenn wir uns noch so sehr hätten belohnen wollen. Es gab keinen Kühlschrank und keine Supermärkte, jede einzelne Beere, jede einzelne Wurzel, jedes noch so kleine Stückchen Fleisch mußten wir uns schwer erarbeiten.

Heute ist das anders. Kaum ein Mensch arbeitet noch körperlich, das tun alles Maschinen für uns, Lastwagen, Bagger, Waschmaschine, Geschirrspüler, Staubsauger, Computer. Das Belohnungssystem arbeitet jedoch noch genauso wie früher, das heißt, wenn wir essen, fühlen wir uns wohl. Wenn wir uns unwohl oder traurig fühlen, belohnen wir uns nicht mit einem Marathonlauf, sondern mit einem Stückchen Schokolade, oder besser gleich einer ganzen Tafel. Dann fühlt man sich für einen Moment wieder wohl.

Das führt selbstverständlich zu Übergewicht, denn wir arbeiten diese »Belohnung« nicht ab, eigentlich haben wir sie uns gar nicht verdient (außer wir hätten zuvor wirklich einen Marathonlauf absolviert).

Diese Tatsache ist schon schlimm genug, aber nun haben Wissenschaftler festgestellt, daß es sogar Menschen gibt, die noch nicht einmal direkt auf diese Belohnung reagieren. Sie benötigen also mehr »Belohnung«, um dasselbe Wohlgefühl zu erreichen wie ein Mensch mit einem normalen Belohnungsempfinden. Zwei Tafeln Schokolade statt nur einer – also noch mehr Übergewicht.

Ein Gen in unserem Körper ist dafür verantwortlich, und einige übergewichtige Menschen leiden darunter. Viele vielleicht. Sie können also essen und essen, werden aber trotzdem nie satt und zufrieden sein, oder erst, wenn sie sehr viel gegessen haben. Das Belohnungssystem im Gehirn springt bei ihnen erst spät an.

Das ist wirklich fatal. Wenn man sehr wenig ißt und sich dann schon belohnt fühlt, hört man auf, wenn man das Wohlgefühl aus dem Belohnungssystem aber erst abrufen kann, wenn man bereits das Doppelte oder Dreifache von dem gegessen hat wie die Nachbarin, dann setzt sich das massiv auf die Hüften.

Jetzt ist bestimmt die eine oder andere versucht zu sagen: Ja, genau, das ist der Grund, warum ich so dick bin. Aber ich fürchte, bei den meisten Menschen ist es das nicht. Da sind es wohl nur schlechte Eßgewohnheiten. Dennoch gibt es einige, für die diese Genvariante ein Fluch ist.

Das Belohnungssystem ist aber ein wichtiger Faktor auch beim Abnehmen. Wenn wir uns nicht belohnen, wenn wir also zu wenig essen, wird jede Diät scheitern, denn dann fühlen wir uns ständig unwohl. Wenn wir aber genug essen, daß wir satt und zufrieden sind, dann werden sich die Kilos ganz von selbst verabschieden. Wir müssen nur das richtige essen.

Ich erinnere mich, daß ich einmal vor einem Berg von Blumenkohl, Quark und Kartoffeln saß, genau nach Diätplan, und dachte: »Du meine Güte, das alles soll ich essen?« Ich habe es dann auch tatsächlich nicht geschafft, es war zuviel, ich hätte noch viel mehr essen dürfen.

So klappt es dann natürlich auch mit dem Abnehmen.

Viel Erfolg!

Das Kommentieren ist nicht mehr möglich

Wer hat hier bereits Kommentare abgegeben?

  • Isabell
  • Isabell

    Permalink

    Das erklärt wohl auch den Sinn einer regelmäigen Ernährung.
    Wenn ich morgens, mittags und Abends esse, dann schlage ich nicht so zu, weil ich ja nur einmal am Tag esse. Hm... Aber ich brauch ja zum Glück keine Diät *an mir runter blicke*
    ;D

    Samstag, 18. Oktober 2008 3:31

Weitere Artikel, zufällig ausgewählt

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
  • 11
  • 12
  • 13
  • 14
  • 15
  • 16
  • 17
  • 18
  • 19
  • 20
  • 21

Suche

Kontaktformular
Diese Webseite verwendet Cookies, um vollständig zu funktionieren.
Datenschutzerklärung Einverstanden