Wahnvorstellungen

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»Du bildest dir da etwas ein!« Das sagt sich schnell und leicht, aber wissen wir überhaupt, was das bedeutet?

Wahnvorstellungen, Halluzinationen o.ä. werden oft als Capricen betrachtet, als etwas, daß man, wenn man sich nur »zusammenreißen« würde, einfach abstellen könnte. So ist es aber nicht.

Wahnvorstellungen sind im Gehirn begründet, und oft hilft da noch nicht einmal eine Psychotherapie, denn Wahnvorstellungen sind etwas höchst Körperliches. Ähnlich wie ein gebrochenes Bein kann man das nicht einfach abschütteln, indem man darüber redet.

Ich erinnere mich noch an den Bruder einer Schulfreundin von mir. Es war erschreckend, wie wenig er selbst und andere gegen seine Wahnvorstellungen tun konnten, daß ständig jemand hinter seinem Rücken über ihn reden würde. Er hörte Stimmen, er hörte sogar ganz konkrete Sätze – und normalerweise waren es Beleidigungen seiner Person, hämische Bemerkungen, die ihn im wahrsten Sinne des Wortes verrückt machten.

Er war ein netter Junge, ich mochte ihn sehr, aber es wurde zunehmend schwieriger mit ihm umzugehen, denn er unterstellte natürlich auch, daß man selbst Teil dieser Stimmen war. Er wurde mißtrauisch und verschlossen und mit der Zeit immer aggressiver, denn er fühlte sich natürlich ständig angegriffen. Die Stimmen machten sich über ihn lustig, demütigten ihn, lachten ihn aus, beschimpften ihn.

Würden Sie so etwas aushalten? Ich nicht. Das macht einen fertig.

Es gibt heutzutage Tabletten gegen so etwas, aber auch die helfen nicht vollständig. Im Falle des Bruders meiner Freundin ließen sie zwar die Stimmen verschwinden, aber nicht die Folgen der Krankheit, sein Mißtrauen, seine Gewalttätigkeit (die er vorher nicht hatte, er war ein sehr sanfter Mensch, spielte Friedenslieder auf der Gitarre). Bis heute leidet seine Familie darunter.

Somit sind solche Wahnvorstellungen also eine sehr ernste Angelegenheit, nichts, worüber man lachen sollte.

Wissenschaftler haben herausgefunden, daß Wahnvorstellungen oftmals die Folge eines übereifrigen Gehirns sind; insbesondere bei Hirnschädigungen durch Unfälle und ähnliches kann man das verfolgen.

Übereifrige linke Hirnhälfte erzeugt unrealistische Eindrücke und Erinnerungen

Wahrvorstellungen lassen sich praktisch immer auf einen Schaden in der rechten Gehirnhälfte zurückführen, den die linke Seite übereifrig auszugleichen versucht.

Das ist das Fazit eines Artikels bei wissenschaft.de, der sich mit dem Thema »Wie Wahnvorstellungen entstehen« beschäftigt.

Sobald das Gehirn aufgrund der Schädigung unvollständige oder falsche Informationen erhält, springt die linke Hirnseite ein, um diese Signale in einen sinnvollen Kontext einzuordnen. Dabei schießt sie nicht selten übers Ziel hinaus und kreiert Geschichten oder Zusammenhänge, die nichts mehr mit der Realität zu tun haben. Ist dann auch noch der Hirnbereich geschädigt, der falsche oder unrealistische Erinnerungen aussortiert, gelangen die falschen Eindrücke ins Bewusstsein. (Quelle: wissenschaft.de)

Das ist wirklich ein Zusammenspiel unglücklicher Umstände, denn Erinnerungen werden oftmals als real betrachtet. »Das habe ich doch erlebt!« oder »Genauso war es!« – davon ist man so überzeugt, daß man es nie in Frage stellt.

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