Gedanken
Ruth Gogoll und andere Autorinnen schreiben über Themen, die sie bewegen.

@Hanna

Ich glaube, Du schießt Dich wirklich gerade selber ins Aus. 😉

Stell Dir die unzuverlässige Erzählerin so vor: Eine Frau rennt aus einem Gebäude. Völlig gehetzt und getrieben von Angst rennt sie zu ihrem Motorrad, schwingt sich drauf und entkommt gerade noch ihren zwielichtigen Verfolgern. Einer von den schmierigen Kerlen war so nah, dass er sie um ein Haar vom Motorrad hätte reißen können. Das Adrenalin pumpt durch ihre Venen, während sie davonbraust.

Deine letzte Aussage macht mir natürlich schon Mut, Ruth. 🙂 Eine unzuverlässige Erzählerin. Interessant. Ehrlich gesagt wusste ich gar nicht, dass es so etwas gibt. Es würde aber gut zu Franzi passen, das stimmt. Möglicherweise ist Franzi tatsächlich so. Sie glaubt ihre eigenen Lügen. Weil sie für sie die Wahrheit sind. Oder soll sie andere Leute bewusst hinters Licht führen, obwohl sie weiß, dass sie lügt? Das ist  mir jetzt noch nicht so ganz klar.

Oh, Hanna, da stellst Du mich jetzt aber vor ein Problem. 🙂 Grundsätzlich haben mir die Sachen mit Deiner bösen Franzi schon gut gefallen. Ich mochte Franzi schon in Du bist die Welt für mich als Figur. Sie hat Spannung in die Geschichte gebracht. Vor allem auch als Gegenpol zu der doch sehr gutmenschigen Veronika. So einen Gegenpol müsste es dann jedoch auch in einer Geschichte mit Franzi als Hauptfigur geben. Und diese Figur müsste dann zum Schluss verlieren. Das ist natürlich nicht so ganz das, was ich mir in einem el!es-Buch wünsche.

Auf der anderen Seite verstehe ich gut, dass Dich das reizt. In gewisser Weise würde mich das auch reizen. Als Schriftstellerin. Man muss ja auch immer mal wieder etwas Neues ausprobieren. Aber da jetzt eine Entscheidung zu fällen … Da müsste man fast die Leserinnen fragen, ob sie so etwas überhaupt lesen wollen.

Als ich bei Ankündigung des LLP so darüber nachdachte, was ich schreiben könnte, fiel mir ein, dass ich damals im Forum ja eigentlich eine Fortsetzung von Du bist die Welt für mich schreiben wollte, mit der bösen Franzi, der bösen Zwillingsschwester der „guten“ Veronika aus dem Roman. Die Zwillinge sind dann zwar im endgültigen Buch Öffne dein Herz noch vorgekommen, hatten aber keine wirklich zentrale Rolle mehr, weil die ja dann von Jana und Melanie übernommen wurde. Es war auch in keiner Weise eine Fortsetzung, sondern eine völlig neue Geschichte.

Selbstverständlich kannst Du einen historischen Roman zum LLP einreichen, Anne. 🙂 Ich sehe keinen Grund, warum nicht.

In vielem, was Du gesagt hast, stimme ich Dir zu. Leider interessieren sich viel zu wenige Leute für Geschichte, obwohl ich finde, dass das eines der wichtigsten Fächer ist, die es in der Schule gibt. Am Anfang meines Studiums habe ich sogar einmal Geschichte studiert, weil ich das immer faszinierend fand.

Gab es eigentlich je schon einmal einen historischen Roman im LLP? Ich kann mich nicht erinnern. Jedenfalls würde mich interessieren, ob auch historische Romane für den LLP in Frage kommen. Du weißt schon, warum ich frage, Ruth. 😉

Ich vermisse historische Romane immer mehr, je mehr lesbische Romane es gibt. Früher gab es ja nichts außer el!es, aber mittlerweile gibt es doch eine ganze Menge. Hauptsächlich selbst publiziert, aber manche auch aus Verlagen. Ich weiß, Du hast mal gesagt, historische Romane verkaufen sich nicht gut, aber Dein Wie Honig so süß war doch ein ziemlicher Erfolg, wenn ich Dich da richtig verstanden habe. Jedenfalls hat das Buch sich nicht schlechter verkauft als andere Bücher, sagtest Du, auch wenn es kein Bestseller war.

Grundsätzlich ist das schon okay, was Du da gemacht hast, Sina. Ich habe mir das jetzt einmal angesehen. Du hast das schön nach Gwen Hayes aufgeschlüsselt. Aber du hast recht, es geht etwas zu schnell damit, dass H2 sagt, wer sie ist. In dem Moment ist richtig die Luft raus. Und zwar schon sehr früh, bevor die Geschichte eigentlich angefangen hat.

Diese Verschleierungstaktik, von der Du gesprochen hast, könnte da sehr viel mehr Spannung erzeugen. Und dann gibt es irgendwann einen großen Knall, als herauskommt, wer H2 wirklich ist.

Mit dem Geheimnis habe ich auch ein Problem bei dem Roman, den ich für den LLP einreichen will. Eine der beiden Figuren ist brutal ehrlich, will nicht lügen. Deshalb gibt es zwar am Anfang eine Art „Entdeckungsspiel“, wo sie noch nicht so richtig wissen, wer die andere ist, aber dann ist eigentlich sehr schnell alles klar.

Ich frage mich, ob das vielleicht zu wenig spannend ist. Obwohl sie dann natürlich schon einen Konflikt und völlig verschiedene Ziele haben, die sie danach verfolgen und was sie wieder auseinanderbringt. Ich frage mich, ob ich das Geheimnis, wer die andere ist, nicht länger bestehen lassen sollte.