Gedanken
Ruth Gogoll und andere Autorinnen schreiben ├╝ber Themen, die sie bewegen.

Als ich bei Hanna jetzt ├╝ber den Zusammenhalt im Forum las, dachte ich so, dass die Webseite jetzt schon fast so etwas wie ein Ersatzforum ist. Eigentlich schreiben wir hier jetzt doch genauso wie im Forum. Wir tauschen uns aus, teilen unsere Gedanken ÔÇŽ Deshalb m├Âchte ich mich jetzt auch daran beteiligen.

Du hast ein sehr interessantes Thema aufgeworfen, Hanna. Dass die gr├Â├čte, die schrecklichste Pandemie eigentlich die Menschen sind. Das h├Ątte ich nie gewagt auszusprechen, aber jetzt, wo Du es sagst ÔÇŽ kann ich Dir nur zustimmen. Eine Krankheit kann unser Leben sehr negativ beeinflussen, aber wenn es keine chronische Krankheit ist, geht sie irgendwann einmal wieder vorbei. Mit den Menschen, die uns umgeben, m├╝ssen wir unser Leben lang leben. Manchmal k├Ânnen wir sie uns aussuchen, manchmal aber auch nicht.

Das Internet hat alles noch verschlimmert. Diese ÔÇ×FreundesepidemieÔÇť (oder Pandemie?), die dadurch ausgebrochen ist. Als ob man sich Freunde nicht erarbeiten m├╝sste. Als ob man f├╝r Freundschaft nicht auch eine gewisse Intimit├Ąt braucht. Keine sexuelle Intimit├Ąt, aber das, was man eben f├╝r einen Freund oder eine Freundin empfindet, mit der man vieles teilt, viele Gedanken, die man anderen vielleicht nicht anvertrauen w├╝rde.

├ťber das Internet ist alles ├Âffentlich. Jeder kann alles lesen. Mit jedem kann ich meine Gedanken teilen. Ist deshalb jeder mein Freund?

Ganz bestimmt nicht. ­čśë Ich suche mir meine Freunde immer noch selbst aus. Und das sind nicht Hunderte oder Tausende, noch nicht einmal Dutzende, es sind nur ein paar, sehr wenige, mir besonders wichtige Menschen. Leute, die ich schon lange kenne und von denen ich wei├č, dass ich ihnen vertrauen kann. Denn Vertrauen ist das Wichtigste in einer Freundschaft. Aber wie kann ich jemandem vertrauen, den ich nur ├╝ber das Internet kenne?

In ÔÇ×unseremÔÇť Forum war das gleich ganz anders. Dort habe ich mich sofort wohlgef├╝hlt, als w├Ąre ich von Anfang an unter Freundinnen. Alle waren nett zueinander, alle haben ihre Kommentare zu dem abgegeben, was die anderen geschrieben haben, und es waren immer konstruktive Kommentare. Wenn man mal steckengeblieben ist, haben sich alle bem├╝ht, einem weiterzuhelfen. Wenn etwas nicht so ganz logisch war oder in eine falsche Richtung lief, haben sie es aber auch gesagt. Es war nicht alles nur Friede, Freude, Eierkuchen.

Das hat mir sehr gefallen, und ich habe einiges dadurch gelernt. Und deshalb freue ich mich dar├╝ber, dass es hier jetzt weitergeht, dass wir weiter unsere Gedanken teilen k├Ânnen. Auch ├╝ber diese Pandemie, die uns alle betrifft. Und vielleicht auch ├╝ber die Menschen, die eine eigene Art von Pandemie sind. Weil es Menschen gibt, die nicht nur eigens├╝chtig sind, sondern dar├╝ber hinaus auch noch mit Absicht anderen Menschen schaden wollen.

Bestimmt kennt jede so etwas in ihrer Umgebung. Leute, die einen einfach verletzen und dann auch noch in der Wunde herumbohren. Die so tun, als w├Ąre gar nichts, man w├Ąre nur zu empfindlich. Oder h├Ątte etwas falsch verstanden.

Aber was tut man gegen solche Leute? Kann man sich ├╝berhaupt dagegen wehren? Ich ├╝berlasse die L├Âsung solcher Probleme ja immer gern irgendwelchen Engeln oder h├Âheren Wesen ­čśä, aber ehrlich gesagt ist mir das im wirklichen Leben noch nie passiert. Deshalb schreibe ich vielleicht so gern dar├╝ber. Weil ich darauf hoffe, dass es vielleicht doch mal passiert.