Schreiben Lesben nicht?

Das passt jetzt gut zu dem Artikel, den ich vor ein paar Tagen geschrieben habe. Vielleicht besteht da auch irgendwie ein Zusammenhang. 😉 Es werden Hunderttausende von neuen Büchern jedes Jahr veröffentlicht, mittlerweile wahrscheinlich noch weit mehr im Self Publishing, aber wir bekommen nicht einmal 10 Romane für den LLP zusammen. Bis jetzt ist kein einziges Manuskript – kein einziges – für den diesjährigen LLP eingereicht worden, was es doch sehr unwahrscheinlich erscheinen lässt, dass der LLP dieses Jahr überhaupt stattfindet. Lesben lesen nicht und Lesben schreiben nicht, wie es scheint.

Ein Buch zu schreiben ist natürlich wesentlich anspruchsvoller und schwieriger, als ein Buch zu lesen, das ist schon klar, aber immer noch herrscht ein eindeutiger Mangel an guten lesbischen Geschichten, das ist ebenso klar. Wenn ich mir so anschaue, was es außerhalb von el!es da so gibt, das sieht doch sehr mager aus. Möchte denn niemand mehr Geschichten erzählen?

Das wundert mich. Man erlebt doch jeden Tag etwas. Das brauchte man doch nur aufzuschreiben und in eine Geschichte zu verwandeln. Oder wenn man die Nachrichten hört, die Zeitung liest oder irgendetwas im Internet – alles ist Inspiration, hinter jeder Nachricht steckt eine Geschichte, eine Idee. Man muss ja nicht alles selbst erlebt haben.

Geschichten sind Kommunikation. Über meine Geschichten möchte ich mit Menschen in Verbindung treten, die ich gar nicht kenne und die mich gar nicht kennen. Wenn sie meine Geschichten lesen, lernen sie mich kennen, wissen, wie ich denke. Und wenn ihnen das gefällt, wenn sie vielleicht ähnlich denken, fühlen sie sich auch von mir verstanden, mit mir auf derselben Wellenlänge, ohne dass wir uns je getroffen haben. So werden wir eine große Familie, ohne uns persönlich zu kennen. Das war immer mein Traum.

Wenn es keine Geschichten mehr gibt, die geschrieben werden, gibt es jedoch auch keine Geschichten mehr, die gelesen werden können und über die man sich verbunden fühlen kann. Ist das denn so erstrebenswert? Oder reichen heute die kurzen Sätze in den Social Media aus, um dieses Bedürfnis zu befriedigen? Ist das wirklich alles, was wir schreiben und lesen wollen? Wenn der LLP dieses Jahr mangels Einsendungen nicht zustandekommt, bin ich geneigt zu glauben, dass es so ist.

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