Warum mögen viele Lesben keine Liebesromane?

Im Allgemeinen wird immer behauptet, Frauen mögen und lesen Liebesromane, Männer eher nicht. Nun sind Lesben aber immer Frauen. Dennoch gibt es viele Lesben, die keine Liebesromane mögen und keine Liebesromane lesen. Sind diese Lesben also Männer?

Nein, das sicher nicht. 🙂 Aber wahrscheinlich ist ihr Gefühlsleben eher männlich geprägt. Möglicherweise sind ihnen Gefühle generell ein bisschen suspekt. Vor allem die typisch weibliche Ausprägung von Gefühlen, also die Sehnsucht nach Romantik und Tränen bei Liebesfilmen. 😎

Viele Heterofrauen fragen sich immer wieder, warum ihre Männer so ungern mit ihnen in Liebesfilme gehen und Liebesfilme meistens auch nicht besonders mögen, selbst wenn sie sich von ihrer Frau einmal dazu überreden lassen, einen anzugucken. Es gibt ja sogar den Begriff »Frauenfilme« dafür, der sich zwar nicht nur auf Liebesfilme bezieht, aber doch sehr oft synonym dazu verwendet wird.

Und nicht nur synonym, sondern meistens auch abschätzig. Ebenso wie Liebesromane rufen Liebesfilme bei manchen Leuten heruntergezogene Mundwinkel hervor. Also ob Liebe nichts Wichtiges wäre oder etwas, auf das man herabschauen müsste.

Logischerweise bin ich da völlig anderer Meinung. 😘 Und mit mir viele Frauen. Auch einige Männer. Von denen viele jedoch schwul sind, sodass auch ihr Gefühlsleben eher anders gestrickt ist als das eines Heteromannes. Aber für uns hier geht es ja ohnehin nur um Frauen.

Als ich anfing, Romane zu schreiben, merkte ich sehr schnell, dass die Lesbenkrimis, die ich ursprünglich schreiben wollte, weniger mein Genre waren als ganz auf Liebe bezogene Geschichten. Die Lesbenkrimis, die ich zuvor gelesen hatte und die mich dazu inspiriert hatten, auch so etwas schreiben zu wollen, hatten mich auch vor allem mit den Szenen eingefangen, in denen es zwischen den beiden Frauen romantisch wurde. Da ich jedoch schon mein Leben lang eine begeisterte Krimileserin war – insbesondere Agatha Christie –, war mir das gar nicht so aufgefallen.

Beim Schreiben fiel es mir dann jedoch auf. Ich fing mit einem Krimi an und landete immer bei einer Liebesszene. 😄 Das führte dann dazu, dass das erste Buch, das ich veröffentlichte, Taxi nach Paris, kein Krimi war, sondern ein Liebesroman. Obwohl es am Anfang ein Krimi hatte werden sollen.

Damals gab es keine lesbischen Liebesromane auf dem Markt. Dadurch ist wohl auch der riesige Erfolg von Taxi nach Paris zu erklären, denn das Buch hatte nicht die geringste Konkurrenz. (Und es war gut geschrieben und enthielt keine Rechtschreibfehler. 😉) Außerdem erfüllte es ein Bedürfnis, das viele lesbische Leserinnen offenbar hatten, kein Verlag – auch kein Frauenverlag – jedoch hatte befriedigen wollen. Denn die Frauenverlage damals waren keine Lesbenverlage, obwohl es eine ganze Menge Lesben dort gab. Dennoch waren die Themen eher politisch oder sozialkritisch. Auf keinen Fall unterhaltsam. Und Liebesromane . . . Darauf wurde sowieso nur hinabgeschaut. Siehe oben.

Auch das waren also offensichtlich Lesben damals, denen nicht viel an Romantik und Tränen beim Lesen von Liebesromanen lag. 😋 Ich dachte jedoch, die sind die Ausnahme. Weil ich es ja anders empfand. Ich wollte lesbische Liebesgeschichten lesen, und da ich keine fand, schrieb ich sie eben selbst.

Der Erfolg gab mir zwar recht, aber bis heute denke ich, das kann doch nur ein Bruchteil der Lesben sein, die Liebesromane kaufen. Wenn man die Zahlen so betrachtet, wie viele Lesben im »lesefähigen Alter« es eigentlich geben müsste, müssten die Verkaufszahlen viel höher sein. Das bedeutet im Rückschluss, dass die meisten Lesben wohl keine Liebesromane lesen, sondern nur ein Bruchteil der lesbischen Bevölkerung. Anders als bei Heteros, wo das Verhältnis Männer-Frauen so etwa 50:50 ist, scheint das Verhältnis bei Lesben eher zugunsten der gefühlsmäßig männlich orientierten Ausprägung auszufallen.

Und da frage ich mich: Warum ist das so? Schließlich sind wir alle Frauen. Da man bis heute nicht so genau weiß, was eine Lesbe genetisch oder biologisch nachweisbar von einer Heterofrau unterscheidet, kann man da natürlich nur spekulieren. Es gibt ja auch Heterofrauen, die keine Liebesromane mögen. Und dieser Teil des Frauseins scheint sich in Lesben vervielfacht zu haben.

Oder ist es tatsächlich der männliche Anteil? Haben Lesben, die keine Liebesromane mögen, mehr Testosteron oder so etwas? Ich glaube, wenn das so wäre, das hätte die Wissenschaft wohl mittlerweile herausgefunden. Andererseits sind Lesben so ungefähr das Letzte, womit WissenschaftlerInnen sich beschäftigen. Wenn überhaupt, wird nach dem »Schwulen-Gen« geforscht, nicht nach dem »Lesben-Gen«. Wobei man mittlerweile ja auch herausgefunden hat, dass es in der Tat mehr homosexuelle Männer als homosexuelle Frauen gibt. Früher dachte man ja meistens, das ist ungefähr gleich verteilt. Aber es gibt tatsächlich erheblich mehr Schwule als Lesben, ich glaube, fast im Verhältnis 2:1.

Dennoch gibt es immer noch genügend Lesben, die Liebesromane lesen könnten. 😄 Und doch tun es viele von ihnen nicht.

Somit bleibt also ewig die Frage: Warum? Die sich nicht beantworten lässt.

Auf jeden Fall muss man wohl davon ausgehen, dass die Bezeichnung »Frauenliteratur« und auch »Frauenfilm« auf Lesben nicht unbedingt zutrifft. Obwohl wir Frauen sind, gehen an vielen Lesben die typischen »Frauenbedürfnisse« offensichtlich vorbei.

Ich würde ja gern einmal wissen: Was genau schreckt Euch Lesben, die Ihr keine Liebesromane mögt/lest, an Liebesromanen ab? Was spricht Euch da nicht an? Warum würdet Ihr nie einen Liebesroman kaufen?

Und was kauft Ihr stattdessen? Was interessiert Euch, wenn es schon nicht die Liebe ist? 😉

Nein, das stimmt sicherlich nicht. Wir alle wünschen uns Liebe, davon bin ich überzeugt. Auch wenn manche das nach außen hin nicht so zeigen oder zeigen können. Ich kann mir keinen Menschen vorstellen, der sich tief im Inneren keine Liebe wünscht.

Aber womit befriedigen Menschen, die keine Liebesromane lesen, dieses Bedürfnis, wenn sie beispielsweise nicht in einer Beziehung sind? Denn das ist ja auch ein großer Teil der Bedeutung von Liebesromanen: Uns das zu geben, was wir im täglichen Leben nicht bekommen.

Wenn ich eine Frau habe, die mich liebt und die ich liebe (auch wenn ich das vielleicht nicht so zeige), dann brauche ich nicht unbedingt Liebesromane, das verstehe ich bis zu einem gewissen Grad noch.

Aber was ist, wenn ich allein bin? Wenn ich keine Frau habe, an die ich mich jeden Tag im Bett ankuscheln kann? Wie befriedige ich mein Bedürfnis nach Liebe dann? Nur durch Selbstbefriedigung? Das kann ich mir irgendwie auch nicht vorstellen.

Außerdem ist Selbstbefriedigung nur Sex. Das vermittelt ein schönes Gefühl – für den Moment. Aber eine Frau gibt mir doch wesentlich mehr. Das geht weit über Sex hinaus. Ich muss gar keinen Sex mit ihr haben, um mich mit ihr wohlzufühlen. 😎 Um das zu fühlen, was wir Liebe nennen. Das ist eine viel allumfassendere Empfindung.

Ich fürchte, es wird mir immer ein Rätsel bleiben, warum es Lesben gibt, die keine Liebesromane lesen. Das habe ich jetzt auch durch diesen Artikel nicht lösen können.

Aber man muss ja auch nicht alle Rätsel lösen. Manchmal ist ein Rätsel, das ein Rätsel bleibt, viel spannender als eins, das gelöst wird. So hat man doch immer noch etwas, worüber man nachdenken kann. 🤓

Das Kommentieren ist nicht mehr möglich

  • Keine Kommentare vorhanden

Weitere Artikel, zufällig ausgewählt

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
  • 11
  • 12
  • 13
  • 14
  • 15
  • 16
  • 17
  • 18
  • 19
  • 20
  • 21
  • 22
  • 23
  • 24
  • 25
  • 26

Suche

Kontaktformular
Diese Webseite verwendet Cookies, um vollständig zu funktionieren. Es gibt keine Tracker und keine Weitergabe Ihrer Nutzungsdaten an Dritte.