Über das Schreiben

Alles rund ums Schreiben: Sorgen und Ängste von Schriftstellern, Gedanken anderer Autoren über die Schreiberei, Zitate, Gedichte . . .

Kommentare bestimmen die Rangfolge

Da der Märchenwettbewerb ja nun schon zwei Wochen läuft und nur noch eine Woche übrig ist, möchte ich einmal ein paar grundsätzliche Worte darüber verlieren, wie ein Wettbewerb bei el!es abläuft, da das doch ein bisschen anders ist als bei anderen Wettbewerben.

Die meisten Wettbewerbe, vermutlich alle, verlassen sich nur auf die abgegebenen Stimmen, Kommentare zu den einzelnen Einsendungen haben keine Bedeutung. Bei uns ist es genau umgekehrt. Die Kommentare haben eine ganz entscheidende Bedeutung, eine viel größere als die abgegebenen Stimmen. Das war schon immer so, und alle, die schon einmal an einem unserer Wettbewerbe teilgenommen haben oder ihn als Leserin verfolgt haben, werden das wissen.

Viele, die an diesem Märchenwettbewerb teilnehmen, sind Neulinge auf der el!es-Seite, deshalb sind sie wahrscheinlich davon ausgegangen, dass sie nur das Ranking verfolgen müssen, um zu wissen, wer gewinnt. So ist es aber nicht. Die abgegebenen Stimmen zeigen uns durchaus einen gewissen Trend, aber wenn dauerhaft eine Geschichte in Führung liegt, die unserer Meinung nach nicht die beste Geschichte ist, schauen wir, ob alle Leserinnen, die für diese Geschichte gestimmt haben, auch einen positiven Kommentar für diese Geschichte abgegeben haben. Wenn das nicht der Fall ist, werden die Stimmen, die allein für diese Geschichte abgegeben worden sind und für keine andere Geschichte abgestimmt haben, bei der Bewertung abgezogen. Dann bleiben nur noch diejenigen übrig, die entweder für mehrere Geschichten abgestimmt haben oder einen Kommentar für genau diese Geschichte geschrieben haben. Das sind erheblich weniger als die, die momentan in der Liste stehen.

Eine zweite Sache, die ich auch gern erwähnen würde, ist, dass sich die Autorinnen, die etwas eingereicht haben, für diesen Wettbewerb, zumindest aber für ihre eigene Geschichte, interessieren und die Kommentare dazu auch beantworten, sich aber wenigstens dafür bedanken sollten. Denn die Kommentatorinnen, die zum Teil sehr ausführliche und tiefgehende Kommentare abgegeben haben, tun das in ihrer Freizeit, die sie auch anders verwenden könnten, als einer Autorin Hinweise zu geben, wie sie sich verbessern kann, und das auch noch kostenlos.

Da sie zumeist auch Autorinnen sind, könnten sie beispielsweise in derselben Zeit auch eine eigene Geschichte schreiben, die dann bei el!es veröffentlicht würde. Darauf verzichten sie zugunsten einer Autorin, die sie noch nicht einmal kennen, um ihr zu helfen. Und dann kommt von dieser Autorin noch nicht einmal ein Danke geschweige denn eine ausführliche Antwort auf dieses großzügige Geschenk der Kommentatorinnen.

Deshalb werden Autorinnen, die sich nicht bedankt haben und nicht auf die einzelnen Kommentare eingegangen sind, bei der Endbewertung nicht berücksichtigt, egal wie viele Stimmen ihre Geschichte hat.

Eine Autorin, die hier etwas eingereicht hat, sollte auch die anderen Märchen kommentieren, die hier eingereicht worden sind, um ihren Respekt vor ihren Kolleginnen zu zeigen. Es geht hier nicht darum, zu gewinnen, sondern sich gegenseitig zu helfen, zu zeigen, dass man eine wirkliche Autorin ist. Eine wirkliche Autorin interessiert sich nicht nur für sich selbst und ihre eigene Geschichte, sondern auch für die der anderen.

Somit werden auch Autorinnen, die die Geschichten ihrer Kolleginnen nicht kommentiert haben, mit einem Punktabzug rechnen müssen.

Wir hier bei el!es betrachten uns als eine große Familie. Und innerhalb einer Familie hilft man sich gegenseitig, es ist ein Geben und Nehmen. Wenn man nur nimmt und nichts gibt, passt man nicht zu el!es. Und das möchten wir mit dem endgültigen Ranking zu diesem Wettbewerb auch klarmachen. Wenn eine Autorin, die sich noch nicht einmal bedankt hat, hier gewinnen würde, wäre das ein Schlag in das Gesicht aller anderen Autorinnen.

Wir möchten, dass die beste Geschichte gewinnt, aber die beste Geschichte von der Autorin, die auch diesen Wettbewerb und ihre Kolleginnen respektiert.

Märchen für die Lesbenwelt

Gibt es eigentlich bereits lesbische Märchen? Damit kenne ich mich überhaupt nicht aus, weil ich keine Kinder habe, doch die Autorinnen im el!es-Schreibforum haben gerade ihre Kindheit wiederentdeckt 😉, und so haben wir – nachdem Charlie (Hugo – »Lieben heißt vertrauen«), den Vorschlag gemacht hatte – gemeinsam beschlossen, neue (lesbische) Märchen zu schreiben und ein ganzes Buch daraus zu machen.

Wie mir bereits früher auffiel, sind Märchen eigentlich die Vorläufer von Fantasy. Nur sind sie sehr kurz, während Fantasyromane eher so niemals aufhören. Die fangen oft bei zweihunderttausend Wörtern erst an. Und das ist nur der erste Band. 😉

Märchen hingegen kommen mit sehr wenigen Wörtern aus, bestehen manchmal nur aus einer einzigen Druckseite. Denn dort geht es in erster Linie um die Moral. Märchen sollen erzieherisch wirken, eine bestimmte Lebenssituation abbilden und deren Lösung aufzeigen. Gut und Böse sind eindeutig definiert. Die Guten gewinnen. Die Bösen verlieren und werden meist noch sehr schmerzhaft für ihre Boshaftigkeit bestraft.

So wurden Kinder früher erzogen: durch Strafe, und Märchen spiegeln das wider. Sie sollen die Kinder davon abhalten, Böses zu tun, indem sie ihnen die Konsequenzen in sehr harter Manier aufzeigen. Deshalb sind Märchen heutzutage aus vielen Kinderzimmern verschwunden, weil man sie als zu brutal betrachtet. Man will nicht mehr mit Drohungen erziehen, sondern mit Verständnis und Liebe. Auch wenn man selbst mit gutem Beispiel vorangeht, können die Kinder davon etwas lernen. Oftmals hat regelwidriges Handeln der Kinder gar keine Konsequenzen mehr oder nur sehr harmlose – wenn es denn überhaupt Regeln für sie gibt. Da ist das Pendel manchmal etwas zu weit in die falsche Richtung ausgeschlagen.

Aber das ist ein anderes Thema. Um Kindererziehung geht es hier in diesem Artikel nicht. Es geht um eine andere Art von Märchen. Lesbische Märchen, in denen die alten Muster, die wir alle kennen, auf lesbische Art neu interpretiert werden.

Nun kam im el!es-Schreibforum die Idee auf, daraus einen Märchengeschichtenband zu machen, in der Art, wie es schon die Adventsgeschichtenbände gibt, die all die Geschichten zusammenfassen, die im Adventskalender des Vorjahres erschienen sind. Um genügend Geschichten dafür zusammenzubekommen, wäre ein Wettbewerb geeignet, wie wir ihn auch schon mehrmals für die Adventsgeschichten veranstaltet haben.

Nach den Krimis nun also Märchen. 😉 Auch wenn das im ersten Moment fast wie das Gegenteil erscheint, sieht es, wenn man genau hinschaut, gar nicht so anders aus. Geht es in Märchen nicht oft auch um Verbrechen? Um böse Taten, die bestraft werden müssen? Nur dass man normalerweise nicht darüber nachdenken muss, wer es getan hat. Das weiß man schon. Die böse Hexe, der böse Zauberer, der böse König, die böse Königin, die neidische Schwester, der eifersüchtige Bruder. Sie alle müssen für ihre schlechten Charaktereigenschaften büßen – zumindest, wenn sie ihr Verhalten danach ausrichten.

Krimis sind meist sehr moralisch. Die meisten KrimiautorInnen sind MoralistInnen. Wir wollen die Welt verändern, sie zu einem besseren Ort machen, daran erinnern, was passiert, wenn man dieses Ziel vergisst. Mord und Totschlag sind die Folge. Das ist oft auch in Märchen so.

Weil in Krimis die Schuldigen meistens bestraft werden, sind sie wirklich fast so etwas wie moderne Märchen, denn in der Realität ist das leider immer weniger der Fall. So können also sowohl Krimis als auch Märchen Wege aufzeigen, wie man in einer besseren Welt friedlich miteinander leben kann.

Unsere Märchen hier bei el!es sollen aber natürlich auch noch einen anderen Sinn haben: Sie sollen die lesbische Komponente einbringen, die in Märchen überhaupt keine und in Krimis (außer in meinen 😉) nur selten eine Rolle spielt.

Deshalb bin ich nun sehr gespannt darauf, wie die lesbischen Märchen für unseren Märchengeschichtenwettbewerb dann aussehen werden. Welche Märchen werden überhaupt neu geschrieben werden »in lesbisch«?

Im el!es-Schreibforum haben wir schon einmal mit Dornröschen angefangen und dem Froschkönig, auch Rapunzel und Schneewittchen wurden als Vorlagen genannt. Aber es gibt natürlich noch viel mehr.

Das sehr lobenswerte »Projekt Gutenberg« hat alle Märchen der Gebrüder Grimm hier kostenlos zur Verfügung gestellt, für diejenigen, die sich aus ihrer Kindheit nicht mehr so genau an die einzelnen Märchen erinnern.

Auch Kunstmärchen wie die von Hans Christian Andersen gibt es dort zu lesen. Wer kennt nicht „Des Kaisers neue Kleider“ oder „Die kleine Meerjungfrau“, „Das hässliche Entlein“ oder „Die Schneekönigin“? Und das sind nur einige seiner vielen, vielen Märchen. 

Und Die Nachtigall und die Rose“ von Oscar Wilde, ein Kunstmärchen genauso wie diejenigen von Wilhelm Hauff.

Als Kind habe ich Kalif Storch wahnsinnig geliebt. Ich hatte da eine Schallplatte – nun kann sich jeder ausrechnen, wie alt ich schon bin 😅 –, die ich immer und immer wieder gehört habe. Auch „Das kalte Herz“ von Wilhelm Hauff wäre eine wunderbare Vorlage für eine neue Geschichte, denn die Moral ist heute noch viel aktueller als damals: Was nützt einem alles Geld der Welt, wenn man nicht mehr lachen kann, keine Freude mehr empfinden kann?

Es gibt also eine große Auswahl von Vorlagen, aus denen man lesbische Märchen machen könnte.

Ich hoffe, alle haben viel Spaß dabei. 😃

LibreOffice - kostenloser Word-Ersatz

Was braucht man, um einen Roman zu schreiben? Eine Textverarbeitung. 😎

Sehr viele verwenden da Microsoft Word. Aber das kostet Geld. Und es beinhaltet viele Funktionen, die man beim Schreiben reiner Texte – wie eben Romane – gar nicht braucht. Das einzige, was man außer der normalen Standardformatierung braucht, ist die Möglichkeit, Text kursiv zu setzen.

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Henrietta wird vorgelesen ... ????????

Ich schrieb ja schon einmal, dass ich mir meine Texte oder auch die Texte, die ich lektoriere, gern von Word vorlesen lasse, um besser Fehler finden zu können. Die Computerstimme, die das in Word vorliest, heißt „Hedda“. Eine durchaus angenehme Stimme, die auch sehr schön liest. Dazu muss man in Word nur anklicken „Laut vorlesen“, und schon legt „Hedda“ los. 😎 Bei mir gibt es dann zur Auswahl auch noch „Katja“ oder „Stefan“, falls man eine männliche Stimme bevorzugt.

Insbesondere, um Kommafehler zu finden, ist „Hedda“ gut. Sie macht nämlich nach jedem Komma eine lange Pause, so dass man genau merkt, wo man eins vergessen hat, oder auch, wo eins fehlt. Eine wirklich große Hilfe für alle, die die Kommaregeln nicht so gut beherrschen. Hedda sagt, ob es richtig ist oder nicht. 😊 Aber auch Rechtschreibfehler findet sie natürlich, denn sie liest das vor, was da steht, ob es richtig geschrieben ist oder nicht. Ist es falsch geschrieben, hört sich das Wort dann ganz komisch an, und man kann es im Text korrigieren, bis es richtig klingt. Auch fehlende Wörter fallen auf diese Art sofort auf, weil man sie beim Vorlesen vermisst. Dasselbe gilt natürlich auch für doppelte, aber die zeigt Word bei der Rechtschreib- und Grammatikprüfung normalerweise ohnehin an und fragt nach, ob man das doppelte Wort löschen will.

Außer Hedda gibt es jedoch noch andere Stimmen. Die kann man meistens nur über zusätzliche Apps installieren, und sie funktionieren auch nur in diesen Apps. Ich habe mir nun zusätzlich über die App MWS Reader die Stimme „Marlene“ installiert. Man kann sich eine Demoversion von „MWS Reader“ herunterladen, die man kostenlos 15 Mal benutzen kann. Dann muss man sie kaufen. In dieser App steht die Stimme „Marlene“ zusätzlich zum Download bereit.

Hier nun einmal ein Beispiel, um den Unterschied der beiden Stimmen zu hören. Hedda und Marlene lesen das heutige Kapitel von Henrietta Murbel und die Schaufensterpuppe (16) 😁 🎤:

Hedda liest vor

Marlene liest vor

Es ist wahrscheinlich Geschmackssache, aber mir gefällt die Stimme Marlene noch etwas besser als die auch nicht schlechte Hedda.

So ungefähr dazwischen liegt die Stimme der „Steffi“, die mir vom Klang her auch gut gefällt, aber doch etwas „computermäßiger“ klingt als insbesondere Marlene.

Steffi liest vor

Es wäre interessant zu beobachten, wie weit sich Computerstimmen in den nächsten Jahren noch entwickeln. Denn früher einmal klang das so:

Anna liest

Das ist schon ein gewaltiger Unterschied, oder? Was sich da in den letzten Jahren getan hat. Mit Annas Stimme hätte ich mir meine Texte wohl kaum vorlesen lassen, um Fehler zu finden. 😃 

 

 

 

Ein Miss-Marple-Krimi als Fortsetzung ????‍????

Ist es ein Miss-Marple-Krimi? Nein, natürlich nicht wirklich. Wenn ich einen Krimi mit Miss Marple als Hauptfigur schreiben wollte, müsste ich erst einmal die Rechte an der Figur erwerben bzw. müsste die Rechteinhaber fragen, ob ich die Figur verwenden darf. Was mir die Agatha-Christie-Limited wahrscheinlich nicht erlauben würde, aber selbst wenn, könnte ich mir die Lizenzgebühren nicht leisten. Eine so populäre Figur wie Miss Marple wäre sicherlich sehr teuer.

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Ist Fluchen erlaubt?

In praktisch jedem LLP kommt die Diskussion wieder auf, weil es immer wieder Autorinnen gibt, die genauso schreiben wie sie anscheinend im Alltag reden. Und so kommen auch Schimpfwörter, Flüche usw. im Text vor. (Das Umgekehrte, dass die Autorin sehr hochgestochen schreibt, weil sie im Alltag beispielsweise Dozentin an der Uni ist, kommt übrigens auch vor, und auch dort sollte man nicht so schreiben, wie man im Alltag spricht.)

Schimpfwörter und Flüche sind tatsächlich Teil unseres Alltags. Wer hat nicht schon mal geflucht, wenn etwas schiefgegangen ist? Aber was man sagt und was man schreibt, sind zwei verschiedene Dinge, das ist Anfängerinnen im Schreiben – insbesondere wenn sie sich noch nicht mit dem Handwerk des Schreibens beschäftigt haben – oft nicht klar.

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Immer dieser Realismus ;)

In etlichen Kommentaren beim LLP jetzt wird immer wieder der Realismus erwähnt. Alles sollte so realistisch wie möglich beschrieben werden, meinen die Kommentatorinnen. Mit viel Recherche sollte die Autorin jedes Detail wie auf einem messerscharfen Foto abbilden, bloß nichts vergessen, was in einer Situation passieren könnte oder die Voraussetzung dafür ist.

Recherche ist wichtig, ganz ohne Zweifel, denn manchmal stehen einem wirklich die Haare zu Berge, wenn man merkt, dass die Autorin alle Grundlagen zu ihrem Roman nur aus dem Fernsehen oder aus Wikipedia kennt. Oder dass sie sogar überhaupt nicht recherchiert hat. Was besonders dann auffällt, wenn es um ein Szenario geht, das nun einmal Recherche erfordert.

Was aber auch wichtig ist, ist das Loslassen, dass Sich-trennen von der Realität, der Übergang in die Phantasie. Denn das ist es, was ein Roman ist: ein Phantasieprodukt. Ein Roman ist Fiktion, die Realität darf durchaus mit hineinspielen, ist sicherlich bei den meisten Romanen, die nicht gerade dem Fantasygenre angehören, auch die Grundlage des Handlungsablaufs, aber das Entscheidende ist die Phantasie der Autorin. Sie erfindet die Figuren, gestaltet sie und bestimmt den Aufbau der Geschichte, die Spannung, die Dramaturgie.

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Die beste Schreibwerkstatt im Netz

Eben kam mir so der Gedanke, dass der Lesbische LiteraturPreis wirklich die beste Schreibwerkstatt im Netz ist. Denn wo werden so viele verschiedene Auszüge parallel eingestellt und besprochen? Konstruktiv besprochen. Mit der eindeutigen Absicht, der Autorin zu helfen und sie zu unterstützen?

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Später wird es spannend

Nach den ersten Tagen beim LLP stelle ich fest, dass es sehr viele sehr gute Geschichten gibt, bei denen der Anfang so spannend und mitreißend geschrieben ist, dass man sich kaum losreißen kann und immer weiterlesen möchte, sich richtig ärgert, wenn der Auszug dann zu Ende ist, und andere, bei denen in dem ganzen Auszug, den wir eingestellt haben, im Prinzip nichts passiert. In der Tat langweilt man sich während des ganzen Auszugs dort manchmal zu Tode, bricht vielleicht sogar vor Ende des Auszugs ab, weil einen nichts in die Geschichte hineinzieht.

Oftmals teilt die Autorin dann auf Nachfrage mit: „Ja, später wird es aber noch richtig spannend.“

Dazu kann ich nur sagen: „Später“ nützt leider nichts. Am Anfang muss es spannend sein, damit die Leserin sich angesprochen fühlt, damit sie weiterliest.

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„Plot driven“ oder „Character driven“

Es gibt quasi zwei „Schulen“, wie man eine Geschichte erzählen kann. Die eine treibt den Plot mit Handlung voran (manchmal sagt man statt „Plot driven“ auch „Action driven“ – beides würde man im Deutschen mit „Von der Handlung vorangetrieben“ übersetzen), die andere mit der Entwicklung der Charaktere, der Figuren.

Sol Stein sagt in seinem klassischen Schreibratgeber ganz eindeutig: „Die Figuren machen die Geschichte“. Der Meinung bin ich auch, und es ist auch meine Art zu schreiben. Ich konzentriere mich auf die Figuren, auf deren Gedanken und Gefühle, weniger auf die Handlung. Durch die Entwicklung der Figuren und das, was zwischen ihnen geschieht (aber auch, was in ihren Gedanken und Gefühlen passiert), wird die Geschichte vorangetrieben.

Geschichten, in denen eher die Handlung im Mittelpunkt steht, sind meistens so etwas wie Thriller, Krimis, Actionfilme. Dort sind die Figuren fast nur Staffage. Gedanken und Gefühle interessieren wenig, man muss nicht viel über sie wissen, denn alles, was geschieht, geschieht ganz konkret in Form von explodierenden Bomben, blutigen Morden, Verfolgungsjagden oder Schlägereien, Entführungen, Drohungen – Dingen, die mehr mit Muskeln als mit Gehirn zu tun haben.

In einem Liebesroman ist es meistens anders. Dort geht es fast ausschließlich um Gedanken und Gefühle, um Wünsche und Sehnsüchte, unerfüllte und erfüllte Träume, den Weg dahin. Die Phantasie spielt eine größere Rolle als das, was konkret passiert.

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