Die Evil Queen von el!es

Ich würde so gern mal eine richtig böse Figur erschaffen. Gerade eben habe ich mal wieder Once Upon A Time geguckt, wo Regina zwar momentan leider überhaupt nicht böse ist, aber meine Frau und ich sitzen hoffnungsvoll vor jeder neuen Folge, dass sie doch mal wieder ihr »Ich werde euer Glück zerstören, und wenn es das letzte ist, was ich tue!« loslässt und ihre dunklen Augen vor Boshaftigkeit blitzen.

Böse Figuren sind viel interessanter als gute Figuren. Das sieht man bei Once Upon A Time deutlich. Alle guten Figuren sind eigentlich blass, nur die bösen Figuren bringen Farbe in die Geschichte – und wenn es, wie bei Regina, ein elegantes Schwarz ist.

Böse Figuren sind flexibler als gute Figuren. Gute Figuren können nur gut sein, böse Figuren sind zwar böse, aber sie können – aus den verschiedensten Gründen – gute Dinge tun, ganz überraschend. Und man weiß nie genau, wie sie reagieren. Sie sind unberechenbar.

Zwar ist das Ende immer böse, aber der Weg dahin kann in heftigen Serpentinen verlaufen, deren Ausgang nicht absehbar ist. Es kann sogar zeitweise so erscheinen, als würde die Figur sich zum Guten wenden. Deshalb ist Regina, die Evil Queen, in Once Upon A Time so viel interessanter als Emma.

Als ich Swan Queen schrieb, wo Regina und Emma dann ein Paar werden, war es in gewisser Weise schon schade, dass Regina zwar böse erschien, aber dann notgedrungen doch gut werden musste. Denn wer will schon eine Psychopathin als Freundin? Emma bestimmt nicht.

Zum Schluss wurde aus Swan Queen »Wachgeküsst«, und da hatte ich dann äußerste Mühe, Avalon – die auf Regina basiert – böse erscheinen zu lassen, obwohl sie ja schon von Anfang an dazu bestimmt war, mit Riley (Emma) zusammenzukommen. Avalon verliert dadurch diese charmante Boshaftigkeit, die Regina immer hatte und hat. Sie wird berechenbar und damit in gewisser Weise langweilig.

Leider geht auch die Serie genau diesen Weg. Regina wird immer mehr weichgespült, verliebt sich, leidet unter der Trennung, benimmt sich wie eine ganz normale Frau, tut niemandem mehr etwas Böses. Sehr, sehr schade. Die ganze Figur wird dadurch zerstört. Deshalb werden in OUAT jetzt auch immer andere Bösewichte eingeführt, um das auszugleichen, aber keiner von denen hat den Charme von Regina (oder auch von Rumpelstilzchen, der als Mr Gold auch so seine Phasen hat, in denen er mehr gut als schlecht ist).

Woher kommt der Charme einer an sich doch bösen Figur? Warum sind zynische Figuren oft sympathischer als naive Figuren? Weil sie mehr wissen, wie die Welt tatsächlich ist? Weil wir uns deshalb besser in ihnen wiederfinden als in einer Figur, die meint, die Welt und die Menschen wären alle gut? Denn wir wissen, dass das nicht so ist.

Ich kann mit einer bösen Figur viel mehr machen. Regina lässt Leute einfach hinrichten, ganze Dörfer abschlachten, reißt Menschen die Herzen heraus, um sie in ihrem Tresor einzuschließen und damit die Menschen zu kontrollieren, deren Herz sie besitzt und die alles tun müssen, was sie diesem Herzen befiehlt. Sie kann das Herz auch in ihrer Hand zu Staub zerbröseln, dann sterben die Menschen, denen es gehört. Sie ist also ein richtig böser Mensch. Und trotzdem lieben sie alle. Trotzdem wollen wir nicht, dass es ihr schlecht geht, dass sie leiden muss. Wir wünschen ihr quasi alles Gute, obwohl das das Letzte ist, was sie anderen Menschen antut.

Vielleicht beruht darauf auch ein bisschen die Faszination der Serienkiller, die heute so beliebt sind. Obwohl ihnen die Unberechenbarkeit fehlt, was ich wiederum langweilig finde. Nicht aber die Mehrheit der Leserschaft oder der Zuschauerschaft von Serien wie Dexter. Wir lieben das Böse, obwohl wir es in unserem Umfeld nicht haben wollen. Wären Regina oder Dexter unsere Nachbarn, würde uns das wohl nicht gefallen.

Nun ja, Regina wäre zumindest ein netter Anblick. cool Ich würde wirklich sehr gern eine Figur wie sie erschaffen, und sie dann in Serie morden lassen. Nicht als eine dieser seelenlosen Serienkiller, die es schon gibt, sondern mit einem Teil, der so charmant ist, dass ihr niemand widerstehen kann.

Es gab einmal ein Buch, in dem eine Frau immer Männer tötete, die zuvor Frauen vergewaltigt hatten. Sie lebte ansonsten als ganz normaler Mensch in einer Vorstadt, eine unscheinbare Hausfrau, aber nachts zog sie los und bestrafte die Täter. Oder verhinderte deren Taten, wenn sie konnte. Sie hatte dafür extra trainiert, sich körperlich soweit gestählt, dass es ihr sogar möglich war, die Männer mit bloßen Händen zu töten. Karateschlag oder so etwas. Sie war eine Mörderin, eine mehrfache Mörderin, sie hatte kein schlechtes Gewissen (gut, warum auch?), und sie lebte tagsüber so harmlos, dass ihr niemand auf die Schliche kam. Niemals hätte jemand in dieser anscheinend so normalen Hausfrau eine Serienkillerin vermutet – die so schnell auch nicht aufhören würde. Dafür hätten die Männer mit ihren Taten aufhören müssen.

Ich fand sie sehr sympathisch. Sie tat das, was das Rechtssystem nicht in der Lage ist zu tun. Was aber richtig wäre. Dennoch hätte sie das alles nicht tun können, wenn sie nicht ein wenig psychopathisch gewesen wäre. Denn so sehr ich mir das wünschen würde, dass solche Männer aus dem Verkehr gezogen würden, ich würde es doch niemals selbst tun. Obwohl ich wüsste, dass die Kerle es verdient haben, würde ich mir Vorwürfe machen, jemandem das Leben zu nehmen. Und wenn es noch so ein schlechter Mensch ist. Etwas anderes ist es natürlich, wenn er mich persönlich angreift und ich mich in dem Moment verteidigen muss. Da hätte ich kein schlechtes Gewissen.

Das Buch endete damit, dass die Frau gemütlich in ihrem Sessel saß und las, eine neue Meldung in der Zeitung von einem Täter, der mal wieder freigesprochen wurde, und darauf wartete, dass die Sonne untergehen würde, damit sie auf ihren nächsten Streifzug gehen konnte, zu ihrem nächsten Mord an genau diesem zu Unrecht freigesprochenen Mann. Ich fand absolut nichts Schlimmes dabei, und ich denke, das Buch wäre nicht so gut verkauft worden, wenn andere es nicht genauso gesehen hätten. Das Buch gibt es leider nicht mehr, es ist schon mehrere Jahrzehnte her.

So eine Figur schwebt mir aber nicht vor, denn obwohl sie einen psychopathischen Touch hat, ist sie nicht wirklich böse. Sie bestraft die Bösen. Bei Regina und den richtigen Bösewichtern ist es aber so, dass sie auch die Guten töten, die Unschuldigen, die Harmlosen. Dass sie jedem das Herz herausreißen, wenn sie es gebrauchen können. Alles, was sie im Sinn haben, ist ihr eigener Vorteil. Und die Macht über andere. Regina will, dass alle ihr gehorchen, sie als die Königin anerkennen und vor ihr auf die Knie fallen. Ich habe schon mal die Figur Adriana erschaffen in »Raven«, die ähnlich ist, aber sie ist nicht wirklich charmant. Deshalb ist sie am Schluss auch tot.

Falls ich es also nicht schaffen sollte, eine richtig charmante Bösewichtin zu erschaffen, vielleicht gelingt es ja einer anderen Autorin. Beim LLP ist immer Platz dafür. laughing Aber auch sonst würde ich mir so ein Manuskript sofort anschauen, wenn es uns zugesandt würde.

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    Was Neues zum Thema "Spezial" ;)

    Arbeitstitel: Süße Bestrafung

    Der Club

    Mit erwartungsvoller Vorfreude betrat Catherine den Hauptraum des Clubs „The Empress“ und warf einen Blick in die Runde. Die Mittdreißigerin strahlte eine sanfte Mischung aus Kontrolle und Selbstbewusstsein aus und hielt sich durch Training und gelegentlichen Verzicht in guter Form. Gut genug, sodass die engen Hosen aus Leder sich ebenso an ihren Körper schmiegten wie die kniehohen Stiefeln und das bauchfreie Top. Das braunschwarze Haar hatte Catherine in einen einfachen Pferdeschwanz zusammengefasst, damit es ihr nicht im Weg war, und es verlieh dem schlanken Gesicht mit den braunen Augen gleich noch eine strenge Note. Auch wenn das Lächeln auf ihren fein geschwungenen Lippen diesen Eindruck im Momenten deutlich abmilderte.

    Der Eingangsbereich des Clubs, der ein wenig an ein kleines Hotelfoyer erinnerte, war leer und auch hier im großen Raum waren nur wenige Leute anwesend. Gut, es war nie gerammelt voll, aber meistens fanden sich doch einmalige Besucher oder mitunter kleine Gruppen ein. Heute war jedoch nur ein kleiner, harter Kern aus Mitarbeitern und Clubmitgliedern anwesend.
    Beiderseits des Raumes gab es durch Vorhänge abtrennbare Separees mit verschiedenen Einrichtungen, vom südländischen Divan bis zum Andreaskreuz. Die meisten davon waren jedoch im Moment dunkel und genauso leer wie ein Großteil der im Raum und um die zentral gelegene Hauptbühne verteilten Sitzgelegenheiten. Auch die Bar an der Rückwand des Raumes wurde derzeit aushilfsmäßig von einem der Clubmitglieder geführt. Inzwischen waren sie alle miteinander und vor allem mit den Eigentümern, von denen Catherine die eine und ihr Bruder der andere war, befreundet.

    Die Besitzerin musste unwillkürlich grinsen, als sie die dunkelhaarige Sub erkannte, die ihrem Dom bei der Bar half und ihm stets misstrauische Blicke zuwarf.
    Andere Paare hatten eine Spielzeugkiste, andere Doms besaßen eine Tasche mit Utensilien. Leonardo und Diana hatten in ihrer Wohnung ein großes Fach in einem Schrank. In dieses Fach konnte die Sub all das hineinlegen, von dem sie nicht wollte, dass es ihr Dom die nächsten Monate noch einmal verwendete. Denn ihr Herr und Meister war äußerst kreativ und nutzte gerne Situationen und Dinge, die man normalerweise nicht mit den Vorlieben des Paars in Verbindung bringen würde. Dementsprechend achtsam war Diana inzwischen geworden und versuchte immer zu erkennen, wann ihm wieder eine neue Idee überkam. Ein schwieriges und oftmals nicht erfolgreiches Unterfangen, das ihr jedoch nie die kribbelnde Mischung aus freudiger Erwartung und Furcht vor dem nahm, was er ihr als nächstes antun würde.
    „Was meinst du“, mit einem breiten Lächeln wandte sich Catherine nun an ihre eigene Begleitung, „wie viele neue Möglichkeiten hat Sire Leonardo wohl heute gefunden?“

    Die junge Frau an ihrer Seite hatte sich bis jetzt recht uninteressiert umgesehen, schließlich kannte sie den Club selbst ja ebenfalls schon seit ein paar Jahren. Auch wenn sie früher deutlich nervöser und aufgeregter gewesen war, denn hier hatte sie eine ganz besondere Welt kennengelernt. Wenn auch nicht auf angenehme Art und Weise, diese kam nämlich erst mit der Frau an ihrer Seite.
    Bei deren Frage blickte sie nun zu Catherine auf und meinte schließlich mit einem frechen Grinsen:
    „Hm... keine Ahnung. Vielleicht hat er ein paar Eiswürfel für ihre Körperöffnungen gefunden.“
    Anders als Diana war Lucy nicht vollkommen unterwürfig und ständig auf Konfrontationskurs. Renitent und rebellisch konnte Catherine, zum Glück für beide, mit ihren Launen und Wesenszügen umgehen und vertiefte damit die gegenseitigen Gefühle noch. Auch wenn die Jüngere oftmals auf dem Boden gehalten werden musste, mitunter sogar im wahrsten Sinn des Wortes.

    „Warum sind wir hier, Mylady?“, fragte Lucy deutlich sanfter und lächelte sogar kurz. Dank ihrer gepiercten Lippe verlieh ihr das immer einen verwegenen Touch, und auch ihre Kleidung war anders als die ihrer Domina. Zerrissen und gewollt kaputt aussehend, passte sie zu den fransigen Haaren, die gerade lang genug waren, sodass Catherine sie packen konnte. Die grünen Augen der Jüngeren wirkten intelligent und doch schimmerte immer ein gewisser Trotz in ihrem Blick.
    „Du hast dir deine Frage soeben selbst beantwortet, meine kleine Lulu“, erwiderte Catherine, wohl wissend, wie sehr ihrer Sub dieser Kosename missfiel. In einer Hand hielt sie derzeit eine Sporttasche mit ihren persönlichen Utensilien, doch mit der freien Hand wies die Domina auf die Tür rechts neben der Bar. Im Gegensatz zu dem Gegenstück auf der linken Seite, führte diese nicht etwa zu Lager- und Geschäftsräumen. Nein, hinter dieser Tür lag ein privater Umkleidebereich für die Subs unter den Angestellten oder Clubmitgliedern.

    Bei den Worten Catherines zuckte die junge Frau zusammen, denn diesen benutzte Catherine nur, wenn sie dabei war, Kopfüber in ein Fettnäpfchen zu springen. Für einen Moment verlor Lucys Gesicht den aufmüpfigen Ausdruck und sie hatte sogar den Anstand, betreten dreinzublicken.
    „Willst du deine Kleidung schon hier unten verlieren? Ich bin sicher, die Anwesenden werden sich über den Anblick freuen“, diesmal war jene Strenge in Catherines Stimme zu vernehmen, die Lucy gefangen und von ihren schlechten Erfahrungen befreit hatte.

    „Du bist heute noch renitenter als sonst und alles lasse ich dir nicht durchgehen. Also, benimmst du dich, während ich mit Sire Leonardo spreche oder bringst du deine Kleidung weg?“ Für den heutigen Tag hatte sie zwar eigentlich geplant, mit ihrer Kleinen in einen der Privaträume im ersten Stock oder vielleicht sogar in die Bibliothek zu gehen. Doch sollte sich Lucy zu aufmüpfig zeigen, würde vielleicht noch eine öffentliche Vorführung daraus.

    Lucys demütige Haltung hielt jedoch nicht lange an und bei der Ankündigung zuckte sie mit den Schultern. „Ich benehme mich Mylady“, flötete sie zuckersüß und blinzelte zu Catherine auf.
    Sie hatte wirklich das Gesicht eines Engels und die Augen eines Teufels. Das hatte auch der Mann festgestellt, der sie vor so langer Zeit in diesen Club geführt hatte. Allerdings konnte er mit ihrem Wesen nicht umgehen und am Ende hatte ihn die junge Wilde bloßgestellt. Eine Tracht Prügel war die Folge gewesen, die Catherine schließlich durch ihr Auftauchen unterbinden konnte, bevor er zu weit gegangen wäre. Für eine der Ohnmacht nahe Lucy war ihre jetzige Domina jedoch ein wahrer Engel gewesen. Ein wunderschöner Engel, wie sie seither immer wieder festgestellt hatte, und als die Gefühle sie überkamen, schmiegte sich die Jüngere an diese und atmete tief durch.

    „Ich liebe dich, Mylady“, murmelte die Sub leise. Als fiele es ihr nach all den Jahren immer noch schwer, diese Worte zu sagen, die zuvor noch kein anderer Mensch von ihr gehört hatte.
    Die Züge der älteren Frau wurden bei den Worten deutlich weicher und lächelnd legte sie einen Arm um Lucy, um sie auf die Stirn zu küssen. Dann erwiderte Catherine ebenso leise:
    „Ich liebe dich auch, mein kleiner Wildfang.“
    Und das entsprach der Wahrheit, auch oder vielleicht gerade, weil die Jüngere sie immer wieder herausforderte und ihre Grenzen ausloten wollte. Doch es war genau jenes Spiel aus Aufmüpfigkeit mit folgender Maßregelung und Belehrung, das die beiden Frauen zusammengeschweißt hatte.
    „Aber du wirst heute trotzdem bestraft werden“, schnurrte sie Lucy nun sanft ins Ohr.
    „Und ich kenne den Blick inzwischen recht gut. Sei gewarnt, Lulu, ich habe keine Skrupel, die Strafe hier unten zu vollziehen.“

    Dem Minenspiel der Jüngeren war deutlich anzusehen, was sie darüber dachte. Eine passende Gelegenheit, sich ein wenig weiter aus dem Fenster zu lehnen.
    „Aber“, begann Lucy daher und ihre Lippen verzogen sich zu einem Schmollmund,
    „Ich habe doch gar nichts gemacht! Wofür willst du mich denn bestrafen?“ Bei der Frage troff ihre Stimme vor falscher Unschuld und einschmeichelnd blickte sie zu Catherine auf. Sie war sich offensichtlich keiner Schuld bewusst. Doch im nächsten Moment leckte sich die Sub über ihre Lippen, schließlich liebte sie dieses Spiel. Den Versuch, sich um eine Bestrafung zu drücken, obwohl sie doch geradezu süchtig war nach dem süßen Schmerz. Die Masochistin in ihr dürstete förmlich danach.

    Und Catherine wusste genau, wie sie den Schmerz dosieren musste, um ihn zu maximaler Freude zu verwandeln. Anders als der Mann, der es am Ende nur noch mit Gewalt versucht hatte. Dieser Schmerz war vollkommen anders, diente nur zum Verletzen. In diesem Schmerz waren keine Demütigung, kein Auffangen zu finden. Die Domina wusste, wie sie Lucy demütigen konnte und ihr dabei doch gleichzeitig das Gefühl gab, sicher, behütet und geliebt zu sein.
    „Kann ich denn nicht irgendetwas tun, um dich milde zu stimmen, Mylady?“, versuchte es die Sub erneut.
    „Nein, für dein Vergehen am gestrigen Abend musst du bestraft werden. Du kannst nichts tun, um dem zu entgehen“, erinnerte Catherine sie und war nun wieder ganz die strenge Herrin.

    Denn diese unnachgiebige Strenge war es, die Lucy in Verbindung mit Schmerz brauchte. Eine Führung, die ihr klare Grenzen zeigte und die ebenso klare Strafen für Fehlverhalten verhängte. Und Catherine war genau das richtige Gegenstück zu der jungen Wilden. Sie hatte jemanden gesucht, der sie forderte und ihr erlaubte, Stärke und Behutsamkeit gleichermaßen auszuspielen. Und diesen jemand hatte sie gefunden.
    „Aber du kannst mich milder stimmen, indem du dich jetzt vorbildlich benimmst“, fuhr die Ältere schließlich fort.

    „Aber benehme ich mich denn nicht immer, Mylady?“, wollte Lucy wissen und der Blick, den sie Catherine zuwarf, war treuherzig und verschlagen gleichermaßen.
    Die Sub hatte diesen Augenaufschlag sicherlich vor dem Spiegel geübt. Wirkte er doch einfach zu harmlos, als könne sie keiner Fliege etwas zu leide tun. Allerdings fiel die Ältere nur bedingt darauf herein und gab ihr einen sanften Schubs in Richtung der Bar.

    Freitag, 6. Mai 2016 11:02
  • Ich denke ich stelle erstmal die ganze Geschichte ein. Eventuell klären sich damit schon ein paar der Fragen.
    Was den Begriff Domina angeht ist das eine in der Szene normal gebrauchte Bezeichnung. Zumindest sind das meine Erfahrungen die ich in den letzte. 10 Jahren gesammelt habe ;) ich versuche einen zu ausgeprägten "szenejargon" zudem zu vermeiden, um es verständlich zu halten.
    generell äußere ich mich demnächst nochmal zu den Rückmeldungen ;)

    ~~~~
    Die Bar

    Kichernd durchquerte Lucy den Raum und ging zu der Bar, wo sie vor Leonardo kurz knickste. „Sire“, grüßte sie ihn höflich, schenkte Diana dann ein Lächeln und setzte sich - obwohl sie genau wusste, dass es Ärger geben würde - auf einen der Barhocker.
    „Mylady hätte gern ein Glas trockenen Rotwein.“

    Ihr unschuldiges Gehabe war Warnung genug für Catherine gewesen. Allerdings waren die Anderen zu weit weg, um das Gespräch zwischen den beiden gehört zu haben. Als die Domina Lucy zur Bar folgte, konnte sie daher ungehindert die Reaktion auf das Verhalten ihrer Sub erkennen.
    Leonardo hatte sichtlich Mühe, das leichte Lächeln auf seinen bärtigen Zügen nicht zu einem Grinsen verkommen zu lassen. Seine Sub hingegen blickte erst überrascht zu Lucy, bevor sie abzuschätzen versuchte, ob sie diese noch vor ihrem drohenden Schicksal bewahren konnte. Natürlich wusste Diana, dass die andere Sub immer auf Provokationskurs ging und geradezu um eine Strafe bettelte. Aber privates Benehmen unterschied sich doch sehr von dem öffentlichen Auftritt hier im Club. Und sich an die Bar zu setzen, bevor die eigene Herrin es tat...

    „Du bekommst wohl wieder nur Wasser“, kommentierte Leonardo schmunzelnd, als er das verlangte Glas auf die Theke stellte.
    „Wenn überhaupt“, als sie zur Bar trat, ließ Catherines scharfe Stimme sogar Diana zusammen zucken.
    Auch kannte die andere Sub dann doch weniger Mitgefühl dafür, dass Lucy sich beim Versuch, ihre Grenzen zu testen, wieder mal voll in die Nesseln gesetzt hatte. Die von ihr zur Schau gestellte Missbilligung entging Lucy nicht, sondern ließ sogar ein Gefühl des Triumphs in ihr aufsteigen. Würde sie selbst doch niemals so eine Vorzeige-Sub sein.
    „Auf die Beine!“, forderte die Domina nun und stellte die Sporttasche vor sich auf den Boden, bevor sie ihre Hand in dem zerzausten Haar ihrer Sub vergrub.
    „Nimm und geh in die Umkleide. Dafür, dass du so frech versucht hast, mich hinters Licht zu führen, hast du für heute das Privileg auf Kleidung verloren. Ich erwarte dich in fünf Minuten zurück, und zwar mit nichts anderem an deinem Körper als Hand- und Fußfesseln.“

    Catherines scharfe Worte ließen die Jüngere begreifen, dass sie dieses Mal doch zu weit gegangen war. Sie hatte noch versucht, schnell aufzustehen, als die Hand zielsicher den Weg in ihr Haar fand und sie auf die Beine gezogen wurde. Schmerzen schossen, Blitzen gleich, durch ihren ganzen Körper und ließen sie erbeben.
    Lucy wagte weder den Blick zu heben, noch gar zu widersprechen.
    „Ja, Mylady“, flüsterte sie gehorsam und wartete, bis ihre Haare freigegeben wurden. Erst dann beugte sich die Sub zur Tasche hinab, hob sie auf und ging mit gesenktem Blick in die Umkleide. Dort lehnte sie sich für einen Moment gegen die Tür und fragte sich, ob sie es dieses Mal vielleicht doch übertrieben hatte.
    Schließlich aber zog Lucy sich schnell aus, faltete ihre Sachen ordentlich zusammen und legte sich die Fesseln aus der Tasche an. Es war jedoch nicht annähernd so befriedigend, wie wenn Catherine dies tat. Leise schimpfte sie auf sich selber, dass sie sich heute um dieses Vergnügen gebracht hatte. Schließlich atmete Lucy noch einmal tief durch und kehrte dann wie gewünscht an die Bar zurück.

    Dabei enthüllte die junge Frau ihren Körper, der schlank und sehnig war. Die Haut makellos gebräunt und durch diverse Tattoos verziert. Sei es ein kunstvolles Peitschenrad quer über ihren Rücken oder das C, welches in mittelalterlicher Schrift den rasierten Venushügel zierte. Über ihrem Herzen war ein weiteres Tattoo in Form einer Katzenpfote, eine Versinnbildlichung ihres eigenen Inneren. Zögerlich näherte sich Lucy nun Catherine, stellte die Tasche ab und kniete neben ihrer Herrin nieder. Präsentierte ihr mit gesenktem Blick und ausgestreckten Händen das eigene Halsband.

    Sofort verstummte das Gespräch, das Catherine mit Leonardo geführt hatte, und sie wandte sich Lucy zu. Einen Moment lang musterte die Domina ihre Sub noch, bevor sich ihre Finger um das Halsband schlossen. Die Kleine hatte sie heute wirklich gereizt und dementsprechend streng und konsequent musste sie darauf reagieren. Denn genau das wollte Lucy nicht nur, sondern brauchte es auch. Auch wenn es Zeiten gab, in denen es ihr wirklich schwer fiel, böse auf sie zu sein. Zum Glück zählte der heutige Tag nicht dazu.

    „Du kannst dich in der Öffentlichkeit nicht benehmen, aber zumindest meinen Anweisungen folgen“, erklärte Catherine laut genug, um die Ernsthaftigkeit ihrer Worte zu unterstreichen. Dann beugte sich die Clubbesitzerin vor und während sie Lucy das Halsband anlegte, flüsterte sie dieser leise zu:
    „Gut gemacht, du hast dich sehr schön präsentiert. Aber du bist heute wirklich aufsässig und ich werde deine Strafe daher ein wenig verschärfen müssen. Benimm dich ab jetzt und wir werden dafür nur in ein Separee gehen, andernfalls werde ich dich auf der Bühne vor allen präsentieren.“
    Als sie diese kleine Standpauke vernahm, zog Lucy den Kopf ein. Bei dem geflüsterten Hinweis errötete sie leicht und wagte es sogar, wieder zu lächeln.

    Nachdem sie überprüft hatte, dass das Halsband richtig saß und nicht zu eng war, schenkte Catherine ihrer Sub einen tiefen Kuss. Ein Kuss, der ihre Gefühle zeigte und jeden Zweifel darüber ausräumte, dass sie längerfristig böse mit Lucy sein würde.
    Sofort ließ diese sich innerlich fallen und Catherine konnte bereits alle ihre Bedenken zerstreuen. Denn die Jüngere erwiderte den Kuss nicht weniger gefühlvoll und ihr ganzer Körper begann zu kribbeln. Und obwohl beide Vorstellungen, die ihre Herrin da anbot, verlockend waren, entschied sich Lucy dafür, sich jetzt wohl wirklich zurückzuhalten.

    Als der Kuss endete, legte sie brav ihre Hände mit den Handflächen nach oben auf die Oberschenkel. Die Beine dabei leicht gespreizt, sodass Catherine bei Bedarf an ihre Körpermitte kommen konnte. Zudem konnte man so das dort versteckte Tattoo gut erkennen. Würde es nach ihr gehen, hätte sie noch weitaus mehr Tattoos, die in irgendeiner Verbindung mit ihrer Herrin standen. Aber die Entscheidung lag eben bei dieser, wann und wo sie ein neues erhielt.
    „Ich werde mich benehmen, Mylady“, diesmal klang die Stimme der Jüngeren auch ernsthafter als zuvor.
    Mit einem zufriedenen Lächeln nickte Catherine ihr als Bestätigung zu, bevor sie sich wieder aufrichtete. Ihre Hand suchte und fand dabei mit eingewöhnter Leichtigkeit Lucys Wange und streichelte mit den Fingerknöcheln darüber.

    „Ich glaube, du taugst nur bedingt zum Barmann. Und hör endlich auf, hinter dem Tresen zu stöbern“, wandte sich die Clubbesitzerin dann an Leonardo. „Du machst deine Sub nur nervös und mich gleich mit dazu. Es gibt übrigens eine kleine Planänderung. Wie wäre es, wenn Diana uns eines der Separees mit einem Andreaskreuz öffnet? Und sie...“
    Was Catherine zu Leonardo sagte und dieser seiner Sub daraufhin ins Ohr flüsterte, war für die kniende Lucy nicht zu verstehen. Die erste Reaktion bestand in einem unterdrückten Keuchen von Diana, bevor diese um die Theke herum kam.
    Als die andere Sub an Lucy vorbeiging, zwinkerte sie der Knieenden lächelnd zu und ihre Lippen formulierten stumm die freundschaftlich, neckenden Worte:
    „Du steckst in Schwierigkeiten“.

    Ein wenig nervös blickte Lucy daraufhin zu Catherine auf. Was hatte sie denn nur vor, dass selbst Diana dabei lächelte. Dennoch ließ sie es sich nicht nehmen, ihre Wange an den Knöcheln zu reiben. Ähnelte sie doch jetzt wieder einem kleinen Kätzchen, das die Aufmerksamkeit seiner Besitzerin haben wollte. Aber was meinte ihre Herrin eigentlich mit Planänderung?
    Die junge Frau rutschte ein wenig umher und versuchte, nicht allzu aufgeregt aufzusehen. Denn Catherine wusste natürlich ganz genau, dass ihre Ankündigung das Kribbeln nur verstärkte. Lucy wusste nie wirklich, was ihre Herrin in diesen Momenten dachte, war sie dann doch vollkommen undurchsichtig. Das machte es jedoch umso spannender.
    Tief atmete sie ein und hob den Kopf kurz, um ihre Herrin anzusehen, die Lippen dabei zu einem leichten Lächeln verzogen. Egal ob zu Hause oder in Gesellschaft, vergaß Catherine nie ihre Verantwortung. Gegründet auf Lucys Vertrauen galt es, dieser immer ihre Aufmerksamkeit zu schenken. So dauerte es nur einen Augenblick, bevor sie sich zu ihr umwandte und das Lächeln der Jüngeren erwiderte. Wenn auch wesentlich dezenter, da sie immer noch demonstrativ ihren Unmut über das Benehmen ihrer Sub zur Schau trug.
    „Du musst nicht mehr lange warten. Auch wenn ich dich gerne ein wenig zappeln lassen würde“, erklärte Catherine und ihre Finger strichen weiter über Lucys Wange.

    Diese drehte den Kopf leicht und küsste die Fingerspitzen ihrer Herrin. Schmiegte dann ihren Kopf an den Oberschenkel Catherines und genoss für den Moment ihre Nähe. Wusste sie doch, dass dieser Frieden nicht mehr lange andauern würde. Wenn Catherine strafte, dann selten sanft. Aber das war es ja, was Lucy wollte. Eine lasche Hand würde an ihr zwangsläufig verzweifeln. Daher nutzte sie auch ihre Position und knabberte leicht an den Fingerspitzen ihrer Herrin. Zog es dabei auch weiterhin vor, zu schweigen.

    Es dauerte nicht lange, bevor Diana zurück kehrte und vermeldete, dass eines der Separees nun offen, beleuchtete und zur Verfügung stand.
    „Deine Wartezeit ist um, Lucy“, wandte sich Catherine an die neben ihr Kniende und entzog ihr die Finger. „Steh auf und folge mir.“ Damit erhob sie sich und nahm die Tasche mit ihren Utensilien auf, bevor sie ihre Sub durch den Raum und zu dem vorbereiteten Bereich führte.

    Das Separee

    In diesem Fall war es eines der größeren Separees und da sie wusste, dass Catherine Platz brauchte, war von Diana vor dem Eingang dezent ein Halbkreis abgesperrt worden. Schließlich sollten eventuelle Zuschauer weder in Gefahr geraten, noch sich einmischen. Im Separee selbst waren die Wände mit massiv wirkenden Holzpaneelen bedeckt und der Bereich selbst nur spärlich eingerichtet. Linker Hand gab es einen Tisch, rechts gegenüber eine niedrige, breite Couch und zentral vor der Rückwand...
    Das dunkle Holz des Andreaskreuzes wirkte nicht nur massiv. Kurze Ketten baumelten von den vier Enden, boten passende Gegenstücke zu Fesseln und wirkten nicht so, als ob jemand sie zerbrechen könnte. Obwohl es natürlich Sicherheitsverschlüsse gab, um sie im Notfall schnell lösen zu können.

    Lucy war Catherine brav und ohne Probleme in das Separee gefolgt. Wie elektrisiert blickte sie nun auf das Andreaskreuz und biss sich auf die Unterlippe. Und es wurde nicht besser, als sie beobachtete, wie ihre Herrin langsam ihre Werkzeuge auspackte.
    Wohl wissend, dass allein der Anblick das Kribbeln in Lucy verstärken würde, beschäftigte sich Catherine damit, ein paar Dinge aus der Tasche zu holen und diese dann unter den Tisch zu schieben. Auf selbigem breitete sie schließlich ihr heutiges Werkzeug aus. Neben einem Flogger mit breiten Bändern aus weichem Leder fand ihre geliebte Bullenpeitsche Platz. Mit beidem konnte sie umgehen und wusste, dass ihre Sub selbst den Biss der Peitsche schätzte. Doch das war schließlich eine Bestrafung und so wartete sie noch auf etwas.
    „Lady Catherine“, meldete Diana ihre Anwesenheit an, als sie hinter Lucy erschien und neben diese trat. Den Kopf folgsam gesenkt, hielt Leonardos Sub ihre Arme empor und präsentierte auf ihren ausgestreckten Handflächen eine lange, schlanke Gerte.

    Lucy fühlte bereits, wie sie leicht erschauderte, und hatte ihre Hände zu Fäusten geballt. Als aber Diana wieder zu ihnen trat, fauchte die Sub förmlich. Sie starrte die Gerte an und fletschte leicht die Zähne. Das Schaudern wurde zu einem Beben und sie wich einen Schritt von Catherine zurück.
    „Steck das weg...“, zischte die junge Frau und nahm eine leicht geduckte Haltung ein. Solange sie jedoch ihr Safeword nicht benutzte, gehörte ihr Widerstand nur zum Spiel und reizte die Situation weiter aus.
    Bei den Worten der Jüngeren war Diana regelrecht erstarrt und wagte erst recht nicht, aufzusehen.
    Catherine hingegen blickte Lucy direkt in die Augen und auf ihren Zügen lag ein gebieterischer und höchst missbilligender Ausdruck.
    „Für deine Verfehlungen von gestern und heute wollte ich dir zehn Schläge mit der Peitsche geben. Ich habe umdisponiert zu fünf mit der Peitsche und fünf mit der Gerte“, erklärte sie ihrer Sub mit einer Stimme, die keinen Widerspruch duldete.
    „Wenn du nicht willst, dass es mehr werden, erwarte ich jetzt perfekten Gehorsam. Stell dich vor das Kreuz, Gesicht zur Wand!“ Es war ganz und gar keine leere Drohung, die sie da aussprach. Die Stärke der Bestrafung lag durchaus in Lucys Wohlfühlbereich, auch wenn die Peitsche ihre Spuren hinterlassen würde. Eine Gerte kratzte jedoch an dem Punkt, an dem selbst die ach so aufmüpfige und masochistisch veranlagte Sub Furcht verspürte.

    Lucy knurrte leise auf und hätte sie Fell besessen, so würde es sich nun sträuben. Sie schluckte hart, tat dann aber, was von ihr verlangt wurde. Stellte sich an das Kreuz und legte die Hände an die Ketten, damit sie damit gefesselt werden konnte. Ihr Körper wirkte dabei in keinem Fall entspannt. Nervös atmete sie ein und spürte das aufgeregte Kribbeln, irgendwo zwischen Angst und freudiger Erwartung. Wobei die Angst bei dem Anblick der Gerte deutlich überwog. Dennoch wusste Lucy, dass sie es verdient hatte. Das würde wirklich eine Strafe werden und erschaudernd atmete sie aus.
    „Mylady... bitte“, wechselte sie jetzt die Strategie.

    Catherine ließ ihre Sub jedoch bewusst ein wenig zappeln und nahm unterdessen die Gerte von Diana entgegen, bevor sie diese wieder fortschickte. Langsam schritt die Domina danach erst zum Tisch, um diese abzulegen, aus der Tasche ein zusammengerolltes Handtuch zu holen und es dann zur Couch zu bringen. Das Handtuch und was darin verborgen war, würde erst später benötigt werden.
    Dann stellte sich Catherine hinter Lucy und ihre Stimme säuselte an deren Ohr:
    „Sieh an, wer da plötzlich an mein Mitleid appellieren möchte. Doch du weißt ganz genau...“, mit raschen Bewegungen verband die Ältere erst die eine, dann die andere Handfessel mit dem Kreuz,
    „...dass ich keines zeigen werde. Denn wir wissen beide, dass du diese Strafe brauchst“, bei den Worten schlossen sich Catherines Hände um Lucys Handgelenke, vertieften damit das Gefühl des gefesselt seins.
    Ganz langsam ließ die Domina nun ihre Finger an den Armen ihrer Sub entlang streichen. Von den Handgelenken über die Ellbogen und die Oberarme bis zu den Schultern. Begann mit diesem ersten Schritt, diesen ersten Berührungen, sie auf das Kommende vorzubereiten. Am liebsten hätte sich Catherine dabei selbst ausgezogen, um Lucy mit dem ganzen Körper fühlen zu können. Doch das hob sie sich für private Stunden auf und so pressten sich ihre lederverhüllten Brüste gegen den Rücken ihrer Sub.

    Einen Moment schloss diese die Augen, genoss die Nähe und Berührungen Catherines. Alles Andere wurde egal. Was jetzt noch zählte, war einzig und allein ihre Herrin. Das Kribbeln in ihrem Nacken erinnerte Lucy aber die ganze Zeit daran, dass die Gerte mit im Raum stand. Wenn sie es am Liebsten auch vergessen hätte, wo sich Catherine doch an sie schmiegte. Sie ließ sich fallen, lehnte sich gegen ihre Herrin und wusste, dass diese sie auffangen würde. Wenn auch nur für einen Moment. Viel zu schnell, viel zu langsam wäre dieser Moment vorbei und ihre Mylady würde mit der Strafe beginnen. Lucy fürchtete diesen Moment, verzehrte sich nach ihm. Wollte betteln, dass Catherine sie verschonte. Flehen, das sie endlich begann. Wissend, dass sie gefangen war und lediglich die Gunst ihrer Herrin sie wieder befreien würde. Das Kribbeln auskostend, welches sich in ihrem ganzen Körper auszubreiten begann.
    „Bitte, habt Gnade Mylady“, flüsterte Lucy leise. Appellierte an das Mitgefühl der Domina, appellierte an ihre dominante Seite weiter zu gehen.

    „Wir haben doch gerade erst angefangen“, kam die beinahe schnurrende Antwort. Catherine ließ ihre Finger tiefer wandern, an Lucys Seite entlang und schließlich vor ihren Körper, um deren Brüste zu umspielen. Doch das sollte nicht der einzige Reiz bleiben, denn ihre Lippen arbeiteten sich langsam den Nacken der Gefesselten bis zum oberen Ende der Triskele-Tätowierung hinab.
    Leise wimmerte die junge Frau. Catherine wusste ganz genau, was sie ihr antat. War es doch eine süße Qual, nicht zu wissen, wann die Andere von Zärtlichkeit zu Härte wechselte. Zumal sie sich immer weiter entspannte und einlullen ließ. Gar ein leises Schnurren verließ ihre Kehle und ein Lächeln umspielte ihre Lippen. Der Gedanke an die Bestrafung entglitt in weite Ferne, blieb aber durch das Kribbeln immer hartnäckig am Rand ihres Bewusstseins präsent.

    Catherine zeigte ebenfalls ein Lächeln, als sie fühlte und hörte, wie ein Teil der Anspannung aus Lucy wich. Der harte Kern aus Erwartung blieb, aber das sollte er auch. Im gleichen Tempo wie zuvor wanderte die Domina weiter hinab, ließ ihre Lippen immer wieder sanfte Küsse verteilen, während ihre Hände streichelnd über Brust und Bauch hinab folgten. Schließlich ging Catherine in die Hocke und ihre Finger strichen an Lucys Beinen entlang. Zwangen diese mit sanftem Druck weit genug auseinander, so dass sie erst die eine und dann die andere Fußfessel mit dem Kreuz verbinden konnte.
    Als sie sich erhob, bewunderte sie ihr Werk und flüsterte Lucy dann ins Ohr:
    „Du hast einen wunderschönen Körper. Geradezu dafür gemacht, so präsentiert zu werden. Gefesselt und nackt zeigst du dich mir ganz offen...“ Beim letzten Satz hatte sie ihre Hand zwischen die weit gespreizten Beine ihrer Sub geführt und strich mit zwei Fingern prüfend über deren Schamlippen.

    Lucys Kopf sank in den Nacken und leise stöhnte sie auf. Ertasteten die Finger Catherines doch ihr feuchtes Geheimnis. Leicht rieb sie ihren Unterleib an den Fingern.
    „Mein Körper ist dein, Mylady“, wisperte die Sub und seufzte erstickt auf. Sie wusste, dass sie ihrer Herrin jetzt vollkommen ausgeliefert war. Das diese nun mit ihr verfahren konnte, wie es ihr beliebte. Aber vertraute dieser zugleich, dass sie die Grenzen anerkennen würde. Noch waren diese allerdings nicht erreicht. Stattdessen wurden Lucys Atem und ihre Körpersprache deutlich unruhiger.
    Es würde nicht mehr lange dauern, bis Catherine sie nahezu willenlos hatte. Würde die Gerte nicht wie ein Damoklesschwert über ihr schweben, hätte die junge Frau bereits losgelassen. So aber freute sie sich regelrecht auf den Schmerz. Erwartete ihn.

    Mit einem leisen Seufzer, der ihre eigene Erregung jenen verriet, die sie kannten, ließ Catherine ihre Finger noch einmal wandern, bevor sie die Hand zurückzog. Auch sie war nicht von dem warmen Kribbeln verschont geblieben und genoss das Maß an Selbstbeherrschung, das sie aufbringen musste, um fortzufahren und nicht zu verweilen.
    „Mein“, wiederholte sie und hielt Lucy ihre feucht schimmernden Finger vors Gesicht.
    „Und du scheinst es kaum noch erwarten zu können. Hat dich etwa der Gedanke an die Gerte so schnell feucht werden lassen?“

    Das Geräusch, das Lucy ausstieß, war eine Mischung aus Lachen und Knurren.
    „Nicht der Gedanke an die Gerte, Mylady“, erwiderte sie leise.
    „Deine Berührungen, deine Nähe. Du allein bist es.“
    Blitzschnell griff Catherine in das Haar ihrer Sub und zog ihren Kopf herum, sodass sie ihr einen Kuss aufzwingen konnte. Leidenschaftlich war dieser, aber auch fordernd und hart.
    „Es macht mich sehr glücklich, das zu hören“, flüsterte sie Lucy daraufhin leise zu.
    „Denn du lässt mich auch nicht kalt. Und daher wird es mir ein großes Vergnügen sein, dich zum Schreien zu bringen.“

    Himmel, wie sehr Lucy es liebte, wenn Catherine ihr ins Haar griff und ihrem Willen unterwarf. Erstickt stöhnte sie auf und ergab sich Catherine voll und ganz in diesem Kuss. Erwiderte ihn mit nicht weniger Leidenschaft, ordnete sich aber unter. Bei den weiteren Worten breitete sich die Gänsehaut auf ihrem ganzen Körper aus.
    Um schreien zu können, musste die junge Frau loslassen, musste sie vertrauen können. Lucy war sehr sparsam mit dem Zeigen von Gefühlen, nur bei ihrer Herrin gelang es ihr. Nur sie durfte hinter die trotzige Fassade schauen. Daher kam es auch, dass sie die Ältere für einen Moment herausfordernd ansah.
    „Versuche es“, lockte Lucy schnurrend.

    Die erste Reaktion bestand in einem zärtlichen Lächeln ihrer Mylady, bevor deren Gesicht zu einem strengeren Ausdruck zurückkehrte. Catherine entließ sie und trat einen Schritt zurück. Doch nur, um ihr eine passende Antwort zu geben. Klatschend landete ihre flache Hand einmal auf jeder Pobacke von Lucy und hinterließ einen scharfen Stich, sowohl bei der Getroffenen als auch der Schlagenden.
    „Dann wollen wir dich einmal anwärmen“, erklärte Catherine mit bewusst strengerer Stimme, als sie zum Tisch schritt. Zuerst wanderten ihre Finger über ihre geliebte Bullenpeitsche, bevor sie den Flogger aufnahm und prüfend musterte.
    Als sie zu Lucy zurück kehrte, begann sie damit, die Riemen aus weichem Leder erst über das eine und dann über das andere Bein nach oben streichen zu lassen. Steigerte damit nicht nur das erwartungsvolle Kribbeln ihrer Sub, sondern auch ihr eigenes.

    Scharf hatte Lucy bei den Schlägen eingeatmet, denn vorbei war die kuschelige Stimmung. Nun schien die Sadistin das Ruder an sich gerissen zu haben. Allerdings wusste diese ganz genau, wie fest sie zuschlagen konnte, um Lucy auf dem schmalen Grad von Schmerz und Lust zu halten. Bei der Berührung des Leders kicherte die Jüngere sogar leise.
    „Das kitzelt“, ließ sie Catherine wissen. Wusste aber zugleich auch, dass diese Worte Folgen haben würden. Etwas, das die Spannung im Raum noch erhöhte. Unbewusst streckte Lucy ihren Hintern etwas heraus. Kühlte dieser doch schon wieder ab.
    „Du hast wirklich kein Benehmen“, stellte Catherine mit einem Anflug von scharfem Humor fest. Natürlich war es verlockend, wie sich Lucy ihr darbot. Doch nicht sie war es, die hier das Kommando hatte. Auch wenn es ihr erneut Mühe kostete, ignorierte Catherine die Geste und ließ die Riemen des Floggers weiter über die Haut ihrer Sub streichen. Über den Po, den Rücken empor und schließlich bis zu den Schulterblättern. Dort allerdings hielt sie nicht inne, sondern setzte die nach oben geführte Bewegung fort, um Schwung zu holen. Mit dem ersten Klatschen landeten die ledernen Riemen auf Lucys Rücken und dann folgten weitere Schläge in stetigem Rhythmus. Nicht stark genug, um wirklich zu schmerzen, aber genug um die Haut empfindlich zu machen, regneten sie auf Schultern, Oberarme und Rücken nieder. Und Catherine bahnte sich langsam einen Weg tiefer hinab.

    Lucys Muskeln spannten sich sichtlich an, als die ersten Hiebe sie trafen. Genüsslich stöhnte sie auf. Es gefiel ihr eindeutig, wie das Leder ihre Haut reizte und rötete. Wohlige Wärme begann sich auszubreiten und ergriff alsbald ihren ganzen Körper. Dies war wirklich nur eine Aufwärmphase und mit keinerlei Schmerzen verbunden. Eher mit weichen Knien und leisem Seufzen. Dazu das Versprechen auf so viel mehr. Kam doch mit jedem Hieb die eigentliche Strafe näher. Eine, die sie fürchtete, die sie sich herbei sehnte.
    „Mylady, so habt doch Gnade“, flehte die Sub, wohl wissend, dass sie damit die sadistische Seite ihrer Herrin nährte.
    Die folgenden zwei Schläge waren schon etwas stärker und zielten genau auf Lucys sündig hervorgereckten Hintern. Der dritte jedoch war wieder sanfter und Catherine hatte ihn mit der ihr eigenen Präzision von unten geführt. Direkt zwischen die Beine ihrer Sub. Sofort war sie danach bei der Jüngeren und erst massierte sie mit der freien Hand den Po, bevor diese erneut zwischen Lucys Beinen abtauchte. Catherine befühlte für einen Moment die feucht schimmernden Lippen und drang dann fast grob mit einem Finger ein.

    Das Keuchen, als Lucy erst den Schlag und dann die Finger am Zentrum ihrer Lust spürte, klang merklich überrascht und endete in einem Stöhnen. Sie drückte ihren Rücken durch und legte den Kopf zurück. Die Augen dabei geschlossen und sichtlich genießend, auf welche Art Catherine ihren Körper eroberte. Zugleich versuchte sie den Finger in sich zu halten, indem sie sich anspannte. Wissend, dass es nichts bringen würde, wenn Catherine ihren Körper wieder verlassen wollte.

    „Mir scheint, du kannst es kaum noch erwarten“, schnurrte Catherine erneut, während ihr Finger sich langsam krümmte und ihrer Sub ein wenig Lust spendete. Unwillkürlich schmiegte sich Catherine dabei gegen deren Rücken und presste ihren Schritt gegen Lucys Hintern. Es stand außer Frage, dass beide Frauen durch das Spiel gleichermaßen erregt worden waren, und wie zum Beweis küsste erst und biss Catherine sie schließlich sanft ins Ohr.
    Erstickt stöhnte Lucy auf und bewegte ihren Unterleib leicht auf dem Finger. Ihr ganzer Körper reagierte intensiver, wenn es um Catherine ging. Kein anderer Finger, keine andere körperliche Nähe konnte so etwas in ihr auslösen.
    „Ja Mylady“, ihre Stimme war kaum mehr gehaucht.
    Sie würde niemals genug von ihrer Herrin bekommen. Wollte am Liebsten immer mehr. Natürlich hätte diese ihrer Sub nachgeben können, doch es galt, sich an die Regeln zu halten. Und die wirkliche Strafe stand noch aus. Also entzog sich Catherine der sich windenden Frau vor sich und kehrte zum Tisch zurück:
    „Dann sollten wir beginnen.“
    Mit einem begierigen Lächeln nahm sie die Bullenpeitsche auf und schritt einen akzeptablen Abstand ab. Nah genug, um Lucy zu erreichen, aber weit genug von etwaigen Zuschauern entfernt. Ein kurzer Blick enthüllte Catherine dabei, dass es davon bereits einige gab. Inklusive eines gewissen Sire Leonardo, der es sich auf einem der wuchtigeren Stühle bequem gemacht hatte. Offenbar hatte er die Bar wieder abgegeben und die Art und Weise, wie Diana auf seinem Schoß saß und sich an ihn kuschelte, machte deutlich, dass beide das Schauspiel mit Interesse beobachteten. Da Leonardo für seine Strafe meist nur seine eigenen Hände nutzte, waren Peitschen und ähnliches für die beiden einerseits faszinierend anzusehen, würden aber andererseits nie Teil ihres Spiels werden.

    Catherine begann damit, die Peitsche zu schwingen, um ein Gefühl zu bekommen. Mit einer schnelleren Bewegung ließ sie das gewundene Lederband dann einmal laut Knallen.
    „Du wirst mitzählen“, forderte sie nun von Lucy, als sie ihren Arm lockerte.
    „Wenn du dich verzählst, beginne ich von vorne.“
    Einen Moment genoss Catherine noch die gefesselte und sich vor Erwartung und Furcht gleichermaßen windende Sub. Dann holte sie aus und mit einem scharfen Klatschen landete der erste Schlag quer über Lucys Rücken.

    Der erste Knall ließ die Jüngere den Atem anhalten. Freudige Erwartung ergriff sie und ein lustvoller Schauer rieselte durch ihren Körper. Als der Schlag dann traf, warf sie den Kopf in den Nacken und stieß die angehaltene Luft wieder aus. Es dauerte ein paar Sekunden, bis der scharfe Biss der Peitsche spürbar wurde. Schmerz und Lust begannen, einen heißen Kampf auszufechten und ließen sie sich gegen das Holz pressen.
    „Eins“, keuchte Lucy und biss sich auf die Unterlippe. Mitzählen zu müssen war nicht sonderlich fair, reizte aber diese Strafe noch aus. Immerhin konnte sie somit selbst bestimmen, ob sie mehr Schläge erhielt oder nicht. Zumal Catherine so auch verhinderte, dass ihre Sub zu sehr abtauchte. Aufgeregt kribbelte es in dieser, erwartete sie doch nunmehr den zweiten Schlag. Ihre Herrin wusste dafür immer den richtigen Zeitpunkt. Genau dann, wenn der Schmerz des vorherigen Schlages abklang und zu einem süßen Kribbeln wurde, schlug die Domina zu und intensivierte somit mit jedem Schlag die Empfindungen.

    Mit antrainierter Präzision und der Liebe, wie sie nur eine wahre Herrin empfinden konnte, landete der zweite Schlag. Hinterließ einen weiteren, zartrosa Striemen auf Lucys Rücken und ließ die Sadistin in Catherine lächeln. Wie sehr sie dieses gemeinsame Spiel doch reizte und ihr gleichzeitig eine Möglichkeit bot, sich auszuleben. Die Verbindung zu ihrer Sub nur über ihre Präsenz und den scharfen Biss der Peitsche haltend.
    Geschickt folgten die drei verbliebenen Schläge, hinterließen Striemen auf Lucys Rücken, bevor der letzte direkt auf ihrem Po landete. Erneut trat Catherine heran, massierte mit ihrer freien Hand die eben geschändete Rundung. „Ich bin sehr stolz auf dich. Und du hast dich kein einziges Mal verzählt“, so sanft wie ihre Stimme, so hart schmiegte sich Catherine an ihre Sub und ließ sie ihre Präsenz spüren.

    Der Atem der Jüngeren ging flach. Ihr Rücken und Hintern brannte angenehm und als sich Catherine gegen sie drückte, stöhnte Lucy genüsslich auf. Sie hatte mit dem Gedanken gespielt, sich zu verzählen, aber dann hätte sie länger auf die Gerte verzichten müssen. Es war wirklich ein Dilemma. So sehr sie diese auch fürchtete, wollte die Sub diese auch spüren.
    „Ich hatte... eine gute Lehrerin“, die Antwort kam leise und mit neckendem Unterton. Lucy wusste, dass Catherine sie zum Schreien bringen wollte, aber da würde sich ihre Herrin noch ein wenig anstrengen müssen.

    „Ist das so?“, erwiderte diese und ließ ihre Hand erneut zwischen Lucys Beine wandern. Drang diesmal ohne Rücksicht mit ihrem Finger ein und ließ ihre Sub kurz spüren, was sie jetzt am liebsten mit ihr machen wollte. Doch bevor sich dieses Gefühl vertiefen konnte, löste sich Catherine wieder von der Gefesselten und trat zurück.
    „Dann will ich jetzt hören, was ich dir beigebracht habe“, schnurrte die Domina mit einer Stimme wie Samt, Samt, der über einer eisernen Faust gespannt war.
    „Du musst diesmal nicht mitzählen, aber du wirst dich auch nicht zurück halten“, forderte sie Lucy auf, als sie zum Tisch trat.
    Nachdem Catherine die Peitsche gegen die Gerte getauscht hatte, schenkte sie dem Publikum ein Lächeln und holte dann aus. In rascher Folge ließ Catherine ihr neues Werkzeug durch die Luft sausen und das typische Zischen erklingen, dass man damit in Verbindung brachte.

    Lucys Stöhnen war bereits nahe an einem Schrei, als sie ihre Herrin in sich spürte. Viel zu schnell entfernte diese jedoch ihren Finger wieder und ließ die junge Frau keuchend zurück. Zeitgleich heiß und kalt lief es ihr den Nacken hinab, als sie Catherines Worte vernahm. Das Surren der Gerte ließ sie erneut den Atem anhalten. „Ja... Mylady“, flüsterte Lucy und schloss ihre Finger nunmehr um die Ketten, die sie an das Kreuz banden.
    Der erste Schlag ließ sie erneut den Kopf in den Nacken werfen. Dauerte es doch nur eine Sekunde, bis der Schmerz ihr Hirn erreichte. Erstickt wimmerte die Sub auf und stieß dabei den Atem wieder aus. Der Schmerz war weitaus bissiger als bei der Peitsche und sie fürchtete und ersehnte bereits den nächsten Schlag.

    Dieser traf unweit des erstens, ließ Lucy hart zusammenzucken und brachte sie nah an einen Schrei.
    Ihr Hintern verfärbte sich bereits in einem satten Rot, auf dem die Striemen deutlich hervortraten. Catherine ließ ihr jedoch keine Zeit, denn sie wusste, wie wichtig es jetzt war, Lucy an ihre Grenze zu bringen. Weder Gnade noch Rücksicht zu kennen, bis diese jenen Punkt erreicht hatte, in der die Strafe sie zur Erlösung führte.
    Daher erfolgte der dritte Schlag keinen Augenblick zu spät und mit gleicher Stärke, quer über den Hintern ihrer Sub. Auch wenn sie dabei selbst nur schwer ihre eigene Erregung verbergen konnte. Lucy war einfach ein göttlicher Anblick, wenn sich ihr Körper unter ihren Schlägen wand.
    Den vierten Schlag platzierte Catherine tiefer, fast schon auf Höhe der Oberschenkel. Einerseits, um die anderen Striemen kurzzeitig zu schonen und andererseits, weil diese noch unberührte Stelle einen besonderen scharfen Schmerz verursachen würde.

    Ein Schrei entwich der Kehle der Sub dabei und sie spannte ihren ganzen Körper an. Konnte ihrer Herrin nicht ausweichen. Dieses ausgeliefert sein, diese Schmerzen. Sie ließen ihr Herz rasen, ließen ihren Körper beben. Lucy hielt den Atem an, spürte wie der Schmerz durch ihre Kehrseite zog, sich tiefer grub und sie schwach und hilflos zurück ließ. Und zugleich fühlte sie sich sicher und beschützt.
    „Hör auf...“, stießen ihre Lippen hervor. "Mach weiter, immer weiter“, schrien ihre Gedanken.
    Würde es nach ihr gehen, würde Catherine auch nach dem letzten Schlag noch nicht aufhören. Und was der Schrei begonnen hatte, führten Lucys Worte nun zu Ende. Drangen sie doch, einer glühend heißen Klinge gleich, direkt in Catherines Unterleib.

    Catherine ließ einen Laut hören, der irgendwie zwischen einem gehauchten Stöhnen und einem Seufzer lag. Dann krümmten sich ihre Lippen zu jenem Lächeln, das von jener Spur puren Sadismus kündete, der sie ausmachte:
    „Einer fehlt noch!“
    Und damit schlug sie zu. Jahrelange Erfahrung und das Wissen um Lucys Körper ließen sie so präzise treffen, wie man es von jemandem ihres Standes erwarten durfte. Zischend sauste die schlanke Form der Gerte auf eben jene Stelle nieder, von der aus der Schmerz direkt in das Zentrum ihrer Sub dringen und die Bestrafung vervollständigen würde.
    Der Körper vor Catherine spannte sich an. Für einen Moment schien die Zeit stehen zu bleiben, ehe Lucy gequält und zugleich lustvoll aufschrie. Ihre Knie gaben nach und ließen sie in den Ketten hängen. Zeitgleich mit den Wellen aus Schmerzen durchdrang ihr Höhepunkt sie. Jagte mit dem Schmerz um die Wette, bis sich beide miteinander vereinten und die Sub zitternd zurück ließen. Alle Geräusche blendete sie aus. Versank in einer tiefen Ruhe, die sie erfüllte, die nur Catherine ihr schenken konnte.
    „Mylady, ich danke dir“, flüsterte sie leise und demütig.

    Catherine hatte nur so lange gewartet, bis die Kräfte ihrer Sub erlahmten. Im nächsten Moment stand sie bereits hinter ihr, ließ Lucy erneut ihre Nähe und ihren Körper fühlen und genoss gleichsam den Moment. Jenen besonderen Augenblick, in dem sich die jüngere Frau völlig ihrem Willen ergab. Und das Wechselspiel zwischen ihnen Beiden in jene Tiefen entglitt, die anders niemals erreicht werden konnten.
    „Meine süße Lucy“, flüsterte Catherine nun und küsste sanft das Ohr ihrer Sub, während ihre freie Hand über deren Arm nach oben strich.
    „Du machst mich wirklich stolz.“

    Mit einem leisen Schnappen löste sich die Verbindung der Handfessel und wenig später folgten die anderen drei Ketten. Die ganze Zeit konnte Lucy dabei Catherines Körper fühlen und auf dessen Stärke vertrauen. So verlockend es auch gewesen wäre, sich an Catherine zu lehnen, blieb die Jüngere doch aufrecht stehen. Zitternd, da ihre Muskeln protestierten. Erst als die letzte Fessel gelöst war, sank sie langsam in die Arme ihrer Herrin.
    Zufrieden seufzte Lucy auf und lächelte leicht. Sie konnte durchaus auch mehr Schläge einstecken. Aber Catherines Spiel mit ihr hatte die Strafe heute vollkommen ausreichen lassen, um ihre rebellische Seite zu unterwerfen. Langsam drehte sie sich um und sank auf die Knie. Ergriff Catherines Hand und küsste zärtlich jeden einzelnen Finger.

    „Sieh an, wer sich da doch zu benehmen weiß“, neckte diese sie zärtlich und ließ ihre Finger dabei sanft über Lucys Lippen streichen. Dann schob Catherine zwei Finger unter das Halsband und zog ihre Sub auf die Beine, um sie nach einem tiefen Kuss zu der Couch zu führen. Aus den Augenwinkeln bemerkte sie, wie die Zuschauer sich auflösten, um ihnen Zeit zu geben. Leonardo und Diana saßen immer noch auf dem Stuhl, lächelten dem anderen Paar jedoch anerkennend zu, bevor sie sich ganz aufeinander konzentrierten.
    Catherine hatte unterdessen das Handtuch aufgenommen und sich auf die Couch sinken lassen. Lächelnd entrollte sie den Packen und offenbarte eine kleine Flasche Wasser, einen Riegel von Lucys Lieblingsschokolade sowie eine Tube mit Salbe.
    „Leg dich über meine Knie“, forderte sie ihre Sub nun auf.

    Nur zu willig hatte sich Lucy auf die Beine ziehen lassen und war ihrer Herrin zur Couch gefolgt. Die Worte Catherines ließen sie erneut erschaudern. Wollte sie ihr etwa noch den Hintern versohlen? Widerworte gab es allerdings keine mehr. Für den Moment schien sie wahrlich brav zu sein. Langsam legte sie sich hin und drehte den Kopf so, dass sie Catherine ansehen konnte.
    „Mylady...“, flüsterte sie liebevoll.

    Als Catherine den Blick erwiderte, konnte man ihren Augen und dem Lächeln auf ihren Lippen ersehen, wie tief die Gefühle reichten, die sie für ihre Sub empfand.
    „Keine Angst, deine Bestrafung ist vorbei. Ich will nur sicher gehen, dass ich dich nicht dauerhaft verletzt habe“, erklärte sie und strich Lucy sanft ein paar Strähnen hinter das Ohr.
    „Willst du etwas Wasser oder etwas zu essen?“

    Erleichterung und Enttäuschung waren gleichermaßen in der Jüngeren vertreten, als sie Catherines Worte vernahm.
    „Ich bin ein wenig durstig“, hatte sie nach Höhenflügen doch immer ein wenig Probleme mit dem Kreislauf. Was sie natürlich nie zugeben würde, aber ihre Herrin kannte sie einfach zu gut. Vor ihr war sie ein offenes Buch, egal wie trotzig sie sich benahm. Catherine schien immer zu wissen, was in ihrer Sub vorging und wie sie damit umzugehen hatte.
    „Und du weißt doch, dass mich etwas Dauerhaftes nicht stören würde. Es kommt doch von dir, Mylady“, ihre Worte waren voller Zuneigung entgegen gebracht.

    „Das weiß ich doch. Genau wie du weißt, dass ich die Striemen auf deiner Haut liebe. Oder zu sehen, wie du die nächsten Tage herumrutscht und beim Sitzen an mich denken musst“, erwiderte Catherine lächelnd. Dann reichte sie Lucy die Wasserflasche und küsste diese dabei sanft aufs Ohr. Mit den Fingern der freien Hand strich sie jedoch im nächsten Moment über die deutlichen Spuren der Gerte an Lucys Hintern.
    „Aber wir wollen doch beide nicht, dass mehr zurückbleibt“, fügte sie hinzu. „Ansonsten musst du dich am Ende noch benehmen, weil wir länger warten müssen, bis ich dich wieder bestrafen kann.“

    „Aber Mylady!“, rief die Jüngere gespielt empört aus. „Ich benehme mich doch“, ein Schaudern durchfuhr sie, „immer“. Lucy trank langsam ein paar Schlucke und legte den Kopf anschließend auf der Couch ab. Natürlich hatte Catherine Recht. Sie hatte fast immer Recht. Aber musste sie es deswegen auch zugeben? Wobei es wirklich schade wäre, über eine längere Zeit auf Züchtigung verzichten zu müssen. Da könnte sie ja glatt auf dumme Gedanken kommen.

    Lachend griff Catherine unterdessen zu der Salbe und verteilte etwas davon auf der geschundenen Haut ihrer Sub. Mit zwar sanften, aber deutlich spürbaren Bewegungen massierte sie diese dann ein. Oh ja, sie kannte Lucy nur zu gut und wusste, wie sehr es ihr missfallen würde, sich wirklich benehmen zu müssen. Dabei ging es ganz sicher nicht darum, einer Bestrafung zu entgehen. Nein, das Gegenteil war der Fall und daher würde Catherine sehr genau auf die Pflege nach jeder ihrer Sessions achten. Schließlich dürstete der sadistische Teil in ihr doch genauso nach einer Wiederholung.

    Lucy kam nicht umhin, auch die Pflege sichtlich zu genießen. Auch wenn die Session heute etwas sanfter gewesen war. Ruhig atmete sie ein und aus. Still und entspannt. Erst, als die massierenden Bewegungen endeten, drehte sie den Kopf wieder so, dass sie Catherine ansehen konnte. „Ich liebe dich, Mylady.“
    Und diese Worte beschrieben das Zentrum ihrer Beziehung. Den Grundstein, der durch ihre gemeinsamen Spiele gefestigt und vervollständigt wurde. Mit einem sanften Ausdruck in den Augen beugte sich Catherine hinab und küsste Lucy zärtlich auf den Mund. Gab ihr damit eine wortlose Erwiderung, in der sie die Gefühle ihrer Mylady schmecken konnte.

    Dienstag, 10. Mai 2016 9:25
  • Nanni

    Juli Permalink

    Das Thema finde ich ja echt spannend. So wohl als Schreiberin, als auch als Leserin. Und da ich mich mit Sex so gut wie nicht auskenne ;) - was jetzt nicht heißen soll, dass „ungeöffnet zurück“ auf meinem Grabstein stehen würde. Aber eine Beate Uhse bin halt auch nicht gerade ;D ..., finde ich es toll, dass so offen darüber diskutiert wird (Wichtig!) und jede ihre „Stellung“ dazu bezieht.

    Juli, Juli, Juli … was soll ich nur sagen. So jung und schon solch imposante Erfahrungen gesammelt. Hammer! Soll ich jetzt stolz oder entsetzt sein? ;) Jedenfalls teile ich die Meinung vieler, dass jeder seine Vorlieben ausleben soll. Solange niemand dabei verletzt wird ... ungewollt verletzt wird.
    Und ich finde es mutig, dass Du so offen hier über Deine Erfahrungen sprichst. Ich weiß zwar immer noch nicht ob ich überrascht, geschockt, oder erstaunt sein soll, da ich Dich durch den Chat etwas kennenlernen durfte, und weiß, wie alt Du bist … Deshalb Respekt! 10 Jahre ist da schon eine Ansage.

    Deine Idee zu dieser Geschichte ist nicht schlecht. Anders ist immer gut, und normal eher unscheinbar. Aber, Du musst wirklich mehr auf die Gefühle Deiner Protagonistinnen eingehen. Sonst wird es verdammt schwer die Leserin zu begeistern, oder die Interesse der Geschichte zu wecken, oder sich mit einer Deiner Lieblingscharaktere zu verbinden.
    Und da stellt sich mir die Frage, warum Du jetzt von dieser Geschichte auf eine andere umspringst? Das finde ich schade. Aber kann es auch, glaube ich, gut verstehen. ;)

    Dennoch: Lass Dich nicht entmutigen und versuche diese Kurzgeschichte mal zu Ende zu bringen. Beende diese Geschichte, und fange nicht immer was anderes an, sobald es nicht so läuft, wie Du es Dir vllt. wünschen würdest. Die Herausforderung von 250 Wörter hin oder her. Du kannst die Challenge auch hier für benutzen. ;) Mir ist natürlich schon klar, dass die Ideen sprießen und sprudeln … aber immer nur eine Geschichte anfangen und sie nicht zu Ende bringen, finde ich sehr schade. Gerade, wenn es sich um die eigenen Lieblingscharaktere handelt.
    Schwimme nicht so. Steh die Welle und brich sie.

    Ich mag das Handwerk auch nicht, dennoch muss ich mich daran halten, da es ein nötiges Muss ist. Wobei ich da bei mir mehr die Schreiberei meine, als die Gefühlswelt der Protagonistinnen. Auch wenn es der Kreativität oder der Phantasie schadet, muss das Handwerk schon sein. Im Leben muss man sich halt an einiges halten. Sonst gibt es nichts weiter als Chaos. Oder man bringt nichts zu Ende. Was immer sehr schade ist. Und gerade bei solchen Grenzgeschichten, die nicht jede Leserin alltäglich erlebt, muss Du das Innenleben Deiner Hauptfiguren so hinschreiben, das die Leserin davon getragen wird. Gefühle sind da das A und O. Sonst wird es einfach nur ein 08/15 Projekt. Und dafür sollte keine Frau herhalten. Nicht einmal die Protagonistin in einem SM-Roman. ;)

    Freitag, 13. Mai 2016 15:15
  • Meine liebe Nanni,

    wie ich mich freue von dir zu lesen :) Du glaubst gar nicht wie ich dich vermisse ;)
    Die Geschichte hier ist schon ein wenig älter Nanni. Über ein Jahr. Da bin ich schon lange raus. An dem wo ich aktuell arbeite bin ich voll drin. Also nutze ich die Phase einfach mal :)

    Wie geht es dir denn so?
    Im übrigen heißt es "ungelocht eingelocht" :D:D:D

    Freitag, 13. Mai 2016 16:49
  • Ellen ESS.

    Juli Permalink

    "Ungelocht eingelocht" ... Aha ... das lese ich zum ersten Mal überhaupt. Dabei bin ich schon so alt. ;) Tja, man lernt halt nie aus.

    Samstag, 14. Mai 2016 10:39
  • Nanni

    Juli Permalink

    Liebe Juli,

    dass ist sehr nett und schön von Dir, dass Du mir das schreibst. Ich habe auch öfter an Dich denken müssen. Soweit ist alles okay bei mir, danke der Nachfrage. Ich hoffe, Dir geht es auch gut.

    Dann wünsche ich Dir bei Deinem neuen Projekt viel Spaß, Inspiration und Durchhaltevermögen. Ich bin sehr gespannt was dabei heraus kommen wird. Ich drück Dir jedenfalls fest die Daumen und freue mich schon wenn wir Deine neue Geschichte zu lesen bekommen. Wir bekommen sie doch zu lesen? :)

    Das „ungeöffnete einlochen“ üben wir dann noch. ;D
    Bis dahin wünsche ich Dir eine tolle Zeit und lass es Dir gut gehen. Ganz liebe Grüße von mir zu Dir.

    Samstag, 14. Mai 2016 9:53
  • Ruth Gogoll

    Nanni Permalink

    Die Geschichte gibt es bestimmt zu lesen, aber dann vielleicht eher im »Schreibforum« statt hier auf der Webseite. Es ist doch ein etwas intimes Thema. Momentan wird ja im Schreibforum wie wild geschrieben, jeden Tag 250 Wörter, da kommt auch diese Geschichte bestimmt schnell voran. :)

    Sonntag, 15. Mai 2016 14:25
  • Wo Juli schreibt, muss sie entscheiden. Hauptsache sie schreibt. :)
    Aber das Schreibforum ist da schon die bessere Wahl, als die Öffetnlichkeit hier auf der Seite. Gerade wenn es erotisch und intim wird. ... Also jetzt in einer Geschichte. ;)

    Montag, 16. Mai 2016 17:12
  • Seanait

    Juli Permalink

    Wenn ich jemanden auf der Straße frage, was er bei "Domina" denkt, kommt in der Regel das Bild der professionell arbeitenden Domina heraus. Genauso bei einer google-Suche, Wikipedia, etc. Bei entsprechenden online Kontaktplatfformen wird auch meist klar, dass Domina für diejenigen steht, die sich bezahlen lassen. Ansonsten kenne ich den Begriff allerhöchstens aus der heterosexuellen Szene. Ich weiß zwar nicht, was du mir genau mit den Jahren der Erfahrung sagen möchtest, aber ich bin ebenfalls seit über 10 Jahren dabei ... aber eben queer. Mich persönlich spricht der Begriff nicht an, das musst du natürlich nicht als Kritik verarbeiten. Und ich denke, letztlich hat das nichts damit zu tun, wie lange man in der Szene ist ... Jahre schaffen nicht unbedingt Erfahrung. Und ein wenig fühle ich mich gekränkt - ich wollte nur konstruktives Feedback geben und nicht mit "Meine Jahre machen es!" gekontert werden. So, genug dazu. ;-)

    Mir ging es dabei um keinen Szenejargon. Ich glaube, jede wird den Begriff "Domme" oder "Herrin" schnell verstehen können. Überhaupt finde ich es schriftlich spannender, mit entsprechenden Wörtern und Beschreibungen zu spielen und Abwechslung zu schaffen. Und ich glaube, kaum jemand außerhalb der Szene weiß, was ein Flogger oder eine Bullpeitsche ist. So viel zum Jargon ...

    Pro deiner Geschichte: du erwähnst den Teil der Verantwortung, etc. Das klärt schon etwas auf.

    Leider spricht mich die Geschichte ansonsten immer noch nicht im entferntesten an. Die Emotionen kommen für mich immer noch nicht rüber, die Verbindung kaum. Ich finde es leider auch etwas langweilig, bemerke irgendwie kaum Spannungsaufbau ... vielleicht weil das Innenleben zu kurz kommt?

    Vermutlich bin ich einfach ein wenig zu krass drauf, aber die 10 Schläge fand ich eher süß ... Ich mag den extremen Kick, die Dynamik dabei. Ich bin auch sadistisch und meine masochistische Partnerin würde mich vermutlich auslachen oder enttäuscht fragen, "Wie, das war's?" ;-) Aber gut, ich verstehe: es ist schwer, das in einer Geschichte korrekt darzustellen. Sadismus kommt eben erst sehr strange daher und muss mit viel Innenansicht beschrieben werden, das ist vermutlich nicht so einfach. Die Mischung aus extremen Sadismus, dem Wunsch Blut sehen zu wollen und doch die Verbindung und Nähe darin - das hätte doch mal Sprengkraft für eine Geschichte. Aber okay, sanfte "Session", hm ...

    Ich weiß auch nicht, wie Außenstehende auf das Tattoo, etc. reagieren. Wenn du da "die anderen" ansprechen möchtest, wäre es vielleicht nicht schlecht, die anderen mehr mitzunehmen und näher auf die emotionale Bedeutung einzugehen ... Und kann es sein, dass du später von Flogger zu Gerte wechselst? Die wurde zu Beginn nicht erwähnt, ist aber nur evtl. ein minimaler Logikfehler und nicht so schlimm.

    So zieht sich für mich die Beschreibung etwas lange hin, andauernd lese ich von Benehmen und Strafe und ja ... irgendwie bleibt es eine sehr lange Beschreibung und für mich kaum eine Geschichte ... Man hätte es vielleicht auch humorvoll gestalten können, fällt mir gerade ein. Muss ja nicht extrem werden, aber einfach mal die gängigen Klischees aufbrechen. Nicht jeder Blick und jedes Lachen der Sub muss bestraft werden, als Dom geht auch mal etwas schief - kurz: man erlebt gemeinsam auch ziemlich lustige Situationen. Dominant ist, wer trotzdem lacht ;-)


    Ich glaube, ich belege doch mal einen Schreibkurs. Mir fallen leider selten spannende Handlungen ein - also, bei Geschichten.

    Dienstag, 10. Mai 2016 11:38
  • Ich weiß ehrlich gerade nicht was ich sagen soll. :(
    Es ist eine Kurzgeschichte. Ein kurzer Einblick in eine nicht alltägliche Welt.
    Verzeih das ich da nicht gleich mit 100 Schlägen und was weis ich um die Ecke komme.
    Für eine normale Leserin wäre das eher abschreckend.

    Keine Ahnung was du für Leute auf der Straße befragst. Aber gut.
    Machs einfach besser wenn es dir zu harmlos ist.
    Ich wollte jedenfalls keine Geschichte für kleine hardcore-smler schreiben.
    Hetero bin ich nebenbei auch nicht. Aber danke für die Unterstellung.

    Dienstag, 10. Mai 2016 12:23
  • Seanait

    Juli Permalink

    Es tut mir Leid, wenn das falsch ankam - mir ging es nicht primär um zu harmlos oder nicht, das war nur einer der Punkte. Und ich habe es nicht ironisch gemeint, als ich meinte Sadismus, etc. wären schwer darzustellen. Nur hast du eben von einer Masochistin und einer Sadistin geschrieben ... Mir ging es auch nicht um stumpfe Brutalität, sondern darum, die Leserinnen tatsächlich in ein fremdes Gebiet auf sicherem Wege mitzunehmen, nicht sie davon zu überzeugen, nur um Einblicke zu verschaffen ... Lassen wir diese Diskussion völlig außen vor, fehlen mir leider immer noch die Emotionen und die Spannung.

    Ich habe dir nicht unterstellt, hetero zu sein. Ich habe nur darüber nachgedacht, inwiefern mir der Begriff entgangen ist, was ja durchaus auch möglich ist. Und je nach Wohnort hat man weniger Gelegenheit in eine gemischtere bzw. überhaupt rein lesbische Gruppe zu kommen, so dass man sich an Stammtischen, etc. öfter mal allein als queer/lesbisch erlebt. Das hätte ich oben dazu sagen müssen.

    Ich dachte, es wäre hier auch eine Möglichkeit, Anregungen auszutauschen. Ich wollte nicht, dass das böse erscheint.

    Dienstag, 10. Mai 2016 19:23
  • Ruth Gogoll

    Seanait Permalink

    Ich denke, der Unterschied ist der, das Du, Seanait, Dich offenbar sehr gut im SM-Bereich auskennst bzw. das auch betreibst, während es bei Juli eine reine Phantasie ist (nehme ich jedenfalls jetzt mal so an). Es ist jetzt also die Frage, wie realistisch muss das sein? Oder reicht auch die Phantasie?

    Ich habe ja selbst mal in einem Buch ein wenig mit SM-Szenarien gespielt, und dabei habe ich gemerkt, dass es doch sehr schwierig ist, wenn man das nicht selbst betreibt. Unsere Phantasie ist eben sehr von Filmen oder Büchern geprägt, wenn die eigene Erfahrung fehlt. Shades of Grey ist momentan natürlich wahrscheinlich die bekannteste »Vorlage«, hat aber mit Realität überhaupt nichts zu tun. Das ist eine Fanfiction, und wenn schon das Original nicht gut ist, wie soll dann die Kopie sein? ;)

    Wir haben ja das Buch GrenzLust herausgebracht, das auch mit SM-Szenarien spielt, aber das geht anscheinend noch, denn da hat sich niemand beklagt. Es ist aber immer ein bisschen ein Eiertanz. »Echte« SM-Literatur wird wahrscheinlich nur von Eingeweihten geschrieben und gelesen, denn das wird wohl zu spezifisch sein für ein weiter gestreutes Publikum. Aber ich kenne mich da zu wenig aus. Das ist nicht mein Gebiet.

    Deshalb würde ich sagen, eine Phantasie hat immer das Recht, unrealistisch zu sein. Es ist ein Traum ohne Anspruch an die Wirklichkeit. Eigentlich sind alle el!es-Bücher solche Träume. Alle Liebesromane. Es sind Wunschvorstellungen. Ich glaube, niemand kommt auf die Idee, einen Liebesroman an der Realität zu messen. Deshalb würde ich das auch hier nicht tun. Es ist die Vorstellung der Autorin, in diesem Fall Julis Vorstellung, sonst nichts.

    Was die Spannung und die Gefühle angeht, das ist etwas anderes. Das ist schriftstellerisches Handwerk, und daran muss die Autorin noch arbeiten. Die Gefühle müssen für die Leserin spürbar sein, und das geht nur über das Innenleben der Figuren, über den Weg, dass die Leserin sich mit einer der beiden Figuren identifizieren kann. Das ist unabdingbar, sonst funktioniert eine Geschichte nicht.

    Dazu müssen die Figuren in ihrer Vielfalt dargestellt werden, beispielsweise auch in ihrem alltäglichen Umfeld, auf der Arbeit, im Privatleben, in der Familie, nicht nur in der Ausnahmesituation als Sadistin und Masochistin.

    Ich wüsste jetzt nicht, mit welcher der beiden ich mich identifizieren sollte, ich möchte weder Sadistin noch Masochistin sein, für mich beruht eine Beziehung immer auf Gleichberechtigung. Aber wenn die Prämisse hier nun einmal so ist, dass es eine SM-Beziehung sein soll, würde ich gern wissen, warum diese beiden das wollen und brauchen. Warum reicht ihnen eine »normale« Beziehung nicht? Was ist der Reiz einer solchen ungleichberechtigten Beziehung? Woher kommt die Sehnsucht danach?

    Ich denke, wir alle wollen uns mal fallen lassen, vielleicht auch einfach in die Arme einer starken Frau sinken und ihr die Verantwortung überlassen, uns verwöhnen lassen, ohne etwas tun zu müssen. Aber Masochismus geht ja in eine ganz andere Richtung. Schläge haben mit Verwöhnen nichts zu tun. Warum also will man so etwas?

    Die andere Rolle ist natürlich genauso ein Punkt. Warum will man dominieren, beherrschen? Fühlt man sich dadurch wirklich stark? IST man stark? Oder ist man eigentlich schwach und möchte dann wenigstens mal in so einer Beziehung das Sagen haben? (Weil man es sonst nie hat?)

    Diese psychologischen Hintergründe würden mich interessieren, und deshalb würde ich mir wünschen, Juli, dass Du die Gefühlsebene und die Hintergrundinformationen noch sehr ausbaust, damit wir mit den Protagonistinnen mitfühlen können. Dann wird es auch automatisch spannender. Denn die Wiederholung der immer wieder selben Situation und Reaktion ist nicht spannend. Zu einer guten Dramaturgie gehört eine Entwicklung. Das heißt, die beiden müssen sich am Ende der Geschichte verändert haben, sie müssen etwas gelernt haben, sie müssen andere Menschen sein als am Anfang. Sie müssen durch den »mythischen Wald« gegangen sein, wie das in der Heldenreise heißt.

    Was ist das Ziel dieser Geschichte? Was soll am Ende dabei herauskommen? Soll eine der beiden feststellen, dass SM doch nichts für sie ist? Soll eine der beiden feststellen, dass sie eine andere Art von Beziehung will, aber durchaus mit derselben Person, mit der sie jetzt diese SM-Beziehung hat? Stellen Sie fest, dass sie mit jemand anderem vielleicht glücklicher wären und trennen sich?

    Oder stellen sie fest, dass sie zu viel voneinander erwarten? Zu wenig? Möchte eine von beiden Kinder, die andere aber nicht? Will die eine Monogamie und die andere wechselnde Partnerinnen? Lieben sie sich oder sind sie nur eine Zweckgemeinschaft? Es gibt so viele unbeantwortete Fragen.

    Wenn Du die Geschichte weiterschreibst, solltest Du die Entwicklung im Auge behalten. Von wo nach wo willst Du die Protagonistinnen bringen? Was ist die Prämisse dieser Geschichte?

    Es ist spannend, sich damit zu beschäftigen, und vielleicht wird dann ja sogar ein ganzer Roman daraus, nicht nur eine Kurzgeschichte. :)

    Dienstag, 10. Mai 2016 20:03
  • Es ist wirklich spannend zu sehen wie unterschiedlich die Reaktionen sind.
    Auf einer Szeneseite wo sich nur Leute rumtreiben, die mit BDSM zu tun haben kam die Geschichte sehr gut an. Da wurde geschrieben wie tief die Gefühle zwischen den Beiden sind und wie gut nachvollziehbar die Empfindungen der Charaktere sind.
    Bei einer 'normalen' (nicht böse gemeint ;) ) Fehlt das anscheinend auf einmal.
    Ich für meinen Teil bin momentan mehr als nur zwiegespalten und weiß gar nicht was ich noch glauben soll.
    Es verunsichert mich auch um ehrlich zu sein und ich zweifel arg an mir selber gerade.

    Abgesehen davon habe ich entsprechende Erfahrungen in der Szene Ruth. Im übrigen hätte meine Herrin mich damals erschlagen wenn ich sie statt Domina als Domme bezeichnet hätte. Nur mal am Rande.

    Naja wie auch immer. Ich geh weiter grübeln und werde doch zu keinem Ergebnis kommen :D

    Dienstag, 10. Mai 2016 20:16
  • Ruth Gogoll

    Juli Permalink

    Du musst Dich einfach mehr mit dem Handwerk beschäftigen, darum drückst Du Dich immer. ;) Die Leute auf der BDSM-Seite, auf der die Geschichte gut ankam, wissen vermutlich noch nicht einmal, was schriftstellerisches Handwerk ist, die haben nach ganz anderen Kriterien geurteilt als ich. Für mich zählt Dein Können als Autorin.

    Du hast unheimlich gute Ideen, immer wieder, aber Du bringst sie nicht zu Ende, weil Du eben das Handwerk außen vor lässt. Darum geht es mir einzig und allein. Das Thema ist mir egal, das Handwerk ist wichtig. Was ist die Prämisse dieser Geschichte? Das ist die erste Frage, die Du beantworten musst.

    Wenn Du eigene Erfahrungen in der Szene hast, musst Du davon abstrahieren. Diese Erfahrungen sind nur die Grundlage, der Anstoß, sie dürfen niemals die Geschichte sein. Wie ich schon mal sagte: Autobiographische Geschichten sind die schlechtesten. Entfern Dich davon, nimm die Idee, nimm die Psychologie, erklär der unbedarften Leserin, warum ein Mensch sich schlagen lassen will, sich von jemand anderem dominieren lassen will. So, dass jeder mitfühlen kann.

    Auf der BDSM-Seite war das wahrscheinlich jedem klar. Die Leute haben halt solche Bedürfnisse und stellen sie nicht in Frage. Aber ein Mensch, der diese Bedürfnisse nicht hat, fragt sich doch zuallererst: Wie kommt man auf so was? Und diese Frage musst Du für ein allgemeines Publikum beantworten, bei dem Du davon ausgehen musst, dass es das erst einmal nicht nachvollziehen kann. Es ist Deine Aufgabe als Autorin, das nachvollziehbar zu machen, nicht nur für Leute, die es sowieso schon wissen. Da fängt die Kunst an. :)

    Dienstag, 10. Mai 2016 20:29
  • Drücken? Wer ich?:p *hüstel* Ich habs einfach nicht so mit regeln Ruth. Das schränkt meine Kreativität so ein, vorher drüber nachzudenken was ich da schreibe :o Aber ja ich weiß, dass du Recht hast. Wenn mal wirklich was draus werden soll muss ich wohl Kompromisse eingehen :o
    Du kennst mich einfach zu gut :p

    Was Catherine und Lucy angeht sollte es einfach nur ein kleiner Einblick in eine andere Welt, ein kleiner Auszug aus dem Sm sein. Nichts großartiges, nur meine zwei liebsten Charaktere :D

    Dienstag, 10. Mai 2016 20:45
  • Ruth Gogoll

    Juli Permalink

    Aber das muss man spüren, dass sie Deine liebsten Charaktere sind. Momentan habe ich eher den Eindruck, sie sind der Autorin ein bisschen gleichgültig. Weil Du sie doch recht oberflächlich beschreibst, nicht in die Tiefe gehst. Das hat jetzt gar nichts mit Regeln zu tun, sondern nur mit dem Gefühl. Geh in die Tiefe, verabschiede Dich von der Oberflächlichkeit. Du kannst das. ;)

    Dienstag, 10. Mai 2016 20:56
  • Ja ich versuch es. Momentan hänge ich wieder an einer Idee fest. Versuche die aktuell mit der 250 Wörter am Tag Challenge umzusetzen. Mal schauen was drauß wird. Die gibts aber erst zu lesen wenn es fertig ist ;)

    Dienstag, 10. Mai 2016 21:01
  • Seanait

    Juli Permalink

    Hallo,

    ich bin mit der Geschichte etwas zwiegespalten. Ich möchte nicht ausschließen, dass Juli BDSM so erlebt hat - letztlich ist das ein sehr weites Spektrum - auf der anderen Seite habe ich das Gefühl, dass durch diese Art von Geschichten ein gewisser Riss in der BDSM-Szene entsteht und ich mehr Schwierigkeiten bekomme, passende Partnerinnen zu finden. ;-) Oder andere Gefahr laufen, sich versehentlich auf etwas einzulassen, dass sie vorher falsch eingeschätzt haben.

    Ich schreibe das jetzt aus zwei Gründen: 1. seit "50 Shades of Grey" und diversen Geschichten geht sehr viel schief und wird viel missverstanden 2. als Gedankenanregung für weitere Geschichten:

    - Ein wenig störe ich mich am Begriff der "Domina". Vielleicht weil ich das selbst noch nicht so erlebt habe und damit eher die Damen verbinde, die das beruflich machen. "Domme" wäre vielleicht besser. (Ich habe nachgeschlagen: Wikipedia sagt auch, dass damit die gemeint sind, die dafür Geld nehmen.)

    - Warum ist ein Mann der Dom? Das gibt es recht häufig anders herum, wird aber scheinbar selten so dargestellt. Die Sache mit der Kiste verstehe ich übrigens gar nicht. Hat sie jetzt Lust daran, dass ihr Herr ungewöhnliche Sachen macht oder doch eher Angst, und zwar die falsche Sorte Angst, weshalb sie die ganze Zeit aktiv darüber nachdenken muss, was es ernsthaft zu verhindern gilt ... ?! Finde ich an dieser Stelle zu grenzwertig. Kann sein, dass ich dabei überreagiere, weil bspw. "50 Shades of Grey" für mich eine Missbrauchsgeschichte und kein BDSM ist und ich deshalb in Geschichten generell klare Abgrenzungen möchte ... Und dann sollte sie mal schleunigst sämtliche Küchenmesser, scharfen Gegenstände, etc. wegpacken.

    - Ich verstehe nicht, inwiefern Lucy renitent ist? Mir fällt häufig auf, dass dominante Anfängerinnen bei Blicken überreagieren.

    - Schmerz hat nicht primär mit Demütigung zu tun, das hat mich irritiert. (An der Stelle mit Lucys Vorerfahrung. Wobei mich das ingesamt irritiert hat.)

    - Ich bin Masochistin. Ich muss mir das Lachen verbeißen, wenn eine mich dominieren wollende Frau anfängt, sich Strafen auszudenken, um einen Vorwand zu haben, mich entsprechend zu behandeln - und verabschiede mich höflich. Strafe ist eigentlich wirklich im Sinne von "ich bekomme nicht, was ich möchte/es passiert etwas tatsächlich unangenehmes" gemeint - und das kann dann schlicht darin bestehen, dass Dom Sub ignoriert. Ja, klingt harmlos, im Vergleich zu all den Werkzeugen, aber ich kenne niemanden, der gern ignoriert wird. Wenn die eine sadistisch ist, sie einfach Spaß daran hat, die andere quälen zu können und sich die Masochistin darüber freut, das zu bekommen, was sie will/wonach sie sich sehnt, wird das mit den "schmerzhaften Strafen" albern. (Masochisten erfahren Erregung und Lust über Schmerzen, dazu kann jede denken, was sie möchte, aber das ist eben so ... ) Dafür ja das "gute Benehmen" ... Ansonsten kann es einem auch gut passieren, dass sich eine devot-masochistische Frau, die sich darauf einlässt, die ganze Zeit so daneben benimmt, um eben zu bekommen, was sie möchte und letztlich von unten topt. (Filmtipp: "The Duke of Burgundy") Dann hat man seine Dominanz tatsächlich verloren - und vielleicht auch nie verstanden. Mir ist es einmal passiert, einer sehr starken Masochistin zu begegnen, die eigentlich nur primär Schmerz erfahren wollte und versuchen wollte, mich zu manipulieren - wir haben den D/s Teil dann weggelassen und sind zum reinen SM übergegangen. Letztlich haben wir auf D/s Ebene nicht zussammengepasst. Gibt's auch. Es gibt übrigens auch dominante Masochistinnen.


    - Es gibt mittlerweile viele, die nur noch ihre Präferenzen abklären und "spielen". Das ist ein wenig wie mit den normalen ONS. Das ist in Ordnung. Ich fände es spannender, eine Geschichte zu lesen, die mehr die psychischen Dynamiken herauskitzelt. So wie ich es erlebt habe, ist es nicht nur eine "Rolle" die man sich überstülpt und dann wieder ablegt bzw. lasse ich mich auf solche Menschen nicht ein. Nachdem ich switche, jetzt meine dominante Perspektive: in einem Spiel kann so viel Adrenalin und Endorphin ausgelöst werden, dass Sub ALLES tun würde und anfängt, ganz wunderbare Vorschläge zu machen, worauf man aufpassen sollte, sonst kann es einen üblen Absturz, auch noch nach drei Tagen geben - wäre ziemlich doof, wäre ich da nicht entsprechend da - und genauso könnte sie schon während des Spiels, wenn man nicht genug auf Körpersprache, etc. achtet - abrutschen und evtl. nicht in der Lage sein, daran zu denken, das Safeword zu sagen. (Ich habe noch bei keinem Spiel selibiges gebraucht.) Dafür ist es wichtig, die andere intensiv zu kennen. Ja, ja, das ist Arbeit! Aber eben auch so spannend. Und daher ist es ein wenig schwer zu behaupten, dass es eben eine Rolle in einer bestimmten Situation ist ... ich bin zwar nicht bei 24/7 Geschichten dabei, aber auch außerhalb des Spiels behalte ich tendenziell die Rolle, dass sich die andere anlehnen und fallen lassen kann. Man macht einfach extreme Sachen, es ist ein Spiel mit Angst, Lust und Scham. Und wenn man sich nach drei Tagen im Alltag fragt, was man da eigentlich gemacht hat ... oder es werden irgendwelche anderen Emotionen ausgelöst. Die kann man eben nicht so einfach steuern und abhaken. Deshalb sollte beim aller ersten Spiel im Leben auch nicht zu viel passieren/geplant werden. Kleinigkeiten können schon große Auswirkungen haben oder man kommt in einen Rausch und geht doch etwas zu weit ...

    Ich switche zurück: Es ist auch deshalb keine Rolle, weil es keine Situation in meinem Alltag gibt, bei der ich so ausgeliefert, abhängig und "nackt" bin - es geht um die tiefsten Sehnsüchte, die so eigen sind, dass man sie selten bei Tageslicht erzählen würde. Der Kontakt, die Geborgenheit, die Nähe die da entstehen sind unglaublich. Ich denke, das kann man auch gut beschreiben. Das kam im Ansatz ja auch schon in der Geschichte vor.

    Und natürlich kann man als dominanter Part dabei auch seine Gefühle äußern, ohne aus irgendeiner Rolle zu fallen. Gibt sich die andere so hin, ist das sehr kostbar. Man kann genauso zärtlich und liebevoll sein. Das ist, gerade zu Beginn, auch ziemlich wichtig. Und wenn man eine feste Beziehung hat, genauso. Wenn mir meine Partnerin in bestimmten Situationen keine Nähe über Zärtlichkeit signalisiert hätte ... das gibt schließlich auch Sicherheit. Und ist schlichtweg schön ... ? Und gehört zum Auffangen dazu ... ? Wenn die Hormone nachlassen, man sich wieder einrenkt, etc. (Bondage ist meist nicht so bequem), dann ist kuscheln wirklich schön. Das kann aber auch zu jeder anderen Zeit stattfinden ... man kann auch im D/s Rahmen "normalen Sex" haben oder nur kuscheln.

    Dominanz ist so eine Sache. Sie besteht nicht primär darin, dass eine die Ansagen macht und die andere erfüllt und ansonsten bestraft wird. Es gibt dominante Frauen, die mich völlig in ihren Bahn ziehen, vor denen ich sofort auf die Knie gehen will, gehorchen will und alles mache, um ihre sowohl zärtliche, als auch sadistische Aufmerksamkeit zu bekommen, bei denen ich sonst nicht mehr viel denke(n muss), weil sie genau wissen, was sie tun und wissen, was ich brauche, die allumfassend sind und bei denen ich gar keine Chance habe, psychisch auszuweichen - es ist dieser tiefe Blick, das Gefühl, dass sie mich komplett lesen kann ... und daraus resultiert das Vertrauen, sich über Grenzen führen zu lassen. Ja, da bleibt immer ein wenig Angst und Unsicherheit, aber das wird nie zu viel, nur eine leicht prickelnde Mischung. Eine gute Domme lässt einen groß, stark und stolz werden. Es ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Und selbst, wenn man nie wieder miteinander spielt und/oder sich die Beziehung verändert - die Erinnerung an diese Verbindung bleibt. Wenn man sich auf dieser Ebene einmal vertraut hat, gibt es nichts mehr, worüber man nicht reden könnte ...


    Gerade diese Gefühlswelt macht es für mich spannend. Und im Alltag finde ich BDSMler nicht "normal". ;-) Das sind meist äußerst reflektierte Menschen, die ihrem Gegenüber sehr bewusst und achtsam begegnen, dazu sehr tolerant und äußerst verständnisvoll sind. Das ist nicht nur im Spiel ein sehr echter, ehrlicher Kontakt. Kenne dabei auch niemanden, der nicht einmal seine Vorlieben in Frage gestellt hätte. Darüber spricht man ja auch. Manchmal hat das etwas von Beichte. Und in der Umsetzung ziemlich häufig von Erlösung, die suchen wir alle, manche nur extremer als die anderen. Die Gründe dafür sind unterschiedlich.


    Also - das Thema gibt richtig viel her, wenn man von den Standardvorstellungen abweicht. Man kann unglaublich viele Gefühle ausloten und ergründen, in den Rollenverteilungen sehr kreativ werden ... Aber so erinnert mich die Geschichte eben doch wieder eher an "abenteuerlichen Sex", ein einfaches Rollenspiel und wenig an die Verbindung, die möglich ist. Das ist in Ordnung und ich verurteile niemanden, der das so für sich erlebt/macht. (Wäre ziemlich seltsam aus meiner Position heraus, irgendjemanden zu verurteilen ;-))

    Montag, 9. Mai 2016 23:43
  • Ruth Gogoll

    Juli Permalink

    In dieser Szene kenne ich mich wirklich nicht aus. ;) Was mich ein wenig stört, ist das Wort "verschlagen". Das klingt schon ziemlich negativ. Überhaupt erscheinen die Figuren nicht wirklich sympathisch. Selbst bei einer SM-Geschichte sollten sie das doch irgendwie sein. Es scheint ein wenig, als hätten sie keine persönliche Beziehung zueinander, als wäre das alles nur ein Spiel völlig unabhängig von Gefühlen. Soll es so sein?

    Ich bin bei Geschichten sehr von Gefühlen abhängig. Wenn die Geschichte keine Gefühle in mir erzeugt, lese ich sie nicht. Kannst Du da nicht vielleicht noch was Gefühlsmäßiges einbauen, mehr das Innenleben der beiden beleuchten?

    Montag, 9. Mai 2016 9:26
  • Ich glaube, wenn man eine Geschichte über die/ aus der SM-Szene schreibt, ist das gar nicht so einfach, die Gefühle entsprechend zum Ausdruck zu bringen. Denn es ist nun mal ein "Spiel", als ob man eine andere Welt betritt. Im Alltagsleben sind das dann auch bloß ganz "normale Frauen" :D. Das Schwierige ist, denke ich mal, dass die Geschichte hier gleich in diesem Club beginnt und man dadurch die Figuren (die ich dennoch nicht unsympathisch finde) nicht erst besser kennenlernen kann. Aber was man vielleicht tun könnte, wäre, die Gedanken der Domina ein bisschen mehr in den Vordergrund zu stellen. Denn auch, wenn sie ihre "Rolle" einnimmt, hat sie trotzdem Empfindungen, hegt vielleicht sogar zärtliche Gefühle für ihre Sub, die sie in diesem "Spiel" natürlich niemals zeigen wird, sonst würde sie sich unglaubwürdig machen. Doch das Schöne ist, dass die Autorin hinter die Fassade blicken und damit beim Schreiben darauf eingehen kann. Also Juli, let's do it! :D

    Montag, 9. Mai 2016 19:39
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