Die beste Schreibwerkstatt im Netz

Eben kam mir so der Gedanke, dass der Lesbische LiteraturPreis wirklich die beste Schreibwerkstatt im Netz ist. Denn wo werden so viele verschiedene Auszüge parallel eingestellt und besprochen? Konstruktiv besprochen. Mit der eindeutigen Absicht, der Autorin zu helfen und sie zu unterstützen?

Wenn eine Autorin ein ehrliches und konstruktives Feedback zu dem haben möchte, was sie schreibt, kann sie nichts Besseres tun, als es beim LLP einzureichen. Denn normalerweise erhält man solche Hinweise, wie sie beim LLP kostenlos gegeben werden, nur in einem Lektorat – und das kann teuer werden.

Wobei die Kostenersparnis wohl nicht das Wichtigste beim LLP ist. Ich weiß nicht, ob irgendeine Autorin überhaupt darüber nachdenkt, wenn sie ein Manuskript zum LLP einreicht. Wahrscheinlich nicht. Ich hätte es wohl auch nicht getan, als ich noch Anfängerin im Schreiben war.

Was ich mir aber immer gewünscht habe – und was es damals nicht gab –, war eine Rückmeldung zu dem, was ich geschrieben hatte. Es gibt natürlich immer die Familie oder die eine oder andere Freundin, die gern liest, aber das ist nicht dasselbe wie das Feedback, das man von Leserinnen bekommt, die eine überhaupt nicht kennen.

Sie urteilen tatsächlich nur nach dem, was sie lesen, nicht nach der Sympathie für die Tochter, Schwester oder Cousine oder die gute Freundin. Seiner guten Freundin würde man wohl niemals sagen, wenn man findet, dass das, was sie geschrieben hat, schlecht ist. Innerhalb der Familie dasselbe.

Das ist nett gemeint, aber das bringt eine Autorin nicht weiter. Beim LLP ist es jedoch ganz anders. Hier wird freundlich darauf hingewiesen, was in einem Text eventuell nicht stimmt. Umgekehrt wird natürlich auch gelobt, was gut ist. Man bekommt also ein ausgewogenes Urteil.

Diejenigen, die die eingereichten Texte kommentieren, sind zum Teil Leserinnen, zum Teil Autorinnen, zum Teil Lektorinnen – und manchmal bin es sogar ich selbst. smile Eine solch breit zusammengesetzte und unabhängige Jury gibt es vermutlich bei keinem anderen Schreibwettbewerb. Viele derjenigen, die die Texte lesen, kennen sich untereinander nicht, beeinflussen sich gegenseitig nicht, sagen einfach nur ihre Meinung – und das immer konstruktiv und nett. Wo gibt es so etwas heutzutage noch?

Gerade in diesem Jahr haben wir außerordentlich viele gute Beiträge, bei denen die Wahl schwerfällt. Einige der Autorinnen, die etwas eingereicht haben, haben sich vorher mit den Schreibübungen aus der Schreibwerkstatt auf der el!es-Webseite fit gemacht. Diese Schreibwerkstatt steht natürlich das ganze Jahr zur Verfügung, wohingegen es den LLP nur einmal im Jahr für einen Monat gibt. Er ist sozusagen der Höhepunkt des Schreibens.

Das heißt aber nicht, dass man bereits eine perfekte Autorin sein muss, um etwas zum LLP einreichen zu können. Im Gegenteil. Der LLP soll gerade jungen Autorinnen – das bezieht sich nicht aufs Lebensalter, sondern nur auf die Zeit, die man schon schreibt beziehungsweise darauf, dass man noch gar nichts oder wenig veröffentlicht hat – eine Plattform bieten, wie es sie sonst nirgendwo gibt. Hier können sich erfahrene mit noch nicht so erfahrenen Autorinnen treffen, austauschen und voneinander lernen.

Ein Gewinn für alle, die sich daran beteiligen.

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