Märchen für die Lesbenwelt

Gibt es eigentlich bereits lesbische Märchen? Damit kenne ich mich überhaupt nicht aus, weil ich keine Kinder habe, doch die Autorinnen im el!es-Schreibforum haben gerade ihre Kindheit wiederentdeckt 😉, und so haben wir – nachdem Charlie (Hugo – »Lieben heißt vertrauen«), den Vorschlag gemacht hatte – gemeinsam beschlossen, neue (lesbische) Märchen zu schreiben und ein ganzes Buch daraus zu machen.

Wie mir bereits früher auffiel, sind Märchen eigentlich die Vorläufer von Fantasy. Nur sind sie sehr kurz, während Fantasyromane eher so niemals aufhören. Die fangen oft bei zweihunderttausend Wörtern erst an. Und das ist nur der erste Band. 😉

Märchen hingegen kommen mit sehr wenigen Wörtern aus, bestehen manchmal nur aus einer einzigen Druckseite. Denn dort geht es in erster Linie um die Moral. Märchen sollen erzieherisch wirken, eine bestimmte Lebenssituation abbilden und deren Lösung aufzeigen. Gut und Böse sind eindeutig definiert. Die Guten gewinnen. Die Bösen verlieren und werden meist noch sehr schmerzhaft für ihre Boshaftigkeit bestraft.

So wurden Kinder früher erzogen: durch Strafe, und Märchen spiegeln das wider. Sie sollen die Kinder davon abhalten, Böses zu tun, indem sie ihnen die Konsequenzen in sehr harter Manier aufzeigen. Deshalb sind Märchen heutzutage aus vielen Kinderzimmern verschwunden, weil man sie als zu brutal betrachtet. Man will nicht mehr mit Drohungen erziehen, sondern mit Verständnis und Liebe. Auch wenn man selbst mit gutem Beispiel vorangeht, können die Kinder davon etwas lernen. Oftmals hat regelwidriges Handeln der Kinder gar keine Konsequenzen mehr oder nur sehr harmlose – wenn es denn überhaupt Regeln für sie gibt. Da ist das Pendel manchmal etwas zu weit in die falsche Richtung ausgeschlagen.

Aber das ist ein anderes Thema. Um Kindererziehung geht es hier in diesem Artikel nicht. Es geht um eine andere Art von Märchen. Lesbische Märchen, in denen die alten Muster, die wir alle kennen, auf lesbische Art neu interpretiert werden.

Nun kam im el!es-Schreibforum die Idee auf, daraus einen Märchengeschichtenband zu machen, in der Art, wie es schon die Adventsgeschichtenbände gibt, die all die Geschichten zusammenfassen, die im Adventskalender des Vorjahres erschienen sind. Um genügend Geschichten dafür zusammenzubekommen, wäre ein Wettbewerb geeignet, wie wir ihn auch schon mehrmals für die Adventsgeschichten veranstaltet haben.

Nach den Krimis nun also Märchen. 😉 Auch wenn das im ersten Moment fast wie das Gegenteil erscheint, sieht es, wenn man genau hinschaut, gar nicht so anders aus. Geht es in Märchen nicht oft auch um Verbrechen? Um böse Taten, die bestraft werden müssen? Nur dass man normalerweise nicht darüber nachdenken muss, wer es getan hat. Das weiß man schon. Die böse Hexe, der böse Zauberer, der böse König, die böse Königin, die neidische Schwester, der eifersüchtige Bruder. Sie alle müssen für ihre schlechten Charaktereigenschaften büßen – zumindest, wenn sie ihr Verhalten danach ausrichten.

Krimis sind meist sehr moralisch. Die meisten KrimiautorInnen sind MoralistInnen. Wir wollen die Welt verändern, sie zu einem besseren Ort machen, daran erinnern, was passiert, wenn man dieses Ziel vergisst. Mord und Totschlag sind die Folge. Das ist oft auch in Märchen so.

Weil in Krimis die Schuldigen meistens bestraft werden, sind sie wirklich fast so etwas wie moderne Märchen, denn in der Realität ist das leider immer weniger der Fall. So können also sowohl Krimis als auch Märchen Wege aufzeigen, wie man in einer besseren Welt friedlich miteinander leben kann.

Unsere Märchen hier bei el!es sollen aber natürlich auch noch einen anderen Sinn haben: Sie sollen die lesbische Komponente einbringen, die in Märchen überhaupt keine und in Krimis (außer in meinen 😉) nur selten eine Rolle spielt.

Deshalb bin ich nun sehr gespannt darauf, wie die lesbischen Märchen für unseren Märchengeschichtenwettbewerb dann aussehen werden. Welche Märchen werden überhaupt neu geschrieben werden »in lesbisch«?

Im el!es-Schreibforum haben wir schon einmal mit Dornröschen angefangen und dem Froschkönig, auch Rapunzel und Schneewittchen wurden als Vorlagen genannt. Aber es gibt natürlich noch viel mehr.

Das sehr lobenswerte »Projekt Gutenberg« hat alle Märchen der Gebrüder Grimm hier kostenlos zur Verfügung gestellt, für diejenigen, die sich aus ihrer Kindheit nicht mehr so genau an die einzelnen Märchen erinnern.

Auch Kunstmärchen wie die von Hans Christian Andersen gibt es dort zu lesen. Wer kennt nicht „Des Kaisers neue Kleider“ oder „Die kleine Meerjungfrau“, „Das hässliche Entlein“ oder „Die Schneekönigin“? Und das sind nur einige seiner vielen, vielen Märchen. 

Und Die Nachtigall und die Rose“ von Oscar Wilde, ein Kunstmärchen genauso wie diejenigen von Wilhelm Hauff.

Als Kind habe ich Kalif Storch wahnsinnig geliebt. Ich hatte da eine Schallplatte – nun kann sich jeder ausrechnen, wie alt ich schon bin 😅 –, die ich immer und immer wieder gehört habe. Auch „Das kalte Herz“ von Wilhelm Hauff wäre eine wunderbare Vorlage für eine neue Geschichte, denn die Moral ist heute noch viel aktueller als damals: Was nützt einem alles Geld der Welt, wenn man nicht mehr lachen kann, keine Freude mehr empfinden kann?

Es gibt also eine große Auswahl von Vorlagen, aus denen man lesbische Märchen machen könnte.

Ich hoffe, alle haben viel Spaß dabei. 😃

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