Die schöne deutsche Sprache

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Unter dem Titel »Realistisch realisierbar« habe ich kürzlich bedauert, wie schlampig viele heutzutage mit ihrer eigenen Muttersprache, der deutschen Sprache, umgehen.

Dieses Bedauern ist nicht meines allein. Ich weise in diesem Zusammenhang immer wieder gern auf Professor Theodor Ickler hin, der seit Jahren tapfer gegen die »Rechtschreibreform« und andere Verstümmelungen der deutschen Sprache kämpft. Er führt ein »Rechtschreibtagebuch«, in dem er laufend festhält, wie wenig viele Menschen in unserer Zeit gelernt haben, mit der deutschen Sprache umzugehen. Selbst Journalisten, deren Beruf es ja eigentlich ist, können das kaum.

Ist das einfach nur Schlamperei, Faulheit oder tatsächlich fehlende Bildung? Das fragt man sich. Liegt es daran, daß unser Schulsystem so schlecht ist? Liegt es daran, daß der Einfluß des amerikanischen Englisch so massiv ist, daß die Kinder nicht mehr wissen, was Deutsch und was Englisch ist? Liegt es daran, daß die Eltern sich nicht um die Ausbildung der Kinder kümmern? Oder selbst die Lehrer die deutsche Sprache nicht mehr beherrschen?

Sicherlich spielt das alles zusammen. Kinder lernen Sprache durch ihre Eltern und ihre sonstigen Bezugspersonen. Wie diese Bezugspersonen sprechen, hat einen Einfluß darauf, wie gut die Kinder später die Sprache beherrschen werden. Ein Kind, das schon bevor es in die Schule kommt, Bücher von Goethe aus der Bibiothek der Eltern gelesen hat, wird anders sprechen und schreiben als ein Kind, dessen Eltern keine Bücher besitzen, generell vielleicht nicht lesen oder nur die Zeitung mit den vier Buchstaben.

Dieser Bildungsunterschied und die fehlenden Chancen für Kinder, die aus sogenannten »bildungsfernen« Familien (also kein Goethe im Schrank) kommen, wird von ausländischen Beobachtern, die unsere Schulen besuchen, immer wieder beklagt. Denn deutsche Schulen fangen diesen Bildungsunterschied nicht auf. Die meisten Kinder, deren Eltern zu Hause keinen Goethe im Schrank haben, werden nie in ihrem Leben Goethe lesen und die deutsche Sprache nie als etwas Schönes, Wertvolles, Bewundernswertes betrachten, nie ihren Klang und ihre Einmaligkeit genießen, sondern sie immer nur als Mittel zur Kommunikation benutzen (die dann natürlich auch wieder auf »ungoethischem« Niveau stattfindet).

Das ist ungeheuer schade, denn wenn man keines der wunderschönen deutschen Gedichte kennt, die überall auf der Welt berühmt sind, keinen Rilke, keinen Hesse, keine Ricarda Huch, keine Ingeborg Bachmann, und dann meint, die deutsche Sprache wäre nicht so schön wie die englische, weil aus dem Englischen übersetzte(!) Liedertexte auf Deutsch nicht so gut klingen, wie eine Kommentatorin schrieb, wird man nie die Chance haben zu erkennen, wie schön die deutsche Sprache ist.

Rilke zum Beispiel. Gibt es einen Rilke auf Englisch? Natürlich nicht. Rilke war Österreicher und demzufolge war seine Muttersprache Deutsch. Rilkes Sprache ist einmalig, es ist wunderschönes Deutsch und sicherlich jedem englischen Liedtext weit überlegen. Aber die deutschen Kinder kennen diese Sprache nicht mehr und finden Englisch deshalb schöner.

Oder »Erklär mir Liebe« von Ingeborg Bachmann. Gibt es so etwas auf Englisch? Nein, niemals.

Aber wie soll man die Schönheit und Einmaligkeit der deutschen Sprache heutigen Kindern nahebringen, wenn sie nur noch englische Liedtexte hören und kein gutes deutsches Buch mehr lesen?

Hier hat sich der Journalist Nikolaus Nützel jetzt sehr verdient gemacht. Er hat ein Jugendbuch geschrieben, ein Sachbuch für Jugendliche mit dem Titel »Sprache oder Was den Mensch zum Menschen macht«. Das Buch hat fast zwangsläufig viele Preise als bestes Jugendsachbuch bekommen, denn es bietet einen auch für Kinder und Jugendliche verständlichen Einstieg in die Sprache, den ihnen vielerorts heutzutage weder die Eltern noch die Schule bieten.

Interessant finde ich den Titel, den Nützel für sein Buch gewählt hat. Sprache ist das, »was den Mensch zum Menschen macht«. Ja, das ist richtig. Nur durch die Sprache unterscheiden wir uns von den Tieren. Deshalb ist es wichtig, seine Muttersprache zu beherrschen, denn wenn wir sie nicht beherrschen, was würde das im Umkehrschluß bedeuten? Daß wir eher Tiere als Menschen sind?

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