Geschichten im Advent ... und auch sonst

Und schon geht es weiter mit den Adventsgeschichten . . . Ich weiß, ich weiß, so viel auf einmal oder auch nacheinander kann man ja gar nicht schreiben, wenn man auch noch einen Beruf und eventuell auch noch Frau und Kinder hat. 🙂 Muss ja aber auch niemand. Es ist halt mittlerweile Tradition, dass es bei el!es einen Adventskalender gibt, und deshalb kann es gar nicht genug Advents- beziehungsweise Weihnachtsgeschichten geben, damit wir den auch abwechslungsreich gestalten können, denn je mehr Geschichten, je mehr verschiedene Autorinnen, desto interessanter und schöner wird die Vorweihnachtszeit. Hinter jedem Türchen eine neue Überraschung, das ist doch so, wie es sein soll, nicht wahr?

Das würde bedeuten, wir brauchten 24 Geschichten, und das wäre wirklich vermessen, denn so viele Geschichten hatten wir noch nie. Der Märchenwettbewerb mit 18 Geschichten war da schon viel. Obwohl wir bei Kurzgeschichtenwettbewerben immer mehr Einsendungen hatten als bei Romanwettbewerben wie dem LLP. Aber das ist ja auch verständlich. Eine Kurzgeschichte ist nun einmal schneller geschrieben, das liegt einfach an der geringeren Anzahl Wörter.

Und auch daran, dass man für einen Roman mehr schriftstellerisches Handwerk braucht. Nicht dass es einfach ist, eine gute Kurzgeschichte zu schreiben. Eine gute Kurzgeschichte kann in der Tat genauso viel Arbeit machen wie ein Roman. Aber wenn man das einmal mit der 250-Wörter-pro-Tag-Methode berechnet, dann braucht eine Geschichte von 10.000 Wörtern 40 Tage, ein Roman von 60.000 Wörtern aber 240 Tage, ein Roman von 75.000 Wörtern sogar 280 Tage. Und das auch nur, wenn man wirklich jeden Tag schreibt und jeden Tag das Minimum von 250 Wörtern erreicht.

Die Wörter allein machen aber noch keinen guten Roman. Das vergessen viele, die nur nach Wörtern zählen (vor allem im amerikanischen Raum ist das sehr verbreitet) und meinen, das allein wäre schon ein Qualitätskriterium. Das ist es nicht. In erster Linie ist es Fleißarbeit. Die Qualität steht oft auf einem ganz anderen Blatt. Das kann man vor allem beim NaNoWriMo jedes Jahr wieder und immer wieder beobachten. Dort werden wirklich viele, viele Wörter produziert, manche Vielschreiber schaffen es tatsächlich, in den 30 Tagen eine Million Wörter in die Tasten zu hauen, aber ist das wirklich noch Schreiben? Sind das Schriftsteller? Würde ich nicht sagen. Es sind vor allen Dingen Leute, die gut tippen können. 😎

Und so viele Wörter müssen wirklich nicht sein, vor allem nicht in so kurzer Zeit. Natürlich habe ich selbst auch schon Millionen von Wörtern geschrieben in meinen Romanen, aber nicht in 30 Tagen, sondern in 20 Jahren. 😏 Das ist auch in Ordnung. Ich denke, jeder einigermaßen produktive Schriftsteller und jede geistig so fruchtbare Schriftstellerin wie ich schreibt das im Laufe der Zeit, das ist normal.

Und meistens sind es tatsächlich RomanschriftstellerInnen, die das schaffen. Mit Kurzgeschichten kommt man vermutlich nicht auf so viele Wörter. Denn im Grund genommen braucht eine gute Kurzgeschichte genauso viel Aufwand wie ein Roman, und somit werden selbst sehr viele Kurzgeschichten nicht auf dieselbe Wortanzahl kommen wie das bei der gleichen Anzahl Romanen der Fall wäre. Der größte Aufwand ist nämlich nicht die Wortanzahl, der größte Aufwand ist es, sich eine Geschichte – ob kurz oder lang – überhaupt erst einmal auszudenken, eine Idee zu haben, die bis zum Schluss zu durchdenken und dann auch umzusetzen.

Trotzdem ergeben sich bei einem Roman dann immer noch andere Probleme, die man bei Kurzgeschichten nicht oder selten hat. Berühmt-berüchtigt ist beispielsweise das sogenannte Loch in der Mitte bei einem Roman. Gibt es bei vielen Romanen, auch veröffentlichten Romanen, sogar weltbekannten Romanen. Der Grund dafür ist, dass der Autor oder die Autorin die Geschichte nicht wirklich zu Ende gedacht hat, dass ihm oder ihr in der Mitte die Ideen ausgegangen sind. Oder dass die Idee zwar für eine Kurzgeschichte gereicht hätte, für einen Roman aber nicht genug Substanz hat.

Das sehe ich immer wieder bei Manuskripten, die bei uns eingereicht werden. Die Autorin hat eine ganz tolle Idee, der Roman geht auch gut los, und dann sind so ungefähr 20.000, 30.000 oder 40.000 Wörter vorbei, und die Geschichte wäre eigentlich zu Ende. Sie will aber einen Roman schreiben und schreibt weiter, bis sie zum Beispiel das Minimum für den LLP, 60.000 Wörter, erreicht hat. Eventuell hatte sie dann von Anfang an noch eine schöne Idee für das Ende der Geschichte, die letzte Szene, die sie dann auch noch hinschreibt, sodass der Schluss des Buches dann wieder genauso gelungen ist wie der Anfang. Aber in der Mitte . . . ist ein Loch. Größer oder kleiner, je nachdem.

Wenn es ein wirklich guter Roman werden soll, muss man dieses Loch füllen, entweder mit einem zusätzlichen Handlungsstrang oder zusätzlichen Figuren oder einem anderen Ausbau der Idee, der mehr hergibt. Das ist aber sehr schwierig bis unmöglich, wenn man das schriftstellerische Handwerk nicht beherrscht. Deshalb ist das Handwerk so wichtig. Und deshalb wird es auch immer mehr Einsendungen für Kurzgeschichten- als für Romanwettbewerbe geben. Denn in einer Kurzgeschichte hat man nur eine Hauptfigur, einen Handlungsstrang und einen Konflikt. Oftmals auch nur einen Ort und eine Zeit. Das Ganze ist also wesentlich überschaubarer. Mit weniger Möglichkeiten, sich zu verzetteln oder plötzlich ein Loch in der Mitte zu haben.

Weshalb ich auch jeder Autorin empfehle, zuerst einmal mit einer Kurzgeschichte anzufangen. Hier bei den Märchen hat man gesehen, dass das gut funktioniert. Auch eine Adventsgeschichte für unseren Kalender wäre ein guter Anfang. Oder auch eine Kurzgeschichte für den LLP, denn auch dort wird das akzeptiert. Es gibt zwei verschiedene Abstimmungen, einmal für Romane und einmal für Kurzgeschichten. So muss man sich nicht sofort an das große epische Werk machen, das einer Jungautorin (die auch 40 Jahre alt sein kann, das kommt sogar öfter vor, als man denkt 👍) eventuell Angst macht, bei dem sie befürchtet, es nicht beenden zu können oder mittendrin steckenzubleiben, weil ihr das schriftstellerische Handwerk fehlt, um das Loch in der Mitte zu überwinden oder gar nicht erst entstehen zu lassen.

Eine süße kleine Kurzgeschichte fällt aber jeder Autorin wohl einmal ein. Dann muss man sie nur noch hinschreiben. Und wenn das nicht mehr für den Adventskalender klappt in diesem Jahr, warum dann nicht eine Geschichte für den LLP im nächsten April schreiben? Bis dahin ist noch sehr viel Zeit, und mit 250 Wörtern am Tag – kleinen Moment, ich berechne das mal schnell – kommen bis zum 1. April, wenn der LLP startet, 47.250 Wörter dabei heraus, bis zum 1. April 2019 sind es nämlich von heute an noch 189 Tage. Das wäre also fast schon ein langer Roman.

Mit 125 Wörtern am Tag kämen 23.625 Wörter dabei heraus, also ein ganz anständig langer Kurzroman, und wenn man sogar diese Wortanzahl noch einmal halbiert und mit 62,5 Wörtern pro Tag rechnet (aber ganz exakt auf das halbe Wort achten, sonst klappt es nicht 😏), kommen immer noch sage und schreibe 11.812,5 Wörter bis zum LLP heraus, also auf jeden Fall eine ordentlich lange Kurzgeschichte.

Ich finde diese Zahlenspiele faszinierend. 😎 Weil sie eben auch zeigen, dass das Argument Ich habe keine Zeit bei den meisten leicht zu überwinden wäre. Denn 62,5 Wörter pro Tag – gut, das halbe Wort kann man ja noch weglassen 😉 – schafft wohl jeder, der auch nur eine Einkaufsliste schreibt. Jedenfalls sind rund 60 Wörter sicherlich leicht in zehn Minuten geschrieben. Und zehn Minuten wartet man doch überall mal. Beim Arzt, in der U-Bahn, oder man fährt mit dem Bus und schreibt die paar Wörter währenddessen auf seinem Handy. Man kann sie sogar mal so nebenbei auf dem Weg zur Arbeit oder zum Sport oder in der Mittagspause diktieren, denn mittlerweile kann das auch jedes Handy, kleine Texte aufnehmen.

Dieser Text hier ist übrigens 1.250 Wörter lang, also das wären schon fünf Tage für eine Kurzgeschichte oder einen Roman, die ich jetzt hier in der letzten Stunde getippt habe.

 

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Der Dateiname enthält meinen Namen und den Titel (Bsp.: Gogoll, Taxi nach Paris.docx) Ich stimme zu, dass meine Angaben aus dem Formular zur Beurteilung meines eingereichten Manuskripts erhoben und verarbeitet werden. Hinweis: Sie können Ihre Einwilligung jederzeit für die Zukunft per E-Mail an info@elles.de widerrufen. Detaillierte Informationen zum Umgang mit Nutzerdaten finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

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  • Ruth Gogoll
  • Ruth Gogoll

    Permalink

    Das hier sind 66 Wörter:

    Es ist fast schon der 1. Advent. Und ich schleiche durch die Straßen, als wäre ich auf der Flucht. Überall diese Weihnachtsmusik und all das. Wofür? Es macht mir nichts aus, allein zu sein, aber müssen alle anderen so deutlich zeigen, dass sie sich für ein Familienfest vorbereiten?
    „Entschuldigung“, stößt eine Frau neben mir atemlos hervor, nachdem sie mich mit ihren vielen Paketen fast umgerannt hat.
    Das zu schreiben hat keine fünf Minuten gedauert. Es ist wirklich faszinierend. :)

    Donnerstag, 27. September 2018 9:04
  • Ruth Gogoll

    Ruth Gogoll Permalink

    127 Wörter. Also geht die Geschichte weiter. ;)

    „Hm“, brummele ich, denn nach Reden ist mir nicht zumute.
    Dann sehe ich, dass sie ein paar der Pakete verloren hat und verzweifelt auf die Straße starrt, weil sie vermutlich auch noch die anderen verlieren würde, wenn sie sich danach bückte.
    Ich bin zwar nicht in der besten Stimmung, aber ein bisschen Erziehung habe ich noch übrig, also bücke ich mich nach den Paketen und hebe sie auf. Als ich sie ihr jedoch zurückgeben will, weiß ich nicht, wo ich sie hintun soll, denn sie hat nicht einmal einen Finger mehr frei, um sie zu tragen.
    Ihr verzweifelter Blick versinkt in meinem. „Ich weiß, es ist viel verlangt.“ Immer noch etwas atemlos scheint sie um jedes Wort zu ringen. „Aber könnten Sie mir vielleicht helfen, die Sachen zum Auto zu bringen?“
    Das waren jetzt ca. 8 Minuten.

    Dienstag, 2. Oktober 2018 7:48
  • Ruth Gogoll

    Ruth Gogoll Permalink

    Die kleine Adventsgeschichte für nebenbei ;) geht weiter:

    „Ja klar, hab ja sonst nichts zu tun“, brummele ich wieder. Es soll ironisch klingen, aber eigentlich ist es die Wahrheit. Ich habe tatsächlich nichts zu tun.
    Ist es nicht manchmal komisch? Man hat keine Lust auf gar nichts. Fernsehen gucken, im Handy rumdaddeln oder am PC das Internet absuchen, ob es dort irgendwas Interessantes gibt, oder vielleicht was lesen, Leute treffen, spazierengehen, Sport schon mal überhaupt nicht, schlafen will man auch nicht – eigentlich ist es einem zu viel, überhaupt nur zu existieren. Und trotzdem will man irgendwas tun?
    Sie blickt mich etwas verwirrt an, weiß wohl nicht so genau, ob ich das ernstgemeint habe. Aber wie soll sie es wissen, wenn ich selbst es noch nicht einmal weiß?
    „Schon gut“, sage ich und nehme ihr noch ein paar Pakete ab. „Wo steht Ihr Auto?“

    ---

    136 Wörter on the go.

    Montag, 8. Oktober 2018 8:49

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