Die erfolgreichste Liebesgeschichte der Welt: Cinderella

Die früher in Liebesromanen am meisten verbreitete Variante war die Cinderella-Story, manche Autorinnen wie Barbara Cartland bauten allein auf diesem Muster sogar ihre sämtlichen Romane auf. Auf deutsch heißt die Figur Aschenputtel oder Aschenbrödel, aber mittlerweile ist durch Disney der englische Name Cinderella wahrscheinlich bekannter als die deutschen Ursprünge. Immer noch sind Cinderella-Geschichten sehr beliebt, aber so wie sich die Stellung der Frauen in der Gesellschaft verändert hat, haben sich auch die Geschichten verändert und angepasst. Früher wäre es undenkbar gewesen, dass eine Frau ihr eigenes Geld verdient, über ihr eigenes Leben bestimmt, auch darüber, ob sie Kinder haben will oder nicht und wie viele, ob sie überhaupt eine Familie haben oder heiraten will, an welchem Ort sie wohnen und wie sie leben will. Aber das ist alles heute nicht mehr so.


Deshalb hat sich in der modernen Liebesromanliteratur so etwas wie Chick-Lit etablieren können. Solche Frauen wie die, die dort die Heldinnen darstellen – Zicken und „Bitches“ –, wären früher auf dem Heiratsmarkt „unverkäuflich“ gewesen, niemand hätte sie „an den Mann bringen“ können, deshalb kamen sie normalerweise in Liebesromanen, insbesondere von Frauen geschriebenen Liebesromanen, was der größte Anteil ist, nicht vor.

Dennoch sind auch Cinderella-Geschichten immer noch beliebt. Es ist interessant, dass das anscheinend nie aufhört. Dazu gesellen sich heute jedoch Geschichten um erfolgreiche Frauen, die trotzdem einen Mann fürs Leben finden wollen, was in der Heterowelt anscheinend tatsächlich nicht so einfach ist, denn die Männer haben sich nicht unbedingt so weiterentwickelt und angepasst wie die Frauen.

Glücklicherweise haben wir dieses Problem nicht, bei uns geht es nur um Frauen. Um Frauen, die eine Frau finden wollen. Also könnte die Cinderella-Geschichte durchaus funktionieren. Oder auch nicht. Denn zwei Frauen, die selbstständig und autonom im Leben stehen, müssen ganz anders zueinander finden als beispielsweise ein Dienstmädchen und ihre Herrin. 

Worum es aber wie immer weniger geht, ist das, was wir Autorinnen wollen. Es geht mehr um das, was die Leserinnen wollen. Und ehrlich gesagt haben auch die lesbischen Leserinnen die Cinderella-Geschichte durchaus sehr gern. Also eine Frau, die durch eine andere, die größer, stärker, durchsetzungsfähiger und möglicherweise auch reicher ist als sie, gerettet und eventuell in „höhere Sphären“ gehoben wird. Deshalb der große Erfolg der Geschichten, die auf dem Xena-und-Gabrielle-Muster beruhen. Gabrielle ist zwar nicht direkt Cinderella, aber Xena ist eine Kriegerin, groß und stark, muskulös, durchsetzungsfähig. Kann jeden Mann durch die Wand hauen, ein weiblicher Herkules.

Das ist archetypisch. Darwinistisch. Der Stärkere überlebt. Der Stärkere darf sich fortpflanzen. Der Stärkere wird von anderen bedient und verehrt. Und er – beziehungsweise in unserem Fall sie – hat natürlich auch die Wahl der Frau. Alle sozialen Errungenschaften können daran kaum etwas ändern, denn das ist in unser Reptiliengehirn eingebrannt und liegt in unseren Genen. Deshalb sind solche Geschichten seit Hunderten von Jahren erfolgreich. Und werden es wahrscheinlich auch noch hundert Jahre oder mehr sein.

Wenn man also eine garantiert erfolgreiche Geschichte schreiben will, sollte es so eine archetypische Geschichte sein. Da kann man fast darauf wetten, dass sie eine Menge Leserinnen finden wird. :) Was uns aber nicht davon abhalten sollte, auch andere Geschichten zu schreiben. Denn jede Geschichte findet ihre Leserinnen. Nur vielleicht nicht so viele wie die archetypischen Geschichten. Archetypische Geschichten sind z.B. die Star-Wars-Episoden. Die absolut klassische Heldenreise.

Für Frauen ist das etwas schwieriger, weil diese Art Geschichten sich normalerweise immer um Männer drehen. Auch wenn selbst Star-Wars sich mittlerweile eine weibliche Hauptfigur zugelegt hat, die schlagkräftige Rey, die sozusagen der neue Luke Skywalker ist. Das ist interessant, denn es spiegelt auch die gesellschaftliche Entwicklung wider, und viele Lesben schwärmen tatsächlich von Rey, denn wer wünscht sich nicht eine Freundin, die sich in allen Situationen behaupten kann? 8-) Meistens ist es uns aber gar nicht so um das Heldentum getan, für uns geht es schon mehr um Liebe.
 
Da gibt es dann zwei Varianten: Entweder die Protagonistin erobert die andere Frau, oder sie wird von der anderen erobert. Mehr Varianten für Liebesromane gibt es tatsächlich nicht. ;) Aber trotzdem kann die Gestaltung dieser jeweiligen Geschichten sehr unterschiedlich sein. Und darauf kommt es an. Das Muster ist eben nur ein Muster, eine Vorlage, die man abwandeln kann. Man kann immer etwas Individuelles daraus machen.

Und ganz egal, ob wir lieber Cinderella sein wollen oder Xena, eine Cinderella oder eine Xena suchen, eine gute Geschichte wird immer gern gelesen. Davon kann es gar nicht genug geben. 8-) 

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