Der NaNoWriMo und die (überflüssigen) Social Media

Der Startschuss für den NaNoWriMo – den Monat, in dem Hunderttausende Menschen auf der ganzen Welt versuchen, einen ganzen Roman in gerade einmal einem Monat zu schreiben – ist um Mitternacht gefallen. Wer daran teilnehmen will, kann jetzt noch schnell auf den Zug aufspringen, aber diejenigen, die das wollen, habe das bestimmt ohnehin schon getan.

Im Oktober hatte ich ja bereits über den NaNoWriMo 2019 – Preptober berichtet, wie die Leute, die am NaNoWriMo teilnehmen, diesen Monat nun schon seit einigen Jahren nennen. Bei diesem Namen sollte man meinen, dass es kein Problem mehr bei der Vorbereitung auf den NaNoWriMo gibt, denn schließlich hat man einen ganzen Monat dafür. Und dann noch einen ganzen Monat zum Schreiben. Zwei Monate also eigentlich insgesamt.

Aus 1667 Wörtern am Tag werden auf diese Art und Weise 833 Wörter, die man jeden Tag schreiben muss, um sein Ziel zu erreichen, ein Klacks also, der sich gut in den normalen Tagesablauf einbauen lässt.

Sollte man meinen.

Wenn man aber die (oft täglichen) Videos zum Preptober und dann auch zum NaNoWriMo auf dem Internet verfolgt, hat man den Eindruck, ein Monat, zwei Monate … ein Jahr, zwei Jahre … alles kein Unterschied. Die Leute kriegen es einfach nicht hin.

Gut, ein Problem sind tatsächlich diese Videos. Und auch die anderen Social Media wie Instagram und Twitter und was es sonst noch so gibt. Denn Videos drehen sich nicht von allein. Zwar kann man die ganze Zeit eine Kamera mitlaufen lassen, wenn man für den Preptober oder den NaNoWriMo arbeitet, aber hinterher muss das noch geschnitten und eventuell auch noch mit einem neuen Text unterlegt werden, vielleicht auch mit Musik, das macht sich alles nicht in fünf Minuten.

Und diese ganze Zeit, die man auf den Social Media (oder der Vorbereitung für einen Upload) verschwendet, fehlt einem dann bei den wirklich wichtigen Dingen wie zum Beispiel der Vorbereitung fürs Schreiben des geplanten Romans oder das Schreiben des Romans selbst.

Ihr merkt, ich bin keine Freundin der Social Media. 😉 Für mich sind sie ein notwendiges Übel, aber kein Selbstzweck. Was sicherlich auch an meinem Alter liegt. Als ich jung war, gab es keine Social Media, kein Internet, keine Handys, keine Computer. Und wir haben damals sehr gut auch ohne das gelebt. 🙂

Was sich viele junge Leute heute wahrscheinlich kaum noch vorstellen können.

Aber so ist das Leben. Es geht immer weiter, alles entwickelt sich immer weiter. Und das ist auch gut so. Viel schlimmer wäre es, wenn wir alle noch wie vor fünfzig Jahren leben würden und uns in keiner Beziehung weiterentwickelt hätten. Dann müsste man sich wirklich Sorgen machen.

Selbstverständlich hat die technische Entwicklung Vor- und Nachteile, aber auch das ist fast mit allen Dingen so. Wo es Licht gibt, gibt es notwendigerweise auch Schatten. Beides muss sein, um ein vollständiges Bild zu haben.

Deshalb sollte man die Social Media weder in den Himmel loben noch gleich ganz verdammen. Man sollte sie einfach nur sinnvoll nutzen. Und das heißt natürlich, dass man nicht den ganzen Tag davorhängt und alles andere hintanstellt. Dass man nicht jeden Augenblick seines Tages posten muss oder jeden noch so banalen Gedanken, der einem beim Einkaufen kommt. Oder sein Mittagessen. Oder Selfies. Das Überflüssigste überhaupt. 😉

Wer das tut, hat wohl ein sehr langweiliges Leben. Aber wenn man sonst nichts zu tun hat … bittesehr. Jedem Tierchen sein Plaisierchen. Wenn es die Leute, die ihr Mittagessen fotografieren und das sofort hochladen, glücklich macht, warum nicht? Nur wenn es dann zum Lebenszweck wird, fast zu einer Droge, auf die man nicht mehr verzichten kann, dann sollte man sich doch vielleicht professionelle Hilfe suchen. 🙂

Dennoch weiß ich, dass es speziell für viele junge Leute zum täglichen Leben dazugehört wie Aufstehen und Schlafengehen. Manchmal kann man seine Zeit sogar sinnloser verschwenden als mit dem Internet, dann ist das Internet sogar die bessere Alternative.

Es gibt beispielsweise Unmengen von Videos online, aus denen man etwas lernen kann. Über die Welt, über Menschen, sogar über das Schreiben. 🙂 Und einige sind einfach unterhaltsam, erholsam, entspannend oder auch das Gegenteil: spannend, wie es der eigene Alltag eben oft nicht ist. Dagegen ist überhaupt nichts zu sagen. In der Tat höre ich jetzt gerade im Hintergrund – während ich das hier schreibe – eine Zusammenstellung von Musiktiteln aus den 80er Jahren (Jugend, süße Jugend 😄), weil es wirklich angenehm ist, mit dieser Hintergrundmusik zu schreiben.

Auch das ist immer wieder Thema bei der Vorbereitungszeit zum NaNoWriMo: Playlists von Songs zu erstellen, die man dann während des Schreibmarathons beim NaNoWriMo hört, um sich zu motivieren. Musik, die aufpeitscht oder beruhigt, zu den eigenen Figuren und dem, was in meinem Roman passiert, passt, mich gedanklich in die richtige Richtung führt, in die gewünschte Stimmung versetzt (romantische Musik für romantische Szenen 👩‍❤️‍👩) oder beim Schreiben unterstützt und am Laufen hält.

Was ich jedoch immer wieder in all diesen Videos feststelle, ist: Die Leute beschäftigen sich viel zu sehr mit dem, was nur am Rande mit dem Schreiben zu tun hat – wie z.B. Playlists – als mit dem Schreiben selbst, mit der tatsächlichen Vorbereitung für ihren Roman, mit dem Handwerk des Schreibens, mit dem Plot, den Charakteren – den Basiswerkzeugen, ohne die man einfach keinen Roman schreiben kann.

Was nützt mir eine tolle Musik, wenn ich weder eine tolle Idee für einen Roman noch tolle Charaktere habe? Wenn ich dasitze und die Musik auf mich herabrieselt, ich aber nicht weiß, was ich schreiben soll und wie?

Das Ergebnis ist dann auch oft das, was man schon erwartet hat: Die Leute scheitern schon an der Vorbereitung im Preptober, und dann scheitern sie meistens auch beim Schreiben des tatsächlichen Romans im November. Außer sie sind wirklich hochbegabte Bauchschreiber, die das einfach so aus dem Ärmel schütteln können. Da ich selbst Bauchschreiberin bin, empfinde ich das nicht als etwas Negatives – ich habe schon Dutzende von Romanen so geschrieben –, aber für die meisten Leute wäre etwas mehr Vorbereitung eine große Hilfe. Und wenn sie daran schon scheitern …

Ich denke, das ist etwas, das fürs ganze Leben gilt. Der NaNoWriMo erteilt da vielen jedes Jahr eine Lektion: Wenn du dich nicht richtig reinkniest, kommt auch nichts dabei raus. Gerade für junge Leute etwas, das sie oft erst lernen müssen. Das wir alle lernen mussten. Denn wir waren ja alle mal jung, naiv und unschuldig. 🙂

Auch deshalb bin ich zu einer großen Verfechterin des NaNoWriMo geworden, obwohl ich ihn selbst erst vor ein paar Jahren entdeckt habe. Der NaNoWriMo ist nicht einfach nur ein Schreibwettbewerb, eine Möglichkeit, sich selbst so unter Druck zu setzen, dass man endlich mal seinen verdammt guten Roman fertigbekommt, er ist auch eine Schule fürs Leben. Wer schreiben will und den NaNoWriMo nicht schafft, auch nicht beim zweiten, dritten, vierten, fünften Mal, sollte sich ernsthaft überlegen, ob Schreiben wohl das richtige Hobby für ihn oder für sie ist.

Und im Leben ist es genauso: Man sollte seine Zeit nicht mit Dingen verschwenden, die ohnehin zu nichts führen. Ob das nun die Social Media sind oder bösartige Menschen, fiese Chefs oder der falsche Beruf (den vielleicht die Eltern für einen ausgesucht haben und nicht man selbst), lange Palaver in der Firma – meist Meetings genannt – die so überflüssig sind wie ein Kropf.

Es ist meine Lebenszeit, die ich da verschwende und die von anderen verschwendet wird, weil ich es ihnen erlaube.

Also erlauben wir es doch einfach nicht mehr. 😎

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